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Jüdische Rundschau · 1935-09-17 · Heft 75 (17.9.1935) · page 12

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 75 (17.9.1935)
Date
1935-09-17
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 12 JÖDISCHE RUNDSCHAU Är. 75, 17. IX. 1935 Aus dem Reich Von unseren Berichterstattern Beuthcn (Oberschlesien). Am 10. September hielt der Kongreß- Delegierte, Arnold Wiener, im überfüllten Saal der Mamrch-Loge einen Vortrag über den Verlaut der XIV. Zionistenkongresses. Die ■Versammlung hörte seine Ausführungen mit großer Spannung an. Frankfurt (Oder). In einigen Tagen verlaßt der langjährige Vorfitzende der hiesigen Zio!1i--li5ehen Omgruppc, Rechtsanwalt Heinrich Aronheim, unsere Stadt. Sein Verdienst ist es hauptsächlich, daß wir in Frankfurt einige gut besuchte öffentliche Versammlungen hatten. Wir hoiien, daß Herr Aronheim an seinem neuen Wirkungsplatz Zeit finden wird, seine bewährte Kraft der zionistischen Bewegung zur Verfügung zu stellen. GSppingen (Württemberg). Assessor Gutmann, Frankfurt am!Main, sprach über: Wer kann nach Palästina wandern? Studien einer Reise. Der Redner legte die Aufnahme-Möglichkeiten des Landes Palästina dar. Die Versammlung, die gut besucht war, dankte dein Redner durch überaus herzlichen Beifall. Koblenz. 11 ier fand die Am! •eirmihnjiig des neuen Bezirksrabbiners, Dr. Max V o g e 1 s t e i n statt. In der festlich geschmückten Synagoge hatten sich die Vertreter der Gcmcindektirpersehailcn und zahlreiche Mitglieder der Synagogcngcnicinde Koblenz und der zum Bezirk des neuen Rabbinats gehörenden Gemeinden versammelt. Marburg. Am 6. September sprach in der Ortsgruppe Dr. Vera Mahler, Berlin, über: ״Paläcina in Wirklichkeit“. Die Versammlung war sehr gut besucht. R tbbiner Dr. Cohn hielt einer, Nachruf auf Raw Kuk. München. Der 1. Kantor an der Hauptyvnagoge der Israelitischen. Kulnisgemc'mde Münden, Mr ׳ritz N ' e 11. hat einen Ruf der Gemeinde Zürich erhöhen und wird d * »rt n ach den hclien Feiertagen «ine Tätigkeit au״t׳׳l.f::!■:;. — \, ׳,1, r r ben.hH'te l)r. Richard Ki en ühfT Veilaut u:1d Kw Hcto ,( ■ .io, XI X. Zio:!Fu-11k״ngre״-es. Offenhach. Am 14, Srp'fn;! ־er!.!!01 in <1 rm v׳dihc-׳׳'!׳׳('n großen Saal dt■: «3 ׳;׳!eh 1! 1-•׳ v eia Imtcrnmul Werh.mhend des! P. nn! M ah11!;,״ .unii r sur!. Per 4 Ünmd epVAhem?ich zu cit:cm VC׳■״!'. Ft; V;. W aldcnburg (Schlesien). Sh e 7. ־ O,: ,״|י|1,ן. v< ״!!!.).״,■׳Hnarti'i.ü1• .:'״ rk.e 1 I״!,k-F1 h r. V״r 7 d rt.־ן־ I otl Zu!. ,.1 ״!1׳.,!> R.1l>!>. J. Kok״'!״]; flu Ir.!׳ö; ■ vo! V - HiU v!1;;l }.u hon iind Wirimn Tliuodor JIcr?!5. Alt «u״r Kok,,״ ,!: A: ״ r; i ־ upr -uuer Aus - ■ס•:!;!! 01 021. führt:!!(1־1!•?;׳.-Rat l)r, Vkiv ' <'ob!1 au- B red,!!! über: Hohe• und Wendepunkte der jndw'hen; Ankündigungen Frankfurt am Main: .\ :י A: h.fh ,;:׳,־1 -> 2h! :..;eil Amtsiuhiüums des Genu mtP: :tti־ ■ I):. 1 h ״־!יי.; S,;h beayt-r h min a;n 20. September, 18.30 Uhr, in u״r Wo!׳!:!. \ttit ׳; 0; ,Fr .••׳, car-vwn-Stcin-Strahf» ein Fe0(:0*’e.׳!!.״!:110 ־, - Gk-iwlfz! ZOG. At: h 18. September: Arnold Wiener: Bo!: 0׳• er ,hui K ׳ — Namtlau: Am 22. September, nachmittags 3 Uhr, findet eine Seelengedenkfeier in der neu erbauten Friedhofshalle unter Leitung von Rabbiner Dr. Wahrmann und Lchrer Zarek, statt. — Mannheim! Am 21. September, 20.30 t'hr, in der Augu-t-Lamay-I.oge, Vortrag Rabbiner Dr. Joachim Prinz. Ber. lin. — ZOG. Cltug Iwri jeden Sonnabend abend 21 Uhr im Sitzungszimmer der Zion. Ortsgruppe, N 7,7. Teilnahme nur für Mitglicder, die imstande sind, einer hebräischen Unterhaltung zu tolgen. Bar Mizwah -Termine Am 21. September — 23. Elul: Alfred Rosenthal, Sohn von Dr. Siegfried Ro-cnthal, Jerusalem, Ramban Road 15. I Boden für d ie erste Siedlung j | der •Fugend*Alijah 1 ♦ Vorträge im Rahmen der Tischri-Kampagna f 17. Sept. in Düsseldorf Helene Hanna Thon 17. Chemnitz Dr. Josef Weiss 18. ■ Essen Helene Hanna Thon 19. Elberfeld * ׳< * 19. Halberstadl Dr. Josef Weiss 21. ■ a Dortmund Helene Hanna Thon 21. Lübeck Dr. Alfred Kupferberg 22. Mannheim Dr. Joachim Prinz 22. Bremen, vorm. Dr. Alfred Kupferborg 22. Osnabrück, nachm, י — 22. M n Münster, abends ״ * 22. ■ a Beuthen Dr. Josef Weiss 22. * Königsberg Dr, Hans Friedenthal 23. ■ Worms Dr, Hans Prinz 23. * Bamberg Dr. Josef Weiss 23. * Stettin Dr. Hans Friedenthal 24, 1» Hagen Dr. Joachim Prinz 24. H Zwickau Dr. Josef Weiss 24. n München Dr. Alfred Kupferberg 25. Bayreuth n 25. ■ Kassel Helene Hanna Thon 25. ■ a Erfurt Dr. Joachim Prinz Der Monat Tischri steht In Zeichen des Keren Kajemeth Lejisrael Berlin W15, Meinekeslr.10 / Postscheck Berlin 28247 Abschied von Samson und Eleaser Demnächst ja irrt sich zu nt hundertsten Male der Todestag von Camille Saint-Sacns, dem wohl repriisentativsten Opernkoinponisten Frankreichs nach dem Ableben Bizets. Seine Oper ״Samson und Dalila‘‘ ist unzählige Male über die großen deutschen Buhnen gegangen, ihr Verschwinden können wir, von der künstlerischen Seite ganz abgeselten, als Juden nur begrüßen. Solche typische ״Veroperung“ einer der problematischsten Gestalten’ der jüdischen Oe* schichte wirkt in der Gegenwart mit ihrer kritischen Neu- Wertung alles Historischen nahezu unerträglich. Vom Standpunkt jüdischer Renaissance kam! man größtmögliche Radikalitat in der Ausmerzung falscher jüdischer Pathetik von den Bühnen Europas nur fördern. Unter das bislang geschriebene Kapitel ,,Per Jude auf der Bühne“ gehört ein dicker brnlttßstiicli. — Von Shakespeare über Schiller, Grillparzer bis /u den Modernen durften Dramatiker aller Zungen, biblische und antike Könige und Aristokraten, Kneg-hekkn und Priester in den grellsten Farben. als Monier, Lii-tlingc, Volksbetrüger und .Throiuänher auf die Rampe stellen. Thron und Altar, Tradition und Gesellschaftsordnung konnten tlas tolerieren, a, es wird berichtet, daß ein französischer König von seiner oge aus einem Stucke sclirmnizelnd Beifall klatschte, das, in sehr dtireh-iditiger Antikisienmg, ihn selbst als Blut- Schänder auf der Buhne zeigte. Seit Mensehengedenken zeigt die Schauhühne, die Oper eingesclilosscn (״Boris Oodtinow"), t!nz.itliege Mordtaten, von erl,mellten Unmenschen verübt, ohne ein Geschlecht oder ein Fand dadim I! zu kompromittieren, aber ein Slivlnck, Fanatiker vom Stamme Michael Kohlhaas’, ein Fabelwesen, hat dem jüdischen Namen mehr geschadet als sämtliche Königsdramen Shakespeares dem christlichen Königtum. ״An sich ist nichts weder gut noch böse; das Denken macht es erst dazu.“ Diese Weisheit Hamlets nahm Friedrich Nietzsche zum Ausgangspunkt seiner Doktrin: es sei widersinnig, die Menschen in schwarze und weiße Schafe zu sortieren. Shylock blieb gleichwohl Typ des ״Rache-Juden“, willkommene Gestalt, ad oculos zu demonstrieren: So ist der Jude, In unzähligen ״Jtulcnstiicken“ wurden jüdische Figuren gezeigt, auf die die Formel: kein ausgeklügelt Buch, ein Mensch mit seinem Widerspruch — paßt. Die hamletische Unbefangenheit, daß nichts an sich böse ist, ist verloren gegangen. So paradox es klingt; wir sind in eine biblische Situation gelangt. Denn auch die Bibel ist ein tendenziöses Buch. Ihre Menschen sind nicht objektiv gezeichnet, nur unter religiös-sittlichem Aspekt werden sie bctrachtet. König Ahab soll ein bedeutender Herrscher Israels gewesen sein. Der biblische Bericht verzeichnet vor allem, daß er ein Sünder gewesen ist, der unter dem bösen Einfluß eines heidnischen Weibes gestanden hat. Und erst König David! Ein Mehrer des Reiches wie keiner zuvor. Dem biblischen Chronisten gelten seine Frömmigkeit, seine Psalmen mehr als alle seine Herrschertaten. Daß er einmal sündigt, mit Bathseba, dem Weibe des Urias, das zeichnet die Bibel für alle Zeiten und Geschlechter auf . . . Zwischen dem Opcrn-Samson und dem Hebräischen Theater im neuen Palästina gähnt ein Abgrund, über den keine Brücke mehr führt. Briefe an die Redaktion Schicksale jüdischer Namen Memel, 15. Sept, 1935 Verehrte SchrifßcFung! Zu den Bemerkungen unter dieser Bezeichnung in Ar. 70 u. 73 Ihres Blattes ist der Vollstämligkcit halber zum Familiennatnen linppaport folgendes nachzutnigen. Während der Judenverioigtmg 1462 in Mainz und in anderen deutschen Städten haben sich jüdische Flüchtlinge in Porto bei Verona (Italien) niedergelassen, darunter ein bckanntcr Arzt, der sich ' daher ״rate porto“ fortan nannte, und von ihm verbreiteten sich namhafte Nachkommen über alle Zeiten und Zonen, die allesamt Kohanim .-ind. Zunz in seiner Unter■uchimg ״Namen der Juden“ (Berlin 1836) führt S. 41 ״Rappe d. i. Rabe, A. 1352“ an. Dr. Elinkim Carmoly hat speziell ein Werkchen (Rörlelh. 1861) veröffentlicht. הערביס ובני ווגה Genealogie der Familie Rapoport (Raben) und Jungtauben. In dem hebr. Werk דעת־קדודים einer Martyrologie in Polen im Jahre 1659 und Genealogie der von den Märtyrern abstammenden und verwandten Familien (Petersburg, Eisenstadt - Wiener 1897) ist über Familie Rapoport (S. 135—181) eingehend berichtet 1u1d 350 Träger dieser Familie sind biographisch angegeben. — In der Literatur und der Wissenschaft des Judentums finden wir im 19. JaSirhundert: Der Oberrabbiiier von Prag, S. J. Rapoport (1790—1867) und den Dichter Moritz Rappaport (1808—1880). Leon Scheinhaas Juden und Jüdisches im Rundfunk Dienstag, 17. September.׳ Wien (507), 13.10: u. a. Weinberger. — KaUmdborg (1281), 15.15: u. a. Moszkowski, — London National (1500), 16.15: u. a. Rubin-tein. — Straßburg (349), 20.30: Die Großherzogin von Gerolstein von Offenbach. —> Kalutnlborg (1261), 22.20: u. a. Mendelssohn. Mittwoch, 18. September: Luxemburg (1304), 12: u. a. Offenbach. —London National (1500), 15.15: u. a. Mendel sohn. — Warschau (1345), 15.30: u. a. Mosrkowski. — Wien (507), 22.10: u. a. KorngoM. Donnerstag, 19. September: Luxemburg (1304). 13.05: Schallp!., u. a. Die Jüdin, von ilalevy. — Budapest (550), 13.30: Lern Ginzbcig.S'cmü singt Lieder und Alien. — Wien (507), 19.20: u. a. Woinbcrgcr. — llriinn (325), 18.45: U. a. Rubinstein. — Rom (421), 20.40: Samson und Dalila, von Saint-Saens. — Budapest (550), 21.40: u. a. Niggun, von Bloch. •— Kalundborg (1261), 21.55: Klaviermusik von Mendelssohn; 22.30: u. a. Offenbaci). Freitag, 20. September: Wien (507), 14: Sehallph, BronFlaw Huberman. — Prag (470), 12.30: u. a. Die Jüdin, von Ilalevy. — Luxemburg (1304), 13.05: Schallp!., u. a. Die Hugenotten» von Mcvcilu-cr. -- Lemberg (377). 18.45: u. a. Niggun, von Bloch. — Wien (507), 19.36: u. a. Jo,cph Schmidt. — Brüssel (franz. 484), 20: u. a. Der Prophet, von Meycrbcer. — Warschau (1345), 20: u. a. Offenbach, Bibliotheken und einzelne Werke, die anläßlich von Umzögen und Auswanderungen entbehrlich werden, erbittet die Zentralsammelstelle für die Jüdische National- und Universitätsbibiiotlick für die palästinensischen Bibliotheken als Spende. Zuschriften an die Zcntralsammelstellc, Berliner Zionistisclie Vereinigung, Berlin W15, Mcinekestr. 10, Tel.: Bismarck 7165—72, App. 44, Mikroskope und Epidiaskope für palästinensische Schulen als Spende erbeten. Zuschriften an die Zentralsanimeistelle für die Jüdische und Universitätsbibliothek, Berliner Zionistisclie Vereinigung, Berlin W15, Mcinekestr. 10, Tel.: Bismarck 7165—72, App. 44. Hebräisches Pädagogium, Wien. Der Unterricht im Winter- Semester 1635,36 beginnt am 22. Oktober 1935. Schriftliche Anmeldungen neuer Hörer und Hörerinnen unter Angabe ihres bisherigen hebräischen und allgemeinen Studienganges sind an das Sekretariat des Hebräischen Pädagogiums, Wien II, Tempelgasse 3, zu richten. Persönliche Vorstellung und eventuelle Aufnahmeprüfung am Tage des Unterrichtsbeginns. Studiengebüiiren sind nicht zu entrichten. Vom 16. bis 21, September findet in Brüssel ein Internationaler Kongreß für Religionswissenschaft statt. Unter anderem gibt es dort folgende Sektionen: ״Hebräische Religion und Christentum“ sowie ״Aegypten und Vorderasien“. 0. KAPITEL Nass o 11 Das Gerücht filier (los Werk im Ödland verbreitete -ich in-i'ii. IT celanete bis in die entferntesten Gegen- (!!וזי und crrrcF‘ IlcimtiN'linsucht bei allen Schichten und Standen des 7ersl!1׳uten \ olkes. Im ()iTlaml '!׳IlH <11 •׳<-!׳i■ ■11!׳n bereits die ersten Sclrwalben — F11 (jikin .gor und Aul oiindiil n'i.-e!1de. Als die Arbeiter des Werkes di. land salieu, sag ■ ihren Spur! len sie: t׳n folgende Bewegung ins Oed- ״Alle serliz ein! Million!׳: 1!“ Die Bt :15011, oft über (las Wunder, das 1'rn alten Oedlanrl vor sich ־1112״, verhreilete si rh narb allen Enden der Erde, Junge und Alle, Umerlieiralete und Familienväter verließen ihre Länder und machten sich eilig auf den Weg, indem sie sagten: ״Laßt uns das Wunder mit eigenen Augen sehen, das im allen Oed]and erstanden i«t.“ Es gal» auch Ucbcvlegtere, die mit leichtem Lächeln auf den Lippen saglen: ״Laßt uns seilen, oh das alles wahr ist.“ ״Üb ■wirklich die Ziegen dort Johannisbrot fressen.“ ״Ob wirklich das Land von Milch und Honig fließt,“ Auf den entlegenen Pfaden des Oedlands, über seine schilfbcdeckten Höhen und dornen- und distelbewachsenen Berge, auf den gewundenen Pfaden der Kleinviehherden strömte Menge nach Menge. Welle über Melle überschwemmte Tfiura. Von seinen Hügeln lugten die Ankommenden nach dem Oedland und saglen: ״Hier ist also das alte Oedland!“ Früher in Steinhäusern wohnend wurden die Neuanltammendcn plötzlich von einem vollkommenen Glauben an das große Oedland, seine Sonne, seinen Boden und seine Dornen erfüllt, und sie gingen zwischen den Felsen wie auf glattem Pflaster dahin. Zerstreut und in weiten Abständen, ohne Mittel- und Konzentrationspunkt, erhoben sich alltnihlieh rings um Tcura Skelette großer Bauten an den Berghängen, und von dort zogen sie sieh durch die Bergpforto ins Oedland hinab. Alt und jung sprach mit frohem Gesicht: ״Hat, nichts zu sagen, wir werden von Ziegenmilch und Fe igen leben, wie die Kinder des Oedlands.“ ״Mir werden ein wenig Hirse säen und davon leben.“ — Jung und all lernten ans vollem Herzen lachen. Es war klar, daß die Bewegung, falls die Nptiankoninienden ihren Durst narli einen! feslen menschlichen Dasein nicht stillen konnten, rasch wie eine Seifenblase platzen würde. Auch konnte man voraussollen, daß dieser und jener, schnell aus seiner Trunkenheit ernüchtert, der Wiistnis und ihren Felsen, die übermenschliche Anstrengung erfordern, den Rücken kehren werde. Aber einstweilen fluteten die Wellen und brachten immer weitere Menschenmengen mit sieh. Die Bodenpreise stiegen, es wurden Bau-, Industrie- und Pflanzungsge so 11 י r h ח f I e 11 gegründet. Als in Tenra bekannt wurde, daß auch Nasson, der bekannte Millionär, zu kommen beabsichtigte, sprachen die Leute unter sich freudig erregt: ״Sogar die schwerreichen Kapiialisten kommen zu uns.“ ״Auf den gesunden Instinkt eines Mannes wie Nasson kann man sich verlassen. Wenn ein solcher Mann kommt, muß etwas daran sein.“ N'asson, ein Greis mit runzligem Gesicht und in sich verschlossen, mit dünnen, vom schweren und langen Lebenskarnpf gepreßten lappen, kam wirklich. Nur unreife, junge Lntile meinen, daß man Geld leicht, anbäufe. Oh, diese Unvernünftigen! Zuerst muß man ein junger heiniat- und bodenloser Auswanderer ohne jeden An- Iialt im Leben gewesen sein. Zuerst muß man, ohne Anleitung und Stütze, in den mächtigen Strudel des Lebens geschleudert worden sein: als Hausierer, als Slraßenausrufer, bereit zu jeglicher Arbeit, und plötzlich-mit der ganzen Gewalt des Verstandes zur Ernüchterung und Einsicht gekornmen sein, daß Geld alles ist. Und dann muß man Tag und Nacht ohne Ruhe dein Gelde nachgehen. Abwechselnd straucheln und wieder aufstehen, mit dem einen Gedanken im Hirn: Geld bekommen oder Schluß! Sparen, dem Leben, allem entsagen, das Freude, Vergnügen bereitet; grau, verschlossen sein, alle Quellen des Triebs und des Herzens verstopfen, Centime zu Centime, Dollar zu Dollar fügen, und dann — — den einen, weitausholenden Schwung tun! Das Geld ist erreicht, der Mann geübt im Sparen und Entbehren; in seinem Körper, seinen Gcsichlsfalt.cn, seinen gepreßten Lippen ist der hartnäckige Weg eingegraben, den er durehselirillen hat. Von nun an gibt es Geld, Ehre, Allvermögen. Mit Gehl kann er sich all das erwerben, das er seiner hungrigen Seele versagt halte, all das, was das Leben ihm bisher vorenlhallen hatte. Und nachdem er es durchgekostet hatte und seiner überdrüssig geworden war, sagte er: ״Ich will mir eine Heimat kaufen!“ Eine Heimat mil. Geld kaufen? Ja. Mil Gehl kann man Boden erwerben und auf ihm Bauten errichten, die an Wert hinter denen nicht zurücksleheii, die alle Völker erlichten. Es gab Zeilen, wo alles durchs Schwert erworben wurde. Jetzt erwirbt das Geld alles. Verschlossen und mißtrauisch gegen alle, die in seinem Hause aus- und eingchcn, leitet N'asson seine Geschäfte und ist so schwierig, daß Leichtbewegliche und Phantasiebegabte an ihm oft verzweifeln. 011״, Herr Nasson, dort kann man Boden, allerbesten Boden erwerben und im Schoß der Erde gibt es großen Wasservorrat 1“ Aber Nasson merkt nur auf und wählt wohl abgewogene Worte: ״Ich werde es mir noch überlegen.“ Und wenn ihm das aufdringliche Zureden lästig wird, erzählt er mit trockenem Lächeln seine kurze Geschichte: ״Wissen Sie, meine verehrten Herren, däß ich mein Geld durch Hunger erworben habe? Als ich Centimes verdiente, gab ich nur einen davon aus und den zweiten investierte ich nur dann in einem Geschäft, wenn ich sicher war, daß er mir zwei einhringeti wird.“ Dieser trockene Witz war schnell publik geworden. Die Leute kicherten, verabschiedeten sieh von ihm und erkannten, daß vor ihnen eine Mauer stand: das Geld, das Nasson durch Hunger erworben hat, gehört ihm, und er kann damit tun, was sein scharfer, eigensinniger Verstand will. Enttäuscht pflegten die Leute von ihm wegzugehen, und sagten: ״Wenn wir nur ein Drittel, ein Viertel seines Kapitals hätten 1“ (Fortsetzung folgt)

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