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Jüdische Rundschau · 1935-10-04 · Heft 80 (4.10.1935) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 80 (4.10.1935)
Date
1935-10-04
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 80 4. X. 1935 10 Dl SCH# RUNDSCHAU Seife 5 Um den Sinn jüdischen Betens Die ״Slidioth״ Die ״Slichoflt“, die man in der ersten Woche vor Rasch Haschanah und bis zum Jom Kippur sagt, stellen eine besondere Art Gebete und Dichtungen dar, die in Zeiten der Not entstanden sind. Verfolgungen waren meistens der Anlaß für sie, doch schildern die Slichoth nicht diese selbst, sondern sie stellen die Art und Weise dar, wie das jüdische Volk die Ereignisse, verarbeitete. Im Vertrauen auf den gerechten Gott glaubte inan, daß die Ursache des Leids nur in dem schuldigen Volk selber liegen könne und bat daher darum, daß mm alles Leid aufhöre, da.die Schuld getilgt sein müsse. Die Slichoth sind das Werk vieler Dichter, meistens /wischen dem 9. und 13. Jahrhundert verfaßt. Die ersten Slichoth bestanden nur aus inhaltlich diesen Gedanken berührenden Bibelvcrscn, wie sie heute noch zu Anfang der Slichoth und am Schluß vor dem Widduj, dem Sümlcnbekenntuis, gesagt werden. Im Vordergrund der Gebete der großen Feiertage überhaupt stellt die Vorstellung vom ״Gerechten Gott“. ״Gerechtigkeit und Recht bilden die Grundlage Deines Thrones“ (Ps. 89, — ein oft in •den Slichoth zitierter Satz). Auch .in der Bibel wird die Gerechtigkeit Gottes als seine höchste Eigenschaft geschildert. (5 ß. M. 32, ■1: 1 B. M. 18,23.) Da man aber die Unvollkommenheit der Welt, das Leid des Menschen und in der Natur nicht übersehen konnte, stellt die Frage nach der Gerechtigkeit Gottes das größte Problem bereits in der Bibel dar (vgl, Jirmijalui 12, 1 ff., Habakuk 1 ft., Psalmen 73, Hiob, Kohdet). Und wenn das gerechte Walten Gottes in Welt und Geschichte lind bei dem einzelnen Menschen im Vordergründe steht, dann bildet unsere eigene Geschichte, unsere Wirklichkeit, vielleicht die furchtbarste Geschichte eines Volks, den schärtsten Gegensatz hierzu. Dieses Leid, das Israel Jahrhundert um Jahrhundert getroffen hat und das es im vergleich mit dem Verhältnis von Schuld und Strafe bei den anderen Völkern über das gerechte Maß liinausgeliend hätte empfinden müssen, konnte trotzdem nicht den Glauben an den gerechten Gott erschüttern. ואתה צדיק על כל הבא עלינו׳ כי אמת זעע!ית ואנחנו הר׳עענו . Ein ״Sündenbewußtsein wider besseres Wissen“, das sie aber aufrecht erhielt und sie nicht wanken ließ. Diese Verfolgungen nun, die als Strafe für begangene Vergeben erschienen, erzeugten eine reiche Dichtung, die den Schmerz über die Leiden, Verfolgungen und Niederinetzchingen ausdriiekt und im Hinblick aut diese Gott um Verzeihung für begangene Sünden angegangen wird, damit die Verfolgungen nun endlich aufhören. So führte jede neue Verfolgung zu neuen Slichoth, die damit den lebendigen Ausdruck ihrer Zeit darstellen')■ Von den Klagesängen unterscheiden sie sich dadurch, daß bei ihnen das Schwergewicht auf den Folgerungen liegt, und nur nebenbei das Leid erwähnt wird, während die Kinotli sich mit der Darstellung dieses Leids befassen und nur im Anschluß daran die Bitte um Verzeihung und um Beendigung der Bedrückung gestellt wird. Die wichtigsten Momente, die in den Slichoth dargestellt ».werden und gewissermaßen ein Recht für die Verzeihung, für die Auslöschung der Schuld geben, sind die Leistungen der Väter, die irn Hinblick auf die enge Verblinden heit der Geschlechter zu Hilfe gerufen werden, sowie das Verdienst all derer, die ihr Leben für das Judentum im Laute der Zeit Hingaben. Ferner wird ganz besonders oft der böse Trieb, der im Menschen arbeitet, dargcstellt als die Kraft, die den Menschen verleitet. Daher sind alle ihre Vergehen als im Irrtum, aus Versehen begangen zu erachten. Aber auch Gottes selber wegen wird um Vergebung angegangen. ״Die Seele ist dein, auch der Körper ist dein Werk, schone deine Mühe, tue es um deines Namens willen.“ Einen doppelten Charakter tragen diese Gebete. Weil Gott doch nichts als ein gerechter Gott sein kann, können nur wir schuld au den Ereignissen sein. Aber zugleich drangt, last zwingt der Mensch in der Not Gott: Es muß ein Ende der Leiden werden, denn du bist doch der gerechte Gott, una für alle etwa vorhandene Schuld hat uns nun genügend Leid getroffen. Dein Werk ist in Gefahr, zugrunde zu gehen. Erbarme dich unser — fast kühn — in deinem Interesse! Aber klarer und tiefer werden wir das Wesen der Slicliah fassen durch eine Bezugnahme auf einige Gedichte Bialiks, die sich mit demselben tiegenstand beschäftigen. Nach den russischen Pogromen 1903—1905 war Bialik maßlos empört über das feige Verhalten der Juden in diesen Zeiten. Er wendet sieh gegen Gott und gegen sein Volk. Ihr Himmel, heischt Erbarmen ihr für mich! Ist in euch ein C.ott, gibt'.( zum Bott in euch Pfade — Ich haüe niemals die Gnade — Betet doch ihr, <10011 ihr für mieh! Denn ich — tot das Herz, kein Schrei, kein Bebet ist im Mund noch, Und schon schwand die Kraft, keine Hoffnung blieb, Wie lang doch. Iris wann denn. wie. lang doch? .... Und gibt c.s ein Recht, erschein es sotort! Doch wenn erst später, nachdem ich verdorben auf Enk״׳, Mein Recht mir soll werden, Dann stürze sein himmlischer Ort! (I clwr da» Schlachten8) Seinem Volke hält er seine Feigheit, seine Passivität vor. Es nimmt dieses Leid ohne inneres Aufhäumcn gliettohaff hin; man erkundigt sich beim Rabbiner nach den religiansgesetzlichen Folgein der Vorgänge und findet die alte mechanische Antwort des על חטאינו• Sind ihre Wunden nicht wahr? Warum ist Trug ihr Gebet? Warum lügen sie mir am Tage des Unheils? Was nützen die Lügen?. Und siehe, da trommeln sie an die Brust, da bekennen sic Sünden. ״Wir haben gesündigt, sind treulos gewesen!“ ihr Herz aber glaubt nicht dem Mumie.:,1 1) Vgl. hierzu Aufsätze von Wohlgemut!! über das Sündensbewußtscin der Jeschuruti, z. B. III, 9 u. a. 2) Nach der Uebersetzung van Ernst Simon, Bialik, Schocken 1935, S. 78. s) Emst Simon, a. a. O., S. 84. Ihr Herz ist wie eine Wüste, in der nichts wachsen kann. Ihr Sterben ist sinnlos ,ganz wie es ihr Lehen gewesen war. Lüge sind ihr Gebet und ihr Fasten. Gott verhüllt sein Haupt. Er will dieses Fasten und Klagen nicht. Ein zerbrochenes Gerät kann ja!lieht ,sündigen. Höben sie ■doch die Faust gegen Gott und stürmten den Himmel mit ihren Fäusten! Warum ist ihr Gebet eine Lüge? Ein Beispiel mag es verdeutlichen. Der Jude ist verpflichtet, eine Bcracha zu sagen, wenn ihm ein Unglück widerfährt, מצדיק את הדין zu sein, ״den I'1 fdlsspritdi als gerecht zu erklären“. Nicht, weit er das Unglück nicht oder weniger als andere fühlt, aber er soll imstande sein, darüber Herr zu werden, seine Trauer zu gestalten und sich ihr nicht tiiii/ugcben. 1 > ist eine geordnete Trauer. Darum ist es auch nicht so lächerlich, wenn in einem ostjiidischen Kinotlihuch stellt: liier weint der Rebbe fünf Minuten. Darum weicht unter Umständen auch die Trauer galt/, beispielsweise wenn Feierläge in der Tratterwoche fal'en. Achnlich besteht der Sinn jeder Halacha darin, die Triebe des Menschen zu bändigen, zu gestalten, nicht aber ab/tttolen. Diese Triebe aber müssen vorausgesetzt sein: Die IJrsache für Bialiks Zorn besieht nun darin, daß er diese natitrliehen Kräfte im Volk gar nicht mehr wirken sieht, daß sie abgestumpft und tot sind, ihr Herz ist leer, darum k a 11 ח ja ihr Gehe(, das nur aus der Wirklichkeit, von Menschen mit lebendigem Empfinden, verstanden werden kann, keinen Sinn haben, denn welke Lippen sprechen cs. Das Volk W ir sind geführt.., Und wieder haben wir die Hand gespürt, und wieder ist etwas mit uns geschehen, und wieder lfibä das leben uns verstehen : wir sind geführt. Einst standen wir mit Zittern, eine Herde, vor dem Geltirg, aus dem es lohend brach: die Stimme, die dort aus der Flamme spradi, hat uns verwanden und mit uns die Erde. Wir gingen irre, tausend Tausendmale, doch immer neu trat uns der Stimme Schall. Wir fielen — oft zerscherbfe uns der Fall: Der Kern wuchs weiter. Was zerbradi, war Schale. Und heut — was lehrt die Zeit? Was wir vergaben. Was fordert sie? Da& Jeder sich bewährt. Was teilt sie zu? Was nie wir recht begehrt. Was nimmt sic uns? Was wir nur halb besahen. Hinter dem allem ist die Stimme. Spürt nitht Jeder, dafi ihm eine Macht befehle? Und noch In iiefster Qual erfährt's die Seele: wir sind geführt . . . L. MARX lllllltllllllltllllllllllllllttlllllltlllllllllltllllllllllllllllllllttlllltltllllllimimimilllttmilllllltltllllimilllltlllllllllltlllltlllllllllintll müßte, was ihm gescheiten ist, nicht weniger als ein anderes Volk empfinden, es müßte sich aufhäumcn gegen Gott, gerade weil man das ganze Jahr zu ihm betet. Es'muß imstände sein zu protestieren und eine sofortige Antwort zu verlangen. Nur mit dem Unterschied, daß auch dann das Volk, wäre es dieser natürlichen Gefühle faltig, sich nicht passiv dem Schmerze hingeben würde, tun nicht damit eigentlich erst in seinem Bewußtsein ohnmächtiger Rache innerlich den Sieger anzuerkennen. Es hätte vielmehr die Aufgabe, mm positiv die Konsequenzen zu ziehen und die Ereignisse als Anlaß für eine innere Einkehr und Besinnung deuten und damit ״wider besseres Wissen“ die Schuld bei sielt und damit den inneren Halt für die Zukunft zu finden. Auf Grund dieses möglichen Protestes und Atifbäumens gegen Gott wird somit die Slicliah, der Jom Kippur erst eigentlich recht möglich. Sonst wird das Sümlenbckenntnis, das Gebet tun Verzeihung, zu einem mechanischen, jedes Jahr monoton wiederkehrenden formalen Gebet, gegen das Jcschajahti (Kap. 58), das bezeichnenderweise gerade als Haffarah des Jom Kippur genommen wurde, sieh mit äußerster Schärfe wandte. Binlik ging nicht mehr auf diese positive Folg e r u 1! g ein, wir wissen auch nicht, ob sie völlig in seinem Sinn lag. V ir erkennen aber, daß Bialik zwar nicht als einer der Propheten — aber in ihrem Sinne wirkend — gegen den Formalismus, gegen die falsche, in das Ghetto eingespannte Form der Verwirklichung der Tradition .nimmt. Weil das Herz des Volkes eine Wüste ist, fordert Bialik im Namen Gottes das Aufbäumen gegen Gott, die Erneuerung des Herzens (Achad Haan!) damit, so dürfen wir sagen, es möglich sein wird, den Schmerz auf jüdische Weise zu empfinden und Slichoth zu sagen. ״Diesem jüdischen Prometheus muß Gott selbst den l iimmclsstnrm befehlen, .- die Rebellion wird zur Mi/wa und somit in das Gesamtsvstem des jüdischen Glaubenslebens einbezogen. Und dieser jüdische Spötter über die Neigung des Volkes, die Schuld für historische Katastrophen bei sich seihst zu suchen, folgt eben jenem Wesens zug, indem er ihn an prangert! So setzt er sich wider Willem Gott zum höchsten Befehlshaber (gegen Gott), und wider Willen folgt er der Ueberlicferung seines Volks (gegen sein Volk)1). Wie wir seit alterslier am Jom Kippur gerade das wuchtige Kapitel gegen den Formalismus des Fastens lesen, müßten wir zum Verständnis der Slichoth diese gleichsam als Haftarah durch Bialiks Gedichte zu diesem Thema ergänzen. Fs ist eine schwierige Frage, ob es dm Menschen, die g'attbcn, den Weg der traditionellen Formung des Religi äsen nicht mehr gehen zu können, möglich ist, trotzdem eine jüdisch eigenartige und dem Kern der Geschichte treue Form ihres Lebens zu finden. Es liegt jedenfalls eine Tragik darin, daß dieser Gedanke der inneren Bewältigung *) Emst Simon, Bialik, S. 81. dos Erlebnisses in der jüdischen Form der Rechenschaft verworfen wird mit seiner ihn entstellenden Form im Ghetto, und daß ihm gerade in Palästina gegcnübergestellt wird eine — vom überzeitlichen Aspekt der jüdischen Geschichte gesehene tmjüdiselte — Vergötzung der äußeren, konkreten Leistung, die zum Maßstab der Bewertung erhoben wird. Una doch erkennen wir bereits heute, daß die Lebensform! dos neuen Jischuw entscheidend davon abhängig sein wird, inwieweit cs ihm gelingen wird, die inneren Werte, wie sie uns gerade in der dem Judentum so charakteristischen Aus* (!rucksform der Slicliah klar wurden, zur Geltung zu bringen, ln dem Lande, wo seit jeher und auch heute unsere Existenz dauernd nach außen und innen zur Frage gestellt wird, wo wir uns nun einmal nicht messen können mit den Maßstäbert der Leistung anderer Völker, müssen wir bei aller Ablehnung des Ghettos zurückfiniicn zur jüdischen Form der inneren Bewältigung des Erlebens. Erich R 0 s e 11 b I ti 111, Kibbtt 1 Rodges. Zur Geschichte des Kol Nidre Von Ephraim E. Urbach Das Kol Nidre, das von der Masse der Juden als eines der heiligsten Gebete des Jahres angesehen wird, und das bei der Mehrzahl der Uetcmlcii eine Ergriffenheit lind eine religiöse Andacht von unermeßlicher 1 ufe hvrvorrnft, hat sich nicht in allen Zeiten dieser Anerkennung und Verehrung erfreuen dürfen, leb meine hiermit niclif die Angriffe, die von christlicher Seite, von i Iteologeti und auch von Juristen, erfolgten und die im Kol Nidre eine ,,Lides- Verletzung“ erblicken wollten (vgl. Jc»elu1run ßd. 1). Auch im jüdischen Lager hatte das Kol Nidre viele Gegner bis in die neueste Zeit und war zeitweise einer der meist umstrittenen Punkte der jüdischen Liturgie. Die Ursache dessen ist in der nicht ganz klaren Vergangenheit des Kol Nidre zu suchen. Da wir keine ausreichenden (Quellen über die Ent- Stellung des Kol Nidre besitzen, ist ein groller Spielraum der Phantasie belassen, und wir können uns über einen Mangel von I lypothesen nicht beklagen. Es wurde nicht einmal unterlassen, Abhilfe in dein tue versagenden Heilmittel der I-Nvclioanalyse zu stielten, mul das Kol Nidre als einen Ausbruch von verdrängten Regungen, die ihren Ursprung in der Hypothese von der Ermordung des Urliordenhaupt- Iings hat, z.tl erklären. (Theodor Reik, Problem der Religion.spsvchologie I, Das Ritual; vgl. Jeschuruti 1921.) Es seien hier die geschichtlichen Daten über das Kol Nidre dargestellt mul auf einige der interessantesten Hy סיןthesen hingewiesen. In der t a 1 m u e! i sehe 11 Literatur ist das Kol Nidre unbekannt. Der!erste, der dieses Gebet erwähnt, ist der Gaott Jchmlai (7. Jahrhundert). Einer seiner Nachfolger im Amt, Natronai beit Hillai (um 853), äußert sich bereits entschieden gegen das Kol Nidre. Ihm schließen sich die meisten Geonim Babyloniens an. Eine Ausnahme bildet der berühmte Saadia (um 910), von dem wir den ältesten Text des Kol Nidre überliefert haben. Dieser Text ist hebräisch abgefaßl und besagt: Alle Gelübde, Bcschwörungen . . ., welche wir uns auferlegt haben, vom vergangenen jorn Kippur bis heute, sind nichtig. Saadia hat eine Zeitfang in Palästina gelebt und hat vielleicht dort die Instittition des Kol Nidre kennengelernt, daher die hebräische Sprache. Das Kol Nidre war demnach zuerst in Palästina etwa seit dem 7. jltclt, gebräuchlich. Der letzte der baby- Ionischen Geonim, Hat, hat bereits die aramäische Version des Kol Nidre (vgl. Seitihhole Haiekit S. 205). Es mag sein, daß kurz vor R. Hai der Gebrauch des Kol N'idre sich auch in Babylonien durehgeset/t hat und alsdann in die aramäische Sprache übertragen wurde. Von Palästina aus wurde in Italien der hebräische Text übernommen. ln anderen Ländern hat sich der aramäische Text eingebürgert In Spanien, wo die Traditionen der älteren < ieonim als maßgebend galten, war das Kol Nidre nicht gebräuchlich. Alfassj und Maiinuni erwähnen es nicht. E\ findet sich weder irn katalanischen noch im algerischen Ritus. Im Mittelalter waren l’roti vf-fimmcii gegen das Ko! Kol Nidre zu vernehmen. Seitens des berühmten Enkelsohnes Raschis, R. Jakob Taug wurde darauf aufmerk vnn gemacht, daß diese Einrichtung gegen die tulniudixchoii Vorschriften verstirbt. Nach diesen muß derjenige, der ein ( idtibde tat und um Absolution bitten will, sich an einen Gelehrten oder an ein Kollegium um drei Personen wenden, die es unter bestimmten Bedingungen lösen können. V',1» soll da die allgemein gehaltene Forme! des Kol N'idre? R. Taut (eigentlich sein Vater Wir) verordnet!' deswegen, den Text zu ändern und au Stelle von ״die war vom vergangene!!! Jom Kippur bis zu dem heutigen“ ״vom heutigen bis zum kommenden“ zu setzen. Eine Stutze für ilii'-e Armierung wollte er in der Talniiidstelle Nedarim 21b: Jeder, der will, daß sein Gelübde nichtig werde, soll sieh am Neujahr binstellen und erklären: ״Jedes Gelübde, das!,;1! mir auferleg־en werde, soll nichtig sein“, finden. Die neue Version setzte sich in Nordeuropa durch. In der Provence loste man die Schwierigkeit in anderer Weise, Dort wurde das Kol'Nidre, das noch im 12. Jahrhundert gesagt wurde, im 13. bereits aufgehoben. Isaak b. Mordechai, ein Enkel soll n des bekannten Grammatikers David Kimchi. findet im Gebrauch des Ko! Nidre ״nichts Gutes“ und empfiehlt seine Abschaffung (Revue E. J. 39). Genau so Isaak b. SchcscheT (Rcspoitsen Nr. 391). Diese Ansicht hat sich jedoch nicht durchsetzen können, und das Kol Nidre wird bis auf den heutigen Tag von den meisten Juden gesagt. So weit die Quellen. Heber die Ursache des Einsehaltens vom Kol N'idre in die Liturgie des Jom Kippur-Rituals erfahren wir nichts, und mancher der neueren stellte sich die Frage: Warum wurde für diesen einfachen privaten Akt so eins feierliche Stunde gewählt? Was ist das Gemeinsame von Kol Nidre und Jom Kippur? Eine Zeitlang wurde der Standpunkt vertreten: die spanischen Maratien hätten die Formel iles Kol Nidre erfunden, um bei den gelteint gehaltenen üebetversammhingen am Versöhmtngstage feierlich zu erklären, daß ihre Versprechungen, die sie der Kirche gemacht liabetn — die Taufe - nichtig sind. Das entspricht den historischen Daten nicht; denn des Kol Nidre wird wie gesagt im 7. Jhdt, gedacht. J. 8. Bloch griff diese Gedanken Margraf & Co., Juwelen - Gold ־ Silber G. M. B. H. RUF: SAMMELNUMMER A2 FLORA »8S1 Die schönsten Geschenkartikel in reichster Auswahl / Auch Ankauf UNTER DEN LINDEN 6 laden im hotel Bristol / TA U E N TZ I EN STR. 18 a ecke nOrnberoeh str. / KANQNIERSTR. fl ENGROSABTEILUNG

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