Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 77 (24.9.1935)
- Date
- 1935-09-24
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 77, 24. IX. 1935 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 11 Wie gestalte ich den Schabbat? Für Schabbai, 28. September ״Rosch Haichanah“ I. Der Scholar ist das charakteristische Symbol für “Rösch Haschanah. Er wird jedoch erst am zweiten Tag geblasen, ebenso wie wegen des Schabbat der ״Taschlich“- Brauch erst am Sonntag ausgeübt wird. Wir sprechen an diesem Schabbat über den Sinn dieser beiden symbolischen Handlungen, insbesondere über den Zusammenhang zwischen Schofar und Akeda (die Opferung Isaaks), die am Rosch Haschanah verlesen wird. Es findet sich wohl auch in der kleinsten Gemeinde genügend Literatur über diese Frage. Den Jüngeren erzählen wir die Geschichte von Rabbi Ämnon, dem Verfasser des bekannten ״Unssane Tokef“, 'eines wichtigen Abschnittes aus der Kosch-Haschanah-Liturgie. Sie ist in vielen Machsorim abgedruckt. Vollständig enthalten ist sie im ״Bibel- und Talmudschatz“. Nach dem Erzählen dieser Geschichte übersetze man gemeinsam das Stück Unssatie Tokef, wobei man den Charakter des Rosch- Haschanah als Tag des Gerichts herausarbeite und in diesem Zusammenhang auch den Brauch erkläre, warum man am Rosch Haschanah den weißen Kittel anzieht. III. Die Mischna-Traktat am Rosch Haschanah enthält sehr viele interessante Mischnot, die zusammen gelernt werden sollten. Wir verweisen insbesondere im Abschnitt 1 aut die Mischna 1 und 2, aus dem Abschnitt 2, die Mischna 9, aus dem Abschnitt 3, die Mischna 8 und aus dem Abschnitt 4 die erste Mischna. Diese letzte Mischna be- “handelt den Fall, wenn Rosch Haschanah auf Schabbat fällt. Das Mischna-Hcbräisch ist sehr leicht lind es ergibt sich hierbei die Gelegenheit, die eigenartige Syntax der Mischna zu besprechen, die sehr selten Kopula verwendet, sondern knappe Sätze ohne jede andere Verbindung als die inhaltliche nebciieinaiidersetzt. Atn 1. Tag Roscli Haschanah werden als Hafiarah aus dem Buche Schmuei die ersten beiden Kapitel gelesen, deren Inhalt mit unserem Wochenabschnitt dadurch zusammenliängt, daß nach einer jüdischen Ueberliefcrung sowohl für Sara als Cliana am Rosch Haschanah bestimmt wurde, daß sic Mütter werden sollten. Die Haftarah des 2. Tages ist besonders schön. Sie ist entnommen aus Jirmejahu, Kap. 31, Vers 2—20. I. E. Vom Feste des Rosch Haschanah Wir wollen uns am kommenden Schabbat, dem ersten Rosch Hasehanah-Tage, über das Wesen und den Ursprung dieses Festes unterhalten. Fragen wir uns nach der Herkunft derartiger Feste, so müssen wir vorausschicken, daß urspring;lieh nur solche Feste vom Volke gefeiert wurden, die ausschließlich einen natur haften Charakter hatten. Ein Ackerbau treibendes Volk richtet gewöhnlich seine Feste nach dem Stande der Ernte auf Flur und Feld. Ihren höheren Sinn, ihre tiefere innere Weiiie bekommen erst die Feste zu einer Zeit, in der man nachdenklich wird, in einer Zeit, in der man sich Rechenschaft über die Bedeutung des Lebens, über Werden und Vergehen usw. zu geben beginnt. Ernste Feste, die zur Sammlung und Besinnung malmen, sind ein Produkt höherer Geistigkeit und eines itn gewissen Sinne rationalen Denkens. Daher wissen die alten biblischen Geschichtsbücher auch nichts von derartigen Festen, und es läßt sich wohl annehmen, daß diese erst in einem späteren und bereits reiferen Zeitalter und auf einer höheren Kulturstufe ihren heutigen ausgeprägten Charakter bekommen haben. Der Festtag Rosch Haschanah ist von einem hohen Ethos und einer potenzierten Gläubigkeit getragen. Wir fragen: Worin kommt das Spezifische dieser Gläubigkeit zum Ausdruck? — Wir unterhalten uns über den religiösen Gehalt und die inneren Motive dieses Festes, über dessen wahren Charakter und über die Volksvorstellungen, die ihm zugrunde liegen. Gute Dienste wird uns dabei das von uns bereits empfohlene Buch von Leo Hirsch ״Praktische Judentumskünde‘• (S. 110 ff.) leisten. — Wir unterhalten uns in diesem Zusammenhang über manche Gebete dieser Tage und tun gut, einzelne Stücke der Schmoiic-Elir«, besonders etwa den Anfang mit ובכן תן פחדך zu lesen, und knüpfen daran ein Gesprach an. Welchen Geist der Versöhnung und der Gerechtigkeit atmen diese Stücke, welche große Hoffnung auf die einstige Verbrüderung aller Menschen, auf ihre Erleuchtung und ihre Gottesnähe kommt da zum Ausdruck! — Zu den wunderbarsten Gebeten gehört auch die liturgische Dichtung unter dem Namen ״Unssaneh Tokef“, die eine interessante und sagenumwobene Entstehungsgeschichte hat. Hier wird in ergreifenden Worten die Allmacht und Herrlichkeit Gottes, an dem Tage, an dem er sich zu Gericht über die Welt setzt, gepriesen. Bei Hirsch findet sich eine Verdeutschung dieses schöllen Hymnus. (S. 127.) Das Wesen des Festes hißt sich ebenso gut an seinen Bräuchen erkennen. Sie sind für den Kreis der Volksvorsfellungen besonders charakteristisch. Und Rosch Haschanah hat eine ganze Reihe von eigentümlichen Bräuchen auf/tiweisen. Schon die Mahlzeiten sind reich an symbolischen Handhmgen. Man bespreche die besonderen Bräuche beim Gebet. Man vergegenwärtige sich dabei auch die Rolle des Schofars, des Widderhorns im Gottesdienst des Festes. Es ist gut auch, sich über die ursprüngliche Bedeutung und Benutzung des ״Schofars“ in diesem Zusammenhänge klar zu werden. Er gehörte zu Anfang zu den Signalinstrumenten, die bei öffentliehen Verkündungen, Versammlungen usw. benutzt wurden. Erst in einer späteren Zeit hat der Brauch des Schofarblasens sich in der uns heute bekannten Form eingebürgert und allerlei symbolische Deutungen erfahren. So wird auch 11. a. das Schofarblasen mit der Opferung Isaaks in Zusammenhang gebracht. Der Widder, der an seiner Stelle dargebracht worden ist, ist das ewige Gedenkzeichen vor Gott für die aufopfernde Tat Abrahams. Gott erinnert sich dieser Tat und versöhnt sich mit Israel. — Die Ankunft des Messias wird, nach dem Volksglauben, durch den Schofar jenes Widders den zerstreuten Kindern des Volkes bekanntgegeben werden. — Auch der Brauch des Taschlich dürfte hier Erwähumig finden. Sein Sinti bestellt in der ebenfalls symbolhaften Abschiittelung der Sünden an einem fließenden Wasser. Näheres hierüber lese man in der .,Jüdischen Rundschau“ 1031, Nr. 72 '73 und 75 in den Aufsätzen voti Bath Hillel und Dr. J. Meitlis nach. J. M. Debüt des Breslauer Kulturbundes Mit Shakespeares ״Was ihr wollt“ begann der Jüdische Kullurhund Breslau verheißungsvoll seine offizielle Tätigkeit. Wirtschaftlich sind ihm sehr enge Grenzen gezogen, und dazu kommt, daß für Thcateraufführungen nur der Freundesaal zur Verfügung steht. Aber ein wirklicher Künstler weiß auch damit etwas anzufangen. Nikolai F 1 j a s c 11 o f f hat uns das bereits vor sieben Monaten mit der Inszenierung des ״Tartiiff“ gezeigt, und auch jetzt spürte man wieder in jedem Detail und im Gesamteffekt seiner Regie, welch starke Begabung hier dem jüdischen Theater zur Verfügung stellt. Eljaschoff arbeitete in engster Gemeinschaft mit Heinz. Cond eil, der ihm eine schlichte, aber ungemein plastisch wirkende und zweckmäßige Finhcitsdekoration schuf, die lebbaff an die Shakespearcsche Stilbühne erinnerte. Sie war der Entfaltung des Spiels sehr förderlich, und Eljaschoff führte denn auch das Ensemble mit einer Sicherheit und Präzision, die in Anbetracht der wenigen Proben, mit denen man sich begnügen mußte, aufrichtige Bewunderung verdient. Nirgends gab es einen toten Punkt, und selbst in Momenten der Ruhe empfand man die Sinnfälligkeit des dramatischen Ablaufs. Schade nur, daß die köstliche, vom Dichter mit sparsamsten Mitteln gezeichnete Duellszene so arg übertrieben wurde. Die in den Saal “eingebaute Beleuchtungsanlage entsprach den modernsten Anforderungen. Von den Darstellern ist in erster Linie Fritz Ritter zu nennen, der die schwierige Rolle des Malvolio wirklich bis zum letzten ausschöpfte; seine Aufgeblasenheit war der Gipfel ergötzlicher Charakterisicrungskunst, die Momente seiner tiefsten Demütigung aber hatten etwas eigentümlich Großes und Erschütterndes. Eine der wertvollsten Entdeckungen war Hansi S c 11 o 11 c 11 f e I s als Viola, eine feine Komödicnspielerin, die aber auch der lyrischen Seite ihrer Rolle nichts schuldig blieb. Die Gestalt der Olivia kann man sich hei aller berechtigten Zurückhaltung doch etwas lebendiger denke״, als Gina Petruschka cs uns glauben machte. Acimlich Claus Brill als Herzog. Sehr überzeugend dagegen Liselotte Rosen als Kammermndchcn, Alfons Fink als Junker Tobias, Alfred Balthott als Junker Christoph und Alfred Lichten stein iin Gewand des philosophierenden Narren. Herbert M <1 i 11 o f f war als Antonio, Heinz K a 11 n e m a 11 11 als Sebastian und Martin Rosen als Fabio am rechten Platz. Die schwache Musik Humperdincks betreute ein Trio unter der Leitung von Heinrich Markt. Martin Hausdorff Aus dem Reich Von uniirin Berichterstattern Augsburg. In einer gut. besuchten Versammlung der ZOG. gab l)r, Richard FLen, Manchen, einen Beacht über Verlauf und ErgebnE.se des Kongreßes. KoUbus. Am 4. Juli wurde nach einer Versammlung auf welcher j)r. Alfred Rabau, Berlin, sprach, dir Arbeit der ZOG. wieder 3«!־ genommen. Oie Lehmig übenulenen Georg Spiro, ("׳oldstein und Max Kramer. Seither linden w!)dien!lieh \ eransMhurs^en statt, <13\on in vierzchnta'S^er Folge ein (ie^rluchiskur.', den Rabbiner Manfred Fuhliner leitet. An uroheren YernnUahuiikmn wurden durchgeiülirt: ein Vortrag Dr. David Sohlnüberß* über ,,Jihliv'11e־n \ olk —־״ Jüdisches Fand“ und eine llerzl-Bialik-Fcier, mit einer Ansprache von Rabb. Lubiiner. Ankündigungen Breslau: Zionistische Vereinigung. Am 25. September, 20.30 Uhr, Großer Lessingsaal, Agnesstr. S: Dr. Hans Fricdenthal, Berlin: ״Nach dem XIX. Zionisten - Kongreß: Vor neuen Aufgaben." ,,Reiehsvetband i-nea!. Sdiwrihbn^rr (Ri-rh)". Alle jüdi-chen Schwerhörigen wollen sieh bei Frau Lotte Sehwar/, Brodau 13, Moritz- Straße 33. Tel.: 305 57. melden. Jeden ersten Dienstag im Monat Ve!oammiun!;% 8 Ihr, Gemcinilehaus II, SGiweidn. Stadtgraben ZS■-— München: ZUG. 24. Sep!., 20.30 1. ht\ Mmrunssmal, \ ortrag von Dr. Alfred Kuptcrhcig, Berlin, über: ,,Pahionu ab Iloifnung »rsä Aulgabe, der Weg jiidbeher Jagend nach Frez Israel“. Familien ־ Nachrichten Morr Jacob Finden und ln a!t Sah. geb. H f 111. Leipzig -X 22. Hai-!Gehe Sir. 24, begehen am 24. Septt-rnb־! di•■ Therme IbxdizeiL Bar Mizwah-Termine Am 29. Sogt ,!2 ״!״. Ti- Di: Wä-mcr ('׳.!in, S ,hn von Sigismund Golm, G rcii ״•w .׳!>!, Lange 32 .זיל. Todesfälle. Am 17. Sept. verschied plötzlich Dr. Erich Feucht w;1 11 ׳1 ״ r, einer der bekanntesten Nervenärzte tntd ein Gelehrter von anerkannt cm Ruf. Weltbekannt war Erich Feuchtvvanger durch eine׳ Reihe wissenschaftlicher Abi!and- Iunt;e11, vor allem über die* Funktionen des Stirnhiriis und die Amusie, geworden; seine Studien über die Probleme der Amusie, aus denen der ■15-Jährige herausgerissen wurde, vermochte er deshalb so trefflieh zu fordern, weil er selbst ein ausübender Künstler war. Im Weltkrieg wirkte er als Stabsarzt; damals kam er in verschiedene Lazarette mit Hirnverlet/ten, und seitdem galt seine Lebensarbeit (len durch Hirnverletzungen geschädigten Soldaten. Er arbeitete in den jüngsten Jahren an der 1 ieckersehen Nerven-1 leil- und Forschungs-Anstalt zu München. Erst vor kurzen! hatte er, wie sein Chefarzt Professor Isserlin, auf dem Londoner Weltkongreß der Neurologen und Psychiater referiert. Ericll Feuchtwanger, der vor einem Jahr eine Palästinareise unternominell hatte, war ein warmer Freund der zionistischen Sache. — Am 21. September verstarb unerwartet in Berlin im 71. Lebensjahr Dr. Moritz Kronen b t־ r g. Seine Schriften ״Kant, sein Leben und seine Lehre“ und später sein Lebenswerk ״Die Geschichte des deutschen Idealismus“, von der zwei Bände vor dem Kriege erschienen sind, haben große Anerkennung gefunden. Her dritte Band befindet sich nahezu vollendet unter seinen iiinteriasscnen Handschriften. Von kleineren Schriften seien ״Ethische Präludien“, ,,Nietzsche und seine Herrenmorai“, ״Die All-Einheit, Grundlinien der Welt- und Lehensanschauuiig im Geiste Goethes und Spinozas“, ״Gewalt und Gedanke“ erwähnt. Persönliches. Aus dem Kreise der Mitarbeiter des Hechaluz sind in den letzten Tagen Mnrduk Sc hat tn er und Georg Joscphtal ausgeschieden. Damit scheiden aus der zentralen Arbeit des Merkas Hechaluz zwei Chawerim, die in den Zeiten des Neuaufbaus der Organisation wertvollste Kräfte zur Verfügung gestellt haben. In einem kleinen Kreise von Chawerim des Hechaluz sowie einigen Freunden verabschiedeten sich am letzten Dienstag abend die beiden Chawerim. ANTWORTEN DER REDAKTION L. Heymann, Altona. Wir bitten um Angabe Ihrer Adresse. Flüssen aufgenommen. Die. Fläche wurde nach der Beschaffenheit ihrer Böden in Zonen zerlegt: Stein- und Kieselboden, Sumpflvodcn, schwarze Erde, Knlk-, Lehm- und Sandboden. Für jede Zone wurden enlsprediondo Ent- und Bewässorungs-, Rodungs- und Pflanzungsmelhodon festgesetzt. Ebenso wurden Stand, Ausmaß und Besehnffeuheit des Wassers bezeichnet. Das kleine Quadraturnetz, das an einer der Windungen des Oedlandsflusscs eingezeichuet war, Lczeielmete das Gefälle, die Wasserbefesligungen und die zentrale Rraflstnlion, die dort errichtet werden sollte. Von diesen, kleinen Quadraluriietz aus zog sich ein ganzes Bündel von Linien, das sieh auf der Karle nach allen Seiten hin zerteilte. Dieses Limenbündel bezeidiriete das elektrische Kraftnetz, das von hier aus die Bewässerungsniaschinen und alle für eine entwickelte Landwirtschaft nötigen 1 lilfsiuduslricn in Bewegung setzen sollte. Oberhalb des Plaues war das Bild eines WirRchaftsgulcs sichtbar, das geschmackvoll und in musierlialler Ordnung errichtet und durch Geleise und Straßen mit dem Gebiet jenseits der links und rechts ans Oed Land grenzenden Berge verblinden werden sollte. Die kleinen, über die Leinwand verstreuten Quadraturen bezcichncten ländliche und städtische Siedlungen, die an den Zentren des Wassers, des Verkehrs und der Industrie entstehen sollten. Diese Leinwand war stets vor den Augen Agars ausgebreitet, und im Rahmen dieser Linier! bahnte sich seine Idee den Weg, seil er sicli mit den Maschinen und den Arbeitsablcil ungen aufgemachl halle. Das kleine Liniennetz neben dein einen Pfeil war bereits mit dem Namen ,.Station Müde“ versehen. Das Werk sollte von dieser Station aus ins Innere des Oedlands, Station nach Station, Vordringen, bis das Oedland erschlossen, die Unebenheiten des Rodens ausgeglichen und die Bewässerung*- Anlagen durch die Kraflslation in Bewegung gesetzt würden. Dann sollte der A 11 s i e <1 1 11 n g sp 1 a n zur Ausführung kommen, der eine halbe Million kleiner 1 ,andwirte und eine Million Verbleute umfassen sollte, die im Verkehr und in der Industrie beschäftigt sein würden. Aber bevor noch die Mnscliinen das Straßennetz, das ins Herz des Oedlandes führen sollte, von der ,,Station Müde“ aus zu bahnen vermochten, begann bereits die Bewegung der Einwanderer, die sieh eine Existenz suchten, sich eine lli'iiiekitle kauten wollten und auf die Begabung ihrer llftndo und ihres Gehirns und den Geldbeutel pochten, den sie initgebracht hatten. Die Rewegm»g verdichtete sich besonders in der Umgehend von Teura, die als besonders fruchtbar ״alt. So begann eine große, überstürzte und planlose Bewegung, der niemand Einhalt gchirteu konnte. Vom ״weißen Haus“ auf der Anhöhe konnte man die Häuser und Geriislreihen deutlich untei scheiden, die diesseits dor Berge zum Oedland anstiegen, aber auch jenseits der Berge konnte man Zcltsicdbmgcii beobachten, die sich immer 1111*11 r dem Raitarca! näherten. Dieser Anblick glich zwei Strömen, die einander niilierkommen: auf der einen Seile Energie, mächtiger Siedltmgswille, höchste I leimatselmsueht. Kultur, (leistesgüler. Geld und Können; auf der anderen Seile die Oednis mit ihren ausgespamiten Zellen, mit grauen und brauneu Seid! frohrdörreru, <i״r Pracht der \ orzeit und den biinden Kräften des Oedlamb. AVeim auch von ferne riur die Ausläufer dieser beiden Ströme sichtbar waren, so war es Agar völlig klar, daß diese! Ströme sich nicht gegenseitig aiisweichen, .sondern aufeinander losslürzi'ii würden, bis sie sich träfen. Es war ihm klar, daß die Ströme nicht frei in der Waid ihres Weges waren, denn tiefe Lcbensgrüiide hallen beide ergriffen und ihre Bahnen aufeinander gelenkt: jüdische Kraft, Sehnsucht und Kapital sieben der zerstreuten und ungeordneten Kraft, der Oedlandssöhne gegenüber. Lange Zeit stand Agar und blickte von der Höhe seines II ,1׳ uses auf das Werkareal mit, seinen Müllen und Gräben, seinen Slraßcnbündern und seinem Sehienennelz hinab: schwarze und weiße Rauehvvülkchen brodelten da und dort, Lokomobilen zogen Loren hinter sich und Mensrhcngruppen beugten sich nieder und riclilolei) sich auf, verschwanden und erschienen wieder, bewegten sieh wie Marionetten hin und her. Eine kleine Welt von Schweiß, Eisen und Benzin war in Bewegung geraten. Wie einst er, Ingenieur Agar, zu den Werkletilcn gesprochen hatte, so sprachen jetzt die Werklcute zu ihm: ״Laßt uns nrlieitcn, immer weiter arbeiten, denn zu arbeilen ist unsere Pflicht; unsere Hände rühren sich, der Schweiß rinnt; wir arbeiten w.־il׳r: bis im Oedland Arbeitsschicht auf Arbeitsscliiehl getürmt isL.“ Agar gehl hinab, durcliinißt mit seinen Schritten das Areal Mild eilt wieder zur Anhöhe hinauf, und wiederum ist der Anblick des Oedlandes vvie auf einer Handfläche vor seinen Alicen ausgehreilet. — Die Anordnungen waren kurz und bündig. Die Alltelhingen konzentrierten sich 7.11m OedDnd-fliiß hin. Es kamen neue Arbeitskräfte an, a!ich sie wurden ins Klußtal gesandt. Die Maschinen wurden alle vom Platze gerückt und auf den Anhöhen längs dem 1111 ׳ s■!- auigcstclll. Der Arbeitslärin war hier in Tag- und Naelit.-rliiehlen vernehmbar. Die großen ״Maulwürfe“ standen in be-1 nninteii Abständen voneinander, rissen Scholle nach Scholl«׳ auf, drancen wühlend in dio Tief«'. A11 den Abhängen Her so entstehenden Wände wurde Kies;msgelecrl, Beton gegossen und Fläche nach Fläche hinter den Maschinen gestampft, so daß ein breiter, tiefer Graben entstand •— das Belonbelt des Oedland fl usses. Das Betonbett. mit. seinem Kanalsvstem, den Abflußlöchern, Eisendämmen mul Stamorriehlunpeii soll das Wassergefalle leiten, «'s enthalten. seitwärts abienken, bis es an di«v großen Turbinen gelangt, in denen es uiedersausl und sich zu; Kraft verwandelt. Von nun an konzentrierte sich alles auf diese« Platz: Stein, Sand, Zement und Kies wurden mit dumpfem Lärm auf einer Strecke von zwei Kilomeiern verschlungen, \\!ihrend hier noch Eisen und Sand, Stein und Holz, und ein ganzer Wahl von gelxtgeiK'ii Eisenrühreti und staublK'dcckten Maschinen aufgeliiiml wurden, erhol) sieh bereits am Fuße des Berges «1er erst«* Eisenträger. Ein Träger mit breiter Basis und weitausholenden von weißen Isolatoren umkriinzten Armen stand zu Fiilk'11 des Berges, zwanzig Meter hoch. Ein Träger nach dein andern wurde an erhöhten Stellen errichtet, Alan konnte sehen, daß «li«' Reihe dieser eisernen Soldaten, die filier die Anhöbe der Berge und tiefen Täler hinweg abwechselnd an- und abstieg, den ganzen bandst rieh durrhsclmilt und nach der Ferne strebte, wo sieh auf der einen Seite Kapital und Arbeit, auf der andern die Zelte des Oedlands konzentrierten. ״Die Träger des Stromnetzes schießen wie Pilze aus der Erde“ — staunte man im Lager. ״Was Wunder! Dort arbeitet Almer mit seinem ,Stab'.“ (Fortsetzung folgt)