Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 81-82 (10.10.1935)
- Date
- 1935-10-10
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seife 12 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 81/82, 10. X. 1935 IN ALLER KURZE Vom Laiuleskirchentag der Thüringer Evatigelisehen Kirche wurde 1t. ״Fratikf. Ztg.“ vom 4. 10. ein A11ssc!1uf5 eingesetzt, der Beschlüsse zur Lösung der Judenfrage in der Kirche vorbereiten soll. Vorn Präsidenten des Landeskirchcritages wurde dazu festgestellt, daß die Thüringer Evangelische Kirche sich mit dieser Frage schon mehrfach befaßt habe und daß 11.;1. ein Gesetz beschlossen worden sei, das die kirchliche Trauung zwiselten Ariern und Juden verbietet. Die ,,Nordtvcsfdeufschc Zeitung“ in Bremerhaven meldet: Die Stader Genieinder,:ite befaßten sich mit einem Anträge des Kreisleiters der NSDAP, nach dem an den Ausgängen der Stadt Schijder anzubringen seien rnit der Aufschrift: ״Juden sind in Stade nicht erwünscht“. Ferner sollen öffentliche Aufträge mir an solche Betriebe gegeben werden, die ihren Verpflichtungen gegenüber dem Staat und der NSDAP nachgekommen sind, die nur Mitglieder der DAF beschäftigen und die mit Juden keine Geschäfte betreiben. Turnhallen sollen nur solchen Vereinen zur Verfügung gestellt werden, die den Arierparagraphen eingeführt haben. Dieser Antrag fand einstimmige Annahme. Das ״Nationalblatt“ in Koblenz meldet, daß in Haisenbach nach einem Beschluß des Gemeindebürgermeistens künftig die Bürgerrechte an Personen, die mit Juden gesellschaftlichen oder sogar noch geschäftlichen Verkehr unterhalten, nicht mehr verliehen werden. Künftig eintretenden Bürgern kann, wenn ihnen ein gleiches verräterisches Treiben nadigewiesen wird, das Bürgerrecht entzogen werden. Im gleichen Beschluß ist auch festgelegt worden, daß Judenknechte von der Gemeinde keine Aufträge mehr erhalten können. Aut der Arbeitstagung der Reichsfaehschaft für den deutschen Zeit 1:!1 g s - und Zeitschriften- Einzel- Handel!iiadile der Geschäftsführer der Reichspressekammer, Dr. Pichler, Ausführungen über die Aufgaben des Zeilungs- und /«.׳itschrittenhamh'ls. Dabei hat er, nach dem Bericht iles ״Berliner Tageblatt ei“, 11. a. darauf hinge wiesen, daß die BeruLssperre die Aussonderung der Elemente, die nicht in die l achschaft hineingehürten, /um Zweck habe. Mit dem V e r k a 1! f s v erbot j 11 d i s c 11 c r Zeitschriften in der Ocften 11 idikrit habe man einen Zustand beseitigt, der der allgemeincn Auffassung nicht mehr entsprach. Nach Mehlung der ״Westfälischen 1 andeszeitung— Rote Erde" hat die .Stadtverwaltung Dortmund durchgeset/t, daß. die von der Dorlmimder Kon/ertsaal- und Theaterhetriehs G. 111. b. H. umerhaltenen Betriebe ״Stadtschanke“ und ״Stadthotel“, die sich /uni Teil :11 nichtarischen Händen befinden, die N'amenshe/eich nn iigen ״Stadtschänkc“ und ״Stadthotel•• ablegen. Dnter F lihrimg des ehemaligen italienischen Offiziers Modi an 11, eines Juden, ist die erste Gruppe italienischer Freiwilliger für <1 en abe.vsinischen Feldzug aus Saloniki abgegangen. Außer dem Kommandanten gehören der Gruppe noch viele andere jüdische Freiwillige an. Der am I. Juli verstorbene Präsident der Spanish and Portugue.se Synagogue und ehemalige Vorsitzende der English Zionist Federation, Sir Francis M o 111 e f i o re , hat für jüdische und niciitjüdische Wohlfahrtszwecke über 100 000 Pfund hinterlasscn. 10000 Pfund hat der Verstorbene für die ,Spanish and Portuguese Synagogue, 1000 Pfund für das sephardische Krankenhaus Belh Cholim und 200 Pfund für die Geistlichkeit und die Beamten der Spanish and Portuguese Synagogue bestimmt. Der hebräische Dichter Saul Tschernichoivs ki, der als Uebersetzer des finnischen Nationalepos ״Kalewala“ vor etwa einem halben Jahre Gast der finnischen Regierung bei der Kalewala-Feier in Helsingfors war, ist jetzt von Finnland durch Verleihung des Ordens der Weißen Rose im Grade eines Kommandeurs geehrt worden. Am 1. Oktober hat der bisherige Direktor der Hebrä- «sehen Nation;! I- und Universitätsbibliothek in Jerusalem, Dr. Hugo Berg ן!! a!1 11, der zum ordentlichen Professor an der Philosophischen Fakultät ernannt wurde, die Leitung der Bibliothek cm!gültig dem neuen Direktor Prof. Dr, Gotthold Weil 11!),׳!gehen. Am Jom Kippur versuchte ein vor kurzem ans Kaunas nach Pal.i.-nna ringewamlertcs Mitglied des Rrith Trumpeidor, entgegen den Bestinmnm ״en über die Erhaltung des Status 1)110 n 11 der K I a g e m ,1 11 e r, dort Schofar zu blasen. Er wurde verhaftet. Die Poli/t-i in Ramallah hat drei jüdische Familien vorhafte(, die uber Transjordanien nach Palästina gekommen waren. In den letzten Tagen wurden an der syrischen Grenze sieben judi-clio junge I.eilte, unter ihnen ein Rabbiner aus Rußland uihI drta lugendliclu• au-׳ Polen, wegen des Versuchs, illegal nach Palästina einzuwandern, verhaftet. Die in Palästina wohnenden Angehörigen der Verhafteten bemühen sich, deren Freilassung gegen Kaution zu erlangen, Wie in der ״Palestine Gazette“ mitgeteilt wird, gehören dem 1. a 11 d wi r t s c h a f t s r a t der Regierung außer dem Direktor und dem Vi/.eilirektor der Landwirtschaft«- und Forstabteilung und dem Sekretär der Kooperativgesellschäften lä .Mitglieder, darunter <> Juden, und zwar Dr. M. B. Mexter, Dr. I. Kligler, M. Smilansky, 11. Viteles, E, Volcani und H. VC'olison, an. Die (iesdkcliaft ״Schikim“ hat mit der Errichtung der ersten 20(! Wohnhäuser im Süden von Tcl-Ävi»■ hegönnen. Jel/t arbeitet dort bereits die Fabrik ״l.odzia“, und es werden die Gebäude für andere große Unternehmungen (darunter auch den Buch Verlag ״Omanuth“) zu Ende geführt. Die Gesellschaft wird ferner eine betonierte Chaussee! Zäune uni die Grundstücke, «inen Kindergarten u. dgl. errichten. (Palcor.) Das Einbürgerungsamt der Gemeinde Tel-Awiv hat im abgclaufcncn Jahr die Einhürgerungsfornialitäten fiir 1905 Personen erledigt, lieber 10 000 Personen haben im Laufe des Jahres Informationen über Einbürgerungsfragen d!!geholt. In der Zeitschrift ״Jevrejski Glas“, Sarajevo, erschien ein Offerier Brief an Dr. Joachim Prinz von Dr. Lavoslav S i k, worin der Verfasser seiner Entrüstung Ausdruck gibt, daß Prinz nicht mehr Rabbiner ist und den Wunsch ausspricht, daß die jüngere Rabbiner-Generation Jugoslawiens ihm nachstreben möge. Der Bariton Max Ray mer sang mit großem Erfolg in der Kimstgemeinscliaft in Köln und am Rundfunk Luxembürg. Er wurde zu einem internationalen Komponistenabend für l<)3t> an den Sender Luxemburg verpflichtet. Dr. Kurl Singer 50 Jahre Kurt Singer wurde am 11. Oktober 1885 in Berent als Sohn eines Rabbiners geboren. Während seiner mediz i n i s c h e n Studien in Berlin nahm er bei dem bekannten Violinpädagogen Grünberg Geigenunterricht. Bald aber zeigte es sich, daß Singer die Musik nicht nur aus Liebhaberei betrieb, daß er von ihr ganz erfüllt zu werden begann. Selbst in seiner ärztlichen Tätigkeit als Neurologe nahm die Musik mit ihren Auswirkungen körperlicher und seelischer Art einen großen Raum ein. Zeugnis dafür, wie er seinen Beruf schon damals in Verbindung mit der Musik bringen wollte, sind die Titel seiner damals entstandenen Schriften: ״Musik und Charakter“, ״Berufs-?rankheiten der Musiker“, ״Wesen und Heil- Wirkungen der Musik“ und ״Bruckners Chorinusik“. — Singer hatte das Gliickj schon i«1 jungen Jahren den Leiter des Philharmotiisehen Chors, Siegfried () c h s, kennenzi'.'.crnen und sein Schüler zu werden. Eine große Anzahl von Briefen, die Ochs an ihn geschrieben hat, bekunden die starke persönliche Freundschaft, die sie verknüpfte. Infolge seiner musikwi : Schaftliehen Tätigkeit entwickelte sich ein lebhafter Briefwechsel zwischen Dr. Singer und namhaften Musikern wie Blech, Nikisch, Furtwä.iglcr, Max Friedländcr, Scliönberg u. a. Die Gründung des Aerztechors 1912 war Singers erste musikalische Tat, durch die man sehr bald auf ihn aufmerksam wurde. Hier zeigte sich auch schon sein organisatorisches Talent. Denn es gelang ihm innerhalb kurzer Zeit, einen Chor von ca. 200 Menschen zu gemeinsamem ernsten Mtisiz.icren zu vereinigen. Sein erster bedeutender Aufstieg ■war seine Berufung nun stellvertretenden Intendanten der C h a r - lottenburgcr Oper zur Zeit Bruno Walters. Hier hatte Singer die Möglichkeit, weitere Proben seiner vielseitigen Begabung zu geben. Er inszenierte eine Reihe von Werken, die von der Presse anerkannt wurden. Es ist überhaupt erstaunlich, wie er bei seiner ausgedehnten ärztlichen Praxis nocli so viel Zeit fand, sich auf allen Gebieten der Musik produktiv zu betätigen. Als 1933 der Umschwung erfolgte, schuf er den ״Jiidi sehen Kulturbund“, der von vielen mit Freude begrüßt, von sehr vielen skeptisch beurteilt und von einer großen Anzahl sogar als überflüssig bezeichnet wurde. Aber Dr. Singer begann unbeirrt seine mühsame Arbeit, Stein um Stein zusainmenzutragen, um die Fundamente des Kulturbundes zu schaffen. Mit einer Schar von Mitarbeitern wurde fieberhaft gearbeitet, bis sich allmählich die Gestalt des Kulturbundes heniuskristailisiertc. Sehr wichtig war die Schaffung des Kulturbundes in Jozialer Beziehung. Wenn auch viele Hoffnungen enttäuscht werden mußten, so konnten doch in kurzer Zeit über 200 Künstler und Angestellte Brot und künstlerische Arheitsmögiiehkeit finden. In künstlerischcr Beziehung verstand es Dr. Singer, einen Stab von bedeutenden Künstlern hcratmi/ielien, und es begann eine angespannte und konzentrierte Arbeit. Im Schauspiel, in der Oper und im Konzert kamen Aufführungen zustande, die Anerkennung gefunden haben. Wie starke persönlichc Bande Singer mit seinen Mitarbeitern verknüpfen, beweist die Tatsache, daß der ehemalige Aerztcchor fast geschlossen seinem Gründer und Leiter folgte, um unter dem Namen ״Kurl Singerscher Chor“ weiter zu musizieren. Dieser Chor brachte im Verein mit der jüdischen Chorvcrcinigung und dem Chor des Kulturbundes die Aufführung des ״Judas Makkabäus“ zustande. Lieber zwei Jahre intensivster Arbeit haben die Schöpfung Kurt Singers zu einem gewissen organisatorischen Abschluß gebracht. Unter seiner Leitung sind jetzt sämtliche jüdischeu Kulturbünde und künstlerischen Organisationen Deutschlands zu einem 1״( eich s v er ba r d der jüdischen Kulturbünde“ vereinigt. Möge sein Leiter weiter die Kraft finden, die organisatorische und künstlerische Arbeit in diesem Bezirk zu fundieren und auszubaucn I Leo Kopf Foto: Soaaenfeld Der ״Reichsverband der Jüdischen Kulturbünde in Deutschland“ teilt mit: Um Mißverständnissen vor/uk.ugcn, werden nochmals alle reproduktiv-ausübenden Künstler ersucht, sich unverzüglich beim Rcichsverband als aktive Mitgfieder zu melden, soweit sie dies noch nicht getan haben. Die Frist, die am 30. 9. abgelaufen war, wird nochmals bis einschließlich 15. 10. 33 verlängert. Jüdische Künstler müssen im Besitz einer Ausweiskarte des Rrichsverbandes sein, um ihrem Beruf nachgehen zu können. Es wird jedoch darauf hin- WERNER PINNER B * i* k g e י c h ä f t BERLIN NW 7, TOTER DEN LINDEN 40 41 Di *erse erstkl. Häuser Veiten, Norden. Södosteu. •ufiragsgemäU zu verkaufen gewiesen, daß diese Ausweiskarte lediglich die Berechtigung zum Auftreten verleiht, nicht aber ein Recht auf Beschäfti- (jung bietet. Die Anmeldung wird erbeten von: a) Solisten: Schauspielern, Sängern (Oper und Konzert), Instrumental- Solisten, Vortragenden, Rezitatoren, Tänzern, Kabarettisten; b) Orchester- und Ensemble-Musikern, Chorsängern. — Diejcnigen Künstler, die sich bereits ah aktive Mitglieder an gemeldet haben, werden nochmals darauf hingewiesen, daß die Uebcrsendung der provisorischen Mitgliedsausweise im Laufe der nächsten Tage erfolgt. Es wird gebeten, von persönlichen nud schriftlichen Nachfragen abzusehen und lediglich die Meldung zu vollziehen, bzw. die Zusendung der Mitgliedskarte abzuwarten. Palasiina A1114 Bertin »BR. 3SWIBM AIRNCY FOffc PALEftTINR Mitteilung an Empfänger von direkten Zertifikaten (Kategorie D) Im Zusammenhang mit neuen Maßnahmen auf dem Gebiet der Einwanderungskontrolle in den palästinensischen Häfen wird Palästina-Auswanderern, die ihr Zertifikat unmittelbar vom Einwauderungsbüro der Palästina-Regierung in Jerusalem erlulten haben (Ausstellungsort Jerusalem), angeraten, sich sofort nach Erhalt des Zertifikates mit dem Palästina-Amt in Berlin, Zertifikatabteilung, in Verbindüng zu setzen, uin feststellen zu lassen, ob der Einwanderung auf Grund •des Zertifikates keine Schwierigkeiten entgegenstchen. Presseschau ״Ein• Atempause" Im ״Israelitischen Gemeindeblatt“ Mannheim veröffentlicht Rabb. Dr. Max Grünewald cineii Artikel ״Nachwort zum Kongreß“, worin er seine Darstellung der Kongreli-Vor• gange mit folgcnde-m historischen Vergleich abschließt: ״Die Auswanderung der Israeliten aus Aegypten, die schrittweise Krobcrung und Durchdringung I’aliis!inas, ifie Aufrichtung und Ausdehnung der ltfiniglichen Macht ging in einer Atempause der Geschichte vor sieh. Die Grenzen Paliisiinas waren nicht offen, aber auch nicht, hermetisch verseil! ׳ssen. Aegypten machte damals eine Schwadieperiode durch, ln l’aliislina bestunden mehr oder Weniger unabhängige, miteinander rivalisierende StadlUir.stentünier, die von den Beduinen stammen aus der Wüste ständig bedrängt wurden. Die großen, später so agressiven Reiche im Westen und Nordosten waren' noch nicht durchgebildet: und noch nicht so weit, um den Kndkampf mit Aegypten um Palästina, die Brücke von zwei Kontinenten, aiiizimchiueii. Man kann auch heute im Ilitiblirk auf den Nahen Orient von einer solchen Atcmpjusc sprechen. Sie winde geschulten durch das Interesse, das Kngland an dem Vorderen Orient hat, und durch die L'eberlegetiheit, mit rler England sein Interesse vertritt; weiterhin durch den unfertigen Zustand der arabischen Staatsgcbilde. Daß diese Chance ausgenutzt wurde, das verdanken wir einerseits dem Druck, unter dem der überwiegende Teil der Judcnhcit stellt, auf der anderen Seite rinn einzigartigen Komplex von Wille und Idee, der uns dahin lührtc, wo wir heute stehen. Wie lange wird diese Atempau-e währen? Wir wi.-en es nicht. Die- Sammlung der Geister und Kräfte, die Stärkung des jungen Gemeinwesens —■ sic sind nötig heute und für eine Zeit, in der sich die äußeren Gegenkräfte formiert hallen werden und in der Gefahren zu meistern sein werden, 11 ie sich jetzt nur schwach am 1101 hont abzeiclmcn.“ * Der ״W irfschaftsdiens t“, H ambttrg, vom 27. 9. beschäftigt sich in einem größeren Aufsatz, von Ci. Fürbringer mit der inneren Entwicklung des Zionismus und der Lage Palästinas. Der Artikel geht zunächst auf den Luzerner Kongreß und die Abspaltung <ler Revisionisten ein, wobei dem Verfasser allerdings Mißverständnisse unterlaufen sind, wenn er z. B. behauptet, daß die Arbeiterpartei ״das Gewerkschaftsprin/ip in Palästina ohne Rücksicht auf die Nationalität vertritt“, während die Revisionisten verlangen, daß kein fremder Arbeiter in jüdischen Unternehmungen tätig sein darf. Weiterhin behauptet der Verfasser, daß die Zionistische Organisation ihre finanziellen Mittel im Hinblick auf die kommenden Kämpfe mit den Revisionisten schone und daher ihren Meliorations- und Investitionsbedarf lieber im Atileihewege aufbringe. Weiter heißt es, die Regierung werde ihre ׳Anschauungen in der Frage der Erhöhung der Quote der Arbeitereinwanderung davon abhängig machen, ob die sozialistischen Gewerkschaften oder die nationalen (Revisionisten) die Ober- Hand behalten, da der Regierung wenig an Förderung der klassenUämpferiscTien Bewegung gelegen sein könne. Besser als dieser von erheblichen Mißverständnissen über die tatsächlichen Verhältnisse durchsetzte Teil des Artikels ist der wirtschaftliche, der sich •zunächst mit dem Haushaltsabschluß der Regierung beschäftigt und sodann zur Frage der Konjunktur Stellung nimmt, wobei dir Verfasser zu der Ansicht kommt, daß irgendwelche Anzeichen für einen Umschlag der Hochkonjunktur nicht zu bemerken seien. Ausführiieh w׳ird dann der Außenhandel Palästinas dargestellt. KjV.-Reise nach Palästina. Unsere nächste Reise findet nunmehr definitiv am 8. November statt, und zwar mit dem Dampfer ״Tcl-Aviv‘* der Palestine Shipping Company. Abfahrt ab Berlin am 6. November abends, Ankunft in Haifa am 13. November. Hieran anschließend eine zehntägige Informationsreise durch das Land. Der Rest des Aufcnthaltes bleibt de« Teilnehmern zur freien Verfügung vorbehalten. L)ie Rückreise kann am 29. November oder 14 Tage später, beide Male mit der ״Tel-Aviv“, angetreten werden. Eine weitere Verlängerung des Aufenthaltes im Lande ist fernerhin möglich. Preis der Reise ab Berlin bis Berlin, ohne die Kosten der lOtägigen Gesellschaftsreise, ca. 342 UM. Wei'ere Nachrichten durch unser Büro erhältlich. Wir bitten schon heute Interessenten, sich mit uns in Verbindung zu -setzen. Kartell Jüdischer Verbindungen, Berlin-Charlotten• bürg 2, Bleibtreustr. 50, Tel.: Stcinplatz (C 1) 4736. Sir Frederick Hyman Cowen. Am vergangenen Sonntag starb in London im Alter von 82 Jahren der englisch-jüdisehe Komponist Sir Frederick Hyman Cowen. Der jetzigen Musikergeneration dürfte dieser Name nicht mehr geläufig sein, aber in der Zeit um die Jahrhundertwende spielte Cowen sowohl als Komponist wie auch als Dirigent eine bedeutende Rolle im Musikleben Englands. Engbefreundet mit Eigar, gehörte er auch stilistisch jener Gruppe an (Parry, Stanford, Eigar, Mackenzie und Cowen), deren Schaffen den Beginn der englischen Musikrcnaissaucc bedeutete. Cowen entwickelte eine sehr fruchtbare kompositorische Tätigkeit, die fast sämtliche Gebiete umfaßte. Fiir unsere Zeit hat die süßliche, überholte Romantik seiner Musik, die oft an Salonmusik grenzt, ihre Bedeutung vollkommen verloren. Trotzdem hatte eine gewisse Grazie und Gefälligkeit in der nie Iodischeit Erfindung bei seinen Zeitgenossen sehr viel Erfolg. Mit seiner langjährigen Tätigkeit als Dirigent der alten Londoner Philharmonie (Nachfolger Süllivans), des berühmten Halle-Orchesters in Manchester und der großen Liverpooler Philharmonie hatte sich Cowen den Ruf eines ausgezeichneten Orchesterführers erworben, der ihn später auch nach Australien führte. Ehrendoktor verschiedener Universititen, wurde er 1911 in den Alleisland erhoben. Dr. M. Carner Margraf & Co., Juwelen - Gold - Silber G. M. B. H. 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