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Jüdische Rundschau · 1935-08-27 · Heft 69 (27.8.1935) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 69 (27.8.1935)
Date
1935-08-27
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Sefte 4 JÜDISCHE KUNDSCHAU Nr. 69, 27. VIII. 1935 Kaplans Referat Wirtschaft und Finanzen Im Anschluß an Brodetskys Referat hielt in der Nachmit• tagssitzung vom 21. August das Exekutivmitglied Elicser Kaplan ein Referat über die Tätigkeit der Departments für Wirtschaft, Alijah, Finan/en und Organisat i 0 n. Der Referent gibt zunächst einige Ziffern über das Wachstum der jüdischen Bevölkerung und stellt dann die Eiltwicklung der Wirtschaft dar. Für die Entwicklung von Pflanzungswirtschaf• ten haben die Juden bis jetzt nahe an 9—10 Millionen pal. Pfund angelegt. Die Zahl der für die Pflanzungs-Kolonien benötigten Arbeiter beträgt schon jetzt etwa 30 ÜOÜ und dürfte m den nächsten vier bis fünf Jahren 50000 erreiche״. Was die Industrie anbetrifft, so ist die Zahl der jinibchen Werkstätten und Fabriken von etwa imt im Jahre KW) mit einer Investition von etwa einer halben Million Pfund auf 3lüi) Unternehmungen mit einem Kapiial wui 5 111111׳ | ן ןחו tu ml und 19 000 Arbeitern im Jahre FJJJ goiiegcii. Da.-, f e j111>0 des Wachstums im Lande nimmt immer mehr zu und ebenso die Quote der Industrie innerhalb der judisehen Wirtschaft, Der Import von Maschinen für die Industrie stieg von 175 0(K) im Jahre 1932 bis annähernd eine Million Pfund im Jahre 1931. Der Elcktrizitatskonsiim für liiduHrie/wecke stieg von t)600000 Kilowatt im Jahre 1933 auf 12 501)000 im Jahre 1931. Die Exekutive schätzt d;^ gegenwärtig iu der Industrie angelegte Kapital aut 7--71.. Millionen Pfund, den Wert der Produktion auf 7 Millionen Pfund und die Zahl der in den Industrieunter• nchmungen Beschäftigten auf 2! 000—25 000. Die Einnahmen der Regierung, die in den Jahren 1927—1932 durchschnittlich 2 400(1(10 Pfund betrugen, stiegen in den Jahren 193-1/35 auf über fünf Millionen. Der Einnahmeüberschuß der Regierung per Fmk• des gegenwärtigen Rechnungsjahres wird vielleicht sieben Millionen Pfand betragen gegenüber U/,! Millionen Pfund zu Anfang April 1933, Die Regierung selbst alterkennt heute, daß der fiiniiahmezuwachs die Folge der jüdisehen Einwanderung ist. Die rasche Entwicklung des Landes war aber nicht von einer entsprechenden Zunahme der Kraft der Zionistischen Organisation begleitet. Das Defizit wurde immer gröber, und Keren Hajessod und Exekutive waren mit einer gewaltigen Schuldenlast befaden. Die kolonisatorische Tätigkeit mußte im Jahre 1928 unterbrochen weiden. Der Aufbau des Landes befand sich in einer Aufwärts-, die Zionistische Organisation in einer Abwart, Lew egung. Redner spricht von den Schwierigkeiten, die der Exekutive im eigenen Lager bereitet wurden, sowie von dem Irrglauben vieler, daß die ständige Alijah und das Privatkapital allein schon die zionistische Verwirklichung mit sich bringen würden. Aber gerade diese letzten Jahre der Massenalijah haben die zahlreichen Gefahren heutlieh gezeigt, die das Fehlen einer nationalen Gewalt, die den Aufbau regelt, mit sich bringt. Das P r i v a t k :1 p i t a 1, das nach Palästina strömt und gewiß Großes schafft, vernachlässigt viele Bodenflächen, bei denen die inve.-dition nicht gelingend sicher oder der Ge• winn nur klein ist, aber vom Standpunkt der nationalen Wirtschaft und un-erer Zukunft haben gerade diese Invest!• tionen einen unschätzbaren Wert, und daher ist hier eine Tätigkeit im staatlich-nationalen Sinne notwendig. Anschließend .spiidit Kaplan von den Forderungen, die die Zionistische Organisation an die Regierung Pa• iastinas zu stellen hat, Unser Anteil am L r z i e 11 u n g s U n d S a n i i .1 t s b u 11 g e t entspricht weder unserem Anteil an den Einkünften der Regierung noch dem zahlenmäßigen Verhältnis des jüdische» Jischuw im Lande. Auch, für unsere Landwirtschaft tut die Regierung sehr wenig, so daß die ganze Last auf unseren Schultern liegt. Noch größer sind unsere Beschwerden auf dem Gebiet der Industrie, Der Import nach Palästina ist im Jahre 1032 auf 40 Millionen pal. Pfund gestiegen. Bei Pntfaltung der Industrie und mit Hilfe von ח c 11 11 t / z u!1 e 11 seitens der Regurung konnte aber die judi-clie Itldüstne im lande die Hallte des gegenwärtigen Imports tm 1 .uuie erobern, d. 11, sie könnte <3 ׳ . de■- palättiliensi-selu 11 K< 11;;n 11 -- an uidiistnellt 11 Produkten decken. Wällrend aber ui anderen ländern die Industrie von der Regierung aktive I hde -crlult, imiv-en wir bei uns mit Bedauern festste;!(n, daß die Industrie nicht einmal jenes Schutzes teiibaltig wird, der ihr selbst in einem Lande, wo immer ri:e Theorie von der Freiheit des I laiulels herrschte, nämlich in Fngland, gewahrt wir«!. Ln:/ Israel ist mit ausländischen Waren uberndnvemnit und leidet unter schwerem Dumping. Der Import wachst ständig und nähert sic!! dieses Jahr bereits 29 .Millionen pal. Pfund. Erez Israel wird «in wuchtiger Markt für alle Lander der Weit, ohne daß es Kompensationen enthalt. Nur ln wenigen Ländern macht der Wert des palästinensischen Imports einen bemerken«- werten Prozentsatz des Wertes des Fxports au« dem betreffenden Land nach Palästina aus, so für England 60 r׳.o, Deutschland 5(1 ׳״,t Holland 31״־״. ln den meisten anderen Ländern ist dieser Prozentsatz äußerst gering, in Rumänien 6 ״•), Polen 6 Tschechoslowakei 2 ״׳״ u»w. Japan, das 1934 für etwa 600(KK) pal. Pfund nach Palästina exportierte, kaufte in Palästina überhaupt nichts. Unsere Industrie muß gegen die Ueberschwemmung durch fremde Waren geschützt werden. Vor allem ist eine grundlegende Aenderung des ganzen, von der Türkei übernommenen veralteten Zoll- Systems erforderlich, ein Postulat, dem die Zionistische Exekutive Ihr besonderes Augenmerk wird schenken müssen. Wir müssen uns aber klar sein, daß wir für die nächsten Jahre noch nicht hoffen können, daß die Regierung unser Aufbauwerk aktiv unterstützt. Daher müssen wir uns mit unseren eigenen Kräften helfen. Vorbedingung ist die Schaffung einer starken nationalen Kraft, die in die Entwicklung des Landes sowohl auf politischem, kuUureHein als auch wirtschaitliiiicin Gebiet gestaltend eiligreifen kann. Dieses Ziel hat sich die Exekutive bei ihrem Amtsantritt gestellt, und sie war während der letzten zwei Jahre bemüht, ihm zuzustreben. Die Zionistische Organisation muß gefestigt, und sie muß fähig werden, Angriffe von innen zurückzuschlagen und zu handeln. Die Zionistische Organisation darf sich aber nicht damit zufrieden geben, sondern muß immer weitere Kreise ln die Bewegung hineinziehen und die Schekelzahl er und Wähler in einer organisierten Gemeinschaft zusammenfassen, die während aller Tage des Jahres aktiv ist. Ein weiteres Erfordernis für das Gelingen der zionistischen Arbeit ist, daß die Zionistische Organisation die Herrschaft über die Atiiah, über die vorbereitung des Menschenmaterials und seiner Auswahl gewinnt. Gleichzeitig mit der ideologischen Erziehung muß auch die landwirtschaftliche Hachscharah vertieft werden, für die in den letzten Jahren nichts getan worden kt. ln einem weiteren Teil seiner Ausführungen bespricht E. Kaplan die Finanzpolitik der gegenwärtigen Exekutive und Ihre kolonisatorische Tätigkeit sowohl hinsichtlich der Ansiedlung von Arbeitern als auch der Ansiedlung des Mittel- Standes. Der größte Teil der Gelder ist für Kolonisation im Emck Chcfer verwendet worden, wo ein Teil der Siedler bereits seit mehr als fünf Jahren den Boden besetzt hielt und immer noch auf ihre Anstcdlung warteten. Um die Ansiedlung von Kreisen aus dem Mittelstand besser zu organisiereu, hat die Exekutive einen speziellen Delegierten, Herrn Zwi Liebenriann, ins Ausland geschickt. Verschiedene Pläne konnten infolge der Verringerung der Einnahmen aus Anierika nicht verwirklicht werden. Bereits in der letzten Sitzung des Aktions-Comitds hat der Redner über die Errichtung zweier neuer Flnanz-lnstrume nte gesprochen, einer Bank für Indu&trie und einer Bank für Landwirtschaft, die den kleinen und mittleren Landwirt in seinem schweren Existenzkampf im Lande unterstützen soll. Die Exekutive hat beschlossen, diese Institutionen gemeinsam mit der A. P. C, und mit den interessierten Kreisen zu errichten, ihr Beschluß ist auf eine ziemlich scharfe Kritik von einigen Persönlichkeiten gestoßen, die auch in einer Broschüre, die im Kongreß zur Verteilung gelangt, ihren Niederschlag gefunden hat. Dr. Ruppin gab zunächst einen Rückblick auf die Arbeit in dem vergangenen Vierteljahrhundert. Unsere Aufgabe am Beginn der Epoche war, eine möglichst grolle Zahl von Juden in Palästina Wirtschaftlieh zu verwurzeln. In tiirkischer Zeit gab es keine Volks* Zählungen. Nach den besten Schätzungen waren in Palästina im Jahre 1910 70 000 Juden vorhanden, wovon zwei Drittel von Chalukka lebten. Bis zum Weltkriege hatte sich die Zahl auf 85 000 erhöht Im Welt• kriege verminderte sich die Zahl durch Austreibungen und Seuchen auf 65 OdO. Bei der ersten Volkszählung Im Jahre 1922 wurden 83 0®, bei der zweiten Volkszählung im Jahre 1931 175 000 Juden gezählt. Heute, nach einer mehrjährigen Periode wachsender Ein- Wanderung, ist die Zahl der Juden auf 350 000 zu schätzen, von denen kaum 10 0/0 von Chalukka oder sonstigen Unter- Stützungen, dagegen 90 «0 von ihrer Arbeit leben. Wir bilden heute 27 °,״ der Oesamtbevölkerung Palästinas gegenüber 11 0/0 im Jahre 1922. Ist cs gelungen, diesen Juden zu einer gesunden Existenz zu verhelfen? Lassen Sie mich meine Ausführungen hierüber mit demjenigen Teil unserer Arbeit beginnen, der mir immer als der wichtigste erschienen ist und besonders am Herzen lag, der Landwirtschaft. Der Weg unserer landwirtschaftlichen Kolonisation war durch viele Hindernisse erschwert• Bis zum Jahre 1920 hatten wir in Palästina kein Instrument zur Finanzierung der landwirtschaftlichen Siedlungaarbeit. Der Keren K a j c m e 111 hatte an einigen Stellen Boden erworben, aber Leute, die sich mit eigenem Kapital auf diesem Boden ansiedeln wollten, gab es nicht und den Arbeitern, die bereit waren, sich auf diesem Boden anzusiedeln, fehlte das nötige Kapital. Unter diesen Umständen glich der Jüdi sehe Nationalfonds, so wichtig er war, einem Messer ohne Schneide. Seine Böden waren in Gefahr, jahrelang unbearbeitet zu bleiben und von der Regierung oder von den Nachbarn okkupiert zu werden. Aus unseren geringen Mitteln konnten wir bis zum Weltkrieg nur fünf STetUungspunkte mit etwa 100 Siedlern errichten. Erst durch die Gründung des Keren Hajessod im Jahre 1920 wurde diesem Zustande ein Ende gemacht. Erst von diesem Jahre an beginnt eine systematische Ansiedlung auf Boden des Nationalfonds rn.'t Mitteln des Keren Hajessod. Der Keren Hajessod kann mit Recht für sich das Verdienst in Anspruch nehmen, daß er vor 15 Jahren in einem entscheidenden Moment unserer Geschichte die Siedlungstiitigkeit in Fluß gebracht hat und damit — getreu seinem Namen — den Grund m der ganzen folgenden Entwicklung gelegt hat. Wir konnten nicht einfach die Wirtschaftsform des Fellachen nachahnien, die nicht das Existenzminimum eines Kulturmenachen abwirft, sondern mußten uns den Weg zur Schaffung einer unsere Siedler ernährenden neuen Wirtschaftsform .Schritt für Schritt erkämpfen. Langwierige Kreuzungsvcrsuche zwischen verschiedenen einheimischen und auswärtigen Rindviehrassen waren nötig, um eine Rasse hervorzubrjujjen, welche Widerstandsfähigkeit gegen Klima und Krankheiten mit größter Milchergiebigkeit vereint. Anbauversuche mit den verschiedensten Grün futterarten, Bau von Silos zur Futterauf Bewahrung, langjährige Fütterungsversuche im Stall lehrten uns die beste und biliigite Art der Fütterung der Kühe. Die wichtigste Frage ist die nach den Aufgaben der Exekutive und der Fonds. Man ist sich klar darüber, daß di« entscheidende Aufgabe darin liegt, den zurück- «bl (ebenen Wirtschaftszweigen zu helfen und auptsächlich auf dem Gebiete der Erwerbung des Bodens und der schweren Landwirtschaft zu arbeiten. Zu diesem Zweck hat die Exekutive auch beschlossen, das Kapital der Palest ine Land Development Company zu vergrößern. Mit einigen Worten streift der Redner auch die steigende Bedeutung des Versicherungswesens in Palästina. Da eine gesetzliche Regelung in Palästina fehlt und auch keine Regierungsaufsicht über die Versicherungsgesellschaften besteht, gehört es zu den Aufgaben einer zentralen nationalen Institution, einerseits für den Versicherten und andererseits dafür zu sorgen, daß das Vermögen, das sich anhäuft, zum Wohl« des Landes investiert wird. 90 0/0 der Versicherten sind Juden. Es muß neuerdings die Möglichkeit der Errichtung einet nationalen Versicherungsgesellschaft geprüft werden. Während der letzten Jahre, so führt Kaplan weiter aus, gelang es, den N i e d e r g a 11 g in d e n E inna h men der Fonds aufzuhalten und einen Aufstieg herbeizuführen. Diese Tatsache ermöglichte es, die Ansiedlungstätigkeit zu erneuern. An den großen Aufgaben aber, die zu erfüllen sind, gemessen, ist unsere Kraft noch schwach. Rechnet man mit einer Alijah von 50 ÜOÜ Menschen jährlich und will man ein Viertel oder sogar nur ein Fünftel davon auf dem Lande ansiedein, so bedeutet dies die Ansiedlung von mindestens 1000 Familien und ein Ansiedlungsbudget von 350000 bis 400 000 pal. Pfund jährlich. Bei der Festsetzung des Budgets darf nur mit den tatsächlichen Einnahmen gerechnet werden. Um die notwendigen Mittel zu mobUlsic• ren, hat die Exekutive u. a. die Errichtung von drei Wassergesellschaften beschlossen, zweier Gesellschaften im Emck und einer allgemeinen Gesellschaft mit Hilfe der Abteilung für die An- Siedlung der deutschen Juden. Die Exekutive hat auch beschlossen, den Beschluß dis Kongresses vor zehn Jahren bezüglich der Errichtung einer K 01 o n i s a t i o 11 s g c s e 11 Schaft zu verwirklichen. Diese Gesellschaft wird ihre Tätig• keit aufnehmen, sobald der Kongreß und die Exekutive einen Ansiedlungsplan für ein oder zwei Jahre festgesetzt haben werden. Die Exekutive denkt daran, diese Gesellschaft als Aktiengesellschaft zu errichten. Der Zionistenkongreß muß der Exekutive hinsichtlich dieser Kolonisationsgesellschaft und auch Im übrigen die Vollmacht geben, alle zur Mobilisierung neuer Mittel erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen- Aehnlich wie in der Milchwirtschaft ist der Fortschritt _ in der Geflügelhaltung. Wir ernten jetzt als Resultat der Selektion aus den verschiedenen Weizensorten und infolge besserer Bodenbearbeitung 140 kg Weizen vom Dunam an Stelle der 60 kg, mit denen wir vor 25 Jahren begannen, — Wir haben die Anpflanzung von Grapefruits und Obstbäumen mit Erfolg in Gebieten begonnen, in denen sie früher unbekannt war. Ueberall zeigt sich Fortschritt dank der nie rastenden Initiative und Intelligenz unserer Siedler und der Wissenschaftliehen Arbeit unserer landwirtschaftlichen Versuchsstation. Die Produktionssteigerung unserer Siedlungen kommt am besten darin zum Ausdruck, daß die Gesellschaft ״Tnuwah“, welche die meisten Produkte unserer landwirtschaftlichen Siedlungen vertreibt, im vorletzten Jahre bir T 209 000, im letzten Jahre für .C 291 (KK) Produkte unserer landwirtschaftlichen Siedlungen verkauft hat und wahrscheinlich in diesem Jahre C 400 000 erreichen wird. Dazu kommt noch der Erlös aus Getreide durch den Hamaschbir und aus Orangen und Grapefruits durch die Gesellschaft Hit im Betrage von £ 80 000. Dr. Ruppin setzte sich hierauf mit den Kritikern auseinander und behandelte in diesem Zusammenhang insbesondere die Kritik der gemischten Wirtschaften der Kwuzalt und die Kritik wegen verspäteten Abschlusses von Verträgen mit den Siedlern. Im Anschluß hieran führte er aus, daß gleichzeitig mit dem Abschluß der Verträge mit den Siedlern die Vorbereitungen zur Gründung einer Ansiedlungsgesellschaft getroffen wurden. Wir wollen alle Darlehen, die aus Geldern des Keren Hajessod zum Zwecke der Ansiedlung gegeben werden, über diese Gesellschaft leiten, die natürlich unter unserer Kontrolle stehen wird. Wir hoffen auf diesen! Wege größere Einheitlichkeit, Stetigkeit und Sachkünde in der Gewährung von Ansledlungsdarlehen zu erzielen und in den Siedlern die Ueberzeugung zu stärken, daß es sich uin bankartige Kredite handelt, deren pünktliche Rück- Zahlung dem Siedler nicht weniger obliegt wie bei jeden» anderen Darlehen. Die Kolonisationsgesellscnaft wird vielleicht auf Grund ihrer Einnahmen aus den Verträgen mit den Siedlern Darlehen aufnehmen und dadurch die Ansiedlungstätigkeit erweitern können. Es ist das A und O meiner Erfahrung, sagte Dr. Ruppira weiter, daß jüdische landwirtschaftliche Kolonisation, die von Siedlern unter dem Drucke wirtschaftlicher Not lediglich aus materiellen Gründen begonnen wird, keinen dauernden Bestand hat. Die Geschichte der jüdischen Kolonisation in allen Ländern zeigt uns, daß der Jude, der nur aus wirtschaftlichen Gründen zur Landwirtschaft überging, bei einem Wechsel der wirtschaftlichen Verhältnisse sie zu verlassen bereit ist. Land- Wirtschaft muß dem Siedler mehr als Irgendein Geschäft, mehr als eine bloße Existenzquelle sein, wenn er und seine Kinder dabei ausharren sollen; es muß die Ueberzeugung dazu kommen, daß er an einem Werke mitarbeitet, das nationalen Wert hat, daß von seiner Arbeit der Erfolg oder Mißerfolg einer großen Sache abhängt, die ihm teuer Ist. Nur wenn es gelingt, diese Ueberzeugung in unseren Siedlern aufrechtzuerhalten, werden wir den Bestand einer jüdisehen Landwirtschaft auf Generationen hinaus sichern. Aus dieser Sachlage heraus haben wir uns in der Vergangenheit bemüht, in den Siedlern diejenigen Oefühlsmomcnte zu stärken, welche sie veranlassen, gegen den wirtschaftlichen Strom zu schwimmen und Härten auf sich zu nehmen, die Ihnen In anderen Berufen erspart geblieben wären. Das taten wir in der Form, daß wir die Initiative der Siedler weckten und ihnen das Gefühl gaben, daß sie nicht Werkzeuge in unserer Hand, sondern gleichberechtigte Mitarbelter an einem gemeinsamen Werke sind. Wenn ich auf etwas stolz bin, so ist es darauf, daß es mir gelungen ist, die Klippe des gegenseitigen Mißtrauens zwischen _ den Siedlern und der Verwaltung, an der so viele Kolonisation«- Unternehmungen gescheitert sind, zu vermelden und in den Siedlern trotz aller Schwierigkeiten die Freude und die Be- Ardu< Ruppins Referat 25 Jahre Sie dlungfs arb eit tote: Arcbi> t ■ Die Forderung der Stunde — Neuer Boden für neue Kolonisation Spenden an den KEREN KAJEMETH LEJI3RAEL, BERLIN W15, MeineksetraOo 10 * Postscheckkonto: Berlin 28247

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