Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 81-82 (10.10.1935)
- Date
- 1935-10-10
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 81/82, 10. X. 1935 Nachspiel eines Judenmordes Prozeß gegen antijüdische Exedenien in Warschau gänzlich entwurzelte jüngere Generation. Deren Ausweglosigkeit erklärt es, daß tausende neuer Menschen zum Hechaluz strömen, oft ohne klare Vorstellung von dessen Wesen und Ziel. Manche meinen, der Hechaluz sei erst unter dem Eindruck der Umwälzung in Deutschland aus einem aktuellen Bedürfnis entstanden. Sie wissen nicht, daß es sich um eine Organisation handelt, die schon während des Krieges geschaffen wurde aus der Idee einer Dienstpflicht der jüdischen Jugend f ü r d a s j ü d i s c h e Volk, aus dem Wunsche der Juden, mit pionierhaftem Einsatz ihres ganzen Lebens an dem Aufbau eines neuen jüdischen Volkes in Palästina zu arbeiten, und zwar auch dann, wenn sich dem Einzelnen materiell verlockendere Aussichten in einem anderen Lande bieten. Heute ist zumindest in Deutschland die Struktur dieser Bewegung’ völlig verändert, und die Beratung des Hechaluz, die in den nächsten Tagen in Berlin etwa 250 Delegierte aller Chaluzgruppen vereinigen wird, wird auf Grund der vorliegenden Berichte sich eingehend mit dem Problem der Eingliederung dieser neu hinzuströmenden Menschen zu befassen haben. Es wird nicht immer leicht sein, in dieser Lage allen begreiflich zu machen, daß der Hechaluz keine Institution im privaten Interesse einzelner Indivieinen ist, sondern dem Wohl des Volkes dient. Wir wissen, daß tausende nicht aus Gesinnung und freiem Entschluß, sondern aus einer Notlage zum Hechaluz gekommen sind, und es ist unvermeidlich, daß viele diesem Versuch enttauwlit wieder den Rücken kehren werden. Ihn so größer ist die Verantwortung, die auf der Führerschuft des lieelialu/ liegt, und sie bedarf in ihrer setiwereit Arbeit des I nt vres-ws und der Unterstützung der gesamten jüdischen ()effentliehkeit, denn hier wird eine Aufgabt• erfüllt, die eine Aufgabe der Gesamtheit ist. Die Menschen des Hechaluz bereiten sich für ein Leben manueller Arbeit in Palästina vor, aber es muß nnturgemäß erhebliche Zeit dauern, bevor jedem Einzelnen die Einwanderung ermöglicht wird. Chaluz sein heißt, sich mit Geduld und Ausdauer wappnen tind sich in seinem Fach so gut und gründlich als möglich vervollkomm neu. Es können Perioden kommen, wo die Ein- Wanderung sich verlangsamt. Die durch die Kriegsfurcht hervorgerufene wirtschaftliche Erschütterung in Palästina, die — hoffentlich nur vorübergehend — zu einer panikhaften Einstellung verschiedener Arbeiten und dem durch Kredit-Restriktion erzwungenen Aufhören anderer geführt hat, bewirkte zunächst eine Freisetzung von Arbeitern in den größeren Städten, so daß momentan von einem Arbeitermangel, wie er noch vor kurzem das Bild der palästinensischen Wirtschaft kennzeichnete, nicht die Rede sein kann. Dies kann sich auch auf das Tempo der Arbeitereinwanderung auswirken, und ist jedenfalls für den Hechaluz eine Erinnerung daran, daß unter Umständen von jedem Einzelnen noch größere Opfer gefordert werden als schon bisher. Und auch die * jüdische Allgemeinheit muß für diese Situation Verständnis haben und eine sich etwa ergebende Uebergangszeit zu tragen erleichtern. Der Hechaluz ist heute eine Institution des gesamten deutschen Judentums und daher werden auch die Beratungen und ihre Ergebnisse in weiten Kreisen Interesse finden. * Die neuesten Berichte aus Palästina lassen erkennen, daß die Nachwirkungen der in der ,,Jüdischen Rundschau“ geschilderten Kriegspanik noch keineswegs überwunden sind. Aber bei vorsichtiger Prüfung aller Tat- Sachen kann nein wohl sagen, daß eine Tendenz zur ff e r 11 11 i g 11 11 g vorhanden ist. Der wirkliche Kriegsausbrueh in Abessinien hat anscheinend die Verhältnisse geklärt und der tastenden Unsicherheit der letzten Wochen ein Ende gemacht. Diese Ungewißheit war es, die die Nervosität besonders gesteigert hatte. Nun wartet man die weitere Entwicklung ab, vor allein die angekündigten Sanktionen und ihre Folgen. Die nnterbrocheneu Arbeiten sind noch nicht überall wieder aufgenommen worden, aber der Run auf die Banken scheint aufgehnrt zu haben, und es wird sogar h!.*richtet, daß die abgehobenen Depositen, die auf 1 11 י■ Millionen Pfund gesehiit/t werden, langsam wieder in die Banken znrück/uströmen beginnen. Nach Hoofien, von dessen Rede wir berichteten, hat nun auch der Präsident der Jerusalemer Handelskammer, Shelley, zur Besonnenheit gemahnt und über eine Besserung der Verhältnisse gesprachen. Zugleich wird mitgeteilt, daß die in der ausländischen Presse verbreiteten Nachrichten über eine angebliche Befestigung von Haifa völlig aus der Luft gegriffen waren. Wie auch die Lage im Augenblick sei — Kriege erzeugen immer Ausnahmesituationen — und obwohl sicherlich manche Betroffenen darunter zu leiden haben, es ist doch nicht anzunehnien, daß die Aufbauarbeit eine ernstliche Unterbrechung erfahren wird. Denn die treibende Kraft ist zu groß. Die jüdische Ein- Wanderung inufS weitergehen, das jüdische Volk hat keine Wahl Dali Palästina ein Land unbegrenzten materiehen Erfolges sein wird, hat niemals einer von uns angenommen. Rückschläge mag es geben; der Wille des jüdischen Volkes zum Wiederaufbau seiner Volksheirnat ist ebenso unerschütterlich wie die Judennot sein Schicksal zu sein scheint. Uaiipl'i'lm״ ' Her: Dr. Rolnrl W c 1 I 5 e 11. Ba׳!i11 - Chat!״tlcnburg 9 (venmtwnr;lieh iur die Aufnahme von Bildern). Stcdlverlreter: Kurt lotwnnifi 11, 10.1!in W 15. Anreigoidritcr und verantwortlich für den 'Inhalt der Anzeigen: Hermann F i n n, Berlin-Tempelhof. Gültig: Anzeigen-PreMhte 3 vom 1. September 1935. Verlag und Anreigen- Verwaltung: Jii:li-r!1e Rundschau, Berlin W 15, Meinrkestraße 10. P.-A. S'ept. 39 131. ׳—Dnirk: Siegfried Srholrm, Berlin-Srhnneberg. Am 2. Oktober begann vor dem Warschauer Kreisgericht der Prozeß gegen die Teilnehmer an den Ausschreitungen, die im Sommer 1934 im Warschauer Powonski-Vicrtel durch Anhänger der national-radikalen Partei verübt wurden, und in deren Verlauf der 32jä41rig־e Jecheskel Dehn an getötet wurde. Angeklagt sind insgesamt 22 Personen im Alter von 14 bis 31 Jahren, unter ihnen befindet sich auch eine Frau, die die Menge zu Exzessen aufgehetzt hat. Der Prozeß, von dem man die Aufdeckung planmäßig organisierter judenfeindlicher Aktionen erwartet, wird von der Oeffentlichkeit mit größter Spannung verfolgt. Nach Verlesung der Anklage begann das Verhör der Angeklagten 13er zuerst vernommene Wladislaw Chorosz bekennt sich schuldig. Er will, als er sich vor dem Lokal der Nationalradikalen in der D/ika-Gasse aufhielt, gehört haben, daß einer katholischen Prozession von Juden der Durchzug durch das Powonski-Vicrtel verwehrt werde. Daraufhin habe er sich mit Kameraden nisainniengctan, um die Pro- Zession zu ״schützen“. Die Zwischen frage des Vertreters der Privatbeteiligten, R.-A. Surowicz, ob der Angeklagte der nationalradikalen Partei angehört habe, wird von diesem bejaht. Aus den weiteren Aussagen des Angeklagten geht 11ervor, dal! er in einer jüdischen Färberei beschäftigt w־ar und keinen Anlaß zu Klagen über die Behandlung durch seine Brotgeber hatte. Die Angeklagten Jan Lewinski und Majevski leugnen die Schuld, verwickeln sich aber in Widersprüche, nachdem der Staatsanwalt ilnien in einem scharfen Kreuzverhör ihre Beteiligung an der Plünderung der Perez- Bibliothek und der Zerstörung von Salzmanns Bäckerei sowie ihre Aussagen in der Voruntersuchung vorhält. Felix Kruszewskijder beschuldigt wird, den getöteten Delman mit einem Stein auf den Kopf geschlagen zu haben, widerruft seine Angaben während der Voruntersuchung. Er sei bei der Prozession gewesen, als er plötzlich in der Powonskowska-Gassc schreien hörte. Er habe dann gesehen, wie Delman von etwa 20 Personen mißhandelt wurde, habe sich aber nicht eimnischen wollen. Auch die Beschuldigten Pozsondkowski, Potiralski, Kowski, Struzik, Gozdowski und Jakubiak verlegen sich aufs Leugnen. Sie ziehen ihre Geständnisse und vielfachen gegenseitigen Beschuldigungen aus der Voruntersuchung zurück und wollen alle nur zufällig an den Schauplatz der Vorfälle, an denen sie unbeteiligt gcvvesen seien, gekommen sein. Immer wieder taucht das Märdien von den Alarmrufen wegen eines angeblichen jüdischen Ueberfalls auf die Prozession auf. Wiederholt ist der Vorsitzende genötigt, Suggestivfragen der Verteidiger zurückzuweisen. Von den Beschuldigten wurde als letzte die Dzewiezka vernommen, jenes Unterweltm ädchen, das die Menge za den Ausschreitungen durch hetzerische Zurufe angefeuert hat. Während sie in der Voruntersuchung ihre Mitangeklagten schwer belastete, hält sie ihre Beschuldigungen jetzt nur noch gegen drei Angeklagte aufrecht und erklärt auf Befragen, sie sei von ״jemandem“ veranlaßt worden, auch die übrigen •zu ״verschütten“. Die Zeugen Es begann hierauf das Zeugenverhör, in dem grauenhafte Einzelheiten der Vorfälle geschildert wurden. Die Wiedergabe der Zeugenaussagen in der polnischen Pres« wurde durch die Zensur zum großen Teil unterdrückt. Tiner der Entlastungszeugen, der aussagen soll, daß mehrere der Angeklagten sich während der Vorfälle in dom Parteilokal der Nationalradikalen au [gehalten haben, wird in Sträflingskleidung und mit Handschellen vorgeführt. Der Zeuge muß auf eine Frage des Vorsitzenden antworten, er sei eines Raubmordes beschuldigt. Zwei weitere Eiltlastungszeugen mußten aut Verlangen des Staatsanwalts im Gerichtssaal verhaftet werden. Der eine, der in der Vor- Untersuchung die Täterschaft des Angeklagten bestätigt hatte, widerruft jetzt seine Aussagen mit der Erklärung, er Fiabe dem Angeklagten damals wegen eines Mädels eins auswischen wollen, Der zweite bringt, ohne erst befragt zu werden, eine offenbar eingclcrntc Erklärung vor, in der er gleichfalls seine in der Voruntersuchung gemachten Angaben widerruft. Starken Eindruck machte die Aussage des Polizeibeamten M a z u r, der eingehend schilderte, wie er in dem Tumult einige vier Beschuldigten verhaftete. Auf eine Frage des Verteidigers, wie er wissen konnte, daß gerade die von ihm verliaficien Personen an dem Totschlag an Pelmann beteiligt waren, erklärt der Zeuge, sie hätten sich bei der Verhaftung dessen gerühmt, daß sie ״einen Juden weggeräumt“ hätten. Nach dem Abschluß des Z e u g e n v e r h ö r s, in dem mehrere Angeklagte von Zeugen, die den Hergang der Aus- Jüdischer Parlamentsklub in Polen Abg. Mlslicki gestorben Warschau, 3. Oktober. (JTA.) Unter dem Vorsitz des Abg. Dr. S o m m e rs t e i n wurde ein jüdischer Parlamentsklub gebildet, dem außer Dr. Sommerstein noch der Senator Oberrabbiner Prof. Dr. Sehorr und der Wilnaer jüdische Abgeordnete Rabbiner Rubinstein angeboren. I>ic parlamentari-chen Vertreter der Aguda, Senator Trockenheim und Abg. Minzberg, haben sich dem Klub nicht angeschlossen. fin Alter von 53 Jahren ist der vor kurzem in den polnischen Sejm gewählte Vorsitzende des Verbandes Jiidischer Kaufleute, Wa/law Wislicki, einem Her/schlng erlegen. I>a Nachwahlen in einzelnen Kreisen nach den Bestimmtmgen des neuen polnischen Wahlgesetzes nur dann stattfinden, wenn mindestens ein Zehntel der Mandate freigeworden ist, bleibt die jüdische Bevölkerung Warschaus, die ein Drittel der Gesarntbevülkerung der Hauptstadt Polens darstellt, ohne Vertretung im Sejm. Warschau, 8. Oktober. (JTA.) Die erste Tagung des ncugewählten Sejm und Senats ist beendet. Die Abstimmung bei der Konstituierung des Sejm zeigte, daß der Anspruch der 10 0״ der Gesamtbevölkerung zählenden Judenschaft Polens auf eine stärkere Vertretung itt den parlamentarischen Körperschäften sogar in den Kreisen des auf Grund der neuen Wahlordnung sehr einseitig zusammengesetzten Scjni vielfach anerkannt wird. Bei der Wahl der Schriftführer stellte der Abgeordnete Rabbiner Rubinstein die Kandidatur des jüdischen Abgeordneten Dr. Sommerstein in demonstrativer Absicht auf, und zur allgemeinen Ueberraschung erhielt Dr. schreitungeii genau schilderten, identifiziert wurden, begann das Plaidoy er des Staatsanwalts, in dem Kreißverhör mit den Zeugen war der Vertreter der Privatbeteiligten bestrebt, die politischen Hintergründe des Mordes aufzudecken und zu zeigen, daß die systematische Fletze der Nara-Leute zu den Ausschreitungen geführt hat. Der Vorsitzende hingegen ließ keine der darauf gerichteten Fragen zu, obwohl aus den Aussagen einzelner Zeugen — es wurde u. a. auch der Bruder des Ermordeten, der Chauffeur Mordecha! Delman, vernommen — eindeutig hervorging, daß die Tiiter aus politisehen G r ii 11 d e 11 gedungen waren. Obwohl der Prozeß von dem Vorsitzenden mit dem Bestreben geleitet wurde, die Vorfälle an dem Vorabend als eine isolierte Erscheinung zu behandeln, legte das Zeugenverhör doch klar, daß es sich hierbei nur um den Höhepunkt einer Kette von Ereignissen gehandelt hat. Ein Zeuge bekundete, einer der Angeklagten habe ihm erzählt, daß es beinahe zur Plünderung auch eines christlichen Geschäftes gekommen wäre, wenn nicht ein kleiner Junge die Täter darauf aufmerksam gemacht hätte, daß dieses Geschäft nicht einem Juden gehört. Später hat dann dieser Junge den Exzedenten die jüdischen Läden ausdrücklich gezeigt. Die Piaidoyers Staatsanwalt Kozuchowski begann sein Plaidoyer mit der Feststellung, daß die Vorfälle ini Powonski-Vicrtel gegen die Kultur und gegen die jüdische Nationalität gerichtet waren. Er stelle fest, daß seitens der Juden keinerlei religiöse Provokation geschah. Die Vorfälle seien nicht durch eine politische Organisation vorbereitet worden. Es sei zwar richtig, daß die ״Nara“ eine antisemitische Organisation war. Die Angeklagten aber seien poiizeibekannte Verb rech er, die sich schon früher Exzesse, Uebcrfälle und Diebstähle zuschulden kommen ließen. Bei 14 Angeklagten konnte nicht festgcstellt werden, welcher Werkzeuge sie sich bei den Vorfällen bedienten. Klargestellt aber sei, daß der Mord an Delman von den Angeklagten Chorosz, Lewinski und Majewski verübt wurde. Gegen diese drei Angeklagten beantragte der Staatsanwalt Zuchthausstrafen von je 6 Jahren; gegen die Angeklagten Anger, Wiener, Sowczinski und Dzcviecki je 3 Jahre Gefängnis und für die übrigen Angele lagten Gefängnisstrafen von einem biszuzweijaliren. Es gelte, ein entschlossenes, schweres Urteil zu fällen, das als abschreckende Warnung die Wiederhofung solcher Vorfälle verhindern soll. Diese Ereignisse seien ein Pogrom in kleinem Umfang gewesen. Geschäftslokale wurden verwüstet, Passanten tiberfallen, ein Mensch wurde ermordet, dessen einzige Schuld es gewesen ist, daß er als Jude geboren wurde. Nach dem Staatsanwalt nahm der Vertreter der Priv a t b e t c i 1 i g teil, Adv. Nathan Surowicz, das Wort. Er wisse sehr wohl, daß jene Verbrecher, die auf der Anklagebank sitzen, nur ein blindes Werkzeug iti der Hand der wirklichen Schuldigen an den traurigen Ereignissen waren, c n e w a 11 r e 11 Schuldigen aber verstecken sich i n t e r dem Rücken der jetzigen Angeklagten. Der Anwalt betont sodann, dal! der Ermordete den Tätern ganz zufällig zum Opfer fiel und daß kein Grund dafür bestand, daß gerade 0 r umgebracht wurde. Der Grund des Mordes bleibe daher unaufgeklärt, wenn man sich nicht mit der Zentrale der Nara-Partei befasse. Daraufhin vyurde dem Anwalt von dem Vorsitzenden das Wort entzogen und dieser Beschluß wurde vom Gerichtshof, an den Adv. Surowicz appellierte, bestätigt. Ein Antrag des Anwalts Surowicz, der hierin auch von dem Verteidiger Adv. Czarkowski unterstützt wurde, die Erörterung der Tätigkeit der Nationalradikalen zuzulassen, wurde abgelehnt. Hierauf hielten die Verteidiger ihre Piaidoyers. Einer von ihnen, der als Anhänger der Nara-Bewcgung bekannte Advokat Czarkowski, stellte die Angeklagten als Idealisten hin. Die Tätigkeit der Wira, erklärte der Verteidiger in einer Polemik gegen den Staatsanwalt, sei eine Bewegung gewesen, die die Kultur und die Zivilisation in keiner Weise geschädigt habe. Das Urteil Am 8. Oktober wurde das Urteil gefällt. Die Angeklagten Chorosz, Lewinski, Dzfewiecki und Ma>evvski wurden der schweren Körperverletzung an Delman, die zu seinem Tode führte, schuldig befunden und zu je fünfeinhalb J ah - re n Zuchthaus verurteilt. Sechs weitere Angeklagte erhielten Zuchthausstrafen von je zwei, einer von einem Jahre. Der Witwe des ermordeten Delman wurde der geforderte symbolische Schadenersatz von einem Zloty seitens der Angeklagten zugesprochen. Gegen das Urteil wurde von der Verteidigung Berufung eingelegt. Mit Ausnahme der vier wegen Totschlags an Delman Verurteilten wurden die übrigen Verurteilten bis zum Beginn des Berufungsverfahrens auf freien Fuß gesetzt. Sommerstein 41 von 1S8 abgegebenen gültigen Stimmen. Das Abstimmungsergebnis wurde dahin gedeutet, daß nach allgemeiner Ueber/eugung den Juden bei den letzten Wahlen ein Unrecht geschehen sei und daß ein Teil der Abgeordneten das Bedürfnis fühlte, dieses Unrecht durch Betrauung eines jüdischen Abgeordneten mit einer leitenden Funktion wenigstens einigermaßen wieder gut zu machen. Für die Kandidatur Dr. Sommersteins hatten außer den drei jüdischen Abgeordneten sämtliche elf ukrainischen Deputierten und siebenundzwanzig polnische Abgeordnete gestimmt. Der Parlamentsklub hat eine Proklamation an das polnische Judentum erlassen, in der er daraut hinweist, daß er sich bemühen wird, eine Aenderung derjenigen Gesetze und Verordnungen her bei z uf üli reu, die die Pauperisierang der jüdischen Bevölkerung verstärken und beschleunigen. Unter den 24 Mitgliedern des an Stelle der aufgelösten Vertretung neu ernannten Stadtrats von Lodz befinden sich zwei Juden, der Agudn-Führer Fischei Liebermann und der Vertreter der Assimilantcn Ing. Klotzmann. Am ersten Roscb-Hasebana-Tage überfiel eine Bande den chaluzisclien Kibbuz ״H a g a 11 i in“ (Gärten) bei Warschau, schlug auf die Chaluzim mit Stöcken und Steinen ein, wobei drei Chaluzim erheblich verletzt wurden. Die alarmierte Polizei traf erst nach drei Stunden ein. Das Lodz er Stadtgericht hat einen Angeklagten, der vor einiger Zeit einen jüdischen jungen Mann auf der Straße überfallen und schwer mißhandelt hatte, zu fünf Monaten Gefängnis verurteilt. Linoleum für Treppen, Laden, Zimmer und KOehen Anschläge kostenlos GroSes Lager in Cocos-, la Refer. / Qegr. 1892 Boucl6> u. VelourlBufern Fritz Stoehr Memhardstr. 18 trUhere Manzstr.1T Et Berolina 196B-S7