Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 74 (13.9.1935)
- Date
- 1935-09-13
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 74,!3. IX. 1935 Abschnitt in der Ka>>cngc»eugebung des neuen Deutschland vor und beweis, daß Deui.-n-iiland keineswegs geneigt Kt, wie ausländische Prc^esUmmeii zu wiwn glauhen, *•einen gfiind&älzlichcu Rassestandputikt auizugeben. Un-er Ziel: die völlige Aussewiderung des Judentuniv aus dem «VuLv hen Lcbcnsbcrduli. i-t unverrückbar klar und herdfs, ,aut verschiedenen Teilgebiet«‘» (HcamtaigeseUgebung, Erbhotrecht u, a.) dtirchgeführt. Auf dem Dihicic der Volksschule ist zur Erreichung dieses Zieles die ZusamiiirnhisMmg derjenigen nicht an-,dien Schulkinder, die der mosaischen Religion;uigehöreii, in besonderen jüdi-chun Volksschulen M:hün bj>)1er energisch geibrdert wurden.!!!*besondere ist mit ^taatlidier (»rnehniigufrg .sei! 1934 ciivc größere Zahl privater jüdbrlier Volksschulen neu entMaudon. Der entscheiHcnde (reMHitspunkt!1<־ al>er nicht die Zugehörigkeit zur mosaischen Religion, sondern zur j ti d 1 י tdi c ת Rasse. Der rassefremde, jüdische Si hijlrr bildet in der Klasscngcmcinschaft der arischen Schüler und Lehrer ei neu Fn־md'körf>er. Sein D.1M׳:ün erweist hjcj! ah ein außerordeu׳!k■!!cs MimlernL im rleut^hbcwußtcn nationalsozialistischen Unterricht und macht die notwendige, in der Rasse־ begründete Ueberein.uimmung zwischen Lehrer, Schüler und Lehrstoff unmogln li. Der neue!01 laß des Rciclw.ndehungMiunhters Ru>t zielt de>lialb aut l )urvhtulir ung der völligen Rassen!renming in «len Volk-Mlmlcn ohne Rück 1|.י In aut die K<mk:.v-io11>7.ugehörigkcit der ra>senire!ndcn jinlisi hen Schüler und aut Wiederlier^tehung der Judenschulen hin. Lr bill:׳»! beiden Teilen zu, w.u nach völkischer Auffa^Aung eme selbu 5 ei -tandiit he Lurdenmg bt : die Rassengemeinscliaft zvs'i^e! 1t־n!.,einer und Schüler. Der hrlaß zeigt, wie -mgi.iltig un<i gewissenhaft der Staat auf ,dem tb'bic! .seine! Ras-eiigewt/gehung vorgciit, um unnötige Harten zu vermeiden und <!<>< I! .M־in Ziel, eine von Fremdkörpern gereinigte volki-rhe i.eh<•1 i-ijeiiH׳:n■י!• hatt zu erreichen. Dic-e Gemeinschaft kann .sich nur au! dt־!! ormri!! ״.(!neu Anlagen des!hüte.- und der Rasse aufhane׳!! und iumIj m־Im!u iu der L1׳/u11־u11״.-.gcmcinsrha!'t der Schule verwirklicht werden. Mir den; vm hegenden Erlaß hat der Reichserrichung-minbicr hierzu einen wk Ligen Heit!dg geliefert, der neben früheren Lha״rn du־' Lnn.dlagc de! deutv׳-|)Cn Schulreform abgibt. Ls steht zy hoUm, fIaL alle SniaU- und!*arleistelhm mithcltVii werden, da.■י vom Km h-1 j/irhungsmini'tef Rust gesteckte Ziel zu erreu heig M) 11 (!ß /1 ׳ wuei!, 1930 u׳n dem Gchiote des ölten! liehen Volk . ■ (. hulw c>r!» ■ t 1!;o u!■ ■gl! 1 I! .ז \(d'-4and;ge 'hennung zwischen deuti'Ciien Und juuish hon Kindern dui ebgetuhrt. ist.‘' In! ״V ö 1 k i s c h c n B e o h;1 c h t c r“ vom 11. Septemher wird m dem Lrhtb ein Aufsatz, der Nationalsozia- I i s t i s c h c n P a r t e i k o r r e 3 p o n d e n 1 veröffentlicht, in dein es heißt; ..Der Ainkhrungngrundutt/, daß alle Menschen gleich seien, hat. vor gut hundert Jthirii um h d<-m heu*-ehrn Volke die sogenannte J u d c n h c { r r 1 ין ו׳ g gg־l>unlu. Seitdem konnten Juden an ailen Hddungmmkdn (1!י \’olkm!r!in׳. lenen und gewannen in führenden Bennen mehr und mm! LinbuL» auf < Ire (imcnLke des deutschen Volke■. Im du• d׳יu’ ״■ he .virile an 19. J aln hunden l inchr und mehr zu einer M,s:!e Tr nm m:Th k!u.di! TTcn S! Imlung wurde, sc» gelang י־ס der bekaimdu'h )n'iher reuenden jtidTrhen fugend häufig, über dm ׳ יIch. im!Hluug iumum einen Vorrang zu ׳»ewiunni, wie «lies vor allem Üm£־m du■ Narhki n ׳־-/,eit iu cr.vhreckcmler Weise deutlich gfSlIa! li!! 1; t י . De! N j! Ion,׳ ׳ ■1־/!,dl mm hat ■•du!1 na11 ׳ dem l'uibrurh die Judenfrage am 11 auf dom Lrhhuc «le- Srhulwc>ens;uifgcgrlflen. Aus seiner r3>M-׳!u־n W eiiuh-. h.jum.g!!«d> dnn die Lrkej11stui<, daß jedes Volk nach seiner b e .sonder e ה rassischen Z u s a m - m 0 n •י e! /. u u g :1 ׳1 י n e 1 ׳ g r u c Kultur ha! und daß daher eine jjrmcnisa m c K uhuraiboit von Deutschen und Juden ein e li 11 in o g I i e h k c i t ist. Die hi-he! ige \icidaricr-t itmetzgebung hat bt'rcits eine weseniliehe Reinigung bewirk!, wemighüch der Begriff Jude öfter nicht rfinras&hrh, sondern daneben auch noch .kon{c&ion£ll gefaßt un<l gleich €1&וצי10ו1,י«‘* gesetzt wurde. ln den höheren Schule!» hat man die ,,Nirhtarier‘* bis auf einen hc-timmten HumJeit-atz entfernt, «h־r dem ffunderuatz der jüdischen IL viukt rung im Dcu! scheu Reich entsprach. Besondere höhere jüdische Schulen wur׳len geschaffen. Die in Verbindung mit dem Ra-senpoiitischcn Amt erlassenen Bestininiungen für lioliere Schulen führen unter l!cu uß:<׳r Anwendung rein rassischer Begriffe zu einer weiteren Klärung und ״■<!seiden sel.arf zwiselicn den Rechten deutscher und jiul!-■cht-r Srindc!. Aul dem tiebietc der o l k ■ s r h u 1 c fehlte es jedoch bisher an eiiisclimudcndcn Maui!.4!!men. Di׳'wm lhd>cl-»t;md will eine Ver- Ordnung;ihlirheu, ׳;1־ dir IL!׳. h-e!/1 *k'lmng ■•iiuui.eci■ Ku-t jetzt an die ihm unn r-n Hirn bidiulbt■!!׳■!(־!; n ol,1-,o: hat;!;M in denen er die Zusammen!.׳.svmh״ der ]u׳l.-lum KimF-r in in'!deren jüdi^rheir V’oiksschulen für d« u 1. A[»1d 1939 ankundig׳. Dir-e Maßmdime äst, ein GHh»!!1 r!1! ■ r!! 1;י .י k 1 s 1! ׳י t ן S 1 ׳.׳ \; >! o 1 h a I i u n g. Sie bf-rnig! dir cmpmul ,;:c ^;mung, du־ dunh d!>1 ־:-n9e Küc ksieht nahtne d־׳m ■■(־her r:/:eh׳! .c:׳ u1:h!!!, Ki!ah! hä-h!1 an <h׳n Schuhii botand tind die!!uc!׳,< ־i-.hu k i1׳ der .\nordmmg dar Weinnncr Verfassung!d!:d, (!-!׳! .,da.׳ b •sd.v \ ■■■h f-h ::U ad1 ־ nu in v׳׳r!cut‘* wer<ien dürftcn. Z1׳g'> h I -t U m. ו. י»*■ Foun d« r I >u vhiulu uug da- M׳i hr-mdei•■ (,1;\. 1::׳-!.o:l ״;■;o!dri 11׳! v u gd!1 ׳h1!־־׳ - <lt!!aiu1!is keine hchki rt ״.gchiii. ü.;t- K־.,di.׳!׳ m U-•ondmen jü«hschen Schulen ihrer Ar* gemäß zu < rnriien. Diß d•■ ■c Loadi1־g m1K!i..dh des b(!1!-dien Reiches der 6 t a a t I! ( i 1 r n L! I» <! \־. a 1 h u n g um<■! I!.־gl, i-t glcielitalL tun ÄfihsfN er-ui:־.d!1f!»r . (״d׳/ \ >!ki-»hcr v-lh-n rf lahung. Ahuduln'h v;1!:l n; dm um,!! Br - ׳ miao mgen nicht — wie bisher —־ von .,N11 Ir .nie! u“ geprmhr■!!, sundf-m von ,.Juden4 S. **; denn der Re!■ h'cr/icmmg-nu, i-־f־ d1׳,L n׳9 ,ו d.o.m. ,undi Kinder von anderen Nichnmesa, «|!< ,!' t..! ■■! e m I >mn -•< Idand wndm. von ׳lern ILsueh dcutM.lnr ddcjh'a ,m.-m-dni■( 91.0. Das deumthe Volk hat von jeher .sCiUC Fuji! ü!\> ,!11■ goa .11! ado \dd'k. > W 1 i! ngi-gcL'll und legt auch wemcihm an] dn Zu 11:11׳! na!! n i! mi! üuirn größten Werl. Bei dt*n Juden ßrg: *a;l;,־S1 m. g.m/ Ix ׳»ml־׳rcr Fall vor. denn von ihrer Seite droht dem drum-hu! Volkstum große Lefahr, da sie ein Volk im Volke bilde!en. Wäre!! die Judmi wie andere Niehtaru r irgendwo in der Welt in einem Staate /n-ammengesiüilosseu um! liicltcn .sich nur einzelne von ihnen voiuhmgehend m Deuischland auf, >o würde auch bei ihnen eine Tmmuug nicht nötig .win. Solange ״naber in so großer Zahl ab, innerlich verbundene L1up|>e dauernd innerhalb des dcut• sehen ^'olkcי w־>!mt״n. und bei ihnen auch nur der geringste Anspruch attf Herr-chrn oder M1!hcr!srfH־n im deutschen Volke genährt, wird, .solange werden sie •m h einer brc^d/gclning fügen müssen» die dem deutsch-volkiM hen Belanget! gerei ht wird und iim^r Volk vor Leberfremdung srhüizt. Die Lründung beM)ndc!er jiidi^clur \7olks>1 hulen wird nach dem Willen de- Riüclmet/ieimngumnbk-rs R u -t in weiterer Zusammenarbeji mit dem K4*sej1|>oU1Lchtm Amt der NSDAP unter Leberwindung aller etwa cntgegcn-tchcmk‘!־ Schwierigkeiten zum 1. April 1036 ins Werk gesetzt werden, FD i-t ein neuer großer, von besonders klarer Anwendung u-dscher Weltall-chmumg getragener Schritt. Darüber hinaus muß und w־ird bald auch eine entsprechende Regelung für die höheren Schulen crtolgcn. da d!c-e ja bcsonders wichtig sind für die Heranbildung der künftigen Fuhrcmehicht des deutschen Volke־'.“ Wie die ״Deutsche A11 g. Zeitung“ vom 10, 9. mittcilt, ist für die Regelung auf den 11 ü 11 e r e 11 Schulen, au! denen im Rcichsdurchschnitl der Anteil der jüdischen Schüler zur Zeit rund 1,5 Prozent ausrnacht, ein Erlaß in Vorbereitung, der auch für das hfthere Schulwesen die Rassentrennung zur Durchführung bringen wird. Als Lehrer werden in den neu einzurichtenden Judenschulen vermutlich vor allen Dingen solche jüdischen Lehrer herange/ogen werden, die Tn der zurückliegenden Zeit abgebaut worden sind, und die zum Teil noch Pension beziehen. Konferenz für Jugend-Alijah Amsterdam, 11. September, Die Eröffnung der lugendaiijah-Tagung in Amsterdam wurde am Montag abend in fei erlicher Form vorgenommen. Der Versammlungsraum im AmsteP Hofe! war überfüllt. Gleichzeitig mit der Tagung wurde die erste Jugend alijah-A 11 sstell 11 ng eröffnet, die stärkstes Interesse fand. Schriftliche 1*nd mündliche Erklärungen erleichterten den zahlreichen Besuchern das Verständnis der ausgestellten Gegenstände, Bilder und graphischen Dar» Stellungen. Die erste internationale Arbeitstagung wurde von Frau Dr, C. Wijsenbeek-Franken, der Vorsitzenden des holländischen Komitees, eröffnet. Sie begrüßte insbesondere den Vertreter der Exekutive der lewi&h Agency, Dr. Werner Senator, Frau Lola Hahn-warburg und Herrn S. Adler-Rudel. Sie gab weiterhin ihrer Freude darüber Ausdruck, daß die Begründerin des Jugendalijah-Gedankens, Frau Rccha Freier, im Kreise der Konferenzteilnehmer weilt. Dr. Werner Senator wies auf die erfreulichen Erfolge hin, die die Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendalijah schon in den ersten zwei Jahren ihres Bestehens habe erzielen können. Er unterstrich insbesondere die Tatsache, daß es der Arbeitsgemeinschaft gelungen ist, alle Kreise und Riehtungen des Judentums zu diesem Werk zusammenzuschließen. S. Adler-Rudel überbrachte den Dank der Juden Deutschlands an alle ausländischen Komitees lind insbesondere an die Freunde in Erez Israel, die Siedlungen und Heime, die die Kinder in vorbildlicher Weise aufgenommen haben. Mrs. Eich holz. (London) überbrachte die Grüße des dortigen Women’s Appeal Committee und betonte die große Freuae, mit der die Frauen Englands sich für das schöne Werk der jugendalijah eingesetzt hätten. Sie würden bestrebt sein, auch in Zukunft alles Erdenkliche für dieses Werk zu tun. Nur! ergriff Miß Szold das Wort und schilderte zunächst den Verwaltungsapparat, durch den die Jugendalijah organisiert wird. Miß Szold gab einen Ueberblick über das Leben der Kinder in Palästina, den Unterricht, die Gewöhnung an die Arbeit, die Gestaltung der Freizeit, die Eindrücke bei der Ankunft und manche schwierigen Erziehungs- Probleme. Sie wies auf den guten Gesundheitszustand bei den durch die Jugendalijah nach Erez Israel gebrachten Kindern hin, was besonders auch durch die sorgfältige Auswähl der Siedlungen nach hygienischen Gesichtspunkten bedingt sei, und schilderte die pädagogische Atmosphäre, die durch Lehrer, Führer und Mitglieder der Siedlung geschaffen wird. Der zum Schluß vorgeführte Film der Jugendall j a 11, den Frau Dr. Landauer in Ejn Cnarod aufenommen hat, versetzte die Zuschauer in das tägliche Leben er Jugendlieben in Arbeit und Unterricht. Die Vorführung fand starken Beifall. Der 1. Arbeitstag der Tagung wurde eröffnet durch dn Referat von Dr. Werner Senator über Berufsausbildung und Berufsumschichtung. Frau Levy-Stein (Berlin) sprach über ihre Arbeit für die Jugendalijah dn Südafrika. Frau Recha Freier (Berlin) berichtete von der Anteilnahme an dieser Arbeit in Bulgarien. Mme. Stern (Paris) sdiilderte den Zustrom von Emigranten nach Frankreich während der letzten 10 Jahre und die Unmöglichkeit, der Jugend Arbeitsplatze zu beschaffen. Fräulein G o I d b e r g (Berlin) gab einen interessanten Bericht über die besonders schwierige Arbeit in Ungarn. Oberrabbiner Dr. Ehrenpreis (Stockholm) führte aus, wie gering, zahlenmäßig, die jüdische Bevölkerung in den nordischen Ländern, speziell Schweden, ist. Auch hier, wie in Ungarn, bestand wenig aktive Beteiligung an gesamtjüdischen, speziell palästinensischen Fragen. Dies hinderte aber nicht, daß man der Arbeit der Jugendalijah regstes Interesse entgegenbrachte und die Sorge für 25 Patenkinder übernahm. In der Nachmittagssitzung bedauerte Mrs. Jacobs, die Vorsitzende der Hadassah in Amerika, daß bisher in Amerika noch keine spezielle Arbeit für die Jugendalijah durchgeführt wurde. Sie gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Hadassah sich dieser Arbeit annehmen wird. Mrs. Do mb (London) gab einen Finanzbericht über die Arbeit und ihre Methoden von Women’s Appeal Committee. Herr Edersheim, Schatzmeister des holländischen Comitc voor Immigratie en Opleiding van kinderen in Palestina, schilderte in interessanter Weise die Arbeit dieses Komitees, die unter der aktiven Mithilfe der Vizepräsidentin, Frau Wijsenbeek-Franken, in besonderer Weise durchgeführt wird. Es folgte ein kurzer Bericht von Frau Levy-Stein (Berlin) über die Arbeit in C. S. R. Die Abendsitzung wurde eröffnet durch ein Referat von Dr. Georg Landauer. Dr. Landauer gab einen genauen Ueberblick über die Finanzen der Jugendalijah, die vom Zentralbüro treuhänderisch verwaltet werden. Fräulein Eva Stern, Geschäftsführerin der Arbeitsgemeinschaft für Kinderund_ Jugendalijah, Berlin, gab schließlich einen umfassenden Bcricnt über die Tätigkeit der Arbeitsgemeinschaft. Das Ergebnis der polnischen Sejmwahlen Von unserem Korrespondenten 8. Warschau, 9. September Gestern haben in der ganzen polnischen Republik die Sejmwahlen nach der neuen Wahlordnung, die nur der Regierung genehme Kandidaten zuließ, stattgefunden. Die Wahlbeteiligung war eine verhältnismäßig geringe, z. B. stimmten i!1 Warschau nur etwa 30 <”0, in Lodz 20 ״/o der Wahlberechtigten. Auf diese Weise ist die Unzufriedenheit mit dem neuen Wahlgesetz zum Ausdruck gekommen. Die Nationaklemokraten, die sozialistischen Parteien, die polnische Volkspartei und ein Teil der Zionisten haben die Wahlen boykottiert. Von den nationalen Minderheiten haben nur die Ukrainer, die massenhaft stimmten, Grund zufrieden zu sein. Dagegen haben die Deutschen und Weißrussen keinen einzigen Vertreter durchgesetzt. Die Juden haben ebenfalls sehr schlecht abgeschnitten. Es sind nur vier jüdische Abgeordnete gewählt worden, und zwar zwei Zionisten (Dr. So mm erst ein in Lemberg und Rabb. Rubinstein in Wilna), ein Agudist (Münzberg in Lodz) und ein Repräsentant der jüdischen Kaufmannschaft (Wislicki in Warschau). Das zweite Mandat im jüdischen Wahlkreis in Warschau, wo die Juden zirka 80 °,! ausmachen, ist infolge der jüdischen Zerspütterung verloren gegangen. Der zionistische Kandidat Dr. Oottl ieb, welchen die ״Al Hamischmar״-Gruppe durch den ״Hajnt“ heftig bekämpfte, ist einem nichtjüdischen Kandidaten mit etwa 300 Stimmen unterlegen. Die anderen drei jüdischen Kandidaten (je ein Vertreter der jüdischen Kleinhändler, Handwerker und Frontkämpfer) haben winzige Stintmenzahlen erreicht. Dieser Ausgang in Warschau ist vom jüdischen Standpunkt sehr zu bedauern, wenn auch die große Abstinenz unter den jüdischen Wählern ein Beweis für die prinzipielle Unzufriedenheit mit dem neueingeführten Wahlmodus ist. Ein richtiger jüdischer Wahlkampf spielte sich in Krakau ab. Dort hat, wie bereits berichtet, eine kleine Gruppe jüdischer Frontkämpfer mit Hilfe lokaler Behörden die Kandidatur Dr. Thons unmöglich gemacht und als jüdischen Kandidaten eine vollständig unbekannte Figur aufgestellt, die im jüdischen Leben Krakaus bisher gar keine Rolle ge■ spielt hat. Dies betrachteten die Juden Krakaus als eine Beleidigung und traten gegen die ihnen aufgezwungene Kandidatur aut. Obwohl der jüdische Frontkämpferverein und dessen Kandidat Gewaltmitte! nicht scheute, ließ sich die Judenheit der Stadt Krakau in ihrer überwältigenden Mehrheit nicht ahschrecken und stimmte gegen einen solchen Kandidaten, der Assimilation und Würdelosigkeit predigte. Voraussichtlich drei Juden im Senat Warschau, 10. September. (JTA.) Nach Durchführung der Wahlen zum Sejm konzentriert sich das öffentliche Interesse auf die in der nächsten Woche stattfindenden Wahlen zum Senat. Da die Senatoren nicht vom Volk direkt, sondern von Wahlmännern gewählt werden, besteht für die Wahl jüdischer Senatoren keine Aussicht. Dagegen gilt es als wahrscheinlich, daß sich unter den 33 Senatsmitgliedern, die vom Präsidenten ernannt werden, drei Juden befinden werden. Besonders günstig werden die Aussichten des Warschauer Oberrabbiners, Prof. Schorr, Prof. Dicksteins und des früheren Sejm-Abgeordneten Dr. Rosmarin beurteilt. Die Weltkonferenz polnischer Juden London, 9. September. (JTA.) Nach der Eröffnungsansprache des Vorsitzenden des Verbandes der polnischen Juden in England, A. Tarlo, betonte Dr. A. Feldmann im Namen des Chiet Rabbi von England, daß es sich nicht um eine Wohllätigkeits-, sondern um eine Selbsthilfeaktion haudein solle. Z. H e i b e r gab der Erwartung Ausdruck, daß es gelingen werde, die polnische Regierung von der Notwendigkeit zu überzeugen, Ungerechtigkeiten in bezug auf die jüdische Bevölkerung ah/uschaffen. Die polnischen Juden im Ausland fordern, daß die in der Verfassung und i« ztTrich Touring Hotel Garni E 5 ” e*. ISO ווו ns Havptbatinhsf ®־ *?»■*• Yalafaa In almttiak. ZImmmh den Minderheitsverträgen verankerte Gleichberechtigung ihrer Brüder in Polen auch in der Praxis durchgeführt werde. Der Führer der ״Ort“-Be\vegung in Amerika, B. C. Viadeck, appellierte an Joint, Ica und die polnisch-jüdisehen Verbände, ein gemeinsames Hilfsprogramm für die Juden Polens aufzustellen. Der Präsident des Verbandes polnischer Juden in Amerika, Benjamin Winter, forderte von der polnischen Regierung wirksamen Schutz der jiidischeit Bevölkerung vor den IJebergriffen illegaler antisemitischer Gruppen. Es sprachen noch der Exekutive-Direktor des Verbandes der polnischen Juden Amerikas, Z. T y g e I, S. Weiss von der Hitachduth Olej Polonia in Erez Israel, Dr. Israel Taubes (Holland) und Dr. Hersch (Argentinien), worauf die Delegierten der einzelnen Länder über die■ in diesen herrschenden Verhältnisse berichteten. Z. Tygcl referierte über einen Plan konstruktiver Hilfe für die Juden in Polen, von denen ein Drittel völlig erwerbslos una dem Hunger ausgeliefert sei. Der Vizepräsident des Verbandes polnischer Juden, in Amerika, Samuel G. Domaslt, besprach die Rechtslage der Juden in Polen. Die amerikanische Delegation legte eine Entschließung betreffend die Schaffung eines WeJtverbandes polnischer Juden vor. Danziger Petitionen Das Gutachten des Dreieraussclmsses des Völkerbundes über die Dan ziger Petitionen ist der Regierung der Freien Stadt jetzt übermittelt worden. Auf seiner Maitagung hatte der Völkerbundsrat entsprechend dem Vorschlag des Berichterstatters Eden und unter Zustimmung des Präsidenten des Danziger Senats ein internationales Juristenkomitee mit der Prüfung der Petitionen, darunter einer P e t ition jüd. Organisationen betraut. Der Juristenausschuß, der sich aus einem Schweizer, einem holländischen und einem schwedischen Staatsrechtier zusammensetzt, hat Erbebungen angestellt. Das Ergebnis der Untersuchungen soll dem Berichterstatter für die Danziger Fragen in Gent Mitte des Monats zur Grundlage seines dem Rat zu erstattenden Berichtes dienen. In seiner Bearbeitung der jüdischen Petitionen ergingen sich die Outachten, wie das ״Berliner Tageblatt“ vom 9. 9. meldet, ausführlich im Grundsätzlichen, wobei erklärt wird, daß in einzelnen Fällen der Verordnungstext nicht verfassungswidrig sei, daß aber eine Anwendung, die die Rechtsgleichheit verletze, der Verfassung zuwiderlaufe. Wilnaer Judenfriedhof bleibt erhalten Wilna, 4. September. (JTA.) Die Wilnaer Stadtverwaltung beabsichtigte, den historischen ludenfriedhol, aut dem sich die Gräber zahlreicher Thoragrößen und Geonim befinden, u. a. die Gräber des Wilnaer Gaons und des ״Ger Zedek“, aus Anlaß des Baues eines großen Sport- Stadions abräumen zu lassen. Auf die Schritte, die daraufhin die Wilnaer Gemeinde unternommen hat, ist jetzt eine Antwort erfolgt, in der mitgeteilt wird, daß das Innenministerium entschieden habe, der Friedhot dürfe nicht zuliebe anderer Zwecke beseitigt werden, weil dies das jüdische Gesetz nicht zulasse. llauptschriüieitcr! Dr. Robert W1 Ilir 11. Ik-rlin-Charlottenburg 8. Stellvertreter: Kurt!,oewenstein, Berlin W 15. Anzeigenleher tmd verantwortlich für den Inhal( 11er Anrcigen: Hermann F i n n. Berlin-Tempelhof. Gültig: Anzcigen Preidhte 3 vom 1. September 1935. Verlag und Anteigenverwiillim״: liiili-tlte Rundschau, Berlin W 15, Meineke1.tr. 10. D.-A. August 38 350. - Druck: Siegfried Scholem, Berliu-Sdiüncberg.