Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 76 (20.9.1935)
- Date
- 1935-09-20
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 JOD iS CH!= RHNnscHAU Nr. 76, 20. IX. 1935 Musik und Musik-Literatur Die Religion der Arier und Juden Die neue Formung des politischen Weltbildes hat es mit sich gebracht, dali auch die Wissenschaft sich gezwungen sah, ihre bisherigen Ergebnisse von neuem zu überprüfen. Auf allen Uebieten wissenschaftlicher Betätigung scheu wir heute dieses Schauspiel der allgemeinen Sichtung der bi ’ igen Forschungsergebnisse; und auch auf dem Gebiete der R e 1 i - g i o n s vv i s s c n s c 11 a f t besteht heute eine begreifliche Tenden,•, die Unterschiede zwischen arischen und semitischen Religionsformen von neuem heraus/tiarbeiten. Aus der Fülle der in dies Gebiet hineingehörenden Literatur wird auf eine Abhandlung des Berliner Theologen Prof. Arthur Ti t ins hingewiesen, in der er unter dem Titel ״Die Anfänge der Religion der Arier und Israeliten“ (Verlag Vandcniuieck (V RupreUtt. Güttingen LUI) auf Grund eingehender Vergleiche zu dem Ergebnis kommt, daß zwischen arischer und semitischer Religion in ihren Ursprüngen weitgehende Uebereinstimmungen bestehen. Tititis «־endet die sozio-othiiologisclie Methode bei seiner Stilverqkicliung an, indem er aus den jeweiligen sozialen Vcrhaltnisscn die Beziehung der arischen und senii'i; reime zu ihren Gottheiten zu begreifen sucht. So behandelt er Wirtschaff und Familie, die Stellung ries Koiiigstnms, Staat und Gottheit, die Priesterschaft, Magie und Kultus, die Sündenbegritfe, Mvthenbildungen und vieles andere. Das Ergebnis all dieser Vergleichungen i-t stets eine überraschende lieber- «insti in in 11!1 g / w i s c 11 e ח a r i s c 11 e r (excmp'iü/iert an indischer, iranischer mul germanischer Religion) und j ü d i - scher Frömmigkeit. Dieses Resultat ist für die ReligionsMi/iologie keineswegs üherrascliuid, weil in einem frühen Stadium die Soziale erhaltnis-e sowohl bei Ariern wie bei Semitwi so weitgehend parallel ■sind, daß sich daraus Zwangsläufig auch ähnliche f ornieu der Reh;;i<:«:tät her.risbiklcn niul'.fcn. 1 besonder » her׳• orgehoben sei der Abschnitt über das S 11 t! cl c 111) t w 1! 1; t s e 1 11, es wird nämlich vielfach (/. B. von Rrof Ii:uu 1 ז dt :11 Judentum als Merkmal zugesrli rieben, daß es ein -i'e/iii-ehes mimlenhewtilit-em jm Menschen erweckt habe, wahrend aroebe Religionen den Menschen dis Freiheit g״über < mit geneben hatten, '1 itilis zeigt, dali dies nicht stimmt, sondern d bi!11 den arischen Kulten, vor allem in Indien, ganz ähnliche Strömungen vorhanden sind. 1 iiti-rcs-nnt ist an, 11 die Feststellung, dali Jahwe und W()tan gmbe \ er'.v.unltM'haft hatten; Tituis verweist hierbei aul da - I;!eil V Ulhaiio n-, dali in der gesamten Götterweit keine (uotait Jahwe ähnlicher sei als die des germanischen Wotan, ( n :׳ eil über ■Jen zahlreichen t! e her ei!!stimm!Ingen sind die \ er-euieilenheilen in der (iotte-iriee, die Tititis auf den kd/len min״ stitie!׳ Abhandlung dar/ulcgeii sucht, mir sehr gering״ so daß ־׳r --H114 zu dem Schilift kommt: ״Wer will ermessen, w ,1 ■- 1:1 Iran 0,1,0 Indien sieh ge-taltet hatte, wenn diese Volker 111 :׳lenhe I .enlen-0:1111! c genommen worden waren (wie 5-1 ac1 ׳ - ,\ber s,,ie*f wenigstens zeigt sich mit entscheidender Siehe,׳heit. dal! nicht |s:1v-ioiogiseh-psvehisclic Rrissuiuntrischirde die reli׳׳ion-ge-chizhtliehe Entwicklung von ihren Anfängen her e:!tm henicml beeiltflulit halten, sondern daß aus weithin gleichartigen Anfängen durch die (jeschiehtc die sehr verschiedenartigen religiösen Gebilde entstanden sind, Welche uns vorliegend' Ueberaus reichhaltige Anmerkungen vervollständigen die fntcrer-.mite Abhandlung. Dr. N. literarische Notizen ln dem Streit um die jiddische Sprache, der neuerdings wieder aufgeflammt ist, hat in einem grüßeren .Aufsatz Nahnm Sokolow das Wort ergriffen. Er wendet sich mit aller Schärfe gegen die verschiedenen Liimändc, die von den verschiedensten Seiten gegen den ,.Jargon“ erhoben werden. F.r widerspricht dem Einwand: daß in einem l ande, wo Juden und N'ichtjuden die gleiche Sprache sprechen, keine (itdenfrnge möglich sei: Deutschlancl habe erst eben dies Argument widerlegt, ״der Jude mag wie (ioethe reden - es hilft ihm nichts‘*. Die jiddische Sprache sei kein l’roblem, sondern eine Tatsache, es sei unter ihrer Wurde, De zum Beispiel;;egen Wa s hauer Assimilau: ,11׳ zu vrrfei ligen. Im übrigen: ..Unsere Nationalspra, 11c io! und bleibt hebräisch; aber wenn man das jiddische augri'ifi, g, 11t es uns wie Titern, die ihre Kiiuler schreien hören, daß sic von fremden .,'.enshen gcschlaueii wurden. Mit ihren Kindern haben sieh nur die Titern ab/11gelien, Litern durlen sie auch strafen, aber eine grobe, fremde Hand - weg, nicht aunihren:“ 111 Bukarest 1-4 tune neue Monatsschrift unter dein Namen ,,j 1d,lisch" erschi! neu. 1 lerau-geber ist der rumänisch(’ Novciü-4 5111-0 Altmami In lantibcrg i.-t ein neuer band hebräischer Gedichte von ji/clink Arg:h Berner erschienen. juch an an Ttvaski hat im Verlag A. J. Stybel in Tel-Awiw den zweiten Band seiner großen Uricl-Acosta• Biographie erseh'inen lassen. Tin vier,ikti;es Schauspiel ״Herauf und herunter“ und ein ״König S a u 1“- Drama in Versen von Samuel Marwii sind in War-.(׳lta!1 in Buchform erschienen. Fuwel Sito hat einen Band Parodien auf russisch-jüdische Dichter 111 Minsk herausgegeben. Im Bukarester Scholem-Aiejcliein-Verlag ist ein Band Ge• dichte von Jakob G r;1 per unter dem Titel ״Im Schatten eines Steines“ erschienen. Von der deutsch rhigen Ausgabe des Romans ״Der Trost des Volkes“ von Schalom Asch sind nach einer Mitteilung im ״Hajnf״ bereits 100 00!! Exemplare verbreitet. Das ist um so bemerkenswerter, als das Buch in seiner eigentlichen Sprache keineswegs so gefragt ist: Die jiddische Originalausgabe wurde mir in einer Auflage von 1000 T.xemplaren gedruckt, und eine zweite Auflage ist bisher noch nicht erfolgt. (Für diese etwas unwahrscheinlich klingenden Ziffern müssen wir dem ״Hajnt“ die Verantwortung überlassen. — Red. ״I. R.“) Der Verlag Dwir in Tel-Awiw hat eine zweibändige Sammlung vor! Es«; Nahtim Sokolows heratisgebrachf. Es handelt sich hauptsächlich um literarische Porträts hervorragender Zeitgenossen. Besonders hervorgehoben wird Sokolows Aufsatz über I. L. Perez, der viele persönliche ErinneniiHK-ti an den Dichter enthält. Ben Chaviv: Lerne Hebräisch, die Sprache Palästinas. Praktischeg Lehrbuch zum Selbstunterricht. Verlag Josef Schicsinger, Wien I. Für Menschen, denen die hebräische Sprache bisher ganz, fremd war, sind diese Hefte bestimmt, die diesen Leuten ermöglichen sollen, sich in kurzer Zeit im täglichen Lehen zu verständigen. Ls ist also ein Buch, das von vornherein rein au! praktische Bedürfnisse eingestellt ist und paßt sich auch in der Methode ungefähr dem bekannten System der ״Tausend Worte“ an. Man muß zugeben, daß das Buch zumindest recht kurzweilig und anregend zusammengestellt ist. Jedem Heft ist ein deutsch-hebräisches Wörterverzdchnis beigegeben. Ein Kinderoratorium Dr. Dolittle (Ein Kinderoratoriutn nach dem Roman ״Dr. Dolittle und seine Tiere“ von H. Lofting) von Erich-Walter Stern berg. Dr. Dolittle von Sternberg steht Werken wie der ,,Jasager" von Weill, ״Wir bauen eine Stadt“ von Hindemith, das ״Eisenbahnspiel“ von Dessau nahe. Während aber in diesen die Forderungen der kindlichen Ausführenden vor denen der Zuhöremleti berücksichtigt sind, macht es Sternberg gerade umgekehrt: die konzertante Wirkung ist ihm primär, gewiß mit Berücksichtigung der Kinder, aber mehr ihres Atiffassungsals ihres Ausfiilirungsvermögens. Genau genommen ist der ״Dr. Dolittle“ eine Verschmelzung zweier Typen: des üblichen Lehrstücks und der oratorischen Oper, wobei die letztere schwerer ins Gewicht fällt. Formal hat Sternberg sich nach Strawinski• gerichtet, der schon 1918 ein ״gelesenes, gespieltes, getanztes" Werk schrieb; Vorbild war die ״Geschichte des Soldaten". Auch Sternberg stellt in den Mittelpunkt den Vorleser am Tisch; seine (gesprochene) Erzählung ist d r 1 laupthandliingsträgcr, wie in früheren Opern das Rczif,״.tiv. Wie man es eben heute macht, läßt Sternberg die Musik nur bei Stellen eintreten, die ihm wichtig erscheinen, und die er du! ch musikalisches Scheinwerferlielit hcraiishebcn will. Sun Erzähler hat keine persönliche Aufgabe; er greift nicht in die Handlung ein. Bei Strawinski׳ frappiert er oft durch die Dreiteilung seiner Rolle: als unbeteiligter Berichterstatter in indirekter und direkter Rede, im letzteren Falle (zweitens) sozusagen als lautspreeheuder Souffleur, endlich ais leiden- Das diesjährige ראש השבה Geschenk ist der von der ZVfD herausgegebene HERAUSGEBER! ZIONISTISCHE Vf REINIGUNG FÜR DEUTSCHLAND VERLAG ״JÜDISCHE RUNDSCHAU׳', BERLINWt5, MEINEKESTR, 10 Redaktion: Joachim Prinz — Preis: KM 1,60 Durch alle Buchhandlungen oder direkt durch den Verlag JÜDISCHE RUNDSCHAU BERLIN W!5, MEINEKESTRASSE 10 Ruf: J 1 (Bismarck) 3181-82 / Postscheckkonto: Berlin 173 92 schaftlich miteingreifender Zuhörer. Sternberg führte in das Lehrstück die Pantomime ein — auch hierin von seinem russisehen Zeitgenossen angeregt. Er schrieb Musik für eine Tanzgruppe, die im Kostüm spielen muß. ״Die Tanzgruppe, die 5 Gesangssolisteu (Dr. Dolittle, Polynesia, Sarah Dolittle, Löive, Löwin) sind .... doppelt vorhanden. Sie haben ihr Wesen gewissermaßen in einen singenden und einen tänzerisch darstellenden Teil gespalten. Der eine sitzt vor dem Chor als Gesangssolist, der andere agiert innerhalb der Tanzgruppe. Es gibt also reine Instrunientalstücke (zur Pantomime), dann Chöre, die — außer einem opernhaften Chor — Lehren aussnrechen, ganz besonders zu Beginn und zum Schluß des Stückes. Der betrachtende Charakter der in der Mitte stehenden Chöre soll gesteigert werden durch eine strenge konstruktive Art: einmal durch eine Fuge, ein andermal durch einen Kanon a cappella. Neben den Tanzstücken und den Chören stehen die kurzen Gesangsstücke, die meistens nach Art von Songs gemacht sind. Es handelt sich im ganzen um eine locker gefügte Geschichte von abenteuerlichem Charakter, wie sic Kinder mögen. Dr. Dolittle behandelt Tiere viel lieber als ״feine Herrschaften“; er lernt die Tiersprache und wird bekannt unter allen Tieren der Umgebung als guter und verständiger Arzt. Um den kranket! Affen zu helfen, segelt er nach Afrika, übersteht Sturm, gefährliche Abenteuer bei Wilden, gelangt endlich zu den Affen und heilt sie. Es gibt keine eigentliche Lehre in dem Stück, die immer und immer wieder bekräftigt wird oder wie im ״Jasager“ als Endergebnis von allein hervortritt; sondern aus der Situation heraus werden einzelne Lehren gezogen (etwa wie bei Lafontaineschen Fabcln), die sich letzten Endes jedoch alle auf einen Generalnenner bringen lassen, — und der ist; Menschlichkeit, geistig beherrschte Haltung, Die eilig״ Tr״;'.en Gedichte (in Chöre umgestaltet) von Goethe, Matthias CI;tidius und Villon betonen: daß Gesinnung wichtiger sei als irdische Güter und am wichtigsten die sittliche Beziehung zu den Wesen, mit denen man lebt, wie es am Schluß heißt: ״Bedenk', es ist kein Tier so klein, das nicht von dir ein Bruder könnte sein.“ Es ist ein Spaß für Kinder (dem Alter und der Gesinnung nach) mit einzelnen tiefen, besinnlichen,;!Heu geltenden Momenten. Die Ausführung soll möglichst von Kindern allein geschehen. Von den Gesängen verlangt es Sternberg ausdrücklich. Die Chöre, die auch Männerstimmen miieinbe/iehen müssen, sind schon komplizierter, können aber mit Fleiß und Begabung bewältigt werden. Das Orchester, meist zweistimmig, mit Streichern, dann Flöte, Saxophon, Trompete ad libitum durch den frischen, hellen Klang des Klaviers dauernd unterstützt, kann eher von fortgeschrittenen Schulorchcstcrn als von Kindern ausgefülirt werden. Dieses Werk ist vor DJ Jahren geschrieben worden. Es repräsentiert Sternbergs letzte Entwicklung; er nimmt Anregungen der sogenannten (k-brauelismusik auf (Volkstümlichkeit tmd Didaktik) und macht sich dadurch frei von romantischen Einflüssen, die von Brahms bis Schönberg reichten. Schon seine früheren Werke: sein 1 leiiie/ykiiis, sein Chorwerk Inferno sind Zeichen einer kämpferischen Natur, die sich nicht begnügt, die Welt als gegeben liiuzumlinien. ״Dr. Dolittle“ ist eine wichtige Station auf dem Weg seiner Wandlung von weltsclimerzlichem Ernst zur Leichtigkeit und zum Huurr desjenigen, der elastischer, aber genau so gewichtig zu leben verstellt. Musikalisch stellt jetzt Sternberg denen nah, die sich mit den Problemen lehrhafter Werke besonders intensiv auseinandergesetzt haben: Weill, Eisler 11. a. Aber mit Erwähnung der Einflüsse ist die־ Charakterisierung nicht erschöpft. Es kommt zum Songstil in den Sololiedern, der, wie alles, vorsichtig, vornehm, ohne breite Schmissigkcit ist, und zu der volkstürlichen Melodik und Fassung der Chöre diese ausgewogene sorgfältige ״edel-pedantische“ Schreibart hinzu, die eine Partitur (auch wenn sic nicht im Manuskript vorläge), sofort als eine Stcrnbergsche erkennen ließe. Zu rühmen ist wieder die geistreiche Zusammenstellung der Gedichte; hierin hat sich Sternberg schon oft hervorgetan. Ein Regisseur, der auch geschickt dramaturgisch zu bearbeiten weiß, sollte sich einmal dieses Werkes annehmeii. Dr. Hans Nathan Variationen über eine palästinensische Hirtenweise von Berthold Gohlsdnnidt Im Jibneh vertag, dem neuen jüdischen Unternehmen, das die Tätigkeit des juival-Veriages (er wurde von Joel Engel gegründet) fortsetzt, ist ein Werk erschienen, das sich von den anderen seiner Reihe beträchtlich unterscheidet. Alle Werke dieses Verlages stehen auf folkloristiseher Basis: meistens sind ostjüdische Volkslieder, daneben auch palästinensischc be- und verarbeitet worden. Dabei ist das Lied und sein Stil immer so in den Mittelpunkt gestellt worden, dab es mehr oder weniger die ganze Komposition durchdringt. Das ist eine Haltung, die aber ganz organisch nur Künstlern stellt, die wie Strawinski•, Bartok, Kosaiv u. a. fest in der Dynamik ihres eigenen Landes stehen und seine Menschen und seine Landschaft von Kindheit an erlebt haben; daneben gibt es noch eine aridere nationale Haltung, die sich an die künstlerische Vergangenheit eines Volkes anscldießt. Für den aufmerksamen, au den geistigen und politischen Geschehnissen unserer Zeit brennend interessierten Künstler Goidschmidt ist eine dogmatische foikioristische Haltung unannehmbar. Erstens, weil er eine viel zu ungebärdig-sclbständige Persönlichkeit ist, und zweitens, weil er als Westiude (und als Westeuropäer) bestimmte Traditionen hat, die er nie verleugnen kann und darf. Goldschmidt deutete also das Lied um, gab ihm ein neues Fluidum und machte über sein ״Sujet“ geistvolle Apercus. Aus seiner kompromißlosen Verhaltensweise (das Orientalisicren ist ja so leicht; Europa — und nicht nur die Juden — hat darin eine große Hebung!) entstand etwas absolut Echtes. Von früheren jüdischen Klaviervariationen erwähnen wir die von Joseph Acliron über das alte palästinensische Volks- 1 i c d ״El jiwneh hagalil“. Vor 20 Jahren war das Bearbeiten palästinensischer Themen noch eine Seltenheit. Diese Variationen sind Lisztsclier Prägung, in allem sehr virtuos und von eitlem Glanz; am Ende steht eine Sonate, in ihrer Mitte eine (schulmäßige) Fuge. Goidschmidt hat auch an den Schluß seiner Variationen eine Fuge gestellt, wie es seit Brahms scheinbar üblich ist. Goidschmidt hat sich ausgezeichnet künstlerisch entwickelt. Er macht cs sich immer schwerer und bleibt elirlkh und konzessionslos. Fr ist heute - - Anfang 30 — ein kleiner Meister; aber das würde über seine Qualität noch wenig sagen: er gehört zu den begabtesten jungen jüdischen Komponisten, die wir haben und auf die wir mehr achten sollten als bisher. H. N. Ein jüdisches Musiklexikon Allgemc'nes Musiklexikon. Erste jüdische populäre Musik- Enzvclopädie, bearbeitet von D. Ajsen Stadt und A. Prager, Warschau 1935. Von diesem in jiddischer Sprache abgefaßten Musiklexikon liegt die erste bl Seiten starke Lieferung vor. So verdienstvoll ein solches Unternehmen sein könnte, ebenso sehr muß betont werden, daß der Weg, der liier beschritten ist, ein Irrweg und das Unternehmen als mißglückt anzusehen ist. Es hat gar keinen Sinn, ein Werk zu empfehlen, das auch nicht im entferntesten das bietet, was man von einer Musikenzvclopädie überhaupt und noch dazu von einer jüdischen erwarten muß. Vor allem wäre es doch wichtig, hier über die Probleme der jüdischen Musik zu sprechen und darauf in den angrenzenden Gebieten der orientalischen, ungarischen und armenischen Musik hinzuiveisen. Davon ist aller hier gar keine Rede, lieber die jüdische Autiplicmie hätte man gerne etwas gelesen, der Fall Offenbach wäre zu behandeln und manches andere, was gerade uns Juden speziell aufs höchste interessiert hätte. Dazu fehlen alle l.itcraturangaben. Wenn schon jemand, durch irgendein Wort angeregt, sich weiter unterrichten will, ist dazu keine Möglichkeit gegeben. Aber auch sonst sind die rein tatsächlichen Angaben mehr als angreifbar, lückenhaft und ungenau. Es wird nicht klar, wann das Lexikon abgeschlossen ist, da fast alle Toten der letzten 10 Jahre noch als lebend geführt werden. Nur einige Kleinigkeiten: Siegfried Ochs, obwohl mm auch schon über 6 Jahre tot, lebt in dem Lexikon noch und wird u. a. als bedeutender ״Komponist“ bezeichnet, während von seinen musikschriftstelierischen Arbeiten keine Rede ist. Hugo Adler- Mannheim, der heute bedeutendste Koni|x>11 ist bewußt jftdischer Haltung• in Deutschland, fehlt. Bei: Ave-Maria werden als die bedeutendsten Vertoner dieses kirchlichen Textes Franz Schubert, der ihn gar nicht vertont hat (der Text seines Liedes Ave-Maria ist von Scott) und Gomuxl genannt! Der ״ungleiche Kontrapunkt“ wird in vier Zeilen behandelt: als Meister der Operette stellen friedlich nebeneinander ״Johann und Oskar Strauß“, der doch Oskar ״Straus“ heißt, während der große Johann mit ihm gar nichts zu tun hat. Dr. Oskar üuttmanu