Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1935-10-10 · Heft 81-82 (10.10.1935) · page 19

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 81-82 (10.10.1935)
Date
1935-10-10
Page
– (sequence 19)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2651273-2653827-2653899--27502-2688942
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Mr. 81/82 10. X. 193S IODISCHE RUNntrHAÜ Seite 19 Keine Lohnarbeit in Baukooperativen!Hermann Hirsch | Am Erew Jom Kippur wurde in Jerusalem Hermann Hirsch von seinem schweren Leiden erlöst. Alle, die ihn kannten, wissen, daß mit ihm eine Persönlichkeit von besonderen menschlichen und zionistischen Qualitäten dahingegangen ist. Er war ein Sproß der bekannten Familie Hirsch-Ilalberstadt, deren Glieder, seit vielen Generationen Kaufleutc v»11 internationalem Ruf und Weltgeltung, in für Deutschland seltener Weise jüdische Tradition und Kultur wahrten und verbreiteten. Halberstadt und Messingwerk, die beiden beruflichen Wirkungsstätten der Familie Hirsch, waren lange Zeit einzigartige Zentralen jüdischen Lebens in Deutschland. Für uns Zionisten war um die Jahrhundertwende Messingwerk der Begriff eines jüdischen und auch zionistischen Zentrums. Das jüdische Messingwerk war eine Schöpfung von Gustav und Lea Hirsch, den Eltern von Hermann Hirsch. Gustav Hirsch, ein Kaufmann und Industrieller großen Formats, und seine Frau Lea, die {eingebildete Tochter von Esriel Hildesheimer, schufen in diesem kleinen märkischen Ort um ihr Haus herum eine jüdische Atmosphäre, die Bindung an jüdische Tradition mit Weltoffeuheit und aufgeschlossener Menschlichkeit verband. Aus diesem Milieu kam Hermann Hirsch, ein Mensch von wahrhaft adliger Gesinnung, voll feinen Empfindens für alles Schöne und Edle, voll instinktsicherer Ablehnung alles Unedlen und Unechten. Als Gymnasiast kam er in eine zionistische Propagandavcrsainmlung und wurde sofort Zionist — als Erster aus der Familie Hirsch — und blieb der zionistischen Sache treu und hingegeben bis an sein Lebensende. Seiner schlichten Vornehmheit lag jeder Ehrgeiz und jedes Vordrängen fern; er war auch kein Politiker. Aber er versagte sich keinem zionistischen Dienst und erfüllte jede zionistische Pflicht, und wenn man ihn rief, so folgte er, und jedes zionistische Amt, das man ihm gab, füllte er gewissenhaft aus; er war wohl der beste Vorsitzende, den die Zionistische Ortsgruppe Halbcrstadt — eine der besten Ortsgruppen Deutschlands — je gehabt hat. In seinem Hause schuf er gemeinsam mit seiner Gattin eine Atmosphäre warmherziger Menschlichkeit, jüdischer Vornehmheit und zionistischer Erfülltheit, deren Zauber sich niemand, der mit ihm in Berührung kam, entziehen konnte. Es war ihm nicht vergönnt, dieses Leben in Palästina fortzusetzen und zu krönen. Er hätte auch in Erez Israel keine politische Rolle gespielt; aber er hätte durch sein Wesen und Leben gerade im Kreise der Einwanderer aus Deutschland beispielgebend gewirkt. Er hatte die Eigenschaften, die wir uns an den zionistischen Bürgern unseres Landes wünschen. Er schied dahin vor seiner Zeit, eben 50 Jahre alt geworden. Mit seinen Angehörigen trauern alle um ihn, die ihn kannten. Der Zwischenfall bei der Höhle Machpelah Jerusalem, 3, Oktober. (JTA.) Distriktskommissar Campbell hat in seiner Eigenschaft als Verwaltungsrichter fünf Chassidim, die in der vorigen Woche mit dem Gcrer Rabbi entgegen den Bestimmungen der Besuchsordnung die Höhle Machpelah bei Hebron ohne besonderen Erlaubnisschein betreten wollten, zu je zwei Pfund Geldstrafe, im Niclitbeitrcibungsfall zu acht Tagen Gefängnis verurteilt. Die übrigen tun1 Angeklagten wurden freigesprochen. Schon seit langem wurde in Palästina lebhaft der Mißstand diskutiert, daii die Arbeiter-Kooperativen, besonders die Baukooperativ«1, Lohnarbeiter in großer Zahl beschäftigen. Sie nahmen einerseits für sich die moralische und tätige Hilfe des Publikums in Anspruch, die den Arbeiter-Kooperativen in weiten Kreisen gewährt wird, unterschieden sich aber nur noch dem Manien nach von rein kapitalistischen Bauunter־ nehmern. Die Histadruth hat jetzt sowohl in Haifa wie auch in Tel-Awiw diese Kooperativen, soweit sie nicht auf Lohnarbeit verzichteten, aufgelöst oder ihre Mitglieder, die nicht freiwillig aussclticdcn, aus der Histadruth ausgeschlossen. In der Halbnionatsbeilagc des 1 )awar ״H a m e s c h e k H a s c 11 i - tufi“ wird über die Zustände in Tel-Awiw berichtet: Die Bauarbeiter sind in letzter Zeit an die Durchführung des Be- Schlusses der 1listadrutli über die Abschaffung der Lohnarbeit gegangen. Die Durchführung erforderte große Energien, aber man kann schon jetzt sagen, daß sie geglückt ist. Die rege Teilnahme der Bauarbeiter und der ganzen Arbeiterschaft zeugen von dem großen Wert dieser Aktion. Der Uebevgang zu den neue« Arbeitsbedingungen war zuweilen sehr kompliziert. Abend für Abend bestellen die Beamten der Genossenschaft die verschiedenen Kooperativen zu sich und beraten mit ihnen über die Organisation der durch Eintritt früherer Lohnarbeiter erweiterter Kooperativen oder kritisieren die schon erfolgte Durchführung des Beschlusses. Um die Nachfolge Rabbi Kuks Jerusalem. (Palcor.) Bald nach Abschluß des Trauermonats nach dem Tode von Oberrabbiner Kuk hat über die Frage der Wahl eines neuen Oberrabbiners in Jerusalem ein Kampf zwischen mehreren Kandidaten begonneu. Eine Gruppe aschkenasischcr Rabbiner betrieb die Kandidatur des Rabbiners Z. P. Frank als interimistischen Vertreters bis zu den eigentlichen Wahlen; sie wandten sich an die Palästina-Regierung und den Waad Leumi mit der Bitte, der Kandidatur des Rabbiners Frank zuzustimnien. Der Waad Leumi lehnte dies jedoch ab, da Rabbiner Frank aus der Knesset Israel ausgetreten ist und daher das Amt eines Oberrabbiners in Jerusalem nicht bekleiden kann. Auch könne gemäß dem Statut der Knesset Israel ein Vertreter für dieses Amt nur aut Grund legal durchgeführter Wahlen ernannt werden. Der Waad Leumi wandte sich auch an das Oberrabbinat mit der Bitte, die Wahlen in der nächsten Zeit durdizuführen. Rabbiner Frank behauptet jedoch, er sei der gesetzliche Vertreter Rabbi Kuks, weil dieser selbst ihn als solchen während seines Aufenthaltes in Amerika eingesetzt habe. Die Anhänger Rabbi Kuks stellen die Kandidatur des erusalemer Rabbiners Charlap auf, der übrigens auch ein Mitglied der Knesset Israel ist. 111 manchen Kreisen betreibt man die Kandidatur des Rabbiners Schapira aus Kowno, sowie die Kandidatur des Oberrabbiners von Irland, Dr. Herzog. Erziehung zur Arbeit in Palästina. Dieser in Nr. 75 vom 17. 9. erschienene Aufsatz ist aus Raumgründen mit erheblicher Verspätung erschienen, so daß eine Reihe darin erwähnter Tatsachen, wie uns vom Verfasser mitgeteilt wird, inzwischen überholt sind. So erhält die Jugendalijah-Grunpe in Ajn Chartid jetzt längst den gesamten Unterricht in hebräischer Sprache und alle Veranstaltungen finden in hebräischer Sprache statt. Die Mehrzahl der Baukooperativen hat sich dein Beschluß der Histadruth unterworfen und ist in ihr verblieben. So arbeiten jetzt weit größere Gruppen als früher, da die Lohnarbeiter als Mitglieder aufgenommen wurden. Gruppen, die^ früher 7—8 Mitglieder hatten, haben jetzt 20 40. Alle diese Gruppen arbeiten nach einem Punktsystem. Die Fachgeiiossenschaft hat die Zahl der Punkte für jeden einzelnen Facharbeiter festgesetzt, und entsprechend der Zahl der Punkte bekommen die Arbeiter ihren Lohn. Nur ganz selten kommt noch die Ein- Stellung• von ein oder zwei Lohnarbeitern oder eine Ueberschrcitung des Achtstundentages vor. Die Histadruth bekämpft solche Erscheinungen auf das energischste. Die Gruppen, die sich dem Beschluß der I lisladriitli nicht unterwerfen, sind ausgeschlossen oder zum Austritt gezwungen worden. Auch sie sind in gewisser Verbindung mit der Histadruth geblieben, wenn sie auch natürlich jetzt als Unternehmer auftreten. Ein besonders schwieriges Problem war die^ Ueberführung der großen Kooperative des Misrad hakablani in den neuen Zustand. Alle Arbeiter wurden dort Angestellte mit festen monatlichen Bezügen. Allerdings arbeiten sie fast durchweg als Arbcitsleiter und Vorarbeiter. Neben ihnen werden noch Arbeiter zu Tageslöhnen beschäftigt. Diese Arbeiter erhalten nach Ablauf einiger Monate eine Lolmei׳־liü.imig und haben Anrecht auf Urlaub. 75000 Pfund für hebräische Kulturarbeit Die Eröffnung des Testaments Ji/eliak lob (ioldbergs ergab, daß Goklberg, vier schon bei I cb/eifen große Summen für Kulturzwecke, insbesondere für den Ankauf des Terrains für die Hebräische Universität, spendete, 75 000 P 111 n <1 für Z w e c k e d e r 11 e I) r :1 i s c h cn Kultur hinterlassen hat. Als Treuhänder für den Nachlaß hat J. L. Goldberg den Keren Kajemetli bestimmt. Der!unterlassene Betrag soll als Stiftung unberührt bleiben, wahrend die Zinsen alljährlich zur Forderung knlfurellei Bestrebungen verwendet weiden sollen. Die Art der Verteilung der Zinsen wird jeweils von einem Komitee bestimmt werden, dem Vertreter der Hebräischen Universität, der Zionistischen Exekutive, des Keren Kajemetli lind des Verbandes der hebräischen Schriftsteller angeboren. Di« Einwanderung jm Monat September über Jaffa und Haifa betrug 5867 Juden, d. i. 1500 mehr als im Alonat August. Mit Einschluß der Touristen, die im Lande bleiben durften, und der Einwanderer über andere Grenzpunkte beträgt die jüdische Einwanderung im Monat September über 0000 Personen. In den ersten neun Monaten 1935 betrug die Zahl der jüdischen Einwanderer 47 000, das sind 5000 mehr als in der gleichen Zeit des Jahres 1934. VI'ie arabische Zeitungen berichten, beabsichtigt Ihn Saud, einen arabischen Kongreß für November nach Riad, der Hauptstadt von Saudia, eiu/uberuten. Der Präsident der Zionistischen Organisation und der Jewisti Agency ist dieser Tage in London einem Auto- Untat! entgangen. Die .Arbeiter der Zementfabrik ,,Nesltcr“ bei Haifa haben beschlossen, Weizinarm aus diesem Anlaß in das Goldene Buch ■des Keren Kajemetli ein/utragen. DIE SLUMS VON JERUSALEM ln Jerusalem gibt es, den Fremden und den meisten Einheimischen unbekannt, ein Wohnviertel, das eine durch auf füllende Reinlichkeit ausgezeichnete Art von Slums darstellt, die von Juden, zumeist aus Ninive und anderen Teilen Vorder - Asiens bewohnt werden: die Slamluliye. Dieses Viertel der Aennslen liegt einige Meter unter dem Straßenniveau und gehört zu den romantischsten Teilen der Altstadt, in dem das Lehen nicht viel anders als vor hundert Jahren ahliinjt. trauen beim Mahlen des Mehls zwischen Mahlsteinen Saures (KaMusjeigen), acht Stück für einen Ta’arife (einen Ein Geldwechsler vor der Slambuliye halben Piasterf Text eml Foto«; Beo-Gavriel, Jeruaaleia Partie aus der Stambulif Ein typischer Wohnverschlag Der Eingang in die Stambuliye •׳,. ׳׳ _ •*■ס ־♦-־-* "־־"־־ ■"״Ä; »

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.