Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 72 (6.9.1935)
- Date
- 1935-09-06
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 12 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 72, 6. IX. 1935 Hugo Bergmann nimmt Abschied ln ■diesen Tagen verlaßt Dr. Hugo Bergmann nach 15jahii;{er Tätigkeit die Hebräische National- und U n i v 1• r s i t ä t s b i b 1 i •» t h e k, um sich ganz seinem philosophischen Lehramt au der Universität m widmen. Die Beamtenschaft <ler Bibliothek halte den Anlaß benutzt, 11 in Dr. Bergmann mit einer kleinen Festlichkeit zu ehre». Der Abend verlief so außerhalb der gewohnten Schablonc. daß über ihn berichtet werden soll. Ni «Ben den Beamten und Beamtinnen der Bibliothek waren Dr. M agiles, der Kanzler der Hebräischen Universitat, Pro). Dr. Qotihoki Weil, Bergmanns Nachfolger, Rav A $ s a f, sein Lehrer im Talmud, der sich um die Bibliothek 11 na deren Handschriftenabteilung besonders verdient gemacht hat, und einige persönliche Freunde geladen. Mögen auch viele von Bergmanns Universitätskollegen bedauert haben, daß sie an dem Abend nicht teilnehmen konnten, s<1 gab doch gerade du so bewußte Beschränkung auf einen kleinen, engverbundenen Kreis der Feier ihren intimen und eigenartigen Charakter. Mit Recht bemerkte einer der Redner, Herr Schochetmann, als Mitglied des Redaktionskollegiums von Kirjath Sefer, der bibliographischen Vierteljahrsschrift der Bibliothek, sowie als Organisator der kürzlich in Tel-Awiw gezeigteil Bialik-Ausstellung aueii weiteren Kreisen bekannt, es sei bedauerlich, daß die Ansprachen dieses Abends nicht aufgezeichnet wurden; sie hätten ein Stück jüdischer Kulturgeschickte der letzten 15 Jahre ergeben. Unter der geistreichen und humorvollen Leitung von Abraham Jaari, dem Bibliographen der Universitätshibliothek, rollte sich, in dicht aufeinanderfolgenden persönlichen Zeugnissen der engsten Mitarbeiter ein Bild vom bisherigen palästinensischen Leben«,w erk Hugo Bergmanns ab. J a a r i selbst erzählte einleitend, wie er Bergmann zuerst kennf11־ gelernt habe: soeben eingewandert, eilte er in die Bibliothek, die damals noch im Hause der Bne-ßrith-Loge in Jerusalem >01 hot untergebracht war. tun das im Krieg ersrliii neue Sainmelbiich .,Knesseth“. das (jedichte seines Herausgeber«, Biaiik enthielt, zu entleihen. Kaum hatte er dem an <1 er Ausleihe stellenden Beamten es war der Direktor selbst - seinen Wunsch vorgetragen, aB dieser auch schon vt tseftwumien war •and, kaum daß sich Herr Jaari von seinein I rstaunen erholt hatte, ihm •das Buch in die Hand drurktc:, |),:r kleine Vorgang ist tvpisch für die unmittelbare rnrimdilDhe i lilfshert it.-vchaft, mit der Bergmann seinen bibliotbckaiPcheii ״Dienst am Leser" stets auf gefaßt hat. 11r. Ban et!1, der Leiter der orientalischen Abteilung der Bibliothek, Imb in seiner von tiefer Bewegung getragenen Rede, die eine (!e.-,ai1!twurdigi1!1g Bergmanns zu geben suchte, vor all ein drei Momente hervor, die er 11 י der Bibliothek und bei ihren! I eit er gefunden habe: wirkliche■ Cbaiuzmih, die in der 11:11as!111eu«i־.eiH11׳ Stadt so selten ist; brüderliches Zusanmicnai beiten mit allen Beamten, das sieh schon in der Cjegciiseitigkeii des hebräischen ״Du" au Berte, und die Sorge um die fiuhliclie Ausbildung von Nichthililiothekaren zu Bibiictlwkn! en, die erst von ihm ihr litt ruf sethos empfingen. Dr. M acnes brachte in die Absch i rdssl immung, die die meisten der Anwesenden beherrschte, einen freudigeren Ton, indem er auf die großen Zukunftsaufgalien verwies, die Dr. Bergmanns philosophische!..ehr- und Forschungstätigkeit innerhalb der Universität ihm erst jetzt — da er von den administrativen Pflichten seines Amtes befreit werden konnte — in vollem Umfange eröffnet hat. Itu Namen der Bcamtcnvemnigung der Universität bcgriillte der soeben in Italien zum Doktor promovierte — Herr S c h 111 o w den altneuen ״Chaver“, während Herr Srhoclietmann an einige persönliche Erinnerungen anknüpfte, um, teils humorvoll, teils ernsthaft, die unermüdliehe Arbeits- und Hilfsbereitschaft von Dr. Bergmann zu illustrieren; er schloß mit einem Dank für die strenge Kritik, mit der Bergmann seinen ersten Beitrag zu Kirjath Sefer gekürzt hatte: seitdem lasse er von jedem neugeschriebenen Aufsatz immer nur noch das stellen, was ״Dr. Bergmann nicht streichen würde". Frau Dr, Pf 1 a tun sprach von Bergmann, dem Erzieher, der, wie sie cs misdrückte, ״ans alle za Menschen gemacht hat“. Sie verschwieg nicht die Schwierigkeiten, die sich in der Zusammenarbeit oft ergehen hatten, und sprach die Hoffnung aus, die Wehmut dieser Abschiedsstunde möge sich in die Freude dauernder persönlicher Beziehungen auflösen, die, von «allen Trübungen des amtlichen Verkehrs gereinigt, die Liebe und Anhänglichkeit aller mit Bergmann verbundenen Men scheu erst ganz klar heraussteilen würden. Dann erhob sich Bergmann seihst, uni zu antworten. Die Beamten der Bibliothek hatten ihm durch ihren Sprecher Rabbi Kuks Jerusalem, 2. September. (JTA.) Unter ungeheurer Anteilnahme der jüdischen Bevölkerung wurde Oberrabbiner K u k am 2. September auf dem Oelberg zur letzten Ruhe bestattet. Die Zahl der Menschen, die dem Sarg folgten und in den Straßen, die der Trauerzug passierte, Spalier bildeten, wird auf 80000 geschätzt. Etwa 25—30 (M)0 Trauergäste waren aus dem ganzen Lande herbeigestr&mt. Dichte Menschenmassen säumten nicht nur die Fahrbahn auf dem Wege zum Friedhof, sondern füllten auch die Balkons und Dächer der am Trauer weg liegenden Häuser. Von der Zentral- Jeschiwa, wo die Leiche aufgebahrt worden war, bewegte sich der Zug durch die Jaffa-Straß« zum Friedhof. Eine Abteilung von hundert Polizisten an der Spitze d«s Trauerzuges sorgte für die Freihaltung des Weges. Nach ihr kam eine große Gruppe von Schülern der Talmud-Thora-Schulen, die auf dem Wege Trauerpsalmen rezitierten. Bachurim der Jeschiwa und Mitglieder des Hapoei Hamisrachi flankierten den Zug, in dem zahlreiche Vertreter der jüdischen und nlchtjüdischen religiösen Gemeinschaften, der verschiedenen Organisationen, der Regierung und des Konsularkorps schritten. Am Grabe, das sich in der Nähe der letzten Ruhestatte des Vaters des Verblichenen, •des Rabbiners Salomon Salman Hakohen Kuk, befindet, kam es zu ergreifenden Szenen, als nach dem von dem Sohne des Oberrabbiners, Rabbi Zwi Jehuda, gesprochenen Kaddisch die zahlreichen religiösen und weltlichen Würdenträger, die an dem Begräbnis teilnahmen, Erdschollen auf den Sarg niederfallen ließen. Nachrufe wurden nicht gehalten. Es sprachen nur die Rabbiner Isser Salman Meitzer im Namen der religiösen Institutionen und Joseph Levy für das sephardische Rabbinat. Die Leitung der Beisetzungsfeierlichkeiten lag in den Jaari das Diplom seiner Eintragung in das Goklene Buch des Keren Kajemeth Lejisrael überreichen lassen, und so ergab es sich von selbst, daß er seine Rede in den großen Gesamtzusainmenhang der zionistischen Bewegung und des Palästina-Aufbaus hineinstelltc, von dem auch das Werk der Bibliothek nur ein Teil ist. Ausgehend vom Andenken des Dr. Chasanowitsch, des Begründers der Nationalbibliothek, beklagte Bergmann den Abstiegder zionistischen Bewegung im Zeitalter der Prosperity. Er verglich unsere heutigen Lebensformen, unsere Arbeitsauffassung, unsere Stellung zum Beruf mit den Zeiten von Chasanowitsch, Brenner und A. D. Gordon und stellte die Frage, oh es uns gelungen sei, das heilige Feuer zu bewahren. Auf die Bibliothek und seine Arbeit übergehend, gab er sein Credo als Bibliothekar, das in einer doppelten Forderung besieht: einmal dem so schwer bedrohten jüdisehen Volk, das neuer Symbole bedarf, um dem Ansturm einer Welt mit der inneren Widerstandskraft der Väter stand/ulialten, neben den Symbolen des Keren Kajemeth und der Kwuzah auch das des hebräischen Buches zu geben, und zweitens: liebend und tätig mit dem Entstehen dieses Buches im hebräischen Palästina milzuleben. Diese doppelte Erbschaft übergab Hugo Bergmann seinem Nachfolger und den Menschen, mit denen er bisher gearbeitet hatte. Der Abend, der mit Jesaias ״Lied vom Weinberg“ ausklang, strafte eine andere Aeußerimg- Bergmanns, die er in seine Abschiedsrede einflocht, bis zu einem gewissen Grade Lügen: er hatte, in der ihm eigentümlichen selbstkritischen Haltung, seine Eignung als Direktor einer so großgewordenen Institution in Frage gestellt. Ihm habe, so führte er zu diesem! Punkte aus, immer ein Gemeinwesen vorgeschwebt, das, etwa den Vorstellungen Carlyles über eine ideale Fabrik entsprechend, eine Art ״kleinen Heiligtums“ sei, in dem die kameradschaftliche Zusammenarbeit aller das gesamte Werk trage. Die zwangsläufige Entwicklung habe ihn von diesem Ideal immer mehr entfernt und statt seiner die Realität einer Bcamtenhieradiie mit allen an sie geknüpften Kämpfen und Schwierigkeiten gebracht, und ihm, Bergmann, fehle der Wille und vielleicht auch die Kraft, an ihrer Spitze zu herrschen. Dieser Abschiedsabend aber hat gezeigt, daß diese Selbsteinschätzimg nur zum Teil richtig ist. Die strömende Menschlichkeit, in der Bergmann sowohl I)r, Magnes wie dem letzten der Beamten danken konnte und die in heißer Welle zurückschlug, ist eine Verheißung dafür, daß auch die Liebe Kraft hat, am dauernden Bau der Zukunft mitzuwirken. Ernst S i m o n Beisetzung* Händen eines Komitees, dem Vertreterder Jewish Agency, der Stadtverwaltung von Jerusalem, des Waad Leumi und des Rabbinats angehörten. Während des Begräbnisses ruhte die Arbeit in sämtlichen jüdischen Betrieben des Landes. Die Misrach!Organisation hat einen nationalen Trauertag, verbimden mit Trauergottesdiensten im ganzen Lande proklamiert. Die letzten Stunden Kuks Atn Sonntagmorgen hatte sich der Zustand Oberrabbinef Kuks so sehr verschlimmert, daß seine Angehörigen und nächsten Freunde von den Aer/.ten an •das Krankenlager im Montefiore-Hospital, wo der Kranke seit Juli lag, gerufen wurden. An dem Krankenbett hatten sich auch mehrere Rabbiner, unter ihnen der Oberrabbiner der Agudath Israel, Joseph Du s e 11 i n s k y, eingefunden. Trotz allen Bemüliungen der Aerz.fe verlor der Kranke bald nach Mittag das Bewußtsein. Er erlangte es erst knapp vor seinem um 5.1b Uhr eingetretenen Tode wieder. Die Nachricht von dem Tode Oberrabbiner Kuks verbreitete sich blitzschnell in Jerusalem, Extra-Ausgaben der Zeitungen trugen die Trauerkunde auch in das übrige Land hinaus. In den Straßen bildeten sich Menschengruppen, die das traurige Ereignis besprachen. Die Büros der jüdischen Organisationen wurden geschlossen. Auf sämtlichen jüdischen öffentlichen Gebäuden wurden Trauerfahnen aufgezogen. Die jüdischen Lichtspieltheater blieben am Abend geschlossen. Aus dem Montefiore- Hospital wurde die Leiche in die Zentral-Jeschiwa gebracht. Die Bahre wurde von Vertretern aller jüdischen Stande getragen, eine Ehrengarde der Polizei geleitete den Zug durch die mit Menschen gefüllten Straßen. Vor der Jeschiwa nahmen Ehrenposten Aufstellung. Kurze Nachrichten ln Haifa sind am Montag die drei englischen leichten Kreuzer ״Arethusa“, ״Delhi“ und ״Durban“ eingetroffen. Außerdem wird die Ankunft von acht Zerstörern erwartet. Die Londoner Zeitung ״Star“ berichtet in diesem Zusamnicnhang, daß zum Schutze dieses Hafens besondere Vorsichtsmaß na h m e n gegen überraschende Angriffe aus der Luft oder von der See her getroffen worden sind. 111 Anbetracht der guten Weizenemte in Palästina lut die Regierung eine Einfuhrsperre für Weizen für die nächsten drei Monate angeordnet. Ausgenommen ist ein Kontingent von 1500 t für die Herstellung von Mazzoth. Die Stadtverwaltung von A f u i e hat 12 Bauprojekte auf einer Fläche von 1599 qm genehmigt und die Bauarbeit wird binnen kurzem beginnen. Das Regierungsdepartement für öffentliche Arbeiten ist an ■die Errichtung eines Postgebäudes in N a h a 1 a 1 herangetreten. Die Palästina-Regierung hat beschlossen, bei den Oerichten und Hypothekenämtern in Nordpalästina Dolmetscher für Hebräisch an/ustellen, um die Schwierigkeiten für jüdische Siedler aus dem Einek und anderen nordpalästinensischen Siedlungen infolge des Mangels an jüdisclicn Beamten bei diesen Aemtern zu beheben. ־ Anläßlich des sechzigsten Geburtstags Saul Tschcfnichowskis wird ein Komitee, an dessen Spitze M. M. Ussischkin steht, weitere sieben Bände der Schriften des Dichters veröffentlichen. Damit wird die Zahl der Bände seiner gesammelten Schriften auf siebzehn angewachsen sein. In Tel-Awiw wurde Mitte August eine Tierhandlung eröffnet, die innerhalb von drei Tagen mehr als 2000 Besudier hatte. Berichtigung. Die Datierung der Meldung aus Jerusalem über den Tod von Rabbi Kuk in unserer letzten Ausgabe muß selbstverständlich lauten: Jerusalem, den 1. Septemb e r. (Schluß des Palästina-Teils) Aus dem Hebräischen von Dr. Ala.y AJayer, Jerusalem 3, Fortaftittng Niehdmck v#rbol»n Als Almer und Awiwi in die Hütte traten, unterschieden sie von der Ferne, eine am Eingang flackernde Feuerzunge und die <iostall Jechiels, der an dem kleinen Feuerstoß sab. Sobald er die kommenden bemerkte, lud er sie fröhlich ein, sich mit ihm an der» Scheiterhaufen zu setzen; als Almer siel am Eingang der Hütte zu Füßen des Berges gesetzt hallt׳ merkte, er plötzlich, daß der mit Storjien und leuchtende׳ Bahnen ühersäle Himmel unendlich lief und hoch ist. Her alle Jechiel halle anscheinend bis zu ihrem Kommen beschäftigungslos dagespssen, denn auch jetzt blieb er sitzen und schaute weiter auf die gegen den Slenienhiinmel dunkle Bergseite. In dem kleinen Kessel sott etwas auf dem prasselnden Feuerstoß. ״Wohin führt dieser Weg?" fragte ihn Abner einfach. ״Ins Oedlaml", antwortete auch der Alte einfach, ״dort befindet sich Gott, der uns allen fehlt." ״Und was werden wir im Oedlaui tun?" fragte Abner. Der alte Jeehiel richtete sich im Sitzen auf, sein weißes Haar stand zu Berge: ״Barfuß werden wir im Oedland gehen, auf seinem kahlen Boden, zu den Wassern seiner Quellen werden wir kommen, zu der großen Wahrheit, die sich in seinen Wüsteneien verbirgt und durch die wir unsere Seele am Leben erhalten werden.“ ״Verwirrung menschlichen Lloi״-tc&'‘» dachte Abner bei sich. ״Barfuß wird er versuchen in die Dorneufelder zu gehen, mit ungeübter Hand die Fesseln des Daseins sprengen, mit einem kleinen .Scheiterhaufen will er das suchen, was nicht inehr zu finden ist... ." Als ob er den Gedanken Abners ahnte, sagte der Alte ruhig: . W ir, die wir aller Wahrheit bloß sind, können dem Oedland keinerlei W alu-beit bringen. W ir, von jedem Winde mitgerissen, können keine echte Pflanze im Oedlaml zum Wadistum bringen. Wir, die wir leidend und totkrank sind, können aus dem Boden des Oedlands keine schöpferische Tat hervorbringen. Laßt uns also wie die Kinder des Oedlands zu den reinen, aus der Erde strömenden Quellen iiinausziehen und unsern Körper in sie tauchen. Siebenmal täglich laßt uns unser ITeisi'l» in die Hitze und Kälte des Oedlands, in seinen Segen und Fluch, in Sonnenglaiiz und llcgi'iistürme tauchen — bis vir eins mit der Erde des Ocdlands werden, bis wir ein« pracln! und ein Herz mit den Tie reu des Feldes mul den;iunien des Dickichts, mit Bergen und Sümpfen haben.“ Je mehr der Alte sprach, deslo mehr wuchs seine Stimme ׳. bi.» sie wie Donner zwischen den Bergen dröhnte: ״Ein Herz mit der Erde, mit Vergangenheit, und Zukunft, mit dein Menschen auf der Erde sein!'' Dieser Stoßseufzer der Urwelt erschütterte Abner bis «auf den Orund, und er blieb, ohne zu fragen, weiter sitzen. Im Schalk■ des Berges fl «ackerten da 1!ן!יי d״r! kleine Feuer «auf, und Abner dachte, daß dieser kleine Scheiterhaufen, vor dem sie saßen, ebenfalls von ferne wie eines jener Feuer aussieht. Rings um alle diese Scheiterhaufen sitzen Gruppen von Mensehen, so wie sie an diesem Ort silzciu, und der Sehal'hirte, der Zelt Bewohner und der alte Jechiel — sie «alle sind gemeinsam ins Geheimnis der Nacht getaucht. I)a wurden Hufseldägo eines Pferdes vernehmb,ar, das sich näherte. Der Reiter stieg in der Dunkelheit, außerhalb des vom Scheiterhaufen aasgehenden Lichtkreises alt, und, nachdem er sich Jen im Kreis Sitzenden, den Zügel des Pferdes in der Hand, genähert halte, stand er hoch aufgerichtet und in elastischer Haltung vor ihnen, hinter ihm ein dünnbeiniges Pferd, das aus verhaltenem Kraftüberschuß den blanken Zaum kaute: ,,Friede mit euch, ihr Männer!“ sagte er in mildem Tone und warf einen ruhigen Blick über die Dasitzenden. ״Friede, Leutnant Harris!“ — ermannte sich Awiwi m einer Erwiderung des Grußes und lud ihn /.um Sitzen ein. Als er PI alz, genommen halte, sah Abner?ich gegenüber ein schmales, ruhiges Gesicht mit stillen Augen — die! Maske der Kraft und Sicherheit des Weißen, der nach freiem Willen im Oedlarul umherslreicht und seinen Weg Tag und Nacht in Sicherheit zurücklegt; ein stiller, stolzer Mensch, der auf die Gesdlschaft, mit der er zusammensiut, lähmend wirkt. Leutnant, Harris brannte die Zigarette-, die er im Munde hatte, an und schwang den dünnen Stab in seiner Hand: ״Was bedeutet dies, euer Tun, ihr Männer der Zivilisation, ein Leben gleich den Söhnen des Ocdlands z,u führen?“ ״Der Mensch ist überall der gleiche", sprühte der alte Jechiel auf sein Gegenüber die Funken seiner jungen Augen — eine Gehurt, ein Tod, dasselbe Schicksal und auch derselbe Scheiterhaufen, ha-hal Leutnant Harris zog seine Augenbrauen zusammen und schmunzelte laicht, mehr nach innen als nach außen. Er lachte über die wilde Mähne des Alten, über das Traumbild des Scheiterhaufens, das er im Munde führt. ״Eine Tai der Verirrung ist es“, sagte er in mildem Tone und stieß einige Rauchringe nach oben. ״Was ist eine Tal der Verirrung?" schnellte der Alte in jugendlicher Bewegung des Körpers in die Höhe. ״AVer seine Lehensordnimg und sein(* Gedankenbahn verläßt und zum geheimnisvollen Geiste, des Oedlands hinauszieht״, wog Leutnant Harris seine Warte «ab; — es ist unmöglich, daß eine Kultur des Gedankens und der Tal sich plötzlich auf den Schutthaufen des Oedlands setzt, sich ihm unterwirft wie der nomadisierende Sohn der Wüste. Es gibt eine Disziplin, die. den Weißen bindet: es gibt, einen Mantel der Kultur und der Herrschaft, der ihn auf seinem Weg״ nach dem Oedland, der Wüste, nach jedem entlegenen Orte begleitet. Der zivilisierte Mensch ist ein geordnetes Heer von Kapital und Herrschaft“