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Jüdische Rundschau · 1935-09-10 · Heft 73 (10.9.1935) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 73 (10.9.1935)
Date
1935-09-10
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 73 10. IX. 1935 I0DISCHP RUNDSCHAU Seife 5 Berthold Feiwel 60 Jahre Was Berthold Feiwel für die Entwicklung und Durchsetzung des Gedanhcns der jüdischen Renaissance im Westen, was er für die Verfeinerung und Veredelung des jüdischen Empfindens einer Generation getan hat, was seine Figur im Rühmen der zionistischen Geschichte bedeutet, wird in den nachfolgenden Artikeln gesagt. Feiwel ist als einer der ersten Redakteure der ״Welt" auch der Milschöpfer des zionistisch-publizistischen Stils und damit der Bahnbrecher und Vor• läufer jeder zionistischen Journalistik, der als solcher unseren speziellen Dank verdient. In Ergänzung des unten Gesa״- ten bleibt uns nur übrig, diesen Freund und Helfer wärmslens zu seinem Geburtstag am 11. September zu begrüßen und ihm noch viele produktive Jahre für sein künftiges Leben zu wünschen. (Red.) Ein Wort des Dankes Berthold Feiwel öffentlich zu gratulieren, wäre für jeden, der ihm persönlich nahesteht, ein schweres Unterfangen. Mir ist es vergönnt, meinen Glückwunsch — und Dank — in eine Rückschau cinzubanen, die den fünfzehn Jahren des Keren Hajessod gilt. Ungefähr die Hälfte dieser Periode stand im Zeichen Berthold Feiwels, und wenn in diesen Tagen zionistischer Kongreß und Jewisli Agency Glückwünsche an den Keren Hajessod erklärt haben, um die jüdische Welt darauf aufmerksam zu machen, was in diesen fünfzehn Jahren von ihm geleistet worden ist, so ist es wahrhaftig recht, auch öffentlich des Mannes zu gedenken, der in den entscheidenden Jahren des Anfangs nicht nur üesch i'ftsfüiirend er Dircktor und Leiter des Keren Hajessod war — dazu wird man gewählt — sondern der ihm Seele und Charakter gab. Feiwel war und ist es zu verdanken, daß jener Be- Schluß des Jahres 1020, den Keren Hajessod zu schaffen, nicht aut dem Papier blieb. Wie viele Kongreßbeschlüsse sind in Koiigreß/.eitmigcn und Protokollen begraben, pathetische Zeugnisse, daß der durch Äbstimmung in eine Resolution gepreßte Volkswille an sich noch nicht sch'biferische Kraft hat — wenn nicht schöpfe;hohe Kraft einer die Verwirklichung aut sich nehmenden Persönlichkeit hiiizutritt. Der Beschluß über die Schaffung des Keren Hajessod trug — heute darf man es sagen keineswegs die Gewähr der Verwirklichung in sich. Die Deklamation, die seine Geburt begleitete, klang in einen sich leerenden Konferenzsaal, die Exekutive, die seine Ausführung übernehmen sollte, nahm den Beschluß nicht ernst, ja versuchte, von vornherein der Arbeit für den Keren Hajessod das Stigma eines wenn nicht illegalen, so doch illegitimen Charakters aufzuprägen, und als erst Louis D. Brand eis seinen Bannstrahl geschleudert batte, war die Aussicht auf ein Gelingen nicht gerade gestiegen. In einem einzigen, abgelegenen Zimmer von 75 Great ftussellslreet, ein Nebenhaus der Londoi.cr Exekutive, durch ein zu diesem Zweck neu errichtetes Gitter von der bequemen Verbindung zur zionistischen Leitung abgeschnitten, wie aus einer Quarantäne heraus begann der Keren Hajessod unter Feiwel sein Wirken. Es hat nicht oft einen schwereren Anfang gegeben. Aber damals zeigte Feiwel die Kraft und die Kunst eines schöpferischen Menschen. Was leere Deklamation hätte bleiben können, wurde aus tönendem Wort fortreißender Aufruf. Das Wort bewies seine Kraft. Bald gingen von diesem Zimmer neue starke Fäden durch die Welt, Vcrbindungen, durch die ein Strom des Glaubens und der Zuversieht kreiste. Izchak N a i d i t s c h und Hillei Z I a t o - olsky, die den Gedanken des Keren Hajessod in der onferenz durchgesetzt hatten, fanden in Feiwel den wahren Verwirklichet. Dr. Weizmann fand in jenem Zimmer Feiwels den alten Mitkämpfer aus den Zeiten der demokratisehen Fraktion, aber jetzt auch den zuverlässigen Verwalter, den klugen Berater, den wachsamen Freund — und ihm vertrauend wurde er der Erste Herold des Keren Hajessod. Ein anderer verband sich dort, von Feiwel überzeugt und auf ihn vertrauend, mit seiner ganzen Treue und Leidenschaft dem Wirken des Keren Hajessod: Sliraarya Levin. Feiwel wußte den ״Delegierten des Keren Hajessod“ zu finden und im treuen Dienst zu halten, Jahre hindurch, weil er den Keren Hajessod nicht als ein mechanisches Geidsammelinstitut auffaßte, weil er in ihn die ganze Größe und — Schönheit unserer Aufgabe hineinlegte. Wer das Glück hatte, damals mit Feiwel zu arbeiten, hat miterlebt, wie die zionistische Idee wirkt, wo sie den Glanz des Ideals nicht abstreift, aber sich doch in konkretes Ergebnis zu verwandeln hat. Daß der Keren Hajessod das Instrument der Verwirklichung geworden ist, ist mit in erster Reihe Berthold Feiwel zu verdanken. Und darum ist alles, was heute in Ercz Israel sichtbar oder unsichtbar mit dem Keren Hajessod verbunden ist, irgendwie auch von Fei weis stiller aber starker Wirksamkeit befruchtet. Daß das nicht viele wissen, daß es wenige richtig abschätzen — Berthold Feiwel selbst soll es nicht bezweifeln. Und wenn heute der Keren Hajessod zu neuem Tun ausholt, soll Feiwel aufs neue gedankt sein. Was an p e r s ö n 1 i c h e m Dank hinzuzufiipen ist, von mir in diesem Augenblick in meinem Namen und im Namen der vielen Freunde — Shmarya Levin hätte es tun sollen — ist in dein einen Wunsch zusarnmenztifassen: Möge uns Berthold Feiwel, jetzt in einer neuen schaffenden Periode, noch reiche Früchte seines Geistes geben, weil wir seiner Mischung auch in der chaotischen Vielfalt unseres neuen Lebens bedürfen und uns erfreuen können. Leo H e r r in a n!1 Der Begründer der ״Gegenwarfsarbeit“ Feiwel hat in dem Sammelbuch: ״Warum gingen wir zum Zionistenkongreß?“ 1022 rückschauend gesagt, was die Triebfeder seines ersten zionistischen Woilcns war: cs war ein ästhetisches Ideal. Er sah die Gegenüberstellung des geduckten Juden einerseits und des aufrechten jungen Juden andererseits, er sah die Schönheit der Auferstehung des Volkes, das sich zurückfindet zum eigenen Sein. Als künstlerische Schöpfung ohnegleichen erschien ihm das werelende Volk, und sein Kongreß war ihm ״ein erstes Kunstwerk aus der Schmiede des neuen Volkes“. Diese Stellung war charakteristisch für einen großen Teil der zionistischen Jugend jener Herzischen Zeit. Dem Judentum war sie entfremdet, die Kultur, in der sie aufgewachsen war, war die europäische. Und indem sie jetzt zum eigenen Volk zurückkehrte, «suchte sie, wenn ich das hebräische Bild gebrauchen darf, die Schönheit Jafets in den Zelten Sems. So wurden sie Zionisten. Dieser Impuls wirkte sich in zwei Richtungen aus: am der einen Seite wollten sie die zionistische Bewegung, der sie dienten, erfüllt sehen mit intensivstem inneren Leben, aut der anderen Seite drängte es sie zum Anschluß an das lebendige Volk, und da es im Westen kein lebendiges Volk gab, zum Anschluß an die Ostjuden. Um zunächst von ersterein zu sprechen: Die Zionistisrhe Organisation war damals nach den ersten Kongrossen in eine schwierige innere Situation geraten. Die ersten Jahre der Begeisterung waren vorbei, und jetzt war man ganz eingestellt darauf, das Wunder der Erlösung abzmvaiien, den diplomatischen Sieg Ilcrzls. Palästina-Arbeit war auf ausdrücklichen Wunsch Herzls verboten, um die diplomatische Aktion nicht zu gefährden. Propaganda und Sammlung von Schekaliin bot wenig Inhalt. In die Leere, die duicii diesen Zustand entstand, schleuderte. Feiwel das Wort: G e g e 11 w a r t s a r b e i t. In seinem Referat auf dem ersten österreichischen Zionistentag (Ohnütz, 24. Mär/. 1901) setzte Feiwel seinen Vorschlag zur Ergänzung des zionisfisehen Programms auseinander: Der Zionismus wurde aut dem ersten Kongreß nicht ausführlich genug interpretiert. Zwischen den zwei Prämissen: Existenz einer ungeheueren Jmlennot und Uniiberwindlichkeit des Aritisemitismus einerseits und dem Schlußsätze ״Schaffung einer Heimstätte“ andererseits fehlt das Zwischenglied. Fs ist einmal das Wort geprägt worden: der Zionismus ist das Judentum unterwegs: Das Wort bedarf nur einer kleinen Ergänzung durch ein einziges Wörtchen, und sofort ergibt sich die ganze Bedeutung und Tragweite des Satzes: Der Zionismus ist a 11 c h das Judentum unterwegs. Das will heißen: Der Zionismus ist nicht nur das Volk, das bedrückt wird, und nicht nur das Volk, das eine Heimstätte will, sondern der Zionismus ist auch das Volk, für das unterwegs, während es aus der Not in die Befreiung gellt, gesorgt, das für sein Gemeinwesen vorbereitet werden muß. Das ist ein wichtiges, ja unentbehrliches Zwischenglied, das in der logischen Kette des bisherigen Zionismus gefehlt hat. I )er Zionismus fing mit einem positiven Programm an, das zugleich eine Negation enthielt. Die Judenfrage ist durch die Etablierung einer Heimstätte zu lösen (das war der positive Teil), weil alle Versuche, sie in den!.ändern des derzci igen Aufenthaltes zu lösen, mißlingen würden (das war der negative Teil). Die erste These war die Grundlage der bisher 'betriebenen Propaganda, die zweite, negative, erzeugte eine dogmatisch begründete Untätigkeit der Zionisten in allen Fragen, welche die gegenwärtigen Schicksale der luden in der Gallith betrafen. Diese Untätigkeit hatte schwere Nachteil« zur Folge. Sic schädigte die Agitation, sie schädigte vor allem die Entwicklung des Zionismus seihst. Unsere Kenntnis des Menschenmaterials, über das wir verfügen, ist nicht vermehrt worden. Noch wissen wir nicht genau, für welche Arbeit vir das geeignete Material haben und für welche nicht, noch wissen wir nicht, wie groll das Proletariat der Arbeit und der Arbeitslosigkeit ist, kurz es feillen uns die primitivsten Grundlagen für die Kolonisation. Der Zionismus benötigt der Vorbereitung der Massen. Aber die Oegcmvartsarbcit, die er leisten soll, darf nicht letztes Ziel werden. Jenes unentbehrliche Zwischenglied zwischen Gallith und Palästina, darf nie eine andere Rolle spielen als diese Mittlerrolle. Aus dem Mittel einen Selbstzweck zu machen, wäre Torheit. t'vio, Atuhiv niiiiiiniiii lllllllllillllllHIIII DIE ERSTEN/ Non Berthold I ciwel Euda trägt die Ahnung über Zelt und Raum In eurer Sehnsucht köstliches Gefilde. Vas Ihr erschaut, formt ihr zumZukunltsbilde, All euer Wollen Ist ein grober Traum. Und doch hält eudi das Schicksal festgebann! An fremde Menschen und an fremdes Land Aus Jedem Strahl trinkt Ihr der Heimat Glut, Und Helmatsaat glfinzt euch aus jedem Halme, Und jeder Vogelsang wird euch zum Psalme, Aus Jeder Quelle rauscht des Jordans Flut. Und doch schenkt euch kein eigner Boden Ruh Und doch deckt euch nicht euer Himmel zu, Ihr Ersten, die Ihr euch dem Dienst ergebt: Fern eurer Scholle, weit vor euren Zeiten, Tragt Ihr der Sehnsucht höchste Bitterkeiten, Ihr IrSuml das Glück, doch Leid ist, was Ihr lebt. AusHalm undQueil.ausErde.W In d undStrahl, Aus Jedem Sehnen wächst euch neue Qual. Ihr dürft die unverhüllte Schönheit sehn, Und könnet ihre Hände doch nicht fassen. Euch zefgt die Freiheit nie geahnte Slraüen, Doch einsam müht Ihr eure Wege gehn Und müsset ringen in der Einsamkeit Und einsam leiden euer tiefstes Leid. Ihr Ers*en, die Ihr euch dem Dienst ergebt, Dies ist die Sendung, die euch ward auf Erden: Stets sehnsuchtsvoller muß die Sehnsucht werden. Stets quälender die Qual, die euch durchbebt. Und euer Lied ln Immer helbrer Glut Muß es entströmen eurem Herzensblut. Denn riesengrob Ist eures Volke» Not, Die größte Not sein schwelgendes Ergeben: Es beugt den Nacken einem Sklavenleben, Kaum wehrt es zitternd einem Sktaventod. So riesengrob wie eures Volkes Leid Mub auch die Sehnsucht sein, die es befreit, Der Menschheit Reich erscheint zuerst euch dort, Im Ostlicht blinkt die Schärte eurer Watten, Geweihte Handlung wird euch ledes Schäften, Zum heiligen Symbol wird Jedes Wort, Und sieht doch keiner euer Priesterkleid, Undw»tbdod1niemand,waslhrwolltunds«ld, Und Jedes neue Leid wird euch zum Lted Und Jedes neue Lied zu neuem Leiden, Und Immer größre Sehnsucht quillt aus beiden, Aus Jedem Leiden und aus Jedem Lied. Aus Jedem Schmerze wächst euch neue Kraft, Die wieder neue Schmerzen eus sich schafft. Auslausendjährger Schmerzen dunklem Schob Ein Sehnen, das hlnaulfllegt zu den Siemen, Mub euer Volk, das sehnsuchismCIde, lernen: ihr müftl Ihm Sehnsucht geben, grenzenlos, Und müsse! lieben, Heben euer Leid, Aus dem die Sehnsucht wird, die euer Volk befreit. Aus dem Jüdischen Almanadt S663 {1903}, Jüdischer Verlag, Berlin Dies war ungefähr der Inhalt des Feiwelschen Referates in Olmiitz, in dessen Verfolg• der Zionistentag ein ausführlieh es Programm für die G e g e 11 vv a r t s a r b e i t _an■ nahm, das alle Zweige der Tätigkeit umfaßte: von jikli■ scher Statistik bis zur Einrichtung von Bibliotheken, vom Turnverein bis zum hebräischen ' Sprachverein. Die vorsichtige Formulierung Feiwels für die Gegen• wartsarbeit, welche die Mitte hielt zwischen einem au-S der Verzweiflung entsprungenen Mangel an Tätigkeit in der Galuth und zwischen den unbegrenzten Erwartungen, welche die nicht-zionislisclien National-Juden an diese Arbeit knüpften, fand auch in einer speziellen Frage ihren Ausdruck, in welcher Feiwel mit Buhcr und Weizmann der Pionier wurde: in der Frage der Universität. 1902 veröffentlichten sie die Broschüre: ״Eine jüdische Hochschule“, 111 weicher eine Universität gefordert wurde, die in Palästina und, falls dies unmöglich wäre, in der Schweiz oder England gegründet werden sollte. In dieser Broschüre sprechen die Verfasser mit einer für den Propaganda-Zweck beinahe bedenklichen Vorsicht über die Grenzen der Nützlichkeit einer Arbeit innerhalb der Galuth: ״Wir werden uns hüten, die Grenzen der Nützlichkeit unseres Unternehmens innerhalb der Galuth weiter zu stecken, als man es tun darf. Aus der zionislisehen Anschauung heraus wissen wir, wie beschränkt die Wirkungen aller Tätigkeiten sind, die zur Besserung der Lage der Juden innerhalb der!.ander ihres derzeitigen Aufenthaltes unternommen werden. Wir wissen, daß die eigentliche Befreiung erst möglich sein wird, wenn die jiidische Nation in der palästinensischen Heimstätte Herrin, ihrer Geschicke sein wird, Oerarle diese Anschauung aber ist es auch, die uns lehrt, daß wir die materielle und geistige Lage unseres Volkes vor jedem Verfalle hüten und, soweit wir es vermögen, sichern!missen“. Diese vorsichtige Formulierang atmet denselben Geist wie Feiwels Progranimrede in Olmiitz. Es kann liier nicht im Detail ausgefiihrt werden, wie sehr Feiwels Wort von der Gegenwartsarbcit die Bewegung beeinflußt hat.!Die Parole ist nicht ohne große Kiimjifc angenommen worden. Klausner kämpfte gegen sie int 1״ iascliiioali“ (nur die kulturelle Aibeit wollte er aiierkeunen). Das Programm der d e 111 o k r a f i s e h - 1 i o 11 i s ti - sehen Fraktion, die 1901 gegründet wurde, enthält die wesentlichsten Punkte des Olmut/er Programms, aber der Ausdruck ,,Ciegeinvartsarbcit“ ist crsei/t durch den viel schwächeren ״Paltiaiivarbei!“. Die M i » s k e r Konferenz der russischen Zionisten 19112 nahm i!1 ihre Tagesordnung ein Referat über die jüdische Oekonomik in der Diaspora auf, eine deutliche Konzession an die neue Parole. Der Kampf für und gegen die Gegenwartsarbcit dauerte an, unci seine Aspekte änderten sieh je nach der politischen Lage des Zionismus einerseits, der Galuth andererseits. (Helsingforser Programm der russischen Zionisten IQUö, Schaffttng der jüdischen Nation,•ilrü’.e in den Ländern von Mittel- und Osteuropa am Fnde des Krieges ttsw.) Es ist schon oben gesagt worden, daß das ästhetische zionistische Ideal Feine! und seine Freunde noeh in einer anderen Richtung beeinflußte: es wies den Weg zu den jüdischen Massen. Feiwel sprach in Oimiit/ vom jüdischen Proletariat, ein damals ganz ungewohnter Ausdruck. Das Hochscluilprograinni von 1902 spricht von der Ftablicrung einer jüdischen Industrie. Feiwel übersetzte den Dichter des jüdischen Proletariats Morris Rosen feld aus dem Jiddischen ins Deutsche. Das Erscheinen der lieber- Setzung in der von Lilien illustrierten Ausgabe war ein Ereignis von großer Bedeutung für das westliche Judentum. Die wichtigsten Impulse der zionistischen Propaganda gingen damals von dem Kreise um Feiwel und Buber aus, die, mit Trietsch und Lilien, den ״Jüdischen Verlag“ gegründet hatten: das erste Buch dieses Verlages, der Jüdische Alman ach, dessen literarischen Teil Feiwel redigierte, wirdfiir immer ein Merkstein in der Geschichte der zionistischen Bewegung sein. Zun! ersten Male kamen dort die ostjüdisclien Dichter Bialik und Tschernicliowski, Scholcm Aiejchem und Roscnfeld, in deutscher Sprache zu Worte. Feiwel veröffentlichte selbst in dem Almanach eines seiner schönsten Gedichte ״Die Ersten“, das die Tragik jenes Geschlechtes aussprach, dem Feiwel selbst angehörte, der Generation des Ueberganges. Es ist schwer, der heutigen Generation, für weiche der Zionismus konkrete, vielleicht allzu konkrete Aufgaben stellt, die sich in Zahlen und Ziffern ausdrücken, klar zu mache«, welche Bedeutung der ״Jüdische Almaiucli“ und der ״Jiidische Verlag“ für die damalige zionistische Propaganda und, mehr als das, für das zionistische Erlebnis gehabt haben. (Im ״Jüdischen Verlag" erschienen übrigens auch die zwei Bände von Akten über den Pogrom von Kischincw, welche Feiwel unter persönlicher Gefahr unmittelbar nach dem Pogrom an Ort und Steile gesammelt hat.) Feiwel selbst sprach in dem Vorwort /um ״Jüdischen Almanach“ von der Ideologie seiner I leramgeber: .,Neben dem jiidisch-sittlichen Ideal, das dem jüdischen Menschen wieder Einheit und Festigkeit, na'ionaies und persönliches Selbstbcwußtscin gibt, soll das jüdiseli-adhetisclic atifgericht ct werden“. Dieses ästhetische Ideal bedeutete aber nicht nur Kunst im engeren Sinne, es bedeutete die Schönheit des werdenden Volkes, die Begegnung der ostjiklisehen Schaffenden, die tie! im Volkstum wurzelten, und der cnropäisehen Juden, die aus der europäischen Kultur heraus dein modernen nationalen Judentum zustrebten. Die Bewegung hatte damals kaum andere Parolen als die von der ״Jiklisehen Moderne“, ״Jüdischen Renaissance“, die aus jenem Kreise kamen. Die Romantik dieses ästhetischen Zionismus war wohl Wirklichkeitsferne und doch war sie damals fast die einzige Wirklichkeit, die man hatte. Feiwels Sammelbncl] zionistischer Lyrik ״junge Harfen“ war für viele Jahre die Quelle, aus der die zionistische Propaganda bei ihren Makkabäer-Feiern und ״Jung-jüdischen Abenden“ schöpfte. Wir wissen heute freilich, daß jenes ästhetische!deal kein sehr tiefes war, daß jene .Juden bei ihrer Rüdekehr zum Judentum hätten tiefer bohren müssen, um zu den Quellen zu gelangen, und daß das Schicksal des westliehen Zionismus ein anderes gewesen wäre, wenn sie weiter gegangen wären. Aber wir können das heute nur deswegen sagen, weil s i e uns vorangegangen sind und wir aut ihren Schultern stehen. Feiwels spätere Tätigkeit im Zionismus als Mitglied der Exekutive, als Direktor des Keren Hajessod und der Koloniaibank fällt außerhalb des Rahmens dieser Betrachtung. Aber die Erinnerung an seine Jugendarbeit soll heute wachgerufen sein, denn sie bestimmte die Gestalt eines der schönsten Abschnitte in der Geschichte der zionistischen Bewegung. Hugo Berg m a n n, Jerusalem König Victor Emamiel hat die Eröffnung des Palästina- Pavillons auf der Levante -Messe in Bari vorgenommen. Der König legte lebhaftes Interesse für die Verhältnisse Palästinas an den Tag und erkundigte sich bei der Leitung der palästinensischen Sonderschau eingehend nach der Entwicklung der palästinensischen Landwirtschaft und den Fortschritten der jüdischen Einwanderung. Der berühmte Physiker Professor Dr. L. Polak Danieis ist für das Jahr 1936 rum Rektor Magnlfucus der Staatsuniversität Groningen gewählt worden. Prof. PdAk Daniels ist Jude.

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