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Jüdische Rundschau · 1935-09-24 · Heft 77 (24.9.1935) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 77 (24.9.1935)
Date
1935-09-24
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Sehe 2 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 77, 24, IX. 1935 Das Problem der Emigration Von Dr. Arthur Prinz wenn die Widerstände beiseite geräumt sind, die unserer gleichberechtigten Teilnahme an der Führung der jüdischen Gremien bisher noch entgegenstanden. Schule, Berufsausbildung und Aus wände• rung, die unter dem Vorzeichen Palästina im Plan der Reichsvertretung vermerkt sind, gehören zu dem Bereich, in dem der Zionismus seine konstruktive und erzieherische Aufgabe in erster Linie durchführen kann und muß. Deshalb muß allen Kreisen klar sein, daß die Verlautbarungen, die vor uns liegen, nur der erste Schritt sind, dem weitere und nicht weniger wichtige Maßnahmen folgen müssen. Der Sinn dieser Haltung ist klar: Es gilt nicht, eine mechanische Neugliederung der Juden in Deutschland zu erreichen. Der Erfolg dieses Arbeitsprogramms kann vielmehr nur darauf beruhen, daß alle Maßnahmen des äußeren Lebens, die von uns aus vorgenommen werden, aus einer neuen menschlichen und jüdischen Haltung heraus gespeist werden. Besonders deutlich wird dies in den beiden Kernpunkten der Arbeit, dem Ausbau des Schulwerks und der Durchführung des Auswanderungsplanes. Hier gilt es, eine neue Generation hcranzubildcn, die im Judentum verwurzelt und fähig ist, nachdem sie durch «ine jüdische Erziehung hindurchgegangen ist, wirklich Glied des erneuerten jüdischen Lebens in der alt-neuen Heimat zu werden. Aber nicht allein auf die Jugend, die noch die Schule besucht, kann diese Haltung beschränkt bleiben, vielmehr mti ß das ganze Judentum Deutschlands den Pfad der Umkehr finden, will es in dieser Zeit bestehen. Die meisten Juden der älteren Generation sind dem jüdischen Volksleben entfremdet, und sie besitzen nicht die Fähigkeit, sich in seinen Neuaufbau cin/ugliedern. Darum müssen sie einen Weg der Erkenntnis und des Lernens gehen; auch die hier Bleibenden werden nicht an ihm vorbei kommen, wenn sie überhaupt danach streben, kein verlorener Tropfen im Meer der Geschichte zu sein, sondern auch unter den schweren äußeren Bedingungen ihrer heutigen Existenz Teil einer lebendigen (iemeinschaft zu werden. Die Juden Deutschlands müssen reif gemacht werden für die Aufgabe der Erziehung, der Alijah, reif für ein Leben als Juden, wo immer sie sein mögen! Hieraus ergibt sich für den Kreis derer, die den Gedanken der nationalen Selbsthilfe von jeher betont haben, eine besondere Aufgabe. Sie haben die Pflicht, als fiihrender Kern in dieser Bewegung voranzuschreilcn, denn eines ist klar: Die materielle und seelische ״Umsiedlung“, vor der wir in eien nächsten Jahren stehen, ist ein Prozeß, dessen Motor eine echte Bewegung sein muß, eine Bewegung der Herzen, ein Aufschwung des jüdischen Gefühls, die Liebe zu unserem Volkstum und nicht das Gefühl des Ausgestoßenseins aus dem Leben der anderen und die Bitternis über Kränknngen. Verkennen wir nicht die große Gefahr, die heute darin besteht, daß manche Juden zw׳ar bereit sind, aus Gründen der Nützlichkeit wesentliche Programmpunkte unserer Arbeit an/uerkennen, daß sie aber in ihrem innersten Herzen ihr Dasein als Jude verwünschen und — wenn sie es könnten — ihm entrinnen möchten. Dies aber wird niemals der Weg sein, der zu einer neuen Existenz in Freiheit und Würde führt. Darum gilt es, in der Jugend und auch bei allen .anderen die Liebe zu unserem Volkstum, zu seiner Vergangenheit und nicht weniger zu seiner Gegenwart einztipflan/en, denn nur aus ihr werden die Kräfte hervorgehen, die das große Werk der Selbsthilfe des jiidischen Volkes tragen können. In diesem Zusammenhänge b e g r ü ß e!1 wir besonders den letzten Punkt des von der Reichsvertretung vorkündeten Arbeitsprogramms, der von Palästina als unserer 1 loffiiimg spricht und die organisatorische Vcr- Bindung der Juden I)eutschiands mit dem Aufbauwerk Palästinas anstrebt. Wir sehen in dieser Erklärung ein Symbol für die Hinwendung der übergroßeii Mehrheit der Juden Deutschlands nun Gedanken des lebenden jüdischeu Volkes, und wir glauben, daß die großen Organisationen nicht nur aus Gründen der Zweckmäßigkeit dies anerkennen, sondern weil ihre Menschen, die Juden in Deutschland es wollen und empfinden, daß ihr Weg in der Welt — d e r W e g v o n Juden sein in u ß. Der Namenswechsel, den jüdische Organisationen heute vollziehen, ist für sie vielleicht ein Zeichen praktischer Notwendigkeit, aber wir empfinden dies als Symbol und werden um so intensiver dafür ciutrctcn, daß der Durchbruch zu neuen Idealen, zu neuen Hoffnungen auch in jenen Kreisen sich vollzieht. Das jüdische Jahr geht zu Ende. Sein Schluß hat uns einschneidende Veränderungen unserer rechtlichen Position in Deutschland gebracht. Hoffen wir, daß das Programm der Selbsthilfe, zu dem w׳ir uns in letzter Stunde durchgerutagen haben, der Auftakt zu einer großen produktiven Arbeit sein wird, die — wie immer die äußeren Umstände sein mögen — als Aufgabe vor uns steht, zu der alle positiven Kräfte des Judentums in Deutschland sich zusammenschließen müssen. K. L Zwei jüdische Senatoren in Polen? Warschau, 19. September. (JTA.) Wie die J&d Tel.- Agentur erfährt, werden sich unter den vom Präsidenten Moscicki zu ernennenden Senatoren zwei Juden hefinden. In offiziellen Kreisen wird die Tatsache, daß bei den Wahlen zum Senat kein jüdischer Kandidat durcligedrungen ist, aut die weitgehende Wahlenthaltung der Juden zurückgeführt. Im Frühjahr dieses Jahres wurde die jüdische Auswanderung aus Deutschland auf monatlich über KHK), jährlich etwa 16 000 bis 18 000 Köpfe, veranschlagt. Man darf glauben, daß es diese Menschen, die der zweiten Welle der jüdischen Auswanderung aus Deutschland angehörten, im Ausland verhältnismäßig gut getroffen haben, obwohl sie im allgemeinen, mit Ausnahme des Kapitaltransfers nach Palästina, erhebliche Vermögenswerte nicht mehr mit sich nehmen konnten. Dafür gingen sie aber meistens sprachlich und beruflich besser vorbereitet und sorgfältiger beraten ms Ausland als jene, die als erste Welle im Jahre 1933 ausgewaudert waren. Auch gehörten die Auswanderer der letzten 11 .■ bis 2 Jahre im allgemeinen den jüngeren Altersklassen an, die infolge ihrer körperlichen, seelischen und geistigen Anpassungsfähigkeit die zur Auswanderung weitaus geeignetsten sind. Und endlich wurde diese zweite Welle zum großen Teil direkt nach überseei sehen!.ändern geleitet, wo die Wirtschaftskrise vielfach schon im Abklingen und daher die Einfügung neuer Arbeitskräfte leichter war. Nicht nur denjenigen, die nach Palästina gezogen sind, sondern auch denen, die in Südafrika, in Süd- oder Nordamerika Fuß fassen konnten, darf man im allgemeinen eine günstige Prognose stellen. Die Not der Emigration Trotzdem ist es unseres Erachtens nicht zu verantworten, von unserer Emigration im ganzen zu behaupten, daß cs zwar ״vielen sehr schlecht und (len meisten nicht sehr gut“ gelte, daß aber ״in tatsächlicher Not außerhalb von Paris verhältnismäßig wenige“ lebten1)• Gewiß hat es bei der bisher ja höchstens 00 000 Menschen betragenden jüdischen Emigration aus Deutschland noch keine Masscntragödicn gegeben, wie bei der russischen Emigration von 1010/1023, die rund 2 Millionen umfaßte-). Aber diejenigen, die 1933 überstürzt Deutschland verließen und in den Nachbarländern blieben, sind zum sehr großen Teil in furchtbare Not geraten. Dies gilt vor allem von den etwa 20 000 größtenteils jüdischen Emigrauten, die in F r a n k r e i c 11 Zuflucht suchten und dort zuerst mit offenen Armen aufgettommen wurden. Als aber die Regierung Daladier von mehr rechtsgerichteten Kabinetten abgelöst wurde, die den Emigranten erheblich weniger Sympathien entgegenbrachten, — als dazu die Wirtschaftskrise, die Frankreich verhältnismäßig lange verschont hatte, mit Strenge ihren Einzug hielt, und zu alledem die außenpolitisehen Spannungen Fremdenfeindsdiaft und Spion enfurcht aufs höchste steigerten, da wurde die Lage der Emigranten immer Schlechter. Besonders nach dem Gesetz zur Beschränkung ausländischer Arbeitskräfte vom 20. 11. 1931 wurden nicht nur Neubcwerbungen uni Arbcitserlaubuis ausnahmslos abgeschlagen, sondern auch frühere Bewilligungen meistens nicht erneuert. So geriet die große Mehrzahl der Emigranten, die nicht das nötige Kapital oder die Gescliiiftskenutnis hatten, um sielt selbständig zu machen, in schwerste Not. Einem relativ geringen Teil ist es gelungen, wirtschaftlich festen Fuß zu fassen, ein größerer kann sich notdürftig über Wasser halten; mehrere hundert jüngere Menschen erhalten, teilweise unter anerkennenswerter Förderung der Behörden, ihre Ausbildung in der Landwirtschaft oder im Handwerk. Tausende sind, meist mit Unterstützung der Komitees, aus Frankreich nach Palästina, Südafrika oder Südamerika abgewandert. Aber was wird aus dem Rest? ...Elend und Verzweiflung sind groß. Auch außerhalb Frankreichs herrscht, gerade unter den Auswanderern der ersten Welle, vielfach Elend. Für die Prager Juden scheint das Wort Emigrant jetzt ungefähr dasselbe wie ״Schnorrer“ zu bedeuten; d. h. ״man gäbt“, und zwar u. W. meistens nicht an Organisationen, sondern dem einzelnen Emigranten; manche Geschäfte haben dafür einen festen Tagessatz. — Voll großem Elend hört man auch aus Belgrad. — Und •dann jene vereinzelten Existenzen, die heute in Paris, morgen in Genf oder Mailand auftauchen, noch von Spuren einstiger Eleganz umweht und mit großartigen Plänen um sich werfend — aber wirtschaftlich und moralisch oft völlig haltlos. Wir sprechen von diesen Zuständen nicht, um den Juden in Deutschland den Entschluß zur Auswanderung schwerer zu machen, sondern um allen, die auf ihr Schicksal Einfluß üben können, das Gewissen zu schärfen. Die kommende Aus- Wanderung wird der erstell Welle leider insofern gleichen, ais sie viele Menschen umfassen muß, die ihrem Alter und Beruf nach zur Auswanderung wenig geeignet sind. Aber wenn gesunde Menschen zwischen •10 und etwa 53 Jahren hier ihre Existenz verlieren und keine neue Lebensinüg'ichkeit sehen, so wird man sie trotz aller Bedenken zur Auswanderung bringen müssen. Deshalb sind die Berechnungen, die Ernst Kahn über die Zahl der künftigen Auswanderung anstellt. 1111 Moment ziemlich wertlos. Auch die Auswanderung von Kindern und Jugendlichen wird in der nächsten Zeit erheblich steigen. So stehe•’ wir auf alle Fälle vor der Aufgabe, ein Maxim u m von Eniigrationsmöglichkeiten zu erschließen. Auf der Suche nach Auswanderungsmö^lichkeiten Wie kann dies geschehen? Uchcr die Notwendigkeit, für den Aufbau Palästinas, das bisher fast ein Drittel der gesamten Emigration aus Deutschland aufgeuonmien hat, alles Erdenkliche zu tun, brauchen wir an dieser Stelle kein Wort zu verlieren. Andererseits bietet aber Palästina, das ja nicht nur für Juden aus Deutschland da ist, allein keine ausreichenden Einwandcrungsinögliehkeitcn. — Von sämtlichen europäischen Ländern ist vorläufig, d. h. solange sich weder die wirtschaftlichen und außenpolitischen Verhältmisse Europas, noch die Transfer-Möglichkeiten für jüdisches Kapital aus Deutschland wesentlich gebessert haben, so gut wie nichts zu hoffen; Menschen mit unternehmerischen Fähigkeiten und einigem Kapital würden freilich auch heute noch in den meisten Ländern gern aufgettommen werden. Von den ii h e r s e e i s c 11 cii Ländern standen bisher in erster Reihe die Vereinigten Staaten, die zwar höchstwahrscheinlich noch nicht 10 000, aber doch etwa 7 -8000 Juden aus Deutschland aufgenommen haben dürften, ferner Brasilien (mit mindestens 3000), Argentinien (wohl weit über 1000) und Südafrika (an 2000). Außerdem hat in den letzten Jahren eine nicht unerhebliche Auswanderung nach anderen Südamerikanisehen Ländern stattgefunden, so nach Chile, Uruguay, Paraguay. Kolumbien und selbst nach kleinen niitlelamcrikanisclien Ländern, wie Honduras, San Domingo, Guatemala. Wenn in jedem einzelnen dieser Länder auch nur höchstens einige hunderte (wie in Chile), meistens sogar mir einige Dutzend oder selbst nur ein paar Familien untergekommen sind, so ist diese Einwanderung doch insofern wichtig, als sie vielfach die ersten jüdischen Stützpunkte in diesen entwicklungsfähigen Ländern schafft, an die sich eine weitere Einwanderung anschließen kann. Und da die meisten südamerikanischen Länder, ebenso wie Südafrika, die Wirtschaftskrise schon weitgehend י) So Ernst Kahn in der ״J. R." Nr. 71 v. 3. 9. י) Näheres in dern Werk von Madeleine de Bryas: ״Les Peuples en marche“, Paris 1926. überwunden haben und in einem mehr oder minder starken Industrialisierungsprozeß begriffen sind, darf man auf diese Wanderung sdcle einige Hoffnungen setzen. Dagegen stehen die Pläne zu einer jüdischen Kolonisation in Equador bestenfalls im Stadium der ersten Vorher«!- t u n g und könnten vielleicht in J a 11 reti praktische Bedeutung erlangen; die hemmungslose und irreführende Propaganda für diese Projekte ist unverantwortlich. Ucberhaupt wird man sich bei der Berufsgliederung unserer Menschen, den Set!wierigkeiten des Kapitaltransfers und den noch fast überall hestellenden Einwanderungsbeschränkungen leider damit abfinden müssen, daß unsere Auswanderung, soweit sie nicht in Palästina Einlaß findet, in alle Winde verweht wird — so daß sich an uns das Schicksal der Zerstreuung in höchster Potenz vollzieht! Hoffnungen? Ist mau sich hierüber klar und hält nach echten, wenn auch beschränkten Eiiiwanderungsmögliehkeiten für uns Ausschau, so erscheint wesentliche Hilfe vor allein aus zwei Riehtungen möglich. Von den Genfer Beratungen über die Flüchtlingsfrage ist vorläufig kein praktisches Ergebnis zu erwarten. Dagegen ist von größter Bedeutung das Verbalten der Vereinigten Staaten, die vor dem Weltkrieg das größte Einwanderungsland der menschlichen Geschichte darstellten. Doch wird man sich hier vor allzu großen Optiinismus hüten müssen. Wer die Stärke der Absperrutigstemlenzen kennt, die sich nach dem Kriege immer schärfer durchgesetzt und während der Krise sogar zu einem A u s wanderungsüberschu(i geführt haben, der wird schon das bisherige Verhalten der USA. zur Einwanderung von Juden aus Deutschland als großes Entgegenkommen empfinden. Wesentliche Hilfe aber könnte für die tuden Deutschlands wohl vor allem aus London kommen. Es ist uns freilich vollkommen klar, daß die britisehen Dominien längst das Recht besitzen, ihre Einwanderungspoiitik selbst zu regeln. Es ist aber trotzdem nicht ttn- Wahrscheinlich, daß eine Fühlungnahme zwischen dem Dwtrinien-Ministcrium und den in London residierenden Generalgotivernettrcn, vor allem von Kanada und Australien — diesen beiden zukunftsreichen Ländern, die sich bisher beide gegen jüdische Einwanderung aus Deutschland durchaus ablehnend verhalten haben — erfreuliche Ergebnisse zeitigen könnte — und sei es auch nur für ein paar hundert oder selbst nur ein paar Dutzend Familien. Vor allem aber besitzt England außer den schon selbstherrlichen Dominien sein gewaltiges Kolonialreich, das in manchen Teilen, wie Rhodesien, Kenya, Uganda ttsw. höchstwahrscheinlich Einwanderung.; möglichkeiten für Juden — Kaufleute, Acrzte — bieten würde. Und der jetzige Kolonialminister ist Malcolm Mac Dona Id, wie sein Vater ein überzeugter Freund des Zionismus und des jüdischen Volkes, und dazu, als Verfasser amtlicher Pu Mikationen über die Probleme der Empire Migration, ein hervorragender Kenner der Zusammenhänge. Aber es handelt sich hier nicht lim eine bloße Personeufrage. Das Britische Weltreich selbst steht heute, schon durch die Tatsache des Palästina-Mandates, das bisher trotz allen Schwierigkeiten beiden Teilen zürn Segen gereicht hat, in einer besonderen Beziehung zum jüdischen Volke und ist sich — wie etwa jüngst der Kommentar der ״Times“ zur Londoner Konferenz der Sephardischen Juden zeigte — dieser Sonderstellung auch beraftt. Darf man hoffen, daß die englische Regierung, die in Palästina den überzeugendsten Beweis jüdischer Fälligkeiten und Leistungen vor Augen hat, angesichts der fallenden englischen Geburtenrate und der riesigen Gebiete des Empire eine Zeit jüdischer Not benutzen wird, um ein paar tausend arbeitsamer Menschen zu gewinnen? Um die Emigranten-Fürsorge Die politische Kommission des Völkerbunds behandelte am 21. September wieder die Emigrantenfrage und beschloß auf Vorschlag des Berichterstatters, Bundesrat Motta, die Frage der Fürsorge für die Flüchtlinge durch einen Ausschuß prüfen zu lasse 11. In dem Be rieht wird rum Ausdruck gebracht, daß der Völkerbund bereits nützliche Arbeit in der Auswandererhilfe geleistet hat, daß aber angesichts der grüßen Kompliziertheit •dieses Problems mit seinen politischen, juridischen, humanitären, administrativen und finanziellen Aspekten eine wc'fcrc Prüfung erfordere, die indessen auf die dem Nanseirimt und dem Londoner Oberkommissariat unterstellten Auswandererkategorieit beschränkt werden soll. Neue Unkosten ohne ausdrückliche Bewilligung durch ■die Vülkerhimdsversamnilung sind hierbei zu vermeiden. Die VölkerhundsversammluiiR soll a!1 den Völkerhundsrat die Aufforderung richten, eine kleine Expertenkommission ein/usetzen, die Material, insbesondere von den! Rcgierungsbcirat für Flüchtlinge, sammein utid dem Rat berichten soll. In das Budget für 1936 soll ein Ergänzungsposten von 5500 Schweizer Franken für die .Schaffung dieser Kommis ion eingesetzt \vc״den. Der Vorsitzende des auswärtigen Ausschusses des französischen Senats, Bereuter, wandte sich gegen den Vorschlag der Zentralisierung der Fürsorge. Er erklärte, Frankreich könne seine finanzielle Belastung nicht weiter steigern und cs wolle nicht die moralischen Verpflichtungen aut sich nehmen, die aus der Existenz aller Flüchtlinge, Emigranten, Staatenlosen entstehen würden. Frankreich habe seit 1914 etwa 300 000 Flüchtlinge aus Italien, Rtiß'and, Polen, Deutschland, Oesterreich atifgenommen. Die anderen Völkerbundsstaaten sollten diesem Beispiel folgen. Aber man müsse die Schaffung einer philanthropischen Üebcrorganisation vermeiden, die Millionen verschlingen würde, welche man besser anwenden könne. Der Völkerbund dürfe keine Prämie für die Existenz der Entwurzelten schaffen, die besser nach und nach wieder in ihre Herkunftsländer eingegliedert würden. Der Redner stimmte, ebenso wie der britische Vertreter, der Einsetzung des Studienausschusses zu. Entsprechend dem Vorschlag der Permanen/koinmission des XIX. Zionistenkongresses in Luzern hat das Aktions- Comite» das unmittelbar nach dem Kongreß in Luzern zusammentrat, Rev. M. L. Perl zweig (London) zum Mitglied des politischen Departements der Zionistischen Organisation in London gewählt. Rev. Perl zweig wird ehrenamtlich Direktor der Informationsabteilung des Departements sein. Hauptschiiftlciter: Dr. Robert W e 11 s c h, Berlin - Charlottenbuig 9 (verantwortlich für die Aufnahme von Bildern). Siel 1 Vertreter: Kurt Loewti stein, Berlin W 15. Anzeigen Icitcr und verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Hermann I•’ 1 » 11, Berlin-Ti.mpclhof. Gül.ig: Anzeigen-Preidiste 3 vom 1. September 1935. Verlag und Anzeigen- Verwaltung: Jüdische Rundschau, Berlin W 15, Mcinckest raße 10. D.-A. Augtist 36 350. — Druck: Siegfried Scholcm, Berlin-Schünebcrg.

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