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Jüdische Rundschau · 1935-09-27 · Heft 78 (27.9.1935) · page 10

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 78 (27.9.1935)
Date
1935-09-27
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seife 10 jüdische Rundschau Nr. 78, 27. IX. 1935 Der Zerfall der Gemeinden Eine Reise durch kleine Städte Vor mehr als Jahresfrist haben wir an dieser Stelle in einem Aufsatz ״bahrt in die Provinz“ versucht, einen kleinen Einblick in das l eben der Gemeinden auf dem Lande und in den Mittelstädten zu geben, und wir mußten damals hereits teststellen, «laß das jüdische Leben in den kleinen Gemeinden nur noch schwach pulsierte. . Nachdem in der Zwischenzeit die Juden in Deutschland eine Reihe einschneidender Veränderungen in ihrem Leben erfahren haben, reizte es, wieder einmal hinausznfahren und Umschau zu halten. \V״s hat sich verändert? Wie sieht es in den kleinen Gemeinden aus? Viel zu wenig sind die in den Großstädten ansässigen Juden gewohnt, ihren Blick den kleinen Gemeinden zuzuwenden. Aber gerade in den kleinen Stadien spürt man immer von neuem die eigentliche Schwierigkeit d e s J u d c s c i n s in dieser Zeit. Hier, wo einer den anderen seit Jahrzehnten kennt, wo Nachbarn heute keine Nachbarn mehr sind, wird es ganz deutlich, was es heißt, als Jude verstreut unter einer ablehnenden Welt zu leben. Der Abbruch einer Epoche trifft den Juden der K1 einst;ult ungeheuer schwer. t־lin/1! kommt noch, «laß ititolge der Abwanderung und der geringen Kinder/ahl bei den Juden kaum noch Jugend in den kleinen Städten au׳u!rctf1׳n ist. So ergibt sich eine eigentümliche Form des Zus a m in e 11 1 e b e 11 s in den Kleiiigenicimleii: die alteingescssencn Lamiiien pfleg eit ihre (i(Nelligkeit weiter wie früher, sie laden sich reihum zu kleinen Gesellschaften ein, neue Menschen kommen aber kaum hinzu und auch!reine neuen Ideen, so dal! die.-e ganze Form des Daseins den Charakter des Stehenbleibemlen und 11!!zeitgemäßen trägt. Cebt-rall, wohin wir kamen, herrschte eine äußerst gedruckte Stimmung. Mai! sacht keinen Ausweg, tiian hangt zu stark am Vergangenen und ist zu sehr mit dem <>!t, der 1 andscliaft und allen!, was damit zusammenhangt, verw urzelt. 1111111 er wieder kann man die Erfahrung machen, «laß es den Juden der Kleinstadt außerordentlich schwer wird, von ihren alten kebeiisidealen und ihren gewohnte1 1,־ )aseinsiormeti Abschied zu nehmen. Sie alle fühlen zwar, daß es gar keinen anderen Weg gibt und schicken auch in der überwiegenden Mehrzahl die jungen Menschen hinaus, inabe-omlere nach Pakotina - aber uhrig bleiben «loch eine ganze Anzahl älterer Menschen, denen fast alle Lebensinhalte entscliw linden sind und die noch keine Aequivalente zu sehen vermögen. Diese secli-ehe 1 ragik «ies Kleinstadtjudcn wird unterstrichen «huch den w! r t s c!1 a f t I i c 11 e n Z c r f a I I, der überall eingesetzt hat. Allenthalben bestellt bei den Kaufleutcn die Neigung, ihre• Geschäfte zu verkaufen und, soweit sie noch einigermaßen sich hierzu fällig fühlen, in einem anderen Lande eine neue wirtschaftliche Existenz aufzurichten. Ls ist selbstverständlich, daß diese wirtschaftliche Lage von auost hlaggebender Bedeutung für die Erhaltung der kleinen Gemeinden ist. Wenn in einer Großgemeinde einige Steuerzahler abgehen, so ist der Ausfall noch nicht so spürbar, daß die Existenz «fieser Gemeinde ernsthaft bcdroht wäre. In einer Kleingemeinde jedoch!längt alles von den wenigen wohlhabenden Leuten ab, die durch ihre Steuergeldcr einen Lehrer besolden, die sozialen Lasten tragen, kutz all das aufbniigen, was zu einem Gemcindelebcn gehört, nt den wenigsten Gemeinden sin«! heute noch mehr als zwei oder drei wohlhabende Juden anzutreffen, so daß die ganze Gemeinde mit stetem Bangen aut den einen o«ier die wenigen Reichen blickt, die noch <ia sind und jeden Augenblick abwandern können. Zuweilen ergeben sich aus diesem Verhältnis sehr peinliche Spannungen. Man kann den Fall erleben, daß ein wohlhabender Mann, der seine finanzielle Bctleniuitg keimt, kraft dieser seiner l'eberniaeht die ganze Gemeinde tyrannisiert, indem er .stets, wenn etwas geplant ist, was ihm nicht paßt, damit droht, keine Gemein«)«•- stniern mehr zu zahlen. Um der Erhaltung der Gemeinde- Institutionen willen ist die Majorität in den meisten Fallen gezwtm.;cn, sich dem Willen dieses I iii/cliien zu beugen. Dieser unerfreuliche Fall ist keineswegs konstruiert, sondern wir haben ihn vielfach in der Praxis angetroffen. In einer solchen schwieligen Situation ist cs verstandlieh, daß 111 den Kleingcn!cinden nur ein sehr bescheidenes jüdisches Leben besteht; es ist vielmehr bewundernswert» daß es überhaupt bestellt. Immer wieder gewinnt man den Eindruck, daß sielt jeder die größte Mühe gibt, die Abgeschlossenheit von der Umwelt durch ein intensivcrcs jüdisches Lehen auszugleichen. Aber der Mangel an Anregungen und die weit verbreitete llnkenntnLs in jtklisehen Dingen erschweren dieses Vorhalten natürlich ungemein. Dazu kommt, daß der persönliche Zusammenhang innerhalb der Gemeinden keineswegs immer so ist, wie er in dieser Zeit sein sollte. Noch immer bestehen alte Vorurteile und zum Teil auch Gesinnungsunterschiede in überlebten Formen. Gerade die wirtschaftlich besser Gestellten sind es, die sich auch heute noch vielfach ausschließen und keine innere Notwendigkeit zur Bildung einer Gemeinschaft verspüren. Wie sehr sie damit das Gemcindelcben schädigen, vermögen sic selten einzusehen. Wir hatten mit Menschen dieser Art mehrfach Aussprachen, bei denen sich ein erschreckender Mangel an Verständnis für die Aufgaben und den Sinn unserer Zeit herausstellte. Es wird noch einer gründlichen Erziehung bedürfen, bis es möglich sein wird, in dieser Beziehung einen Wandel zu schaffen. Allgemein wird in den kleinen Gemeinden anerkannt, «laß die Art ihres Lehens in vieler Beziehung 1m/urcichend geworden ist; aber es fehlt an der inneren Kraft, sich auch in dieser Be- Ziehung umzustcllen, ein neues Leben auch im Geistigen und Seelischen zu beginnen. Während aut der einen Seite,diese Fragen der geistigen Existenz die Kleingemeinden bedrücken, steht vor ihnen aut der anderen Seite das Gespenst der zunehmenden Verarmung. Spricht man mit den Vorstehern, Lehrern und sonstigen Menschen, die führend in der Gemeindearbeit stehen, so erhält man einen instruktiven Einblick in die Verarmung «ler Kleinstadtjudcn. Wenn auch in der Großstadt der gleiche Vorgang häufig ist und hier die Arbeitslosigkeit Lugano PARKHOTEL AM SEE lilUillllllllllillHIIIIIIIIIIIIilllllllllllllllillllllilill Da* kum*'•י»*” •״ d,r ״זז1 "•‘"י‘•• Prwp,koitmiai. Fam. Zähringer noch ausgedehnter ist als unter den Juden der Kleingemcin- «len, so fällt doch dort die Tatsache mehr auf. Das Elend verschwindet nicht wie in der Großstadt, und auch wenn es sich nicht aufdrängt, bleibt es noch immer sichtbar. Wenn auch von seifen der Landesverbände die notwendigsten finanziellen Beihilfen geleistet werden, so scheint es doch ziemlich evident, daß eine wirksame Hilfe, die das Lebet! der Kleingemeinden auf eine neue Basis stellt, nur sehr schwer zu leisten ist. Und wie ist die Haltung des Kl ein stadt jaden? Sie ist nicht mit einem Wort zu kennzeichnen. Die besondere psychologische Situation der Kleinstadt bringt cs mit sich, daß der Jude sich möglichst versteckt hält. Die Form, in der man vielfach sein Judentum zu verbergen sucht, erinnert lebhaft an assimilatorische Zeiten, da man möglichst danach trachtete, nicht als Jude erkannt zu werden. Dabei weiß ja die Umwelt ganz genau, wer ju«le ist und würde es ihm gerade heute nicht übclnchmcn, wenn er sich offen zum Judentum bekennt. י So gering das Selbstbewußtsein, so klein ist vielfach auch «1er G I a ti b e an die Z u k tt n f t. Vielleicht hängt diese Einstellung mit dem engeren Gesichtskreis zusammen, den der Mensch der kleinen Stadt notwendigerweise hat. Unter Zukunft versteht man viel zu sehr die Zukunft dort, wo man ist, aber zu wenig die Zukunft der jüdischen Gesamtheit. Alles aber kommt in dieser Zeit darauf an, «laß der Einzelne begreift, daß seine eigene Zukunft eng verbunden ist mit dem Oesaintschicksal des Judentums, daß er sich zu bescheiden versteht, anstatt ressentimenterfiUlt die Zeit anzuklagen. Wenn die Juden in den kleinen Orten, die tinbestritten ein sehr viel schwierigeres Dasein in dieser Zeit haben als die Juden in der Großstadt, sich zu solchen Frkenntnissen durchzuringen vermögen, dann wird in ihren Gemeinden das Leben wieder fruchtbarer und sinnvoller werden und dann kann auch von ihnen wie von allen jtklidischen Gemeinden eine Erneuerung des Judentums ausgehen. Dr. Gerhardt Neumann Zionismus in Dänemark Kopenhagen, 20. September Die Belebung der zionistischen Arbeit, die von Dänemark atisging, erfaßte im Laufe der letzten zwei Jahre alle drei skandinavischen Länder. So fanden die Bestrebungen, die zionistische Tätigkeit in Skandinavien unter einer einheitlichen Leitung zusammenzufassen, den sichtbaren Ausdruck in der Ende Juni 1035 in Göteborg stattgefundenen ״Konferenz der Zionistischen Organisationen Skandinaviens“. Diese Konferenz (mit der parallel eine Beratung der schwedischen zionistischen Ortsgruppen von Stockholm, Malmö, Göteborg und Hälsing• borg, sowie ein Kongreß der Jüdischen Jugcndvcrhände Skandinaviens stattfanden), beschloß tfie Bildung eines ״Zionisti sehen Ei nheits verband es Skandinavie n s“, der die Aufgabe haben soll, die gesamte zionistische Arbeit in Skandinavien zu leiten. Neben der intensiven Samineltätigkcit für die beiden Fonds der Bewegung — KKL und KU, — deren Ausbau von dem ״Einheitsverband“ neu, und soweit Dänemark in Frage kommt, bereits recht erfolgreich in Angriff genommen worden ist, wird die zionistische Pro• paganda im allgemeinen erweitert lind soll Kreise erfassen, die bis jetzt der Bewegung fernständen. Der ״Einheitsverband‘• wird die Dachorganisation aller Zionistischen Organisafionen Skandinaviens bilden. Seine Statuten sind in Uebereinstimiming mit den Bemühungen der Exekutive nach einer Stärkung und Festigung der Weltorganisation gehalten. Die Tendenz, die einzelnen Landesverbände mehr, als das bisher der Fall war, als repräsentative Einheiten der Weltorganisation zur Geltung zu bringen, soll, soweit wie möglich, in Skandinavien verwirklicht werden. Auf der Konferenz in Göteborg hat sich übrigens herausgestellt, daß der revisionistische Tinge! in Finnland nur unbedeutend ist; es wurde beschlossen, nach der Gründung des ״Einheitsverbandes“ sich auch an die Chawerim in Finnland zu wenden und ihnen anheimzustelleu, sich dem ״Einheitsverband“ anzuschließen. — A!1 der Spitze des ,,Einheitsverbandes“ der seine Tätigkeit offiziell am 1. Oktober des Jahres aufnehmen soll, werden ein Zentralausschuß und ein Zentralbüro stehen, deren Sitz in Kopenhagen sein wird. Kopenhagen kommt somit die Belebung der zionistischen Arbeit besonders zugute. So ist geplant, um das jüdische gesellschaftliche Lebert zu konzentrieren, in Kopenhagen einen ״Jüdischen Klub“ zu gründen, 1n dem das gesamte jüdische Vereins- und Cieseilschaftsieben vereint werden soll. Neben der organisatorischen und propagandistischen Tätigkeit hat die ״Dänische Zionistische Vereinigung“ auf einen engeren Ausbau der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Dänemark und Palästina besonders intensiv hingearbeitet. Dem Vorsitzenden der Zionistischen Vereinigung, B. Slor, der die Levante-Messe in Dänemark vertritt, ist es mit der Unter- Stützung der betreffenden Ministerien gelungen, die maßgebenden Handels- und Industrievertreter von ganz Dänemark am 5. September zu einem Jnformationsabend über Palästina im Industrieverband zu vereinigen. An dem Abend, der vom Vorsitzenden des dänischen Aussteilungskomitees geieitet wurde, und an dem außerdem Vertreter vom Außenministerium, Handels- und Landwirtschaftsministerium, sowie vom fndustrieverband teilnahmeu, hielt Herr Slor einen Vortrag über das neue Palästina. Es gilt nunmehr als sicher, daß Dänemark auf der nächsten Levante-Messe in Tel-Awiw durch eine eigene kollektive Ausstellung vertreten sein wird. Besonders wichtig ist, daß dabei auch die komplizierten und schwierigen devisenrechtlichen Fragen zur Erörterung kamen. 13er Sekretär des Industrieverbandes konnte hestätigen, daß er nach Rücksprache mit Herrn Slor in der Par lästina-Angclcgcnheit bei der Valuta-Zentrale vorgesprochen habe, wobei ihm eine Erleichterung der Devisenzuteilung in bezug auf die Einfuhr von palästinensischen Früchten in Aussicht gestellt wurde, soweit auch Palästina in der Lage sei, dänische Waren aufzunehmen. — Es ist somit zu hoffen, daß es gelingen wird, die handelspolitischen Beziehungen zwischen Dänemark und Palästina in der nächsten Zeit erheb• lieh zu erweitern. Die dänische Hachscharah befindet sich in weiterer Ent- Wicklung. Augenblicklich arbeiten in der dänischen Landwirt- Schaft etwa 200 Chaluzim, die eine recht gute landwirischaftliehe Ausbildung hier erhalten. Mit der nächsten Alijah sollen etwa 50 Chaluzim die Reise nach Ercz Israel antreten, worauf die freigewordenen Stellen wieder mit neuen Chaluzim besetzt werden. Die dänische Zionistische Vereinigung, die auf diesem Gebiete sielt einer überaus freundlichen Unterstützung der Jüdischen Gemeinde erfreut, hat die feste Absicht, die Anzahl der Chaluzim in der Hachscharah keinesweg; heruntergehen lassen. Dr. W. W. K.-K. SüerQat Aus dem Hebräischen von Dr. Max Mayer, Jerusalem 8. tortsetz ung Nachdruck verboten In der Tal arbeitete dort Almer mit zehn Burschen, die so magere Beine halten wie er, und die, in Eisenarbciten bewandert, alltäglich Tonnen von Eisen abluden und montierlen, in dem juniren und frischen Gefühl, daß sie ins Oedland etwas Neues bringen. Ms die zehn Burschen ■rieh eines Tages rote Tücher um den Hals banden, machten sie «•in Gesicht, als ob ihnen alles gleich wäre und sie auf alles pfeifen könnten: auf die Komieuhräune, die Oedlamb/elte. das Eisen, den Orient, den Okzident, die ganze Welt. Jen!and nannte sie den ..S|;1b“, und so lie ßen sie von nun an. Noch etwas winde bekannt : der Alte hatte Raschid zu sich rufen lassen und ihm aufgelragen, die ()«•<11jmdszelle der Reihe nach zu besuchen, um dort Männer zu wählen, die arbeiten wollen und zur Arbeit laugen, und sie ins Lager zu bringen. ״Er beabsichtigt, eine besondere Arbeitsgruppe aus den Söhnen des Oedlands zu rekrutieren“ — sagte inan im Lager. ..Ja. eine Oedlamlskompanie.“ 8. KAPITEL Der St reif Die An läge des Stromnetzes machte schnell«' i txdiritte. Der ״Stab“ lagerte in zwei Zelten, und diese Zelte wurden mit dem Eorlschroiten der Träger von Ort zu Ort. verlegt. Tag und Nacht gibt das Oedland seine Düfte her, die durchsichtige Atmosphäre und ihr Glanz durch«!ringen die Kleider, das Herz und die Seele der Burschen des ״Stabs“. ״Gehl euch die Ehre und kommt! Segnet das Zelt und neluiit Platz, in der Runde!“ ״Friede sei über Herde und Vieh, filier Pferd und Zelt,, über Frau und Kind und über dem Haupt der Herren des Z<׳ltes.“ Die jungen Burschen dos Zeltes rollen mit ihren lustigen, sprühenden Augen und drehen sich auf (len Fersen: o — ho! «> — 1)0! ״Lu — lu — lu — dem Mutigen, der seine Kugeln am besten zu verschießen verstell(.“ ״Lu ■— lu — lu — dem Reilersrnann, dessen Stute alles zu überrennen vermag.“ .1.11 ■— ln — 111!“ — streut die Runde «ler tätowierten Frauen lob und Preis dem trefflichsten Schützen, dem kunstvollsten Reiter, der mit seiner Stute eins zu werden versteht. .. . Braten und Reis wurde gereicht und ein Stoß weißer Fladcnhrotc. ,,Kommt und eßt und stärkt euer Herz! Nagt den Knochen mit euren weiften Zähnen, reißt mit euren weiften Fingern vom Schaf fleisch ab, schaufelt mit, den! gerollten Fladeribrot «len Reis, eßt euch satt und segnet das Zelt! Ehret das Zelt, denn ihr seid ja in den Schalten seines Behangs gekommen.“ Almer und die Burschen «les ״Stahs“ sitzen in der Runde auf «lern von Pferde- und Eselsfülten fcslgctrefcnen Boden des Zelts. Das Fest einer Verlobung entrollt sich vor ihren Augen mit Rufer!, Reilcrkmiststücken und Freudenschüssen, Die Tafelrunde der Männer des Oedlands ist märchenumwoben, ihre Erzählungen vom Oedland strotzen von Ucbertrcibungf'n, und das Schlürfen des schwarzen, dicken Kaffees ist angenehm und behaglich. Vorsichtig, listig und wohlüberlegt läßt der Solln des Oedlands seinen Gedanken mit. einfließen: ״In unseren Zelten erzählt man, daß durch die Träger Feuer zieht Jeder, der sie berührt, stirbt.“ Ahneterklärt der Tafelrunde, daß Licht und Kraft in den Trägern sei, «lie aus dem Innern der Erde Bäche von Wasser hervorzaiibern. Die Bunde hüllt sich in Tabakqualm, hört zu und antwortet mit naivem Hochmut, daß diese Well von ״draußen“, die schon viele Jahre an die Tore des Oedlands klopft, das Werk des Teufels sei.- Mit dem Forlschreilen der Träger gelangte der ״Stab“ ins Gebiet, des Gates von Naif, «lein Gewaltigen des Oedl.-inds, dessen großer Hof in der Ferne auf einem Hügel sichtbar war — eine kompakte Lehmniauer zwischen zwei ästerekhen Sykomoren. Die Miene der Vorfibergehenden war nicht wie früher, und als sie sich mit den zwei Zelten dem Dorf näherten, wurde ihnen bekannt, daß dort grölte Erregung herrsche. Die!,«•1)11• des Dorfes grüßen die ]!urschen nicht, und die Jungen «les Dorfes geben vorüber, verweilen ein wenig nebeti dem Graben, an dem in seinen Teilen auf «lein Boden liingestrecklen Eisenskelett, mit dreisten! Auge und schief gerückter Mütze. ..Naif will «len Bfxlen des Dorfs den Fremden verkaufeil‘—so wird dem ,.Stab“ gesagt—..einem von «len euren.“ Dann geschah es. Chassan, der Besitzer des Feldstückes, an «las die Burschen gelangt, waren, um den Träger aufzustellen, kam morgens vom Dorf herab und Dorfjugend mit ihm. Wutschnaubend und mit Schrecken einflößenden Augen schrie er: ״Ich erlaube, nicht, daß der Träger auf meinem Feldstück aufgestellt wird. Mir werden alle diese verfluchten Träger abhacken!״ Die Jim gen «les Dorfes standen, braunhäutig, kampfbereit. Abner argumentierte und erklärte, dal'» das Betrug sei, daß Chassan den Gegenwert «les Bodens, den der Träger bcansprui'ht, in bar erhallen und eigenhändig das Papier unterzeichnet habe. Auch «lie Dorfältesten bonübten sieb zu erklären, «laß es sieh um ein Work der Regierung handle, wie bei «ler Eisenbahn. Aber Chassan ließ sich nicht belehren. Die Burschen des ״Stabs“ berieten miteinander und beschlossen, «laß Abner ins Lager fahren und sich M'cisunpen für sein Verhallen luden solle, und sin selbst sammelten die Werkzeuge ein und kehrten ir! die Zelle zurück. Abner fuhr mit einem Automobil ins Lager. Als er am Abend ins Lager kam und in «len von Mensehen lärmenden Eßsaal eintrat, hatte er das Gefühl, als ob die Finsternis der Einöde ihn an einen lichlüberflutcten Ort geschleudert und das Schweigen des Oedlands ihn plötzlich in lärmende Geschäftigkeit gehüllt habe. Einen Augenblick blieb er wie gebannt stellen, geblendet von der Fülle des Lichtes und taub von dem Getöse. Als er sich zum Essen an den Tisch 1

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