Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 71 (3.9.1935)
- Date
- 1935-09-03
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Sette 2 JOD ISCHE RUNDSCHAU Nr, 71, 3. IX. 1935 Aus den Kongreß-Debatten Weißbuch, in welchem als politische Richtlinie die ״Kristallisation“ des Nationalheims in seinem damaligen Umfang ausgegeben wurde. Als Protest gegen diese eng• lische Politik erklärte Weizmann seinen Rücktritt, aber der Kongreß, ein Jahr später, nahm diesen Rücktritt auch als ein innerzionistisches Faktum auf und bestärkte ihn durch ein Mißtrauensvotum gegen die von Wei/mann vertretene politische Auffassung. Damals salien noch die Revisionisten im Kongreß, aber wenn es ihnen auch gelang, der Bewegung den Führer zu nehmen, so vermochten sie doch nicht die von ihnen erstrebte Herr- Schaft über die Bewegung zu verwirklichen. Vier Jahre lang hat eine Exekutive gearbeitet, die in gewissem Sinne als Treuhänderschaft Weiznianns aufgefaßt werden kann. Es ist eine gewaltige Tatsache, die auch von vielen Rednern der nächtlichen Versammlung hervorgehoben wurde, daß Weizmann, nachdem er gestürzt war, sich sofort als einfacher zionistischer Soldat zur Verfügung stellte und jede Arbeit tat, um die man ihn ersuchte. Man stelle sich vor, daß Weizmann dasselbe getan hätte, was wohl andere gestürzte politische Fiihrer tun, daß er in die Opposition gegangen wäre, der neuen Exekutive Schwierigkeiten gemacht, als öffent* lieber Kritiker gegen sie aufgetreten wäre — und jeder weiß, dal! es genug zu kritisieren gibt, besonders wenn man das.Mittel demagogischer Agitation nicht verschmäht. Wei/inamt hat nicht getan, was kleinere Menschen schon aus verletzter persönlicher Eitelkeit zu tun pflegen. Er hat weiter gearbeitet, er hat sich der Exekutive für die große Keren 1 laic-Mnl-Rcise nach Südafrika zur Verfügung gestellt, nichts von Ressentiment war zu uierken. l’ncl in Aviseben hat eine neue Führergeneration ihre Spuren verdient, jüngere Kräfte, die in der Exekutive so gearbeitet haben, daß frühere Gegner, z. B. die amerikanischen Zionisten, anerkennen mußten, daß diese Exekutive das Maximum geleistet hat, was geleistet weiden konnte. Diese Erfahrungen und diese Verantwortung sind höchst nützlich gewesen, denn Weizmann hat jetzt, wenn er die Führerschaft wieder übernimmt, einen Stab von geschulten und erfahrenen Mitarbeitern. Zw ei große Aufgaben stehen vor ihm. Auf der einen Seite drohen politische Auseinandersetzungen im Zusannnenhang mit der geplanten Errichtung des Legislative (20 1111 eil in Palästina, und das ganze Probleni der Palästina-Politik wird wieder aufgerollt werden. Ob nun eine neue Atempause gewährt wird oder nicht, das Zentralprohlem Palästinas ist und bleibt eine Auseinandersetzung mit der arabischen Welt Palästinas und des Vorderen Orients und ein Hinarbeiten auf den für die jüdische Existenz in Palästina unerläßlichen Ausgleich. Weizmann, der 1018 seinen berühmten Ritt durch die Wüste zum damaligen Repräsentanten Arabiens, den Emir Feisal, ausgeführt hat, der die politischen Realitäten klar sieht, ist der Mann, hier einen Schritt vorwärts zu kommen. Auf der anderen Seite ist heute die Chance gegeben, die Kräfte des jüdischen Volkes in weit höherem Maße als bisher um den Palästina- Aufbau zu konzentrieren. Weizmann, der Schöpfer der gemischten Jewisli Agency von 10'JO, ist der einzige Mann, den das ganze jüdische Volk in allen seinen Teilen bereitwillig als Führer der Palästina-Bewegung anerkennt. Weizmann selb-T sagte, er könne nicht zu viel Reisen imternelinien (obwohl jetzt schon alle Länder ihn mit Einladungen bestürmen), und er will auch sein Forschungsinstitut in Rechowoth nicht im Stich lassen, denn seine große Liebe gilt der wissenschaftlichen Arbeit. Aber er wird als Führer der Bewegung Wege finden, uni beides zu vereinen. Die* Frage der E x e k u t i v b i 1 d 11 n g Rt hei Abgang dic-er Zeilen n״ch nicht geklärt. Es scheint, daß die große Koalition zimtande kommen wird und daß eine ziemlich große Exekutive die künftige Leitung bilden wird. Wenn diese ihre Rolle nicht so auf faßt, daß die einzelnen (iruppen ihre Somleriuteressai vertreten, sondem im Sinne einer gemeinsamen Arbeit, daun ist auch für viele Exekutivmitglieder reichlich Arbeit vorhanden. Die weiteren Konqr einer handlungen Luzern, 2. Sept., vorm, (teleph.) Der Kongreß verhandelt seit Sonntag vormittag, um die Berichte der Kommissionen entgegenzunehmen. Es wurde zunächst über den Bericht der Kommission für Gesundhelts wesen und soziale Arbeit verhandelt. Dr. Abraham Katze nelson hielt das Referat Uber das Gesundheitswesen Palästinas und die zur Förderung des sanitären Zustandes notwendigen Maßnahmen. Danach wurden die Resolutionen der Gesundheits-Kommission einstimmig angenommen. Miß S 7 o I d referierte Uber soziale Arbeit und soziale Fürsorge. Auch die von ihr vorgcschlagenen Resolutionen wurden einstimmig angenommen. Wir bringen die Beschlüsse an anderer Stelle. Sodann kamen die Resolutionen der Kolonisations- Kommission zur Verhandlung. Es wurde eine große Anzahl von Resolutionen vorgeschlagen, die sich auf alle Teile der landwirtschaftlichen Arbeit beziehen. Die Resolutionen wurden nach einer kurzen Spezialdebattc gemäß dem Vorschlag des Referenten der Kommission, Schkolny, angenommen. Während der weiteren Verhandlungen wurde die Sitzung, wie bereits oben erwähnt, wegen der Trauer fiir den dahingeschiedenen Rabbi K u k unterbrochen. Nach Abschluß der Trauersitzung wurden die Verhandlungen fortgeführt. Es kamen die vorgelegten Resolutionen der Kommissionen für Alijah (Immigration), Awodah (Arbeitsverhältnisse in Palästina) und palästinensisches Erziehungswesen, sowie für Kulturarbeit zur Verhandlung und Abstimmung. Die gefaßten Beschlüsse werden wir nachtragen. Die nächste Plenarsitzung wurde für Montag nachmittag angesetzt. Inzwischen gehen ununterbrochen Verhandlungen über die Zusammensetzung der neuen Exeku- 11 v e. Bei Abschluß dieses Bericntes scheint es, daß eine große Koalition Zustandekommen wird. Ans der Generaldebatte In seiner Rede am 24. August abends, über die wir bereits kurz berichtet haben, warf Beri Katznelson (Arbeiterfraktion) der Opposition vor, daß sie i!1 einer Zeit, in der der Zionismus den Beweis zu erbringen hat, ob er Rettung zu schaffen vermag oder nicht, mit nichtigen Anklagen komme. Es sei unrichtig, daß die Industrie in Erez Israel von der Arbeiterschaft gedrosselt wird. Er selber kenne die Industrie sehr gut und sei wiederholt mit ihren Vertretern in Verbindung getreten, ohne jemals irgendeine Beschwerde von ihnen gehört zu haben. Auch der angebliche Widerspruch zwischen eien Worten von Ben Gurion und den Taten der Arbeiterschaft bestehe nicht. Wer die Verhältnisse richtig kennt, so fülirte Katznelson aus, der weiß, daß die Worte Ben (iurions gerade umgekehrt nichts anderes sind als der Ausdruck der Taten, die die Arbeiterbewegung vollbracht hat. Ls mit/.t der Arbeiterschaft nichts, wenn man beim Kongreß in schönen Worten gegen den Haß spricht, in der Presse aber Tag für Tag der! jüdischen Arbeiter in Erez. Israel als Zerstörer des Jischuw hinstellt. .Auch die Arbeiterschaft wünscht die Einheit der zionistischen Bewegung. Aber es gibt Bedingungen für diese Einheit. Man kann nicht gleichzeitig die Konstitution der Knesset)! Israel angreifen, die Einheit der Histadruth auflösen wollen, und die Einheit der zionistischen Bewegung herbeiführen. Das obligatorische Schiedsgericht bleibt nichts als eine Phrase, wenn man nicht die Arbeitsverhältnisse selbst ernstlich ordnet, ein Arbeitsgesetz bestimmt und sieh um den Arbeitslohn, die Interessen der Wirtschaft und die Arbeitsrechte kümmert. Die Errichtung einer selbständigen Arbeiterorganisation außerhalb der Histadruth ist eine schwere Sünde am Arbeiter und am Zionismus. Ohne Grund werden zwischen den Arbeitern Scheidewände errichtet. Streit zwischen den Arbeitern aber ist weit gefährlicher noch als Streit zwischen Arbeitern und Arbeitgebern. Niemand im Lande werde glauben, was heute über die läge von allgemein-zionistischen Arbeitern in der Histadruth erzählt worden ist. Die Hille der Institutionen der Arbeiterschaft, der Arbciterbaiik, der Krankenkasse, ihre Bemühung in allen anderen Institutionen, für Gruppen der allgemeinen zionistischen Jugend Boden zu gewinnen u. a. in., beweisen, daß es auf dem Gebiet der Lebensbeziehungen und der gemeinsamen Arbeit keine Benachteiligung Andersdenkender gibt. In der Histadruth gibt es verschiedene Strömungen. Es gibt kein Gesetz in der Histadruth noch irgendwelche Tendenzen, die* eine neue Bewegung erschweren, wenn diese nur ernst ist. Die Arbeiterpartei ist auch fiir die Einheit der E r z i e h 11 n g, wenn diese Einheit bedeutet: eine Sprache, ein Minimum an elementarer Bildung, grundsätzliche nationale Werte, eine einzige Aufsicht und ein administratives Netz. Aber sie wird gegen eine Einheit sein, wenn darunter eine E r z i e h 11 n g s k a s e r n e verstanden wird, in der der erste beste einen Schultypns für jeden Juden, der seine Kinder erziehen will, bestimmt. Die Arbeiterbewegung weiß, was die allgemeine Schule für die hebräische Sprache und für die Schaffung eines neuen Schultypus in Erez Israel geleistet hat. Aber sie begnügt sich nicht damit, sondern fordert die Einbeziehung von mehr palästinensischen, chaluzischcn und sozialen Elementen. Die Schule gehört den Eltern, die beredttigt sind, das Er/ichungssystem für ihre Kinder zu wählen. Die Histadruth hatte sich bereit erklärt, ihre Schulen in das Sctiulnctz der Knesset!! Israel eiuzuordnen. Statt daß man dies aber mit Freude begrüßt hatte, hat man die, Arbeiterschaft vor die Alternative gestellt, ihre Schulen zu liquidieren oder den gegenwärtigen Zustand heizubehalten. ln der Frage ries Legislative Council steht die Arbeiterschaft zu ihrer Haltung im Jahre 1031, die ihr liier vorgeworfen wird. Sie hat damals gesagt, daß es nur auf der Grundlage der vollständigen Gleichberechtigung beider Völker möglich sein werde, die Fragen Palästinas zu lösen. In den Mittelpunkt des Kongresses muß in dieser Zeit der Massciieiinvatidcriiiig die Schaffung eines großen n a t i o - nalen Kapitals gestellt werden, damit zunächst die Bodenfragen und dann die kolonisatorischen gelöst werden. Zum Schluß polemisiert Katznelson gegen die am Referat Ben Gurions geübte Kritik. Es sei bezeichnend, daß gerade diejenigen, die den Juden am meisten versprochen haben und in deren Taschen schon der Judenstaat fertig liegt, die große Vision Ben (iurions ironisierten. Diejenigen aber, die bis jetzt die Tatsachen geschaffen haben, sind bereit, den bewährten Weg fiir die nächsten Jahre zu bestimmen. Die Forderungen der zionistischen Frauen an den Kongreß wurden im Laufe der Generaldebatte im Namen der Weltorganisation zionistischer Frauen (Wizo) von Ada Fishman (Erez Israel) dargelegt. Die Wizo, sagte sie, zählt 70 000 Mitglieder, hauptsächlich Schekdzahlerinnen, Das Postulat friedlicher Zusammenarbeit ist in der Wi/o in vollem Maße verwirklicht worden: die bürgerliche und die chaluzische Frau arbeiten eng zusammen. Hauptaufgabe der Wizo ist die Hachscharah der jüdischen Frau für den Aufbau des jüdischen Landes, sie arbeitet hierin mit dem Arbeiterinnenverband und dem Verband zionistischer Frauen Palästinas zusammen. Die Wizo leistet sehr viel für die zionistischen Fonds. Sie fordert eine Vertretung im Aktions-Comite der Zionistischen Organisation und im Administrative Committee der Jewish Agency. Eine solche engere Zusammenarbeit mit der Wizo werde für die Zionistische Organisation von großcm Vorteil sein. Die Rednerin kritisierte die Bedingungen, unter denen die Chaluzim in den H a c 11 s c!1 a r a 11 - K i b - b 11 z i!11 arbeiten müssen und sagte, kein Volk würde seine Arbeitsarmee unter solchen Arbeitsbedingungen sein Land bauen lassen. Die Kalturdebatte Luzern, 31. August. Die Donnerstag - Abend - Sitzung des Kongresses war der Erörterung von Kulturfragen gewidmet. Das erste Referat hielt Beri Katznelson. Trotz aller Kritik müsse gesagt werden, daß die hebräische Sprachbew'egung im Aufschwung ist. Dies komme nicht nur in dem großen hebräischen Buch- und Zeitungswesen und in der großen Zahl hebräisch Sprechender zum Ausdruck, sondern auch in der Qualität des gesprochenen Hebräisch. Heute bestehe nicht mehr die Besorgnis, daß das Alltagshebräisch eine Art von Jargon werden könnte. Der Wiederbel ebimgsproz.eß befinde sich bereits in einem vorgerückten Stadium. Es gibt hebräische Kindergärten, Eiemcmtarschulen imd Hochschulen, hebräisch ist die Sprache in den Büros und vor Gericht. Auch in den assimilierten Kreisen der Judenheit dringt dte hebräische Sprache immer weiter vor. Trotzdem habe sich die Hoffnung, die man kl die hebräische Sprache vor zwanzig Jahren gesetzt hat, nicht voll verwirklicht. Man erwartete, daß Erez. Israel ein geistiges Fenster sein werde, von dem aus Licht in die Galutli ausstrahlen sollte. Seither ist Erez Israel gewachsen und die Zahl der hebräisch Sprechenden mit ihm; aber das geistige Fenster ist verloren gelangen. Jetzt, da eine Masseneinwanderung nach Erez Israel vor sich geht, lebten die Kräfte, die die Massen der hebräischen Spradrbewegung zuführen sollen. Ke Ansicht, daß die kompakten jüdischen Massen in der Galuth (Rußland, Rumänien, Polen) von der Assimilation nicht gefährdet werden können, hat sich als irrig erwiesen. Der große blühende Zweig des russischen Judentums ist vom Gesamt Judentum abgesclinitten und stärkstem Assimilationszwamg ausgeseirt. In Polen und Karpathorußland gehen tausende jüdische Kinder in polnische, magyarische und tschechische, aber nicht in jüdische Schulen. Man stehe vor einer Gefahr der Entnationalisicrung. Auch Erez. Israel selbst, erklärte der Redner, sei kulturell gefährdet. Die Sprache ist der Schlüssel zur ganzen jüdischen Kultur. Trotz hebräischer Schulen, Theater und Presse beginne sich in Erez Israel ein Sprache 11 babel aus zubreiten. Dazu trage nicht nur Unkenntnis, sondern auch ein gewisser Snobismus bei. Selbst manchen Hochgebildeten fehle das rechte Verhältnis zur hebräischen Kultur. Die Hauptschuld an diesem Zustand treffe die Zionistische Orgamsaüon, die allein berufen und imstande sei, das durchzu• führen, was dem Brith Iwrith und ähnlichen Verbänden unmöglich ist. Die vielfachen Bedürfnisse in der Galuth seien fast unübersehbar. Der hebräische Lehrer, dem in dem Wiedcrbclebiingsnrozeß eine große Rolle zufällt, müsse unterstützt werden. Die Zionistische Organisation müsse die Last dieser Arbeit auf sich nehmen. Wenn wir darauf vorbereitet wären, sagte Katznelson, so würde ich einen Fonds für Tarbuth vorschlagen. Noch ist das nicht möglich, die Spenden würden vielleicht einem der anderen nationalen Fonds entgehen. Daher müssen die beiden Fonds gemeinsam mit dem Organisationsrcferat der Zionistischen Organisation, der Hadassah und Wizo das Kulturbudget tragen. Dein zum Andenken an Bialik geschaffenen Institut muß ermöglicht werden, das kulturelle Vermächtnis des Dichters weiter zu entwickeln. Rabbi Meir Berlin (Misrachi) betonte die Notwendigkeit, nicht nur die Sprache, sondern auch ihren tausendjährige» traditionellen und literarischen Unterbau zu lehren. Auch bei anderen Völkern sei Kultur nicht bloß eine Angelegenheit der Sprache; um so mehr sei dies bei uns der Fall, die wir eine wirkliche Wiederbelebung des Volkes anstreben. Wahre Kultur sei das Lehren und Lernen, Kennen und Befolgen all dessen, was geschrieben wurde. Diese Kultur werden wir haben, wenn es zu einer Verständigung nicht nur zwischen den Parteien, sondern auch zwischen den Werten unserer großen Vergangenheit, unserer schweren Gegenwart und unserer Zukunft kommt. Demgegenüber wies Jizchak Griinbaum darauf hin, daß auch die heutige Erziehung sieh bemühe, alle Kulturwerte vom alten Schrifttum bis zu Heß und Herzl zu vermitteln. Die Massenalijah des letzten Jahres habe zu ungefähr einem Drittel hebräisch Sprechende umfaßt. In Zukunft sollen dank der Verstärkung der kulturellen Galutharbeit mindestens zwei Drittel der Einwandernden das Hebräische beherrschen. Nach Reden von Rabbi Amiel und Dr. Bogratschoff, der ein eigenes Kuiturdepartinent und die Gründung eines Keren Hatarbutli auf den Namen Bialiks vorschlug, erklärte namens der Exekutive Professor Brodetsky, daß die Schaffung eines Kulturdepartements mit eigenem Budget beabsichtigt sei. Die Vertiefung der Galutharbeit solle dahin führen, daß alle Zionisten selbst Hebräisch lernen und ihre Kinder Hebräisch lernen lassen. Es sprachen noch Rosenstock, Dr. Mossinsohn und Dr. Lewinsohn. Aus Schertoks Schlußwort Luzern, 30. August. Lieber die Rede, die der politische Referent der Palästina-Exekutive, Mosche Schertok, «da Antwort auf die Bemerkungen in der Generaldebatte hielt, ist im Anschluß an unsere Wiedergabe in der vorigen Nummer noch folgendes zu berichten: Der Erfolg der Alijah, sagte Schertok, war ein Erfolg der Exekutive, die die palästinensische Wirklichkeit in ihrem Zusammenhang mit der Not der jüdischen Massen in den Galuthländern richtig zu demonstrieren wußte. Gegen das Ein ströme 11 von billigen Arbeitskräften aus den Nachbarländern Palästinas hat die Exekutive bei der Palästina-Regierung Vorstellungen erhoben, die an Schärfe sogar die von der Opposition auf diesem Kongreß an der Exekutive geübte Kritik übertrafen. Denn es handelt sich um eine wirklich ernste Erscheinung. Palästina ist der einzige Ort des Wohlstandes im gesamten immer mehr verarnienden Nahen Osten, er zieht darum Einwanderer von allen Seiten an. Der Jischuw darf sich nicht dem Zwang nichtjüdischer Arbeit unterwerfen, sondern muß seine Wirtschaft«- potenz in den Dienst erweiterter jüdischer Einwanderung steifen. Hierin ist die Schaffung einer Einheitsfront im Jischuw ein Gebot der Stunde. Die 'Exekutive arbeitet intensiv an der Erhöhung der Zahl der Juden in der Polizei. Zum erstenmal in der Geschichte des Jischuw werden wir bald auf eine jüdische Mehrheit in der Jerusalemer Polizei Hinweisen können. Wir haben Menscheu von der Arbeit in den Fabriken, in den Kibbuzim und den Kolonien genommen und sie in die Polizei geschickt. Diese Menschen gingen wie Chaluzim zu ihrem neuen Dienst. Eine ganze Anzahl von Juden wird zurzeit für den Polizeidienst ausgebildct. Ehe Exekutive hat sich auch se!!T eingehend mit der Lage in Osteuropa, und insbesondere mit der Situation des Zionismus in der Sowjet-Union befaßt. Die Histadruth ist ein mächtiges politisches Instrument und darf nicht zersplittert werden. Sie ist ein starker Faktor bei der Frage der Vergebung der öffentlichen Regierungsarbeiten. Die Histadruth hat es durchgesetzt, daß die großen Arbeiten bei der Wasserleitun״ in Jerusalem durch jüdische Arbeiter ausgeführt werden. Dies konnte sie nur als starke und verantwortliche Organisation vollbringen, die nicht allein für ihre Mitglieder, sondern für die Zu• kunft des jüdischen Volkes sorgt. Schertok polemisierte gegen Ausführungen Ussischkl n s auf der Weltkonferenz des Keren Kajemeth und sagte, man dürfe nicht vergessen, daß m Erez Israel noch ein zweites Volk lebt und leben wird, und daß wir uns hüten müssen, der Vorstellung Raum zu geben, als ob zwischen der Entwicklung des einen und der des anderen Volkes ein Gegensatz bestünde. Es ist wahr, daß dieses zweite Volk unser Recht noch nicht anerkennen will, aber wir müssen eine Politik führen, die es klar werden läßt, daß zwischen unserer und seiner Existenz kein Gegensatz besteht Die Araber werden einsehen, daß »uch bei Einschränkung der ihnen gehörenden Bodenfläche ihr wirtschaftlicher Standard gehoben wird, Hauptschrittleiter: Dr. Robert Weltscli, Berlin-Charlottenburg 9. Stellvertreter: Kurt Locwenstein, Berlin W 16. Anjeigenleitcr und verantwortlich für den Inhalt der Atireigen: Hermann F i n n, Berlin-Tcmpelhof. Gültig: Anieigen-Preisli*■* 2 vom 1. Januar 1935. Verlag und Anreigenvcrwaltung: Jüdische Rundschau, Berlin W 15, Meinekestr. 10. D.A, August 38 350. — Druck: Siegfried Scbolem, Berlin-Schöneberg,