Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1935-10-10 · Heft 81-82 (10.10.1935) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 81-82 (10.10.1935)
Date
1935-10-10
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2651273-2653827-2653899--27488-2688928
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

8 entity mentions

Nr. 81/82 10. X. 1935 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seife 5 Zur Jugendalijah - Campagne Pie Sammel-Campagne, die der Keren Kajcmelh Lejisrael in diesen Wochen unter den Juden in Deutschland durchführt, um die Mittel zum Erwerb des Bodens für die erste Siedlung der Jugend-Alijah aus Deutschland zu beschaffen, hat das Interesse vieler Leser auf die Kolonien gelenkt, in denen schon heute fast 800 jüdische Kinder aus Deutschland unlergebracht sind. Die Erinnerungen der Pioniere jener /,eit bilden eine der größten Denkwürdigkeiten der neueren jüdischen Geschichte; einige solcher Erinnerungen sind jetzt auch in deutscher Sprache zugänglich, und zwar in den vom deutschen Landesverband Jiechaluz herausgegebenen Sammelbüchern ״Jisrael Volk und Land‘‘ und ״Arbeiterinnen erzählen", sowie in der soeben vom Hauptbüro des KKL Jerusalem im Omunuth-Verlag, Tel-Awiw, herausgegebenen deutsehen Ucbersetzung des Büchleins ״Dagania“ von Josef Baraz. Diese Darstellungen vermitteln einen unmittelbaren Eindruck der historischen Bedeutung, die der KKL in der ״heroischen" Kolonisations-Epoche für die gesamte spätere Ent- Wicklung Palästinas hatte. Zugleich geben diese Erzählungen ein papkendes Bild von der Größe der nationalen Kraft der sogenannferi zweiten und dritten Alijah, ohne die das Werk der Kinder- und Jugend-Alijalt unausführbar geblieben wäre. Wir bringen nachstehend einige Zitate aus den angeführten Werken zum Abdruck. (Red.) Die ersten Jahre in Kinereth (Aus ״Dagania“ von Josef Baratz) Der Ort, den sieh acht junge Leute aus Judäa zum Wohnsitz wählten, wird von Rabbi Benjamin in einem Aufsatz, betitelt ״Von der ersten Stunde“ (Hapoel Hazair, Siwan 1908) folgendermalien geschildert: ״Eine verfallene Hütte auf einem dem Sec gegeiiiibcrliegenden Berge fanden sie, die ״Chan“ genannt wurde. Allerlei Waren waren dort aufgestapelt, gleichzeitig diente sie auch den Reisenden als Unterkunft. Es fanden sieh an dem Ort Spuren alter Ruinen und Reste von Festungen, so daß man schließen kann, daß der Berg einmal befestigt gewesen ist. Der Boden von Kinereth liegt westlich vom Jordan, dort, wo er den See von Kinereth verläßt, diese keusche Braut, die gerade aus ihrem Schlaf erwacht zu sein scheint und noch vom Tau der Nacht duftet. Aus weiter Ferne blickt der Hermon herüber viyi stolzer erhabener Höhe, den weißen Firnenkranz auf seiner Stirn.... Unsere Wohnung gleicht eher einer Höhle wilder Tiere als einem Königspalast.“ Diese elenden Lebensbedingungen konnten die jungen Leute nur ertragen, weil sie sich der großen Bedeutung dieser ersten Besiedlung von Nationalfondsboden bewußt waren. Was hier geschalt, war an und für sich eine wichtige Tat; ihr besoliderer Wert beruhte darin, daß erstmalig Leber! in die ringsum herrschende Erstarrung gebracht wurde, im Lauf der Zeit erkannte man auch allgemein, wie groß die Umwälzung war, die die Wanderung nach Kinereth und Dagania für das ganze Siedlungswesen zur Folge hatte. Die Bedingungen, unter denen die ersten Arbeiter auf der Farm Kinereth lebten, waren furchtbar schwer. Die Wohnungen im Chan waren äußerst mangelhaft. Im Winter tropfte cs durch das Dach, und von den Wänden rann das Wasser, während der Wind durch die Zimmer sauste. Die Nahrung war schlecht, die Arbeit seit wer. Die Urbarmachung der Felder, das Entsteinen derselben, das Sprengen der Felsblocke, all das erforderte fieberhafte Tätigkeit vom ersten Morgengrauen bis irt die finstere Nacht. Auch in anderer Hinsicht war das Jahr 1909 ein Jahr des Unheils und der Widerwärtigkeiten: das Leben war äußerst unsicher. Die eine Hand hielt die Pflugschar, die andere — das Gewehr. Die Luft des Galil war vom Geruch des Pulver• dampfs erfüllt. Kinereth selbst litt sehr unter dem Fanatismus des arabischen Stammes, der früher den Boden besessen hatte. Die Araber überfielen die Siedler auf den Wegen, lauerten ihnen in den Feldern und hinter dem Chan auf, zündeten die Tenne an und störten die Ruhe bei Tag und Nacht. Auch die übrigen Siedlungen des Galil waren in steter Gefahr. In Scdjera brach ein Streit zwischen den Juden und den arabischen Dorfbewohnern aus. Diese überfielen die Herden der Juden und plünderten ihre Felder. Am letzten Peßachtag jenes Jahres wurden in Sedjera der Wächter Israel Korngold und der Bauer S. Melamed getötet. Zu all dem begann auch noch die Malaria ihre Opfer zu fordern, und die Arbeiter Kinereths mußten einer nach dem anderen nach Haifa oder ins Krankenhaus nach Sichren- Jakob gebracht werden. Es war eine böse und leidvolle Zeit. Trotzdem brachte sie den Arbeitern aber auch reiche Befriedigung. Sie hatten viel unter der Leitung des Aufsehers gelernt, verstanden die Arbeit und jeder Einzelne war sielt über das Maß und die Grenzen seiner Fähigkeiten klar geworden. Alle ihre Gespräche drehten sich in jenen Tagen um den «inen Punkt: einen Weg zu selbständiger Arbeit zu finden. Dagania erhält eine Schale Nachdem der Grundstein gelegt worden war, wurden Reden gehalten, doch keiner der Redner vermochte das aus- Tudrücken, was sein Herz in dieser Stunde bewegte. Vor nahezu 24 Jahren hatten wir den Grundstein zu den ersten definitiven Baulichkeiten in Dagania gelegt. Dagania war damals die einzige jüdische Siedlung in Transjordanien. Es lag inmitten einer Wüste: kein Baum, kein grüner Fleck, keine Straße, kein Automobil war zu sehen. Dagania war vom übrigen Jischuw durch den Jordan getrennt. Räuber und Mörder bedrohten die Siedler. Nie hatten wir erhofft, was wir heute erleben durften! Noch vor 15 Jahren schien es uns unmöglich, Kinder in dem schwierigen Klima von Dagania aufzuziehen. Allerlei Pläne wurden erwogen: wir wollten Häuser auf den benachbarten Hügeln für unsere Kinder bauen, damit diese dort die heißen Monate verbringen. Und nun waren so viele gesunde, kräftige Kinder hier herangewachsen, bereit, in die Fufttapfcn ihrer Eltern zu treten als Pioniere einer dichten Besiedlung des Jordantales. Das erfüllte unser Herz mit tiefer Befriedigung, mit überströmender Freude. Und nach 25jä!1rigem Bestellen der Kwuza beendigte der erste Jahrgang die Schule und zehn Kinder traten in die Arbeit und ins Leben ein, nachdem bereits vor ihnen die ersten drei größeren Kinder diesen Schritt getan batten. Der Ucbergang dieser zehn Kinder, von denen fünf Dagania A entstammen, wurde sehr feierlich begangen. Diese Kinder haben durch die Art ihrer Arbeit, durch die Heimatliche und ihr Zugehörigkeitsgefühl zur Gemeinschaft bewiesen, daß alle Zweifel an der Zukunft unserer Kinder überflüssig waren. Ihr Weg ist ein leichterer, als der unsere war, sie werden nicht so viele Hindernisse zu überbrticken haben, denen wir ersten begegnet sind. Sowohl die Arbeit als auch unsere Lebensform sind ihnen eine selbstverständliche Sache. Dadurch sind der Kwuza neue wichtige Kräfte zugekommen, und deshalb war die Freude so groß. Heute befinden wir uns vor der Aufnahme der jugendliehen Alijah aus Deutschland. Die 4 Kwuzoth des Jordantals werden 60 Kinder aufnehmen. Auch diese werden bis Mittag arbeiten und nachmittags lernen. Wir hoffen, daß durch diese Zahl von jugendlichen — unsere miteinbegriffen — neues Leben in die Kwuza kommen wird. Merchawiah unter den Türken (Aus ״Jisrael, Volk und Land“) Merehawia war lange Zeit die einzige Siedlung in der Jesreel-Ebene. Die ersten Siedler kamen Ende Tebctli 1901 dorthin und wurden von den Umwohnenden mit tmverhiillfern Ha_ß empfangen. Die Zeitung ״Karmel“ in Haifa trieb die ganze Zeit über eine heftige Propaganda gegen die jüdische Ansiedlung in Eula*). Die Bewohner der nahen I )älter beannen, sehr häufig über die wenigen Juden und ihren esitz herzufallen. Bei der ersten Ernte wurde ein Araber, das Haupt der Plünderer aus der Umgegend, bei einem Zusammenstoß zwischen der Plündererbande und den Wächtern der Felder getötet; und als Rache machten die Araber der anliegenden Dörler noch in derselben Nacht einen IJcbcrfall auf Merchatvia; es waren ungefähr 300 Mann. Sic belagerten Merchawia und beschossen es von weitem. Die Leute von Merehawia hielten tapfer stand und ließen keinen hinein. Die ganze Nacht durch hörten die Angreifer nicht auf zu schießen, und in der Morgendämmerung schlossen sieh ihnen noch viele Reiter an, aber sie konnten nicht in die Siedlung cindringen. Erst als die Regierungsbeamten kamen, drangen die Araber ein und raubten Pferde und was ihnen sonst gefiel, and die Juden mußten schweigen. Am Nachmittag zerstreute die Regierung die Plünderer und nahm sechs jüdische Arbeiter fest, die nach Nazareth geschickt wurden. Später wurden noch sechs festgenommen. Sieben von den Gefangenen quälten sich fast ein volles Jahr im Gefängnis. Die arabischen Ueberfälle auf Merehawia wiederholten sich jeden Sommer, manchmal sogar ganz offen unter dem Schlitz von Hafis-Pascha, dem inoffiziellen, aller tafsäehliehen Herrscher des ״Merdseh ihn Omar“**). Im Sommer 1903 fielen die Bewohner der nahen Dörfer mit ihren HÄNDSCHUH-LEDER in aHciv Syiu.Jcn ־ , Bacharach, Berlin ל!ו<ךito?׳ Frauen, Kindern und Herden über die jüdischen Felder 11er; Hunderte Dunam Weizen, der reif zur Ernte stand, wurden zerstört. Bei einem Zusammenstoß wurde der Wächter Meir Chasanowicz getötet, 1904 wurde in Anwesenheit der Aufseher von Ejn-üanini, Nazareth und Tibcrias ein Friedensmahl zwischen Merehawia und Hafis-Pascha veranstaltet. Dieser Sommer verging also ohne Blutvergießen. Auch in den Jahren 1905—1907, als in Merehawia infolge des Krieges eine Gruppe von Gendarmen war, ereigneten sich keine Ueberfälle. Aber 1907 wurde zu Beg'nn der Erntezeit der Wächter Jochanan Resnik getütet. Das Jahr 1908 ist wieder mit blutigen Brchstaben verzeichnet. Nach vielen Zusammen- Stößen während der letzten Frnte legten die Plünderer aus dem Dorfe Schunem in einer klaren Mondnacht den jiidisclien Wächtern des Feldes einen I Unterhalt und eröffnelen aut sie einen Fcuerrcgen; einer der Wächter, Mosche Segalowicz, wurde auf der Stelle getötet, und der andere wurde schwer verwundet. Die zuständige (türkische) Regicrung sah in Merehawia eine Quelle für Bestceliimgsgeidrr, damals die einzige derartige Einnahmequelle, da außer der Kwuza Tel-Adaseh noch keine anderen jiidiselten Siedlungen in der Jesreel-Ebene waren. Diese isolierte geographische Lage lud Merehawia in den vier Kriegsjahren besonders schwere Lasten auf. Es war der Mittelpunkt zwischen der militärischen Zentrale in Nazareth und der Eisenbahnstation in Afuie. Zuerst mußte cs seine Leute steilen, Arbeitstiere, Wagen, um die Chaussee zwischen Afuie und Nazareth auf/uschiitten, und schließlich, um Proviant, Waffen, Kranke und Verwundete von der Station nach Nazareth zu bringen. Dies alles zog sich durch ahre hin, Tag für Tag, manchmal auch nachts (wenn die ׳erwiindeten durchkamen), Szold-Siedlung der Jugend-Alijah. Dem in der ״Jüdischen Rundschau“ Nr. 78 vom 27. 9. veröffentlichten Aufruf der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, der Reichsvertretung der Juden in Deutschland und des Vorstandes der JitdL'Clien Gemeinde Berlin haben sich weitere folgende jiidi-chc Verbände und Persönlichkeiten angeschlossen: l)r. Friedrich Brodnitz, Vorsitzender des Reichsausschusses Jiidrscher Jugcndverbändc; Oberlandesgerichtsrat Dr. Neiimcyer, München, Vors, des Verbandes Bayerischer Israelitischer (iemeinden; Elfriedc Bergel-Oronemann, Vors, der Frauenarbeitsgemeinscliaft für Palästina; Ottilie Schönewald, Vors, des J iicl. Frauenbundes in Deutschland; A. Adler-Rudel, Berlin; Justizrat Dr. Blau, Frankfurt a. M.; Prof. Martin Buber, Heppenheim; Dr. Rudolf Callmann, Köln; Willy Drcyluß. Berlin; Prof. Isrnar Flbogen, Berlin; Dr. Walter Erhard, Berlin; Otto Eskeles, Berlin; Dr. Ludwig Feuchtwanger, München; Rabbiner Dr. Max Grünewald, Mannheim; Lola Halin-Warburg; Rabbiner Dr. Hoffmann, Frankfurt a. M; Rabbiner Dr. Jakob Horowitz, Frankfurt a. M.; Wilfrid Israel, Berlin; Prof. Dr. L. F. Meyer, Berlin; Rabbiner Dr. Joachim Prinz, Berlin; Generalmusikdirektor Joseph Rosenstock, Berlin; R.-A. Dr. Julius L. Seligsohn, Berlin; Intendant Dr. Kurt Singer; Gerson Stern, Kiedrich/Rheingau; Prof. Dr. Otto Toeplitz, Bonn; Prof. Otto Warburg, Berlin; Max M. Warburg, Hamburg; Rabbiner Dr. Warschauer, Berlin; Prof. Dr. Richard Willstätter, München. — Schriftführer des Ehrenausschusses; Dr. Josef Weiß, Berlin. *) So hieß Merehawia, bevor die Juden hinkamen. **) Der arabische Name für die Jesreel-Ebene. Lord Reading 75 Jahre alt Ein phantastisches Leben Lord Reading kann am 10. Oktober seinen 75. Geburtstag begehen. Immer wird dieses Leben, dessen steile Aufwärtskurve fast wie ein Märchen anmutet, für den Beobachter interessant und packend sein, weil es ein reiches Leben unermüdlicher Arbeit und unerhörter Erfolge war. Doppelt interessant aber erscheint es dem jüdischen Beobachter, der mit Bewunderung den Weg des Ruf us Daniel I s a a c s, Sohn eines kleinen jüdischen Gemüsewarenhändiers .;! London, bis zum Vizekönig von Indien Lord Reading verfolgt. Es genügt, die einzelnen Stationen dieses Daseins zu nennen, utn bereits einen Eindruck von seiner Fülle zu vermitteln. Nach einer schwierigen Jugendzeit, in der der junge Daniel u. a. auch als Schiffsjun g c durch die Welt zog, bis es ihm schließlieh gelang, in das Studium der isorudenz hineiiizukoniinen, errang er sich schon früh im Anfang seiner Amvaltslaiifbahn einen Namen und eine ausgedehnte Praxis, (lieber die wichtigsten Pro/, esse Readings orientiert und ist auch b' - graphisch aufschlußreich das Buch \on Derek W a I k 1׳ r - S 111 i t 11: ״Lord Jü.l,״<:״■« Uxikon Reading und liis Gases“, London 1931.) 1901 trat er in das politische!.eben Englands ein: er wurde der liberale Abgeordnete des Wahlkreises Readme!!11 Unterhaus. Von dieser Zeit an bekleidete er hohe Stellungen im englischen Justi/dienst, bis er selilielflk 11 im Jahre 1913 zum Lord Chief Justice (der Oberste Richter von England) ernannt wurde. Dieses Amt hatte er bis 1921 in 110. Wahrend des Krieges hatte er eine Reihe politischer Sonderm i s s i o n 0 11 zu besorgen, deren wielitig-tc die Anleihe- Verhandlung mit Amerika vor dzmeii bintnft in den Krieg war. 1911 wurde er als Lord Reading ins Oberhaus berufen; 1917 wurde' er Ear! of Readme. 1111 Jahre 1921 schließlich wurde er zum V i / c k o n i g v o 11 I n d i e n bestellt; und 1931 war er einige Zeit englischer A 11 If e 11 m i n i s t e r. Lora Reading ist das, was man in England ״a great public servsmt“, einen großen Diener des Staates, nennt, aber einen maßgebenden und entscheidenden Einfluß auf die englische Politik (wie er nur einem Juden, Disraeli, beschieden war) hat er nicht besessen. Auch die Bedeutung seines indischen Regimes ist nicht zu vergleichen mit der anderer Vi/eküiiige wie Lord Ghelmsford oder Lord Irviu. In seiner Stellung spiegelt sich gut die Position der englischcn Juden; von einem ״jiidiselten Einfluß“ auf die Regicrung des Reiches ist trotz der Tatsache völliger Gleichberechtigung nicht zu reden; iiberflü-sig zu sagen, daß ein solcher auch gar nicht angestrebt wird. Lord Reading ist ein Nachkomme jener alteingesessenen sefardischen Geschlechter in England, die in stärkster Weise mit dem englischen Leben verwurzelt sind und andererseits zäh und stolz an ihrem Judentum festhalten. Es verdient Erwähnung, daß Lord Reading bei Antritt seines Amts als Vizekönig auf seine Z u g e 11 ö r i g k e i t z u in j ii d i - sehen Volkstum himvies, die ihn für das übernommene Amt einer orientalischen, mit schwierigen MitiderheiLspro bienten erschwerten Aufgabe befähige. Zum Zionismus stand Reading nicht aktiv fördernd, aber freundlich gesinnt. Das Erscheinen der ß a i f o 11 r - D c k I a ration begrüßte er 1917 als ein ״*großes Lieht in Israel“. Er nimmt an der Entwicklung des palästinensischen Lebens regen Anteil und ist ihm auch dadurch verbunden, daß er seif 1920 Vorsitzender des Direktoriums der Palcstine Electric Corporation ist. Lord Readings Leben ist nicht erfüllt von genialen Leistungen; aber es ist das gro H,artige Beispiel eines aus Pflichtgefühl, Verantwortungsbewußt sc in, Rechtlichkeit und aus der stets wachen Erkenntnis des geistigen, seelischen und religiösen Standortes zusammengesetzten Daseins, das vielleicht gerade in seiner sachlichen Nüchternheit und in seiner geballten Energie etwas jüdisches aussprielit. I >r, Ger 11 a r d t N e u m a 11 tt Waisenkinder aus Polen nach Palästina London, 4. Oktober. (JTA.) Die Europäische Exekutive des vor kurzem auf der Londoner Weltkoiiferenz gegriindeten W c 11 v e r b a 11 <1 e s d e r ji o I 11 i s e 11 e n J u <1 e 11 i m Ausland hat sieh in ihrer ersten Sitzung mit den Maßnahmen nir Durchführung der Beschlüsse der Weltkonfcrettz hcscli äftigt. Besonderes Augenmerk wurde der lieberfulmmg von Waisen und vernachlässigten Kindern aus Polen nach Palästina geschenkt, Ls wurden entsprechende Vorbereitungen für die Beförderung <1 er ersten 100 Kinder gemacht und zu diesem Zweck Verhandlungen mit der Jewish Agency und anderen interessiertm Körperschaften aufgenommen. Das palästinensische Lxekutivbüro des Verbandes in Tel-Awiw hat es auf sich genommen, für die Erhaltung, Erziehung und Berufsausbildung der Kinder zu sorgen. Die Beratungen erstreckten sich auch auf die Frage der Entsendung einer Delegation nach Polen zwecks Besprechung der Wege für eine konstruktive Selbsthilfe des polnischen Judentums mit den verantwortlichen Führern der Juden Polens und zwecks Schaffung eines Ständigen Komitees als Vertretung des Verbandes in Polen. Verschärfte Einwanderungskontrolle in Palästina Jerusalem, 2. Oktober, (JTA.) Im Zusammenhang mit der seit einigen Wochen gegen einen Beamten des Einwanderungsamtes der Palästina-Regierung geführten Untersuchttng wurde die Kontrolle in der! palästinensischen Häfen und die Ueberprüfuug der Einwanderungspapiere verschürft. Häufig werden Personen, bei denen die Angaben in den Zertifikaten, besonders die Alfersangabe, angezweifeit werden, von der Landung ausgeschlossen. 80 wurden vor kurzem mehrere Personen zur Weiterreise nach Beirut gezwungen. Auch einer Familie aus Bulgarien wurde die Landung untersagt, weil das Alter des Familienvaters der Angabe auf dem Zertifikat nicht entsprach. Der Vater unternahm daraufhin in einer Kabine einen Selbstmordversuch durch Erhängen. Er konnte im letzten Augenblick gerettet werden. II •», Kaufhaus Hax fliesen BfTfiBgf.g |<|| im Hansaviertel seit SO Jahren Im Familienbesitz

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.