Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 72 (6.9.1935)
- Date
- 1935-09-06
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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'JÜDISCHE RUNDSCHAU Palästinensische Umschau NR. 72, 6. SEPTEMBER 1935 ״Bamifneh“ Staatsbesuch in Aman Bei Emir Abdullah und Emir Saud Von Hermann Swet Wir hohen in Sr. 69 einen Bericht über den Besuch des Emirs Saud von Nvdjed bei Emir Abdallah von Transjordanien in Aman veröffentlicht. Sachstehende Schilderung gibt einen lebendigen Eindruck t'arn Verlauf dieses Staatsbesuches. (Red.) ...Wir sind in Transjordanien. Dieselbe Natur, ähnliche Berge, nur der Weg ist bedeutend schlechter als in Palästina, Unser Wagen holpert über Erdklumpen, der Motor seufzt, und streckenweise glauben wir, daß wir im Bergmassiv steckenbleibcn werden. Der kräftige Motor besiegt aber alle Hindernisse. Wir sind bereits im Tsclie-rkessen-Dorf. Die Emir Abdullah (X) mit seinem Gefolge und Gästen Türken haben nach dem russisch-türkischem Krieg vor etwa 60 Jahren moslemische Tscherkessen und Kabardiner aus dem Kaukasus hierher verpflanzt. Einige tausend leben jetzt in solchen abgeschiedenen Dörfern, schlanke Gestalten mit engen Taillen, gekrümmten Nasen und hohen Pelzkappen auf dem Kopf, — Kaukasus jenseits des Jordan. Von den Alten sprechen einige noch russisch, allerdings mit ausgesprochen kaukasischem Akzent. Es geht weiter nach Aman. Nach einer Residenz, sieht die Stadt nicht gerade aus, eher nach einem größeren arabisehen Dorf. Wir fahren ins Hotel ״Philadelphia‘, einen größeren dreistockigen Bau mit breiter Einfahrt und einem idyllischen Pavillon in der Mitte. Es gibt eine kleine Bar und einen geräumigen Ellsaal; in den Zimmern fließendes Wasser. Kurz — Europa in der Wüste. Vis-a-vis vom Hotel befindet sich rin grandioses Amphi-Theater aus der Röwerzeit mit 4000 Sitzplätzen und selten schönen Ornamenten an den oberen Logen. Hier hat 280 v. Chr. König Ptolemacus Philadelphtrs 11. eine Stadt errichtet, die Philadelphia genannt wurde. Daher der Nairie des Hotels. Im Vestibül des Hotels treffen wir eine Gruppe von arabischen Journalisten aus Jaffa und Jerusalem. Es ist bereits gegen 8 Uhr abends, Die Hoteltreppen her» f unter steigen nacheinander Männer in gutsitzenden Fracks; manche von ihnen sind mit Schärpen und Orden an der Brust dekoriert. Auch einige arabische Notabelu aus der näheren Umgebung des Emirs Saud sind darunter, Gesichter wie aus Bronze, in prächtige seidene Gewänder gehüllt, mit Säbeln im Gürtel und kostbaren Steinen am Handgriff. Es sind die Gäste, die zum feierlichen Festmahl, das Emir Abduilali für Emir Saud arrangiert hat, eiugeladen sind. Die Männer im Frack und die mit den Säbeln steigen in elegante Wagen, die sie nach oben führen. Vor dem Palais sind Zelte errichtet, ln einem davon, das besonders schön ausgeschmückt ist, ist ein Tisch gedeckt für die beiden Emire mit Gefolge, den englischen Statthalter und die einflußreichsten Scheichs. Aut einer großen Platte häufen sich Berge von Kamclfleisch, eigenartig präpariert, gefüllt mit Schafen, die Schafe ihrerseits mit Hühnern, und die Hühner endlich mit Reis und Mandeln gewürzt. An allen Ecken des Palastes sind Kanonen leichten Kalibers aufgestellt. Unsere Audienz bei Emir A bei ul Iah ist für den folgenden Morgen bestimmt. Pünktlich um 0 Uhr holt ein Wagen uns ab und bringt uns den Berg hinauf. Vor uns steht das Schloß, ein pompöser Bau, halb im nmirischen Stil, halb im Stil eines Pariser Hotel particulier. 1111 Portal sind vier Mohren aufgepflanzt, phantasievoll gekleidet. Am Eingang erwartet uns der Emir seihst, von kleiner Gestalt, in einen schwarzen Burnus gekleidet, eine weillsoklene Kefia auf dem Haupt Er sieht noch recht jugendlich ans, seine grauen Augen schauen freundlich. Der Prime-Minister, Ibrahim Pascha, stellt uns vor. Emir Abdullah drückt jedem von uns die Hand und führt uns hinein. Wir schreiten an einem kleinen Salon vorüber und treten in den Empfangssaal ein. An der Wand hängen Porträts vom alten König Ali Ihn Hussein! und vom älteren Bruder des Emir, Faisal, dem früheren König von Irak, der vor zwei Jahren gestorben ist. Der große Saal gegenüber birgt ein Gemälde vom alten llusseini, von dem jüdischen Maler Kuliviansky, der jetzt in Palästina lebt, gemalt. Das Gespräch wird in Arabisch geführt. Die Funktion des Dolmetsch erfüllt liebenswürdig ein gebildeter arabischer Publizist aus Aegypten. Der Emir dankt uns für den Besuch und bittet uns. in der Presse zu betonen, daß die Visite Emir Sauds nicht politischer Natur sei, sondern einfach einen Freimdschaftsbesuch bei einem benachbarten Monarchen darstelle. Die Diener servieren duftenden Kaffee, und danach ist die Audienz beendet. Emir Abdullah begleitet uns zum Ausgang, der Photograph knipst, wieder Händedruck, und wir verlassen das Palais, um in das Nebengebäude einzutreten, das den Thronfolger des Emir, den Prinzen Talal, beherbergt, wo jetzt auch der Gast Emir Saud eincpiartiert ist. Uns empfängt der stellvertretende Außenminister von Nedjed, F 11 a d B e y C h a m s a, ein blonder Mann mit grauen Augen, der uns in ausgezeichnetem Englisch (er hat die amerikanisclu■ Universität in Beyruth absolviert), begrübt. Er führte uns gleich zu Emir Saud. Wieder werden wir einzeln vorgestellt, der Emir reicht uns die Hand und entschuldigt sich, da er sich zum Empfang heim englischen Statthalter beeilt. Nach dem Mittagessen findet eine Parade statt. Schon bei Morgengrauen wurden wir durch das Gewieher und Gestampfe von Tausenden von Pferden geweckt. Wir stürzten ans Fenster und erblickten eine Kavalkade vom unzähligen Beduinen, die in der Richtung der Bahnstation galoppierten. Dort ließen sie sich in Zelten häuslich nieder und wurden königlich bewirtet. Als wir eine halbe Stunde vor Beginn der Parade am Platze rintrafen, war das Riesenterrain schwarz von der Menge der Zuschauer, die auch alle Berge und Hügel besetzt hatten. Die Soldaten! drängten die Massen zurück und hinderten sie am Durchbruch der Barriere. Diejenigen, die ihre Neugier nicht bezähmen konnten und versuchten, zu den für die t!aste reservierten Plätzen vor/udringen, erhielten von den Soldaten recht unsentimentale Peitschenhiebe, ln den vorderen Reihen saßen die Eingeladenen: Die Offizierskorps von Transjordatiien und Palästina, die Minister, die Pariamenfsmitglieder, die höheren Scheichs, moslemische und Christliehe Geistliche usw. Ein charakteristischer Zwischenfall ereignete sich: Der amerikanische Vi/ekonsul aus Jerusalem hatte auch seine Frau zur Parade mitgebraeht. Kaum hatten sie ihre Platze ringenommen, als ein höherer Offizier auf den amerikanischen Diplomaten zukam und ihm etwas ins Ohr flüsterte. Der Konsul sland auf und begab sieh, mit seiner Frau zum Ausgang. Einige Minuten spater kehrte er zurück, aber diesmal allein. In Ciegenwart eines frommen Wahabiten darf eine Frau nicht ohne Schleier erscheinen. Die Wägeiiseiil,mge, darunter die Autos der beiden Emire, die von reitenden schlanken Tscherkessen begleitet wurden, nähert sich dem Platze. Hinter dem Hügel verlassen die beiden Thronfolger der Nachbarländer ihre Wagen (Emir Abdullah selbst ist zur Parade nicht: erschienen) und besteigen Pferde. Als die königlichen Reiter auf dem Platz der Parade sichtbar werden, donnert es nur so von den Hochrufen und dem Applaus, der tief im Gebirge widerhallt. Plötzlich hören wir bekannte Weisen. Die Bläser spielen Militärmärschc aus dem russischen Repertoire. Ein früherer Kapellmeister beim russischen Militär hat sie hierher gebracht. Es defilieren Kavallerir, leichte Artillerie, Infanterie und Tanks. In de? Pause werden die Gäste mit Kaffee und Limonade bewirtet. Emir Saud von Sedjed (X) mit Gefolge arid Gästen Lot״>; II, (>״111״״, J'ruulcm Nirn kommt der Schlußakt der Parade mit Reiterkunst- Mücken auf Kamelen. Bilder aus Lawrence’s ״Aufstand in der Wüste“ werden lebendig. Die Parade ist zu Ende. Zu Ende ist auch unser Besuch in dem l ande, in dem in biblischen Zeiten die jüdischen Stämme Ruhen, Ciad und Manasse gelebt haben. Wir reisen zurück nach Palästina. Wieder stöhnt unser Auto und rattert über Steine. Als wir zur Alleiibv-Brucke kamen, war es schon stockdunkel, Rechts blitzten die l ichter von Jericho, links von Kallin, dem Restaurant und Hotel am Ufer des Toten Meeres. Zwei Stunden lang fuhren wir durch Transjordatiien und trafen kein einziges Auto, kein Pferd, keinen Wagen; nur ein paar Beduinen saßen um ihren Feuertopf und bereiteten ihr Nachtmahl, so wie ihre Vater es bereits vor Tausenden von Jahren taten. Als wir aber die Allenby-Briickc überschritten hatten, änderte sieb das Bild sofort grundlegend. Ein Auto nach dem andern sauste uns entgegen. Beide Länder sind voneinander nur durch den schmalen Jordan getrennt, zivilisatorisch jedoch trennen sie Jahrhunderte. Ein Kibbuz des Haschomer Hazair aus Deutschland (Von unserem palästinensischen Korrespondenten) gl. Te 1■ A wi w, Ende August 1935 Mit der Einwanderung der Clialuzim aus Deutschland im Jahre 1934 kam eine Gruppe des H a sc h o in e r H a z a i r, die sich nach Mischnar Hactnek begab, um sich weiter für die landwirtschaftliche Arbeit im Lande vorzuberciten. Ihnen schlossen sich weitere Chaluzim aus Deutschland an, die zum Teil in Gruppen, zum Teil einzeln im Lande verstreut waren und einen Mittelpunkt für ihren Zusamni enschluß suchten. Landwirtschaftiiche Ausbildung hatten dies« jungen Arbeiter teils in Deutschland (Ahlem, Winkel), teils in Dänemark und Lettland erhalten. Den Anstoß zur Bildung einer eigenen Gruppe innerhalb des palästinensischen Landesverbandes des Haschomer Hazair (Kibbez Arzi) gab einerseits der Wunsch zu einem engeren Zusammenschluß, andererseits die Kampagne der Arbeiterscliaft für die ״Eroberung der jüdischen Arbeiter“ in den Kolonien. Diese hafte im Jahre 193-1, als der Mangel an jüdischen Arbeitern in der Pi'lanzungszonc besonders akut wurde, ihren Höhepunkt erreicht. Die Gruppe aus Deutschland beschloß, in die Bresche zu springen, knüpfte mit der Jewish Agency Verhandlungen ' über den Aufbau eines Arbeiterlagers an, wartete aber die für sie zu lange dauernde Verhandlungen nicht ab, sondern ließ sich auf eigene Faust in der Nähe von Karkur nieder, dicht bei einem anderen Kibbuz des Haschomer Hazair, Ejn Schcmer, und neben der neuen Siedlung Gau Hascharon, die mittelstäiidische Siedler aus Deutschland dort vorbereiteten. Der neue Kibbuz nannte sich ״B a m i f n e 11“, ״An der Wende “. Die Arbeit, die dann begann, war eine Wiederholung alter palästinensischer Kolonisationserfaliningeii und -methoden. Ein aar Baracken und eine Reihe von Zelten waren die Unterünfte für Essen, Schlafen, Kulturarbeit. Man hatte mit U schwerer Arbeit und schwerer Akklimatisierung gerechnet, I aber was kam, übertraf an Hätte jede Erwartung. Karkur war noch vor einem Jahrfünft ein bekanntes Fiebernest gewesen, aber Jahre hindurch hatte sich die Seuche nur wenig bemerkbar gemacht. Das Jahr 1934 aber, das in ganz Palästina ein neues Aufflackern der Malaria brachte, kam für Karkur und Umgebung mit einer schweren Epidemie. Kurz nach der Niederlassung des Kibbuz auf dem Boden kamen die ersten M a 1 a r i a f ä 1 1 e, und sie mehrten sich mit reißender Schnelligkeit. Die schweren Lebcnsbediiig’ii iigen, der Mangel an festen Häusern, mehrten die Gefahr, und die kleine Gruppe sah ihren Prozentsatz an Kranken wachsen, ihr schmales Budget aufs schwerste bedroht und ihre Träume von der Rettung jüdischer Arbeit in ihrem Bezirk zerschlagen. Es ist ein starkes Zeugnis für den Geist der Gruppe und für den wachsenden inneren Zusammenschluß, daß man den Angriffen dos Fiebers nicht wich. Obwohl die Krankenzalil groß war, obwohl das Häuflein Menschen manchmal ein Drittel seiner Mitglieder auf Erholung schicken mußte, was Defizite, schmale Kost und Mehrarbeit für die Gesunden und Halbgesunden bedeutete, blieb der Kibbuz, beisammen und hat in der ganzen Zeit kaum Mitglieder gekannt, die die Arbeit verließen. Man schlug sich redlich durch. Im Laufe der Monate besserten sich in manchem die Lebensbedingungen. Die Jewish Agency und die ״Zentralstelle für die Ansiedlung von Juden aus Deutschland‘‘ griffen ein. Neben d'rij JJaracken entstanden ein paar Wohnhäuser, von den Mitglieder« der Gruppe selbst erbaut, entstanden ein Eßzimmer und eine Küche. Der Beginn eines Gartens lieferte einiges für den Hausgebrauch und man verhandelte über die Anlage einer Hilfswirtschaft, um ein paar Kühe, Hühner, rin Gespann und Installation für den Garten zu bekommen. Bereits heute, nicht viel länger als ein Jahr seit der Niederlassung am Orte, hat ״Bamifneh“ den Charakter einer in den Anfängen stehenden Siedlung. Neben dem Kampf um die wirtschaftliche Existenz und dem bitteren Duell mit der Malaria ging der Versuch einer geistigen Akklimatisierung. Sie erforderte dieselbe I Wachheit wie die wirtschaftlichen Fragen, wenn der Kibbuz sich hebraisieren, mit der Arbeiterschaft des Landes verbinden, eine entsprechende Lebensform für sich finden sollte. Hebräische Kurse wurden eingerichtet und trotz allen Sch wierigkeiten aufrechterhalteil. «Man bemühte sich um die Be- Schaffung von Zeitschriften und Büchern, um Vorträge und ca Häuser und Zelle des Kibbuz foto: Gerd» Luft «ine dauernde Kritik der eigenen Entwicklung, die vor einem stumpfen Untergeben in den täglichen Arbeitssorgen bewahren sollte. Der Kampf um das Hebräische war keinesfalls leicht. Erst nach und nach gelang cs, eine Mindestzahl von Mitgliedem so weit zu bringen, daß sie die hebräische Presse lesen konnten, und nach und nach auch im täglichem Umgang der den Einwanderern neuen Sprache Boden zu verschaffen. Auch heute noch spürt mail, dal) eine Hebraisierung, die die Sprache als natürlich in der Arbeit und i1״ täglichen Umgang empfinden läßt, noch keineswegs erreicht ist, aber die Erkenntnis der Situation und die dauernden Bemühungen um eine Vervollkommnung sind ein wichtiges Moment in der Ent- Wicklung. Das gleiche gilt für das Suchen nach entsprechenden Kuiturformcn und dem Streben nach lebendigen Verbindüngen innerhalb des Haschomer Hazair und der palästinenrischen Arbeiterschaft überhaupt. Je mehr sich die Gruppe vereinheitlichte, desto stärker Wurde der Wunsch, das improvisierte Arbeiterlager nach und nach in einen S i e d 1 u 11 g s p u n k t überzuleiten. An sich Whien diese Gruppe viel zu jung und unerfahren für Kolonisation. Wir haben in Palästina gerade in diesen Dingen sehr viel Geduld gelernt, und der alte Arbeiter hat vielfach Jahre und Jahre hindurch auf ein Stück Boden für sich und seine Gruppe warten müssen. Mit der Expansion der Palästina-Arbeit hat sich jedoch auch das Tempo der Kolonisation beschleunigt um! gerade bei der Einwanderung aus Deutschland haben wir gesehen, daß neue Immigranten nach einer relativ kurzen Vorbereitung sich als Siedler niederließi» und — gestützt auf die Erfahrungen der letzten Jahrzehnte — relativ gut mit ihrer Aufgabe zurecht kamen, ln dein Falle von ״Bamifneh“ gab sowohl der palästinensische Haschomer Hazair wie auch die Zentrale der Landarbeiter (Merkas Chakali) ihre Zu- Stimmung zur Ansiedlung. Die Gruppe machte sich daraufhin an die Verhandlungen mit den zuständigen Stellen. Es war ein besonderer öliickszufall, daß bei der Stelle, wo sich das Lager des Kibbuz befand, Boden zum Verkaufe stand, Es war ein Areal von 1200 Dunam zur Verfügung, das von einem jüdischen Kolonisten der Gegend zum Kauf angeboten wurde. Die ״Zentralstelle“ und auch der Keren Kajeineth Lejisrael, der den Boden erwerben und an den Kibbuz verpachten soll, erklärten sich unter bestimmten Bedingungen zur Aktion bereit. Die Gruppe muß freilich, ehe sic diese Hilfe erwarten kann, selbst einen Teil des Geldes als Anleihe aufbringen und sie ist jetzt dabei, die nötigen Miltel auf/utreiben. Bei genügender Geduld und Zähigkeit, die zu jeder Anscdlung iiu Palästina gehören, müßte es möglich sein, hier einen neuen und wichtigen Siedlungspunkt von Ein- Wanderern aus Deutschland zu schaffen. Mail hat seit Beginn der Einwanderung aus Deutschland im Jischuw über diesen neuen Typus des Immigranten viel diskutiert. Man hat ihn gelobt und beschimpft, seine Assimilation an Palästina gefordert und sich in den Straßen der Städte mit Eifer an ihn assimiliert, man hat seine Kolonisationsfäliigkeit bezweifelt und oft genug den in mittlerem Alter stehenden, unelastischen bürgerlichen Immigranten aus Deutschland als typisch für alle genommen. Die zahlreichen landwirtschaftlichen Siedlungen, die in den wenigen Jahren hier von Juden aus Deutschland errichtet wurden, der städtische Arbeiter aus Deutschland in Palästina hat bereits allen, die sehen wollen, bewiesen, daß in der Immigration aus Deutschland wichtige schöpferische Kräfte stecken und es ungerecht ist, Pausclialurteile zu fällen, auch wenn inan in. der Masse der Immigranten so manchen Mißerfolg findet. Die 70 jungen Menschen von ״Bamifnch“, die sich gegen Fieber und widrige wirtschaftliche Umstände durchkämpfen, die trotz aller Schwierigkeiten ihr Ziel im Auge behalten und jetzt an den Aufbau einer neuen Siedlung zu gehen wünschen, sind ein neuer und starker Beweis für die Siedlungsquaiität der aus Deutschland kommenden Jugend.