Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 75 (17.9.1935)
- Date
- 1935-09-17
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seife 10 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 75, 17. IX. 1935 Arbeit und Sitten in Palästina Wenn wir heute das Wort ״Palästina“ hören, so verbinden wir damit ein Doppeltes: Wir denken an das Hei- 1 i K e Land, an das sich weihevolle Erinnerungen, heilige Gefühle knüpfen: wir denken an das neu werdende Land unserer jungen Generation, an dessen Aufbau unsere Freunde und Verwandten arbeiten. In Gustaf Da! in ans großangelegtem Werke ״Arbeit und Sitte in Palästina“ tritt uns ein drittes Palästina entgegen: das Land der mohammedanischen und christlichen Araber, der Fellachen, die auch heute noch nicht so sehr viel anders leben als vor Jahrtausenden. Und das erste, was sich uns aufdrängt, ist der ungeheure Abstand zwischen dem Orient, den das arabische Palästina noch heute darstellt, und der Lebensweise der Juden, die aus Europa (und Amerika) nach Palästina kommen. Dal man bat im Vorwort zum ersten Band seines Werkes selbst betont, daß er diese Arbeit für die Erforschung der Bibel leistet, und so erscheint das Werk ja auch in der Sammlung ״Beitrüge zur Förderung christlicher Theologie“. Denn wenn sich heute auch ein vielleicht nur mehr recht kleiner Teil der Bevölkerung aus dem Altertum, ja möglicherweise sogar aus vorisraelitischer Zeit erhalten hat, so haben sich doch die L e b e n s g e w o 11 n h e i t en im Laufe der Jahrtausende mir sehr wenig geändert. Das Land hat immer wieder sein Recht gegenüber den Menschen gefordert. So haben sich Formen der Arbeit, Werkzeuge, ja Sitten und seifet Redensarten aus ältester Zeit über den Wechsel des Volkstums und der Religionen hinweg erhalten. Jetzt freilich pocht d:e Neu/tut gebieterisch auch an di« Pforte des Vorderen Orients, und in Palästina sind ihre Boten namentlich die Träger des indischen Aufbauwerkes. Aber auch der Fellache und der Beduine gebrauchen schon europäische Zündhölzer statt Fon ersteh! und Zunder, Petroleum statt des Gels, dem zur Vermehrung der Leuchtkraft vor! der Zeit der Mischna bis an die Sc 11 v.eile der Gegenwart Salz beigeinengt wurde, und vieles, Dalman in den Jahren vor und unmittelbar nach dem Kru ge im I aride noch beobachten und sammeln konnte, ist schon heute \ ielleieht endgültig verschwunden. Auch außerhalb der l'niverotat und ihres Kreises leben jetzt aber viele Juden im Lande, die Verständnis dafür haben, Altes zu pflegen, und die gewiß!lieht vcrmininen werden, noch im Icl/um Augenblick zu sammeln und aufziizeidmen. was sie an alten < H'ialen, :111 alter Arbeitsweise, an alten Ausdrücken finden und was vielleicht Dalman und seinen Mitarbeitern, die doch nicht alle Fragen an allen Orten des ganzen Landes prüfen konnten, entgangen ist. Der kt!r/!:cl! erschienene neue Band von ״Arbeit und Sitte in 1 ’,iListiiia" — der vierte der Zählung nach, in Wirkliehkiit bereits der fünfte — umfaßt ein ziemlich eng umgren/Ud Gebiet: Brot, Oe! und Wein. Aber die Fülle wirklich w issenswerten genau erfaßten Materials läßt die 500 Seiten (man darf wieder nicht nach der geringeren Seitenzahl gehen) fast zu. knapp erscheinen. Und warn wir uns näher in den Inhalt des Werkes vertiefen, dann zeigt sich, daß dag uns zuerst so fremd animitemle andere Palästina in vielem unser eigenes Palästina ist, unser altes gelobtes Land. Noch heute wird kein fruchttragender Baum umgehauen und die Frucht ist dem vorbeigeheiuieii Wanderer nicht versagt. Wie einst brennt and! heute das Licht bei der fleißigen Frau die ganze Nacht hindurch. Noch heute bäckt der eilige Beduine ohne Backtrog — die feine Bäckerei hat inzwischen Fortschritte gemacht: — auf heißen Steinen seine ungesäuerten Brote (sic sehen dann freilich anders aus als unsere Mazzot) und in der Wüste sättigt er sich wie Elia am Glutaschenkuchen. So beweist die heutige Praxis auch die Richtigkeit des oft ange/wcifelten Bibeltextes vom nicht gewendeten Glutaschcnkuchcn bei Hosea oder von der Höhlung des Bechers im 51. Kapitel des Jesaiabuchcs. Noch heute wie in Die Zu nzsche Bibelübersetzung neu Die unter der Redaktion von Leop. Z ti 11 z im Jahre 1838 erschien■:;!■ I'iU 'ulH r-.-t/ung war die wichtigste unter allen jüdische!! LR hiTlragiingtii seit Mendelssohn. Hatte die Men* deissok1 ־!!!'■•״ ßgiar-ct/ung die Aufgabe, die Juden in Deutsch-!and in die dnr.sche Sprache cinz!!fuhren — eine Aufgabe, di;1:.1 ׳ /.ii-amweiih.ing mit den l.man/ipationsbestrebungeu jener Zeit .-!mul — so ist die Ztm/sche Bibel als eine Art F o r! * »■י / r. 11 g!11 r -1■ r A 1! f g a b e zu betrachten: sie brauchte in die deut-vhe Sprache nicht mehr einzuführen, son- <101־n m!:lde da*: begonnene Werk vertiefen, Sie brauchte vor allem nicht 11kkr, wie die Mendelssohns('!u' Bibel, in hebräischeu L-ttern zu cmrhe!n<:11, sondern konnte sich in normalem Gewände pr,.semtien;1. Die 7!!!״: .י/ו.• Bibel, bei der Zu:1/. selbst nur die Bücher der (.1; 1 1. .ו!.:״D1 -et/t hat, wahrend die rinderen Bücher von I I! Ar 11 hei;11, Julius Fürst und Michael Sachs über::.:.;1 ׳! v. .־!den >ind, hat in ihm huiulcrt Jahren ihres Bestehe:.-: ■■ hi; ei:;1׳ ־ Rl.1t/. als H a u s b i b e 1 erobert, von dem sie so l־e 1. fit muit /:! vcitreiben sein wird. Sie stellt, keine ticfscluirlh iieien Autor.I! rtingen an den Leser, sondern will ihm das VerstanduR ihr Bibel erleichtern. Audi wem! wir heule über dieses Vorhaben etwas kritischer denken, als 1■-, die Zeit von Zunz tat, werden wir es den! Verlag Leo A 11 e r t h 11 m - Berlin als Verdienst anrechnen müssen, daß er diese1 1 Übersetzung in 17. Auflage in völlig neuer Form, unter Ausmerzung der antiquierten Schreibweise, neu hcraiisgebracht hat. Denn auch heute noch ist der Kreis derer, denen vor allem an diesem Hausbuch liegt, gewiß nicht klein. Wenn ein aufmerksamer Leser sich nun gar entschließen wurde, neben der Zunzsehen Uebersrtzung die Bubcrsche als eine Wviterführuiig ztun Verständnis des Textes zu benutzen, so würde dies zweifellos von großem Nutzen sein können. Die Vorzüge dieser Zunzsehen Bibel sind nicht zu übersehen: die Uebcrtraguiig ist sehr sorgfältig; am Ende jeder Paraschah findet sich die dazu gehörige Haftarah vermerkt, die Druckanordnung ist übersichtlich, der Text gut lesbar und auch die Vollständigkeit darf nicht unerwähnt bleiben. Ein Inhaltsverzeichnis wäre freilich sehr erwünscht. Dr. N. Künstlerhilfc - Kalender Auch fiir das jetzt beginnende neue jüdische Jahr hat die Künstlerhilfc der Berliner Jüdischen Gemeinde einen Kalender licrausgegebeti, dessen Gestaltung Professor Dr. Max O s b u r n, Professor L a n d sber g c r und Erna Stein- B111111 c 111 h a 1 oblag (unter Mitarbeit von Ruth Morold und Dr. Margot Rieß), Dr. Herbert Loewenstein-Kunstverlag, Berlin. Die Blätter dieses schön ausgestatteten Kalenders sind mit Abbildungen von Werken einer großen Reihe jüdischer Maler und Bildhauer illustriert. Wir finden unter anderem eine Anzahl palästinensischer Maler, wie Ncwman, Jakob Nußbauin, Jakob Steinhardt, Hermann Struck, denen sich die palästinensischen Bildhauer Seew ßen-Zwi und Rat ja Lischanski zugcseilen. Die Abbildungen wie auch die erläuternden Texte geben einen guten Führer durch die wichtigsten den Tagen des Hohenliedes sind Füchse und Schakale ein schlimmerer Feind des Weinbergs als Diebe, die nach dem Propheten Obadja doch wenigstens etwas übrig lassen. Noch heute werden die Weinberge darum, vielfach von Frauen, bewacht und *wie zu Jesaias Zeit stellen noch in der Gegenwart Wachttürme darin. Dabei ist der Unterschied zwischen alter Zeit und Gegenwart beim Weinbau ain größten; denn das islamische Weinverbot hatte den Anbau stark eingedämmt und die neuen jüdischen (und deutschen) Kolonien haben in jeder Hinsicht europäische Methoden eingeführt, anders als die ersten Vorläufer des Aufbauwerks, die der Rosinenerzeugütig dienenden Weingärten der Juden Hebrons vor hundert Jahren. Andererseits ist die Erzeugung von Honig aus Trauoen erst eine Errungenschaft der arabischen Zeit, Man versteht die Bibel erst recht, wenn man auf Dalmans Abbildungen sieht, wie die Kelter wirklich getreten wird, wie die jungen Schößlinge des Gelbaums, um mit dem Psalmistcn zu sprechen, ״den Tisch“ des alten umgeben, oder wenn man die Photographie des Baumes betrachtet, den 1915 die Heuschrecken völlig kahl gefressen haben. Daneben zeigen die musterhaften Abbildungen mit ihren genauen Maßangaben auch, daß das Kimsthandwerk nicht völlig darniederliegt. Dalman zieht in weitestem Umfange die spätere jüdische und nichtjüdische Literatur heran: Mischna un-d Tosefta, beide Tal müde, halachische und agadtsche Midraschim, die alten Uebersetzungen, Aruch, Maimuni und Josephus auf der einen, Heron von Alexandria, Plinius und Varro auf der anderen Seite erleichtern im Verein mit den Ergebnissen der Ausgrabungen das Verständnis für die Bibel wie für die Entstehung jieutiger Sitten ebenso, wie sie seihst aus den gegenwärtigen Zuständen ihre Beleuchtung erfahren. Auch hier ist es Dalman gelungen, durch Heranziehung von Material aller Art ein übersichtliches Bild des unübersehbaren Stoffes aus talmudischer Zeit zu schaffen. Einzelne kleine Ungenauigkeiten vermögen daran nicht viel zu ändern. (So wäre etwa S. 391 zu berichtigen, daß Glasgefäße auch von außen kultische Unreinheit annchmcn.) Andererseits leistet das Werk manches zur Erforschung des Talmudtextes selbst. Das umstrittene Backen mit dem 1' f ״'ieß sich vif Grund der Erstausgabe des jerusalemischen Talmuds: Man bäckt nicht etwa a!!1 Spieß, sondern man kann das Brot mit seiner Hilfe aus den glühenden Kohlen herausnehmen. Es ist bedaucrlich, daß in den sonst vorzüglichen Registern ein Verzeichnis der behandelten Talmudstcllcn (und ein Verzeichnis der griechischen Wörter) fehlt. Denn wenn, worüber Bialik immer wieder klagte, die hebräische Renaissance das rabbinische Schrifttum nicht genügend in ihren Kreis gezogen hat, so liegt das zum Teil an den unzureichenden Hilfsmitteln. Von der sachkundlichen Seite beginnt sich nun durch die Arbeiten von Krauß, Löw und Dalman die Lücke zu schließen. Vor wenigen Wochen hat nach Immanuel Löw׳ nun auch Gustat H. Dalman das 80. Lebensjahr vollendet. Als Hochschullehrer in Gnadenfeld, Leipzig und Greifswald wie als Vorstelier des deutschen evangelischen Palästina-Instituts in Jerusalem hat er für die Erforschung der Bibel gewirkt und jahrzehntelange entsagungsvolle Arbeit an der Sprache und den Werken des rabhinischen Judentums geleistet. Vor 38 Jahren hat Dalman sein praktisches handliches Wörterbuch geschaffen. Nun wäre es an der Zeit, daß neben dem hoffentlich endlich durchführbaren Druck von M. J. Guttmaiins Mafteach und Kossowskys Konkordanz 60 Jahre nach Jacob Levv das ganze sprachliche Material von jüdischer Seite neu bearbeitet würde, wobei neben unserer erweiterten Kenntnis des Babylonischen und Mittelpersischen namentlich die Ergebnisse der Ausgrabungen und der sachkundlichen Arbeiten hcranzuziehen wären. Rabb. Dr. Bruno Finkeischerer, München Repräsentanten der jüdischen bildenden Kunst der Gegenwart und insbesondere der jüdischen Künstler in Deutschland oder aus dem Kreise des deutschen Judentums. Mehrere Gedichte beleben den Text, der der vorjährigen Ausgabe des Künstlerhilfe-Kalenders würdig an die Seite gestellt werden kann. n. ״Schnell und leicht zu erlernen“? Moses Jacobsohn, Deutsch-Ncuhebräiscb - Arabisch in lateinischen und hebräischen Lettern. Berlin 1935. Der Verfasser geht von der Voraussetzung aus, ״daß aucli diejenigen, die keine Zeit und Lust haben, die hebräischen Schriftzeidien zu erlernen, sich trotzdem die Sprache aneignen können und gibt als Ziel des Buches an, dem Laien zur Beherrschung von ״Worten, Sätzen und Konversation aut leichteste Art und in allerkürzester Zeit“ und noch dazu in beiden Sprachen gleichzeitig zu verhelfen. Nach einer abri Bärtigen Darstellung des hebräischen und arabischen Alphabets werden einige elementare Tatsachen der Grammatik (nicht immer richtig) skizziert, wie Aussprache, Artikel, Deklination, Geschlecht und Mehrzalilbiklung der Dingwörter, Formen des Eigenschaftswortes. Es folgen eine Reihe von Paradigmen für Fürwörter, Zeit- Wörter, Präpositionen lind Dingwörter mit Personalendungen und Zahlwörter. Der dritte Teil enthält eine Zusammenstellung von Wortgruppen (Zeit, Körper) und von allgemeine״ Redensarten (besondere Kapitel; Reise, Hotel usw.) sowie ein alphabetisches Wörterverzeichnis deutsch-hebräisch-arabisch. Die Anlage erinnert an die früher verbreitet gewesenen Polyglotte-Kuntzeschen Sprachführer. Bei jedem Beispiel ist die deutsche Bedeutung, das Hebräische in imvokalisierter Quadratschrift und in lateinischer Umschrift und schließlich das Arabische in lateinischer Umschrift angegeben. Dies macht das am Anfang dargebotene arabische und hebräische Alphabet entbehrlich. Da nie ein hebräisches Wort vokalisiert ist und da, bis auf einiges Elementare, nie die Biklungsgeset/e der Formen angegeben sind, so ist es weder mögheb, lesen zu lernen, noch die einzelnen Sätze in ihren Bestandtcileu sinngemäß zu verstehen, noch auch Formen selbständig zu bilden. Die Paradigmen bleiben unfruchtbar, da man nicht erfährt, wie und wo sie anzuwenden sind. Noch schwieriger wird es dem Laien fürs Arabische gemacht, wo oft die Aequivalente fehlen. Daher muß er sich, bei den Redensarten zumal, ein Gefüge ihm sinnlos erscheinender Silben einprägen, von denen er nur weiß, daß es die auf deutsch daneben gedruckte Bedeutung hat. Damit dürfte ein ernstes Erlernen der Sprache unmöglich gemacht sein. Ein Grundirrtum liegt in Voraussetzung und Zielsetzung des Buches. Es ist unmöglich, die hebräische Sprache ohne ihre Schrift und unter Fortiassung so vieler Grundgesetze und Formbildung ernsthaft zu erlernen. Dagegen dürfte dem, der bereits einige Grundlagen besitzt, die Sammlung von Redewendungen als allererste Einführung in die Umgangssprache für die erste Zeit von Nutzen sein. Dr. Gustav Ormann Gestalten um Stefan George In den Kreis um Stefan George führt eine Veröffenfc* lichung von Sabine Lepsius, Malerin und Frau von Rdnhold Lepsius, ein, die unter dem Titel ״Stefan George. Geschlichte einer Freundschaft“ (im Verlag ״Die Runde“, Berlin) erschienen ist. Das Buch, das durch 13 Biider Georges und die faksimilierte Wiedergabe einer Reihe von Briefen und eines Gedichtes Oeorges, die der Darstellung beigegeben sind, ergänzt wird, führt in jene Zeit um die Jahrhiindcrtwcnde zurück, in der Stefan George der Oeffentlichkeit bekannt wurde und sodann der Mittelpunkt eines großen Kreises war, Sabine Lepsius war die Hausfrau eines Berfiirer Salons, in dem George lange und regelmäßig weilte, und öTers las, und wo sich um ihn und das Ehepaar Lepsius ein Kreis von Freunden und bedeutenden geistigen Persönlichkeiten sammelte. Für uns ist an der Veröffentlichung interesmnt, daß eine ganze Anzahl von Juden oder Judenabkötnmliiigen in diesem Kreise lebte und stark auf Ihn einwirkte. So lebendig die Darstellung von Sabine Lepsius auch ist, man kann sich beim Lesen nicht ganz eines peinlichen Oefühls erwehren, handelt es sich zum Teil um die Darstellung von Vorgängen, in denen auch heute noch Lebende eine Rolle spielten, und um Fäden einer Freundschaft, deren Enthüllung wenigstens heute, wo der Abstand zu den handelnden Mensehen noch nicht vollkommen ist, in manchen Partien besser unterblieben wäre. So bleibt beim Leser ein leicht bitterer Nachgeschmack, wenn auch vieles an diesem Buch als reitgeschichtliches Dokument wertvoll ist, oe. Medizinische Detektivgesdüchten Dr. Josef Löbel: ״Lebensretter“ Der bekannte jüdische Arzt und Schriftsteller Josef Löbel, Jahrzehnte hindurch im Winter Freund der Boheme, der Literatur und des Theaters in Berlin, im Sommer Arzt von internationalem Ruf in Fran/ensbad, hat ein neue* Büchlein (in der ״Bibliothek zeitgenössischer Werke“ in Zürich) erscheinen lassen. Viele werden ihn als Verfasser der optimistischen, populär-medizinischen Besteller ״Haben Sie keine Angst!“, ״von der Ehe bis zur Liebe“, ״Danke — gut!“ und vor allem von ״Knaurs Gesundheitslexikon“ kennen. Jetzt bringt er, dessen Bücher in fünfzehn Sprachen übersetzt sind, drei Detektiv-Romane aus der Geschichte der Medizin. Er verwendet das Mittel der spannenden Er- Zahlung zur Darstellung dreier Riesenschiachten, die menschlicher Geist elementarem Unheil lieferte. Der Untertitel ״Detektivromane“ ist nicht nur ein reizvoll-anreizendes Epitheton, sondern das Spüren und Aufspüren der Todfeinde des Menschengeschlechts ist ja wirklich vergleichbar der Jagd nach einem Verbrecher. Wie der Detektiv ist der Arzt, der sich für seine Aufgabe hingibt, ständig in Lebensgefahr, muß mit Zufall und Mißerfolg rechnen, mit Neid und Hindernis bei den Berufsgenossen, ja sogar mit dem Laien aus dem Publikum, der plötzlich, begnadet von Idee oder auch nur von Torheit, ein wertvoller Helfer wird. Löbel schildert auf diese Weise zuerst die Entdeckung des Insulin, dann in plastischer, dramatisch aufgeteilter Darstellung eines Krankenfalls die Besiegung der Syphilis und schließlich in dem Kapitel ״Als Schlachtenbummler im Bakterienkrieg“ die Welt des Kampfes um Pasteur. Bei der ruhmvollen Verbindung des Judentums mit der medizinischen Wissenschaft fällt, ohne daß es betont ist, selbstverständlich auch ein heller Glanz auf die heldischen Leistungen jüdischer Aerzte. m.g. Ein Musiker-Porträt Von Paul Stefan, dem Musikhistoriker, Uebersetzer und Darsteller des musizierenden Menschen, ist eine Monographie über Toscanini erschienen (Verlag Herbert Reichner, Wien). Dieses nicht nur durch die Gestalt seines Helden,sondern ebenso sehr durch die eindringliche Darstellung fesselnde Buch ist von Stefan Zweig eingeleitet worden. Zweig gibt ein ״Bildnis“ Arturo Toscaninis, in dem dieser Inbegriff musikalischen Erlebens in kongenialer Sprache Leben gewinnt. Wer Toscanini selbst noch nicht gesehen und musizieren gehört hat, kann durch diese . Bildnis wenigstens einen Abglanz dessen erleben, was aus den beigegebenen Bildstudien des dirigierenden und probenden Toscartim mit beinahe magischer Gewalt sichtbar wird. n. Weder Kapitalismus noch Kommunismus. Von Prof. Franz Oppenheimer. Verlag von Gustav Fischer in Jena. Vor über einem Jahr haben wir Oppenheimers 70. Geburfetag gefeiert. Das Bodenproblem, das für Oppenheimer der Schlüssel aller ökonomischen Probleme ist, ist in Palästina jetzt brennend, und jeder muß sich die Frage der richtigen ökonomischen und sozialen Ordnung im Lande vorlegen. Bisher kennt man fast nur extreme Formeln. Oppenheimer gibt die Antwort: ״Weder Kommunismus noch Kapitalismus“. Er erstrebt eine soziale Ordnung der Freiheit und Gleichheit, die vor allem durch Brechung des Bodenmonopols ermöglicht wird. In dein vorliegenden Buch, das besonders gut über diesen Aspekt des Oppenheimerschen Systems unterrichtet, gibt der Verfasser eine eingehende Kritik des Marxismus. Von Roda Roda ist nach langer Zeit wieder einmal ein geschlossenes Werk erschienen, der Roman ״Die Panduren“ (Verlag E, P. Thai & Co., Leipzig—Wien). Das Buch trägt den Untertitel: ׳!Roman einer Landschaft“ und eht in seinem ersten histonschen Teil auf die Geschichte er deutschen Ansiedlung in der Gegend am Drau an der südslawischen Grenze ein. Die Handlung des Romans spielt dann in dem von Roda Roda stets sehr geliebten Milieu an der alten österreichischen Militärgrenze in der Nähe des Balkans. Sie ist gewiß außerordentlich unterhaltend und durch nette Anekdoten belebt, kann aber im ganzen doch dem Leser nur wenig geben. u. 0. Die Münzhandlung Basel veranstaltet eine am 1. Oktober beginnende Auktion von antiken Münzen und anderen Kunstgegenständen, unter denen auch eine größere Zahl schöner antiker jüdischer Münzen ist. Die Objekte dieser Auktion sind in einem sehr übersichtlichen Katalog enthalten, der mit schönen Reproduktionen der meisten Stücke versehen ist. Der erste Band der Jiddischen Enzyklopädie ist unter der Hauptredaktion von R. Abratnowicz in Pari* erschienen. Die Enzyklopädie wird zwanzig Bände umfassen, jährlich sollen vier Bände erscheinen. D>er erste Band ist u. a. mit einer farbigen Reproduktion von Lesser Ury* ״Jercmia“ geschmückt. Im Verlag des Orientalischen Instituts der Universität Rom erschien Dr. Moses G a 11 i n e r s Werk ״Die Lehre von den grammatischen Kategorien in den sc:nitb־׳V־ 1׳־^-wachen״ in deutscher Sprache.