Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 76 (20.9.1935)
- Date
- 1935-09-20
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 76, 20. IX. 1935 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 9 und Ausblick Rückblick Der Misrachi auf dem XIX. Zionistenkongreß Von Dr. Oskar Wolfs berg, Jerusalem Die besondere Aufgabe des Luzerner Kongresses bestand, abgesehen von den sachlichen Problemen, die vor ihm standen, darin, das Barnl zwischen den Parteien und Richtungen ] innerhalb der Oesamtorganisation neu zu knüpfen. Die bedrohliche Situation in aer ganzen jüdischen Welt und die Geschehnisse jenseits der Zionistischen Organisation, besondere im Revisionismus, erfordern eine Festigung im eigenen Lager. Der Kongreß verstand sehr wohl, was ihm auferlegt war, begriff auch, daß die günstige Regelung dieser Schwierigkeiten neue Komplikationen schaffen, mindestens aber mit den sachlichen Aufgaben nicht immer harmonisiert werden könne. Der Misrachi ist eine der Gruppen, deren grundsätzliche Bedeutung unbestritten, deren aktuelle Stellung in der Organisation voll Schwierigkeiten ist — übrigens nicht lediglich durch die Schuld des Misrachi. Der Weg und Versuch der Lösung des Problems zwingt uns zu einem knappen Rückblick auf die Vorgeschichte. Wenn wir die menschlichen und die gegenständlichen Konflikte beiseite lassen, die nicht mit dem Kemgebiete des Misrachi zu tun haben, so bleibt der Komplex der religiösen Forderungen übrig, die der Misrachi seit langer Zeit an die Bewegung und insbesondere an die allgcmeine Arbeiterschaft richtete. Die Weihe und Würde des Schabbat und der Feste in der Ocffentlichkcit, vor allem im Bezirk der nationalen Kolonisation, die Wahrung der Kaschruth in den öffentlichen Küchen lagen dem Misrachi am Herzen, und weit über seinen Kreis hinaus war Verständnis und Unterstützung für diesen Anspruch vorhanden. Seit anderthalb Jahren ist das Ringen um diese Forderungen nicht zur Ruhe gekommen. Im Aktions-Comite 1031 war ein guter Weg beschritten worden. Die Arbeiterschaft hatte von sich aus die Durchführung zugesagt und das A.-C. diese Zusicherung mit Freude zur Kenntnis genommen. Doch konnte man sich mit der Verwirklichung nicht zufrieden geben: allzu wenig wurde in die Tat umgeset/t. Unterdessen waren im Misrachi wesentliche Wandlungen vor sich gegangen. Die Haltung des Misrachi in Deutschland gegenüber den führenden Kreisen im Merkas Olami und in den großen Landsmannschaften griff auch auf andere Teile der Bewegung über, und Konflikte, über die seinerzeit bcrichtet wurde, besonders um den Waad Lcumi herum, gaben Anlaß zur Gründung des ״Misrachi hawathik“. Auf der Weltkonfcrenz des Misrachi in Krakau, die dem Kongreb in Luzern voranging, wurde der Misrachi hawathik als Gruppe sui generis anerkannt und damit die Gliederung des Misrachi in drei Komponente (Misrachi, Misrachi hawathik Iund Hapoel Hamisraehi) vollzogen. Dieser unleugbare Fortschritt — Träger des ״Wathik“ sind außer wesentlichen Teilen des palästinensischen Misrachi der deutsche, englische, schweizerische, Menschen des tschechoslowakischen und holländischen Misrachi ~ ist nicht der einzige in Krakau erreichte; es fand ein Kurswechsel statt, bei dem die die alte Richtung charakterisierenden Marinier aus der Leitung ausschieden. Zwar entspricht der neue Merkas nicht idealen Erwartungen, aber immerhin sind doch Pick und M. Schapiro unter seinen Mitgliedern. Es gibt sehr erhebliche Schönheitsfehler unter den Krakauer Resolutionen, Unklarheiten in den Beschlüssen hinsichtlieh des Schekel und der Definition des zionistischen Ziels, und ich bin weit davon entfernt, Krakau als eine befriedigende Station zu betrachten. Innerhalb des Misrachi hawathik habe ich, der an der Weltkonfcrenz nicht teilgenoinmcn hat, scharfe Kritik geübt und auch den Zusammenschluß zu einer Fraktion für den Kongreß —- jedenfalls ohne hinreichende Sicherungen und Vorbehalte — nicht gebilligt. Aber mit einem fait accompii muß man sich abfindcu. Die 111 Krakau beschlossene einheitliche Fraktion wählte nun eine bestimmte Taktik. Sie wollte den religiösen Forderungen dadurch einen größeren Nachdruck verleihen tmd ihre Durchsetzung erzwingen, daß sie erklärte, sich an den Wattlen zum Kongreßpräsidium, am Kongreßpräsidium selbst, au der Generaldebatte und den Arbeiten der Kommissionen so lange nicht zu beteiligen, als nicht eine Klärung und bet'rierügende Lösung der erhobenen Ansprüche erfolgt sei. Tatsächlich blieb der Misrachi dieser Linie treu und ging erst in die Kommissionen hinein, als ein positives Ergebnis erzielt war. Ich will hier nicht kritisch zu der gewählten Taktik Steilung nehmen, sondern nur bemerken, daß das Desinteressement am Kongreßpräsidium und besonders an dem Präsidenten des Kongresses mir nicht ungefährlich erscheint. Die Abstinenz in der Generaldebatte ist eine ungewöhnliche Haitung, die dem Misrachi die Gelegenheit raubt, Grundsätzliches und Entscheidendes in einem so wuchtigen Zeitabschnitt unscrer Geschichte zu sagen. Aber der Misrachi hatte in der Sache Erfolg. Nach langwierigen Verhandlungen, an denen seitens des Misrachi in erster Linie Männer des Misrachi hawathik — es ist hier besonders der hingebungsvollen Arbeit von Rabbiner I)r. Hoffmann (Frankfurt) zu gedenken — beteiligt waren, kam zwischen der Fraktion des Misrachi und der des ״Arbeitenden Palästina“ eine Vereinbarung zustande, die freilich nicht alle Hoffnungen der gesetzestreuen Judenheit erfüllt, aber doch in einer würdigen Weise der Bedeutung des Schabhat und der jüdischen Feiertage gerecht wird. Die Deklarationen der beiden beteiligten Parteien, vertreten durch Rabbiner Hoffmann und Re me/, die kurzen, aber bedeutsamen Bernerkungen Dr. Weizmanns, des Kongreßpräsidenten, gaben der Mitteilung an den Kongreß einen feierlichen Charakter, und es kann kein Zweifel daran bestehen, daß die diesem Akt gewidmete Sitzung einen Höhepunkt des Kongresses darstellte. Weit über den Kreis des Misrachi hinaus bestand Genugtuiinjr über die Sicherung dieser großen Institutionen des Jtidentuins, deren Entweihung schmerzlich und bedenklich ist. Vielleicht ist das bedeutsamste an diesem Pakt, daß in freiwilliger Vereinbarung zwei große Strömungen unserer Bewegung sich zusairnnenfanden und ein Beispiel dafür gaben, wie Probleme subtiler Art ihrer Lösung entgegengeführt werden müssen. Ich erblicke in diesem Geschehen ein verlieißungsvolles Vorzeichen nicht nur für die Durchführung dessen, was beschlossen wurde, sondern überhaupt für die Zukunft unseres Jisclunv und unserer Bewegung. Bei allem weitanschaulichen Abstand zwischen Misrachi und Arbeiterschaft bestellt zwischen diesen Richtungen eine Gemeinsamkeit des Idealismus, die nicht zulassen darf, daß sie lediglich als feindliche Brüder gegeneinander stellen. Schon die Existenz des Hapoel Hamisraehi, dessen Dasein die unmittelbare Voraiissetzung für eine Annäherung der Flügel ist, beweist, daß es eine natürliche Brücke gibt. Denn die geistige Grundläge dieser Richtung und ihr praktisches Wirken gestattet kein Auscinanderfallen des Judentums der Tradition und des Judentums des Schaffens und der Produktivität. Leider steht der Eintritt Rabbiner Fischmanns in die Exekutive als Vertreter des Misrachi in keiner Weise im Einklang mit der in Krakau begonnenen Wandlung im Misrachi und mit dem inneren Sinn der neuen Linie, die auch auf dem Kongreß spürbar war. Der Misrachi in Deutschland hat et immer vermieden, den Meinungskampf aufs persönliche Gebiet auszudehnen. Bei allen Auseinandersetzungen der vergangenen Jahre standen die sachlichen Gesichtspunkte durchaus im Vordergrund, und Personen mußten lediglich als Re- Präsentanten einer Auffassung oder politischen Richtung unsere Gegnerschaft verspüren. So soll auch diesmal an der Person Rabbi Fischinanns keine Kritik geübt werden; wir sind die Letzten, die ihm Fähigkeiten und Gaben absprechen. Aber er selbst und seine Freunde hätten diesen Weg nicht besclireiten dürfen. Die Tätigkeit in der Exekutive setzt bei aller Prinzipienfestigkeit und aufrechten Vertretung der Prinzipieti des religiösen Judentums gewisse Eigenschaften voraus, die nicht jeder besitzt. Gerade in einer verhältnismäßig kleinen Exekutive kommt es auf die Harmonie zwischen den Mitgliedern an. Aber über diese Sachlage hinaus hätten diesmal die innere Situation des Misrachi und die Verhältnisse innerhalb der Zionistischen Organisation logisch zu einer ganz anderen Lösung führen müssen. Der Sitz in der Exekutive hätte einem Vertreter des Hapoel Hamisraehi oder einem Misrachisten gebührt, der einer weniger extremen Aulfassung zuneigt. Noch besser wäre es gewesen, wenn Per- Ähnlichkeiten beider Art in die Leitung gelangt wären. Auch die Frage der Eignung für ganz bestimmte Ressorts hätte gestellt werden müssen. Es braucht nicht besonders betont zu werden, daß insbesondere im Misrachi Hawathik, aber auch bei wesentlichen Teilen des Hapoel Hamisraehi ein außerordentlich starker Widerstand gegen diesen Weg der Lösung bestand. Es liegt an der Methode der Exekutivbildung, die ja nicht mir dem Misrachi Schwierigkeiten bereitet, daß das Ergebnis so unbefriedigend ist. Im Kongreßplcnum ist der Misrachi diesmal nur in der Kulturdebatte hervorgetreten. Vermutlich wird diese ganze Debatte keinen befriedigt haben. Für diejenigen Misrachisten, die bezüglich der kulturellen Bestrebungen grundsätzlich hoffnungsvoll sind, war der Verlauf dieser Debatte besonders schmer/ficli. Wir haben kein Wort gehört, das den Weg des Geistes in unserer Bewegung irgendwie gefördert hätte. Es ist nichts dagegen zu sagen, daß die Redner jeder Richtung kritische Bemerkungen gegen die Leitung auch auf diesem Gebiete Vorbringen, und es ist fast selbstverständlich, daß der Misrachi als Träger der Kultur der Tradition «auf die Mängel Hinweisen muß, die aus der Unterschätzung der überlieferten theoretischen und praktischen Werte fließen. Aber keine solche Rede wird den Weg zu den anderen finden und irgendwie wecken, wenn sic nicht an der eigenen Leistung die Größe und Fruchtbarkeit des eigenen Ver- Stichs und seine Bedeutung für jede national-jüdische Kultur autweisen kann. Man sieht, daß Positives und Negatives nebeneinander stellen. Vielleicht!;ah es schon Kongresse, auf denen der Misrachi weniger im Dienste seiner eigenen Ziele und der gesamten Aufgaben unserer Bewegung leistete als diesmal. Ein Kongreß ist nur eine ephemere Erscheinung, und vieles kann in Vergessenheit geraten, was auf ihm selbst eine große Rolle spielt. Immerhin darf man nicht vergessen, daß jedes Wort und jede Handlung weiterschwingt und Konsequenzen haben kann. Es sei der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß alles Verheißmigsvolle durch unseren Willen und unsere Kraft zur Realisierung gebracht, alles Unfruchtbare und Negative ausgeschaltet werde. Ich glaube, daß die produktiven Elemente im Misrachi, die doch deutlicher als in vergangenen Jahren zur Geltung kamen, nicht ermüden, sondern mit festem Eut- Schluß die Gesundung des eigenen Lagers herbeiführen und so dem Zionismus noch ungeahnte Dienste leisten werden. Um Verzögerungen zu vermeiden, bitten wir dringend, Manuskripte und Einsendungen, die für die Redaktion bestimmt sind, nicht an Einzelpersonen, sondern an die Redaktion zu adressieren. r NEW YORK MOSES, SERMEO & HAAS Anwalt• für ausländisches Recht Allgemeine Rechtssachen / Firm*ngründungen Devisen- und Erbschaftssachen Fhwanderungen Dr. Fritz Moses vorm. Landgericht Berlin prakt.seit 1926 NewYork NewYork, 2 Rector Street Alfred Haas vorm. Rechtsanwalt Main 1 Kebeladr.: Foreign law, NewYork Hausschuhe sind weltbekannt! J. & C. A. Schneider Schuhfabriken Frankfurt a.M. yGfLS Einzel- Anzeigen werden aus technischen Gründen nur gegen Voraus- Zahlung angenommen Scltuk-Betyrt Gr. Frankfurter Str. 119 in der AndreasltreSg, direlcl U-Bahn- Station Strauabarger Platz. Zum Neujahrs •Fest, als wundarashttnea Herbatmodall Damen-Pumpsfso ichwnrz liauh-I.0((er u. Lack ₪ mit ptroSer «eckiger Schnall• ■ Maina Hauptprelslage ist für Hawaii ״chwar* Bo*• ס3ר narren oait u. 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