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Jüdische Rundschau · 1935-10-18 · Heft 84 (18.10.1935) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 84 (18.10.1935)
Date
1935-10-18
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 84, 18. X. 1935 Erfassung der Jugend. Die Jugendbünde reichten nach seiner Erfahrung für die Jugend vielfach nicht mehr am. Es müßten neue erzieherische Mittel gefunden werden. Der größte Teil der jüdischen Lehrerschaft stelle auch noch heute dem Zionismus fern. Darum sei es besonders wichtig, diese noch passive Lehrerschaft zu erfassen. Erforderlich sei auch, aus Oer eigen e n B e w e g u n g h e raus L e 11 r e r zu schaffen. Der Hedtnluz soll bewußt einen nusgewiilitten Kreis der Menschen iiieriür au-; bilden lassen. Die jüdische Schule solle «ine Arbeitsschule und keine Lernschule sein. Sie muß den ganzen Menschen erfassen, deshalb sollte man versuchen, Tagesschulen zu gründen, in denen sich eine engere (jemeinsehaft bilden lasse. 1111 Vordergrund der Wissensiibermitilung müsse das Hebräische stellen. Eine allgemeine Helraisierung in Deutschland sei keine reale Forderung; dagegen müsse der hebräische Unterricht intensiviert werden, und das sei nicht eine Frage der Stundenzahl, sondern der Durchdringung aller Facher mit hebräischem Ocist. Lind schließlich mußten die j ml Ischen Lehrer in ihrer Gesamtheit ebenfalls hebräisch erlernen. Abschließend stellte Gärtner fest, daß die chaluzisclie Bewegung abhängig sei von der Gestaltung ihrer Erziehung. Sie müssen deshalb Einfluß auf die Besetzung der Schul- Verwaltungen fordern. Zur politischen Lage n s ,.Zur Situation in der Ischen Arbeiterbewegung Arbeitstag eröffnet. Der gesamte zionistische Beden Aufbau im Lande, politische Lage im er A r a b e r f r a g e im Gegensätze zu verzeiche Fniwickluiig Palästinas iegspamk hervorgerufene r.-t eine Konsolidierung pitals erfolgen muß. Zu;hend, betonte der Redner <i e r C 11 n 111 z - B e w e - der inneren Auseinander- Mit einem Refe at Br ונ A 11 a r a riern ist ix •!;en Beweg 1111g 1 11) der juil in I'nlä dina" ward e der letzte Referent ging davu 11 aus daß die wegimg heule he.! legt ei durch Er be.»| MUK 11 Zllll.H I io t tl e :1 u ß e 11 Orient und stellte frei. daß in d Augen hl ick eine V Tsch.l fumg der neu sei. Für die w i r ז s c h a f t 1 1 c 11 sei die gegen w.irii: e, du ־eh die Kr Stockim; g 0 f.! h 1 I i e 1, '.V l ii jetzt c unserer 1;11-.t'i1e׳NU, um! unsere» Ka den d!:1 ü/L-.eca Fl; de: ui gen!!bergt di« \ä-t wem hg heit der ' i!1 h c i t ׳; g 11 n 1ml verbieg e. da 111:111 bei Setzung ge vc mn• 1.11 en/e-r! irr! Kampf Bei ketlaktionss chiuß dauert die «Inhalte. an. n. Brief aus Jugoslawien Aus der Kultusgemeinde Beograd Beograd,!5. Oktober Vor einigen Tagen wurden in der Beograd er aschke- Basischen Kultu-gemeinde Neuwahlen abgehalten, die den Zionisten eine überwältigende Mehrheit brachten. An der Spitze der Zionisten steht Dr. Friedrich Pons, der auch bisher Präsident der Kuitu>gemeinde war. Dr. Pops ist Vizepräsident des jugoslawischen Zionistischen Landesvcrbandes und Präsident des Verbundes der jüdischen Gemeinden Jugoslawiens. Auch sonst wurden die wichtigsten Positionen M der Gemeinde durch aktive Zionisten besetzt, so das Gemeindefinanzamt durch Dr. Leo S t c i!1 d i er, dein Präsideuten des jugoslawischen Keren liajessod, das Schulwesen durch Sime Spitzer, der Vizepräsident des Keren Hajessod ist. Die Stelle des Vizepräsidenten der Gemeinde wird durch Dr. Fran Herzog, den Präsidenten der Beograder Ortsgruppe der Allgemeinen Zionisten, besetzt werden. Anläßlich der Eröffnungssitzung der neuen Gemeinderepräsentanz wurde im Namen der zionistischen Mehrheit von Herrn Sime Spitzer eine Erklärung verlesen, die die Richtlinien der kündigen Arbeit über jüdische Erziehung, Schule, Finanzwesen, soziale Fürsorge, körperiiehe Ertüchtigung der Jugend u. <1. 111. enthält. Herr Spitzer betonte: ״... es unter* liegt keinem Zweifel mehr, daß die Aufgabe unserer Israelitischen Kultn-::•. mehdi-it bei weitem großer ist, als ihr Käme das denken iugic. Aueli d is S t a a 1 > g e s e t z über die ,jmli-che l׳V;igj: 1]-.><1׳n,-in-cbai't in (iigo-iawien* anerkennt lind sicher! den judi-rheu Gemeinden S e I b s t v e r w a 1 - lang und legi ihnen die sorge außer für du־ religiösen Bediufnisse auch für da> so/nie und kulturelle Leben des jüdi- «eher! Uumaim <11•,«׳» auf. l),1» ist eine Anerkennung von seiten der Ms ui »:4 w, dt uii-ere- Anrechte» au! ein eigenes lillltirelles I (dien." Die jUiiw. '11-11:1*101 nieimle in der jugo» Ktlltliegi'Jileinde /nr V Einfluß auf die ubiig׳ Zwar wird die große Nl< Jugoslawien aueli jetzt sc punkte geleitet, hi ׳.ninler Ad (I t tnioeh loh 1:11 11 11 vertu fte Stellung der jüdischen Geiwt-dieii Residenz, die Wandlung der emeinde, wird gewiß n i e h t t>!1 n e 11 Gemeinden des Landes bleiben, hrheit der jiidiwhen Gemeinden in oit vom national]:uibc! 1en Gesichts- > die < jeiiicinde in Zagreb, aber rkanij -.eben en. 1 Inhaf j o da (jenteimfellt sein wird. 1 i e r 5 k o v i c Neue Bücher Palästina-Lyrik Der I.uzerner Kongreß im Film. Vor einem kleinen Kreis von Ihlmtnehbiiuoi und Pressevertretern fand in Wien die Vorführung eines den I.uzerner Zionisten-Kongreß darstellenden Film.» ׳-;alt. Die Aufnahme war von dem palästinciisischen FilminduMiielh-11 Ben/.ion Fett .geleitet warden. Die Müder vermitteln ein persönliches Erlebnis der Vorgänge in i u/ern: der feierlichen Eröffnungssitzung des Kongresses, der entsdieklenden Fraktionssitzimgen der Arbeiterpartei, der Weltvereinigung, des Weltverbandes Allgemeiner Zionisten, des Misrachi und der Judenstaatspartei, Man sieht und hört als Redner auf der Tribüne die führenden Persönlichkeiten des Zionismus in allen seinen Schattie• rungen und Abzweigungen: Ko ko low, Wei/mann, Ussischkin, Ben Gurion, (iroßmann, Locker, Stricker, Kaplanskv, Jizchak Ciriinhauin, Ka/nelson tt»\v. und beobachtet die Taktiker in den Couloirs. ,Man sicht auch die Vorbereitungen zum Kongroß, die Wahlagitation, das ״Schlangest eben•‘ am Wahltag in Tel-Awivv und in anderen Städten, die Ankunft der Delegierten in Luzern, das Leben und Treibe« in der schönsten Stadt der Schweiz am Vierwaldstättersee, die sportlichen Vorführungen und die feierliche Schlußsitzung des Kongresses. Der Film wird zunächst in Tel-Avviw, Jerusalem, Haifa vorgefülirt werden, um dann durch die Länder der Diaspora die Rumle zu machen. Musik zum ״Sommernachtstraum“. In Nr. 83 der ״J. R.“ berichteten wir über eine Neuinszenierung von Shakespeares ״Sommern,iclitsträum“ in Coburg mit der Musik vonCreutzbürg auf Grund der Mitteilungen der dortigen Presse. Außer dieser giiit es (an Stelle der früher üblichen Mendels- *ohnschen) noch andere neue Vertonungen. So z. B, wurde Bi Weimar kürzlich der ״Somniernachtstraunr‘ mit einer Musik von Alfred 1 r m! e r uraufgeführi Darüber hat die ״Berliner Börsenzcitung“ wie folgt berichtet: ״Seine aasgedehnte, gern melodramatisch arbeitend« Musik geht über R, Strauß gelegentlich bis rum Impressionismus Dcbussys hinaus, versucht eine gewisse leitmotivische Verbindung und hat besondere Höhepunkte in den Elfenszenen und der als Polonaise gestalteten .Festlichen Musik‘, die den Hochzeit«- marsch ersetzt. Trot/dem fehlt dem ausgezeichnet instrumen- Berten Werke die innere Notwendigkeit, die ihm eine allverbindliche Wirkung sicher» könnte.* Ludwig Strauß: Land Israel. Gedichte. Int Schocken- Verlag, Berlin. Eine neue Aera zionistischer Gedichte wird beginnen, und diese kleine Sammlung von Ludwig Strati I) wird ihr 7uge7ählt werden. Die Gattung solcher Verse ist uralt, so ait wie das Exil, dessen Spiegel und Ventil sie im Dichierischcn ist, seit sie unter babylonischen Weiden begann tmd durch Jehudr. Halewi ihren leidenschaftlichsten Auftrieb erfuhr. Die Sehnsucht, ins Land und ins rechte Leben heitnziikebren, ist ihr ewiges Motiv. In der neuen Aera gewinnt die Sehnsucht rin neues Gesicht. Das Heiüge erscheint in der gemessenen Weise der reinen Kunst, und an die Stelle des Traums tritt das Antlitz der Wirklichkeit, an die Stelle der Vision die Treue der Anschauung. Nicht mehr die Sehnsucht nach der Heimat nur: das Land selbst will nun erfaßt und nachgebildet sein. Der Sinn solcher Wendung und Wandlung kann nur der einer wahrhaften Aneignung des Landes sein; wenn die Dichtung eines Volkes dessen bester Gefühlslx-sitz in edler, erhaltender Gestaltung ist, so wird Dichtung von jener Art für die Einverleibung des Landes in das Sinnen und Fmpfinden des Volksgeistes Unendliches bedeuten. Die mit Pflug und Spaten wiedergewonnene Heimat wird vom Dichter gevvissermaßen als von einem Chaluz. des Wortes durch pflügt, mit dem Instrument der Sprache atteit dem poetischen BewulStsein urbar und dem Herzen des Volkes zu eigen gemacht. Fiter klarer als sonst tritt zutage, daß wahre Dichtung ein Ferment und Wesensausdruck echter Gemeinschaft ist. Vielleicht wird man später einmal sagen können, daß der Aufbau des 1.arides, der Gemeinschaft, des Volkes ohne Oedichte und Lieder (int Empfinden anderer Sprachen decken diese beiden Begriffe einander noch viel mehr) nicht möglich gewesen wäre. 111 soidten Zusammenhängen ist über die Bedeutung eines Dichters wie Strauß heute noch gar nichts zu sagen. Seine Rolle ist eigentümlich und schwierig. Er kommt aus geistig abgelegenstem Bezirk ins Land und nimmt es in einer Sprache wahr, die von Hölderlin bis Rilke ungemein deutsch und ungemein kunstempfindlich gewachsen ist. Selbst seine vortrefflichen Nachdichtungen jiddischer Volkspoesie mußten seinen Kunstverstand eher schärfen als der Wucht der ungefügen neuartigen Eindrücke empfänglich machen. Die große Kultur seiner Ausdrucksweisc also und die besondere Kultiviertheit seiner Begabung mußte ihn liier eher hemmen als fördern. Für die tausendfältige Sprödigkeit versagt sich zunächst aller hier überkommenen Wort- und Vcrsform. So bleiben bei Strauß zwischen Strophen von vollkommen geschliffener Edelsteinart erratische Blöcke Ursprungliehen und noch oder überhaupt nicht glatlschlcifbaren Erlebens einfach stehen. Seine dichterische Landschaft starrt förmlich von dieser seltsamen Mischung aus Kultur und nicht 7,1! überwältigender Monumentalität des Stoffes, aber gerade der Einbrach des Ungefügen und nur eben Angetasteten in die sonst so reiche deutsche Dichtersprache kennzeichnet die Treue und Bildsamkeit des poetischen Empfindens. Dabei haben die Wortbilder, mit denen die ungewohnten Eindrücke ins Gedicht hineingeholt und bisweilen hcimgcliolt werden, einen cigentümliehen Reiz: ״unter dem lackigen, dunklen Grün des Orangenlaubs“ *erscheint der rote Boden ״wie Fleisch einer großen, aufgebrochenen Frucht“; die Ausgrabungen von Jericho: ״. . . als öffnete man / Erstorbenes Auge, / Daß es klaffte / Blicklos!“, uttd über dies ״übernächtige Auge“ schließt die Wüste ״langsam das graue Lid“; die Nebel um Bergkuppen: ״sind es in ihren Träumen / Rauschende aite Wälder? / Sind es Träume / Von künftigen Wäldern?“. 13er Chamßin atmet scltwer: ״Ausgeatnietes — woher?“ Die Spannung zwischen Bild und Wort läßt es auch nicht zu unpersönlicher Anschauung kommen, nicht bloß der Mensch, der sie gewahrt, steht immer wieder in der Landschaft, nicht bloß ein Gewahrwerden mit allen Sinnen, auch und häufig mit dem Verstand, sondern auch noch oft der nichtdichterische Anlaß, der Reflex der palästinensischen Aktualität. Das Gedicht ״Regen“ ist bezeichnend. Einer biblisch kargen und knappen introduzicrenden üesamtvision des Elcriicitts folgt in reimloser, auch noch bibelhafter Hochsprache die Aufzeichnung der Fallweisen des Regens, und dann erst, in der dritten Strophe, verdichtet sich’s, indem das Elementare zurück-, der Erlebende in den Vordergrund tritt, zu einer nun volksliedhaften Melodie: ״Fs kommt dir ins Sinnen gerauscht Dncl kommt dir gerauscht in den l'raum —“ Jetzt aber durchbricht für eine Zeile die Reaktion des aktuellen palästinensischen Menschen das elementare Geschehen tmd die Stimmung des nur es erlebenden, nachlebenden Dichters: ״Es rausi'hl und ruft dich rum Werk •—“ Und dann erst findet das Gedicht wieder zum Regen, in der vierten Strophe zur schlichten, schon angeschlagenen Melodie, in der fünften Strophe zur Hochsprache der Elementar- Impression zurück und gewinnt in der sechsten aus allen seinen Momenten die Apotheose: ״Großmut ijr and grausam Schüttet sit'h's aus Das helle IIimnru’144ut In den Schoß 4er Erde.“ Auch ein anderer, neuer Ton klingt in diesem Bande auf, ein fast kiplingisch heller Songtonfall z. B. in ״Ungewisse Fahrt“, während etwa ״Die Verheißungen“ eine schone und legitime Rückkehr zur echten Zionidc ist. In allen Formen aber spricht, oft nur zwischen den Worten, die riefe moralische, besser; jüdische Gemeinschaftsverantwortlichkeit mit. der das Nurdichterische, Nichts-als-schöne, wenn auch artistisch Vollkornmene allein nie genügen könnte. Die Zionsseluisucht, notiert Rosenzweig zur ersten Zionide Jeluxla Halewis, war nie bloß das Verlangen des Geplagten nach Ruhe, sondern immer auch das Verlangen aus gemindertem nach höherem leben. Bei Ludwig Strauß ist das knapp und bedeutend so formuliert: ,,ln der Heimat. Hers der Heimat, Schlägst!hi noch?“ L. H. Die Flucht aus der Hölle. Von Erich Pincus, Vortrupp-Vcr• lag, Berlin. Dieses Heft, das vom Verlag als erstes einer ״Schriftenreihe für die jüdische Jugend“ angekündigt wird, behandelt die Erlebnisse eines jungen Juden aus Deutschland, der — jetzt 25 Jahre alt — 11t die französische Fremdenlegion eintrat und nach gelungener Flucht wieder nach Deutschland zurückkehrte. Das Heft, das nach dem Bericht des Helden bearbeitet ist, ist sicher ganz spannend geschrieben. Warum es jedoch in einem jüdischen Verlage in dieser Zeit erscheinen mußte und welchen Sinn es als Auftakt einer Schriftenreihe für die jüdische Jugend habet» soll, bleibt das Geheimnis der Herausgebe». m. Eine Geschichte des Zionismus Dr. Joset Heller, Geschichte des Zionismus. Kurzgefaßte Darstellung. Gescher-Verlag — M. Krimberg, Berlin. Das Bedürfnis nach einer kurzgefaßten Geschichte des Zionismus ist in den letzten Jahren besonders groß. Ist doch attch für den Informierten, der einen großen Teil dieser Geschichte miterlebt hat, die Entwicklung nicht immer ganz zu überschauen und in Erinnerung zu behalfen. Freilich ist die zionistische Bewegung eine ungeheure geistige, politische und moralische Revolution des jüdischen Volkes, die ihre Wirkungen auf alle Teile des jüdischen Lebens erstreckt. Vor dem Historiker steht die gewaltige Aufgabe, diese Um- Wandlung, sowie die tieferen Ursachen und Zusammenhänge der tatsächlichen Vorgänge in allen ihren Aspekten darzustellen. Diese Aufgabe hat sich Adolf Böhm gesetzt, als er 1020 zum ersten Male eine Darstellung der zionistischen Bewegung gab, und wir hören mit Freude, daß dieses Werk jetzt in enter gänzlich umgearbeiteten und erweiterten Fassung erscheint. Daneben aber bleibt die Aufgabe bestdien, ein Kompendium für Menschen zu schaffen, die sich schnell über die grundlegenden Tatsachen orientieren wollen. Dean es ist schlechthin unmöglich, im heutigen jüdischen Leben nutz«- reden, wenn man die Geschichte des Zionismus nicht kennt, die an einem großen Teil der westeuropäischen Juden völlig unbemerkt vorbeigegangen ist. Dr. Josef Heller hat sich der Arbeit unterzogen, ein solches Kompendium zusammen- 7.»stellen, und es kann zusammenfassend gesagt werden, daß dieser Versuch gelungen ist. Es ist nicht so einfach, den großen Stoff zu gliedern, da die einzelnen Teilgebiete zionistischer Entwicklung ja durcheinander wirken und jeder Querschnitt durch eine bestimmte Entwieklungspltase notwendigerweise auch in andere Zeiten ltiniibcrgreifen muß. Dr. Heller hat dieses Problem ausgezeichnet gelöst und ein Buch geschaffen, das neben einer vollständigen Zuverlässigkeit in dem Tatsachenmaterial auch eine große Uebersichtlichkeit der Anordnung besitzt und sielt daher für den praktischen Gebrauch besonders empfiehlt. Heller hat sich um eine wirkliche Objektivität bemüht. Sein eigener Standort dürfte in der Nähe des chalttzischen Arbeiter-Zionismus sein, wie er der Fiihrungslinie Dr. Weizmanns entspricht; der Verfasser ist aber auch diesem Standpunkt gegenüber nicht unkritisch und stellt vor allem die entgegengesetzten Bewegungen und die Konflikte innerhalb der Organisation durchaus sachlich und objektiv dar. Selbstverständlich wird von den geschulten Zionisten nicht jeder Leser jeder kleinen Einzelheit bcistiiiuncn. So 1. B., wenn der Verfasser Weizmanrt einen ״geschickten Parlamentarier“ nennt, was gerade nicht seine Stärke ist. Aber auf solche Kleinigkeiten kommt es wohl kaum an. Den Satz Herzls von der ״Heimkehr zum Judentum vor tler Rückkehr ins Jiiclenland“ hat Heller in der üblichen unrichtigen Weise auf!gefaßt (vgl. darüber näheres in Aiex_ Beins Herzl-Biograpltie). Die verwickelte Situation der revisionistischeu Konferenz von Calais (Verhältnis von Union und Sonderverband) hat der Verfasser nicht ganz korrekt durchschaut, was man aber wirklich auch kaum verlangen kann, Auf Seite 102 bei der Darstellung von Trumpeldors Tod stimmt etwas mit dem Datum nicht. Den Grollmufti Emin hat ein Druckfehler zum Emir gemacht, wo hingegen Herr Weisl einen falschen Vornamen erhielt. Solche unbedeutenden Versehen sind gewiß keine Beeinträchtigung des Wertes dieses Buches. Dem ganzen Werke merkt man an, daß der Verfasscr sich auch einer geistigen Verantwortung bewußt war, und das ist ein großer Vorzug, den man einem derartigen, an sich anspruchslosen Werkelten nachrühmen kann. r. T. E. Lawrence In Nr. 82 der ״Jikl. Rundschau“ brachten wir einen Autsafz von C. Z. Klötzel, der sich mit dem neuen Buch von T. E. Lawrcnc e beschäftigt. Dazu wird es viele Leser interessieren, daß die ״Neue Rundschau“ (Verlag S. Fischer Berlin) im August-Heft d. 1. «in ״Selbstbildnis“ von T. E. Lawrence in deutscher UeDersetzung veröffentlicht, zusammen mit einer Einleitung von Robert Graves ״Wie das Selbstbildnis entstand“. Es ist ein selbstverfaßter Nekrolog, kurz vor dem Tode des Verfassers geschrieben, und gibt einen starken Eindruck von dieser eigenartigen Persönlichkeit. Ueber Politik steht in dieser ungewöbnliehen Selbstbiographie eigentlich nur ein einziger Satz: ״Die Lösung der Frage des Mittleren Ostens, die im Jahre 1921 Winston Churchill, Yottng und ich Vornahmen — sie besteht heute noch in allen Teilen zu Recht (wenn das alle andern Friedensverträge nur auch täten!) —, ist nach meirtcr Meinung von größerer Bedeutung als alle meine Kämpfe.“ Der zweite Teil des Aufsatzes ist ganz, der Romantik des Flugzeugbaus gewidmet; in diesen Sätzen zeigt sich nicht nur der Künstler des Lebens, sondern auch der Künstler des Stils. Mutfers Kochbuch — und sein Nachfolger. ״In der zweiten Schublade des milchigen Kficlienschranks ganz vorn links an der Ecke“ lag in der Küche meines Elternhauscs jahraus jahrein ein mäßig starkes Buch, dauerhaft in schwarzes Glanzpapier von Mutters sorglicher Hand eingebunden. Das war ״Mutters!teste Freundin“, wie die Spötter unter den Familienmitgliedern sagten; ״Rcbckkchcn“, wie es die Mutter seihst dankbar-vertraulich nannte. Mit anderen Worten: das ״Koclibucli für israelitische Frauen“ von Rebekka Wolf, geh. lieineinann. — Da erschien schon vor etlichen Jahren ein Büchlein, das mir wie eine schlanke und wohlgeratene Tochter der alten Bekannten meiner Kinderzeit erschien: es war das ״Kochbuch für die jüdische K ii c it e“, das der Jüdische Frauenbund herausgab. Jetzt ist diese neue Freundin wieder bei uns erschienen: sie hat ein schönes, dauerhaftes Kleid angezogen und hat sich um jüdische Kiidiengeheimnisse noch mehr und innerlicher bemüht, als da sie zum ersten Male bet uns einkehrte; sie hat sielt auch in l'.rez Israel nach neuen Rezepten!ungetan und erhielt besonders aus Nahaial wertvolle Hinweise für die Verwendung von Cliazilitn, Kiscliuim, Paprika und Bamiah, Aber sie hat nun auch ihr Wirkungslekl erweitert, wie es der Zeit entsprach; sie kocht nicht mehr mir für den Fainilientisch, sondern sie gibt Anweisungen für die Diätküche und wertvolle Speisenfolgen für eine Gemeinschaftsküche. Vielleicht wird manche Hausfrau bedauern, daß über diesen wertvollen neuen Hinzufügitngen Rebekkas alter Spcisenzettel für das jüdische Jahr wegfallen mußte; wenn Rebekkchen in neuer Auflage wiederkorriint — ach nein, jetzt heißt sie ja nicht mehr wie die Alimnutter, sondern einfach ״Kochbuch des Jüdischen Frauenbundes“ (Philo-Verlag, Berlin), dann mögen die Herausgeberinnen dies in Erwägung ziehen; und auch nicht mehr ״Scmiroths“ schreiben (S. 121), sondern entweder Scmiroth oder Semiraus, — warum nicht asch• kenasisch, da es sich doch um aschkenasische Küchengeheimnisse handelt?! — - B. B. St. Die italienisch-jüdische Wochenschrift ״Israel“ feiert das 20jährige Jubiläum ihres Bestehens. Sie wird von Prof. Dante Lattes und Adv. Alfonso Paeifici geleitet.

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