Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 84 (18.10.1935)
- Date
- 1935-10-18
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2651273-2653827-2653901--27546-2688988- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Alex Bein 1× ep/1003319
- Bruno Italiener 1× ep/1000086
- Caesar Seligmann 1× ep/1011067
- Jakob Schönberg 1× ep/1035836
- Maimonides 1× ep/1002614
- Martin Buber 1× ep/1009258
- Max Dienemann 1× ep/1011813
- Max Grünewald 1× ep/1012141
- Max Wiener 1× ep/1013532
- Paul Lazarus 1× ep/1041328
- Sali Levi 1× ep/1012638
- Siegfried Guggenheim 1× ep/1023833
OCR text
Nr. 84, 18.X. 1935 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seit« 15 Palästina in der jüdischen Schule Vorschläge für den Unterricht Es ist Idar, daß nicht die Einführung eines besonderen Fachs für ״Palästina-Kunde“ hier gewünscht wird, sondern daß der Palästina-Gedanke in allen Fächern seinen Platz be• kommen muß. Es gilt auch! außerhalb des Unterrichts die ףיוי»4 #11.1 Ufr 4׳A Am Werkzeugschrank Schulveranstaltungen so zu gestalten, daß eine Atmosphäre der Palästina-Verbundenheit entsteht. Die größte Erfahrung auf dem Gebiet der Palästina• Erziehung in der Schule haben wohl die jüdischen Schu• ien Polens, die in Zusammenarbeit mit dem Keren Kajemeth seit sieben Jahren eine systematische Arbeit in dieser Richtung betreiben. Dort sind Anweisungen ausgearbeitet wor• den für die Einbeziehung des Palästina-Gedankens in die ver• schiedenen Fächer in Anpassung an den Lehrplan, neue Formen wurden gefunden, um den Unterricht lebendig zu gestalten und um den Schüler zum Mitarbeiter am Aufbau zu machen. Der hebräische Unterricht wird es am leichtesten ermöglichen, Palästina-Themen zu wählen; schon das Lehrmaterial ist zum größten Teil so eingerichtet. Vielleicht wäre es aber auch hier nötig, darauf zu achten, daß Lehrbücher und Lektüre gewühlt werden, in denen Palästina-Themen den Vorzug haben. Der Geschichts- und Erdkunde- Unterricht ist neben dem hebräischen mit das wesentlichste Feld (iir die Palästina-Erziehung. Da muß Palästina nicht als eines der Länder behandelt werden, sondern cs muß einen hervorragenden Raum einnehmen. Für diese beiden Fächer ist durch den Keren Kajemeth Lejisrael besonders viel Lehrmaterial geschaffen worden. Die Palästina-Statistiken der nationalen Fonds und der Zionistischen Organisation werden gesammelt, jeweils vergrößert und als farbige Wandkarten dem Schüler zugänglich gemacht, oder zu statistischen Bilderbüchern verarbeitet. Die Handwerkliche Ausbildung 1־~ ■M Geschichte des Aufbaus wird insbesondere durch belletristisehe Literatur, die entsprechend den Altersstufen zur Verfügung steht, dem Jugendlichen nahe gebracht. Diese Literatur, die für die Schulen Polens, Litauens, Lettlands in hebräischer Sprache abgefaßt sein kann, müßte für die jüdischen Schulen Deutschlands übersetzt werden. Hier ist vor allem die ״Lanoar“-BibliothcK des KKL zu erwähnen, die mehr als 60 Bände zahlt, sowie für Jüngere die ,,Mo!adeti“-Bücherei. Das Hauptbüro des KKL hat mit der Uebcrsetzung ins Deutsche begonnen, einige Bände liegen schon in Ucbersetzung vor. In den höheren Klassen spielt die Publizistik eine größere Rolle, und hier ist durch die verschiedenen Buch erschein 101gen, sowie durch die literarische Arbeit des Hechaluz auch in deutscher Sprache genügend Material vorhanden. (״Arbeiterinnen erzählen“, ״Israel — Volk und Land“, ״Zum jüdischarabischen Problem“ usw.) Eine Belebung findet die Behandlung Palästinas im Unterrieht durch besondere Lehrmittel, wie Palästüia-Bilder, Filmstreifen und Filme. Die nationalen Fonds haben Bilder- und Filmarchive. Diese Bilder ergeben vervielfältigt oder zu Diapositiven verarbeitet das beste Anschauungsmaterial. Im Berliner Archiv des KKL befinden sich Hunderte von Diapositiv-Bildstreifen. Es seien beispielshalber einige angeführt: ״Wanderung durchs Jordantal“, ״Neujahrsfest der Bäume“, ״Feste und Feierlichkeiten“, ״Der Ernek“, ״Fauna in Er-ez; Jisrael“, ״Nahalal“, ״Die arabische Bevölkerung“, ״Die alte Siedlung in Palästina“, ״Neue Wälder in Erez Jisrael“, ״Tel- Awiw und die Orangenküste“. Der Palästina-Film dürfte gerade in Deutschland als Lehrmittel in Betracht kommen und hat den Vorzug der größten Lebendigkeit Auch Modelle, die zum Teil durch die Schüler selbst hergestellt werden, dienten schon oft dazu, bestimmte Siedhingen oder Gegenden Palästinas dem Schüler anschaulicher darzustellen. Diese Modelle wurden entweder ausgeschnitten oder geklebt, oder aus Pappmache und Leim hergestellt. Unter den jüdischen Jugendbünden Deutschlands erfreut sich besonderer Beliebtheit der KKL-Ausschneidebogen ״Mercliavja“, der ausgeschnitten und zusammengeklcbt ein vollständiges Modell dieser Siedlung ergibt. Das Archiv des KKL besitzt auch eine große Palästina- Ausstellung, die einzelnen Schulen zeitweise zur Verfügfung gestellt werden könnte. Die Ausstellung ist entsprechend den Regeln moderner Ausstellungstechnik vorwiegend mit plastischen Modellen ausgestattet. Die Z eich < n s t u n d e und der d e u tsc 11 e U n t errieht bietet weitere Möglichkeiten einer Palästina-Erziehung. Schon bei freier Themawahl zeigt sich, daß häufig Gegenstände bevorzugt werden, die in irgendeinem Zusammenhang mit Palästina stehen. Eine bewußte Themenwahl könnte diese Tendenz stärken und die Gedanken des Kindes mit Palästina in Verbindung bringen. Es soll nur angedeutet werden, daß der Handwerks- und Kochunterricht ein starkes Faktum der Palästina-Erziehung sein kann, denn sehr häufig verbindet der Schüler damit die Vorstellung, daß er sich auf ein Leben in Palästina vorbereitet. Die Schaffung einer Palästina-Atmosphäre kann jedoch, nicht allein durch den Unterricht geschehen. So wäre als erstes die Palästina-Ecke in jede Klasse cinzufiihren, die eine ständige Einrichtung sein müßte, ähnlich wie das in den Heimen der Jugendbiinde zu finden ist. Entsprechend der Altersstufe werden dort neue Bilder, Nachrichten, hebräische Reklamezettel und Gegenstände aus Palästina angebracht. An einem besonderen Platz in dieser Ecke ist die blaue Büchse des KKL untergebracht. Die Pflege müßte wohl meistens der Lehrer selbst übernehmen, der allwöchentlich das Material zu erneuern hätte, ln den höheren Klassen sollte die Palästina-Ecke eine Wandzeitung besitzen. Noch wichtiger für die Schaffung einer mit Palästina verbundenen Atmosphäre ist die Feier der j ii d i s c h c n Feste in Bezogen heit auf Palästina. Diese Schulfeiern, die in vielen jüdischen Schulen und Jugend-Gruppen schon eine bestimmte Tradition haben, sind in starker Anieh- Arbeit in der Küche I1IÜ mmg an die palästinensischen Kinderfeste geschaffen worden. Der Chor singt palästinensische Lieder, die Aufführungen sind hebräisch, und im Mittelpunkt steht oft der Bericht über dieses Fest, wie es in, alten Zeiten gefeiert wurde, und wie es heule in Anlehnung hieran von der palästinensischen Jugend gefeiert wird. Es wurden auch neue Feste geschaffen, die mit Palästina im Zusammenhang stehen. So das Fest der Balfour- Deklaration, die Herzlfeier u. a. Es sei auch auf die Einführung der Palästina- Wochen verwiesen, die bedeuten, daß eine Woche lang in allen Fächern Palästina das einzige Thema bildet. Um diesen Aufgaben gerecht zu werden, ist die Einrichtung eines besonderen Palästina-Zimmers in jeder Schule, welches als Archiv dienen soll, nötig, ln diesem Archiv befinden sich die Wandkarten und Statistiken, die Palästina-Bibliothek, das Bilder- und Filmarchiv, die Münzen- und Briefmarkensammlerngen, die Modelle sowie Material für die Palästina-Ecke. Viele Schulen haben außerdem besondere Kurse und H a n d w e rk s t ii 11 e!1 errichtet, in denen mit Buchbinderarbeiten, mit Klebe- und Näharbeiten Modelle und Lehrmittel durch die Schüler selbst hergestcllt werden. In diesen Werk- Stätten werden auch Modelle und Spielwaren angefertigt, die bei Festen der Schule zugunsten des Palästina-Aufbaus verkauft werden. Dort werden auch die Gegenstände hergestcllt, die als Gaben an den KKL. bei dein grollten aller Kinderfeste, beim Chag habikkurim (Sclicwuoth) dargercicht werden. Dieses Fest, das von mehreren Schulen zugleich gefeiert werden Siedlungsmodelle Di« BiUfar 1«1 dem Srhulbetrieb liiul in der Jädiieheo Schale Berlin >a Kaiierdamm tufgenommen. — Foloi Herber( Sonneoleld müßte, wäre für die jüdischen Schulen Deutschlands etwas Neues. Das Interesse für die Dinge wird ein ganz anderes m dem Augenblick, wo jeder Einzelne Palästina als seine Schöpfung anzusehen beginnt. Aus diesem Gedanken heraus überträgt man einzelnen Klassen die Aufgabe, das Geld zusammen zu sparen, um einen Baum in Palästina zu pflanzen, wobei als Sammelstelle die Büchse in der Palästina-Ecke dient. Eis gibt aber «och viele andere Möglichkeiten einer praktischen Pa?• lästina-Arbeit. Eine Schule z. B. übernimmt die Aufgabe, das Geld für einen Wasserturm einer neuen Siedlung atifzubringen. Es könnte heute etwa der Turm für die Miß Szokl-Siealung sein. Die höheren Klassen könnten sich an den regulären Jugendaktionen des KKL beteiligen. Eine besondere Form der Arbeit, die in letzter Zeit ge״ schaffen wurde, ist die Eintragung in das ״Goldene Buch des KKL für das Kind“, das 5״ e f c r hajclcd“. Diese Lmtragting müßte von jeder Klasse anläßlich ihrer Versetzung vorgenommen werden. Das wichtigste bei allem bleibt natürlich, daß der Lehrer die nötige Atmosphäre schaffen kann, und hierzu ist eine umfassende Bildungsarbeit unter der Lehrerschaft nötig. Veranstaltung von Seminaren und Einrichtung von Kursen wird wohl das wichtigste sein. Eine umfangreiche Palästina- Literatur existiert ja, aber auch hier wäre es nötig, einen Führer durch diese Literatur zu schaffen. Vor allem׳ aber kommt es darauf an, eine Fachliteratur zu schaffen, die für jede Schulklasse und jedes Fach die nötigen Anregungen gibt. Schau! Weinberg Festschrift für Max Dienemann Zum 60. Geburtstag ihres Rabbiners Max Dienemann hat die Gemeinde Offenbach a. M. eine Festschrift herausgegeben (im Verlag von j. Kau ff inan ti, Frankfurt a. M ), zu der zahlreiche namhafte Gelehrte bei getragen haben. I >r. Siegfried Guggenheim gibt ein eingehendes Verzeichnis aller bisherigen Veröffentlichungen Dienmianns, deren Zahl außerordentlich groß ist. Leo Baeck legt in einem Aufsatz ״Glauben“ die Bedeutung des jüdischen Glaubenshegriffes an Hand einer sprachlichen Vergleichung dar. Martin Buber charakterisiert in einem ״Gespräch um Gott" die religiöse Situation des heutigen Menschen. Mit dein Problem der j üdischcn Lebensform, insbesondere in ihrem Zusainmenhang mit dem Religionsgesetz befassen sich die Beiträge von Claude 0. Montefiore ״Gesetz und Freiheit“, Caesar Seligmann, Frankfurt a. M., ״Religionsgesetze oder jüdische Lebensform?" und Max Wiener ״Rcligionsgcsctzliehe und rcligionspbilosnphische Frömmigkeit im Judentum“. All diesen Arbeiten gemeinsam ist das Bestreben, zwischen den׳ religiosen Gesetzesforderungerl und den Ansprüchen eines innerlich gewandelten Lebens eine Svnthese zu finden. Montefiore vertritt den Standpunkt: ״Die Thora ist die Basis _ unseres Ciruppenlebens*‘ - aber: ״Wir haben das Recht, sie abntändern, weil sie die Schöpfung von ■Menschen war, wenngleich diese Menschen nicht ohne den Willen Gottes handelten.“ Scligrnann sieht in ״der jüdischen Lebensform ein historisch Notwendiges, (jemeinschaftserhaltemles, das Leben Heiligemdes“, das aber nur durch seine gesetzliche Verhärtung problematisch geworden sei; das liberale Judentum erstrebe daher die Beseitigung des starren, gesetzlichen Charakters der jüdischen Lebensform, Wiener zeigt in seinem Beitrag die Unterschiede zwischene prophetischer und rabbinischer Frötnmigkeit und ihre schließliche Vereinigung im späteren Judentum, insbesondere in einem Denker wie Maimonides. Zu erwähnen sind ferner einige geschichtliche Auf- Sätze. Professor El bogen spricht von den ״Anfängen der gottesdienstlichen Reform im deutschen Judentum“; Rabb. Dr. Sali Levi, Mainz, ״Von der Eigenart der klassischen Handhabung des jüdischen Religionsgesetzes im Rheingebiet“; Dr. Bruno Italiener, Hamburg, beschreibt eine Sederschüssel aus dem 16. Jahrhundert; Dr. Paul Lazarus, Wiesbaden,״ ruft die Gestalt des in Vergessenheit geratenen Reformrabbitiers Aron Chorin (1766—1811) wieder in Erinnerung. Dr. Max Grünewald, Mannheim, legt i!1 einem Aufsatz ״Der Rest Israels“ dar, welche nationale Bedeutung dieser Begriff für das Judentum angenommen hat: ״Die Ineinssctzung des Restes mit der Gesamtheit sicherte den Zusammenhang zwischen der religiösen Bestimmung und der realen Geschichte des Volksganzen, sicherte auch den Zusammen hang /wischen den einzelrten Bestandteilen dieses Volkes.“ .- Den Abschluß der Festschrift bildet eine neue Interpretation ries Propheten Habakuk durch Prof. Eugen Tä übler, Heidelberg, der die Ansicht zurückweist, dieser Prophet gehöre der Zeit Alexallder d. Gr. an, und nachzuweisen sucht, daß Habakuk bereits um 590 gelebt hat, und in der einige schwierige Text stellen erörtert werden. Dr, N. Eine Volksausgabe der Her/.l-Biographie von Alex Bein. Die vor einigen Monaten erschienene 1 ler/I-Biographie von Alex Bein, nie bisher umfassendste Darstellung der Personliehkeit und des Lübens Theodor Ilcr/Is, ist soeben neu in einer billigen Volksausgabe herausgegeben worden. (Preis bei unveränderter Ausstattung 3,8b, geb. •1,83.) Neues Makkabi-Liederbuch. Wir weiden gebeten, darauf hinzuweisen, daß tlas in unserer Situ inner vom 4. Oktober besprochene palästinensische Liederbuch ״Sehircj Erez. Israel“ von Dr. Jakob Schönberg gleichzeitig unter dem Titel ״Neues Makkabi-Liederbuch“ im Jüdischen Verlag, Berlin, erschienen ist. Der Straßenverkaut in Oberschlesien. Die letzte Nummer der ״Mitteilungen des Reichsverbandes der deutschen Zeitschriftenvcrlcger“ enthält folgende Notiz: ״Im Anschluß an die Anordnung vom 6. September 1935 gibt der Herr Präsident der Reichspressekammer unter Hinweis auf Artikel 75 und 79 des deutsch-polnischen Abkommens über Ober- Schlesien (Genfer Abkommen) vom 15. Mai 1922 in Verbindung mit § 25 Abs. 1 der Ersten Verordnung zur I >11rchführung des Rcichskulturkamn1ergcsetz.es bekannt, daß seine Anordnung über den Vertrieb jüdischer Zcitungen und Zeitschriften vom 6. September 1935 — Rund• schreiben Nr. 31, Ziff. 5 — für den deutschen Teil des Ab- Stimmungsgebietes der Provinz. Oberschlesien keine An- Wendung findet.“ Aus der Industrie. Die Dr. Cassierer Pf Co. A. -G. Berlin-Charlottenburg ist von vier Siemens-Gruppe über-!Kimmen worden. Das Unternehmen besaß bis in die letzte Zeit hinein den Charakter eines Fainilienuntcrnchmcns und stellte ein wichtiges Werk der KabdiiHlustrie dar. Auch die Hclio wattwerke A. G., Berlin, Nachfolgerin des Aron- Konzerns (Elektrizitätszähler, Rundfunkgeräte usw.) werden vom Siemens-Konzern übernommen. - Ferner melde! der ״Berliner Lokalanzeiger“, daß bei der Ore 11 stein & Koppet A.-G. demnächst nichtarische Vorstandsmitglieder aus» scheiden und ihre Aktienpakete in andere Hände übergehen werden. fCDDIfUE HAARGARN 200.»־x300 29.- WOILPERSER m. Fr., ca 200x320 «17־ I CrrIVHE VELOUR M 200x30c 38■— T 0 U R H ft ¥ m. Fr.,««. 200x320 71.- im Kaufhaus #*QA| MAMCTD 07 am Savignypl. UlfViirlMIlii I K■ 4(