Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1935-09-10 · Heft 73 (10.9.1935) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 73 (10.9.1935)
Date
1935-09-10
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2651273-2653827-2653891--27329-2688761
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Seite 10 JODISCHE RUNDSCHAU Nr. 73, 10. IX. 1935 Palästina Dr. A. Katznchon Probleme des Gesundheitswesens Der Geburten Überschuß betrug im Jahre 1934 5427, was einem natürlichen Zuwachs der Bevölkerung von 20,3 Promille entspricht. Der Geburtenüberschuß dürfte in diesem Jahre die Ziffer von 10 000 erreichen. Diese Ziffern, die im Vergleich zu den entsprechenden Zahlen aus anderen Lindern ideal erscheinen können, sind dennoch nicht zufriedenstellend, wenn man berücksichtigt, daß der Jischuw meist aus jungen I eilten besteht und iuch die Alijah sich anders zusammensetzt als eine stabile Bevölkerung in anderen Laudern. Ein richtigeres Bild gibt die Statistik über die Krankheiten. Hierbei ist der Zustand noch bei weitem nicht befriedigend. Man ist noch weit davon entfernt, die Bevölkerung von den Landeskrankheiten, insbesondere der Malaria und dem Bauchtyphus, befreit zu haben. Gewisse Erfolge auf dein Gebiet der Bekämpfung der Malaria sind der Tätigkeit zu verdanken, die von der Allteilung für das Gesundheitswesen der Palästina-Regierung und den jüdischen Gesundheitsinstitutionen geleistet worden ist. Die Sachlage verpflichtet zu einer systematischen Arbeit zwecks Verbessert! n g der sanitären Zustande in den Sied• hingen, Kibbuzim und Kolonien, sowie zu einem energischen Kampf seitens der Regierung und der jüdischen Institutionen gegen die Epidemien. ln der letzten Zeit ist nahezu die finanzielle F.man- Zitierung des Jischuw auf dem Gebiet des Gesundhiitsweseiis erreicht worden. Im Jahre 1035 wird das Budget für medizinische Hilfe die Summe von 300 000 Pfund erreichen, wovon der JRchmv sei (ist beinahe eine Viertelmillion Pfund beisteuert. Der einzige Beitrag, der aus dem Ausland kommt, i<t derjenige von der H ad as s all in der Hohe von ■10 000 bis ■13 (HM) Pfund. Die lladassah leistet damit ein seht grobes Werk, wenn man die Wirtschaftliehe Krise in Amerika und die Resultate des Keren Hajessod beruckMchtigt, Die Hadas-ah beabsichtigt jetzt, ihre Arbeit auf den! Gebiet des öffentlichen Gesundheitswesens dem Waad L c u in i zu tibergeben bis auf das Universität»- Krankenhaus in Jerusalem, das auf dem Skopus gebaut w׳er* den soll. Statt dessen gedenkt die Hadassali, neue Arbeitern auf anderen sehr wichtigen Gebieten zu übernehmen. Auf jeden Bali wird diese Tendenz, die medizinischen Institutionen nach und nach an die Knesseth Israel zu übergeben, den Jischuw zu noch größeren Anstrengungen verpflichten, zumal er nicht an Cjeld-amnilungen im Ausland denkt. Unter diesem Gesichtspunkt sind die Forderungen nach Mitwirkung der R c g i e r 1111 g s k a s s c n zu betrachten. Zwölf Jahre lang hat die Regierung überhaupt nichts gegeben, bis es vor drei Jahren Arlosoroff erstmals gelang, diese Tradition der Regierung in einer direkten Verhandlung zu durchbrechen. Die Regierung beschloß, sieh in Form einer jährlichen Subvention für die jüdischen Institutionen sowie in Form einer einmaligen Subvention zum Bau von Krankenhäusern zu beteiligen. Die Beiträge waren allerdings sehr gering und erreichten im Laufe der drei Jahre insgesamt 25 000 Pfund, zuzüglich 5500 Pfund jährliche Subvention für das städtische Krankenhaus in Tel-Awiw. In der letzten Zeit gelang es, von der Regierung das Versprechen zu bekommen, daß sie sich mit S)!XJ Pfund an der Errichtung der Universitätsklinik beteiligen werde, und ferner steht zu erwarten, daß die Regierung den Neubau des städtischen Krankenhauses von Tel-Awiw mit 40 000 Pfund, d. i. einem Viertel der Gesamtausgaben, subventionieren wird. Wenn die Regierung im November ihr Budget vorzubereiteu beginnt, wird inan mit einer energischen Aktion zur Vergrüßerung der Sule, eiilioiieu einsct/en. Auf dem Gebiet der Krankenversicherung ist von vier Regierung vor allem em t)esset/. für PHiehtversiehe* rung gefordert worden, nachdem die Krankenkasse bis heute eine freiwillige lusiitiition geblieben ist, was die Versicherung aller Arbeiter 11111 neigiic 11 macht, und ferner eine Subvention für die Kupath Gliolim. Beide Forderungen wurden abgewiesen. Da die Institutionen im lande dadurch schwer belastet werden, daß die IbiDdina-AcinUT olt kranke E i!1 w an* obrer in* I and schicken, ist zu fordern, daß die Palästina- Aeeiter dir‘ tnedi/i u Rehen Instruktionen des Alijah-Departe* meiits strikt befolgen. Darüber hinaus müssen die nachscharah-Pynkte in der Uah!th in einen solchen sanitären Zustand gebracht werden, daß die Einwanderer die schweren Bealing,innen der ernten /,eil im lande und besonders die Krankhikeii zu ubci ■4 eben imstande sind. Vermehrtes Augenmeik muß auch vier körperlichen Erziehung der J u g 1 11 d gewidmet werde״, die sehr vernachlässigt ist, besonders auch die ph.ysiwhe Erziehung der Jugend in den Schulen. Die ■10 01)0 Schüler in den Schulen der Knesseth Israel erhalten fast keine körperliche Erziehung und auch das wenige nur in sehr primitiver Form. Henrietta Szold Soziale Fürsorge Es gibt heute bereits Institutionen der sozialen Fürsorge in Palästina, wie die Histadruth Naschitn Zionioth und die Hadassah, die vollig modern arbeiten, eine Koordinierung dieser Fürsorge wurde aber erstmals ermöglicht, als vor vier Jahren die Regierung der Knesseth Israel und den Kehilloth das Recht erteilte, für gewisse Zweige Steuern einzuheben. Seither existiert im Waad Leumi eine Zentrale, die sich _ mit dieser Koordinierung beschäftigt, und es ist auch gelungen, eine gewisse Zentralisierung herbei/iffuhren. Diese ist allerdings noch unvollkommen, da sie von den Aktionen der Kehilloth ablkmgt. Diesen obliegt die Funktion der lokalen Fürsorge. Zu diesem Zwecke muß die Kchillali erst organisiert sein und den Apparat besitzen, um die Steuern ein/uzielic״. In einer Reihe von Kehilloth, in Jerusalem, Haifa, Tel-Awiw und anderen ist dies in einem gewissen Ausmaß g thmgett. In Palästina gibt es zwei große Probleme: das Kind und den Einivandtre r. Die Probleme hat man zwar in den letzten Jahren erkannt, aber noch nicht die Methode, wie man die Mittel aufbringt, um sie zu lösen. Abgesehen davon, ist der kleine Jischuw nicht imstande, die ganze Last der Betreuung des Einwanderers auf sich zu nehmen. Die Einwanderer kommen oft krank, unterernährt oder heruntergekommen ins Land, so daß es oft schwer ist, fiir sie in diesem Zustand eine Arbeit zu finden, mit dc>־ sic sich ernähren können. Die Ursache liegt bei den Palästina- Sintern, die bei der Zertifikatsverteilung nicli* die sorgfaltige Prüfung vornehmen, die notwendig wäre. E forderlich ist auch eine besser ausgebaute Gesundheitsfürsorge auf dem im Lande. Diese kann aber nur geschaffen werden, wenn sieh die jüdische Welt außerhalb des Landes an der Aufbringung der Mittel beteiligt. Für die Einheimischen zu sorgen ist die Pflicht des Jischuw, Bei der Betreuung der Einwanderer dagegen müssen die anderen mithelfcii. Die Erfahrungen der letzten Zeit haben gezeigt, daß man aus dein Einwanderer einen höchst produktiven Faktor machen kann, wenn man ihn gleich nach seinem Kommen m die Arbeit einreiht. Aehnlich ist es auch bei den Kindern. Diese leiden in Palästina darunter, daß das Schulwerk nicht so ausgebaut ist, wie es sein sollte. Ein Drittel aller schulpflichtigen Kinder verläßt die Volksschule vor ihrem 12. Lebensjahr. Das jugendliche Delinquent en-Problem, das auch mit der Wohnungsnot eng zusammenhängt, wird von Tag zu Tag größer. Es ist dies ein vielseitige* Problem, das nur durch die Hilfe der Außenwelt gelöst werden kann. In der Arbeit für die Einwanderer aus Deutsch- 1 a n d hat man viel auf dem Gebiet der Betreuung der Ein- Wanderer gelernt. Für diese Einwanderer hat man vcrschieden es tun können, weil ein Fonds zur Verfügung stand. Dabei hat man gesehen, wie rasch die Einwanderer produktiviert werden können. Levi Schkolnik Kolonisationsfragen Wir stehen vor dem Abschluß des ersten Kapitels unserer Kolonisation. Dieses Kapitel beginnt vor 25 Jahren und erreicht seinen Höhepunkt in den Jahren nach dem Krieg, einer Zeit, in der der Keren 1 Iajessod begründet wurde und unsere nationalen Fonds die Kolonisation im großen Maßstab begannen. Viele Stürme gingen über dieses Kolonlsationswerk hinweg; Gegner und Kritiker von innen und außen erhoben sich allezeit dagegen. Jetzt stehen wir vor dem Abschluß dieser Epoche, der sich in der Konsolidierung der in dieser Zeit geschaffenen Siedlungen und in der Unter- Zeichnung der Verträge mit den Siedlern ausdrückt. Alle Wirtschaften haben dieses Jahr mit ziemlich großem Oswinn abgeschlossen. Unsere landwirtschaftlichen Siedhingen haben einen deutlich sichtbaren Höhepunkt erreicht lind haben sich vor den Rekorden der gemischten Wirtschaft an anderen Orten nicht zu schämen. Auch in der Frage der Verträge können wir bezeugen, daß die Siedler heute, nachdem bereits die Verträge mit ihnen vor dem letzten Kongreß abgeschlossen worden waren, die Forderungen der Zionistisehen Exekutive erfüllten und grundsätzlichen Aenderungen der Verträge zugunsten des Keren Hajessod zustimmfen. Um den juristischen und den Darlehenswert der Verträge zu unterstreichen, stimmten z. B. die Ansiedler zu, daß die Ab- Zahlungen im Laufe einiger Jahre vergrößert werden, und verachteten auf die in den früheren Verträgen vorgesehene Uebergangsperiode. Auf Grund der neuen Verträge sind unsere Siedlungen verpflichtet, mit der Abzahlung im Jahre 1930 zu beginnen. Dabei darf man jedoch nicht vergessen, daß da* Ausmaß der Kolonisation zu der vergrößerten Alijah in keinem Verhältnis steht, daß es sogar ein starkes Mißverhältnis zwischen Dorf und Stadt bringt. In Erez Israel, dem Land unserer Hoffnung und Zukunft, beträgt der Prozentsatz der Landwirtschaft, die Grundlage unserer Wirtschaftspyramide, 12 °/a irn Vergleich zu der übrigen landwirtschaftlichen Bevölkerung des Landes. Wenn wir den Dingen ihren Lauf lassen, wird sich das für uns schlecht auswirken. Damit wir bei einer Einwanderung von 50 000 Seelen jährlich nicht unter 10 ■. herabsinken, müssen wir jährlich 5000 Seelen ansiedeln, das sind ungefähr 1000 Familien oder 1000 Wirtschaftseinheiten. Nach Abschluß der Verträge und Konsolidierung der Siedlungen dürfen wir nicht untätig bleiben. Schon existiert eine andere Art von Siedlern — es sind die, welche sich in den mageren Jahren des Keren Hajessod sozusagen mit den Nägeln in den Boden verkrampften. Der Keren Kajemeth gab ihnen Boden, auf dem sie sich mit Musikleben in Jerusalem Progrummfragcn Die alte Saison kt kaum vorüber, und schon steht die neue vor der Tür. Wieder sind viele Konzerte auswärtiger Künstler angekündigt. Es bedarf keiner Diskussion, daß die Konzerte der großen internationalen Stars in eminentem Maße belebend und nivcaulicbeiid wirken. Ihre erzieherische Bedcutung auf Künstler und Publikum ist nicht hoch genug einzuschät/cn, wenn auch einheimische Künstler in ihrer Wirkungsmfiglichkeit dabei zu kurz kommen mögen. In einer Hinsicht jedoch haben die meisten dieser Starkonzerte einen recht negativen Eindruck hinterlassen und eine unbefriedigende Wirkung ausgeübt: in Hinsicht auf die Programme. Mit Ausnahme von Schnabel und Hubermann waren alle diese Abende nach einem bestimmten Schema zusammcngcstcllt. Nach einem Programmschema nämlich, das etwa anderthalb Dutzend gängiger Repertoirestücke enthält, die ein zeitgenössischer Interpret in Europa der Kritik und dem Ptibiiktnn nicht mehr anzubicten wagen würde. Eine Schar mittelmäßiger Künstler und Schüler Palästinas müht sich nun, diese Stücke nachzuarhciten —- und das Ganze nennt sich dann: palästinensisches Musikleben. Eine zweite negative Wirkung auf das Musikleben Ist die Vernachlässigung der zeitgenössischen Musik. Diese Einstellung finden wir auch in den Jerusalemer Konzertunternchmutigen, z. B. in den Konzerten der ״Musical Society“, der ״Histadruth“ und des ״Jerusalemer Streichquartette“. Der Prozentsatz der Werke moderner Autoren ist verschwindend gering. Natürlich wird die Ignoranz des Publikums und seine Ablehnung solcher Werke dadurch Immer mehr verstärkt! — Der 60. Geburtstag Arnold Schönbergs ist völlig mit Stillschweigen übergangen worden. — Die fast völlige Vernachlässigung der jüdischen Musik ist an dieser Stelle ja schon des öfteren beklagt worden. ln Europa hatte man in den letzten Jahrzehnten gewisse Kritciien zur Zusammenstellung vor! Konzert-Programmen gewonnen. Für die Stücke, die einem bestimmten Interpreten ״liegen“, hatten die meisten Menschen das Interesse verloren. Dieser individualistische Gesichtspunkt antiquierter Virtuosen verringerte sich in dem Grade, als das Interesse an neuer Literatur zunahm. Denn den üblichen Kanon der klassisehen Werke kannte man ja In jeder, möglichen Interpretatten. Sicher gab und gibt es in Europa auch noch genug t icberholtes und Konventionelles. Aber das ganze Musikleben hatte doch schon ein anderes Gesicht bekommen. Sicher liegt die Problematik in Palästina komplizierter: eine Unzahl bekannter klassischer Werke ist hier noch niemala oder nur sehr unvollkommen aufgeführt worden. Nach diesem Kriterium werden hier ja aber nur wenige Konzert- Kongreß Hilfe der Landwirtschaftsbank und des ״Nir“ am siedelten und mit ihren Ersparnissen eine Art Wirtschaft schufen, die nicht wegzukugnen ist. Dieses Vermögen erreicht heute die Höhe von vielen zehntausenden PfuncL Jetzt stehen wir vor der Frage, wie die Mittel für die Konsolidierung dieser zw׳ eiten Reihe von Siedlungen zu finden sind. Vor zehn Jahren, als die Kolonisation ihre ersten Schlitte machte, waren die landwirtschaftlichen Budgets viel größer als heute. Im kommenden Jahr 8011 die Landwirtschaft ein Budget von 85OCX) Pfund erhaiten? einschließlich der Ausgaben für Administration und Instruktion, so daß für die Landwirtschaft ein Betrag von 60 000 Pfund bleibt. Wir sind soweit, daß wir dank den eigenen Mitteln und den Ersparnissen der Siedler den Betrag pro Siedler auf ISO Pfund herabsetzen konnten. Wir sprechen viel über den Wert der gemischten Wirtschaft ich glaube, wir müssen diesen Begriff in einem, viel weiteren Sinne verstehen, nämlich gemischte Landwirtschaft im ganzen Lande. Wir haben verschiedenartige Landstriche in Erez Israel. In der gemischten Wirtschaft sehen wir Licht und Schatten. Heute, wo die gemischte Wirtschaft der von den nationalen Fonds gegründeten Arbeitersiedlungen nicht genug produzieren kann, um den Markt mit Produkten zu versorgen, lastet auf dem Jischuw die schwere Sorge, neue Märkte für die Orange, den zweiten bedeutendem Wirtschaftszweig des Landes, zu finden. In den letzten Jahren entdeckten wir Wasser in Ortschaften, wo wir uns es nie träumen ließen. Gewiß freuen wir uns alle über (Uesen tief in der Erde verborgenen Reichtum, doch auch hier ist die Freude nicht vollkommen. Denn so zweckmäßig diese Arbeit vielleicht ist, so erscheint in unserer heutigen .Situation, wo wir unseren Bodenbesitz bedeutend vergrößern könnten, wem! der Keren Kajemeth die nötigen Mittel dazu hätte, die innere Intensivierung vielleicht Verfrüht. Unsere jungen landwtrt* schaftlichen Siedlungen haben schwere Kämpfe durchzumachen, ohne dabei von der Regierung entsprechend unterstützt zu werden. Die Palästina-Regierung, die ganz besondere» Interesse für die Landwirtschaft hat, läßt unseren Siedlungen nicht dgn ihnen zukommenden Teil an Unterstützung zuteil werden. Wir träumten davon, in Erez Israel eine gesunde Wirt* schaft auf gesunden ökonomischen Grundlagen zu schaffen. Doch was jetzt entsteht, flößt uns Besorgnis eit». Von Kongreß zu Kongreß verlangt man Hilfe und Opfer fiir die nätionalen Fonds, um die Grundlagen zu vergrößern. Und auch dieser Kongreß wird seine Aufgabe nicht erfüllen, wenn er nicht alle Kräfte zur Mobilisierung der Volksmausen für die Fonds sammelt. Wir stehen vor der Schaffung einer Kolonisationsgesellschaft, doch auch diese wird nichts leisten können, wenn ihr der Keren Hajessod nicht die nötigen Mittel zur Verfügung stellen kann, Kurze Nachrichten Im Regierungsgebäude von T u 1 k e r e m hat der neuernannte jüdische Kreisbeamte Jizchak Chisak die Anitsgeschäfte aufgenommen. Dem neuen Kreisbeamten ist die Aufsicht über die in dem Distrikt liegenden jüdischen Kolonien übertragen worden. Die Direktion der arabischen Tabakfahrik ״Maspero“ hat mit der Leitung des Syndikats der jüdischen Tabakpflanzer in Rosch Pinah einen Vertrag auf Lieferung von 20000 kg Tabak abgeschlossen. In der nach Dr. Chaim Weizmann ״Gan Chaim“ benannten Arbeitersiedlung bei Kfar Saba fand die Grundsteinlegung für die Errichtung von 25 neuen Arbeiterhäusem statt. Der Bau des neuen Gebäudes für die Habimah auf dem von der Stadtgemeiride Tel-Awiw zur Verfügung gestellten Grundstück wurde in Angriff genommen. Um die Zufuhr des Baumaterials zu erleichtern, hat die Stadtverwaltung die umliegenden Straßen pflastern lassen. abende zusammengestellt. Man hört hier gewisse Werke viel zu oft, andere dagegen überhaupt nicht. Ein System ist nie erkennbar und von den meisten Künstlern wird die Programmfrage gar nicht so ernst genommen. So stellte einer der gastierenden internationalen Stars sein Programm für die Kwuzoth aus lauter Salonstücken zusammen. Die Hörer waren entsetzt. Und diese Hörer sind ja doch die wichtigsten hier im Lande — nicht das europäisch beeindruckte Publikum der Städte! Für den Musiker haben die meisten Konzerte hier aus diesem Grunde etwas Einschläferndes, Lähmendes. Wie soll der Musiker sich hier entwickeln können, wenn er von der Produktion, die während der Zeit seines Lebens, Erlebens und Schaffens auf der ganzen Welt entsteht, abgeschnitten ist. Zwei jugendliche Begabungen Daniel Friedländer in Jerusalem trotz seiner 16 Jahre nicht mehr unbekannt -- spielt Bach so, ■wie es seinem Alter zukommt: romantisch, verträumt, versonnen, nuancenreich, überzart. Daß seine Technik gut entwickelt ist, muß nicht als außerordentlich gelten: er hat einen ausgezeichneten Lehrer und viel Fleiß. Was ihm fehlt, ist hauptsächlich eine gewisse Tiefe und Gesättigtheit des Tones, wie sie fiir den Konzertsaal unerläßlich ist. Auch seine Körperhaltung läßt zu wünschen übrig: sie trägt dazu bei, daß der Ton zu sehr in das Klavier und zu wenig in den Saal hinausgeht. Der intensive Kontakt zu den Tasten ist auf dem Podium kein hinreichendes Aequivalent dafür. Alles in allem ist Friedländer keineswegs ein ״Wunderkind“, noch nicht einmal ein ״Wumlerjüngling“, aber bestimmt ein sehr vergeistigter und verinnerlichter Künstlertyp. Eine ganz andersartige Begabung ist sein elfjähriger Kamerad Joseph Segal, der in Haifa geboren ist. Er ist in der Tat bei all seiner Jungenhaftigkeit von außerordent- Jicher künstlerischer Frühreife und geistiger Selbständigkeit. Segal, der ausschließlich von Salomon Klein in Haifa, einem anscheinend vorzüglichen Pädagogen, ausgebildet ist, stellt einen frischen, wlllcnshaften Typ dar. Symbol dafür ist, daß ihm Bach arn besten liegt. Es war eine Freude, zu hören, mit wieviel ״Schneid“ und Aufgerecktheit, und , mit welchem überlegenen Verständnis er das E-Dur-Konzert hingestellt Hat. Auch Ihm fehlt noch ein völlig entwickelter, knochiger Ton, seine Bogenführung Ist noch ein bißchen schlapp — aber auch das Virtuoslschc funktioniert erstaun lieh. Segal kann in wenigen Jahren perfekt sein. Beiden Knaben wird der Erfolg dieses Abends itn Y. M. C. A., das trotz des heißen Hochsommertages ansehnlich gefüllt war, hoffentlich das notwendige Ausland Studium ermöglichen. Alice Jacob-Loewenson (Schluß des Palästina-Teils) f

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.