Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 69 (27.8.1935)
- Date
- 1935-08-27
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 69, 77, VUL 1935 JO&ISCHE RUNDSCHAÖ Seite 11 Deutsche Hausgehilfinnen bei Juden Der »Angriff״ veröffentlicht folgende Zuschrift der Reichsfachg-ruppe Hausgehilfen im Frauenamt der Deutschen Arbeitsfront: ״Deutschland hat Mangel an Hausgehilfinnen. Es gibt viele deutsche Haushalte, die einfach keine Hausgehilfin annehme» können, weil die nötigen Fachkräfte fehlen. Die Tagespresse mcldkt laufend Schändungen״ die Juden an ihren 1 Iausgehilfen begingen. Es ist sclbstverstäjidlich, daß der Jude ausschließlich arische ifausgehUfen beschäftigt tuid keine jüdischen Hausangestellten (wenn cs welche gehen sollte) hält, weil es der jüdische llaushftltungKvorstand nicht zulassen würde, daß eine Artgenossin seinen Schmutz kehrt. Der Talmud gebietet cs ihm ja, die Goja zu knechten und zu scliändcn. Viele hundert deutsche Hausgehilfinnen sind durch jüdisch« Haushalte gegangen, sind verdorben worden und unserem Volke für immer verloren. Was uns stets am Herzen lag, gesunde deutsche Jugend heranzuzichen, die in der Lage ist, unsere Ideale weiter der Ver- *irklkimng entgegenzuhringen, wird durch die haltlosen. Zustände geradezu mit Füßen getreten, wenn wir immer wieder lesen müssen, daß sich Juden an deutschen IlausgchÜfen, die die Mütter der kommeriden Generation werden sollen, vergehen. Fis ist höchste Zeit, daß ein Gesetz iicrauskommt, das den Juden verbietet, den( sehe Mausgeliilfen zu halten. Diese Förderung ist bereits vielfach gestellt werden. jeder l ag der Verzögerung bedeutet für uns einen Schritt rückwärts, bedeutet für uns weitere Verluste an wertvollem Erbgut. Es muß endlich ein eiserner Riegel dem jüdischen Schandtrcibcn vorgeschoben werden. Ehe deutschen Hausfrauen würden eine Regelung begrüßen, da dadurch auch dem Mangel an HaU'gehilfen entgegengearbeitet wird. — Mögen die Juden sich von ihresgleichen bedienen lassen. Deutsche Hau.sgehilten geltören in deutsche 1 lathlmlle!“ Es gibt heute bereits eine erhebliche Zahl j ii d i s c 11 e r Hausgehilfinnen in jüdischen Haushalten. Daß ihre Zahl nicht ausreicht, um der von jüdischer Seite aus wachsenden Nachfrage nach jüdischem Hauspersonal zu genügen, liegt an der sozialen Struktur der Juden in Deutschland, deren Umbau ein Prozeß ist, der eine gewisse Zeitspanne erfordert. Rasseschande und Rasseverrat ln der Sondernummer der ״Zeitschrift der Akademie für Deutsches Recht“ anläßlich des Internationalen Strafrechts- Kongresses ist ein Aufsatz über Rasseschande als strafbare Handlung enthalten, und zwar aus der Feder des Hauptamtsleiters Dr. Ludwig Fischer aus Mimdien. Ankniipfcnd an die ״durch die Presse in der letzten Zeit bekannt gewordenen Schändungen deutscher Mädchen durch Juden“ verlangt der Verfasser schwere, von Ehreriniindcrung begleitete Freihcitsstraf e n t ii r ״Rasscvcrraf“ und ״Rasseschindun g“. Rasseverrat ist nach ihm ״sehr schwerer Verstoß gegen die Reinheit der Familie, ferner böswilliges Entgcgemvirken gegen die zum Schutz der Erhaltung und Förderung des deutschen Erbgutes erlassenen Gesetze und Aufkläningsniaßnahmen, ferner die Zersetzung des natürlichen Fortpflanziingswillens des Volkes.“ Der Fremdrassige könne, auch wenn er deutscher Staatsangehöriger sei, nicht Rasseverrat begehen. Verstoße er gegen das für die deutschen Volksgenossen aufgestellte Verbot einer ehelichen oder außerehelichen Verbindüng mit einem Fremdrassigen oder gegen die das deutsche Erbgut schützenden Maßnahmen, so begehe er Rasse- Schande (Rassescluindnng). Die Strafe müsse dieselbe sein. Rasseverrat und Rasseschändung sollen also offenbar nicht verschiedene Tatbestände bezeichnen; vielmehr scheint hier derselbe Tatbestand auf Seiten des ״Deutschrassigen“ (Ariers) •18 Rasseverrat, auf seiten des Nichtariers als Rasseschändüng bezeichnet zu werden. Aut einen Antrag eines Nichtariers, in welchem um Niederschlagung der Haussteuer nebst Kreisumlagen und Zuschlägen und der Grundsteuer gebeten wurde, ist lt. ״Frankt. Ztg.“ vom 25. August vom Finanzamt einer bayerischen Stadt der Bescheid ergangen, daß Nichtariern gemäß § 19 HStGes. (Bayerisches Hausstcuergesctz) Vergünstigungen nicht mehr zugestanden werden sollen. Lugano PARKHOTEL AM SEE Da» kuHiviart• Hau• dir ן iitaa Kreit• niustr.Pros,.koatenioi, Fam. Zlhringer Kleine Nachrichten Ein jüdisches Erziehungsheim in Diez an der Lahn, in welchem vor allem Waisenkinder und Halbwaisen untergebracht waren, wurde, lt. ״Frankf, Zeitung" vom 23. 8., nachdem ps vor dem Gebäude zu Sprechchören und Demonstrationen gekommen war, von der Polizei geschlossen und die etwa 50 Insassen zu ihren» Schutz unter polizeilicher Bedeckung nach auswärts abtransportiert. im Ortsteil Schierstein in Wiesbaden kam es zu Ansammlungen vor den Wohnungen von neun jüdischen Famißen. Nach dem ,,Nassauer Volksblatt״ wurden die neun jüdischen Einwohner in Schutzhaft genommen. Unter ihnen befinden sich ein Viehhändler und sein Sohn, der Religionslehrer, einige Metzger, Häute- und Getreidehändkr. Der Geschäftsführer Südhannover-Braunschweig der NSDAP., Dangers, hat lt. ״Germania“ vom 24. August folgende Verfügung erlassen: ״Die Reichsleitung hat Einzclaktkmen gegen Juden verboten. Auf dieses Verbot wird hiermit zum letzten Male hingewiesen.“ Vor dem Schöffengericht in Paderborn hatte sich, K. ״Berl. Tageblatt“ vom 22. 8״ ein Angeklagter aus Li ppstadt zu verantworten. Er hatte in angetrunkenem Zustand die Schaufensterscheiben dreier jüdischer Geschäfte zertrümmert. Das Gericht erkannte auf eine Strafe von sechs Wochen Gefängnis. Der Vorsitzende wies darauf hin, daß solche Handhingen entsprechend der maßgebenden Auffassurig der zuständigen Behörde und Parteidicnststellcn nicht geeignet wären, die Judenfrage zu lösen. Derartige Handlungen bedeuten eine Schädigung des deutschen Ansehens. Die badische Geheime Staatspolizei meldet, daß in acht Fällen Juden unter der Beschuldigung der Rasscnschänd u n g festgenommen wurden. I» fünf Fällen wurde die Ueberfülirung in das Konzentrationslager Kisiau verfügt. In einem Fall habe auch das arische Mädchen in Schutzhaft genommen werden müssen, da es das Schändliche seines Verhaltens nicht habe eitisehen wollen und mit Protestkundgebungen habe gerechnet werden müssen. Der jüdische Besitzer eines Schuhhauscs in Ludwigshaten war, lt. ״Frankf. Zeitung“ vom 20. 8., vor einigen Tagen festgenommen worden, weil er versucht hatte, rassenpolitisch aufklärende Schriften an seinem Haus zu photographieren. Als er aus der Haft entlassen worden war, demonstrierte wieder eine Menschenmenge vor seiner Wohnung. Daraufhin wurde er erneut in Schutzhaft genommen. Im Einvernehmen mit der Geheimen Staatspolizei hat die zuständige Stelle im Reichsministerium für Volksaufkiärung und Propaganda als verantwortlichen Leiter des R e i c h s v e r b a n d c s jüdischer Kulturbünde den früheren Intendanten Dr. Kurt Singer und als General- Sekretär dieser jüdischen Organisation den ehemaligen Handelsjournalisten Dr. Werner Levy genehmigt. Die rassische Zusammensetzung der Berliner Aerzteschaft Das ״Aerztcblatt für Berlin“ vom 24. August berichtet hierüber folgendes: . Ra-sisch *ctxt sich die Berliner Aerztcschnft zur Zeit aus 3868 61,8 °,0 Ariern und 2393 38,2 <0/י Niclitaricrn zusammen. Der Anteil der arischen Aerztc Berlins hat sieh demnach von 58,8 aui 61,8 <0/י (vom 31. Juli 1934 bis 1. Juli! 1935 — Red.) erhöht, während der Anteil der nichtarUchen Aerztc von 41,2 auf 38,2 o.׳o gesunken ist. In der Zahl der Nichtaricr sind 98 Amte oder Acrztinnen mit jüdbebrr Bindung enthalten, während 377 Aerztc und Acrztinncn, die größtcntcils neu hinzugezogen sind und den Nachweis ihrer arischen Abstammung noch nicht durch Urkunden belegt haben, zu den Ariern gerechnet werden.... Der Abgang der Nichtaricr ergilH sich aus einem Abgang von 162 und einem Eilgang von 56 Aerzten. Im Laufe der letzten elf Monate sind also immer noch 56 jüdische Aerztc nach Berlin z u g e w a n d e r t, das s i n d 2,3 <V0 d er in Berlin ansässigen jüdische n Aerztc. Es ist dringend zu wünschen und zu hoffen, daß diesem im Interesse der Gelindheit der Berüncr Bevölkerung durchaus unerwünschten Zuvanderungsdrang der nicht arischen Aerztc nach Berlin durch die Maßnahmen, die gemein-am von Partei, Stadtvcrwaltung und Poli/.ciprii-idium, die gemeinsam von Partei, Stadtvcrtiger Riegel vorgeschoben wird. . . . Während die Zahl der Kassenärzte vor einem Jahre 3041 betrug wurden am 30. Juni 1935 3019 Kassenärzte gezählt. Es Ist also eine Verminderung um 22 zu verzeichnen. Von diesen 3019 Kassen• ärzten sind 1697 — 56,21 <y© Aricr und 1322 0/0 43,79 ־=־ Nichtarier, während vo׳r einem Jahre das Verhältnis der Arier zu den Niehtanem 53.95 : 46,05 00׳ betrug. Hierbei ist beachtlich: 1. daß der Hundertsatz der jüdischen Kassenärzte, wie auch itn Vorjahre, erheblich höher ist als der Hundcrtsi'tz der Nichtarier unter den Aerzten Berlins überhaupt (niimlieh 42,79 : 38.2 «,2;(0־. daß die Zahl der nicht arischen Kassenärzte siel! zwar auch venu in den hat; aber die Abnahme bei diesen beträgt nur 2,26 <y0 gegenüber der Zählung im Vorjahre, wahrend die Zahl der ge-atnten jüdischen Acrzte-chaft־- ־ich 11m glatte 3 0/0 vermindert hat. Dieses Mißverhältnis des Rückganges niditarRcher Kass e n ärzte gegenüber den nichtari-uiien Acr/ten insgesamt ist im Intercs.-c desjenigen 'Feiles der Berliner Bevölkerung, der Ixa den rcieh-gc.->etziichen Krankenkassen verdchor? ist, ganz besonders zu bedauern.“ Jüdische Künstler bei den Salzburger Festspielen An den diesjährigen Festspielen, die mit zirka 15 000 ausländischen Besuchern eine Rckord/.ifffcr erreicht liaben, haben eine Anzahl jüdischer Künstler au prominenter Stelle mitgewirkt. Im Mittelpunkt stand Bruno Walter, der mit dem italienisch gegebenen ״Don Giovanni", der ״Entführung aus dem Serail" und in einem Orchesterkonzert herrliche Proben kongenialer Mo/art-lnterpretation gegeben hat. Aligemeine Bewunderung hat lus/enicrung und Regie von ״Rosenkavalier“, ״Gosi fan tutte" und : Fidelio" hervorgerufen, die dein Regisseur der Wiener Staaisoper, Lothar W a 11 e r s t e i 11, iihertragen worden w aren. Mit großem Erfolg wirkten mit Lotte Schöner, Adele Kern und Emanuei I ist. Weiter errang die bekannte Cembalistin Alice Ehlers in einem Orchcsu:rko!1/ert ״Line Stunde alter Mu• sik“ enthusiastischen Beifall mit ihrem klassischen Spiel von Bach und Mo/arl. Bemerkenswert ist, daß hei einem Empfang, den die ßiiiidesregiening anläßlich des 1 öjalirigen Bestehens der Snl/Burger l'estspieiliausgemeinde gab, die Rede des Bundespräskienten Miklas in dem Dank an den verstorbenen 1 Ingo von Hof m a n!1 s 1 h a 1 und Max R c i nhardt, die geistigen Vater der Sa!/bürg er Eestspiclidee, gipfelte. i )r. M. C arner * ״Inoffiziell“, aber vor einem Publikum von offiziellen Persönlichkeiten, war ein e n g I i s e!1 e r I. i e d c r a 1) e n d vorangegangen, den Rom: Walter gab; Dr. M. Carner, gebürtiger Wiener, aber schon lange in England lebend, begleitete und deutete eins Wesen der Komponisten. Budapester Brie! Von unserem Berichterstatter Budapest, d. 23. August Der ״Pro-Paiästina-Verband der ungarischen Juden“ hat in seiner jüngsten Generalversammlung, als Vertreter der Nicht-Zionisten Ungarns 2 Delegierte und 4 Ersatzdclegierte zur Tagung der Jewisii Agency entsandt. Die Tagung nahm auch mit Gerfugtuung zur Kenntnis, daß sicli dank ihren Bemühungen jüngst die U n g. - P alüstinensisc h e H andciskammer gebildet hat, deren Vorsitz wahrscheinlich Minister a. D. Johann B u d übernehmen wird, in deren Leitung aber nebst dem Präsidenten der Pester Israelitischen Kultusgemeinde, Hofrat Samuel Stern, und sonstigen jüdischeu Prominenten der ungarischen Wirtschaft auch Redakteur Dr. Josei Patai, der langjährige Verfechter des Palästina-Gedankens, sitzen soll. Ein neuer Erlaß des Kultusministeriums ermächtigt die Pester Kultusgeineinde, auch jene Bewohner der ungarischen Hauptstadt, besonders des selbständigen Budapester (Ofner) Villenbc/irkes, mit einer Schulsteuer zu belegen, die nicht ihre Mitglieder sind, aber liier die Quellen ihres Erwerbes besitzen. Man betrachtet dies als den ersten Schritt zur Vereinigung sämtlicher hauptstädtischen Gemeinden. Nachdem die diesjährige Landesvcrsammiung die neuen Statuten der Kongreßjudcnheit dem Ministerium unterbreitet hatte, hat nun auch die Orthodoxie ihre Verfassung׳ des Jahres 1871 und 1 <>03 den veränderten Verhältnissen angepaßt, um Grcn/strcitigkeiten der beiden Parteien zu entgehen. Dr. A. F. Süe/’QöLc Aus dem Hebräischen von Dr. Max Mayer, Jerusalem Nachdruck verboten 1. KAPITEL Die Arbeit 1s das Gerücht über das künftige Werk im Oedland auftauchtc, fühlten die Arbeitsfeld״ in ihren müden Muskeln sogleich, daß sie schließlich, mag dort sein was wolle — Hitze, Fieber, Wildnis --, gehen werden, um an seiner Errichtung teil/.unelunen. Sie werden die Hämmer schwingen, die Felsen zertrümmern, das Eisen schmieden, den Belonbrcj gießen. Mi'irlc von der Arbeit des Tages, von der Ungewißheit, oh es morgen Arbeit gibt, starrten sie nachdenklich und vorsichtig vor sicli hin, wie Leute, die einen schweren Stein wenden wollen: Ein \Y erk im Oedland?! Miitle wie alle Tage saßen die Arbcitsleute in ihren Baracken und in den Speiselmusern, dumpfer Zwang und stilles Sehnen lag auf ihren Gesichtern. Sie saßen und wechselten müde Morte: ״Ein Werk im Oedland?!“ ״Bei dieser Höllenhitz.e dort-" ״Das furchtbare Fieber dort hat uns gefehlt —- —" In ihr Gespräch kräuselt sich das Lächeln des müden Menschen, dem die Arbeit den Körper zermürbt und Stimm«! und Geist kleinlaut gemacht hat. Audi ihre Frauen, die die Sorge um das Morgen um einen Großteil ihrer Lebensfreude gebracht hat, auch. sic rütteln sich in heimlicher Angst auf: ach, immer diese schreckliche Arbeit, die den Körper zermürbt, das junge Gesicht runzlig, das Auge trübe macht! ... Immer diese Miidigkeit, die die Freuden der Lielie aus der Baracke treibt, diese Sorge, die das Lachen verjagt und die Annehmlichkeiten des Lehens vergessen machtI ... Auch die Baracke, die über der Bergsei tc zwischen krummen Olivenbäumen nach der großen Stadt mit ihren hohen elektrischen Drähten hinlugt, auch sie geriet aus ihrer bescheidenen Tagesordnung. Denn als Jizehak, der Steinhauer, gegen Abend heimkam und auf den Ilolzlreppen Atem schöpfte, fragte er C h a n n a, sein M eil): ״Hast du von dem Werk im Oedland gehört, Channa?" Channa, die das Knarren seiner Tritte hört, antwortet unsicher: ״Auch du, Jizehak, willst milgehen?“ ״Ich oder ein anderer. Man wird gehen. Mail sagt, daß Tausende von Arbeitern gebraucht werden: Mechaniker. Ziminerleiile, Baiiarbeilor, Steinhauer und Metallarbeiter.'‘ ״Ich werde dich, Jizehak, nicht gehen lassen. Ich will nicht immer in Sorge sein.“ ״Welche Sorge? Arbeit ist überall Arbeit. —" Er endet seine Bede mit. der breiten Handbewegung eines Steinhauers: ״mul falls ..." Denn Jizehak, der Steinhauer, ist kein Meister in der Darlegung, seine Gesichtshaut spannt sich ein wenig über seine, Backenknochen und sein warmer und gerader Blick gleitet über seine Lebensgefährtin, auf derem jungen Haupte da und dort weiße Haare leuchten. Und falls — Falls man sicher wäre, daß es Arbeit,, die ganze Zeit Arbeit gibt; falls vier Verdienst gut. wäre; falls er am Wochenende mit ruhigem Kopf, ohne Sorge für morgen zurückkäme. . .. Aber Channa erwidert: ״Ich werde in den Nächten nicht schlafen. Immer werde ich das Fieber, die glühende Sonne dort im Oedland vor mir sehen. Am Tage werde ich nicht zur Ruhe kommen. Immer wird es mir scheinen: ein Stein ist auf den Kopf gefallen: eine Maschine hat den Kopf —• — weiß ich was? Ich will nicht!“ Eisen und Stein... In der Stille der Baracke schien es einen Augenblick, als ob Klirren von Metall und Krachen von Felsen hörbar wurden. Ein Felsstück, das sich losreißt und Menschen unter sicli begrübt, eine Maschine, die außer sich gerat und lehondige Glieder abrnßl — — 1 c h will n i e 11 I! Alier der Arhrilsi 11 arm (Teilt an sein Weil) heran und sngt in aller Klarbeit und mit der einem Steinbrucharbeiter ge,- ziemenden ller/t115׳ruhe: ״Es ist noch zu früh, daridier zu sprechen. Das sind ja vorläufig nur (ierüi'lite. | nd wenn inan auch zur ()»׳.Ir gehen wird - - so weiß ich nicht. ol> ich unter denen sein werde, die gehen. 1 nd wenn ich gehe ׳ ■ gehe ich nicht allein, solldern mit Ihinderlen meinesgleichen." Klar. Die Sorge der Frau ward(' geringer: Richtig', er wird nicht allein gehen, sondern mit einem großen Lager von Arbeilslenten wie er. Den 11 außer der Arbeit liaben sie, Jizciiiik und Channa, noch einen Hall,!las ist - die Ivamerad-cliaft mit den anderen Arbeitenden: weder in (ier Entbehrung noch in der Arlrcit sind sie allein... Die stets niiiiloii Arbeilsieule, die die Annehmlichkeit des Lebens entbehren, die Kraft ihrer Arme verkaufen, sind eine starke Gemeinschaft, die Last, Arbeit und Sorge zusammengeschlossen hat. Die Gerüchte «über das M erk wurden immer hartnäckiger, und in den Ruhestunden, selbst während der Mahlzeit am Tische, gehen die Leute unverständliche und kurze Afiehrich• len wieder, wie *las bei ihnen üblich ist. Man sagt, daß ״e r“ den nördlichen See ״heben" will. Daß ״er“ das ganze Wasser ״bei sieh“ sammeln will —- —־ Daß ״er" den salzigen Boden in Gartenland verwandeln will. Anscheinend gibt, 1*s unter »lenen, die diese Morte kurz und einfach ausspreelie», nicht einen, der erklären könnte, wie man einen See ״hehl“, wie man Wasser ״sammelt“, vvio man ein Oedland in einen Ort der Arbeit und des!,ebensunterhalte* verwandelt. Aber — in ihnen allen steckt das naive, tiefschauende Vertrauen, daß es einem Manne, der ihre tausende Muskeln mit der Maschine und der Kraft zusammenzuschweifSen wüßte, nicht versagt, bleiben kann, große und mächtige Dinge zu ״lieben“, zu ״sammeln“ und ui ״verwandeln“. Man sagt, daß ״er“ die Oednis zu bewohntem Land machet» will — auf ״ihn“ könne man sich verlassen...