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Jüdische Rundschau · 1935-10-15 · Heft 83 (15.10.1935) · page 8

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 83 (15.10.1935)
Date
1935-10-15
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seife 8 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 83, 15. X 1935 Aus dem Reich Von unseren Berichterstattern Bamberg. In weich starkem Maße es der Zionistischen Ortsgruppe gelungen io, das jüdi-chc Leben zu l*־emiliusen, bewies die Voran- Stallung v5 111״. Oki1>!>t*r im ühertuliuui Saal des jüdischen Jugewlheims: ״Was ]tidi-dte lugend euch zu >;1gen hat“. Als erster Rcfereut -pf,!11־ Jomf St rund, dewn Au.uuhrungcii eine eindringliche M11 hnung an die Freunde des Bunde* 1 )eut mLjüdbclver Jugend warm, Flitz Khiiirh >prarh über den ,.Autbrurl! in der Golah”, Karl Wie• ‘-entel,!<‘f!1 Her .. Re v< du! ion de יי judi-voheu \ olke*“. Im Xamen der Israeli! i-f! ich Kuh ,1-genieinde ׳iin זbrachte ileu er-te York!/.ende. Dr. Morgenro'lu den s־ ־heidendon (bim dui .VI hi hied-grüß der Gemeindk*. l'ur den liuml I)1׳׳r ־ י ייhjiidi -י 'her Jugend 'prach Kurt \Y<dlonb,׳!g. Da* Srhlußwor! hart!•!׳'ritz Stein. Der Alund war von Gesängen und Rezitat i׳׳n (׳n umrahm!. Bayreuth. 1)1. David S< uloßbrig, Berlin, spimh über ..J-lntsrheidungcii zur jtidi -1} ion Zukiinu“. Ileimiuh FretnlrnU'rger schilderte ,,Fine Rebe durch (hm judi-ehe Paia-eina“ mit 1' ihn vor tuhnmgen. Dr. Al■ fred Kiipferberg. Berlin, ־sprach uD'r da, Thema ,.Boden der Vater, Zukunt! (In Kinder“, Braunsberg. Kr! einer Ai*־!xi!eior!rieh R.ihhiner Dr. NeuIcLl einen Vortrag uIht 11 r»c 1׳1 ׳ e^tgelx tburii. Seine Au-nihningen wurden durcli De^uigc חסו Lehrer W a--er und durch S< Ldljda!ton ifhi-triert. Achnliehe ALeudieituri v!! jnnait,■re ei in dm Na! liteugemeinden Worin• di!t und l’r’ 1 ioi!.!ז!!]. Braunsehweig. 1)■ 1 ’,.״.״״״״ M.m.iG GUc t 1 IK ׳ > ־(‘:iH'i’ldt vcrmmml'ifm. in ,ler M .ix U , i;:! ■ ,־ . ihr11 ,״״״״:,. r , 1! .־■1! 1;a ...VH: , Ich! Ivdicrofj. Kl Hl *יי ■Im : N r ׳!n^ um! X. ti.fi:!,.,U tit x :;hl m 111' 1, Volke-״ t in Reicriit 111:0 .׳:״ ,V.־ ‘״lh ,G; u n< ii י.!!!! ■׳! m!1 u ׳1 ״!,!it 1!-mi upj;>e• י u Breslau. Im 1. ״! h ״ . H All ״ FtiHoll'iia! über ,,XVtic u.t! 1 . i ׳ Ui K■ ׳: gl VlV. \\ 1 Lri r r Fialen d er Juden i\1 \Lth.i v!! ■■■ ׳Leu '־)!11'! 1( . Dresden. In! Kuh־! U׳!!■ih;' (irr z; , (. >rr Hmjtj׳״ -|,rarh Dr. Si'iu'i'iiii’ \\t ■!!in, Tu1 •י!.3!׳ hsum׳ . I>, 1 ,״./ .\!\ n1-!cnk«׳n״!'t.׳!i ׳.:>! 1-1 -,.1, 1111,1 ״Fi ״׳.•■,< 1 , 1 ״ '־bl« 1 Vt, i' .,tlsinn Kibbuz ח! i s־)B,üü;:h i\ .. I n ■Ul ■fLn il ul ’Ci < lh!1 \v, ״ <ter J.ig rndu!:!;1!1 itn Lande. li*•;.’.‘ R< den un:drn m!׳ größter Auunrrk•-amkeit und .Beitall .1!ן Duisburg, Am 21. ''<‘',ז־ן. ־:׳,2!!:־.׳!eh in einer von der Wizo, dein Jud 1 ehoi, 1־: ,un ::!׳und und 1!1׳!1׳ ■.de•• nm.י \ a* i< ׳ ׳11,111׳nF eint >e r u fcrien V e־ ,:uhmm g Ib'irm׳־• 1! 1 11 ־u n: 1 י .,l.rU'ii mal A11>eit in Idez Dt.!ei". \:n 2׳';. N!er!!dx r 1,ו!;י■ h Lüg Harm Capri!, l)u ־ -eM״ ׳!!. m der A׳in':n׳11:'1״ ui ׳ball der (hngiupj»«‘ über ״Die Au -« iik11:1 g und 150« 1; ־nung de i .u/e:!־,; r Kingrcm׳־,“. Neuantnd - düngen ne / eu.i ווי!•(:!י < >r e-giuj ׳!ן •»;ן׳ *?!!neu er;!gegen : Herr Br!>- dinge!, Del ■i 1urg, Lu'do •!!. B : Id 0!1 1. < e ■er, Dnmburg• Meiderich, Laakeis: 1. 22, und Bernhard!)י,;!’־.hur. Dui'buig, M1! nz״t raße. Elbing. I liier Leiiung iles Wo in־. lur jüdi־*rno (ie-adiichte um! I.i!cra!or M׳urde ein JudDcber Kuh urh1.1n< i gegründet. Zum Vorsitzenden wurde der bidierige YorDzende de, Litera! urverein־s Rabbiner I)r. Xmiirld gewählt. Forst b L. An! 3. Oktober vcransialtclo die ZOO. einen Vortrag־*• abend: Dr. Sehloßberg spjach vor der l.m! vollzählig erschienene n Gerneii»!!(■ über da> Thema ,.Zioni-mus -- Ibil.wina — Judentum in Deu! si 1 iliüd“. Dir Z.OO. konnte mehrere Neuaul nahmen, iu'be-onckre aus Kroi-.cn, die hb, vor kurzem dem Zhoni-mus frrnstanden. verzeichnen, So traten mehrere Mitglieder <h'־> R1F. und zwei Rcptäsent unten der ZOO. bei. -- In der (!,traut’ leigenden M it gl ve.r'aninsluno wurde ein neuer Vorstand ־»״wählt, der sieh aus Herrn Ko!!>rro, Julius I’reuß und OirDh Lew־ zus:m1mensct/t. Gießen. Nach längeren Bemühungen ist «,s jetzt gedungen, eine ZOG. zu gmnden, der D<־h bk jem ca. 100 Mitglieder angexchlt)s׳־s(*n halnm. -- Am 5. *)k״!l־rr >p1a0! 111 <Tr e!-!cn Versammlung Dr. ],omemn!־! .׳'ranktur! am Main, Uvr ,,!)!,> po!ui•-ehe und w irt x'hai 1 - liehe!-,:ge de- Z :<!!.: -ann - na׳ h d11׳־׳ XIX. K<u!go־ij .. Bilanz und Progno^■' ־, Glatz, Da־ Za׳nlc1. t יrf 'gri:׳oc m!׳[!!׳•'(' di> Winterarbeit mit einem Y<<!u,!g \־:(] ז:!׳. \\d!v Onbn, Pucdau, über das Thema: ,.Juden, sc׳. -׳au;;". f),1- InO-re--׳■ de! L־m 1!;0<־ /!■!gte d־׳h an der Anw e-cal ei' d, r - T־׳ib. ׳Dr OrmOnden!!!gliedm. 1 >se Ye!- ans* a’.'M! o v.,!? dur־ h den ( hebeni 1־׳! I Dd־.׳:. vorgetragen vom Ln״r ׳kr r >׳• mm dem. Haigerloch, Hohem,ollern. Am 22. September sprach Dr. Tänzer, Stuttgart, über das ׳I'hcma ״Der XIX. Zionistcmkongrcß und die Juden in Deutschland“, Der Erfolg des eindrucksvollen Vortrags war die Gewinnung von etwa 25 neuen Mitgliedern. Die Arhcitsgemcin־ schalt hat ihre Tätigkeit verstärkt aufgenommen. Es werden wöchent* lieh zwei Ilebräischkursc abgehalten. Marburg. Am 1. Oku >l*er sprach in der־ ZOG. Isi Eimer über ,,Der XIX. Kongreß und thoratreuer Zionismu־,“. Die Veranstaltung war außerordentlich gut besucht. Zahlreiche Neuaufnahmen waren der Erfolg des Abends. München, Im Großen Mu-eumssaal sprach auf Einladung der Zionistischen Ortsgruppe Dr. Alfred Kupferberg über .,.Erez Drael — als Hoffnung und Aufgabe“. In eindrucksvollen Darlegungen schilderte er, von den eisten KolonKationsversuehen der Biluim ausgellend, das großartige durch den Jüdischen Xational-Fonds gesicherte Aufbauwerk. Münster. Am 22. September sprach Dr. Kupferberg über das Thema ״Boden der Väter — Zukunft der Kinder“. — Im Hause C. Cohn fand am 4. Oktolxu ein von dem Snif Heehaluz veranstalteter Oneg unter dem Motto ״Denen, die sieh dom Volke weihen“ statt. — Am 5. Okiof>er sprach vor der! Wizo-Mitgliedern Hans Berlowicz, \Vesterl>eek, über ״Dk Aufgalx’n der jüdischen Frau in Erez Israel“. Offenbach. Am 3. Oktober hielt Georg Gothmann ein Seminar über Falä זי ina-Wirf schalt ^fragen, insbesondere die Bodenfrage, ab. Der Veranstalter war der jüdische Jugendhund Offenbach. Speyer. Am 2. Oktober fand ein Vortrag von Georg Gutlunann in der Synagoge statt über ״Die Aufnahmefähigkeit Palästinas ■— Studien einer Reise“. Der Besuch war außerordentlich gut. Ankündigungen JüdBcher Kulturbund Rhein-Ruhr. ..Channa“, Schauspiel, von Martha Wcrthcimcr: Köln: Am 20., 21. und 22. Oktober, 20.15 Uhr, Gemciiidchaus, ('äcilienstraßc. — Recklinghausen: Am 24. Oktober, 20,30 Uhr. Gemeindehaus, Am Polizeipräsidium 3, — Essen: Am 26. und 27. Oktober, 20.30 Uhr, Jugendheim, Moltkeplatz. -״״ Ub.üisons: Claire Fehlern und ein Flügel: Krefeld: Am 21. und 22. Oktober, 20.30 Uhr, Nieder!■!!. Loge, Königs!!■. 93. — Aachen: Am 24. Oktober, 20,30 Uhr. Pianohaus, Adam-Wilhelm-Str. 38. — Krön: Am 26., 27., 28. und 29. Oktober, 20.15 Uhr (am 26. Oktober um 20,30 Uhr), Gemeindehaus. Uärilien^traße. — Hamburg: llebr. Sprachschule ״IvriaD Anfängerkurs: Beginn 15. Oktober. Anme'dungen an das Büro, Brahms-Allee 16, oder an die Verwaltung, zu Händen Herrn I.öbenstcin, Johns-Allee 54. Dr. Michael Traub ÜOI.\ Mnntne, 21. Okt. 20.30 IJhr, in der Synagoge RoonntraBe Ere* l§ra«l ־ Kin liHiid imWorden (Jestern — Heilte — Morgen. Karten im ־Vorverkauf im Bllr« der K % V. KSIn, CKcilient.tr, i**/**. II, ■«wie au der AbendkaRH*. RintrittflprelN 75 Kpf. (>Iitel. d. KZV. 50 Kpf.) Familien-Nachrichten Frau Rosa Wiener, geh. Baerwald, Glogau, früher Grünberg (Schlesien), begeht am 23. Oktober den 80. Geburtstag. Bar Mizwah-Termine Am 26. Oktober — 29. Tischri: Heinz Stcckclraacher, Sohn von Adolf Steckelmarher, Heilbronn, Mozartstr. 7. Ein Siebziger Am vierten Tage Sukkoth, das ist diesmal am 15. Ok• tober, feiert Leon Scheinhaus in Memel seinen 70. Oeburtstag. Scheinhaus ist den Lesern der ״Jüdischen Rundschau“ kein Unbekannter; er hat besonders Beiträge zur Geschichte der hebräischen Literatur aus der Zeit der Haskalah und des nationalen Erwachens beigesteuert, and er hat durch zahlreiche Mitteilungen aus dem schier unerschöpflichen Schatz seiner persönlichen Erinnerungen so manche interessante Tatsache des jüdischen Lebens des letzten halben Jahrhunderts ins Licht gestellt. Scheinhaus gehört der Generation russischer Juden an, die, ganz aus jüdischem Milieu und jüdischer Bildung hervorgegangen, sich mit emsigem Fleiß eine gewaltige Allgemeinbildung angeeignet hat, ohne darum ihren Zusammenhang mit dem Judentum und den jüdischen Quellen zu verlieren. Dieser in der heutigen Zeit schon sehr seltene Mensehentypus hat die geistige Grundlage der jüdischen Renaissance geschaffen. Die Zöglinge der Haskalah (Aufklärung) waren es, die den natürlichen IJebergaiig zur nationalen Bewegung vollzogen haben. Scheinhaus hat schon als junger Mann vor 51 Jahren seinen ersten Artikel in der hebräischen Zeiturig ״Hameiiz“ veröffentlicht und seit jener Zeit hat er in hebräischen, später zum Teil auch in deutschen und deutschjüdischen Zeitungen mehr als 500 Arbeiten verschiedenster Art veröffentlicht. Dabei war er keineswegs Schriftsteller von Metier, sondern ein vielbeschäftigter Kaufmann — eben jener Typ des jüdischen Kaufmanns, der neben seiner Wirtschaftliehen Arbeit immer auf das Geistige gerichtet blieb und zugleich auch die Pflichten der Nächstenliebe im reichen Maße erfüllte, ln der Stadt Memel, wo er seit 1882 lebt, hat er am jüdischen Leben stärksten Anteil genommen. Er gehörte fast allen dortigen jüdischen Vereinen als Vor- Standsmitglied an, war Mitbegründer des ״Vereins für jiidische Geschichte und Literatur“ und ist seit MU aut Lebenszeit gewählter Vorsteher der Alten Synagoge. Der Jubilar ist ans der Schule des unvergeßlichen zionistischen Altmeisters Rabbiners Dr. Ruelf hervorgegangen und hat es sich zur Ehrenpflicht gemacht, dessen Geist weiter zu verbreiten. Wir wünschen Herrn Scheinhaus noch weiterhin ein glückliches Leben und Wirksamkeit im Dienste des Judentums. _ Der Religionsbegriff Max Webers. In der Studienreihe ״Religion und Geschichte“, herausgegeben von Joachim Wach (Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart), veröffentlieht im 2. Heft Rudolf Lcnncrt eine Arbeit über ״Die Religionstheorie Max Webers“, in der er den religiösen und religionsgeschichtlichen Ort Max Webers analytisch herauszukristallisieren sucht. Die Arbeit ist wertvoll für das Verstiindnis der immanenten Religiosität Max Webers, der ein echtes Verstehen religiöser Phänomene besaß. Webers Re- Iigionssoziologie hat ja bekanntlich auch für das Judentum wichtige neue Erkenntnisse gebracht, und gerade aus der Arbeit Lennerts ist es wieder deutlich ersichtlich, wie stark zumindest in einer Kategorie Weber mit einem Begriff jiidischer Herkunft arbeitet: der Begriff des Charisma ist bei Weber, wie auch Lennert zeigt, von den jüdischen Propheten her genommen, die denn auch immer wieder als Beispiel für charismatische Wirksamkeit angeführt werden. Ganz in Weberschein Geiste ist darum ein Satz Lennerts im Schlußwort: ״Die Geschichte der religiösen Proplietie ist zugleich auch die Geschichte der Entdeckungen neuer Werte, die 4s solche ihre fordernde Macht behalten, wenn sie einmal gesehen sind.“ —nn. Der ״Mussaf Iwri“ muß heute wegen Raummangels ausfallen und erscheint in der nächsten Freitag-Ausgabe. ANTWORTEN DER REDAKTION Hugo Weigert, Berlin. Ihre Vermutung trifft zu. In dem Roman der ״Braunen Post“: ״Prof. John abenteuert sich durch“ wurde in der Fortsetzung vom 13. Oktober Hugo Zuckermanns berühmtes ״Reitcrlied“ zitiert und als Motiv des Kapitels ausgewertet. H. Erlanger, Luzern. Sie machen uns darauf aufmerksam, daß die jetzige Jahreszahl תרצ״ו an das Motto Herzls erinnert: ״Wenn Ihr wollt, ist es kein Märchen.“ אם תרצ״ו אין זז אגדה• Still und 11ä--.1׳d1111׳ldränkl gri 11 *;«•נו die Tage auf (lern .. 1111 g * 1 ׳ der üulie״ an 1 ri w>nil>er. Sr ine Trailer lö>|e dcli nud HH'iiL'f«' rieh 11111 der Trailer der g׳'b!ekerteu Erde. Er lieble die M! ■ii'idien nicht, wenn er aurli keinen um ihnen haßte, er sehlirl mit ihnen, rland mit ihnen ru-ammen auf. ging aufs fehl und kehrte in die | ,eh ml! 111 le zu riiek. Sein Sehritl war so schwer wie der ihre, reine Gedanken waren in Brüten über die 'ergangenen l äge \e1M1nken. 1 )u rj ir.K'li Jerliiel zu I n : ״Vir wollen nnrere Idee nirii I zum I iandc]״ol, jekl für Leben51 ni'iile machen, 1 ri. Das i«| 1!jc! 11 (leid, dar um llandzii Hand gehl. Vergeblich kommen sie hierher und gebärden sich wie I raumu'rlorcne, vergeblich rnleu -ie -ich den Glauben ein. daß au*•!) Brocken genügen, tun ihn׳ Seele wieder zu beleben. Komm mit mir, 1 ri. U ir wollen mit dem kleinuch in die Berge rings um den großen See /i«dmn. Wir wollen mir nicht jene höchste 1־ reude versagen, die im einsamen Leben mit dem Sturm und dein liegen lieseldossm!-!. ,.Sllirni-Sara“ ricblele ihnen » arme Blusen und Strümpfe zurecht und trocknete die nassen Schaftstiefel über derti Uten. Sie legte in ihre Uanzen I ,ehen-in i II el, soviel sie nur kennte. ., füglich einmal werde ich cm 11 durch einen der Burschen Essen senden. Durcli ihn könnt ihr auch sagen lassen, was euch fehlt. Ich werde sehen, daß iidi «׳s euch schicken kann“, so sprach Sara zu ihnen an der Türe der Lehmhütte. Das wenige Klein lieh *stauet!»ereil, und der L-rl war gesattelt. ,,lleliüt dich Gott, Sara, paß auf die .!urigen auf!“ -- Sara wink 10 hinter ihnen her. ihre Augen leuchteten. Jechiel ging voran, iInn folgte die kleine Herde und als Nachhut 1 ri, den Esel führend. Barfuß stumpften die beiden die wusseniberstrümten \\ ege des Ocdlands entlang. Als sie sich den Bergen 11 ii 115' 1■len. ließ der VA inrl nach, und die Herde zerstreut« sich auf dem Berg. 1 ׳״ingsam zeigen sie dahin. Die Molken senkten sich immer mehr auf die Bergflanken herab. Da fühlte l ri, daß sein Geist «lern unbändigen Slurzliacb gleicht, daß er sich weile, um die AI asa'i flu! des Sees und die Wiulorwolken, die vom liegen gewaschenen Berge und die M1 it•■ des Oodlands zu sehen: alles sieht er, und er verlieft sich ins Sehen, um das stille Glück «ler Einsamkeit zu fühlen. ,Irchiel hatte seinen M'eggenosson vergessen. Er war weil vorangegungen, und auf den Fdsenbügeln neben einer Hohle hob er seinen Kopf dem Wind entgegen und sandte das Echo seine* Gesanges an die Bergwände, Dort sammelten sie Reisig, trugen es in den Eingang der Holde, und mit sinkendem Tage trieben sie die Herde in die Höhle. Am Eingang der Höhle setzten sie das Abendessen über dem quahnenden Feuerstoß an. Inten, zu ihren Füßen, breitete sich ein tiefes Tal, auf dessen Grund ein reißender (iebirgsfluß dahinslröinte. Dunkles Gestrüpp bedeckte das Tal, und nur die Krone einer Palme ragte daraus empor. Ihnen gegenüber lagen runde, vorn Gestrüpp verdeckte VYassortmnpcl, deren Oberfläche stets leicht bewegt war. Das Tal war ohne jede Menschenseele. denn der Begen war unaufhörlich auf die Pfade zwischen dem Gestrüpp lierahgofallen. ,.Hier müssen wir lernen, Uri, das Gebet des Einsamen zu beten, dem die ganze Welt zur Heimat geworden ist“— pfleg!(.: .leschie] zu sagen. ״Denn alles ist vergänglich: •sowohl der, der im Oedland ein Kloster errichtet, als auch der, der ein Betonwerk auffiihrt, der, der eine Eisenbahn anlegt, wie der. der mit gezücktem Schwert vorüberzieht. All dies zerrinnt ins Nichts. . . . Es gab einen grauen M'inlerlng, an dem es ohne Unterlaß regnete. Es halle keinen Zweck, die Schafe auf die Meide zu führen, denn sie drängten sieh aneinander. Mollfell an M oll feil, Kopf nn Kopf, als ob sie sich vor dem M asser schützen wollten. Lri und Jechiel trieben die Herde wieder in die Höhle und setzten sich an den kleinen Feuerstoß, um ihre vom M asser triefenden Mäntel zu trocknen. Sie waren hungrig und halten auch nicht erwartet, daß an einem solchen Hegenlag, der alle Oeillandswege überflutete, ihnen jemand von den Burschen das Essen!)ringen würde. Während sie, vor Kälte, z.itternd und in den Dampf gehüllt, der von den Schafen anfstieg, dasaßen, merkten sie nicht, daß plötzlich die rotwangige Sara erschien, völlig vom Heger! dtirrlmiifil, so daß sie nicht vorn Esel absteigen konnte, auf dem sie ritt. Als sie darin mit Hilfe der Männer abslicg, mußte sie ihre Kleider auszieheu und sich in trockene Lmnpen hüllen, die sich bei den Männern in der Höhle fanden. ..Sturm Sara, du! M’ie ein Sturm bist du gekommen!“, neckten sie die Männer, weil sie in solchem Begen und in solcher Kälte sich auf den Weg gemacht hatte. Sara, noch vor Kälte zitternd, lachte und fragte nach dem Wohlbefinden der Mutterschafe, ob eines von ihnen bereits geworfen habe, ob keines erkrankt, und ob die Weide in den Bergen gut seL Uri und Jechiel wärmten eilig das Essen, das sie gebracht hatte, auf den wenigen ITuerscheiten, brachten dm Teekessel zum Sieden, und dann wärmten die drei sich fröhlich am Dampf des warmen Wassers. Sara erzählte, daß die Burschen auf dem ״Hügel der Buhe“ naß und müde vom Felde gekommen seien, und daß man unmöglich das Essen durch einen von ihnen habe auf den Berg schieken können. Aber man wollte Jechiel und Uri auch nicht ohne Essen lassen, und so habe: sie beschlossen, selbst auf dem Esel herzureiten und mit eigenen Augen die Höhle zu sehen, in der die Schafe nächtigen.... Bei ihrer Erzählung lachte sie, wie immer. Auch berichtete Sara, daß ein Bote aus Tihira gekommen sei, um Jechiel zu einer Versammlung der Kapitalisten einutladen, die auf morgen anheratmit sei. Als Jechiel das hörte, lachte er still. ״Sie wollen es mit dem ,Verrückten‘ nochmals versuchen und ihn von seinem falschen M'cg abbringen. Ich werde nicht gehen. Ich habe ihnen nichts mehr zu sagen. Sie hören nicht auf mich, so wenig wie ich auf sie höre.“ Da verschwand das Lachen auf Saras Gesicht und sie sprach jetzt mit großem Ernst: ״Du mußt gelien, Jechiel. Mrir dürfen uns nicht von der Welt loslösen, deren Irren unser Irren, und deren Suchen unser Suchen ist. Wir sind nicht nach dem ״Hügel der Buhe“ ekommen, mri uns von! Leiten abzusondern, sondern um die ,ebenden zu uns ins Oedland zu rufen. AA'ir wollen jeden Beseelten aus unserem Volke auf den Oedlandsbovlcn rufen, damit er Körper und Geist erneuere. AVir sind nicht hierhergekommen, um die Oednis des Oedlands zti vermehren. Auch unsere Lehmhütte muß größer und besser werden, denn das llcgcnwasscr dringt in sie ein. An ihrer Stelle mtissen wir «*in Steinhaus bauen. An Stelle der Höhle, in der ihr das Kleinvieh übernachten läßt, müssen wir geräumige Scliafstalle aus Beton bauen. Unsere Hände müssen die Oedlaudser'de solange kneten, bis es keinen Platz mehr auf ihr für Dornen gibt. M ir haben ja einen unter uns, Uri, der ein Künstler in seinem Fach isi. Uri nmß mit dem A'ieli nach dem ,Hügel «ler Ilulie‘ zurück und dort ein Obdach für die Schafe zurechtmachen. Wir werden ihm dabei behilflich sein. M'enn wir das Oedland lieben und seinen Boden mit emsiger Hand und vernrtnftig umgraben, 90 wird es uns wieder lieben; wenn wir aber in den Bergen umlierschwcifen, werden die Lcluuwändc auf dem ,Hügel der Ruhe.‘ zerbröckeln und zu Staub werden, aus dem sie errichtet wurden.“ (Fortsetzung folgt)

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