Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 69 (27.8.1935)
- Date
- 1935-08-27
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 69 27. VIII. 1935 JÜDISCH* RUNDSCHAU Seife 5 geisterung an ihrem Werke nicht erlöschen zu lassen. Bis heute hat das Wort ״Emek“ in Palästina einen besonderen Klang: es ist das Zauberwort, das Tausende der heran wachsen■ den Generation in Palästina dazu gebracht hat, sich mit Bcgeisterung der Landwirtschaft zu widmen, und das bis in die Galuth-Länder wie eine Fanfare erklingt. Der Redner ging sodann auf die Orangcnkultur ein. Er schätzte den Nettobetrag, der durch die Orangen- Pflanzungen der jüdischen Wirtschaft jährlich zu fließt, auf unfefähr 1 Million, den Nettobetrag ans den Produkten unserer iedlimgen einschließlich der Selbstversorgung unserer Siedler auf etwas mehr als eine halbe Million und die sonstigen Einnahmen aus der jüdischen Landwirtschaft auf ebensoviel. Von den 250 000 Dunatti Orangenpflanzungen in Palästina sind 150 000 Dunam in jüdischem Besitz. Vorläufig tragen nur etwa 50000 Dunam jüdische und fast ebensoviel nicht jüdische Pflanzungen Frucht. Aber natürlich treten jedes Jahr neue Pflanzungen in das Stadium der Fruchttragung ein. im Jahre 1940 wird Palästina statt der 7Millionen Kisten, die es im vergangenen Jahre exportiert hat, mindestens 20 Millionen Kisten zu exportieren haben, wovon der größere Teil von jüdischen Produzenten stammen wird. Es ist klar, daß zur Schaffung eines Marktes für dieses große zusätzliche Quantum gewaltige Anstrengungen notwendig sein werden, sowohl durch vermehrte Propaganda für die Jaffa-Orange in allen Absatzländern wie durch sorgfähige Auswahl und Verpackung der Früchte und durch Verbilligung der Produktions- und Frachtkosten zur Herstellung der Koicurrenzfähigkeit mit den anderen Orangen erzeugenden Ländern. Ein großer Teil dieser Aufgabe wird der Regierung zufallen, die im höchsten Maße daran interessiert sein muß, die Orangenausfuhr zu fördern, die mehr als vier Fünftel der gesamten Ausfuhr Palästinas beträgt und der einzig? Lichtpunkt in der Handelsbilanz Palästinas ist. Ein schwerer Schlag für die Orangenpflanzung Palästinas ist es, daß es trotz der Rührigkeit unserer Orangenpflanzer- Verbände noch immer nicht gelungen ist, für die palästinensische Orange die Vorteile des Imperial-Preference- Systems zu erhalten, Ich weiß, daß die Schuld daran nicht an der Mandatsregierung liegt, die gern bereit wäre, Palästina die Imperial-Preference zu gewähren, sondern an dem Widerspruch einiger britischer Dominions und insbesondere an der Besorgnis, daß die Einräumung der Imperial- Preference in Palästina alle übrigen Staaten des Völkerbundes zu gleichen Forderungen an Großbritannien verleiten würde. wenn wir mit Befriedigung darauf hinblicken können, daß es uns gelungen ist, unsere Siedlungen in die Linie aufsteigender Entwicklung zu bringen, so wäre es falsch, die Augen davor zu verschließen, daß auch diese Leistung wie jede menschliche Leistung von Gefahren umgeben Ist. wir sind in keiner Weise sicher, daß das heutige Preisniveau für landwirtschaftliche Produkte sich auch in der Zukunft halfen wird. Schon heute schickt der Jrak mit Lastautomobilen große Mengen von Eiern und Geflügel zu niedrigen Preisen nach Palästina, und mit dem Ausbau der Verbindungen nach diesen Ländern mit niedrigem Preisniveau kann der Import sich auch auf andere landwirtsdiaftliehe Produkte erstrecken. Wir müssen deshalb rechtzeitig daran gehen, unsere Wirtschaft für die Zelten einer De- Pression vorzubereiten, sie krisenfest zu machen. Diese rage der Krisenfestigkeit ist zur Zeit unser Hauptproblem. Wir suchen sie zu lösen, indem wir durch unsere Versuchs- Station die Möglichkeit der Erhöhung der Produktion und der Herabsetzung der Produktionskosten z. B. in bezug auf ,Futterration für die Tiere, in bezug auf die notwendige jWassermenge für bewässerte Kulturen studieren. Aber wir ׳sind noch mitten in diesen Vorbereitungen. So sehr wir das Recht haben, uns über die bisherigen Fortschritte unserer Siedlungen zu freuen, so wenig haben wir Grund zu glauben, daß wir nun auf unseren Lorbeeren ausruhen können. Jedes landwirtschaftliche Unternehmen steht in einem ständigen Kampf mit der Natur, mit der Umwelt und insbesondere mit den landwirtschaftlichen Unternehmungen anderer Liinder, und \^ir werden in alle Zukunft hinein auf der Wacht stehen müssen, damit unsere Siedlungen diesen Kampf sicS־ reich bestehen. Was mich mit besonderer Sorge erfüllt, ist, daß die Fortschritte in der Vermehrung der Zahl der jüdischen Landwirte nicht mit der Vermehrung der gesamten jüdischen Bevölkerung Schritt hält. Mir schwebt für die Juden in Palästina als ideal eine Berufs-Proportion von ein Drittel Land- Wirtschaft, ein Drittel Industrie und Bauwesen, ein Drittel Handel, Touristik, Transportwesen, Beamte, freie Berufe vor. Aber der Anteil der in der Landwirtschaft erwerbstätigen Juden ist weit von dieser Proportion entfernt: er betrug pei der Volkszählung 1931 nur 15 0/0 und heute noch etwas weniger. Das Ist ein viel zu schmaler Unterbau für eine In sich balancierte und gefestigte Volkswirtschaft Die Landwirte sind nicht nur als Produzenten wichtig, sie sind auch die hauptsächlichen Kunden für die Industrie, die ja heute iin wesentlichen auf den Binnenmarkt angewiesen kt. wir müssen alles daran setzen, um die I a n dwirtschaftliche Basis der jüdischen Wirt- Schaftspyramide zu verbreitern, sonst werden wir in Palästina nicht zu einem gesunden wirtschaftlichen Aufbau elangen, und, wenn auch in geringerem Maße, die verängn 16 volle Berufsverteilung der Juden in der Galuth wiedernolen. Es bleibt die Frage, woher wir den Boden für die zukünftige Ansiedlung bekommen werden. Sie wissen, daß der Kauf von Boden in Palästina immer schwieriger wird und daß, wenn Boden auf den Markt kommt, exorbitante Preke verlangt werden. Wir setzen zwar unsere Bemühungen kt bezug auf Boden kauf fort und lassen auch Transjordanien nicht aus den Augen. Aber ich glaube, wir müssen zu gleieher Zelt ernsthaft nach neuen Wegen suchen, Boden für unsere Ansiedlung verfügbar zu machen. Wir haben bisher nur Boden erworben, der Wasser in der Form von Regen vom Himmel erhält oder aus nicht zu großer Tiefe des Unterrundes oder von nahen Quellen und Flüssen bewässert werden ann. Wasser und Boden stehen in Palästina in einem bestimmten Verhältnis: je mehr Wasser der Siedler zur Verfügung hat, um so weniger Boden braucht er; man rechnet, daß ein Boden mit Sommerbewässerung fünfmal soviel Ertrag gibt als ohne Bew ässerung. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, erstens durch Erschließung von mehr Wasser den bereits in unserem Besitz befindlichen Boden für die An- *ledhing einer größeren als der jetzigen Zahl von Familien aufnahmefähig zu machen: zweitens, Boden, der noch nie bearbeitet worden ist und unter den jetzigen Verhältnissen auch nicht mit wirtschaftlichem Erfolg bearbeitet werden kann, durch neue Methoden, besonders durch künstliche Bewässerung, für die Kultur zu gewinnen. Es wird sich hierbei in der Hauptsache entweder darum handeln, Wasser dorthin zu bringen, wo es zur Zelt nicht ist, »et es au• Schichten des Untergrundes, sei es durch Zuleitung von weit her, sei es durch Aufspeicherung der Winterregen. Unsere Industrie hat •ich Im letzten Jahrzehnt mächtig ausgedehnt, obwohl sie mit n!Berordentllchen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte. Vor dem Weltkrieg« war überhaupt keine nennenawerte in• dustrie vorhanden. Dagegen waren im Jahre 1927 in Industrie und Handwerk insgesamt bereits 17 01M) Personen (Juden und Nichtjndeti) erwerbstätig, die Waren im Werte von 3 900 000 Pfund erzeugten. Die Juden waren schätzungsweise hierbei mit 8000 bis 9000 Personen und einer Jahres- Produktion von 2 300 000 Pfund beteiligt. Im Jahre 1933 war die Zahl der erwerbstätigen Juden in Industrie und Handwerk auf 19600׳ mit einer Jahresproduktion von 5(1׳ Millionen Pfund gestiegen, und heute kann man die Zahl der Erwerbstätigen mit 25 000 und die Jahresproduktion mit fast 7 Milli on eil Pfund angeben. Einschließlich Frauen und Kinder leben zirka 50 000 jüdische Menschen von Industrie und Handwerk. Dabei enthält diese Zahl nicht die bei Bauten und öffentlichen Arbeiten beschäftigten Arbeiter, die (ohne Angehörige) 14 000 beträgt. Die Industrie einselpießlich Bauwesen und öffentliche Arbeiten ernährt heute mehr als ein Viertel des gesamten Jischuw. In der neuesten Zeit hat sich die Lage vieler Industriezweige dadurch verschlechtert, daß eine Reihe von Ländern angefangen haben, Palästina als Dumpingplatz für ihre Erzeugnisse zu benutzen und dorthin Waren weit unter dem Preise zu verkaufen, zu welchem diese Produkte in ihrem Ursprungsland selbst abgesetzt werden, oder die Produktionskosten der Ware durch Lohndrtick und Kinderarbeit so zu senken, daß sie jede Konkurrenz atisschließen. Fs ist klar, daß eine junge Industrie eine solche Konkurrenz nicht ertragen kann, und Antidtiniping-Malinahmen sind deshalb eine gebieterische Notwendigkeit. Wenn wir diese unfaire Konkurrenz beseitigen und nur mit der normalen Konkurrenz anderer Staaten zu tun Indien, so hängt die Zukunft unserer Industrie davon ab, in welchem Maße es ihr gelingen wird, importierte Waren durch einheimische Produktion zu ersetzen. Palästina hat im Jahre 1934 für etwa 10 Millionen Pfund Industrieprodukte hergestellt, daneben aber für etwa denselben Betrag Industrie- Produkte importiert. Von diesen 10 Millionen Waren können nach der Meinung Sachverständiger etwa für 5 Millionen Pfund im Lande hergestellt werden. Allerdings muß das R0I1material dazu zu einem großen Teile vom Ausland bezogen werden und mir etwa die Hälfte, 2 500 000 Pfund würde als Arbeitslohn, Profit tisw. im Land bleiben. An dieser Steigerung der Produktion würden die Juden, die jetzt etwa drei Viertel der palästinensischen Industrie in Händen haben und als Konsumenten mehr als die Hälfte aller IndustrieproJulde verbrauchen, den größeren Anteil haben. Darüber hinaus ist eine Ausweitung des Marktes für industrielle Produkte durch die jüdische Einwanderung gegeben. Die Schwierigkeit besteht darin, in Preis und Qualität mit den alten Industrieländern zu konkurrieren, die durch Rohstoffvorkommeti oder durch lange industrielle Erfahrung oder durch billigere Arbeilsiöhne einen Vorsprung vor Palästina haben. Der Ruf nach Zöllen zum Schutz der neuen einheimischen Industrie gegen die entwickelten Industrien anderer Länder ist verständlich. An sich in die Palästina-Regierung, solange sie nicht gegen das Meistbegiinstigungsrecht aller Völkerbundsstaaten verstößt, in der Festsetzung ihres Zolltarifs frei. Sie hat bisher kaum eine bestimmte Zollpolitik kt bezug auf die Industrie im allgemeinen, sondern entscheidet über Tarifänderungen bei einzelnen Waren von Fall zu Fall und hat in den letzten Jahren für die Förderung einzelner neuer Industrien Verständnis und Entgegenkommen gezeigt. Aber sie erhebt immer das Argument, daß sie nicht auf Kosten der Konsumenten eine unbegrenzte Schutzzollpolitik treiben dürfe, die eine Verteuerung herbeiführe. Außerdem bilden die Zölle — maneis einer Einkommens, oder Gewerbesteuer — den wichgsten Einnahmeposten im Regierungsbudget und eine Verdriingung importierter Waren durch einheimische Produktion bedeutet für die Regierung einen Einnahmeausfall. Mit diesen beiden Argumenten müssen wir immer rechnen, wenn wir Zollschutz für unsere Industrie fordern. Wir werden mit der Regierung zu einem Einverständnis gelangen können, wenn wir Zoll schütz nicht für jede noch so aussichtslose Industrie fordern, sondern nur für solche Zweige, die Aussicht haben, durch erhöhten Zollschutz über die Anfangs- Schwierigkeiten jeder neuen Industrie hinweg/.ukommen und dann auch bei mäßigen Zollansätzen mit dein Ausland erfolgreich zu konkurrieren. Wir führen seit vielen Jahren eine Diskussion darüber, ob zur Förderung der Industrie die Gründung einer Industriebank oder richtiger gesagt einer Industrial Development Company zweckmäßig ist.!Mehrere Kongresse haben sich dafür ausgesprochen, aber die Ausführung ist bisher aus Mangel an Mitteln unterblieben. Inzwischen hat der Industriellenverband in Palästina eine Bank zur Gewährung kleiner industrieller Kredite gegründet und die Abteilung für die Ansiedlung deutscher Juden hat einen Teil der Kredite an Juden, die kleine Industrien schufen oder schaffen wollen, über diese Bank geleitet; aber die Bank kann infolge ihrer geringen Mittel ihre Tätigkeit nicht ausdehnen. Sie verlangt jetzt vom Keren Haje&sod oder der Anglo-Palcstine Bank zusätzliches Kapital. Auch der Economic Board in London und die Pal cs! ine Economic Corporation in New York haben Kredite an industrielle Unternehmungen gegeben oder sich an ihnen beteiligt. Die von privatem Kapital gegründete Industrial and Financial Company hat verschiedenen industriellen Unternehimingen Kapital beschafft. Schließlich hat unsere Ang'lo- Palestine Bank eine Abteilung für Imlustriekredite erriefitet. Es ist manchmal behauptet worden, daß bei dieser Sachläge die Schaffung einer besonderen Industriebank oder Industrial Development Company überflüssig oder sogar schädlieh sei, well sie zur Gründling unseriöser Unternehmungen ermutigen werde. Ich habe den Eindruck, daß bisher noch manche seriösen Wünsche von Industriellen auf finanzielle Hilfe oder in bezug auf Langfristigkeit der Kredite unbefriedigt bleiben. So haben z. B. viele Einwanderer aus Deutschland ausgezeichnete Erfahrungen in Industrien, die in Palästina durchaus gute Aussichten haben: aber sie besitzen keine oder zu geringe Mittel und können die vermögensrechtUchen Sicherheiten, welche eine Bank gewöhnlich verlangt, nicht bieten. E* ist die Frage, ob nicht die persönliche Sicherheit, die sie in ihrer technischen Erfahrung, erprobten Tüchtigkeit, Ehrlichkeit MeteUj manchmal ebensoviel wert ist, wie eine auf Sachgüter basierte Sicherheit. Wäre unser einziges Ziel bei einer Kreditgewährung die Erzielung von Gewinnen, so könnten wir es unter Berufung auf da* größere Risiko rechtfertigen, diese Industriellen ihrem Schicksal zu überlassen. Aber da wir da* größte Interesse daran haben, jeden gesunden Keim zu einer Industrie zur Entwicklung zu bringen, so scheint es mir geboten, hier mehr zu tun, als was bei rein bankmäßiger Behandlung üblich ist. Wir haben, scheint mir, hier einen Parallelfall zur Landwirtschaft vor uns: wie die landwirtschaftlichen, so sind auch die industriellen Pioniere nicht von Anfang an bankreif, sondern können es nur «llmjihlich werden. Nach einem Hinweis auf das Meer als Existenzquelle behandelte Dr. Ruppin Fragen der Wirtschaftsplanung und einer noch zu schaffenden Holding Company und ging sodann zu den Methoden der Verwaltung über, Palästina wurde bisher von manchen Organisationen, die dort arbeiten, •1• ein Kokmialiand angesehen. Nicht die Beamten in Palästina, sondern die Leiter der Gesellschaften in Europa und Amerika behielten sich ■das Recht vor, die Tätigkeit zu bestimmen. Ich glaube, daß Palästina jetzt m ü 11 d i g ^geworden und diese Vormundschaft nicht mehr nötig hat. Es ist unmöglich, daß Leute, die mit dem palästinensischen Lehen ohne Kontakt sind, besser wissen sollen, was in Palästina notwendig ist als diejenigen, die dort dauernd wohnen. Das gilt besonders in der gegenwärtigen Epoche, wo sich die wirtschaftlichen Verhältnisse in Palästina so rasch ändern. Die Gesellschaften müssen ihre besten Leute nicht in Europa oder Amerika halten, sondern sie nach Palästina schicken und ihnen erlauben, die Geschäfte nach ihrem eigenen Ermessen zu führen. Die palästinensischen Kunden, insbesondere die landwirtschaftlichen Siedler, haben ein viel höheres Vertrauen zu dem Mann, der die ganze Vcrantwortuhg für alle Geschäfte auf sich nimmt, als für eilten Beamten, der nur eine Durchgangsstation für Beschlüsse ist, die einige tausend Kilometer entfernt gefaßt werden. Ich hin der Ucberzeugung, daß wir unsere Erfolge zu einem großen Teil der Tatsache verdanken, daß die Zio- 11 Istische Organisation der von ihr erwählten Exekutive während ihrer Amtsdauer ganz große Vollmachten gegeben und sie nicht von einer übergeordneten fnstanz in Europa oder Amerika abhängig gemacht hat. Im Anschluß hieran kam l)r. Ruppin auf die Einwanderung von Juden aus Deutschland zu sprechen. Er sagte, daß seit 1933 etwa 25 000 Juden aus Deutschland gekommen sind. Die zur Erleichterung dieser Einwanderung unter dem Vorsitz von I >r. Wei/.maim errichtete Zentralstelle für die Ansiedlung von Juden aus Deutschlam! hat ihre Arbeit im Oktober 1933 begonnen. Treu meinem Grundsatz, in Palästina nicht bürokratisch, sondern in engster Fühlung mit den zu betreuenden Menschen zu arbeiten, habe ich die Arbeit der Zentralstelle mit und nun Teil durch die I litachduth ülej Germania geführt. Sie ist dadurch dauernd ini engsten Kontakt mit den Einwanderern aus Deutschland geblieben und verfügte durch die Mitarbeit von Dr, Tandatier und Dr. Senator auch über eine gründliche Kennt״ nis der Verhältnisse in Deutschland. Ich freue mich, sagen zu können, daß die Einwanderung aus Deutschland, die wie eine I awine unerwartet h c rein brach, sich in Palästina _ viel leichter und besser ״eingeordne!“ hat - um dies beliebte Wort zu gebrauchen als alle früheren groben Einwandeningen. Natürlich kam! bei einer .so großen Entwänderung nicht alles glatt gehen und besonders für die seelisehen Nöte vieler Einwanderer, die aus ihrem vertrauten Milieu mul Beruf heraiisgerissen und in ein fremdes Milieu hiiieiugeworfe» s״׳־(|, gibt es keine Hilfe von außen. Hier kann nur der Einwanderer durch volle Hingabe an das neue Land sich selbst helfen. Die II e b e r f it h r u 11 g v o!1 ni e 11 r a I s 700 J u - ״endlichen aus Deutschland nach Palästina ist über alle Erwartung hinaus geglückt. Ich kann sagen, daß ich während meiner langen Tätigkeit _in Palästina selten so erhebende Momente erlebt habe wie bei meinem Zusammentreffen mit diesen Kindern in Palästina. Sodann wandte sich Dr. Ruppin den Problemen der Zusammenarbeit mit der Regierung in wirtschaftlichen Fragen zu. Er sagte, die englische Regierttng, die seit den Zeiten Cromwells immer Sympathie und Verständnis für die Juden zeigte, habe einen besonderen Anspruch auf unser Vertrauen. Wir müssen ihr entgegentreten, wenn sie gegen den Geist des Mandates handelt, aber auch dankbar anerkennen, wenn sie sich bemüht, das Mandat auszuführen. Wir können sagen, daß die Regierttng in den letzten Jahren mehr Verständnis für unsere berechtigten wirtschaftlichen Wünsche gezeigt hat als früher, aber nach unserer Meinung bei weitem nicht genug. Die jüdischen Einwanderer sind für den palästinensischeu Trcasurer ebenso eine Goldgrube, wie es die Goldminen für Südafrika oder die Petroleumquellen für Irak und Iran sind. Die palästinensische Regierung würde nicht in den letzten fünf Jahren ihr Budget jedes Jahr mit einem hohen Ueberschuß abgeschlossen und eine Reserve von über 5 Millionen Pfund angesarnmelt haben, wenn nicht durch die jüdische Einwanderung ein Goldregen über das Land dahingegangen wäre. Bei aller Anerkennung für das, was die palästinensische Regierung auf dem Gebiete des Wegebaues, der Sanierung, der Sicherheit für das Land getan hat, müssen wir doch sagen, daß die speziell e 1: j ii d i s c 11 e n lut e r essen in vielen Fällen zu kurz kommen. Wir sind der Anskitt, daß die Regierung, die ihre Ueber.schüsse zum alle! größten Teil .- um nicht zu sagen, ausschließlich - der jüdischen Linwamiening verdankt, auch den Bedürfnissen dieser ji'tdi* sehen Einwanderung in besonderem Maße Rechnung tragen soll. Dass kann sie dadurch tun, dal! sie den Landwirtschaftlichen Siedlungen Zufahrtswege schafft, bei der Auffindung von Wasser mithilft, die sanitären Bedingungen vorbessert und dadurch unsere Siedlungen in den Stand setzt, neue Einwanderer auf/uuehmen. Der Redner schloß mit einem Ausblick in die Zukunft, indem er u. a. sagte: Noch vor zehn Jahren konnte man cs wagen zu sagen, daß der Aufbau Palästinas nur eine Marotte von Phantasten sei, Heute ist Palästina im Leben des jüdischen Volkes in einem Maße zur Wirklichkeit geworden, wie niemand von uns es sich vor wenigen Jahren noch träumen ließ. Ohne Palästina wäre die Lage der Juden in der Welt ein einziges Gran in Grau. Palästina ist, wie der Commissiottcr for German Refugees vorgestern richtig betont hat, nicht nur (las Hmtpiauswamlerungsland für die Juden geworden — es hat in den letzten zwei Jahren doppelt so viel jüdische Einwanderer aufgenommen als alle anderen Ein wand erlitt gsUinder zusammen — sondern es ist auch für viele von denjenigen, die nicht nach Palästina auswandem können, der einzige Lichtstrahl in ihrem Leben. Für jeden, der historische und soziologische Zusammenhiingc sehen kann, ist es klar, daß nur Palästina in den letzten Jahrzehnten dem immer weiter um sich greifenden Zerfall des Judentums einen gewissen Halt geboten hat. Immer weitere Kreise unserer früheren Gegner beginnen jetzt einzusehen, daß die früher verspottete 111 ti sion eitles Herzl sich wie so viele mul er e Illusionen in der Weltgeschichte als viel stärker erwiesen hat als alle Berechnungen und Voraussagen der sogenannten praktiselten oder vernünftigen Menschen. Ihnen als denjenigen, die den zionistischen Gedanken seit Jahren und Jahrzehnten vertreten, ist es sicher eine große seelische Genugtuung, daß Sie den heutigen Zeitpunkt erieht haben. Aoer wir sind bei weitem noch nicht am Ende unserer Arbeit. Je finsterer die Wolken sind, «tief sich über dem Jüdischen Volk In den Ländern des Galuth Zusammenhalten, um so größer und um so dringender Ist unsere Aufgabe. Sie müssen weiter die Fackelträger Palästinas in der Welt sein. (Langanhalten-der Beifall)