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Jüdische Rundschau · 1935-09-27 · Heft 78 (27.9.1935) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 78 (27.9.1935)
Date
1935-09-27
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr 78 27 IX 1935 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seife 3 Aus der Haftarah für den 2. Tag Rösch Hasdianah Wieder will loh dich erbauen, dafe du auierbaul bist, Jungfrau Jissrael, wieder schmfleksl du mit Handpauken dich und läbrsl aus in der Spielenden Reigen, wieder pflanzest Weingärten du auf den Bergen Samarias. Pflanzer pflanzen und ddrfens audi schon Ja, es west ein Tag, [geniefeen da rufen Wächter im Gebirg Efralims: Macht euch auf. steigen wir nach Zion hinan, zu IHM unserm Gottl Ja, so spricht ER; Jubelt Freude Jaekob zu, Jauchzt den Weltstämmen zuhäupten, lasseis hören, preiset, sprecht: Nun befreie, DU, dein Volk, den Ueberrest Jlssraelsl Wohlan, aus dem Nordland laft ich sie kommen, hol zuhauf sie von den Lenden der Erde, unter ihnen Blinde und Lahme, Schwangre und Gebärende zumal,— eine grobe Versammlung, kehren hierher Mit Weinen werden sic kommen, (sie zurück, mit Gnadenrufen leite ich sie, gängle sie zu Wasserbuchen, au( ebenem daraui sie nich! straucheln. [Weg. Denn zum Valer bin ich Jissrael worden, mein Erstling ist Efra|im. Jirmejahu 31, 4-9 Verdeutscht von Martin Bubet ......ihm,.... Ueber die Trägheit des Herzens Von J o a c h i m P r i 11 z Ich hin gebeten worden, diese Predigt, welche ich int März dieses Jahres gehalten habe, zu Papier zu bringen. Ich lue das am Rasch-llaschanah-Feste, weil die hier ausgesprochenen Gedanken gut zu diesem Feste passen. — J. P. I. Vor vielen Jahren erschien in einer Stadt ein junger Mensch von sehr seltsamem Aussehen und höchst merkvvürdigem Benehmen. Er hielt einen Zettel in der Hand, welcher ihn an eine bestimmte Person der Stadt wies. Dieser gab den seltsamen, des Sprechens, Schreibens und jeder anderen Bildungsregung unkundigen jungen Mann zu einer Familie. Es stellte sich heraus, daß das Leben dieses jungen Mannes von dem aller übrigen Menschen völlig verschieden war. Er kannte weder Vater noch Mutter. Er, wußte nicht, woher er kam. Alle Erinnerung an irgendein Einst oder Ehedem war ihm fremd und einfach abhanden gekommen oder nie da gewesen. Der rührenden Pflege der Menschen, denen er anvertraut war, gelang es, ihm Sprechen und Lesen und manche anderen erlernbaren Künste beizubringen. Der Junge erwies sich als intelligent und verständig. Aber es blieb eine Wand, die ihn zu den Menschen nicht kommen ließ und die sich zwischen jeden schob, der sich ihm näherte. Es floß um ihn herum ein Strom aus Eis, an welchem sich jeder bis zur Starre verkühlte. Der junge Mann wurde wenige Jahre nach seiner Auffindung von Unbekannten ermordet, Sein Leben ist ein Rätsel geblieben. Sein Name wurde von der Forschung mit Beschlag belegt, und es gibt bis zum heutigen Tage Forscher, die in allen Archiven seine Herkunft enträtseln wollen. Der Name des Jungen war: Kaspar Hauser. Ein Dichter, der sich des Stoffes bemächtigte, war mit Recht an der Forschung um das Woher und Von wem weniger interessiert. Er ging an den menschlichen Tatbestand heran und schrieb ein Buch mit dem Untertitel: Kaspar Hauser oder die Trägheit des Herzen s. II. Ke Entwicklung der europäischen Menschheit, zu der wir ,Juden seit zwei Jahrtausenden auch gehören, hat seltsame Zuckungen durchgemacht. Diejenige, die seit der großen Sozialrevolution in Frankreich den europäischen Körper aufpeitschte, gehört vielleicht zu den interessantesten. Man sucht jetzt nach Formeln für diese Zeit, von der viele giauben, daß sie schon jetzt als Epoche, das heißt abgeschlossen, daliegt. Unter diesen Formeln wird die eine sich wohl als richtig erweisen: die europäische Menschheit machte den Versuch, nach den Epochen stärkster Bindungen auf allen Gebieten, die Lösung auf allen Gebieten und von allen Bindungen zu proklamieren. An die Stelle eines Bewußtseins, das sich immer wieder nur als Schlußpunkt einer Entwicklung auffaßte und deshalb der Kleinheit der Gegenwart und der Größe des ״Verdienstes der Väter“ bewußt war, setzte sie die Gegenwart schlechthin, und dort, wo sie eine Entwicklung feststellte, nämlich etwa in der Theorie des Da rwin und seiner Schüler, geschah diese Aufzählung der Kette vor uns zum Beweise der Gegenwart als der Krone der Schöpfung und des Fortschritts, kurz, jener Einsicht, die im ״Faust“ dem philiströsen Wagner in den Mund gelegt wird, ״und wie wirs dann zuletzt so herrlich weit gebracht“. So entstand jenes Bewußtsein, das ein großer Denkschreiber, Musil, einmal als das eines Radrennfahrers beschrieben hat, der immer wieder nur das eigene Rad und das seines Vordermannes rieht, und vergißt, daß ringsum eine weite Arena voll mit andern Menschen ist, und um die Arena Menschen, Häuser, Straßen, Leben und dahinter Wiesen und Wälder. Um dieses Bewußtsein in unsere Geschichte hincinzudenken, können wir sagen, daß die Menschen jener Zeit echte Kaspar Hausers geworden waren, die nicht ahnen wollten, von wannen sic kamen, denen das alles eine sehr gleichgültige Frage war und die also nicht jenes Senkblei tief in rieh hinein senkten, das bis an den Urgrund reicht und so- Zusagen die eigene Geschichte in einem Menschen aufbohrt, wie man in die Erde hineinbohrt, tief, bis das Wasser sprudelt Diese Kaspar-Hauser-Menschen nun wandten sich den gegenwärtigen Dingen zu, leugneten strikt die Bindung an das Einst und Ehedem, verdrängten die eigene, innere Geschichte in die bloße Erforschung der Geschichte und lebten, wie Kaspar Hauser lebte, in der Erlernung der erlernbaren Dinge, der Technik und der Wissenschaft, der Verfeinerung in Mechanik und Wirtschaft und in jener robusten Gesundheit, in der es sich wohl leben läßt und die man Trägheit des Herzens nennt. Diese Trägheit des Herzens — das entscheidende Merkmal einer Zeit, die im Vollbewußtsein und der Geschwelltlieit der eigenen Werte und der Verachtung der ״Primitivität“ der ״grauen Vorzeit“ lebt, also in einem Hochmut ohnegleichen — verhindert die echten Werte und drängt sie in drei große Aufstände des Jahrhunderts hinein: Den Aufstand der Vernuntt, den Aufstand der Massen und den Aufstand des Lebens. Diese drei Aufstände bestimmen das revolutionäre Antlitz des Jahrhunderts. Der Aufstand der Vernunft beginnt mit der Inthronisierung der Göttin Vernunft und der Entthronung Gottes und endet bei dem rechnenden Verstände der Fabrikherren. Der Aufstand der Massen beginnt mit einer sozialkritischen Theorie und endet mit dem Sieg der Straße und der Auslöschung des Individuums. Der Aufstand des Lebens beginnt mit der Biologie und endet nicht mit dem Hohelied des Lebens, sondern mit der Verherrlichung der Kraft. Aus ihnen allen aber strömt, gerade weil sie so hitzig und manchmal temperamentvoll tun, die eisige Luft des erstarrten Herzens. Die Menschen werden Gehirne, Massen oder Körper. Sie gehören so in die Anatomie oder in die Mechanik. Ihre innere Bewegtheit wird durch die Bewegung und ihren Rausch ersetzt, jene beiden Dinge, die ihre direkte Quelle in der Trägheit des Herzens haben. Denn dort, wo die ״Gesamtverantwortung“ steht, kann oft die eigene abgelöst werden, und wo das Herz der Gruppe schlägt, kann sich das eigene ausruhen. Es ist nämlich nicht nur die Flucht aus der Bindung in die Gelöstheit, wie man das häufig gesagt hat, sondern mehr und mehr die Flucht aus dem Namen in die Ano- ■ INJiOaIIIM «r Treppen. Lflden, blli VItSlilYl Zimmer und Küchen n y m i t ä t, aus dem Ich in die Unnennbarkeif, wo Name Schall und Rauch ist. Aber Name ist nicht Schall und Rauch. Im Menschlichen ist der einzelne Name alles. 111. Die Zuckungen der europäischen Seele lösen sieh heute schon von ihrem Untergrund und werden als solche erkannt. Ueberall spürt man, daß inan als Kaspar Hauser nicht leben kann, ohne zu wissen woher und von wem man stammt, und man beginnt jetzt allenthalben die Brunnen der Väter, die man verschüttet hatte, aufzugrahen. Und nun beginnt die europäische Tragödie. Die Aufgabe ist nicht die Erforschung der Ahnen und das Graben der Brunnen. Das alles könnte nur ein Mittel zu in großen, heiligen Zweck sein. Die Fragödie beginnt dort, wo eine richtige Erkenntnis zu falschen Schlüssen führt, wo zum Aufstand der Massen und des Lebens der Aufstand der Almen gesetzt wird, wo aber damit nur eine neue Anonymität, nämlicli die der Gruppe gesetzt wird. Flucht aus einer Kette von Anonymitäten in eine neue hinein. Die Volksseele, die da aufgedeckt wird und das Bewußtsein dieser Zusammenhänge deckt noch lange nicht jene urmenschliclien Kräfte auf, die die menschliche, ich meine die nackte, menschliche Verantwortung zeigt, und weniger noch die Vereintwortung, als das Herz, das menschliche, warme, zuckende, mitfühlende Herz. Die Rettung aus der Trägheit des Herzens. Und das, was man die Liebe nennt, die Liebe aller echten Testamente, der alten und der neuen, die Liebe, die die alten Kulturvölker predigen, die Chinesin, die Inder und die Juden, die Liebe des Heizens, die Glut des Herzens, nicht den Klugheiten, sondern den Dingen und den Menschen gegenüber. Das ist eine große Tragödie! Idoshalb werden doch die Besten unter uns von der Lust ergriffen, zu fliehen, in Niemandsland, dorthin, wo cs schön ist, nicht ungebunden, sondern in der Gebundenheit einfach und menschlich, auf die Inseln, nach Ischia und Bali, weil man noch träumt, es gäbe so •etwas. Aber diese Flucht wäre ungeheuerlich und falsch, denn man flöhe immer wieder nur vor sich selbst. Und dann zu sich selbst. Es gibt nur eines: keine falsche Romantik. Aber die echte, die Ramantik des menschlichen Herzens. Sich diesen echten, urtiimliehen Kräften konfrontieren. Ihnen ins Auge blicken. In der Flucht vor Kaspar Hauser, dein Menschen aus Niemandsland und Niemaiidsmensch, ein Mensch des Menschcnlands zu werden und die Flucht vor Kaspar Hauser nicht umzulügen, sondern sie zur Eroberung des Herzens, zur Wied ereiltdcckung des Herzens zu machen. Daß man hinausfährt, um den Nord- und Südpol zu erforschen, daß man das Innere Afrikas und Asiens erobert, daß man die höchsten Gipfel besteigt und die größten Rekorde der Zeit zusainmeurafft, das enthebt einen noch lange nicht jener großen und einzigen Entdeckungsfahrt, die die Fahrt in das unbekannteste Land ist, das es gibt: die Entdeckung des menschlichen Herzens, von der Jean Giono im ״Träumer“ spricht. Die Juden befinden sich bei alledem in einer merkwürdigen Situation. Von den drei Aufständen des Jalirtiunderts haben sie nur einen wirklich erlebt, wenigstens in Westeuropa. Den Aufstand der Massen haben sic nur mit dem Gehirn erlebt; denn die Massen fehlen ihnen. Von dein Aufstand des Körpers haben sie nur im Essay etwas erlebt; denn diesen Aufstand der Körper in Wirklichkeit zu erleben, daran hinderte sie der Verstand. Wirklich erlebt haben sie nur den Aufstand der Vernunft. Und an ihm, nur an ihm haben sie ihr Kaspar-Hauser-Problcm erlebt. Aber wie haben sie das getan? Afit allen Finessen und allen Ausgeklügeltheiten haben sie ihn gelebt, ihren Kaspar Hauser, dm J11 - den aus Niemandsland, den Juden, der die Brunnen nicht m e 11 r kennt, den Jude 11 d e r nebelhaften Fern«. Deshalb, da sie klassische Kaspar Hausers wurden, klassischer als alle anderen Menschen, unternahmen sie die Flucht in den Verstand, in den Schreibtisch, in die Akten und in die Bibliothek. Das ist die tödlichste Flucht, die denkbar ist. Denn diese Flucht lebt neben der Wirklichkeit, immer dicht neben der Wirklichkeit. Es ist noch im Fliehen ein spekulatives Unternehmen! So kommt es die Juden sehr schwer an, die Entlarvung selber vornehmen zu müssen. Als die Juden noch Juden waren, haben sie noch mit Lust an Purim Masken getragen und ihre ״Rauhuacht“ gefeiert und sind in die Gewänder der Könige und der Pagen hincingckrochen, denn das ganze Lehen waren sie demaskiert. Die europäischen Tragödien haben uns nie verschont. Sie werden es auch jetzt nicht tun. Wir erleben schon jetzt, daß viele — in dem Prozeß der sogenannten ״Rückkehr zum Judentum“ — die Brunnen der Vater ausgraben, aber ach, sie graben neben sich, statt in sich. Hat man nämlich in sich, in seinen eigenen Adern, den Strom der Väter erkannt, dann kann dieser Strom vor unserem Herzen nicht Halt machen, und das Resultat müßte ein neues Herz sein, einfach ei« neues Herz. Das ist cs, was uns nottut. Die Zeit hat uns in den eigenen Brunnen geworfen. Es ist in Wahrheit ein großes, weites Bassin, ein Bassin für Mensehen, welche lernen sollen, in ihm zu schwimmen. Wir sind iu der Gefahr, auf der Stelle zu treten. Wir haben uns noch nicht entdeckt. Alles ist uns noch fremd. Wir sind noch Kaspar Hausers. Wir haben noch die Trägheit des Herzens in uns selbst. Sie zeigt sich überall. Wir sind eine zähe, dickflüssige, unbewegte Masse. Wir leben im Getriebe. Die Liebe, die Größe des Herzens ist noch nicht aufgebrochen. Dabei werdet Ihr sie brauchen, bitter notig wie Brot. Denn wir sind innerlich am Ersticken. Ohne Liebe gibt cs kein Leben und keine Freude. Es gibt aber heute keine andere Predigt als die der Liebe und der Fmule. Die ״tausend Eiigelszungen“, von denen das Neue Testament redet, haben wir. Was es weiter fordert, ist eine Forderung der einzigen Weisheit, die mail heute verantwortlich sagen kann, die Forderung der Liebe. Es ist an der Zeit, diese Predigt allen Menschen zu predigen, damit Kaspar liauser mit dein erstarrten Herzen nicht als Harlekin durch die Welt tan/1. Ts wäre der Totentanz des morsch gewordenen Lebens. Vor uns liegt ehe Welt. Wer einmal in Italien eine Nacht erlebt hat, diese dunklen Nächte, aus denen die Umri-si1 der Zvprcesen lierauswachsen und durch die die (iluhwnmu licn fliegen - weilt, daß uns die Rückkehr in das lebendige beben frommt. Wir müssen die Juden fröhlich maelicn. Wir n!!1s-;en den Jtidcn!.eben gelten. Wir müssen sie aus dem Staub heben. Sie müssen — in der Entdeckung ihres eigenen Seins und in Wasser, das ihnen aus den Brunnen der Väter entgeornsprudelt -- ihre eigenen menschlichen Keifte und Schönheiten entdecken. Der Brunnen der Väter fließt wic.ba־. Wir wi-sen, woher wir stammen. Beugt Luch über de« Brunnen, tief, »laß ihr das Wasser berührt, das tiefe, kühle Wa-ser. Werft den ,Menschen des einstigen Lebens hinein, .- Brunnen sind deshalb tief, weil man in ihnen alles alte versenken kann. Ptul seht lauer menschliches Jiidcnantlit/ im Spiegel des Wassers. In einer Novelle, die in den MaiclunnvaUlcrn Asiens spielt, erzählt der Dichter: Au dem Ufer ries Meeres, dort, wo die Felseustücke bis in das .Herr liiiieiiiragcn, sitzen Kornioranc, die großen Begleiter des Meeres, jeden Augenblick, wenn die Brandung sich gegen das Ufer wirft, spült sie die starken Tiere mit, reißt sie tief ins Meer hinunter, und es dauert eine Zeit, bis sie wieder auf den E'elsstückcii sitzen. Und der Dichter überlegt: seit Meiischengedenken sitzen sie da. Warum fliegen sie nicht weiter in das Land hinein, auf die sicheren Felsen, die das Ufer selber bilden? Und ich denke: Seit Jahrtausenden sitzen wir so am Ufer des Völkerlebens, um spült, umbrandet und oft in die Tiefe gerissen. Warum? Weil das Meer, das Symbol des ewigen Lebens, das salzige, starke, gute, tückische Meer unser Leben und unser Schicksal ist. Nur diejenigen werden heruntergcspiilt, die nicht wissen, warum es um sie brandet. Und diejenigen bleiben stark — auch in der Brandung —, die ein starkes und schönes Herz haben. Deshalb betet wohl der Psalmist: ״Lin neues Herz erschaff in mir, o Gott, und einen neuen, festen Geist erweck in meinem Innern.“ Und Goethe, der auch ein großer Psalin ist war, nennt es das ״heilig glühend Herz“. Das heilig glühend Iler/, -.- das, Herr, erschaff in unserm Innern. Rabb. Dr. Dienemann 60 Jahre Am ערב ר״ה begeht Rabbiner Dr. Dienemann, Offenbach a. M., seinen 60. Geburtstag. Die Festschrift, die seine Gemeinde ihm zu Ehren herau.-gibt, enthalt auch eine l'ebersiclit über seine lii er arische Wirksamkeit. Sie i-st tim« fassend. Es gibt kaum einen theologischen Gegenstand! an dessen Klärung er sich nicht mit einem gewichtigen Bei« trag beteiligt hätte. Die religio11sphilo>ophischc (irundleguiig jüdischer Probleme, die Auseinandersetzung mit dem Christen« tum, seinem Anspruch mul seinem Ideengehalt nehmen darin einen großen Raum ein. I);111 eben hat er viele Abhandlungen und Aufsätze zum (icnef, zum Midrasch, zur (ieschiclite, Gesellschaft und zu halachischcu Fragen gesell rieben. Aus seiner früheren redaktionellen Tätigkeit sei besonders die Redaktion des ״Morgen“ licrvorgeliohen. I lalaeliisches Wissen, K 1 a r 11 e i t des (i e d a 11 k e n s und des Ausdrucks, ein tiefes echtes Gefühl sind bei ihm vereint. Ein Teil seiner Aeuße« rungen ging aus seiner rabbinisclien Tätigkeit unmittelbar hervor — er nimmt seit vielen Jahren i!״ Rabbincrverba11<f eine hervorragende Stellung ein — und sie verraten den Zug zum lebendigen!.eben, zu einer geläuterten Aktualität. Es kommt ihm nicht nur auf Beschreibung und Erkennen an, sondern ebensogut und noch mehr auf Stellungnahme und Entscheidung. Er hat einen Blick für das Not* wendige und für die einigenden Forderungen des gesamtjüdischen Lebens. After er wünscht nicht den Frieden auf Kosten der Gesinnung, und so entsteht zuweilen das Bild eines streitbaren Mannes. Aber auch dem Streitenden gehört die Achtung der Gegner, wenigstens der Gegner, von denen es sich zu sprechen lohnt. Einer der beachtlichsten Worttührer des Liberalismus — ist er dennoch nicht in dem landläufigen Liberalismus unterzubriugen. Dem ״dog« matischcn“ Liberalismus, den cs gab und gibt, ist er nie verfallen. Dem politischen Zionismus steht Dienemann fern —׳ seinen Standpunkt hat er zuletzt in seiner Schrift über Galuth’ dargelegt — er unterscheidet sich aber von Liberalen andc« rer Prägung dadurch, daß er mit seinem Judentum auch kein anderes politisches Engagement cingeht und den Primat der Religiösen gegen alle pseudothcologischen Unaufrichtigkeifen verteidigt. Der Au fbauarbeit in Palästina ist er seit langem verbunden. Sein Weg ist noch nicht abge« schlossen. Er ist ein Lehrer, der nicht auf hört zu lernen. Er ׳st jung geblieben, und heimlich halt er es mit der Jugend, Wir wünschen ihm, einem Manne des Vertrauens, GliicM und einen ungetrübten, noch langen Weg. —d. Anschläge kostenlos la ftefer. / Qegr. 1SSC Großes Lager In Coccs-, B0UCI6u. VelouriBufern Fritz Stoehr Memhardstr. Ifl frühere MQnzatr. 11 ElBsroi!na1288-C1 3

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