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Jüdische Rundschau · 1935-09-17 · Heft 75 (17.9.1935) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 75 (17.9.1935)
Date
1935-09-17
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 75. 17. IX. 1935 Zentrale Aus wandererSür sorge? Diskussion im Völkerbund Genf, 15. September. (JTA.) Die sechste (politische) Kommission der Völkerbundsversammlung hat unter dem Vorsitz des irländischen Ministerpräsidenten Edmond de V alern den Vorschlag der norwegischen Regierung, ein Zentralamt für Auswandererfürsorge, dein sämtliche Kategorien Ausgewanderter unter direkter Aufsicht des Völkerbundes unterstellt werden sollen, erörtert. Obwohl der Plan von zahlreichen Kommissionsmitgliedern grundsätzlich gebilligt wurde, stand inan der Frage seiner unmittelbaren Verwirklichung im allgemeinen mit ziemlicher Reserve gegenüber. Es wurde sogar die Ansicht geäußert, daß das Amt des Oberkonimissars MacDonakl nicht nur nicht in ein völkerbundsimmittelbares Amt eingebaut, sondern daß umgekehrt, ihm auch bisher dem Nariscnamt unterstellte Fliichtfinge zugewiesen werden sollten. Dieser Anschauung entsprechend sollte es somit nicht nur zu keiner Entlastung der Privatorganisationen kommen, die das MacDonaldsche Oberkommissariat bisher getragen haben, sondern sie hätten sogar auch n-och die Sorge für die russischen, armenischen, assyrischen usw, Flüchtlinge zu übernehmen. Ueber den Verlauf der Aussprache hat die Informationsabteilung des Völkerbundssekretariats einen Bericht ausgegeben, aus dem zu ersehen ist, daß der norwegische Außenminister Kerbt die sofortige Einsetzung eines Subkomitees zum Studium des Vorschlags und Berichterstattung an die sechste Kommission beantragte, nachdem er verlangt hatte, daß die Arbeit der privaten Organisationen ermutigt und fo!!gesetzt werde, und daß der Völkerbund auf die Regierttngen dahin einwirke, daß den Ausgewanderten die für ihre endgültige Niederlassung notwendigen Papiere ausgestellt werden. Viscount Cranborne (England) sprach die Sympathie seiner Delegation für den norwegischen Antrag aus und betenie, daß es wichtig sei, keine Klasse dauernder Flüchtlinge entstehen zu lassen. Feldmans (Lettland) meinte, das I.oti,Inner Oberkommissari.it für Auswandererfiirsorge habe sehr Gutes geleistet, und man müsse erwägen, ob nicht der Völkerbund die Arbeit dieses Kommissariats jetzt ausdehneii sollte. Er sei nicht gegen den norwegischen Vorschlag, glaube aber, daß der Völkerbund nicht zu weit gehen Mißte. Raphael (Griechenland) glaubte ebenfalls, daß die Frage studiert, alter nicht zu eilig behandelt werden sollte. Der \'erwaltung.-rat des Nansenamtes habt׳ sich noch nicht zu der Rache geäußert. Yougt (Schweden) unterstützte den norwegischen Antrag. Anton i ade (Rumänien) wies aut die Kompliziertheit des Problems hin. Seine Erledigung noch au! dieser Vülkerbundstagung dürfte nicht möglich sein. Mit dem Antrag, es zu studieren, erklärte er sich einverstanden, Oeri (Schweiz) wies als Vertreter eines Landes, das an mehrere Lander grenzt, aus denen Aus- Wanderer kanten, daran! hin, daß es sich um eine dringende Frage handele, deren menschliche und rechtliche Seite be- IN ALLER KÜRZE Unter der Ueberschrift ״Zur Nachahmung •empfohlen!“ berichtet der ״Völkische Beobachter“, München, aus Starnbergt ״lm Kampf gegen das Judentum hat die Gemeinde Starnberg eine neue vorbildliche Maßnahme getroffen, die eeignet ist, Niehtarier für alle Zeiten von der schönen cestadt fern zuhalten. Sämtlichen Angehörigen der jüdisehen Rasse, gleichviel, ob es sieh um vorübergehend in Starnberg weilende Gäste oder N'euzuzichende handelt, wird die Ä u f e n t!1 a 11 s b e w i 1 1 i g ti 11 g verweigert. Die Gemeinde arlitet streng auf Einhaltung dieser Vorschrift und erwartet von der Einwohnerschaft unterstützende Mitarbeite Der iniie Weg, den die Gemeinde Starnberg in der Juuenabwchr eirrncM hingen hat, ist außerordentlich begrüßens* wert und verdient Nachahmung.“ Der Oberbürgermeister von Würz bürg hat 1t. ״Volk. Beobachter“. Muttchen, folgende■- angeordnet: 1. Städtische und sti!'tische < inunl-tueke usw. dürfen in Zukunft nicht mehr an Juden verkauft werden. '2. Bei 11 er Veigebung städtischer Aufträge durfci! (icseh.ifte, die nachweisbar mit jüdischen Firmen in Beziehung stellen, nicht berücksichtigt werden. Wie wir aus 1 c-erkreken hören, erhalten in Bad Harzbürg jüdische Iiesucher wieder Kurkarten und können ungestört ihrer hnioiurig Machgehen. Der Bcirkh-krunkeiikas'-env et band Berlin hat eine Eiste der für die Ra dilei-tuttgen /!!gelassenen Aer/te veröffentlicht. Nur den in die-er I iste auigefuhrten Aer/ten werden ab 1. Oktober die I 1 i düngen für Röntgen, elektrophysikalische Behandlungen und die hakt .-chemischen Untersuchungen, bezahlt, ln die-er 1 k!e!st kein jüdischer oder nichtarischer Kassenarzt enthalten. Auf dem VI. Kongreß der Historiker Polens, der vom 17. bis 20. September in Wilna stattfindet, wird die jüdi-rhe < 1r• .־I1icl:t-\vi--ensd1aft durch Dr. Edmund Stein vertreten sein. Dr. Stun wird einen Vortrag über,,,Hellenismus undj ud a is rn!1 s “ h 3 Itcu. Der langjährige Chefredakteur der Wochenausgabe des ״Neuer! Wiener Tageblatt“, Dr. Julius Uprimni, ist einem Schlaganfall erlegen. Dr. Uprimni gehörte zu den ersten Mitfliedern der Zionistischen Organisation und war mehrere ahre lang unter Theodor Herz! und später unter Oscar Marmorek verantwortlicher Redakteur des zionistischen Zentral- Organs ״Di e Welt“. Bestrafte Ausschreitungen Die ״Oberhessische Zeitung“ in Marburg a. d. Lahn berichtet: ״Vor einiger Zeit war es in Gladenbach zu groben Ausscluemingcri gegen einige jüdi-rhe Einwohner gekommen, so daß die staatliche Behörde und die SiaauanwaUsdia[! eüwdimtcn mußten. Die herausfordernden Anmaßungen der jüdischen Bevölkerung in der letzten Zeit hatten dazu geführt, daß in Gladenbach eine große Erregung entstanden war. Am 12. und 14. August kam der Volkswolle zum Ausbruch. An den fraglichen Tagen rottete sich eine große Mensehenmasse zur nächtlichen Stunde in den Straßen zusammen und begann Einzelaktionen gegen einige jüdische Häuser...“ Die Zeitung berichtet sodann über die Verhandlung vor dem Schnellschöffengericht Marburg gegen drei Männer und ein junges!Mädchen. Nach der Anklage sollen sie in die Wohnhäuser ■der Juden eingedrungen bzw. die Fenster mit Steinen eingeworfen haben. Wegen Gefährdung der Staats- Sicherheit wurde die Oeffentliciikeit von der Verhandlung ausgeschlossen. Den ,'ertretem der Behörde und der Standarte 88 sowie der Presse wurde die Anwesenheit gestattet. — Oberstaatsanwalt Heintzmann betonte in seiner Anklagerede, daß die Ausschreitungen höchst bedauerlich seien und nur das Ansehen dos Staate* und der Partei schädigten. E* sei seit langer Zeit bekannt, daß der Führer jede Einzelaktion verboten hat . . . Auch der Gauleiter Streicher rücksichtigt werden müsse. Patijn (Holland) befürwortete den Antrag auf Studium der Frage. Damit würde jede Reibung vermieden werden. Der Antrag sei nicht unvereinbar mit den vor zwei Jahren gefaßten Beschlüssen. Astuto (Italien) erinnerte daran, daß das Auswandererproblem seinerzeit einer autonomen Organisation zugewiesen wurde. Für den Völkerbund sei die Behandlung der Frage politischer Flüchtlinge eine besonders heikle. Er glaube, daß die von der Völkerbundsversammlung bei Schaffung des Obcrkommissariats für Auswandererfürsorge befolgten Grundsätze nicht geändert werden sollten. Juristische Fragen seien hier mitverknüpft. Nach Aeußcrimg dieser Ansicht widersetze sich seine Delegation nicht dem norwegischen Antrag, die Frage zu studieren. K ulski (Polen) erklärte, seine Regierung sei an dieser Frage außerordentlich interessiert. Sie sei für die Koordinierung der Arbeit der verschiedenen Organisationen, die sich jetzt mit dem Problem befassen. Hymans (Belgien) trat für den norwegischen Antrag ein und wünschte, daß die Unterkommission, bevor sie ihre Vorschlage macht, sich mit den interessierten Organisationen ins Benehmen setze. Montschiloft (Bulgarien) gab der Befürchtung Ausdruck, daß der Vorschlag neue finanzielle Belastungen des Völkerbundes mit sich bringen könnte. Er gab zu bedenken, ob es nicht besser wäre, die gegenwärtige Organisation beizubehalten. Kun z e 1 - J i 7 e rs k y (Tschecho- Slowakei) stimmte der Einsetzung einer Unterkommission zu. Potemkin (USSR.) meinte, es bestehe kein wesentlicher Grund, die früheren Beschlüsse des Völkerbundes zu revidieren. Dennoch sei seine Regierung einverstanden, daß eine Unterkommission gebildet werde. Auch Puric (Jugoslawien) behielt sich die Stellungnahme vor der Unterkommission vor. Herriot (Frankreich) erklärte, seine Regierung sei sowohl an der tatsächlichen als au der rechtlichen Seite der Frage interessiert. Fs handele sich um ein seinem Wesen nach internationales Problem, bezüglich dessen dem Völkerbund große Verantwortung zufalle. Die ganze Frage erfordere ein sorgfältiges Studium. Er unterstütze den norwegischen Vorschlag. Dr. Tsientai (China) erklärte, es gäbe in China viele Flüchtlinge. Seine Delegation stimme dem norwegischen Vorschlag zu. F r a!1 g u 1 i s (Haiti), der ebenfalls für den norwegischen Vorschlag einfrat, forderte, daß Erwägungen politischer Art beiseite gelassen werden, und daß inan das Problem von seiner humanitären Seite betrachte. Der Vorsitzende de Valera faßte das Ergebnis der Aussprache dahin zusammen, daß es sich um ein offensichtlich kompliziertes Problem handele, das seine juristisehen, humanitären, politischen und administrativen Seiten habe. Da die Mehrheit der Redner für die Schaffung der Unterkommission eingetreten sei, schlage er ihre Zusammen- Setzung aus den Vertretern folgender Länder vor: Großbritannien, Chile, China, Tschechoslowakei, Frankreich, üriechenland, Italien, Lettland, Holland, Norwegen, Polen, Rumänien, Schweiz, USSR. und Jugoslawien. habe erklärt, wer sich an Juden vergreift, ist niemals ein Nationalsozialist gewesen. Auch die Führer in Gladenbach haben sich wiederholt in diesem Sinne ausgesprochen . . . Nach kurzer Beratung verkündete das Gericht folgendes Urteil: Das Verfahren gegen den Hauptangeklagten wird abgetrennt und dem ordentlichen Gericht überwiesen. Die beiden anderen Angeklagten werden wegen Mittäterschaft bei den Sachbeschädigungen zu je einem Monat Gefängnis verurteilt, das Mädchen erhält wegen versuchter und vollendeter Sachbeschädigung eine Woche Gefiingn,s. In der Begründung tadelte der Vorsitzende das Verhalten der Angeklagten. Der Kampf gegen das Judentum sei eine weltanschauliche Aktion und könne nicht in Einzelaktionen durchgeführt werden. Bei der Bekämpfung der Juden muß jeder deutsche Volksgenosse mithelfen. Das tue man am besten, wenn man ihn meide und nicht bei ihm kaufe. Jede Einzelaktion schade nicht dem Juden, sondern dem Staat, der Bewegung und uns selbst . . . Die Vertretung von Juden vor Gericht fm Einklang mit der von uns in Nr. 73 erwähnten Verlautbarung des Obersten Parteigerichts der NSDAP., wonach jeder der NSDAP, angehörende Rechtsanwalt aus der Partei ausgeschlossen wird, der vor Gericht, vor anderen staatlichen oder privaten Stellen einen Juden gegen einen deutsehen Volksgenossen vertritt, hat der Reichsjuristenführer eine Verordnung erlassen, in der allen Amtswaltern des Bundes Nationalsozialistischer Ddutsclier Juristen und der Deutschen Rechtsfront sowie denjenigen Rechtsanwälten, die zu Leitern von NS.-Rcchtsbetrcuungsstcllen bestellt sind, auch insoweit, als sie der NSDAP, nicht angehören, bei Vermeidung ehrengerichtlicher Bestrafung verboten wird, vor Gericht, vor anderen staatlichen oder privaten Stellen die Vertretung von Juden oder jüdischen Firmen gegen einen deutschen Volksgenossen oder eine deutsche Firma zu übernehmen. Als Juden äm Sinne dieser Verordnung gelten alle Personen, die weniger als 75 To arisches Blut haben. Ihnen stehen alle kaufmännisehen Finnen, Kapitalgesellschaften und juristischen Personen gleich, deren Geschäftsleitung oder Kapital sich nicht überwiegend in arischen Händen befindet. Das Verbot erstreckt sich auch auf die Erteilung von Bescheinigungen aller Art zur Förderung der Belange von Juden oder jüdischen Firmen. Lediglich die von Richtern, Notaren usw. in Erfüllung einer Amts- oder Berufspflicht auszustellenden Urkunden, Beglaubigungen mid Atteste sind ausgenommen. In der Verordnung heißt es, daß eine Ausdehnung des für die Amtswalter geltenden Vertretungsverbotes auf alle! übrigen Mitglieder des Bundes und der Rechtsfront zur Zeit nicht möglich sei, da damit den noch in der Rechtspflege zugelasscncn Juden eine überlegene Monopolstellung gegenüber allen deutschen Rechtswahrcrn verschafft und bei vielen Gerichten der Fall elntreten würde, daß alle Rechtsstreitigkeiten, in denen Juden beteiligt sind, wegen des gesetzlich vorgeschriebenen Anwaltszwanges nicht durchgeführt werden könnten. Aber auch diese Mitglieder sind bei Vermeidung ehrengerichtlicher Bestrafung verpflichtet, in ihrem persönliehen und beruflichen Verhalten gegenüber Juden!größte! Zurückhaltung an den Tag zu legen. alüsuna-fipundfonds Keren Haiessod e.ll. Postscheckkonto: Berlin Nr. 104981 Bankkonto: Druilnir Senk, Dsposltankaa•• Kurfflratandamm 181 Judentaufe und Mischehe Im Septemberheft der ״Nationalsozialistischen Monatshefte“ schreibt Dr. Bernhard Sommer laß über ״Die Bastardierung des deutschen Volkes durch Judentaufe und Mischehe“. Er wendet sich einleitend gegen diejenigen, die versuchen, durch eine Verschiebung der Rassenfrage auf das religiöse Gebiet die Judenfrage bewußt zu vci wischen. Judentaufe und Mischehe, so heißt es weiter, seien die beiden Marksteine, die am Rande der Wege, auf denen das Judentum bisher zersetzend und auflösend in den deutschen Volkskörper eingedrtuigen ist, aufgerichtet stehen, Dr. Sommerlad wendet sich gegen die kirchlichen Kreise, die die Judenmission und die Judentaufe sowie die Mischehen befürworten bzw. nicht unterbinden. Er zitiert Stimmen von luden und Judenstämmlingcn sowie von Konvertiten über die Motive, den Sinn und Zweck der Taufe und teilt sodann Zahlen über den Umfang von Judentaufen und Mischehen mit. Dr. Sornmerlad gibt die Tatsache wieder, daß die Zeit- Schrift für Judenmission des Pastors Frank ״Zions Freund“ im Jahre 1930 eine Auflage von 35000 hatte. Er zitiert den Pastor de la Roi, der die Zahl der Judentaufen im 19. Jahrhundert für das Deutsche Reich auf etwa 25 000 berechnet, von denen rund 18 000 auf die evangelische und rund 7000 aut die katholische Kirche entfallen. Zwischen den Jahren 1880 und 1900 sind nach seiner Angabe 7037 Juden zur evangelischen Kirche in Deutschland übergetreten. Setzt man den Jahresdurchschnitt der Jahre 1880 bis 1888 (250 Judentatifen jährlich) auch für die Zeit von 1870 bis 1879 an, so ergibt sich, daß seit Gründung des Deutschen Reiches bis zur Jahrhiindertwende etwa 9500 Uebertritte von Juden zur evangelischen Kirche in Deutschland erfolgt sind. Für die Zeit von 1872 bis 1899 wird die Zahl der Uebertritte von Juden zur evangelischen Kirche in den altpreußischen Provinze!: auf 5275 angegeben. Aus den für jedes Jahr mitgcteilten Zahlen und den Schwankungen, die sich dabei ergeben, zieht Dr. Sommerlad den Schluß, daß politische Utilitaritätsgriiml ־ in Zeiten jüdischer Unsicherheit die Juden zum Uebertmt veranlassen. Auf Grund des statistischen Materials der Reichskirchenregierung gibt Dr. Sommerlad weiterhin eine Aufstellung über die Uebertritte von Juden zur evangelischen Kirche für die Zeit seit der Jahrhundertwende bis zum Jahre 1933. Danach sind in diesem Zeitraum insgesamt 13 300 Juden übergetreten. Im Jahre 1900 beläuft sich "die Zahl der Uebertritte auf 486, 1902 auf 545; in den Jahren von 1903 bis 1914 schwankt sie zwischen 401) und 500. Während im Jahr•: 1914 439 Juden zur evangelischen Kirche übergetreten sind, waren es 1915 nur 335, 1016 362, 1917 365 und 1918 38׳! Im Jahre 1919 steigt die Zahl auf 473, fällt im Jahre 1921 wieder auf 361, im Jahre 1922 auf 317, tun 1923 auf 423 anz steigen. Zwischen 1924 bis 1930 sinkt die Zahl der Taufen; ihr niedrigster Stand ist 1928 mit 166 Taufen. Im Jahre 19::! steigt die Zahl der Uebertritte wieder auf 212, fällt 1931 hi: auf 173, erhöht sieh wieder im Jahre 1932 auf 241, um schließlich itu Jahre 1933 die Höchstzahl von 933 zu erreichen. Dr. Sornmerlad schreibt hierzu, daß die Judentaufen in; Jahre 1933 eine Höhe erreichen, die alle früheren Zahlen bei weitem in den Schatten stellt. Die Zahl der Mischehen von 1875 bis 1900 gih Dr. Sornmerlad in Preußen mit 7800 an. Im gesamten Den•• sehen Reich dürften 13 000 bis 15 000 Mischehen geschlosst-, worden sein. In Deutschland wurden von 1901 bis 1933 ■11:ז Grund des Materials des Statistischen Reichsamtes 42 37 2 Mischehen geschlossen. Die Zahl der Mischehen /.wische! Ariern und Nichtariern seit 1875 schätzt Dr. Sornmerlad attl etwa 150 000 (einschließlich der inzwischen verheirateten Abkömmlingc aus Mischehen). Die Zahl der Kinder, die au: Mischehen seit 1870 entsprossen sind, schätzt er auf run.i 300 000. Unter Einbeziehung der Zahl der Juden von runb 450 000 und der Mischlinge aus der Zeit vor 1S70 und der sonstigen Nichtarier wird die Zahl der in Deutschland vorhandenen Niehtarier entsprechend der Schätzung von Staat rat Dr. Conti auf anderthalb Millionen angegebc!:. Der Handel mit Juden Eine Milchverwertungsgenossenschaft, die die einzige der• artige Genossenschaft im Kreise Aachen ist, und der fast sämtliche miiehproduzierende Landwirte angeschlossen sind, hatte im Mai d. J. an die Genossen ein Rundschreiben ge• sandt, in dem es u. a. heißt, daß immer noch landwirtschaftfiche Betriebsinhaber mit Nichtariern Geschäfte machet:. Der Vorstand habe beschlossen, daß alle Genossen, die 1» Zukunft noch mit Juden geschäftlich verkehren, mir noch den Verarbeitungspreis für die gelieferte Milch ausbezahlt erhalten, der pro Liter etwa 3 bis 4 Pfennige niedriger ist als der gewöhnlich ausgezahltc Preis. Verschiedene jüdische Viehhändler beantragten beim Landgericht Aachen den Erlaß einer einstweiligen Verfügung, durch die der Milchverwertungsgenossenschaft verboten wer־ den sollte, den noch mit Juden verkehrenden Landwirte!!, die dem Verband angehören, anzudrohen, daß ihnen für die gelieferte Milch nur der Verarbeitungspreis ausgezahlt würde Sie begründeten ihren Antrag damit, daß das Vorgehen der Genossenschaft eine Störung ihres Gewerbes darstelle. Die Genossenschaft soll dadurch eine unerlaubte Handlung 1h;• gangen haben; ebenso soll sie gegen von der Regierung aufgestellte Richtlinien verstoßen, gegen Treu und Glauben und gegen die guten Sitten gehandelt haben. Wie das ״Echo der Gegenwart“ in Aachen mitteilt, hat das Landgericht Aachen den Antrag auf Erlab einer einstweiligen Verfügung zurückgewiesen. In der Begründung dieses Beschlusses heißt es nach Angabe des Blattes: ״Bei der allgemein bekannten Stellung des nationalsozialistische:! Staates in der Rassen- (Juden)frage kann das den Gegenstand de; Vorbringens bildende angebliche Verhalten der Antragsgegnerin weder als ein Handeln gegen Treu und Glauben noch als Verstoß gegen die guten Sitten, noch als ein unerlaubter Eingriff in die vom Ges!“: geschützte Reclitssphiire der Antragsteller angesehen werden. 1'■• •sind auch keine allgemein-gültigen Richtlinien des Staates — wie d:c Antragsteller behaupten — verletzt; im Gegenteil kam! gesagt werden, daß das Vorgehen der An!rngsgegnerin sich die Richtlinien des Sotates und der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei —- man denke nur an das für Parteigenossen bestehende Verbot des Hantle■': mit Juden, an die noch in allerletzter Zeit im hiesigen Bezirk abgehaltenen Vielirfiiirkte ohne Juden —■ zueigen gemacht hat. Nicht dri starre — tote — Buchstabe des Gesetzes, den die Antragsteller 1;:: sirl! ins Feld führen, sondern der vom Geist des Nationalsozialismus erfüllte Sinn und Zweck des Gesetzes muß die Entscheidung trage“ können, die die Antragsteller begehren. Da dies vorliegend nicht 1kr Fall ist, war der Antrag kostenpflichtig für die Antragsteller zu verwerfen.“ In diesen Tagen wurde in allen italienischen Zeitungen eine Nachricht veröffentlicht, in der amtlich erklärt wird, daß die italienischen Schiffahrtsdienste in vollem Umfange und in genauer Einhaltung der Fahrpläne durchgefünrt werden.

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