Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 79 (1.10.1935)
- Date
- 1935-10-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr 79. 1. X. 935 ו JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 7 Aus dem Reich Von unseren Berichterstattern Bamberg. 1!;1 überfüllten Saal des Jüdischen Jugendheims sprach am 23. September vor der Zionistischen Ortsgruppe und geladenen Güsten Dr. Josef Weiß, Berlin. Der Abend wurde mit dem Emck-I.ied eingeleitet, gesungen von der Jugend der Zionistischen Bünde. Anschließend rezitierte 1• ritz Ehrlich Gedichte von Irma Singer und Ben Chorin, Dr. Weiß bericlrtcle von den Arbeiten, Phineri und Beschlüssen des 19. Zionistenkonj’resses untl vermittelte ein Bild des Aufbaues in Ercz Israel. j|. Beuthcn (Q,־S.), Am 17. September sprach in der Ortsgruppe vor einer zahlt eichen Zuhörcrschnlt Fritz Tau, Beuthcn, über ״Aus- Wanderung — wohin!“ — Am 22. September fand eine aus alle״ Teilen Oberschlcsiens gut beou hu׳ AU'Srhußsitzung des Zionistichen Gruppcm-crhandcs ()bersc■lilcdcn unter dem Vorsitz von R.-A. Dr. Weißmantt, Beuthcn, stau. Fritz Tau, Beuthcn, referierte über ״Die nächsten Aufgaben zionistischer Gruppenverbandsarbeit in Ober- Schlesien“. Die Diskussion umfaßte alle Gebiete zionistischer Ortsgruppenarbeit. Danach hielt Arnold Wiener, Beuthen, ein Referat über den 19. Zionistcn-Kongreß in I.uzem. Mit einem Appell, mit neuer Kraft an die zionistische Arbeit heranzugehen, schloß der Vorsitzende die Veranstaltung. Bremen. Am 22. September fand eine Pcgischah des I. P. Makkubi hazair statt, Sie wurde besucht von den Gdutlleitern und Aelteren des Kibbuz Nord aus Hamburg, Bremen, Oldenburg und Dclrnenborst. Der Kibbuz.lciter Erich Roscnbauru-Jaffc sprach über den ״Weg des Bundes“ und über ״Die Arbeit des Bundes in <lcr Klein- Gemeinde“. Dortmund. Die Zionistische Ortsgruppe veranstaltete am 7. September vor 0 )erfülltem Saale ihre Herz.l- Hiaiik-Gedcnkkicr. Die Gedenkrede hielt Theo Berg. Die Feier war umrahmt von künstlerischen Darbictungcn musikalischer und rczitatorischcr Art. Duisburg. Am 12. September sprach im Theodor-Lauter.I laus Dr. Georg Josephstal über Ziel und Aufgabe der Jugrnd-Aüjah. Es wurde innerhalb der Ortsgruppe• ein Spczialrcssort für alle Fragen der Jugend..Alijah errichtet. Düsseldorf. Am 19. Scptbr. sprach in einer Veranstaltung der ZOG. Dr. Hans Capdi über: ,.Kritische Reise durch Palästina“. Essen. Am 19. Sepibr. erüffucte die ZOG. die Winterarbcil mit einem Referat von Hellmut Ncumann übet die f 1 eschichte der Kwuzah. — Dur neue Vorstand setzt sich zusammen aus Dr. Ilans Cohn, Dr. Arnold Kahn und Mathias Goldstein. Dem scheidenden 1. Vorsitzenden Jakob Stein wurde für seine aufopferungsvolle Tätigkeit in der Fllhrung der Ortsgruppe herz lieh st gedankt. Euskirchen. Am 2t. September sprach Dr, Josef Ncuberger, Düsset. 1' r. über den K1X. Ziomstcnkongreß. Frankfurt am Main. Am 21. September fand im Taunusheim der schon traditionell gewordene Oncg Schahbat statt, der diescsmal be• sondere Bedeutung dadurch erhielt, daß es der letzte Oneg war unter der Führung Eliescr Spectors, des bisherigen Leiters des llechaluz. Die!׳Vier nahm einen sehr eindrucksvollen V'erlauf. Halle. Am 15. September zeigte die Ortsgruppe in der hiesigen Synagoge den Film ״Land der Verheißung“. Die Teilnahme an dieser Veranstaltung aus unserer Gemeinde und aus den Nachbar, gemeinden war sehr groß. Die Synagoge war überfüllt. Der Film wurde vom Publikum sehr interessiert aufgenonimen, und die Anspräche von Rabb. Dr. Joachim Prinz machte auf die Anwesenden einen tiefen Eindruck. WeiBenfels a. Saale. Die ZOG. veranstaltete eine Trauerfeier für Rabbi Kuk. Gedenkreden hielten W. Gottheil und S. Bimbach. — Am 24. Septbr. sprach Dr. Löbenstein (Leipzig) über den Luzerncr Kongreß. — Ankündigungen Forst! Am 3. Oktober spricht in der Synagoge Dr. David Schloß• Berg, Berlin, über ״Zionismus — Palästina — Judentum in DeutacK. land“. ...—. Familien - Nachrichten Herr Abi! Rainer, Leipzig, Yorkstr, 15, begeht am 18. Oktober den 96. Geburtstag. Herr Julius Pelz, Güttingen, begeht um 9. Okt. die Silber. Hochzeit. Bar Mizwah •Termine Am 5. Oktober 8. iisthri: Gerhard Rosenheck, Sohn von Markus Rosenheck, Bochum, Brückstr. 54. Am 5. Oktober — 8. Tischri: Fritz Unna, Sohn von Dr. William Unna, Hamburg, Opitzstr. 2. P«1trts4ina A1114 fievtin OER SfeWISM A6INCY FOR PALißTlNB W iS; Meinekestr. 10. Telephon: J1, Bismarck 7165/70. Postscheckkonto: Berlin Nr. 16708. Die immer stärker werdende Inanspruchnahme der Beratungs-Alitcilnngen des Palästina-Amtes Berlin macht es notwendig, folgende Hinweise 7u wiederholen: 1. Die Sprechstunden der Abteilung Allgemeine Bera111 ng und Handwerker-AIijah sind von Montag bis Freitag von! 10״ bis 12 Uhr. Nachmittags werden ausnahmslos Keine Sprechstunden abgehalten, da der Nachmittag der Erledigung der Korrespondenz, dient. 2. Der Besuch der Juristischen Abteilung und der Ableitung Wirtschaftsberatung setzt eine Vorherige schriftliche oder telephonische Verabredung zu einem bestimmten Zeitpunkt voraus. Dies gilt insbesondere für die auswärtigen Besucher, die hierdurch nochmals dringend gebeten werden, rechtzeitig vorher mit dem Sekretariat der zuständigen Abteilung Tag und Stunde ihres Besuches zw vereinbaren. Eine bloße Anmeldung genügt nicht. ANTWORTEN DER REDAKTION E. S., Berlin. Das im ״Völkischen Beobachter“ vom 28. September unter der Spit/.marke ״Juda hetz-t in Memel“ abgedruclste Plakat, das eine Ankündigung in hebräischen Lettern in jiddischer Sprache wiedergibt, ist das Theater- Programm einer jiddischen Theatertruppe, die ein Stück ״Eine rau ohne Herz“ zur Aufführung bringt. Es handelt sich um ein Gastspiel der Schauspieler E. Lipovski und Sofie Erdi in Memel. Aus dem Hebräischen von Dr. Max Mayer, Jerusalem 9. Fort«et!»j®£ Nachdruck verboten ״Wirklich eine schlimme Sache“ — antwortete der Scheich auf die Vorstellungen Abners und richtete gelassen die zischende Kohle auf dem Tombak zurecht. —- ״Ja, die Papiere sind in Ordnung. Aber kennt ein unwissender Fellache die Gesetze des Landes?“ — Sein Blick zerfloß in einen! Schleier von List und Freundschaft, die ineinander verflochten waren. Aber Almer zwang ihn, mit klarer Sprache herauszurücken. ״Du weißt, daß wir uns in unseren Handlungen korrekt verhallen, daß wir für alles mit unserin guten (ielje zahlen“ — so attackierte Abner den Dorfvorsteher und richtete seinen Blick gerade auf seine Augen. Die Scheidewand war geschwunden. Der Scheich machte sich eilig zurecht, sattelte seinen Esel und ging mit Abner an den Tatort. Sie halten das Dorf kaum verlassen, als ihnen zwei Boten cntgegeneiltcn und meldeten, daß zwischen Chassan und seinem Gefolge und den Arbeitern des Werks Iläudel ausgekrochen seien, die. immer größere Dimensionen annähmen. Bald würde das ganze Dorf mittun. Abner verstand sofort, daß sich hier etwas Ernstes anspinne, da er sali, daß die Minner ihr Vieh auf der Tenne zurückließen, die Enden ihrer Unterkleider in den Gürtel steckten und an den Ort rannten, wo der Streit entstanden war, auf dem Kopf nur die wollenen Rundkäppchen mit ihren Zipfeln nach oben. Abner wollte den Scheich des Dorfes überholen, aber dieser verhinderte ihn daran, trieb seinen Esel zur Eile und ritt ihm zur Seite. Der Scheich überlegte, wie er *ich verhalten »olle. Sammelstelle der Jüdischen National- und Universität!■ bibliothek für Nürnberg, Fürth und Umgebung. Dr. Bruno Grieß mann, Nürnberg, Königstr. 25, Tel.: 27597, hat *ich bereit erklärt, aus Nürnberg, Fürth und Umgebung Bücherspenden (einzelne Bücher und ganze Bibliotheken) für die Nationalbibliothck, für die anderen Bibliotheken im Land«, Bilder und Kunstgegenstände für die Museen, Wissenschaftliehe Apparat« und Sammlungen für die Hochschulen des Landes in Empfang zu nehmen und weiterzuleiten. Die Zentraisannnelstclle, Berlin W15, Meinekestr. 10, bittet Anfragen und Zuschriften aus Nürnberg, Fürth und Umgebung an Dr. Grießmann zu senden. Arbeitstagung der Lehrer in Sachsen. Wie bereits angekündigt, veranstaltet die Schulabteilung der Reichsvertretung in Gemeinschaft mit dem Preuß. und Sachs. Landesverband jiid. Gemeinden und mit anderen jüdischen Stellen, imbesondere der Gemeinde Leipzig, eine Arbeitstagung für die jüdischen Lehrer Sachsens sowie der östlichen Provinzen Preußens. Es sind folgende Veranstaltungen vorgesehen: Dir. Adler, Stuttgart: Thema aus dem Bereich des Munk- Unterrichts. Prof. Bondy: Arbeitsgemeinschaft über ein pädagogisches Thema. Prof. Dr. Martin B u b e r: Arbeitsgemeinschaft über ein biblisches Thema. Stud.-Rat Dr. Losch nitz er: Das Erziehungsziel der jüdischen Schule i!11 Hinblick aut die künftige Berufsgliederung des deutschen Judentums. Dr. Franz Meyer: Ein Thema zur Palästinakünde. Dr. Heinemann Stern: Der Deutschunterricht in der jüdischen Schule (mit Lehrprobe). Dr. Woskin-Nahartabi: Methodik des hebräischen Sprachunterrichts. Meldungen zur Teilnahme sind zu richten an: Dir. Dr. We ikersheimer, Höhere Israelitische Schule, Leipzig C 1, Gustav-Adolf-Str. 7. Als sie zur Stelle kamen, wankten Abner die Beine und seine Augen waren wie benebelt beim Anblick, der sich ihm bot: die 'Bnrsc.bon des ״Stabs“ standen auf der Stelle, wo sie gegraben hatten, von allen Seiten umringt, schwer ringend, und rings um sie heiseres Geschrei und geschwungene Knüppel. Ucbler zugerirlilet als alle war Benjamin, der, durch einen Knüppel am Kopf verwundet, zur Erde gestürzt war, während Chassan über ihm stand und mit einem stumpfen Gegenstand wütend auf den bewegungslos Daliegenden einhieb. Beim Anblick des Blutes. das dem Liegenden übers Gesicht rann, versuchten einige dem Schlagenden Einhalt zu tun, aber vergehlieh, denn die Kräfte des Ghassans waren in diesem Augenblick ebenso furchtbar wie seine blutunterlaufenen Augen. Vergehlid! schlug der breitsdntllrige I. e i w i k nach rcclits und links, um sich einen Weg zu bahnen: die Männer des Dorfes umringten ihn, tobten und tosten, denn das Geschehene hallo ihnen jede Besinnung gerauht Der Glaube, daß nun alles erlaubt sei, mengte sich mit der Furcht vor den BehSrden und der Notwendigkeit anzugreifen, um nicht angegriffen zu werden. Abner war 08, wie wenn etwas in seinem Innern zersprungen wäre. F.r wußte noch nicht, was, er tun solle, und merkte noch niehl die Menschenmenge vor ihm. Nur den Tollwütigen sah er und den im Blute sich wälzenden Benjamin. Im N11 war Abner zur Stelle, hob irgend etwas Schweres und Slumpfes, das ihm in die Hand kam, auf und schlug damit Chassan eins auf den Kopf. Sofort wurde es still. Die ineinander verwickelten Moriscbenknäule trennten sieh und wurden zu zwei sich gegenüberstehenden Lagern, und zwischen ihnen lagen die Körper der beiden — des einen mit bleichem Gesicht und in Blut sieh wälzend, and de» anderen, Braunen, mit abgeglittener Mütze, die Stirne klaffend. Abner Stand ermattet vor Anstrengung, die ihn einen Augenblick in Spannung gehalten hatte, und verzog »eine Uppen: ״Ihr Unmenschen habt wohl geglaubt, daß e» keine Kraft gibt, die eure wilde Leidenschaft bändigen könnte?“ Beim Anblick Abners, der sein Gesicht verzog und »«ine Fäuste ballte, wurden die Kämpfenden von neuem aufgeratteil, und nochmals entstand eine gedrängte Menschenmauer mit Gegröhl« und geschwungenen Knüppeln. Aber der Scheich des Dorfes trat einige Schritte vor, da er verstand, daß jetzt der rechte Augenblick gekommen war! ■nd ein vernünftige* Mit einer ganz kleinen Geld-Ausgäbe können Sie Ihren Freunden und Bekannten eine wirklich sehr große Freude machen. Schenken Sie Ihnen den vor 14 Tagen erschienenen HERAUSGEBER; ZIONISTISCHE VEREINIGUNG PUR D6ÜTSCHIAND VERLAG ״JUDISCHERUNDSCHAU'',' BERtTN%I5; MBNEKESTR. 10 ’•־ . ,־ ■ (ßymQ) Redaktion: Joachim Prinz — Preis; RM 1,60 Durch alle Buchhandlungen oder direkt durch den Verlag JÜDISCHE RUNDSCHAU BERLIN W 15, MEINEKESTRASSE 10 Ruf: J 1 (Bismarck) 3181-82 / Postscheckkonto: Berlin 17392 m₪mmmemsmrnammmammmm₪mstm₪0mmm Bitt« •uatnfüllen Ab die Verlags - Abteilung der Jüdischen Rundschau Ich bitte um Zusendung von Exemplaren PALASTIN A-KALEND ER 5696 Der Gegenwert von RM wird auf Ihr Portaeheckkonto Berlin 71S76 üherwieaen / •oll zuzüglich Porto nachgenoinmen werden voro. *.unam« 6rt g, Peatanf ^trap* n. Nonmn Wort aufmerksaiihs Gehör fände, nachdem bereits Blut vergossen war. Er rief mit erhobener Stimme: ״Dir Männer des Dorfes, warum wollt ihr in die Hände der Behörden fallen? Wenn ihr mit Nachbarn Streit habt, so streite Gott für euch! \ber wo-halb wollt ihr eure Hände mit Blut besudeln? - Sein vorsichtiger Hl ick umfaßte die Mensrhenmntier, und Abner winkle er zu, sieh den Zelten zuzuwenden. Auch die Burschen winkten Abner zu, er möchte zum Zelt gehen. Aber während Abner sich zum (!eben wandte und sich mühsam dnhinsrhlcpplr. donnerten hinter ilmt wilde Hufe; ״Laßt ihn nicht davon! Hin Kind des Todes ist er.“ Da hupte in der Nähe ein Auto, des»(* 11 Larkübcrzug in der Sonne blitzte, und in die wütende Menge Iral ein hochgewachsener Offizier mit einem dünnen Ruhr in der Hand. Mit ruhigen und überlegenen Augen überblickte er den Tatort. Es war der Leutnant Harris. Nur Abner. der ihn am Feuerstoß des alten Jcchicl gesehen halte, erkannte diesen Mann, der halb zivil und halb militärisch gekleidet war, und trotzdem wich die Menschenmauer zurück. Es herrschte Schweigen. Auf der Erde lagen die beiden Verwundeten. Sie begannen Lebenszeichen von sich zu gehen. Alle schwiegen. Der Mann mit den ruhigen blauen Augen und dem dünnen Hohr in seiner Hand trat selbstsicher auf, wie ein Bändiger, der in die Arena der wilden Tiere eintritt. Ein Mnrm, dessen Seelenkräfte in der Begabung liegen, auf die Volt Einfluß zu haben. Nicht irgendein Mensch, sondern ein Europäer, der *um Herrschen geboren ist. Alle fühlen das. Auch die, die ihn bisher nicht kannten, fühlten sofort, wen sic vor sich hatten. Bei »einem Erscheinen im Oedland oder bei seinen weiten Reisen in der Wüste, erkannte ihn sofort der Oedlandswanderer oder Wüstensohn. Wenn l amtnant Harris mit verschränkten Beinen im Kreise der Oedlandssöline saß und aus Höflichkeit die Sitten des Ortes, wohin er gekommen war, mitmachte, 80 blieb er trotzdem der Europäer, der die geheime Kraft des Herrschen* und Unterwerfens besitzt Ein Blick aus den ruhigen blauen Augen genügte, um die Gesellschaft zu zerstreuen, ihren Eitiwana zu zerstreuen und die Verwundeten in ein Zelt abzutransporticren. Sie wurden später in das Regierungskrankenhaus gebracht und Abner — ins Gefängnis.