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Jüdische Rundschau · 1935-10-01 · Heft 79 (1.10.1935) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 79 (1.10.1935)
Date
1935-10-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 t JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 79, 1. X. 1935 der Orangen-Saison Bevölkerungsentwicklung 1934 Von Dr. J. Adler, Tel-Awiw Einem fürsorglichen Staatsgesetz gemäß, das nur den Export genügend ausgereifter Früchte gestattet, werden die ersten örangdi -Transporte der neuen palästinensisehen Zürns-Saison 1935 36 unsere Häfen frühestens am 15. November verlassen dürfen. Der Grape fruit-Export hingegen wird bereits um Mitte Oktober einsetzen, und der Zitronen-Versand hat schon im September begonnen. So kommt in drei verschiedenen Stadien di« ״Saison“ in Gang, um nunmehr den ganzen grollen Personenkreis, der mit der Zürns-Wirtschaft zu tun hat, bis Anfang Mai in Atem zu halfen. Palästinas Zitrus-Export Saison Kisten zahl 1931/32 3 631 541 1932.33 4 506 632 1933-34 5 467 063 193-I/35 7 2S3 605 193 5 36 voraussichtlich 8 500 000 Eine ״Kiste“, das geläufige Maß •des Exportquantums, enthält 210 kleine Früchte, bei mittleren und grollen Früchten entsprechend weniger. Von den 8500000 Kisten, mit denen wir für die neue Saison rechnen, werden rund 7ÜÖOÜOO (i. V. 6 300 000 > Kisten Orangen sein, während auf Grapefruits etwa 1300 000 (i. V. 670 000), auf Zitronen 45 000 (i. V. 30(KM)) Kisten entfallen werden, der Rest auf sonstige Zitrusfrüchte (Llhrogiin, Mandarinen usw.). Die Saison ist organisatorisch mit großer Sorgfalt vorbereitet worden. Der Absatzwerbung im ln- und Ausland« hat sich, wie schon in früheren Jahren, die Palästina-Regierung selbst angenommen, wofür ihr diesmal ein Propaganda-Fonds von rund CP 21 000 zur Verfügung stehen wird, den ein« Exportabgabe von J (i. V. nur 2) Mils pro Kiste speisen soll. Was die noch wichtigere Aufgabe der Marktpoli• tik betrifft (im wesentlichen darin bestehend, im Zusammenwirken mit den Schiffalirtslinien systematisch die abgehendai Transporte ger ade immer solchen Märkten zuzuleiten, wo die Ware augenblicklich knapp ist und daher günstige Preis« verspricht), so hat sielt die Palästina-Regierung noch nicht dazu entschließe» können, liier regelnd einzugreifen und 1ud1 dem bereits bewahrten Vorbild der Südafrikanischen Union ein ״Citrus Shipping Board“ zu errichten. Ein Ersatz des staatlichen Eingriffes durch freiwilligen Zusammenschluß der Exporteure war le ider bis heute nicht zu erreichen, obwohl man in der vorigen Saison schlechte Erfahrungen mit der Planlosigkeit der Verschiffung und mit der preisschädigenden Ueberiiillung mancher Markte gemacht hat. Die jüdischen Exporteure (etwa 63 ־•׳, der Produktion) und die arabischen Exporteure werden wiederum getrennt operieren, und auch innerhalb der jüdischen Gruppe gibt es einige, die aus der Reihe tanzen mul sich, den Maßnahmen der ״Jaffa Citrus Exchange•‘ nicht fugen. Im allgemeinen gewähren eile Schif fs-Ko 11t r a k t e folgendes Bild : Die Transporte nach Hamburg'Bremen wird die ״Deutsche Levante-Linie“ besorgen, nach den skandinavischen Häfen die ״Svenska Orient Linie“ und norwegische und dänische Linien, nadi dem Baltikum die vorgenannten Linien und außerdem erstmalig eine polnische Linie, nach Großbritannien und Irland teils englische, teils norwegische Linien, nach Triest der ״Lloyd Triestino“. Die handelspolitische V-orbcrcitung der neuen Saison ist auch heute noch nicht abgeschlossen. Teils Zoll-, teils Konlingcnts-Zugeständnisse wurden bisher — einschließlich mancher Errungenschaften iin Laufe der vorigen Saison — u. a. bei Holland, Polen, Schweden, Frankreich, Rumänien, Ungarn, Aegypten erreicht, während die Frage einer ״Imperial Preference“ für Palästina-Zitrusfrüchte in Großbritannien noch immer unentschieden i-t. Mit Rußland verhandelt man über ein Tauschabkommen von Bauholz gegen Orangen. Sehr kompliziert erweisen sich daneben die Devisenprobleme, vor allem im Hinblick auf die mitteleuropäischen Länder. Voraussagen über die P r e i s g e st a 11 u n g erscheinen uns noch verfrüht, via der Umfang der spanischen Ernte, als der wichtigsten Konkurrenz, vorläufig nur schwer zu bcurteilen ist, und da auch niemand voraussehen kann, in wie• weit in Spatzen wieder im Dezember und Januar, wie schon in verschiedene» früheren Jahren, Fros־kchäden auftreten und durcii eine fühl imre Verknappung des Angebots eine intcrriationale Preiserlu>1111 ng bewirken werden. I» der Preisbildung ist ja die Paladina-Frucht gezwungen, im Schlepptau Spaniens zu segeln, da« mit rund 28 Millionen Kisten ungefähr die Hälfte des Welk-xports an Orangen (etwa 56 Millionen Kisten) liefert. Da Spanien geringere Arbeitslöhne und Boden kosten als vier jüdische Orangenbau Palästinas aufweist und auch kürzere, also billigere I )ampft rwege nach den europäischen Konsumzentren hat, wird für Palästina der Wettbewerb dann ziemlich beengt, wenn Spanien eine besonders große Ernte auf den Markt wirft und in London, Liverpool, Glasgow usw. AuLtionspreise akzeptiert, die ihm noch immer mehr als die Selbstkosten einbringen, die für Palästina aber Vcrlustverkauf bedeuten. Irreguläre Schwierigkeiten hat in eien letzten Wochen di« wel t pol iti sehe Span n u :! g i m M i 11 e i m « e r r a um verursacht. Mau nimmt sonst um diese Jahreszeit auch eine umfassende finanzielle Vorbereitung des Zitrus-Exports vor. Die palästinensischen Exporteure schließen Festverkäufe an die englischen Südfrucht-üroßimporteure ah und decken sich ihrerseits durch Kauf ab Baum bei den Pflanzern ein. Bedeutende Vorschußgelder fließen auf die-sem Wege von England her der palästinensischen Zitrus-Wirtscliaft zu. Die Sorge vor einer Storung des friedlichen Mittelincerverkehrs durch politische Ereigisse hat nun diesmal diesen Gang der Vorfinanzierung der palästinensischen Zürns-Ernte erheblich atifcehalten, was von Exporteuren, Pflanzern und anderen mit der Zitrus-Wirtschaft Verknüpften Kreisen unangenehm empfuriden wurde. Illustrierte Wochenschrift. Wie uns mitgcteilt wird, erschien am 27. September in Tel-Awiw erstmals die hebräische illustrierte Wochen zeitung ״Hachajim H a 1 a I u“. Die Zeätung ist mit reichem Bildmaterial, insbesondere aus Palästina, aber auch aus aller Welt ausgestattet und bringt u. a. einen Roman aus dem Leben des Landes. I>ie Bildtitel sind auch englisch beschriftet. Die Redaktion der Zeitung liegt in den Händen von Ben Seew Liber. ״Rechtswesen in Palästina“ ist der Titel einer Btoschüre, die soeben als 1. Heft der neuen ״Schriftenreihe der Hitachduth Olej Germania“ in deutscher Sprache in Tel- Awiw erschienen ist. Elf ehemalige Anwälte weisen darin nach, wie stark sich palästinensisches Recht von europäisch cm unterscheidet, und zeigen an praktischen Beispielen die Eigenheilen der dortigen Prozeßführung, des Vertrags-, Boden-, Wechsel-, Hypotheken- und Gesellschaftsrechts, der fatnilienrechtlichen Stellung deutscher Staatsangehöriger in Palästina, des gewerblichen Rechtsschutz® usw. Das kleine Werk ist durch den Buchhandel oder direkt von Biblkm. Tel-Awiw (Palästina), P.O.B. 713, zu beziehen. Der Bericht der Exekutive der Zionistischen Organisation an den XIX. Zionistenkongreß enthält interessante Zahlen nicht nur über die Einwanderung von Juden und Nichtjuden nach Palästina, sondern auch über Geburten und Sterbefälle bei den drei großen Bekenntnissen Palästinas im vergangenen Jahre (1934): Geburten- Religion Geburten Sterbefälle Überschuß Mohammedaner Juden Christen 34,489 7,666 3,340 19,760 2,419 1,618 14,729 5,247 1,722 Die Zahl der jüdischen Geburten war rund dreimal so groß wie die der jüdischen Sterbefälle, während bei den Christen etwas mehr, bei den Mohammedanern etwas weniger als doppelt soviel Geburten wie Sterbefälle gezählt wurden. Aut 1000 Einwohner kamen bei den Juden rund 30 Geburten, bei den Christen 34, bei den Mohammedanern 47. Andererseits war die Anzahl der Sterbefälle auf 1000 Einwohner bei den Juden rund 10 gegenüber 16 Sterbefällen bei den Christen und 27 bei den Mohammedanern. Vergleicht man die Zahlen mit dem Anteil der Juden an der Bevölkerung Palästinas, so zeigt sich, daß der Anteil der jüdischen Geburten an den Geburten der drei Bekenntnisse zusammen fasi um ein Drittel unter dem jüdischen Bevölkerungsanteil lag. Der Anteil der jüdischen Sterbefälle betrug sogar weniger als die Hälfte der jüdischen Bevölkerungsquote. Bei de» Christen war es in schwächerem Maße entsprechend. Dagegen war der Anteil der Mohammedaner an Geburten wie Sterbefällen höher als deren Anteil an der Bevölkerung des Landes. Eine Zusammenstellung mit den Einwanderungsziffem ergibt folgendes: Geburten• Religion Einwanderung Überschuß zusammen Juden Mohammedaner Christen 42,359 290 1,494 5,247 47,606 14,729 15,019 1,722 3,216 Während bei den Christen die beiden Ursachen der Bevölkcningsverniehriing sich ungefähr die Waage hielten, ist das Anwachsen der mohammedanischen Bevölkerung zu 98 v. H. aut natürlichen Bevölkerungszuwachs und nur zu 2 v. H. aut Einwanderung zurückzuführen (wobei allerdings die illegale mohammedanische Einwanderung aus Transjorcfanien und Syrien außer Betracht bleibt). Bei den Juden war das Verhältnis umgekehrt: Der Kevölkerungsgewiun beruhte zu 89 <0 aut Einwanderung, und nur zu 11 °/0 auf Geburten- Überschuß. Insgesamt vergrößerte sich die jüdische Bevölkerung Palästinas durch Einwanderung und natürlichen Zuwachs um 18,76 v. H., dagegen gewannen die Christen nur 3,23 v. H., die Mohammedaner 2,03. Entsprechend stieg der jüdische Bcvölkerungsanteil an der gesamten Bevölkerung des Landes, wenn auch nur unerheblich, während der rriohammedänische sank, der christliche fast konstant blieb, Albert J. Phi e b i g Kurze Nachrichten Amtlich wird bekanntgegeben, daß Im Monat August 1935 4921 jüdische Einwanderer nach Palästina gekommen sind. 270 Einwanderer gehörten der Kapitalistenkategorie an. Bei 359 Personen handelt es sich um Touristen, denen nachträglich die dauernde Niederlassung gestattet wurde. Zu Rosch Hasch an ah kamen viele Tausende von Gästen aus dem ganzen Lande nach Jerusalem. Die Beisetzung der sterblichen Ueberreste Isaak L. Goldbergs fand in Tel-Awiw am 26. September statt. Die Leiche wurde von Haifa nach Tel-Awiw überführt. Der Trauerzug nahm seinen Ausgang vom Gebäude des Ohel Schern. In Haifa ist Ephraim Aharoni, der älteste jüdische Einwohner Palästinas, gestorben. Er hat ein Alter von 116 Jahren erreicht. Der Verband •der hebräischen Lehrer hat ultimativ G e - haltserhöhungen gefordert, widrigenfalls die Lehrerschaff nach Rosch Haschanah den Dienst nicht wieder aufnehmen werde. Der Waad Leumi hat sich aus Mangel an Mitteln außerstande erklärt, den Forderungen der Lehrer zu entsprechen. Das Landwirtschaftsdepartement der Jewish Agency hat gemeinsam mit der Landwirtschaftlichen Versuchsstation ertolgreiche Versuche zur Erhöhung des Absatzes von Weintrauben gemacht. Diese Bemühungen werden jetzt in verstärktem Maße fortgesetzt mit ■dem Ziel, wenigstens dem Bedarf des palästinensischen Marktes selbst durch die einheimische Produktion zu decken. Infolge des Dumping-Imports aus der Tschechoslowakei mußte die Wirkwarenfabrik ״Gereb“ in Ramath Gan geschlossen werden. Es ist dies bereits der zweite Betrieb in Ramath Gan, der dem ausländischen Dumping zum Opfer fällt. Bekanntlich mußte vor kurzem die Kunstseidenfabrik ״Meshi“ wegen Ueberfiutumg des Marktes mit billiger japanischer Ware den Betrieb einstellen. Die Palästina-Regierung hat eine Sitzung ihres Industriebeirates einberufen, um Maßnahmen zum Schutz der palästinensischen Produzenten zu erwägen. Die Palästina-Regierung hat Professor Cadmour vom Statistischen Amt in Kanada beauftragt, im Rahmen des Immigrationsdepartements der Regierung ein Statistis c 11 es Amt einzurichteii. Ein Zwischenfall um den GererRebbe Jerusalem, 26. September. (JTA.) Der als ״üerer Rebbe“ bekannte ciiassidisclie Rabbi von Gura Kalvarja, der in Unkenntnis der bestehenden Vorschriften die Höhle Mach p eia bei Hebron ohne speziellen Erlaubnisschein besuchen wollte, ist mit knapper Mühe der Verhaftung entgangen, dagegen wurden zehn Chassidim seiner Begleitung verhaftet. Der Rabbi wurde, als er tiefer als sieben Stuten zu der Höhle hinabstieg• (bis zur siebenten Stufe ist der Zutritt ohne Erlaubnisschein gestattet), von dem diensttuenden Polizisten niedergestoßen, worauf die in seiner Begleitung befindlichen Chassidim herbeieilten, um ihm beizustellen. Während der Rabbi nach Jerusalem zurück fahren konnte, wurden seine Begleiter ins Gefängnis . die Freilassung der Verhafteten nicht durchsetzen. Es wurde ihm erklärt, daß sich die Chassidim eine schwere Uebertretung hätten zuschulden kommen lassen und daß sie deshalb bis zu ihrer Aburteilung durch den Distriktskominissar am folgenden Tag im Gefängnis bleiben müßten. Nach der Vernehmung arabischer Zeugen hat Distriktskomniissar Campbell die bei dem Zwischenfall verhafteten Chassidim gegen Kaution noch vor Beginn des Rosch- Hasclianah-Festes aut freien Fuß gesetzt. Die Verhandlung gegen die wegen Uebcrschrcitens der Besuchsordnung des Patriarchengrabes angeklagten Chassidim wurde auf den 30. September angesetzt. ,Theater In PalAsrfna Matate: Palästinensische Komödie Tel-Awiw, im September 1935 Selbst in den Monaten, in denen der vom Klima und vom Arbeitstempo müde Palästinenser sich nach Möglichkeit Erholung gönnt, bringen die palästinensischen Theater ihre Neil-Einstudierungen heraus ■und haben volle Säle. Zum ersten Male sah ich eine Matate-Auffiihrung im Zion-Theater in Jerusalem, einem geschlossenen wohlproportionierten Raum, der etwa 1200 Personen faßt. Es war interessant festzustellen, wie sehr das Spiel an Geschlossenheit gewinnt, wenn die Schauspieler nicht mit den akustischen Tücken und dem hereindringenden Straßenlärm zu kämpfen haben, die im Tel- Awiwer Beth-Am sich störend bemerkbar machen. ״Business“ ist der Titel der neuen Matate-Revue. Es muß immer wieder dankbar festgestellt werden, daß wir auf diese kritisch-satirischen Spiele nicht verzichten mögen, daß Matate heute die lebendigste und aktuellste Aeußerung palästinensischen Kunstlebens ist, und eben wegen seines ״Jung-Seins“ den dramatischen Bühnen bereits seit geraumer Zeit den Rang abgelaufen hat. Wovor inan sich zu hüten haben wird, ist jedoch, auf halbem Wege stehen zu bleiben, Kompromisse im Stofflichen zu schließen, einerseits zu attackieren, andererseits zu streicheln und zu hätscheln. Das, was in Erez Israel — und besonders in den letzten zwei Jahren — geleistet wurde, wird von niemanden verkleinert werden wollen oder können. Aber gerade, weil wir dessen so sicher sind, können wir es uns leisten, vor ״unserer eigenen Tür zu kehren“. Was geschieht in einem Land, das jährlich 50 000 neue Menschen zu assimilieren hat? Man sucht Arbeit und Brot: ״Geschäfte“. Jawohl, Geschäfte! Und natürlich bleibt es nicht aus, daß Leute es als ihr ״Geschäft“ betrachten, eben diesen anderen Leuten zu ״Geschäften“ zu verhelfen. Daegen ist solange nichts einzuwenden, wie Gewissenhaftigeit und ehrlichstes Bemühen, Kenntnis der Materie und des Landes leitend sind. Zu einer Gefahr hingegen wird die Prosperity und die Konjunktur, wenn sie gewissenlosen Konjunkturrittern, die eben selbst frisch ins Land geschneit sind — zu dessen Seele wie Ende sie noch vor kurzem nicht die leisesten Beziehungen hatten —, Vorschub leistet, wenn Mitte! des ״unlauteren Wettbewerbes“ die Oberhand gewinnen könnten. Fliergegen Front zu machen, ist die deutliche Absicht des Autors N. Lipscliitz. Aber er will so richtig niemandem wehe tun. Seine Typen sind eigentlich arme Hascherl, die — Verschulden früheren Milieus — nichts mit sich anzufangen wissen und vor lauter Suchen nach ״Business“ schließlich selbst Geschäfte offerieren, statt eines zu finden. Das Ganze ist nicht knapp genug und hat viele Längen, insbesondere das Bild, das die — sehr herbeizuwünschendc — ״Liga für Kultur und Höflichkeit“ in Tätigkeit zeigt. Darüber können auch die Chansons von Abraham Schionsky nicht hinweghelfen, die freilich in der konventionelien Musik Daniel Samburskys nur eine äußeret schwache Stütze finden. Warum versucht man es nicht ruhig einmal mit einer stark rhythmischen Jazzmusik? Man wird alles daran setzen müssen, einen Autor, vor allem aber einen Komponisten zu finden, der das richtige Material für diese außerordentlich begabten Spieler liefert. Unter ihnen ragen vor allem wieder hervor: London, Churgall, Rtidensky und Timan, denen sich das übrige Ensemble ebenbürtig zugesellt. Audi die Frauen sind diesmal wieder etwas mehr im Vordergrund, aber hier machen sich fast durchgehend immer noch unnatürliche Uebersteigerungen der Stimme störend bemerkbar. Zum ersten Male fungiert Benno Frankel (von der ״Palästinensischen Kammeroper“) als Spielvogt. Man kann Matate zu dieser Wald beglückwünschen. Frankcl hat sich oft als Regisseur von Geschmack bewiesen und bringt auch in diese Revue, soweit er das Manuskript überwinden kann, einige Szenen von großer Belebtheit. Sein weiteres Zusammenarbeiten mit der Truppe wird aufmerksam zu verfolgen sein. Vollendet sind wieder die Bühnenbilder des oft bewährten Malere Emanueli (Luftglas), von denen die Leichtigkeit ausstrahlt, die die Atmo- Sphäre des Matate verlangt. Er arbeitet diesmal mit zwei kleinen, sehr wirkungsvoll angewandten Drehscheiben, und besonders das Gerichtsbfkl gelingt ihm außerordentlich. Die ״Palästinensische Komödie“ wendet sich nach einem Ausflug ins Ernsthafte wieder der leichten Spielform zu. Man bringt KadeIburgs ״Dunklen Punkt“ (von Berlin her in Erinnerung), ein etwas leicht gearbeiteter Schwank, in dessen Hintergrund das Rassen-Problem steht. ״Die Liebe ist stärker als der Tod“. Gewiß; aber des Autors Fabel: Die Tochter eines preußischen Rittmeisters ehelicht einen Neger, der sie aus einer Erdbebenkatastrophe errettet hat, ist ein für heutige Begriffe überholter Bülmcnstoff. Die Regisseurin Bernstein-Cohen bemüht sich sehr und teilweise mit Erfolg um Schaffung der überaristokratisehen Atmosphäre. Die kleine Bühne (Szenerie: Esther Lurie) und der geringe Abstand vom Zuschauer fordern vom Schauspieler Beschränkung, der nicht immer genügend Rechnung getragen wird. So ist Abraham Skia rtsch, bei Anerkennung seiner Qualitäten, diesmal viel zu laut, währena Aron Freitag als Faktotum Anton bei weitem zuviel estikuliert. Michael Gor, als v. d. Dünen, gibt seinem aron viel Geschlossenheit, und Zvi Hermann, als Vertreter der Aristokratie, ist direkt sympathisch. Der junge Schauspieler Ariel gerät leider sehr ins Chargieren und bedarf dringend einer wachsamen Führung. Teomi als schwarzer Advokat ßodkigh ist gleichfalls ein wenig zu überbetont einfach; für Rachel Marcus gibt cs mir geringe Entfaltungsmöglichkeiten in diesem Stück, während Lena Mann sich auch hier als komische Charakterspielerin erneut als Begabung erweist. Im ganzen ist zu sagen, daß man in der Wahl der Stücke sehr vorsichtig sein sollte und durch ernsthaftes künstlerisches Arbeiten, möglichst unter Hinzuziehung eines erfahrenen Regisseurs, der kein Abweichen von dein einmal eingeschlagenen Weg des ״Naturalismus“ duldet, der Gefahr von vornherein begegnet: ein Theaterverein mit passionierten Mitgliedern zu werden, statt ein Theater mit künstlerisch Schaffenden zu sein. Manfred Oeis (Schluß de« Palästina-Teils)

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