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Jüdische Rundschau · 1935-09-17 · Heft 75 (17.9.1935) · page 11

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 75 (17.9.1935)
Date
1935-09-17
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 75, 17. IX. 1935 JÜDISCHE RUNDSCHAÜ Seite 11 Kieingemeinde-Bilder Wie gestalte ich «len Schabbat? Wochenabschnitt ״Nezawlm - Wajelech" Für Schabbat, 21. September (V. B. M. Kap, 29, 9-31, 29) I. Diese Wochenabschnitte enthalten die letzten Reden Mosches an das jüdische Volk, mit dem er den ״Brith“ erneuert. Wichtig ist, daß dieser Bund nicht nur für die damals lebenden Juden gilt, sondern auch geschlossen wurde mit ״dem, der nicht hier heute mit uns steht“. Auch das Gebot der ״Teschuwa“, der Umkehr, findet sich in unserem Wochenabschnitt (Kap. 30, 2). Es ist intcressant, daß der Wochenabschnitt ״Wajclech“ stets am ״Schabbat Schuwa“ oder am vorhergehenden Schabbat gelesen wird. Ueber den Sinn der ״Tescluiwa“ werden wir uns beim nächsten ״Oneg Schabbat“ unterhalten. II. Am Sonntag, dem 22. September, beginnt man mit den ״Slichot“. Es sind dies Gebete, die fast alle im Mittelalter gedichtet wurden und in verschiedenen Variationen über das Leid klagen, das dem jüdischen Volk widerfährt. Die ״Akcda“, die Opferung Isaks, ist ei!1 Motiv, das häufig in den Slichot eine Rolle spielt. Die bekannteste Akeda ist die von Rabbenu Gerschon unter dem Titel ״S’chor Brith“ (gedenke des Bundes) verfaßte. Sie ist in einer guten und schönen Uebersctzung in der Anthologie ״Jisrael, Volk und Land“ abgedruckt (S. 43). Die klassische Darstellung über Geschichte, Charakter und Inhalt der Slichot findet sich in ״Die svnagogale Poesie des Mittelalters“, von Leopold Zun/, (Kap. 2—4). Zum Vorlescn für jüngere eignet sich sehr gut die Gcsehichte von I. L. Perez ״Wenn nicht noch höher“, die die Stimmung der Slichot-Tage wiedergibt Als Ha/tarah wird gelesen: Jesaja 61, 10—11; 62, 1—12; 63, 1-9. Mit dieser Haftarah schließen die Trosthaftarot. I. E. Rabbi Akiba ben Josef Eine der interessantesten Figuren der jüdisch«) Oeschichte ist zweifellos R. Akiba ben Josef, der nicht nur wegen seiner großen Gelehrsamkeit, sondern auch als nationaler Führer in einer Zeit des Niederganges und des geistigen Umbruches außerordentliche Popularität erlangt hat. Die Volkserzählung hat sich daher mit Vorliebe seines Lebens angenommen, indem sie es mit einem Sagen-Kranz um woben hat und ihn zum großen Helden der Legende machte. Die Uebcrlieterung weiß von ihm zu erzählen, daß er in seiner Jugend ein armer unwissender Hirte war. Er soll in den Diensten des reichen Jerusalemer Bürgers Kalba- Sabua, der die Stadt während der Belagerung mit reichen Lebcnsmittclvorrätcn versehen hat, gestanden haben. Die Tochter Kalba-Sabuas, die schöne Rahe!, hat aber den Hirten liebgewonnen und ist unter der Bedingung seine Frau geworden, daß er sicli von nun ab ganz und gar der Lehre widmen solle. Da der Vater gegen diese Verbindung war, verließ Rahel ihr Vaterhaus und nahm ein Leben voller Entbehrung und der Armut auf sich, bis Akiba sein Ziel, die Beherrschung der Tltora, erreichte und zu einem der Größten in Israel ־wurde. Es ist interessant, sich in diesem Zusammenhänge die historischen Ereignisse jener Zeit vor Augen zu führen. Es ist die Zeit der großen nationalen Not nach der Zerstörung des Tempels und der Niederwerfung des Volkes. Dem Reste drohte die große Gefahr, führerlos und ganz der Vernichtung preisgegeben zu werden. In dieser harten Zeit entstand ihm ein Mann und ein Führer in der einzigartigen Person R. Akibas. Und etwas Großes zeichnet neben vielem anderen diese geniale Führerpersönlichkeit aus: Er war wie aus Granit gemeißelt. Er wankte nie und zweifelte nie, wenn es um die Zukunft seines Volkes ging. Er vermochte es, mit ganzer Kraft und unbeugsamem, hartem Willen für sein Volk einzutreten. Die Verherrlichung der Nation, die in jener Zeit erniedrigt und geschlagen zu sein schien, verleiht der Weltanschauung Akibas ihren charakteristischen Zug. Akiba hat nie aufgehört, an die politische Wiedergeburt des Volkes zu glauben, und als die Morgenröte einer nahen Erlösung unter der Führung Bar Kochbas sichtbar zu werden In «iner westdeutschen Großstadt tagt einen Sonntag hindurch der Provinzialverband der Synagogengemeinden. In dem kleinen Saale des Gemeindehauses sitzen etwa 25 Herren an zwei langen Tischen. Es sind durchweg Männer zwischen 50 und 60 Jahren, einige mögen älter, etliche etwas jünger sein. Der Beobachter vermag erst nach einigem Besinnen den einen oder anderen, nach mehrjähriger Abwesenheit, wiederztierkennen. Der Herr Ocnieindcpräses aus X. am anderen Ende der Tafel ist doch sehr gealtert, wenn auch der Sarkasmus seiner Rede geblieben ist. Die Vorstandsherreil der Großgemeinden immer noch soignierte ,״ältere“ Herren, die Vertreter der Kleingemeinden tragen zumeist wie einige anwesende Rabbiner das traditionelle Kappchen. Sorgenvolle, wortkarge Männer, die Vertreter dieser Landjudenschaft.... Vor achtzehn Monaten war der Verband in der gleichen Stadt versammelt, damals ein übervoller Saal mit über hundert Delegierten. Auf jener Tagung hat man ein groß angelegtes Referat eines Vertreters der Reichs Vertretung angehört, hat Organisationsfragen stundenlang beraten, aber so gut wie nichts ist in organisatorischer Hinsicht seitdem zustände gekommen. Jüdische Verwaltungsmühlen in der Provinz mahlen immer noch langsam. Eine Vertreterin des Preußenverbandes erstattet Bericht _ über ihre Tätigkeit für die Klcingeineinden. Hier einige indiskrete Streiflichter: Zwei Gemeinden nebeneinander unter einen Hut zu bekommen, ist ein Ding der U11mögliclikcit, jüdischer Kantönligeist von mitunter grotesken Ausmaßen. Fünfkirchen würde — Gott verlnit's! — nicht einen Helier seines Steucrtrags den Sechskirchenern zukomtnen lassen, alles geht wie vor zwanzig, dreißig Jahren seinen tragen Lauf. Manche Kleingcmcindc behauptet, überhaupt kein Statut zu besitzen, man sei sozusagen rechtlich nicht vorhanden! Die Dezernentin des Verbandes hat in einem Falle ein aus dem Jahre 1860 stammendes Statut aufgestöschien, da war er der erste, der sich dieser Bewegung vorbehaltlos anschloß. Sein ganzes Leben und Wirken war von der großen Zukunft Israels erfüllt. Charakteristisch hierfür sind auch seine Worte der Tröstung, die er den anderen verzagten Führern und Lehrern des Volkes zurief. — .Man lese bei ״Akiba der Tröster“ iu der Sammlung ״Midraschim der Klage und des Zuspruchs“ (Schocken-Band 36). Akiba blieb seiner Linie immer treu. Nach der Niederwerfung des Bar-Kochha-Aufstaudcs, als die harten Edikte Hadrians den Bestand des Judentums in seinen Fundamenten treffen sollten, da erst setzte er sich, trotz seinem hohen Alter, zu dessen Verteidigung ein und scheute kein noch so großes Opfer. In jener Zeit, so wird berichtet, als Hadrian seine strengen Verbote gegen die Ausübung der jüdischen Religion erließ, war Akiba einer der wenigen Führer, die diesem Ansinnen Trotz zu bieten vermochten, (Berach. 61b.) Er veranstaltete weiterhin öffentliche Lehrvorträge und Ver- Sammlungen und war mit Leib und Seele dabei, die große Ueberliefcrun.g unter schwersten Opfern zu verteidigen und sie seinem Volke zu erhalten. Als er einst von einem der Gelehrten, Pappos b. Juda, wegen der Nichtachtung der römischen Verbote zur Rede gestellt wurde, antwortete er ihm mit einer sehr sinnreichen Parabel: Einst ging, heißt es da, der Fuchs am Ufer eines Flusses spazieren und sah, wie die Fische sich im Wasser tummelten. Er rief ihnen zu: Wollt ihr nicht lieber auf die Erde kommen, damit wir zusammen wohnen, wie einst meine Almen mit den eurigen gelebt haben? Darauf erwiderten ihm die Fische: Wenn wir iin Wasser, in dem Element unseres Lebens, allerlei Gefahren ausgeset/t sind, wie erst dann, wenn wir zur Erde kommen, das nicht unser F.leme•’־ ist. ״So ist es mit uns“, meinte Akiba, ״wenn wir bei der Beschäftigung mit der Thora Gefahren ausgesetzt sind, was soll erst dann aus uns werden, wenn wir diesen Rettungsanker aus der Hand geben?“ Und Akiba wußte, was seiner harrte. Er nahm es aber mit vollem Bewußtsein und mit der ganzen Kraft seines seelischen Vermögens auf sich. Demi nur so zeigt sich die wahre Größe der Persönlichkeit. Er wurde vom römischen Statthalter Ruftts (Tyrannos Rufus) unter schweren Martern hingerichtet und auf seinen erstarrten Lippen schwebte das Bekenntnis zum Judentum. (Man ziehe die Geschichte von bert, die Gemeinde ist — o Wunder! — einwandfrei existicrend; die Vorsteher zogen aber den Scheintod für ihre Gemeinde vor. In einer anderen Liliputgcmcinde sdiiummert das letzte vergilbte Exemplar eines tadellosen Statuts im Schreibtisch eines 91jährigen Greises. ■Man hat es ihm für zwei Tage abgeluchst, um eine Abschrift herzustellen . . . Das Minjan ist mitunter eine schwierige Sache. Die Beter in manchen dörflichen Gegenden kommen aus zwei oder drei Ortschaften zusammen. Hat es zwischen zwei Hausvätern Streit gegeben, so ist hierdurch das Minjan in Frage gestellt. In manchen dieser Gemeinden fungieren noch Lehrer. Sie werden nicht immer zu beneiden sein. Wer vermag heute die Tragik m ermessen, die jahrzehntelang auf einem Stande gelastet hat, der unter den hier geschilderten Verhältnissen die geistige Führung des Judentums zu repräsentieren hatte! — Der Landesverband ist demgegenüber ziemlich machtlos. Man will reorganisieren, engere Fühlung hcrstcllcn, die Subventionen nur unter verläßlicher Kontrolle auszahlen; nicht mehr lebensfähige Gemeinden sollen nicht kirnstlieh durcfigehalten werden. In den Reden klarblickender Männer wird das alles entschieden ausgesprochen. Vor achtzehn Monaten war die Erkenntnis leider noch nicht so weit gediehen. Wieviel Leerlauf von Verwaltungsarbeit ist seitdem zu verzeichnen gewesen! Einige größere Gemeinden der Provinz haben inzwischen von sich aus einen Bezirk zu gemeinsamer Arbeit gebildet, dabei dazwischenliegende Zwerggemeinden betreut, aber sie konnten einen notorischen Konstruktionsfeitler nicht aus der Welt schaffen. Seit gut hundert Jahren haben die Juden, gerade in dieser westdeutschen Provinz, prächtige Orgeln in .Mammut- Synagogen bineiiigcbain, aber sie haben zu wenig getan, um die Geinei mini auf dem Lande geistig und ökonomisch lebensfähig zu erhalten. Wie soll jetzt in wenigen Jahren, wo soviel auf uns einsturml, überall Indisches zusamnienbrieht, das gutgemacht werden können, was in langen Jahrzehnten immer wieder versäumt worden ist? —er. den zehn Märtyrern heran und lese sie im Schocken-Bauile nach.) Die Späteren wußten, was das Judentum an R. Akiba verloren hat. Ihre schwere Trauer brachten sie in den «'eiligen Worten zum Ausdruck: ״Mit dem Tode R. Akibas ist die Herrlichkeit der jüdischen Lehre geschwunden.'‘ (Mischna Sota 9, 15.) Bei dieser Gelegenheit tun wir gut, über die Rolle R. Akibas als Lehrer und Interpretator der Thora ein (iespräclt zu fuhren. Man vergegenwärtige sich auch die gcschichtliehen Voraussetzungen, die zu dein Aufstande unter Bar Koehba geführt haßen, und die schweren böigen, die nach der mißglückten Voiksbelreiung. unter Hadrian (nach 135 n. Chr.l, eingetreten sind. Wir wissen auch von einer starken Opposition, die unter den <ielehrten jener Zeit gegenüber dem greisen Akiba bestand, als dieser im Bar Koehba den verheißenen Messias sah. Ein Zeitgenosse rief dem im Befreitingstaumel lebenden R. Akiba folgende Worte zu: ״Eher wird Gras über deinen Wangen (d. h. über deinem Grab), Akiba, sprossen, denn siehe, noch ist der Messias aus dem Hause Davids nicht gekommen.“ Akiba aber wich nicht zurück. Er blich vor seinem Tode, wie in seinem ganzen Lehen, der große Freund, der Führer und Verteidiger seines Volkes. Aus der zahlreichen Literatur verweisen wir noch, neben dem bereits Zitierten, auf Dubnow, Geschichte Bd. III, S. 41 ff.» S. 53 ff.; Eticycl. Jtid. II, Akiba b. Josef; A. Katz, Biographische Charakterbilder, S. 1 •14 f., und Bin-üorion, ״Der Born Judas“ I, 96 ff., ״Der Akiba-Roman“. J. M. Die Freie Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums, Frankfurt a. M., Reclineigrabenstr. in, begeht ini Herbst dieses Jahres das öujahrige Jubiläum ihrer seinerzeit von Rabbiner 1 lirscli gegründet cn ()rgani>ation. Sie he ahsichtigt, ein umfassendes Bild ihrer Tätigkeit, auch auf dem Gebiete der Kriegsfürsorge für die judi-chen Soldaten, zu entwerfen, Es liegt ihr daran, die Aüre-'U'U aller derjenigen Soldaten 7n haben, die von ihr betreut wurden. Sie!littet daher, an ihr Büro Frankfurt a. .M., die Anschriften der in Frage Kommenden an/ugeben. Am dem Hebräischen von Dr. Max Mayer, Jerusalem 5, ForUetttang Nachdruck verholen ״Hütet eure Zungen vor Ruth!" und seine große, zur Faust geballte Hand, die er in die Höhe hebt, hat überzcugende Kraft. Die Lculc des Lagers kichern verhalten bei den Worten lssars, denn es gibt solche, die zu erzählen wissen, daß der ״alte Wolf“, seitdem Rull! ins Lager kam, so weich wie Wachs geworden sei. Noch am ersten Abend 11ahe er sich an sie herangemaclit und ihr eröffnet, daß er gern ungekochtes Gcimiisc und Obst esse und an die Kochkunst nicht glaube. Issar habe ihr noch weitere Gesetze der Ernährung offenbart, bei deren Einhaltung der Mensch so gesund an Körper und Seele bleibe, wie er es heute sei. Ebenso gab es jemanden, der mit eigenen Augen gesehen haben will, daß dieser erfahrene Lokornotivluhrcr das Mädchen an seine Maschine II I, die sauberste und beste .Maschine des Lagers, geführt halte, um sie ihr zu zeigen. Und seitdem Ruth in der Küche arbeitete, erhielt Jssar rote, tadellose Tomaten, ausgcwähllo Früdile, appetitanregende Weintrauben gereicht, und Issar vergaß dagegen keinen Abend hei seiner Rückkehr von der Arbeit einer» Strauß Ultimen mitz!!bringen, wie er sic im Oedland fand. Er pflegte ins Zimmer von Rul.11 einzutreten, und indem er ihr die Namen.und Blütezeit der Blumen eingehend erklärte, ließ er sie in ihrer Hand zurück. Issar atmele dann die Luft des reinen, frischen Zimmers in sein einsames Herz und ging mit den! breiten, nachlässigen Schrill eines Mechanikers hinaus. Während die Leute sieh dies erzählten, verhielten sie ihr Lachen, da sie wußten, daß in den vielen Ledcrtaschen am Gürtel lssars und in seinem Gehirn exakte Kenntnisse filier Kohle. Eisen und die Flora des Ocdlands aufbewahrt sind, und dalj der .,;1111' Wolf“ immer auf der Suche nach einem aufmerksamen Ohr ist, der die Ding(’ nachfülilt,. .. Der einzige, der zu Ruth nichts sagte und zu ihr nur seine ruhigen blauen Augen erhob, war Lri. Auch Ruth wußte es. W o sie stand und saß, fühlte sie diese blauen Augen, die ihren Rücken, ihren Kopf und ihr Gesicht still streichelten, und das war ihr angenehm. Ruth fühlte auch, daß dieser kräftige Bursche sie in sein Denken verweht. .,-Warum siehst du mich immer au. I ri?“ In dieser Frage, die sie hei einer Begegnung an einem Abend an ihn richtete, lag Neugierde und harmlose List, Erwartung, wie weiblicher Munscli, sich »crehrl zu sehen. ״Weil du mir gefällst.“ ״Kannst du dich wirklich an mir nicht, satt sehen?" ״Nein. Denn jedesmal, wenn ich dich sehe, entdecke ich an dir eine neue Bewegung, die mir bisher entgangen war. ״Du hängst deiner Phantasie nach, 1 ri“, lachte Ruth leicht und hell, ״ich habe ja gehört, du hist ein Künstler in Beton.“ Ruths Augen blickten schelmisch, und ein starker Wunsch stieg i!1 ihr auf, ihm zu gefallen und der Tiefe seines Herzeris, unter dein grauen Zemenlstaul , der ihn bedeckt•', ein starkes Gefühl zu entlocken, das wie ein Sturm in dem kräfligen Burschen aufslei-ge. Ein solches Gefühl hatte sie schon •öfters geparkt, seitdem sie ins Lager gekommen war und die Arheilsleule sah, die ans den! Schweiß, dein Staub und dem Lärm des Metalls die Augen nach ihr erheben. ,Jedesmal, wenn sie vorbeiging, fühlte sie das unterdrückte Lächeln und den verhaltenen Atem des Männerlagers. Sic liebt«! diese verludteile Luft, und bebend fühlte sie, daß sie sich mit sicherem Herzen der starken Brust dieses großen;Vrlieitslagers anvertrauen könne, das in sich eine mächtige Kraft der Liebe und des Hasses schloß. Dieses Männerlager nahm die ״Tochter des Lagers“ unter seine schützenden Fittiche, und auch Ruth verstand, einfach und offenherzig zu sein und jene Art zu bewahren, mit der ein hübsches, anziehendes Mädchen Leidenschäften entflammt und löscht, ohne daß das Lager der Männer in Zorn gerät und sich auflelint. Ganz im Gegenteil: das Lager pflegte mit Scherzen und Sticheleien die ,,Opfer“ 1411111 s zu behandeln, und!1111 Wohlwollen dm nachlässigen Schritte li-ars in ihr Zimmer zu m׳loL’en. Alior, wenn l n mc ,■m-prarli, ״(■nel Ruth in \ erwirrung. Sie fühltr cs -ehr wohl, 11,115 sic für ille-cn bl,m.i11Lr!ucn. starken Jüngline?11 einem Bilde wurde, um da- -ich all seine Schnsucht, sein Träumen und Denken wob. Der Name , 1S111h'‘ klang auf seinen Lippen in ine 1! 1:1 i-eher Weiehhei!. diesie eiiihüllte, wie das »cr-inki'iide Licht die einsame Tcrcbinthe auf dem Gipfel des llcrees. 1 ri fühlte, daß etwas zum Zrrhreehen Zartes und Feines sich in seinem Herzen reve. Wie Nebel zerteilten sich und verschwanden allmählich die Frinneriintren an seine Wunder- Schaft, mnl ein starkes Sehnen nach dem Zukim 1''1 iucn spann sich in ihm an, wenn Ruth neben ihm saß und wenn sie von ihm ging. Riitb! In alten Zeiten zog hier im Oedland der Geist Gottes vorüber, liier schweben die Ricscn«e!1attcn der I'.i 1pörer des Altertums, die sich mit härenen Gewändern antaten und das!nächtige Gebäude des Glaubens an Mensch und Gott auffiihiAen, Von den Felsen ihres entrückten Dorfes kamen sie herab, hinter dem Vieh gingen sie her, um die Morte der Wahrheit Mann und Frau, Priester und König, zu künden. Warum?01110 das, was früher w ar, nicht wiederkehron? Derlei Gedanken über das Ocdland und seine Ruinonhüsrel, die in ihrer Doriienbülle eine uralte ewige Wahrheit verbergen, stürmten auf das Ohr Ruths ein. — ׳— Die Gedankenverbindung w ar für Ruth kühn und fremdartig. Ihr Instinkt sagt(' ihr leise, daß an ihr im Sturme Widerhalle aus Trümmern einer Vergangenheit vorüberzielien, und daß in diesen Widerhall(■!! eine reiche Zukunflsmelodi(' verborgen ist. Es scheint ihr, daß die Widerlialle, wenn sie mit Uri heisiunnien ist, zu einer mächtigen Triebkraft würden, die noch nidit ihren rechten Ausdruck zu finden vermag. Durch ihren Körper siebt Lri die Welt. Diese Empfindung war voll und ganz und goß in sie eine Flut der Wonne. So vertraute sie sich ihm in der wundersamen, weichen Stille an, deren Duft iluri wie der Duft ihrer Haare erschien. Lri umarmte sic mit Gefühlen tiefen Dankes für die Güte, die sie ihm erwies, als sie seinen Kuß in der wundersamen Stille erwiderte.

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