Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 70 (30.8.1935)
- Date
- 1935-08-30
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 70, 30. VIII. 1935 Vom Reichsverband der Jüdischen Kulturbünde Der ״R e i c 11 s v e r f> a n <J der Jüdischen Kulturbündc in D c 111 sc 11J a 11 d“ teilt mit: ״I K-r am 27. April 1935 gegründete Reichsverband der jüdischen Kultiirtmndc in Deutschland hatte auf seiner Orünih1n”,<v1T?a11111111111:r Herrn Intendant l)r. Kurt Singer als Vorsitz enden des RciiTisvcrhandes gewählt. Am 22. August 1935 hat der Sonderbeauftragte des Herrn Reichsministers Dr. (ioi-lilieüi, Herr Staatskoniniissar Hinkel, im Eiiiverständiiis mittler Geheimen Staatspolizei, Herrn Dr. Kurt Singer, als verantwortlichen Leiter des Reiclisverbandcs, Herrn Dr. Werner l.evie als Generalsekretär bestätigt. Inzwischen sind die von Herrn Staatskommissar Hinkel im Lin vernehmen mit vier Geheimen Staatspolizei ausgearbeitoten Richtlinien publiziert worden. Im Zusammenhang mit diesen k’iihtlinien für die Zusammenfassung der Kulturarbeit in i)ctit.M'hland treibenden Organisationen werden folgende Ausfiiiiruugsbestimmungeu bekanntgegeben, die von dem SanderhrauHragieu, Herrn Staatskommissar Hinkel, vollinhaltlich genehmigt worden sind: anschauliche oder gesellige Veranstaltung durch künstlerische Beiträge umrahmen lassen. Für diesen Fall sind sie verpflichtet» dem Reichs verband 14 Tage vorher das Programm sowie den Termin der Veranstaltung anzumelden. Um aen Charakter des Gelegentlichen zu wahren, entscheidet der Reichsverband über die Genehmigung. Ausfiihrungsbcstimmungen 1. Jü- Von dem Zusammenschluß Int Reichsverband der riischen Kulturbünde in Deutschland werden erfaßt: 1. Kulturbünde. 2. Theatervereine. 3. Gesangvereine. 4. Freie Chöre. 5. Orchcstcrverciniffungcn. b. Kulturausschössc hei den Svnagogengemeinden und Kiinstlcrhilfen (soweit diese durch kün-dlerische Veranstaltungen jeder Art produktive Hilfe für mitlcidende Künstler leisten oder überhaupt künstlerische Veranstaltungen durchführen). 7. Vereine jeder Art, die laufend künstlerische Veranstaltungen durchführen. I'»(‘in Zu'-ammcn'Hrhhifl im Reiclisvcrbattd der Jüdischen Kuhurbuiide in I ׳em-clikiiHi unterliegen nicht: i i 111 t i <111 e 11 der J ud e 11 in Deutsch! a n d: der deutschen Juden und deren Finrich- Hilf der deutschen luden für Hilfe lind der deutsche! IJiinehtimgen. Landesverbände der jiidi- 1k1 deren Liuriclituiigen. Jüdische Oe- •-elmdet der Ziffer i, (). Rabhiiierhildungsanstaler und Volkshochschulen, k’eiclusausschuß der ciidvcrhamle *,md die ihm angeschlossencn ür- M'hllh creiui‘. n) I (1 Reictevrfreti tiincm. /nitmlaie'■ Auihnii und dcs-ei scheu ( leinanden nicintlen ui teil. I t'iirh;׳ JlKÜ-1'hcll J g.'iuis.ilii me!I b) V v I t a 1! s c 11 a u I i c 11 c O r g a 11 i s a t i o!1 e 11: Cetitralvrreiii deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. Zioni.doseln‘ Vereinigung für I )eulschlaiid. Reichsbund jüdischer Frontsoldaten. Vereinigung für das religiös-liberale Judentum. Die Vereine zur Pflege des gesetzestreuen Judentums. c) Frauenbünde, deren hauptsächlicher Zweck Zusammmscfihili der jüdischen Frau und deren Erziehung zu Jüdischem Gcnicinschaftsbewußlst'iii und zur sozialen Betätigung in der jüdischen Gemeinschaft ist, die aber ihre Veranstaltungen des öfteren mit künstlerischen Darbietungen umrahmen. d) (i r o ß - L o g e U. O■ B. B. Ferner: e) .Synagogenum! Religioasvereine. Standes- Organisationen. Sportvereine. Soziale I lilfsorgaiiisationcn. Organisationen, die dem Zusammenschluß Im Reichsverband nicht unterliegen, können gelegentlich eine weit- III. 1. Die zu I aufgeführten Organisationen haben bis spätestens 15. September 1935 Anträge auf Aufnahme in dc!1 Reichsverband bei dessen Verwaltung, Berlin SW08, Chartatteristr. 90-92, zu stellen. 2. L>er Reichsverband entscheidet über die Aufnahme. 3. lieber die Ansehlußpflicht und eventuelle Ablehnung von Organisationen entscheidet der Reichsverband im Einvernehmen mit dem Sonderbeauftragten. 4. Die dem Reichsvcrband angeschlossenen Organisatfcmen sind verpflichtet: a) Die Richtlinien des Herrn Sonderbcauftragten korrekt dtirclizuführen. Dein Reichsverband liegt die Beaufsichtigung hierüber ob. b) Bis zum 15. eines jeden M-onats dem Reichsverband das nächstmonatliche Programm zur Genehmigung vorzulegcn. c) Abänderungen des Programms sind spätestens acht Tage vor der Veranstaltung dem Reichsverband zur Genehmigung vorzulegcn. 5. Die dem Reichsverband angeschlossencn Organisatkirien sind verpflichtet, Monats- bzw. Jahresabrechnungen über den Mitgficdcrstand einzureiehen und einem Beauftragten des Rcichsverbandes znm Zwecke der Kontrolle jederzeit Einblick in die Bücher zu gewähren. 6. Die dem Reichsvcrband angeschlosseuen Organisationen sind verpflichtet, pro Mitglied einen Verwaltungsbeitrag von monatlich 11,03 RM. (laut Vorstandsbeschluß) an den Reichsverband zu leisten; sie sind berechtigt, um diesen Betrag ihren Mitgliedsbeitrag zu erhöhen. Um bei den Veranstaltungen des Reichsverbandes und der ihm angeschlosseuen Organisationen den Charakter gesc 11 los sen er Veranstaltungen zu wahren, werden alle ausübenden Künstler, die im Rahmen des Rcichsverbandes zur gelegentlichen Mitwirkung oder Feslverpflichtung herangezogen werden, ihre Anmeldung beim Reichsvcrband zu vollziehen. Diese Anmeldung verpflichtet den Reichsverband nicht zu Engagements, gibt aber die generelle Berechtigung, in sämtlichen dem Reichsverband angeschlossencn Organisationen Engagements anzunehmen. Ueber die Bcitragspflicht wird von Fall zu Fall entschieden. Wir bitten, die Anmeldung bis zum 30. September zu vollziehen.“ Der ״Reichsverband der jüdischen Kulturbünde in Deutschland“ teilt folgendes mit: ״Alle Künstler, welche in den letzten Tagen ein Schreiben der Reiehsmusikkammcr betr. ihre Mitgliedschaft bei der Rtichsniusikkamnier erhalten haben, werdet! ersucht, sich umgehend schriftlich, unter Mitteilung ihrer Adresse und ihrer bisherigen Berufsart, beim Reichsverband der Jüdischen Kulturbünde 111 Deutschland (Sonderdezernat F), Berlin SW (iS, Cliarlottenstr. 90-92, zu melden. Wir bitten, von persönlichen Besuchen abzusehen, die überflüssig sind, da eine generelle Mitteilung an jeden sich Meldenden rechtzeitig erfolgt.“ Aus Sachsen Das ״Berliner Tageblatt‘‘ vom 29. 8. berichtet: ״Nachdem die Stadt Chemnitz erst unlängst einen Prämier für kramte eingerichtet hat, an dem die Namen derjenigrri veröffentlicht werden, die bei Juden kaufen oder mit Jüdin verkehren, warnen nunmehr der Polizeipräsident Ulld der ( >!rrl'iirgerineiNter von (ihemiiitz Jaden vor dem Zuzug. Fs wird dar.nif aufmerk-.. 1!11 gemacht, daß jüdische Personen in (ilu-rntut/ weder mit utleiitliiiier noch sonstiger Unterstut/mi:» rechnen dürfen. Bei Unterkmiftsschwierigkeifen werden sie au-nahm-l״. kurzfristig im ()bdachlosenasy! untergebracht und ge/wuagen werden, die Stadt wieder zu verlassen. Der Gebietsaussduiß für die Sächsische Schweiz teilt mit: ,,ln miM-rer herrlichen Sächsischen Schweiz ist kein Platz tur Juden, Ihr Besuch ist uns unerwünscht, ihr Geld macht uns nicht glücklich, ihr Auftreten beleidigt uns. Wir sind davon über zeugt, daß es im Gebiet der Sächsischen htinvii/ kein llotei oder Gasthaus gibt, das als Gastgeber für Juden aül'tfitt,*1 I »er Gebiet■>au--chufi wird in Zukunft auch den Zeitungen Im Reich,;111 denen Juden beschäftigt sind, keine Inseratenauftrage mehr erteilen.“ Die Läsiing der Judenfrage Auf der Kundgebung, die als Höhepunkt des Saarbefrei, ungs-üaufcstes des Deutschen Reichsbundes für Leibesübungen aut dem Befreiungsfeld in Saarbrücken stattfand, hielt Rcichskoimnissar Gauleiter Biirckcl eine Rede. Er behandclte u. a. die Judenfrage und sagte nach dem Bericht der ״Frankfurter Zeitung“ vom 27. August: ״Das Wclijudeiituin proklamiere den verschärften Boykott. Man habe sich als tVei bcmiiiet Pogrome in Deutschland auf Abruf best t lll Eine eiiigcworfcnc I'insterschcibe sei ein un. bezahlbares I’ropagaiidainiltel, und aus einem wegen äirtlichkeiis- Verbrechens cingcspi׳ rrlen Juden mache man einen unschuldig«! Märtyrer. Wir düriit-n uns auf keinen Fall als Werkzeug des Weltjudentuim miljhraui-licn lassen und keinesfalls durch unser Veihalten praktisch zu ihren II1mdrs«crt<>«en werden. Die jüdische Press■.׳ sei gegemvänig lür jeden Mcnsrlienaiillauf dankbar, und nutnehma! sehe es so aus, als ob diese oder jene Sache von langer Hund geschoben wäre. Die Juden wollen, daß wir die Judenfrage zu einet Raslautrage machen, weil sic damil das beste außenpolitische Geschah gegen uns machen können. Machen wir die Judenfrage zur Charakt erfrage, daun wird sie um leichle.sten in geordncle. ge-clzliclic Halmen ktmimen, und kein Ausland kann uns wegen einer gesetzlichen Regelung angtviten. Inzwischen aber muli einer solchen I.ösuiig die cliarakicrliche Fiz.iehung vor.msgeheii. Wenn ich z. ii. von einer Demonstration hme, die vor dem Hause eines Juden slatlgeliiiwlm hat, weil er ein deutsches Mädchen schändele, so sage ich mir immer: Zur Schändung gehören zwei: einer, der schämlei, und eine, die sich schänden hißt. Oder wenn ich höre, daß der oder jener roll einem luden betrogen wurde, so lege ich mir di, Frage vor, ob ־zaira Uct lügen nicht auch ־zwei gehören: einer, der betrügt, und einer, der .-ich bei rügen läßt. Werden wir innerlich Ich, so oiiibiigm ״ich alle. Demonstrationen, weil dann alle jüdischen und dcuij« heu lauten Spekuhmien uul die Reise gehen müssen, um stell anderswo Schwache zu suchen, wenn sie nicht verhungern und auch nicht arbeiten wollen. Das ist dir 1,/isung der Judmiragc!“ Auch Rcichsstatthaiter Kaufmann, Hamburg, hklt bei diesem Fest eine Rede, in der er u.a. auf die Judenfrage hin. wies. Er sagte hierzu nach dem Bericht der ״Deutschen Allgemeinen Zeitung“ vom 27. August folgendes: ,,Sprechen ■wir nicht und sdiiciben wir nicht so viel von der Judcnfiage. •Selzen wir in uii-eicm Reich überall an die Stelle des jiidi-chen י o; .!!׳•, der jüiti-clien Moral den deutschen Geist und die deul-chc Motal, und diu Judciiirugc ist. aktiv gelöst.“ Gegen Friedhof »Schänder Die ״lappische Landeszeitung“ in Detmold berichtet: ״In der Nacht zum Sonnabend haben ruchlose Hände auf dem israelitischen Friedhöfe au der Flurstralk 23 Grabsteine umgeworfen. Die Gedenksteine sind teilweise zu Bruch gegangen, zuin Teil liegen sie auf den Gräbern oder sind auf andere Ruhestätten gefallen. Der kleine jüdische Friedhof bietet heute ein Bild der Verwüstung. I3ic Friedhofschänder haben sielt in erster Linie an die Grabsteine der jüngeren Zeit hcrangcmacht. Die älteren Denksteine sind fester verankert und waren nicht so leicht von der Stelle zu bewegen. In der Synagoge an der Friedrichstralic haben wahrscheinlich dieselben Täter gewütet. Die verschlossenen Türen wurden aufgebroeben, der Altar sowohl wie Bänke und Leuchter sind zerschlagen und demoliert. Man sollte es nicht für möglieh haltert, daß es Menschen gibt, die Kirche und Gottesacker als Stätte ihres scheußlichen Tuns aufsuchen. Dia Polizei hat die Verfolgung dieser Friedhofs• und Kirchen- Schänder aufgenommen.“ Jüdische Firmen an ihre Lieferanten Unter der Ueberschrift ״Durchsichtige jüdische Manö• ver..veröffentlicht das Mannheimer ״Hakenkreuzb a n n e r“ einen Bericht aus Karlsruhe, in dem das Blatt sich dagegen wendet, daß aus verschiedenen Bezirken des Reiches in den letzten Tagen von jüdischen Groß- 1111 <! Einzel Handelsgeschäften Mitteilungen an ihre Lieferauten eingclaufcn seien, die fast übereinstimmend lauteten: ״Ich muß Iltncit leider mittcilen, daß ich die ant ...ten fällige Rechnung nicht bezahlen kann, da vor meinem Geschüft nationalsozialistische Posten stehen, die auf passen, wer in meinem Geschäft kauft. Dadurch fehlen mir die Kasseneingänge, um meinen Verpflichtungen nachkonimen z.tt können.“ Ferner seien jüdische Einkatifshäuscr dazu libergegangen, folgende und ähnliche Klauseln in ihre Auftragsformulare aiifzuuchmcn: ״Käufer sind berechtigt, von diesem Auftrag ganz oder teilweise zuriiekzutreten, wenn durch höhere Gewalt oder andere von ihm nicht zu beeirt- (hissende Umstände der Geschäftsbetrieb wesentlich erschwert wird“. Der Bericht bemerkt hierzu, das einzige, was die jüdischen Finnen mit ihren Klauseln erreichen wollten, sei ihre wirtschaftliche Machtstellung als üroßauftragsertciler dazu auszumitzen, auf die Haltung des deutschen Volkes Einfluß zu nehmen. Die gleiche Erklärung bringt auch der ״F ti hre r“, Karlsruhe. In Dermbach (Rhön) sind Juden unerwünscht. ״Deutscher Kaufmann“ Die Industrie- und Handelskammer für Süd •Fl annover teilt mit, daß die Bezeichnung ״Deutscher Kaufmann“ und die Anbringung eines entsprechenden Schildes zu begrüßen sei. Die Bezeichnung dürfe selbstverständlich nur von solchen (Gewerbetreibenden verwandt werden, auf die sie ihrer Zweckbestimmung nach und nach einer Prüfung von zuständiger Seite zutreffe. Unzulässig sei dagegen die Verwendung der Bezeichnung ״Christliches Spezialgeschäft‘‘ oder einer ähnlichen durch einen getauften nichtarischen Geschäftsinhaber. Dies ergebe sich schon aus den Richtlinien des Werberats der deutschen Wirtschaft. Im Interesse der Käufer sei cs erwünscht, der Aufforderung der zuständigen Parteidienststellen zur Kennzeichnung der Geschäfte Folge zu leisten. Die Anzeigen -Verwallung kann Gewähr lär Aufnahme van Anzeigen in bestimmte Nummern oder an bestimmten Plätzen nicht übernehmen KAPITALMARKT 0ute Existenz! Herten •׳ Konfekt. ־־ Geschäft in GroßsUidt, Sudife-stscbl., gut eingef., 32 fahre bestrhrnd günstig zu verkaufen. F.rlortl. K&piifJ re. KM 15,000. A״fr. unt. Kt 6 ». dL An*.־ Abt., MeiDc-kuvtr. 10. Teil ha ber-in xwedki Erweiterung eines eit»g#fuhrten AutogMchäffs bei guten Verdien»tmöjfUchkeiten und Sicherheiten *«fort gesucht. Erforderlieh 3- 5000,— RM. Offerten unt E 44 ■ b die Ant.-Abt-, Meinekeatr• 10 Palästina Gck. Daitm Keidäsd. . in Pal. isndwktsch3!tl»:M tätig, sucht Partner(!») mit Kapital. um durch Siedeln gemeinsame Einstens *utrobeaen. Offerten «nt. S 21 an die Aateifen ־ AbtlgMemelcestraß« 10 Aeetftskenbesitisr Habe s. Zt. eine gr. Aoiabl Käufer m. 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