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Jüdische Rundschau · 1935-10-15 · Heft 83 (15.10.1935) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 83 (15.10.1935)
Date
1935-10-15
Page
– (sequence 2)
Language
German
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S«*el JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 83, tS. X. 1935 Frage: Welche Aufgaben werden wir Jüdin in Deutle hl and zu •erfüllen haben, um Vor! unairw Mte *U* diese geregelte Wanderung zu ermöglichen? Antwort» I)as Programm der RciChSvertf*- t u n g geht bereits von der zutreffenden Erkenntnis ans, d«ß die Neugestaltung unsere* Lebet»8 von uns *ethet •tfengste Selbstzucht und größte Opferhcreitscliaft verlangt. So wird auch die Möglichkeit der Aufnahme unserer Alijah in Ereat Israel zu einem erheblichen Teil davon jbhäitffeit, ob es tm» gelingen wird, durch den Einsatz aller Kräfte wesentlich größere Kapitalien ata bisher für den Aufbau unseres Nation4F hfjm* aufruhringen. Wir müssen dem Keren Kajemeth Lejiirael Mittel schaffen, um neue Bodcnflädtcn zu erwerben, und dem Keren Majessod als dem nationalen Kolonisationsfonds, dem nun auch die Reichsvertretung als solche beigetreten ist, durch wirkliche Opfer die Ansiedelung unserer Olim auf den neuen Böden möglich machen. Auch in dieser Hinsicht haben wir in Luzern grobes Verständnis gefunden: alle über eine bestimmte Grenze hinausgehenden Eingänge des K. H. Werden der deutschen Abteilung zugeführt werden, die dann, aber auch nur dann, ihre lebenswichtige, der Verwurzelung unserer Auswanderer in Palästina gewidmete Arbeit fortsetzen kann. Und wenn in diesen Tagen der Keren Kajemeth, wie all- Jährlich, seine große!losch Ha sch an ah-Aktion in Deutschland durchfuhrt, so wird in diesem Jahre das Ergebnis für den Kauf des Bodens verwendet werden, auf dem im Süden des Landes eine große Gruppe von Chaluzlm aus Deutschland zusammen mit «len ersten <>() jungen .Menschen der Jugend- Alijah zur Ansiedlung kommen sollen — in einer Kolonie, die den Namen von Al iß Szold, der ״Mutter unserer Jugend- Alijah׳*, tragen wird. Frage: Darf wohl vorausgesetzt werden, daß in Deutsch• fand nicht bloß die Z.i!»m>k-n, sondern auch die nichtzionistische Juden heit, die sich zu dem Programm der Rcichsvcrtretimg bekannt hat, sowie alle jüdischen Oemeinden und Institutionen das!Irrige tu» werden, um eine Realisierung des Programms der Rcichsvertrctung zu sichern? Antwort: Das mochte ich b c 8 t i in in t hoffen. Freilieh hm ich mir immer klar darüber gewesen und habe es auch unseren nicht-zioni-tbcben Freunden gegenüber ausgesprochen, daß mit der l■'ebernaiimo des Programms mir die erste Hälfte der vor uns stehenden großen Aufgaben erfüllt ist. Zunächst einmal setzt die Ausführung des Programm* auch ei ne völlige Umgestaltung unsere» Lebens in der (ialuth und die Ausbildung und Erziehung der künftigen Olim schon in Deutschland voraus. Vor allem werden j u * d i s c h e S c 11 u I e n und Berufs a u - b i I d u n g unseren Kindern In ganz anderen» .Maße als bisher das Rüstzeug geben müssen, das sic b<׳fälügt, nützliche und wertvolle Mitarbeiter irn Aufbau Palästina« zu sein. Frage: Wie verhüt sich nach Ihrer Meinung die Förderung des Palästina-Werkes zu dem nunmehr von der jüdi- «eben Gemeinschaft übernommenen W i!1 t c r h i I f s w e r k? Antwort: Daß durch die Entwicklung der Verhältnisse die Juden gezwungen waren, die Organisierung der Winterhilfe für ihre Hilfsbedürftige!» seihst in die Hand zu nehmen, stellt die jüdische Gemeinschaft in Deutschland zweifellos vor eine große Aufgabe, an der sich selbstverständlich die Zionisten ׳ nach besten Kr,äffen beteiligen werden. Dennoch bin ich überzeugt, daß es auch unter den nichtzionistisehen Juden jedem 'Denkenden klar ist, daß eine philanthropische Aktion wie die Winterhilfe nicht die Grundfragen, vor denen die jüdische Gemeinschaft in Deutschland *tcht, zu lösen vermag. Als wir im Jahre 1933 den ZentralausschuB gründeten, haben wir in voller Uehcreinstimmung mit klarem Bewußtsein der Bedeutung der Worte die Losung ״für Hilfe und Aufbau“ gesetzt. Heute mehr den« je gilt der Satz, daß der Aufbau neu er E\bten/grundlage11 (im materiellen und seelischen Sinne) un-erc entscheidende Aufgabe ist. Daher darf n!.hen der Hilfe für die Bedürftigen die Anteil*!»ahme an dem Aufbau vier jüdischen Voiksnikunft, dessen wichtigster Teil da.« Palästina- W e r k ist, nicht leiden, Frage: Wahat nach ihrer Meinung die Durchführung de.s Programm.- der Rrichsveitrctimg für Voraussetzungen in personeller uml organisatorischer Hinsicht? Antwort: Die gesamte Durchführung des Programms der Reichsvertrcttmg 11 ,äugt nach meiner tiefen Ucbcrzcugung da* von ab, daß in ,־dien Gemeinden, Lamlcsvetbüiiden und sonst!■ gc־n lii.-iitutmnrn - deren Zustimmung zu dem Programm der Reichs, ci t!. umg ja vurlicgt -״ nunmehr die richtigen M r n s c h e n i 11 d c in r i c h t i g e :1 Geist ans Werk gehen. Deshalb bildet einen integrierenden Bestandteil de» Programm* der Reich«,rrtnnmg der ebenfalls mit einmütiger Zustimmung aller Beteiligten gefällte Beschluß, daß die Organisator!- s c h f n und personelle n M a rt n a I» m c n getroffen werden «ollen, die in allen judi-ehcn Instanzen die Durchführung des Programm« skiier-dollen, Wir Zioni-teii können die Verantwortung für die Verwirklichnng des Plan« nur dann auf 1ms nehmen, wenn uns durch gleichberccht i g t e T e i! n a 11 ni e an der Führung des jüdischen Volke« 111 Deutschland die Möglichkeit gegeben wird, sichcrzustdleti, daß die gedudene konstruktive Arbeit allenthalben einset/t und durch geführt wird. Wie ich schon vor einigen «Monaten in aller Öffentlichkeit erklärt habe, geht es uns hierbei nicht ü!11 Führer* Positio« nen für Zionisten, wie ja naturgemäII gerade in unserem zionistischen Kreise die individuellen Träger der Arbeit häu» figer wechseln. Unsere Forderung beruht demgemäß nicht auf persönlichem Ehrgeiz, sondern auf der Ueberzeugung, daß das Programm, zu dem sich die überwiegende Mehrheit der in Deutschland lebenden Juden bekannt hat, nur verwirklicht werden kann, wem» die darauf gerichtete Arbeit von Menschen zionistischen Geiste» ihr Gepräge erhält. Musik zu ״Sortimernachtstraum“. In der ״Bayrischen Ost* mark“ Coburg wird über eine Neu-Inszcnicrung von Shakes* peare* ״Sommernaclitatraum“ berichtet, zu der Werner Creutzburg die Musik geschrieben hat. Der Kritiker der erwähnten Zeitung schreibt hierüber: . So ist hier um einige fein empfundene Melodien eine Bühnenmusik geachrie* ben worden, die zweifellos Niveau besitzt und den bisherigen ,Sommernachtfd raum‘-Musiken nicht nächst eht.“ — Die bisher mcistgespielte und weltberühmte Musik zum ״Sommernachtstraum“ stammt bekanntlich von Felix Mendelssohn. ilaupochriiriritcr! Dt. Robert Welt ich, Berlin Chartottenburg S («ich verantwort lieh uir die• Aufnahme von Bildern). Stellvertreter: Kurt Loewcnstcin, Berlin \V 15. AmeRoitkdter u. verantwortlich für d«1 Inhalt der Anzeigen: Herrnarm Fi 11 n, Berlin Tempclhof. Gültig: Anaetgen Ft( i-liof 4 vom 15. Oktober 1935. Verlag und An- »(gnivpt-walHing: ftidisrhe Rund-hau, Kerl in W 15, Mrinckedr. 10. D.-A. SepL 39 137. — Druck: Siegfried Schulen», Berlin-Sehttneberg. Polnische Was tat not? Voa unseren Berichterstatter s. Warschau, 11. Oktober Die Londoner Konferenz der polnischen Auslan-dsjuden hat in Polen kein starkes Echo gefunden. Und zwar nicht mir deswegen, weil gleichzeitig die Luzerner Beratungen Und dlt Wahlen zum Sejm die Oeffentlichkcit voilaut in Anspruch nahmen; eine tiefere Ursache ist dabei vorhanden. Die polnische Judenheit hat kein Zutrauen zu auswSrflgen Aktionen, die schon mehrmals in den letzten Jahren unternommen worden und leider mißlungen sind. Mit Philan* thronie ist dem polnischen Judentum nicht gedient; dies begreifen jetzt schon alle. Konstruktive Hilfe dagegen verlangt ungeheuer große Summen, die gegenwärtig sehr schwer aufzubringen sind, Palliativmittel werden keine Lösung der polnischen Judenfrage bringen und »lud nicht imstande, große Volkaencrgifcit in Bewegung zu setzen. Die Hilfsaktion für die polnischen Juden kann nur gelingen, wenn eine großzügige Massenaktion durchgeführt, wenn Enthusiasmus dafür vorhanden ist, wenn ein realer Plan ausgearbeitet wird, wenn alle Parteien des polnischen Judentums mitbeteiligt sein non — nicht zuletzt — wenn die politische Regierung gewillt sein Wird, mitzuhelfen. Die Londoner Beschlüsse sind noch allzu nebelhaft und kommen über die an sich richtige Diagnose nicht hinaus. Der Zweck des atifzubringenden 2-Millioncn-Fonds ist sehr unklar formuliert, die Aufbringung dieser Summe noch sehr ungewiß. Weder die Repräsentanten der polnischen Juden noch die polnische Regierung haben sich zu den Londoner Beratungen und Beschlüssen geäußert. Währenddessen wächst die Not in Polen, die politische Lage der Juden gibt vielen nachzudenken, kein Wunder, daß man den Londoner Kantereit/ gleichgültig gegenübersteht. Es gibt aber Symptome genug, die den hilfsbereiten und mit dem besten Willen misgestatteten polnisch-jüdischen Gruppen in vielen Ländern, in erster Linie in England und Amerika, zeigen sollten, in welcher Richtung sie in der allernächsten Zeit tätig sein konnten. Die stille Verdrängung*• Politik aut wirtschaftlichem, kulturellem und politischem Geblet dauert an. Die vielfach geschilderten Maßnahmen und Verordnungen, die den Handel, das Gewerbe und die freien Berufe der Juden ruinieren, werden noch stärker gchandhaht. So stehen die jüdischen Handwerker in Warschau und in anderen Orten vor der Gefahr, ihre Werkstätten schließen zu müssen, an den Universitäten wurde bei dem jetzt bcginnenden Schuljahr der Numerus clausus *ehr rigoros angewandt, obwohl in» allgemeinen die Zahl der Anincldüngen sowohl polnischerals auch jiidischerseits im Vergleich zu den früheren Jahren sich sehr verringert hat. Starke Eingriffe der Regierung in das Leben der j ü * d 1 s c h e n Gemeinden, die sich bemerkbar »nachten und große Entrüstung in jüdischen Kreisen hervorgerufen haben, Maßnahmen, die auch das Minimum des jüdischen Religion*- Unterrichts an öffentlichen Schulen beseitigen, beweisen, daß auch auf dem neidete des Kultus und Unterrichts die Juden bedroht sind. Dattel müssen wir sehr stark unterstreichen, •djß die Not der polnischen Juden eine nicht nur wirtschädliche Ist; das eigenartige Kulturleben, das im jti* dischen Polen einst 90 herrlich blühte, ist zum Untergang verurteilt, wcitn nicht cin'e energische Hilfe organisiert wird. Politisch hätten die letzten Sejmwanlen gezfeigt, daß die Juden mm politischen Objekt Herabgedrückt worden sind, Fiint gewählte jüdische Abgeordnete (nach dem Ableben des Abg. Wislicki am Vortage der Sejmeröffnung werden es nur vier sein) und zwei nominierte Senatoren bilden eine sehr unbefriedigende parlamentarische Reprasen* tanz der polnischen Judenheit. Die Intentionen der Regierung hätten, wenn sie für die Juden günstiger wären, bei der neuen Wahlordnung stärker zum Vorschein kommen können als Irgendwann. Kein einziger jüdischer Senator wurde ge* wählt, da bei »75 Wahlkandidaten kaum 16 Juden vorhanden waren I Rein physisch sind die Juden zwar unter Regierung»* Judennot •chutz, und mehrere Prozesse, die gegen polnische Exwda► ten und Pogromanslifter geführt Worden sind, beweisen, daß die Regierung auch weiterhin entschlossen ist, jüdisches Leben und Gut zu beschützen. Aber besorgniserregend kt die bei solchen Exzessen und Prozessen ans Licht kommende antisemitische Stimmung. Unter solchen Umständen ist es unbedingt nötig, Wo■ der Regierung endlich ein klares Programm in der Judentrage zu verlangen. Eine konstruktive jüdische Hilfstätigkeit im Auslande für die polnischen Juden und eine Selbsthilfeaktion derselben (eine weit größere, wie die jetzt mit Erfolg zu Ende gehende, die die Sammlung von einer Million Zloty zum Ziele hatte) sind undenkbar, ohne daß die Absichten der Regierung jn diesem Zusammenhang genau bekannt sind. Die Regierung weiß, daß die Emigrations* möglichkeiten der polnischen Juden über das jetzt vorhafidene Ausmaß hinaus in der» nächsten Jahren itch nicht vergrößern werden, daß trotz dem schon seit Jahren stabil bleibenden natürlichen Zuwachs der polnischen Juden (des kleinsten unter sämtlichen Nationalitäten kn der Republik), eine Millionenmasse in Polen verbleiben muß, für deren menschliche Existenz gesorgt werden muß. Jiidischerseits werden Pläne ausgearbeitet, Fonds sollen ge* sammelt werden, wenn die Regierung großzügig mithelfen will, um diese Pläne zu realisieren. Wenn billiger Kredit und Rohstoffe dem jüdischen Kauf* mann und Handwerker zugeführt, wenn neue Erwerbsmöglich■ keiten gefunden, neue Zweige erschlossen, der Export jildischer Erzeugnisse erleichtert, eine zweckmäßige pro* tessionellc Ausbildung der jüdischen Jugend und im Znsammenhang damit auch eine von großem nationalem Aspekt ctragene Jugendalijab aus Polen organisiert sein wer* en — dann ist Hoffnung vorhanden, daß die Lage der polnischen Juden sich erträglicher gestaltet. Dafür muß aber noch eine Voraussetzung vorhanden sein; die Konsolidierung des polnischen Judentums. Es gibt Anzeichen genug, die vorauisehen lassen, daß eine Aktion in dieser Richtung auf Erfolg rechnen darf. Der Gedanke Ist reit genug, die Erfahrungen der letzten Zeit haben auch den verbohrtesten Parteimännern die Augen geöffnet. Man spricht von einer Zusammenfassung der jüdischen Gemeinde n. Angesichts der verrlngerten jüdischen Sejmvertretung kommt immer stärker der Wunsch zur Schaffung einer außerparlamentarischen polltlsehen Vertretung mm Ausdruck; die gemeinsam durchgeführte wirtschaftliche belbstliilfeaktion und schließlich die schon fast alle umfassende starke Palästlnastimmung — sind Anzeichen einer Besserung in dieser Richtung. Wir haben den Eindruck, daß ein Druck seitens der maßgebenden Föderationen im Auslande von Bedeutung für das Gelingen dieser Einigung sein könnte. Antijiidische Exzesse Warschau, 12. Oktober. (ITA.) In verschiedenen Teilttl Polens wurden in der letzten Zeit Terrorakte gegen die jüdische Einwohnerschaft verübt. Aus Las» kaszew (Kreis Lublin) trat eine jüdische Abordnung in Warschau ein uml ii bergab dem Innenministerium ein Memorundum, in dem über die verschärfte antisemitische Propaganda geklagt und mitgeteilf* wird, daß an def Synagoge und au zahlreichen jüdischen .Häusern die Fensterscheiben ausgeschlagen, und daß sechs jüdische Bürger durch Miß- Handlungen ernstlich verletzt wurden. Die Regierung gab Order, die Polizeiwachen in Laskaszew zu verständen. ln Trüskaloa, unweit von Czcnstochau, wurden die 60 jüdischen Familien des Ortes in den Rosch-Haschana-Tagcn schwer terrorisiert. In der Synagoge und in sämtlichen jüdisehen Wohnungen wurden die Fenster angeschlagen, viele Juden wurden mißhandelt; die jüdischer! Einwohner wagten nicht, an den Feiertagen die Synagoge zu besuchen, sondern schlossen sich in ihren Häusern ein. Die jüdischen Bürger Wci*Spender und □oldhart wurden durch Messerstiche erlieblich verletzt. Eine Abordnung der Czenätochauer Juden intervenierte bei der Regierung. Der Otientallstenkongrefl in Rom* Als vor vier Jahren in Leyden beschlossen wurde, den nächsten internationalen Orientalistenkongroß nach Röm ein zu berufen, war nicht vorauszusehen, daß sich die politische Weltlage so verändern würde, daß Kriegs Vorbereitungen mit •der Abhaltung des Kongresses (23.-29. September) zusammenfallen würden. Zwar litten die Arbeiten des Kongresses nicht unmittelbar unter der gespannten politischen Atmo- Sphäre der letzten Septemberwochen, doch stand das Nichterscheinen der führenden Orientalisten Englands und teilweise auch Hollands damit 1m Zusammenhang. Die Zahl der Teilnehmer betrug ca. 350 au« fast allem Ländern Europas und Amerika«, darunter Vertreter von Regierungen, Universitäten und anderen wissenschaftlichen Körperschaftcn. Neben den Orientalisten waren auch Orientalen aus Indier», Iran, Aegypten, Nordafrika usw. anwesend. Die Arbeit des Kongresses teilte sich unter folgende zehn Sekti&nen auf: 1. Assyrlologie, 2. Aegyptolosie, 3. Ferner Osten, ♦. Iran, Türkei, Armenien, Kaukasus, 5. Indien, 6. Semitische Sprachen und Völker, 7. Altes Testament und Judentum, 8. Islam, 0. Christi. Orient, 10. Orientalische Kunst. In diesen zehn Arbeitskreisen wurden innerhalb von fünf Arbeitstagen insgesamt mehr als 150 Referate (halbstündig) über die verschiedensten Probleme des jeweiligen Wissenschaftsgebiets gehalten. Es kann naturgemäß hier gar nicht auf den wissenschaftlichen Ertrag dieses Kongresses eingegangen werden — von Interasse durften in diesem Zu* sammenhang wohl nur die Arbeiten m den Sektionen Scmitisehe Sprachen, Bibel und Judentum sein. In der unter dem Vorsitz von Prof. U. Cassuto stehen* den Abteilung für Bibel und Judentum bemühten sich jüdische und nkhtjüdIsche Gelehrte (Zoller, Diringer, Ei«- feldt, Cassuto, Galling, Landsberger, Bertram, Zorrell usw.) um die Klärung wichtiger philologischer und historischer Fragen der biblischen Zeit. Die archfiologischen Funde und Ausgrabungen der letzten Jahre In Ras Schamra, AI, Byblos usw. standen ganz besonders Im Mittelpunkt des Interesses und die Referate von Schmldtke, Vlrolleand, Lods, Dunand, Albright u. a. berührten fundamentale Fragen unserer MbHsehen Vergangenheit. Es war zu bedauern, daß durch die Abwesenheit von H. Torczyner (Jerusalem) die epochalen Funde bi Laclilsch nicht gebührend zur Sprache kamen. Ueber die neugefundene Pehlevi-Inschrift in der Synagoge von Dura*Europas gab PagHano wesentliche Auf- Schlüsse. Zum Thema ״Judentum“ lieferte außer Schoeps *) Siehe den kurzen Bericht iß Nr, 81/82. (Berlin), dessen Ausführungen allerdings ganz aus dem Rahmen eines Orlentalistenkongresses fielen, nur Sonne (Florenz) durch die neue Interpretation eines Malmontdcs- Briet es einen Beitrag. In der Sektion ״Islam“ wurde die — quantitativ — größte Arbeit geleistet. Hier bildete zwar das Judentum kein Objekt der Forschung, aber unter den Referenten hctand sich eine ganze Reihe jüdischer Gelehrter, wie Gotthell (New York), Markon (Hamburg), Mainz (Berlin), Lichten- Städter (Oxford), Walzer (Rom), Tckher (Florenz), Epstein (Jerusalem) tisw. In der islamischen Abteilung trat auch die Hebräische Universität Jerusalem besonders in Erscheinting, die durch S. D. Ooltein und W. Fischei vertreten war. F i s c h e 1 behandelte Venvaltungsprobleme des Abbasidcnchälifats, während O 0 i t e t n über den arabischen Historiker Baladhurl des 10. Jahrhunderts sprach, dessen Oe« schichtswerk von dem Orientalischen Institut der Hebräischen Universität ediert wird und dessen erster Teil nunmehr in der Bearbeitung von Ooitein dem Kongreß vorgelegt werden konnte. Es bot siel» hier und auch sonst auf dem Kongreß mehrfach Gelegenheit, festzustellen, welch starke* Interesse die Gelelirtenvvelt an den Arbeiten der Hebräischen Universität nimmt und wie sehr diese so junge Universität bereits in den wissenschaftlichen Kreisen rezipiert ist. Die sachlichen Arbeiten des Kongresses wurden ergänzt durch Festlichkeiten und Empfänge verschiedenster Art. Di« feierliche Eröffnungssitzung im Kapitol, in Anwesenheit des Vertreters des Königs, des Gouverneurs von Rom u. a, Würdenträger verdient hier auch deshalb erwähnt zu wenden, weil der jüdische Gelehrte Sylvain Levi (Paris) — Präsident der Alliance IsraelIte Universelle — ausersehen war, dem Ver■ treter des Königs und den Behörden Im Namen aller außer• italienischen Gelehrten den Dank für den freundlichen Emp• fang auszusprechen. Besonders eindrucksvoll war der Empfang der Kongreß• tellnehmer beim Papst Plus XI. Auf dem herrlichen Sommerschloß in Castelgandolfo, am Fuße der Albaner Alpen, vereinigten sich — Erew Rosch Hasehanah — Katholiken, Protestanten, Juden, Mohammedaner, Hindus u. um den Begrüßungsworten des Oberhauptes der katholischen Kirche zu lauschen. Die Schlichtheit seiner Ausführungen, das Humane seines Wesens und Auftretens verfehlten ihre Wirkung nicht und ließen zugleich I« dieser Persönlichkeit den einstigen Professor für Hebräisch und Bibel In Mailand und den einst so passionierten Naturfreund und Bergsteiger erkennen. Mit Worten des Friedens segnete er die Versammelten. Für den 20, Internationalen Orientalisten Kongreß, der statutenmäßig nach drei Jahren wieder zusammentreten soll, wurde — in der Schlußsitzung im Kapitol — als Tagungsort Brüssel vorgeschlagen und akzeptiert. Dr. Walter Fischet, Jerusalem ■ » (

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