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Jüdische Rundschau · 1935-10-01 · Heft 79 (1.10.1935) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 79 (1.10.1935)
Date
1935-10-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 79, 1. X 1935 IN ALLER KURZE Bei dem Verein deutscher Ingenieure war bereite bisher in den Aufnahmebedingungen arische Abstammm 1g vorgeschriebe n. Nunmehr wurde bestimmt, daß künftig für die Mitgliedschaft beim VI)!. und den ihm angeschlwseneu Vereinen die rassischen Grundsätze der NSDAP. (Ariernachweis bis zum 1. Januar 1800) ohne jede Ausnahme Voraussetzung sein sollen. Das Reichsgericht hat lt. ״Frankf. Zig." vom 27. 9. in einer grundsätzlichen Entscheidung der Anfechtung einer Ehe stattgegeben, weil sich nicht feststellcn ließ, ob die unehelich geborene Ehefrau von einem arischen oder einem jüdischen Vater ahstamme. Die Möglichkeit, daß die Frau nichtarischer Abstammung sein könne, war dem Manne bei der Eheschließung unbekannt gewesen. Mit Genehmigung des Präsidenten der Reichstheaterkammer und des mit der Uelxrwacliung der kulturell tätigen Nichtarier beauftragten Geschäftsführers der Reichs kidturkämm er, Hans Hinkel, hat l >r. Hans Sikorski die gesamte alleinige Leitung von ״Vcrtricbsstelie und Verlag deutscher Bühnen schrittst eller und Bühnenkomponisten G. m. 0. H.“ übernommen. Der bisherige Mitinhaber und Direktor Oskar Nenitla ist aus dein genannten Bühnenverlagsunternehrnen a u s g e s c!1 i c d e n. Die zitständige Stelle des Reichsmlriisteriums für Volksatifkläriing und Propaganda legt Wert aut die Feststellung, daß sich damit dieses Unternehmen in einwandfreien arischen Händen befinde. Die in Nürnberg erscheinende ״Allgemeine Rundschau“ berichtet aus M;11 n b ernheim: ״Seit einigen Tagen steht am Ortsausgang nach Iphofen zu ein lebensgroßer Viehjude mit einer Peitsche zur Warnung für alle diejenigen Volksgenossen, die noch mit Juden handeln oder Freundschaft halten. Die unter der Figur angebrachten Tafeln lauten: ,Wie die Gestalt, so die Serie‘ und: ,Diese Rasse ist unser IJnglück. Darum ist Judenlrcundschaft Volksverrat.‘ DieFigur findet bei den Dnrchrei: emlen größten Anklang und wind taglieb Dutzende Male photographiert.“ Der Präsident der Warschauer Jüdischen Gemeinde gab in einer Sitzung ries (iemeiudevorstandes bekannt, daß die Einkünfte der (iemeinde infolge der jüngsten Entwicklungen aut ein Minimum gesunken .sind und die Finanzlage der Ciemeinde sich katastrophal verschlechtert hat. Die Gesellschaft der Freunde der Hebräischen Universität hat eine Aktion mit dem Ziel unternommen, die Errichtiing z.weier neuer Lehrkanzeln an der Universität zu ermögliehen. Fine der beiden Lehrkanzeln, die die Vereinigung stiften will, soll für die geplante landwirtschaftliche Fakult.ät, die andere für die pädagogische Abteiiung der Universität bestimmt sein. Der neue Lehrstuhl fiir Pädagogik soll den Namen Dr. Shmarya Levins» der ein führendes Mitglied der Gesellschaft der Universitätsfreunde war, tragen. An der englischen Schule in Lima (Peru) wurde die hebräische Sprache als Lhitemehtsgegeustand eingeführt. Aus diesem Anlaß fand eine Feier statt, an der die Vertreter der jüdischen Institutionen uml der Presse teilnahmen. Die Zahl der jüdischen Schüler dieser Schule beträgt etwa 50. Die bekannte, dem englischen Coionial Office nahestehende Wochenzeitschrift, ״Near East and India“ hat mit ihrer Nummer vom 26. September ihren Titel in ״Great Britain and the East“ geändert. Nach langem Bemühen ist es gelungen, ln San Franzisko ein jüdisches Lehrhaus mit Kursen für Erwachsene zu schaffen. Die Gegenstände umfassen 11. a. Palästinakünde, Neuhebräisch, Geschichte der Juden Deutschlands seit Mendelssohn. Das Lehrhaus ist im Gemeindehaus untergebracht, das bisher mehr den geselligen Charakter eines Klubhauses mit Einzelveranstaltungen hatte. Der Leiter ist Zionist. Der Rektor des italienischen Rabbinerseminars und ehemalige Oberrabbiner von Florenz, Prof. Umberto Cassuto, wurde von Papst Pius XL in längerer Audienz empfangen. Prof. Cassuto legte dem Papst sein soeben erschienenes Werk über die hebräischen Handschriften in der vatikanischen Bibliothek vor. In der ״Berner Briefmarkenzeitung“ ist ein Aufsatz von Paul P. Lindenberg über mittelalterliche Flugposten erschienen, der sich insbesondere mit den Brieftaubenposten in Aegypten, Palästina und Syrien beschäftigt. Die Tänzerin Else Dublon tritt als Mitglied des Trudi- Schoop-Baüetts eine Gastspielreise nach den Vereinigten Staaten an. Felix Lange rs Hörspiel ״Artisten“ ist von den Sendern Paris, Kopenhagen, Amsterdam und Brünn angenommen worden. Um die jüdischen Anwälte Die ״Juristische Wochenschrift“ veröffentlicht einen Auszug aus dem Jahresbericht der Reichsführung des Bundes Nationalsozialistischer deutscher Juristen zum Reichsparteitag 1935, der vom Stellvertreter des Reichsjuristenfiihrers, Reichsamtsleiter Dr. Walter R a e k e, erstattet worden ist. ln ihm heißt es: ״Im Zusammenhang mit der Tatsache, daß diese Maßnahmen den Zugang zur Anwaltschaft rinengeu werden,, muß mit besemderem Nachdruck betont werden, daß die gesetzgeberischen Maßnahmen des Jahres 1335 zur Beschränkung des jüdischen Elementes in der Amvaltschati dieses unerwünschte Element wohl teilweise zu riiekged rängt, aber noch keineswegs ausgcschalU't haben. Noch immer sind beispielsweise fast vierzig Prozent der Berliner Anwälte Juden. Die notgedningene weitere Mitl'ülirung dieses jüdischen Eiementes innerhalb des Berufes stellt eine schwere Belastung im Kampfe um die Erneuerung des Rechtsanwaltsberufes dar. Es ist daher auf das dringendste zu hoffen und zu wünschen, daß die völlige Entfernung der Juden aus der Anwaltschaft und damit aus der deutschen Rechtspflege nunmehr mit aller Konsequenz durchgeführt wird, sobald die staatzpolitUchen Notwendigkeiten dies irgendwie zulas.se». Demi .*lange die deutsche Anwaltschaft einen verhältimmäßig hohen Prozentsatz von Juden in ihren Reihen dulden muß, werden alle Bemühungen um die völlige Eingliederung des Anwaltsberufes in die rmtioiialsozialistLsche Volksgemeinschaft notge Lungen Stückwerk bleilien müssen.“ Chajes - Gymnasium ln neuem Gebäude Vom Wien« Btirgermelater beigMtoUt Mit Unterstützung des Staates und der Stadtgemeinde Wien wird das jüdische Chajes-Gymnasium eine bedeutende Ausgestaltung erfahren. Wie die ״Jüd. Rundschau“ schon vor einiger Zeit berichtete, hat das österreichische Ministerium für Kultus und Unterricht den Direktor des Chajes-Realgymnasiums, Prof. Dr. Victor Kellner, in den Status der Staatsbeamten übernommen und leistet auf diese Weise einen Beitrag zu dem Budget, dessen Aufbringung alljährlich zu den Hauptsorgen der Schulleitung gehört. Nimmehr hat der Bürgermeister der Stadt Wien durch Ueberlassung eines großen Schulgebäudes (,Wien XX, Staudinger Gasse 6) mit etwa 33 Lchrzimniern nebst Zeichensälen uhd Räumen für Sportbetrieb seinerseits den Ausbau des hebräischen Realgymnasiums ermöglicht. Dadurch kotmten anläßlich der Eröffnung des Schuljahres 1935/36 weit über 100 Neuanmeldungen für die erste Klasse allein entgegengenommen und der ganze Lehr- und Erzieliuiigsbctrieb aut eine den gegenwärtigen Verhältnissen entsprechende breitere Basis gestellt werden. Die Resultate, die die Schule insbesondere auch auf dem Gebiet des Hebräischen erreichen konnte, sind beträchtlich. Ein Mitarbeiter der ״J. R.“ hatte kürzlich Gelegenheit, die Schule in ihrem neuen Gebäude, dessen Inneneinrichtung noch im Gange ist, zu besuchen. Der Eindruck mustergültiger Ordnung und Disziplin, ein sofort erkennbares eifriges Interesse und Mitgehen bei Lehrern und Schülern, der lebendige Geist der Anstalt und die reiche Erfahrung ihres Schöpfers und Leiters Dr. Kellner, eines Mannes von wirklicher pädagogischer Leidenschaft, — dies alles ergibt das Bewußtsein, tn einer der wenigen positiven jüdischen Kulturstätten Mitteleuropas zu sein. Die neue Entwickluiigsmöglichkeit dieser Anstalt ist also eine sehr erfreuliche Tatsache. Todesfall ln Wien verschied dieser Tage der Publizist Paul □ old mann, langjähriger Berliner Korrespondent der ״Neuen Freien Presse“, kurz nach Erreichung des 70. Lebensjahres. Paul Goldmann war, nachdem er schon während der Dreyfus- Affäre in Paris eine bedeutende journalistische Rolle gespielt hat, um die Jahrhundertwende einer der beachtetsten initteleuropäischen Publizisten. Er zeichnete sich durch eine vielseitige Bildung und durch Kühnheit des Urteils aus. Er hat sich um sein Blatt große Verdienste erworben, wenn auch für den Rückschauenden besonders vom jüdischen Standpunkt seine Figur einer verschwundenen Epoche angehört. Wir veröffentlichten in Nr. 48 vom 14. 6. eine Notiz über das Buch von Ada Piukerfeld ״Die Geisha Lia Tank Sarah“. Es handelt sich hierbei nicht um eine Uebersetzung, sondern um eine Originalarbeit, die in dieser Form abgefaßt ist. A ״olle 11■ Tonn *1•׳׳•״•׳T•■• ■-riiiyt; ln Locarno 120; RM (ehe• Fahrt) El n g a a c h 10 s 1 a n14 .׳ volle Tage Hotel-Unterkunft, Verpflegung. Bedienung, Kurtaxe. Dauerkarten für 10 Berg- und Lokalbahnen, Dsmpfschlffsllnlan, Nachmittags-Tanz, Kaffee mit Kuchen. Auto-Berg-Hundfahrt. 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