Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 69 (27.8.1935)
- Date
- 1935-08-27
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seit» 12 4r0TJT5CTfi RtrmrSCWAt1 mt 69, 27. vm.מדז Ausschlüsse und Verbote Btichlfiste von Gemeindeverwaltungen ״Westfälischen Neuesten Nachrichten“ in Bielefeld melden, daß die Gemeinden Asemissen, Greste und Bechterdissen in Lippe den Beschluß gefaßt haben, den icuzug yot! Juden, den Erwerb von Haus- und Grundbesitz durch Juden usw. zu verbieten. ln Bacharach «,erden städtische Lieferungen und Auftrage nur an solche Gewerbetreibende und Handwerker vergeben, die sich nicht in Geschäfte mit Juden elnlassen. ln Bechtheim wurde beschlossen, daß kein Jude ein Haus oder Grundstück erwerben darf. Alle Geschäftsleute, Handwerker und Fuhrleute, welche mit Juden Geschäfte machen oder verkehren, erhalten keine Lieferungen mehr. fcr״״ wird den Gnterstüt/.uiigscmpfängern, die den Juden »m Handel unterstützen oder bei ihm kaufen, die Unter- Stützung gesperrt. Allen Volksgenossen, weiche gemeindeeigene Fehler gepachtet haben und mit Juden Geschäfte tätigen, werden die gepachteten Oemeindeäcker wieder entzogen. In der Sitzung der Gemcinderäte in Bod e n h e i m wurde beschlossen, daß Juden der Zuzug in die Gemeinde in Zukunft nicht mehr gestattet wird, ferner ist ihnen der Erwerb von Grundbesitz usw. untersagt, (regen Gemeindebeanite, Angestellte und Arbeiter, die mit Juden verkehren oder Oeschäfte machen, wird in Zukunft vorgegangen, das gleiche gilt für Gewerbetreibende, die, wenn sie mit Juden verkehren, bei evtl. Vergebung von Aufträgen, nicht mehr herücksichtift werden. Unterstützungsempfänger, die sich in der vorgenannten Weise verstoßen, wird die Unterstützung gesperrt. Auch Bauern und I andwirte, die mit Juden verkehren und Geschäfte machen, werden, wenn sie in Not kommen sollten, hei Steuerstundung usw, nicht berücksichtigt. In einer in Brilon stattgcfmidcncii Sitzung der Ratsherren wurde beschlossen, daß kein Jude und keine Jüdin in Brilon ein llaus oder ein Grundstück erwerben darf, weiter kann sich kein Jude mehr in Brilon niederlasscn. Städtische Arbeiten werden an Judenfreunde nicht mehr vergeben, und das Kaufen und Handeln hei Juden wird als Verrat am Volke bezeichnet. Die (jfnicindcr.'ite in B ti n 7 i a u beschlossen, daß kein Handwerker, kein (ie-.eliattMii.'imi. kein sonstiger Volksgenosse, der mit Juden Verkehr pflegt oder sie 1111 Handeln unterstützt, von der Stadt einen Auftrag, eine Lieferung oder eine Arbeit erhalten dürfe, ln Plakaten soll zum Ausdruck gebracht werden, daß Beamte, Arbeiter und Angestellte gegen die NS.-(irundsut/e verstoßen, wenn sie oder ihre Angehörigen bei Juden kaufen oder mit Jtidenfamilicn Verkehr pflegen. In einer I )leii.-tliespiechung des Bürgermeisters mit den Stadtratcu in (; b e m 11 i t / wurde davon Kenntnis genommen ela(S das städtische Personalamt einen ״Pranger“ errichten wird., auf dem diejenigen städtischen Beschäftigten namhaft geniaeht werden sollen, die in jüdischen kaufhäusern Waren gekauft haben. In der letzten •Sitzung der Gemcinderäte in Delbrück wurde beschlossen: 1. Juden ist es verboten, die hiesigen Viehmärkte zu beschicken und zu betreten. Es ist auch verboten, sogenannte ״Strohmänner“ vorzuschicken. 2. Es ist Juden verboten, in Delbrück Haus- und Grundbesitz zu erwerben. 3. Diejenigen Geschäftsleute, welche mit Juden Verkehr unterhalten, werden hei der Vergebung öffentlicher Aufträge nicht berücksichtigt. Die ״läppische Staatszeitung“ berichtet, daß der Kreisausschuß des Kreises Detmold darauf himveist, daß Unternehmer, Gewerbetreibende, Bauern und Landwirte, die mit Juden geschäftlich verkehren, von der Vergebung von Aufträgen durch den Kreis Detmold ausgeschlossen werden. Wer vorn Kreis erhaltene Aufträge an Juden oder Judenfreunde ganz oder teilweise uberträgt, hat mit sofortiger Zurückziehung des Auftrages zu rechne״. Für den Bereich der Stadtverwaltung Frankenbergf (Sachse#) sind folgende f m1111K.1t/c aufgestellt worden; 1. Wer zum jinli-vhcn Arzt, in״ jüdische Kaufhaus oder zum jüdischen Recht-anw ait geht oder sonst ohne zwingenden Grund i:11 Verkehr mit Juden angetrofien wird, stellt sich außerhalb der Volksgemeinschaft und bewußt in die Reihen der Staats fei mle und verdient, entspi echenii behandelt zu werden. IVr -o gekenn/t i. bnete Judenfreund hat künftig damit zu rechnen, daß er a) mit städtischen Lieferungen nicht mehr betraut wird, b) von jeglichen städtischen Arbeitsmögiiehkeiten, insbesondere auch Notstandsarbeiten, ausgcschlossen wird, c) keine Unterstützung aus städtischen Mitteln irgendwelcher Art erhält, d) als Siedleranwärter ausscheidet. 2. Beamte, Angestellte und Arbeiter der Stadt und der städtisehen Betriebe, die den Juden unterstützen oder durch Angehörige unterstützen lassen, verwirken ihre Stellung. Der Oberbürgermeister von Frankfurt a. O. hat eine Anordnung erlassen, wonach den Beamten, Angestellten und Arbeitern der Stadtverwaltung und der städtischen Amtsstellen die Inanspruchnahme jüdischer Geschäfte, Aerzte und Rechtsanwälte verboten wird. Bei der Vergebung von städtischen Aufträgen dürfen Gewerbetreibende und Handwerker, die mit jüdischen Firmen nachweislich in Verbindung stehen, nicht berücksichtigt werden. ״Der Gesellige“ Ln Schneidemüht berichtet, daß der Bürgemieteter in Fraustadt folgende Maßnahmen getroffen hat: ״Es werden nur solche Handwerker und Gewcrbetreibende mit Arbeiten und Einkäufen seitens der Stadtverwalhing Fraustadt bedacht, die spätestens ab 1. September 1035 der Deutschen Arbeitsfront angehören. Weiterhin werden ab sofort bei Vergebung von Aufträgen und Lieferungen solche Volksgenossen nicht mehr berücksichtigt, die bei Juden oder bei solchen erbärmlichen Zeitgenossen eiokaufen oder mit ihnen Verkehr pflegen, die als Judenknechte angeprangert wurden und keine Besserung zeigen. Auch solche werden als Judenknechte betrachtet, die Tochter oder Sohn in jüdischem Hausdienst belassen.“ Der Gcmcinderat in St. Goarshausen stimmte einer Entschließung zu, wonach Lieferanten der Stadt Geschäftsbczichungcn zu Juden nicht unterhalten dürfen, wenn sie Aufträge von der Stadtverwaltung erhalten wollen. Auch das Strandbad soll einen Hinweis erhalten, daß der Besuch von Juden unerwünscht ist. Der Gemeinderat in Hangen- Weißheim beschloß: Gewerbetreibende, welche mit Juden Geschähe treiben, erhalten zukünftig seitens der Gemeinde keinerlei Aufträge mehr. Nach einer Bekanntmachung des Ortsvorstehers von Mainz-Bischofsheim werden sämtliche Gemeindeäcker und -wiesen all denen gekündigt, die mit einem Juden Geschäfte machen bz.w. bei Juden kaufen. ln Münster wurde Juden die Benutzung der städtisehen Badeanstalten und der Stadtbücherei verboten. Die Stadt nimmt keinerlei Grundstücksveräußerungen an Juden mehr vor. In Neuß teilte der Oberbürgermeister mit, es könne nicht geduldet werden, daß städtische Beamte, Angestellte oder Arbeiter bei jüdischen Firmen kauften oder dort Konten unterhielten. Die Stadtverwaltung verbiete auch sämtlichen Wühlfahrts- und Rentenempfängern die Unterstützung jü- Bischer Geschäfte. Wer in Zukunft dabei erwischt werde, daß er als Wohlfahrtsempfänpcr bei Juden kaufe, erhalte keine Unterstützung mehr. Die Stadtverwaltung habe in den letzten Tagen den Antrag einer jüdischen Firma auf Gcschäftscrwciterung abgelehnt. Nach Meldung des ״Aicmanne“ in Freiburg hat der Bürgermeister der Stadt Staufen eine Anordnung erlassen, wonach Juden und Judenstänunlingen der Zuzug■ in die Gemeinde untersagt wird. Nach Bericht des ״Mainzer Anzeigers“ haben verschiedene Gemeinden im Kreise Worms einen entsprechenden Beschluß gefaßt. Auf der letzten Sitzung der Gemcinderäte in Waldshut wurde beschlossen, daß 1. Juden das Zuzugsrecht nach Waldshut verweigert wird und 2. Juden in Waidshut keinerlei Grundbesitz erwerben dürfen. Der Bürgermeister in Wallerstädten beschloß, an solche Handwerker und Geschäftsleute, die noch mit luden Geschäfte machen, keine gemeindeeigenen Aufträge mehr zu vergehen. Volksgenossen, die beim Juden einkaufen, sollen öffentlich angeprangert werden und gehen einer späteren evtl. Unterstützung verlustig. Auf der Gemeindewaage wird künftig kein Vieh gewogen, •das für Judenmetzger bestimmt ist. Aut Antrag der Ortsgruppe der NSDAP, faßte der Gcmeinderat Westhofen (Kreis Worms) folgende Ent- Schließungen: Kein Jude kann in Westhofen ein Grundstück erwerben, ferner kann sich auch kein Jude mehr hier ansässig machen. Jeglicher Geschäftsverkehr ist in Westhofen den Juden verboten und werden Bürger, die trotzdem mit Juden Geschäfte tätigen, an den Pranger gestellt, dergestalt, S<> spricht die I alt'lrumle. und ,li/chak, der Steinhauer, sagt lanc-aiii zw Kellen einem Kauen und dein anderen: ..,Mies uul und M'liün ׳ nur -(׳bade, daß wir auch dort werden nrbeiteu 1!m׳1״n, ha -ha,“ ״Klar, daß!•ר׳ leichter ist, dazustehen und anderen bei der Arbeit 711/11-1-11011 . . .׳• Da■ Steinbrucharbeiter sind zu müde, 11m ihre Gedanken fpierldel i.di 711 k 11!1׳י■ ■n: die Arbeit Kt nicht Poesie — sic Ist Z« .'nur. Die Ai heil Kt Müdigkeit und Schweiß, Und der arl u-i 11-nde, mude Mm-clt Kl einfach und gerade. Arbeit und Schweiß -;•<1 Zwanzl Wie der oberste WeRensinn den Bi'üi‘11 gezw 1 uici-n lial, zur rechten Zeit herab/uströmen, den Y\ind ~~ zu wehen, die liide sprossen und reifen zu lassen, wie er (lesei/e der Liehe, der Schwangerschaft, des Gebäreris eingesetzt bat, so hat auch die Wirklichkeit des Lebens den Menschen ge/.wimuen, zu arbeiten. Das Kt eine Bürde des Zwanges, zu der d'־r Men-eh verpflichtet ist, int Steinhaus in der Stadt und im Zelt der Steppe, alle Tage und durch alle Gescblceliter. Mitten im Bingen bleibt einer manchmal stehen, und eiru11׳ Augenblick scheint es ihm: ״Es hätte alles auch anders sein können —•“ Audi Jizchak hält oft mit dem liannnerschlag ein, setzt sich auf den Stein, schöpft Luft und sagt zu den Steinhauern; ״Die Arbeit an sich ist nicht schlecht, leb hin gerecht gegen den Menschen und gegen mich selbst, und falls...“ — er bleibt nach seiner Gewohnheit, mitten im Salze stecken, schwingt die Hand, denn sowohl ihm wie den anderen Steinhauern ist klar, was er sagen wollte. Aber seine Genossen, die Steinliauer, sind zu nüchtern, um sich von der Phantasie Jiz.chnks nasführen zu lassen. Und während sie sich ahipiiilen, den harten Stein zu spalten, halteil sic «*in, wi.-chen den licrahnnncndcii Schweiii ab und sagen: ״Schade, daß wir keine Luftdruckhänuiier haben, die den Felsen selbsttätig durchbohren.“ ״Und Kräne, die den Stein von selbst schwingen —“ ״Und wir brauchten nur zu stehen und aufzupaisen, ba-ha — —“ Die Arbeitsleute hatten sich in ihrer ersten Empfindung beim Gerücht über das nahe bevorstehende Werk nicht getiuidit. Denn es dauerte nicht lange, da wurde bekannt, daß in der Tat da» AYerk unmittelbar in Angriff genommen werde, und ״er“, der Schöpfer des YV'erkes, Tausende von einfachen und Facharbeitern brauche. Die Steinbrucharbeiter besprachen es bereits wie etwas Tatsächliches, auf der Tagesordnung Stellendes: ״YVic; werden wir so weit in* Oedland gehen?“ ״Fern von Kindern und Frau?“ ״Ich habe gehört, daß in der ersten Zeit die Verhältnisse sehr schwer sein werden, aber später...“ Natürlich wird es in der ersten Zeit sehr schwer sein...“ ״Die ersten siebzig Jahre" —• erwidern lachend die Steinhauer. Dann erschien der Ingenieur Agar zum ersten Male bei den Arbeitsleulen, die enggedrängt und von der Tagesarbeit müde dasaßen. Vom ersten Augenblick an fanden sie in der Tat an dein Manne Gefallen, als er mit breiten, behenden Schritten an den Tisch trat und ihnen fortwährend ins Gesicht sah. Die Dusitz.enden schätzten sofort die Art des »Mannes ein: ״Fine stattliche Erscheinung!“ flüsterten sie sich zu. Aus irgendeinem Grunde regte sich in ihnen ein Gefühl der Ehrfurcht, und der Liebe gegen ״die stattliche Erseheinung“, denn sein Gesicht w ar breit knochig und von dem Trotz des Arbeitsuienschen durch furcht, der überall, wo er hinkommt, schöpferisch wirkt mul dem Menschen eine Heimat errichtet. ,,Das ist er, der ,Alte“ — ging es durch die engen Reihen, und alles war gespannt auf seine Worte. ״Arbeitsleute, mit Hilfe eurer Hände kann ich die Oede in bewohnbares Land verwandeln. Das ist das Werk.“ ״Mit Hilfe eurer Hände“ ־— denken mit einigem Stolz, die Männer in den Reihen ״ —־klar, daß ohne arbeitende Hände nichts getan werden kann.“ Ruhige, überlegte Stiinmen erwidern ordnungsgemäß: ״YVir können nicht mit. verschlossenen Augen gehen. Wir haben Frauen. Wir sind Väter von Kindern.“ ״Ich weiß es, Arbeitslose. Alles habe ich bedacht, denn ohne euch kann das YY'erk niemals errichtet werden. Ich schätze eure Hände mehr als Eisen- und Betongebilde. Denn wenn ihr mit mir geht, wird das Beton gegossen, das Eisen aufgestellt, der Stein durchbohrt» Irh kenne eure schwere Sorge für den nächsten Tag, und auch eure Müdigkeit Tag für Tag kenne ich.׳* daß sie durch die Ortsschelle namentlich ab Judenknechte l bekanntgemacht werden. Die Geschäftsleute werden aufgefor- I dort eine schriftliche Erklärung abzugeben, daß sic keine! Geschäfte^ mit Juden tätigen. An den. Ortseingängen sollen י Tafeln mit folgender Aufschrift angebracht werden: Jegliche geschäftliche Betätigung von Juden ist in hiesiger Gemeinde verboten.; Das städtische Presseamt in Wuppertal teilt mH: ״Den Leihhäusern Barmen und Elberfeld, sowie den Pfand- Vermittlern wurde die Annahme von Pfändern von Juden untersagt. Von Juden angekaufte Pfandscheine werden nicht eingelöst.‘• Jaden anerwünscht Die Kreisamtsleitung Alsfeld (Oberhessen) der NS,- Hago macht Öffentlich bekannt: ״Die Kreisleitung der NSDAP״ Amt der NS.-Hago, hat 500 Plakate mit der Aufschritt ,Juden sind hier unerwünscht‘ drucken lassen, die an allen arischen Geschäften, Gaststätten und Cafds der Stadt und des Landkreises Alsfeld angebracht werden sollen.“ Die ״Dresdner Neuesten Nachrichten“ melden, daß das Schloß Augustusburg für Juden gesperrt worden ist. Die Bauern auf dem Pferdemarkt in Bad Kreuznach lehnten cs ab, ihr Vieh vom Juden zu kaufen. Die pBayerische Ostmark“ meldet, daß nach Vereinbarung des Krcisleiters der NSDAP, und der Direktion des Kinos ״Uniontlieater“ in Coburg Juden der Zutritt zu den Vor- Steilungen verboten worden Ist. Im F alkensteiner Stadtbad wurde Juden der Aufenthalt wie •das Baden verboten. Im Kollnaucr Schwimmbad sind Juden unerwünscht. in Klotzsche sind Juden nicht erwünscht. Vor allen Ortseingängen in Leveste aufgestellte Schilder zeigen, daß Handel und Verkehr mit Juden im Ort nicht gewünscht wird. A11 den Wagen der Magdeburgerstraßenbahnen sind von der NS.-Hago zur Verfügung gestellte Transparente angebracht worden, die sich gegen 4ns Judentum wenden. Ferner wurden sämtliche Eingänge der Straßenbahnwagen mit Schildern ״Hier sind Juden unerwünscht“ versehen. Das ״H a k e n k r e u z b a n n e r“ in Mannheim berichtet von einer Kundgebung der NSDAP, des Kreises Mannheim, in der Kreisleiter Dr. Roth mitgeteilt hat, daß sich die Gastwirteinnung Mannheims bereit erklärt habe, bereits in den nächsten Tagen Anordnungen zu treffen, daß die deutschen Lokale Mannheims kein Jude inehr be* treten darf. in Marienwerder sind in sämtlichen Geschäften und Hotels Jtuien unerwünscht. Nach Meldung des ״Ruppiner Stürmer“ sind in Neuglobsow im Kreise Ruppin Juden unerwünscht. Nach dem Bericht des gleichen Blattes hat der Pächter des Forsthauses ״Wilhelmshöhe“ bei Lindow erklärt, daß Juden der Aufenthalt in seiner Gaststätte verweigert worden ist. Juden in der Musik Bei ■einer Kundgebung Berliner SA-Sttirme sprach der Sonderbeauftragte des Reichsministers Dr. Goebbels, Hans Hinkel, über das Thema: ״Kampf den Reaktionären und jüdischen Saboteuren“. Er führte nach dem Bericht des ״Volk. Beobachters“ vom 24, 8. u. a. aus: ״Der Kampf gegen die (Jegncr, die getarnt oder offen unsere Kultur zu zersetzen versuchen, würde mit111 ־ e r Schärfe aufgenommen. Am empfindlichsten würden die Verräter gestraft werden, die sieh selbst für die Tarnung dieser Gegner hergegeben haben. An Hand von zahlreichen Kinzcifäilen bewies Pg. Hinkel, wie 110t• wendig dieses Purchgrcifen geworden ist. Heine sei in der Musikkamtner dir Feststellung gemacht worden, daß viele Juden und II a i Ii j 11 <1 e n noch als Musiker in evangelischen Kirchen tätig sind. Der deutsche Kunst- und Musikhandel und da- Verlogertum seien noch heule durch Juden iilierfrcmdct, die zum großen Teil unverantwortliche Oc-cluiftc mit den geistigen Erzeugnis sei» arischer Autoren treilzen.“ Die engen Reihen blieben bewegungslos, die ])»sitzenden hielten den Atem an und richteten die Blicke geradeaus nach der YY’tisle. ״Die Arbeit wird groß sein. »Sie wird immer größer werden. Tagtäglich wird eure Arbeit hier entlohnt und von der Straße verschluckt; morgen erkennt ihr keine Spur mehr davon, keine Spur von dem Schweiß der Arbeit von gestern, — wollt ihr nicht lieber eure Arbeit in dies YY'erk »locken: mit euren Händen den Grund zu neuem Leben im Oedland legen? YVenn ihr dann mit dem YY'erk gealtert seid, könnt ihr sagen: diese Erde war Oedland, dieses Wasser, YY asser des Todes — bis wir hierher kamen. Unsere Hände haben dies Wunder vollbrarlil. unsere Hände haben Leben erweckt... Die Talsenke ist öde. Der Stein ist schwarzer, schwerer Basal(. Der Boden isl salzig, grau, sonnen versengt. Aber ein mit Maschine» ausgestaltetes Arbeitslager wird über all dies Herr werden. Demi ihr müden Arheilsleute wißt noch nicht, was vorvollkonmmelc Arbeit und Kraftauellen bedeuten. Die Arbeit der Massen und der Geschlechter nat sich mit dem Eisen, dem Dampf, der Elektrizität, zu einer gewaltigen Kraft vereint, die im Herzen der Oednis dem Arbeitsmann eine Heimat errichtet.“ •— — Die Arbeiter hingen am Munde des Sprechers. In das Schweigen, das herrschte, drang langsam die stille Ergriffenheit, des müden Menschen. Laute Begeisterung ist, nicht Sache der Müden. Der Ingenieur Agar hatte den Nebel in den müden Gehirnen zerrissen. ״Die Arbeit der Massen und der Geschlechtcr“... »Sollte es tatsächlich jemanden geben, der die Steine zählt, die ihre Hände gehauen, und sie zur Arbeit der (Jeschlechter fügt? Der die Müdigkeit ihrer Hände zur Müdigkeil der Geschlechter fügt, und diese Müdigkeit mit den Kraftquellen zu einem mächtigen Hebel vereint, zur Eroberung von (Jedlaml und Wüste? ״Ich erwarte morgen eure Antwort.“ —• Der Herr des Werkes verließ die Versammlung. Die lleihm kamen in Bewegung. Leise raschelten die mit Staub und Schweiß bemalten Blusen. Die Augenwimpern waren srhwer geworden, denn es war spät in der Nacht; die von Kalk und Zement zerfressenen Hände sehnen sich nach Ruhe — und trotzdem bleiben sie am Orte sitzen; das Denken ist klar und dumpf zugleich. Sie überlegen sich gründlich die Worte des ״Alten“. (Fortsetzung folgt) i