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Jüdische Rundschau · 1935-10-01 · Heft 79 (1.10.1935) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 79 (1.10.1935)
Date
1935-10-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU Palästinensische Fmschau NR. 79, 1. OKTOBER 1935 Entwicklung der Arbeiterkrankenkasse Von unserem paIis t i nen 8 i schen Korrespondenten gl. Tel-Awiw, Ende September 1935 Einzigartige Arbeitsbedingungen Krankenkassen der Arbeiterschaft beruhen in den meisten Ländern der ,Welt auf zwei Hauptstützen: auf staatlicher Hilfe und auf Zwangsversicherung. Nach einem bestimmten Gesetz, wird der Arbeiter verpflichtet, sich für Kranklieitsfälle versichern zu lassen und zugleich der Arbeitgeber gezwangen, seinen Anteil für die zu schaffende Kasse zu leisten. Wo es nötig ist, stellt außerdem der Staat zusätzliche Mittel zur Vorfügung, um den Betrieb der Kasse aufrechtzuerhalten, bzw. die notwendigen Institutionen zu schaffen. Keine dieser Vorbedingungen existiert in Palästina. Die Situation liegt völlig anders als in jenen Ländern des mehr oder weniger entwickelten Kapitalismus, in denen die besonderen Bedingungen den Staat und die Arbeiterschaft — später auch verschiedene Kreise des Mittelstandes — zur Schaffung von Kassen zwangen. Die große Mehrheit der palästinensisehen Bevölkerung — insbesondere die Fellachen — ken* neu nicht nur keine Krankenkassen, sondern oft auch keine ärztliche Behandlung. Der niedrige Lebensstandard verbietet es in vielen Fällen, einen Arzt zuzuziehen, der Aberglauben tut das seine dazu und oft genug wird die ärztliche Kunst erst dann in Anspruch genommen, wenn es zu spät ist tnncl der Patient in den letzten Zügen liegt. Erst die englische Verwaltung hat hier den ersten Wandel geschaffen, aber auch sie ist noch sehr weit von einer umfassenden hygienischen Landcsfiirsorge entfernt, die mit der eigentlichen Zivilisterung Palästinas Hand in Hand gehen müßte. Als die Juden mit ihrem europäischen Lebensstandard, ihrer europäischen Arbeitsweise und ihrer modernen Wirtschaft im Lande FuE faßfen, mußte auch das Arztwesen eine vollkommene Umwandiung erfahren. Und mit dem Beginn einer jüdischen Arbeiterscliaft, ihrer besonderen Form der Kolonisation und ihrem Versuch einer entsprechenden Gesellschaftsordnung tauchte das Problem einer Arbeiterkrankenkasse auf. Sie mußte unter den besonderen Palästina-Bedingungen mit hesonderen Mitteln geschaffen werden. Von einer Zwangs- Versicherung von Regicnmgsseite, wie mar! sie von den Icontincntalcn europäischen Ländern kannte, konnte schon deshalb keine Rede sein, weil ja nur ein Ausschnitt der llevölkerung für eine solche Gesetzgebung reif war. Eine Beleihgütig der Arbeitgeber mußte Schritt für Schritt durch Ver- Handlungen und Kollektivverträge durchgesetzt werden, wobei es auch immer nur gelang, einen bestimmten Teil der Arbeitgeber, insbesondere die Besitzer oder Leiter städtischer Industriebetriebe zu erfassen. Eine gewisse'Hilfe kam in 'der ersten Zeit vom Keren Hajessod, aber die eigentlich« tragende Basis des gesamten Werkes war und blieb der Arbeiter, der etnsah, daß er ohne eine Versicherung für Krankhchstage in seiner Gesundheit und seiner Verdienstfäliigkeit schwer gehindert war. Das Prinzip der gegenseitigen Hilfe hat in den palästinensischen Arbeitersiedlungen eine große Rolle gespielt. Die Kwuzah, die kollektive Siedlung, ist eigentlich nichts arideres als ein Ausdruck der gegenseitigen Hilfe und der Gesamt- Verantwortung, auf die gesamte Arbeit und das gesamte Leben eines siedelnden Menschenkreises übertragen. In den Mosclnve Owdim, den Individualsicdlungen, wird die gegenseitige Hilfe in breitester Form herangezogen, um den Schwächeren in der Not zu stützen, grobe Besiizungleichhcit auszumerzen, dem Einzelnen den Rückhalt der Gesamtheit zu geben. Es war nur logisch, wenn die Arbeiterschaft in ihren ersten tastenden Versuchen auch das Prinzip der gegen seifigen Hilfe als Grundlage für die Krankenkasse machte. Daß ihr Instinkt in dieser Beziehung gesund war, hat außerordentliche Entwicklung dieser Institution im Lauiß des letzten Jahrzehnts bewiesen. Die monatlichen Zahlungen der Mitglieder liefern den überwiegenden Teil des Budgets der ״Kupat C h o 1 i m“. Und der überwiegende Teil der Mitglieder wiederum sind Angehörige der Arbeiterorganisation. Die Kasse steht auch Nichtmitgliedern der ״Histadruth“ offen, und sie umfaßt auch in der Tat einige Tausende davon. (I>ie Krankenkasse nimmt jedoch als ein Institut der Arbeiter- Organisation keine Arbeitgeber auf.) Es ist noch wichtig, zu erwähnen, daß auch eine Anzahl arabischer Arbeiter in der Kupat Cliolim versichert sind. Ihre Mehrzahl befindet sich in Haifa. Hier waren in der Zementfabrik von N«scher, die auch Araber beschäftigte, sämtliche Arbeiter ohne Ansehen der Nationalität von der Kasse versorgt worden und die arabischen Arbeiter blieben, auch als sie das Werk verließen, in der Kasse. ״Segenseitige Hilfe“ in der Prosperität Die Krankenkasse hat zusammen mit der Expansion des Palästina-Werkes in den letzten zwei Jahren einen gewaltigen Aufschwung genommen. Sie hat ihre Mitgiiederzahl verdoppclt und ihre gesamte Arbeit in fieberhaftem Tempi» vergroßem müssen. Wenn inan die großen Neubauten des Instituts sieht, die sich immer stärker modernisieren, so ist man geneigt zu glauben, daß auch für die Kupat Cliolim die Zeit der Prosperity nicht nur eine Zeit der Ausbreitung, sondem auch des Ueberflusses bedeute. Das ist jedoch nicht der Fall. Die Kasse kämpft in den letzten Jahren einen schweren Kampf, um den an sie gestellten Anforderungen gerecht zu werden. Ein Institut ilieser Art, das auf dem Prinzip der gegenseitigen Hilfe aufgebaut ist, kann sich mir dann entsprechend halten und vergrößern, wenn gerade d i e Mifglieder, die die Kasse persönlich nicht mehr dringend nötig Fähen, zu ihm halten und den Schwächeren zur Seite stehen. Gerade die Teile der Arbeiterschaft, die an der Prosperität ihren Anteil haben, müssen heute ihre Pflicht gegen die kooperativen Institutionen erfüllen, wenn diese wiederum den neuen Einwanderern und den wirtschaftlich Schwächeren all das zukommen lassen sollen, was sie für die Befriedigung ihrer Bedürfnisse verlangen. Wir beobachten aber zur Zeit im Lande, daß viele unter den gehobenen Schichten der Arbeiter (vor allem die Facharbeiter beim Bau), die Krankenkasse »erlassen (oder renn sie neu im Lande sind, erst gar nicht eintreten) und die Masse der Mitglieder sich aus den Arbeitern mit einem relativ niederen Lebensstandard rekrutiert. Lkainit müssen bei dem vorher skizzierten Mangel von Staatsbeihilfen naturgemäß große finanzielle Schwierigkeiten entstellen. Und es liegt eine große Ungerechtigkeit darin, daß derselbe Arbeiter, der heute keine Kasscubeiträgc zahlt, mit dem Tage, wo sich die wirtschaftlichen Verhältnisse verschlechtem, wieder eintritt und so das Institut immer nur die Schicliten umfaßt, die es im Moment brauchen. Der letzte Bericht der Kupat Cholim weist ausführlich und mit Nachdruck auf die iman/iellen und moraiischen Schäden dieser Haltung hin und mahnt zur Aenderung. Kolonisation, Immigration und Sanitätswesen Die Zeiten, in denen die Krankenkasse am stärksten in Anspruch genommen wird, sind Perioden der Neukolonisation und der großen Einwanderung. Wo neue Siedlungen, in oft unzugänglichen (legenden, unter Fiebersgefahr, vielfach ohne genügende Wasserversorgung, errichtet werden, hängt von einer entsprechenden sanitären Versorgung die Gesundheit der Siedler und das Gelingen des neuen Werkes ab. Die Krankenkasse begleitet daher die neuen Siedlungen von ihren ersten Tagen an. Es handelt sich dabei nicht nur um die Be- ׳Handlung bereits bestellender Krankheiten, sondern vor allem um einen entsprechenden Präventivdienst. Fliegenfenster in den Baracken, Moskitonetze über den Ketten, entsprechende Toiletten und Duschrihune — diese Einrichtungen ersparen den Aer/ten viel Arbeit. Die Krankenkasse hat gerade in den letzten Jahren diesen Fragen der Krankheitsverhütung ihr besonderes Augenmerk zugewandt, als die schweren letzten Sommer ein starkes Ansteigen von Malaria, Typhus und anderen Infektionskrankheiten zeigten. Neben der Malariacpidemic, die in diesem Sommer auch noch sehr fühlbar ist, jedoch nicht• so großen Umfang hat, wie im vorigen Jahr, hatten wir dieses Jahr mit schweren T yphusausbrüchcn an verschiedenen Stellen zu kämpfen. Besonders schwer wurde Rodges mitgenommen (eine misrachistischc Arbeitersiedlung bei Pctach Tikwali), außerdem hatten Cliuldah (Ebene Schfeiah) und Kfar Witkin und üiwath Chajim (Emek Chefer) schwer unter der Seuche zu leiden. Die Krankenkasse versuchte, dem L) eDel in zweierlei Weise beizukommen. Sie bestimmte zwei Aerzte, die zur Kontrolle und zur Beratung der Siedlungen von Ort zu Ort fuhren, lieferte den Stellen, die es am mefstwr i>eni»tigten, Anleihen attis dem Invalidenfonds, um die nötigen sanitären Einrichtungen zu schaffen, und übte zu gleicher Zeit einen Druck auf die Siedlungen aus (bis zur Abscbneidting der ärztlichen Hilfe!) um die Durchführung der geforderten Vorsichtsmaßnahmen zu erzwingen. Es ist immer von neuem nötig, insbesondere den neuen Siedlern klarzumachen, daß Sparmaßnahmen an sanitären Einrichtungen überaus teuer zu stehen kommen und daß cs verantwortungslos ist, den Forderungen der Aerzte aus Nachlässigkeit oder Uebermut nicht nachzukommen. Die schweren Krankheiten der letzten Jahre haben freilich auch den Unbekümmerten einen harten Anschauungsunterricht gegeben, und es scheint, daß das Verständnis für Präventivmaßnahmen zunimmt. Der neue Einwanderer scheint den Krankheiten des Fandes in stärkerem Maße ausgesetzt. Dieser Tatsache und der Schwierigkeit, den sanitären Apparat dem Wachstum der Bevölkerung rasch anzupassen, ist es wohl zuzuschreiben, daß wir gerade unter den neuen Einwanderern sehr viele finden, die sehr bald auf die Hilfe der Kasse angewiesen sind. Es ist damit für die Arbeiterkrankenkasse, die insbesondere jene neuen Einwanderer umfaßt, die unter relativ schwierigen Bedingungen ihren Start im Lande machen, eine besonders schwere Aufgabe gegeben. Budget und Mitgliederzahl — Neue Aerzte Die Arbeiterkrankenkasse umfaßte itn Juli dieses Jahres 45 000 Mitglieder. Sie nimmt durchschnittlich in den Zeiten der Einwanderung 1500 Mitglieder pro Monat neu auf. Da man zu den zahlenden Mitgliedern noch die Familienangehörigen zu rechnen hat, die ebenfalls von der Kasse versorgt werden, so umfaßt die Kasse heute insgesamt 85 000 Menschen. Das Budget wird — wegen der rasch ansteigenden Vermehrung — jetzt jedes Halbjahr neu festgesetzt und betrug im letzten Halbjahr £ 100 000. Von dieser Summe wird durch die Mitgliedsbeiträge 85 0'״ bestritten, der Rest wird hauptsächlich durch Beiträge der Arbeitgeber aufgebraciit. Die Arbeit litt vor allem durch den Mangel an geeigneten Räumen. Es war — vor allem in den Siedlungen -- ganz usimöglich, geeignete und genügend große Wohnungen zu bekommen, die als Ambulanzen dienen konnten. Außerdem wirken die hohen Mieten prohibitiv. Die Krankenkasse mußte sich daher zu einer umfangreichen Bautätigkeit entschließen, die noch nicht abgeschlossen ist. Das Geld für die Bauten wird durch eine besondere Steuer aufgebracht. Außerdem hat die Regierung an einigen Stellen Bauhilfe durch Subventionen geleistet. In Rechowoth, Herzliah, Tel-Jo&eph, Jarkona, Kfar Jechcskicl, Kfar Witkin, Kfar Hess, Kfar Mala!, Tel-Adascliim, Beer-Tuwiah wurden neue Ambulatorien gebaut. Außerdein wurden Neubauten an dem Krankenhaus im Emek, an dem Erholungsheim Arsah bei Mozah, an dem Ambulatorium in Haifa und einige in Tel-Awiw ausgeführt. Eine Reihe anderer Bauten, darunter einige großen Umfangs, wie das Krankenhaus für Judäa bei Petach-Tikwah, sind in Arbeit. Die Enge und das Gedränge in der Arbeit, über das sowohl Aerzte als auch Patienten viel geklagt haben, wird sich durch diese Neubauten verringern. Der äußere Rahmen, in dem sicli die Arbeit abspiclt und der keineswegs mehr den vergrößerten Ansprüchen entsprach, wird ausgeweitet und damit für Bequemlichkeit, Ordnung, raschere Abwicklung der Geschäfte gesorgt werden. Freilich sind wie bei fast allen Einrichtungen in Palästina heute die Pläne für morgen übermorgen schon wieder zu klein und bei sanitärer Versorgung, die schließlich die lebenswichtigsten Dinge berührt, ist ein Nachhinken hinter den Tatsachen immer eine folgenschwere Sache. Verhinderung und Heilung von Kranklleiten, gerade unter den Schichten, die schwere Lebensbedingungen haben und auf relativ billige ärztliche Versorgung angewiesen sind, ist eine Vorbedingung jeder gesunden Aufbauarbeit. Die Vergrößerung der Arbeit in der Kupat Cholim hat eine rasche Vermehrung der Aerzteschaft notwendig gemacht. In den letzten zweieinhalb Jahren hat die Kasse gegen 100 neue Aerzte eingestellt, darunter sind 65 aus Deutschland Eingewanderte. Die Leitung der Kupat Cholirn ist sich dessen bewußt, daß in verschiedener Beziehung der Zustrom aus Deutschland das medizinische Niveau gehobeti hat. Die Aerzte aus Deutschland leben sich auch — trotz der sehr verschiedenen Arbeitsbedingungen — recht gut in die neuen Verhältnisse ein. Insbesondere erklärt sich die Leitung der Kasse mit den neuen Aerzteu in den Siedlungen zufrieden; das Publikum findet sich gut mit seinen neuen Versorgern zurecht und auch diese seihst haben Interesse an der Arbeit und zeigen oft Befriedigung über das neue Wirklingsfeld, Größere Schwierigkeiten erfährt die Kasse mit den Aer/ten aus Deutschland in den Städten. Hier wirkt anscheinend der Konjunkturgeist gelegentlich störend; insbesondere bemerkt die Leitung, daß so mancher der neuen Aerzte die Anstellung als eine Art Korridor für die Privatpraxis bei rächtet, was ihren Intentionen widerspricht. (Diese Urteile sind wohl wie alle Pauschal!!rteile nur als (iesaintaulfnssnng zu bewerten; sowohl in der Stadt wie in den Siedlungen wird es eine Reihe Ausnahmen geben, wie ja überhaupt sehr vieles im Linleben und in der Arbeit von der Eigenart des Einzelnen abhängt.) Erfreulich ist es zu hören, daß die Aerzte aus Deutschland im allgemeinen gute Fortschritte im Hebräischen machen und sich fast durchweg stark um die Erlernung der Sprache bemühen. Die Leitung der Krankenkasse wendet sich heute gegen die im Ausland verbreitete Anschauung, daß wir in Palästina zu viel Aerzte hätten. Die Kasse hat auch heute noch, nach den! großen Zustrom der letzten Jahre, einen Bedarf an praktische 11 erfahr e 11 e n Aer/ten für die Sie d- 1 11 n g e n und besitzt auch in den Städten einzelne Stellen für bestimmte Spezialisten, die zu voller Arbeit bei der Kasse bereit sind. Der Kranke in der Kwuzah Unter diesem Titel veröffentlicht ein ,Mitglied des Kibbuz Ejtt Cltarod, A. Kellner, in der Monatsschrift ״Mibbifnim“ eine sehr realistisch gehaltene Schilderung der schweren Lage eines kranken Mitgliedes in einer Kwuzah. Der Einwanderer nach Palästina, insbesondere der Einwanderer aus Deutsch- Und, hat meist sehr unrichtige Vorstellungen über die palästineitsisclien Krankheiten. Er hat zwar einiges über Malaria und Typhus gehört, aber er ahnt meist nichts über den Grad ihrer Verbreitung, ja er hat oft leichtsinnige Vorstellungen über die Krankheit. Man nehme eben Chinin ein, erhalte von der Krankenkasse ein Moskitonetz lind schließlich, selbst wenn man das Fieber bekommt, sei es nicht so schlimm, man lebt ja unter Chawerim, halte eine gute Behandlung und erwerbe sich durch die erste ,Malaria das Bürgerrecht in Palästina. Aber die Wirklichkeit macht dieser Romantik bald ein Ende und die Erfahrungen, die der erkrankte Chaluz macht, gehören zu seinen schwersten Enttäuschungen. In den ersten Krankheitstagvii liegt er in seiner Baracke und um ihn herum lärmt an den Abenden rücksichtslos die Schar der Genossen, die nach der Arbeit singen, spielen und diskutieren. Er liegt vielleicht mit Dysenterie, und das Klosett ist 200 m vor! seiner Baracke entfernt, weil es entsprechend dem definitiven Aniageplan der Kwuzah, der noch nicht in allen Teilen verwirklicht ist, angelegt wurde. Der Sitz im Klosett ist als unhvgicnicch entfernt worden und nur mit .Mühe kann sich der Kranke anfreehthaiten. Dazu die Myriaden von Fliegen. Von einem Moskitonetz keine Rede. Die Pflegerin geht in einem Lager von einem Kranken zum andern. Einmal brachte sie ihm das Frühstück, aber vergaß die Arznei, jetzt sucht sie das Thermonrcter. Das Essen ist trocken, viel Brot und wenig Saft, die Strohmafratze druckt initl niemand ist da, der ihm währotid des Tages das Bett in Ordnung brächte. Art Regentagen, besonders wenn der Kranke in einem Zelt untergebradit ist, dringt der Regen ins Zelt ein. Der Arzt war da und hat Inhalationen verordnet und warmen Fee, alter wenn die Pflegerin das Essen bringt, ist der Tee kalt, die Suppe kalt ׳und geschmacklos und der Primus, nach dem er sich &o geselmt hatte, um inhalieren zu können, war nicht aufzulrciben. Die Arznei hat man noch nicht geltracht, denn es war keine leere Flasche zu finden. Die Pflegerin hat keine Zeit zu 1 arrgen Gesprächen, sie hat noch viele Kranke zu versorgen lind bald wird es dunkel werden. Audi die Pflegerin hat es schwer, durch den vorn Regen aufgeweichten Boden von Baracke zu Baracke zu gelten, besonders im Dunkeln, wo das Lager nicht beleuchtet ist. Die Arbeit fällt ihr schwer, denn sie ist selbst erholungsbedürftig und man hat ihr die Krankenpflege als sogenannte!eichte Arbeit zngeteilt. Der Arzt kommt nur zweimal in der Woche regelmäßig und sonst nur, wenn man ihn in dringenden Fällen ruft. Wie alter soll die Pflegerin entscheiden, ob eine solche Notwendigkeit \orlicgt? Soll sic wirklich einen müden Genossen nach der Arbeit noch zu Pferd zum Arzt schicken? In der letzten Zeit hat sich in den Kwuzoth vielfach der Brauch eingebürgert, Aerzte als Mitglieder der Kwuzah aufzunehmen. Aber auch da besteht wiederum die* große Schwierigkeit, daß die Patienten den Arzt, der ja nun ihr Genosse ist, rücksichtslos in Anspruch nehmen und ihm das!.eben in der Kwuzah so schwer machen, daß er es schließlich vorzieht, ein beamteter Arzt der Krankenkasse zu werden. Die Angliederung vor! Aerzteu als Milglieder der Kibbuzim könnte von großem Segen sein, aber sie erfordert vom Kranken und vom Arzte ein großes Maß von Takt. Hygiene in Palästina. Eine Broschüre über ״Kranklieiten und Hygiene in Palästina“ von den Aerzten Bccrmann, Chajes, Fischei, Friedmann, Heller, Kanowitz, Meyer und Schächter ist soeben als Heft 2 der ״Schriftenreihe der Hitachduth Oiej Germania“ in deutscher Sprache in Tel-Awiw erschienen. Sie ist durch jede Buchhandlung oder direkt von Bi bl km, Tei-Awiw (Palästina), P.O.B. 713, zu beziehen.

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