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Jüdische Rundschau · 1935-08-27 · Heft 69 (27.8.1935) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 69 (27.8.1935)
Date
1935-08-27
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 69. 27. Vin. 1935 erst in der zweiten Woche die Kontur des Kongresses sich schärfer abzuzeichnen. Man sagt, daß dieser Kongreß den Gedanken der Sammlung der Volkskräfte proklamieren soll, so wie der VIII. Kongreß (1907) den Gedanken der praktischen Palästinaarbeit (Sprinzak brachte diese Analogie). Chaim Weizmann war es, der damals den entscheidenden Durchbruch führte, und er ist es, an den sich auch diesmal bei der Parole von heute die Erwartungen knüpfen. Aber ein solches Resultat ist nicht durch Diskussionen zu erzielen, sondern nur durch einen Akt des Willens, über all das (bekannte) Trennende hinweg, um wichtigerer Interessen willen zur Einheit einer Aktion zu gelangen. Die Probleme der Einw anderungdeutscher Juden nach Palästina und deren Ansicdlung wurdet! in der Generaldebatte nicht im einzelnen behandelt, aber aus vielen Reden war die Ueberzcugung zu hören, daß dies eine der wesentlichsten und positivsten Lei- Sitzung von Donnerstag, 22. August 1935, abends 8.30 Uhr Präsident Weizmann verliest Begrüßungsschreiben von Lord Mckiiett, Sir Norman Angel, Lord Snell, dem bekannten Mitglied der Shaw-Kommission, die nach den Unruhen im Jahre 1029 eingesetzt wurde, Lady Snowden, Sir John Rüssel und Vardervekle. Hierauf beginnt die Generaldebatte . J0S. Snrinzafc (Poale Zion — Hitachduth) krrtisiert die t laltimg des Misraehi, die nur unter Bedingungen am Kongreß initzuarbeiten erklärt haben und wendet sich scharf gegen die von seiten des Misraehi erhobenen Schmähungen der jüdischen Arbeiterschaft, Er fordert den Misraehi auf, seine Forderungen nicht durch Verleumdung und Drohungen, sondern durch eigene Erziehungsarbeit und gutes Beispiel diirchztisetzen.! );*hei ist zu sagen, daß die Erziehung des jüdischen Volkes nicht etwa nur Aufgabe des Misraehi allein ist. Ls gilt, jüdische Massen, die mit ihrem ganzen Ualuthwesen nach Palästina kommen, in den Typus des neuen jiidisehen Menschen iini/uwandeln. Zur Tätigkeit der Exekutive bemerkt der Redner: Auch seine Partei werde so manches gegen diese Exekutive vor/ubringen haben, vielleicht gerade die Tatsache, daß die Einwanderung der Clialuzim in den Tagen dieser Exekutive stark zuruckgegaugeii ist. Aber dies wird nicht um der Kritik willen geschehen, sondern weil wir gerade heute Kräfte brauchen, die das Leben in Palästina zionistisch gestalten können. Unzufriedenheit herrsche in den Reihen seiner Parteifreunde auch darüber, daß Zchntausendc von Chaluzim zu Tagelöhnern geworden sind, statt die nationalcn Machtposten in Erez Israel cinzunchmen. Aber auch das muß gesagt werden, daß die gegenwärtige Exekutive eine schwere Erbschaft übernommen hat und es ihr gelungen ist, die zionistische und kolonisatorische Tätigkeit in zielsichere Bahnen zu leiten. Sie hat Schluß gemacht mit der Hysterie im Zionismus. Zu den!»olitischcn Fragen übergehend, fordert der Redner die Zerstörung der chinesischen Mauer, die zwischen Juden und Arabern aufgerichtet ist. Vor allem aber erblickt er den Schwerpunkt des XIX. Kongresses in der Organisierung der Volkskräfte um den Zionismus, Ein Rückfall in den alten Parteienstreit nach dem Kongreß würde mit der Zerstörung des Zionismus gleichbedeutend sein. Dr. Goldmann (W eitvercinigung der Allgemeinen Zionisten) begründet die SchaMutig seiner Partei mit der Notwendigkeit, den Allgemeinen Zionismus, der einer gewissen Degeneration verfallen sei, zu erneuern. Der Zionismus habe die entscheidende historische Probe, nämlich den Beweis, daß er imstande ist, ein Gemeinwesen zu bauen und zu einem Staatsvolk zu wenden, das das gemeinsame Interesse den Gruppeninteressen voranstellt, noch nicht erbracht. Geradezu burlesk mute es aber an, wenn eine Pariei, die nicht müde wird, vom Judenstaat zu schreien (Revisionisten), diesen ״Judenstaat unterwegs“, lange bevor wir ihn noch haben, zerbrechen will. Seine Partei erblicke das Ziel des erneuerten allgemeinen Zionismus gerade in der Wiederbelebung des Solidaritätsgefühls und in der Erweckung des Staat•• hewußtseins des jüdischen Volkes. Mit dem Wachstum der Arbeiterpartei sei es, so sehr er seine Bedeutung anerkenne, nicht getan. Vielmehr müsse zwischen derselben und dein anderen Flügel noch eine Gruppe stehen. Die Verwirklichung der Konzentration der jüdischen Kräfte in einer politisch realen i onn, erblickt der Redner in der großen Koalition, die sowohl die Majorität wie auch die Minorität berechtigt und verpflichtet. Ungeachtet dieser Forderung fiir die Zukunft anerkennt Dr. Goldmann, daß die gegenwärtige Exekutive dank ihrer Homogenität sich als schöpferisch und leistungsfähig erwiesen hat. Zur außeiipoli* tischen Situation bemerkt der Redner, daß man bei aller Kritik sagen müsse, daß im großen und ganzen die Politik der Mandatarm acht uns die faire Möglichkeit einer loyalen Kooperation mit ihr gegeben hat. Er hofft, daß trotz der drohenden, schweren Belastung durch das Problem des Legislative Council, in dessen Ablehnung sich alle Gruppen der Organisation einig seien, diese Kooperation mit der Mandatarmacht auf anderen wichtigen Gebieten aufrechterhalten bleiben Wird. Dr. I. Schwarzbarth gibt die Stellungnahme des ״W eit- Verbandes der Allgemeinen Zionist e n“ wieder, ln der gegenwärtigen Zeit, in der alle Meinungsverschiedenheiten vergessen werden sollten, mache die Zionistische Oranisafion eine schwere innere Krise durch, weil der Parteien- _ airipf seine höchste Stufe erreicht hat. Die Jewish Agency ist im wesentlichen gescheitert. Und wenn sich eine neue Organisation gebildet hat. die Unruhe und Anarchie in die zionistische Bewegung bringt, so trägt die Taktik des Organisationsdepartments der Exekutive mit einen Teil der Schuld daran. Es war fast eine Parteitaktik, die in einem Meer von Bürokratie ertrank. Redner hofft, daß die gesamten Kräfte des Zionismus wieder vereinigt werden können. Die Rede von Ren Gurion bezeichnet er als eine hochpatriotische; deren Losungen aber mit den Tatsachen, die von der Partei Ben Gurions geschaffen werden, im Widerspruch stehen. In der Schulpolitik des linken Flügels, wie des Misraehi erblicken die Allgemeinen Zionisten eine große Oefahr für das Ziel des Zionismus. Sie halten den Vertrag zwischen Histadruth und Waad Leurrii betreffend Schulwesen für unannehmbar, weil er den national kulturellen Riß im jüdischen Volk sanktioniert. Es müsse in Erez Israel ein einheitliches Schulwesen geschaffen werden. Auf dem Gebiete der Politik erklärt sich der Weltverband mit der Exekutive zufrieden, weil er eine!große Aenderung in der Einstellung der Exe» kutive zu politischen Fragen in den letzten sechs Jahren stungen der lebten Kongreßperiode gewesen ist. Qanz abgesehen von dem großen Eindruck, den Miß Szold mit ihrer Darstellung der Jtigend-Alijah machte, ist sich der Zionistenkongreß wohl bewußt, welche verantwortungsvolle Aufgabe dieser geschichtliche Moment dem Zionismus zuweist. Nur der Redner der Judenstaatspartei hat, wie an allem, auch daran Kritik geübt, und mit Recht hat Rubaschoff der Verwunderung Ausdruck gegeben, daß Herr Großmann von der starken Wirkung der Persönlichkeit von Miß Szold und von der Aufgabe, der sie sich hingegeben hat, nichts verspürt habe. Daß im übrigen der Redner der kleinsten oppositionellen Gruppe auch sonst gegen die mit der Einwanderung aus Deutschland verbundenen Maßnahmen und die Form des Kapitaltransfers Stellung nahm, sei nur nebenbei erwähnt, denn es besteht kein Zweifel, daß die große Mehrheit des Kongresses die Bedeutung dieser Arbeit und ihre positiven Seiten voll zu würdigen weiß. festgestellt hat. Dagegen wirft der Verband der Exekutive mangelnde Energie in der Frage der Einbürgerung, der arabischen Einwanderung und der illegalen Einwanderung vor. Bezüglich des Legislative Councils hofft der Redner, daß die künftige Exekutive keine Schwäche zeigen und sich nicht in die Stellung einer bloß passiven Resistenz begeben wird. M. Großmann, London (J u d e n s t a a t s p a r t e i): Die gewaltige Prosperity und die Einwanderung von 100 000 Juden in den letzten zwei Jahren haben den politischen Status der Juden in Palästina nicht verstärkt. Unser Einfluß auf den Regierungsapparat ist kleiner geworden, ebenso die Zahl der jüdischen Beamten. Auch unser Anteil am Budget ist gering. Wir haben eine jüdische Einwanderung, aber keinen Aufbau des Judenstaates. Wir schaffen in Palästina ein jüdisches Golus. Der Jischuw ist größer, aber ärmer geworden. Im weiteren beklagt sich der Redner über die Majorisiorungsolitik der Mehrheitspartei. Für alle, die außerhalb dieses agers stehen, sei das Leben sehr bitter, jeder, der nicht so denkt, wie jene, werde erstickt. In der Exekutive sollen die Arbeiter kraft ihrer Zahl die Mehrheit haben, in den Palästina-Acmtcrn, im KKL. und im KH. und in den Schekelkommissionen müsse dagegen das Prinzip der Parität herrsehen, ürollmaiin will die jüdische Öffentlichkeit warnen, weil der Jischuw in Palästina heute, am Vorabend eines großen Sturmes in der Welt, politisch, ökonomisch und strategisch ganz schutzlos dasteht. Weiter kommt OroBmann auf die Arbeit der Abteilung für deutsche Juden zu sprechen und übt erneut heftige Kritik an dem Transferabkommen. Als er der Anglo Palestine Bank, die mit nationalcn Geldern geschaffen ist, die Verwendung von deuts c h c m Zement für ihren Neubau vorwirft und die Arbeiter beschuldigt, eine Gruppe der nationalen Jugend, die vor dem Bau gegen dieses Verhalten der Bank demonstrierte, überfallen und geschlagen zu haben, kommt es zu erregten Zwischenrufen von vier Linken und zu heftigen Auseinander- Setzungen, in die das Präsidium wiederholt mit Ordnung«- rufen eingreifen muß. Schließlich richtet <iroßmann noch an Dr. Weizmann, den er als den auf dem letzten, Kongreß gewählten ״Hochkommissar für deutsche Flüchtlinge״ bezdehnet, die Anfrage, Was mit den Geldern für die Kolonisierung deutscher Juden getan worden sei. Als letzter Redner des Abends nimmt Seren! (Ar beiter partei) in scharfer Weise gegen die Ausführungen von Großmann Stellung, wobei es zu großen Lärmszenen kommt. Unter stürmischem Beifall der Kongreßmehrheit erklärt Sereni weiter, dal! seine Partei die Katastrophe der deutsehen Juden nicht als Stoff für Proklamationen verwenden, sondern die jüdische Frage in Deutschland zu einem machtigen Hebel für den Aufbau Palästinas gestalten wolle. Schluß der Sitzung 11.40 Uhr. Sitzung vom Freitag, dem 23. August, vorm. 10 Uhr Harzfeld (Arbeitertraktion) bedauert hei aller Anerkennung der i!1 den letzten Jahren erreichten Erfolge, daß die entscheidende landwirtschaftliche Ansiedlung im Hintertreffen geblieben ist. Den Angriffen der Opposition auf die Arbeiterorganisation gegenüber weist der Redner auf die große Leistung derselben hin, als einzige• große Bodenflächen im E in e k (. 11 e f e r besetzt zu haben, eine Leistung, die dem ganzen Volk zu besonderer Ehre gereicht. Als Hauptaufgabe des Kongresses bezeichnet Mar/rcld die Aufstellung eines S i e d 1 ti 11 g s p 1 a!1 e s für die nächsten Jahre, wobei man sich nicht von der Prosperity im Lande blenden lassen dürfe. Wenn von einer Alijah von jährlich 50000 Juden 10 0'״, also 5000 Menschen, d. i. ungefähr 1200 Familien, auf nationalem Boden mit nationalen Mitteln angesiedelt werden sollen, so erfordere dies mindestens eine halbe Million Pfund. Der Redner würdigt die Siedlungen niittclstäudischer deutscher Juden in Karkur, jtn Emek Sebulon und itn Fmek Chefcr. Dr. Schipper (W e 11 v e r e i n i g u n g Allgem. Zionisten, Polen) postuliert die Ausgestaltung des Arbeitsamtes zu einem Instrument, das auch die Regelung von Konflikten zwischen Kapital und Arbeit übernimmt, sowie die Schaffung eines Wirtschaftsamtes, das alle wirtschaftlichen Aufgaben und Arbeiten in Erez Israel konzentriert, und endlieh einer Kontrollkammer, die den gesamten Verwaltung«- und Wirtschaftsapparat kontrolliert. Die Voraussetzung fiir einen Erfolg in allen diesen Fragen erblickt auch dieser Redncr entscheidend in einer starken Zionistischen Organisation. An die Adresse des Weltverbandes richtet er die Bemerkung, daß 'die Weltvereinigung aufrichtigen Einigun'gsrufen stets ein williges Ohr schenken werde. Dr.Schmorak (Weltverband Allgem.Zionisten, Lemberg) übt Kritik an der Exekutive, deren Tätigkeit, abgesehen vom Fortschritt in der Alijah und der Konsolidierung der Finanzen auf allen Gebieten eine passive Bilanz aufweise. Die Exekutive habe die großen Möglichkeiten nicht ausgenutzt. Die Mandatarmacht habe noch immer nicht die politischen und wirtschaftspolitischen Bedingungen geschaffen, deren der Aufbau des Landes bedarf, und dies könne leicht die Ursache einer Krise im Lande werden. Auf dem Gebiet der landwirtschaftlichen Kolonisation sei es der Exekutive nicht gelungen, eine harmonische Zusammenarbeit zwischen Privatkapital und nationalen Fonds zu erzielen. Redner fordert die Herstellung des sozialen Friedens in Erez Israel unter vollem Schutz ebenso sehr der legitimen Arbeiterinteressen wie des Kapitals und der mit kleinem Kapital einwandernden Menschen. Die Exekutive sei parteipolitisch gewesen und habe nicht die nötige Objektivität gehabt, um dieses wichtigste Problem des sozialen Friedens zu lösen. Salrnan Rubaschow (A r b e i t e ז f ra kt I o n) verteidigt gegenüber (iroßmann die lugendalijah. In der Einstellung von Menschen wie Miß Szold, Shmarya Levin, Bialik, Brandeis und Chaim Weizmann, die den wirklichen progressiv« Zionismus verkörpern, zur Arbeiterschaft, erblickt Rubaschow den Beweis, daß eine Synthese aller produktiven Kräfte im Zionismus möglich ist. Das Problem der Bodenspekulation und ihrer wirksamen Bekämpfung beweisen, daß die nationale Idee des Zionismus durch die sozialen Ideen ergänzt werden müsse. Zusammen mit der Bodenspekulation müsse auch jene Tendenz, die dein jüdischen Arbeiter sein Recht und seine Ehre zu nehmen versucht, radikal ausgerottet werden. Die geschlossene Einheit der gesamten Arbeiterwelt ohne Unterschied der Partei bilde die Grundlage des jüdischen zionistisehen Aufbaus in Erez Israel. Den Schluß seiner Ausführungen widmet Rubaschow den hinter einer hohen Mauer lebenden und zum Schweigen verurteilten Juden Rußlands. Ab. Goldberg (Weltvereinigung Allgem. Zionisten, Amerika) erklärt seine Zufriedenheit mit der Rede Ben Gurions, die beweise, daß man eine Teilung und Spaltung wohl vermeiden kann. Eine einige Zionistische Organisation werde mit ihren berechtigten Forderungen, insbesandere derjenigen nach freiem Eintritt der Juden ins Land zu beiden Seiten des Jordan, viel eher offene Ohren finden. Goldberg hält es für notwendig, 200 000 Juden aus Deutschland nach Erez Israel zu bringen. In diesem Zusammenhang unterstreicht er die Bedeutung der Tatsache, cfaß das jüdische Volk zum erstenmal in seiner Oeschichte auf ein Unglück, das es trifft, mit einer konstruktiven Tat geantwortet hat. Er schließt, indem er für eine breite Koalition plädiert. Supraski (Weltverband Allgem. Zionisten, Palästina) anerkennt den tatsächlichen großen Fortschritt im Lande und insbesondere auf dem Gebiet der Alijah, der auf Rechnung der Zionistischen Exekutive gebucht werden muß, äußert aber im weiteren eine Anzahl von Bedenken. Eine Verwirklichung der neuen Wirtschaftspläne hält Supraski nur für möglich, wenn in der Führung der Geschäfte im Lande und im Jischuw grundsätzliche Neuerungen durcligeführt werden. Die Industrie Palästinas könne nicht größer und stärker werden und ebenso wenig die Alijah, wenn die Arbeitslöhne in einer kurzen Zeit u!n 40 0/0 steigen, wenn man Tozereth Haarez vernachlässigt und Dumping-Waren kauft, wie dies gute Zionisten ohne Unterschied der Partei tun. Basan (Kairo) spricht für die sephardischen Juden und erklärt, daß viele derselben durch die Ereignisse in anderen Staaten in die zionistischen Reihen geführt worden sind. Er verweist auch auf die Leistungen der Juden Bulgariens sowie der Scphardim der anderen Länder hin. Die Sephardim haben Vertrauen zur Jewish Agency, wünschen aber, daß ihnen eine größere Zahl von Zertifikaten und ihrer Jugend Hachscharahmöglichkciten gewährt werden. Schluß der Sitzung 1 Uhr mittags. Sitzung von Freitag, den 23. August, nachm. 3 Uhr. Chasan (Haschomer Hazair, Arbeiterfraktion) weist ebenfalls aut die Disproportion in der Entwicklung der jüdischen Stadt und des jüdischen Dorfes hin. Die jüdischen Arbeiter werden von ihren in der Landwirtschaft errungenen Arbeitsplätzen verdrängt. Er wundert sich, daß noch kein Wort darüber gesprochen wurde, daß für das Aufbauwerk nur kurze Zeit bleibt und insbesondere dafür gesorgt werden muß, daß der Jischuw nicht in den drohenden Krieg im Orient hineingezogen werde. Chasan postuliert das Primat der chaluzischcn Alijah, ohne die das jüdische Dorf und der Kampf um jüdische Arbeit unmöglich sind, sowie einen nationalen Plan beim Aufbau der Wirtschaft des Landes. Der Misraehi müsse sich damit abfinden, daß es eine Generation in Erez Israel gibt, die nicht dulden wird, daß man ihr religiöse Fesseln anlegt. Das zionistische Werk könne nur auf der Grundlage gegenseitiger Toleranz aufgebätff werden. Bogratschow (Weltverband der Allgemeinen Zionisten, Palästina) wirft der Exekutive vor, daß sie arteiisch im Sinne der Histadruth sei. ln der Frage des egislative Councils sei er skeptisch, ob den Worten Ben Gurions auch entsprechende Taten folgen werden und ob Ben Gurion sich nicht vielmehr nach den Beschlüssen der Mapai richten werde, die kurz vor dem XVill. Zionistenkongreß gegen die Beherrschung eines Volkes in Palästina durch das andere und für die Möglichkeit einer Repräsentation für beide Völker sich ausgesprochen habe. Als Lehrer, der sein ganzes Leben der Erziehung der Kinder zum Dienst am Aufhauwerk gewidmet habe, fordert Bogratschow die einheitliche und nationale Gestaltung der Erziehung und warnt davor, dieselbe Parteigesichtspunkteil unter/.uordnen. Schkolnik (Arbeiterfraktion) erinnert die Gpposition. die heute von großen Plänen spreche, daran, daß sie in den letzten zwei Jahren die nationalen Fonds, ohne die solche Pläne nicht durchgeführt werden können, sabotiert tmd gehofft habe, die Exekutive aitshungern zu können. Auch die Erhaltung der deutschen Juden sei ohne Geldmittel unmöglich. Der Redner setzt sieh für den Transfer ein, dessen Wesen er erläutert. Es sei die Pflicht der Jewish Agency gewesen, das über die deutschen Juden hereingebrochene Unglück für das jüdische Aufbauwerk produktiv auszunützen, statt die Sorge um jene irgendwelchen privaten Körperschaften zu überlassen. Suchowitzkl (W e 11 v e r e i 11 i g u n g Allgem. Zionisten, Palästina) wendet sich gegen jeden Versuch, eine Organisation zu schaffen, die die bestehende Aibeiterorganisation, der der größte Anteil am Aufbau gehört, bekämpfen soll. Zur Frage der Landwirtschaft übergehend, spricht sich Suchowitzkl dahin aus, daß es ein Fehler sei, die jüdisch« Wirtschaft in Palästina nur auf dem lokalen Markt aufzubauen; denn cs könne eine Zeit kommen, in der der Jischuw auf den Export angewiesen sein werde. Er wirft der Exekutive vor, für die Pflaiizungswirtschaft nichts getan zu haben. Ferner habe die Exekutive die Beschlüsse, die der letzte Kongreß in der Frage der Bodenspekulation gefaßt hat, nicht durengefiihrt. Redner stellt den Antrag, die Landwirte, die jüdische Arbeiter beschäftigen, infolge Geldmangels aber ihre wirtschaften nicht erhalten können, mit Darlehen aus den Geldern des Keren Hajessod zu unterstützen. Dr. Oskar Grßnbaum (Weltverband der Allgem. Zionisten, Wien) warnt davor, den Territorialverband zu einer allgemeinen zionistischen Institution zu erheben, da dies in vielen Ländern zur Zersplitterung der Organisation führen müßte. Gegenüber dem Immigrationsdepartment erhebt der Redner den Vorwurf, daß die besonders schwierige Lage der Juden Oesterreichs und insbesondere der von Hoffnung** losigkeit ergriffenen Jugend nicht berücksichtigt worden seien. Die große Koalition dürfe nicht nur in der Exekutive, son dem müsse im ganzen Zionismus zustande kommen. Schluß der Sitzung 5.45 Uhr. Hauptschriflleitcr: Dr. Robert Welt ach, Berlin-Charlottenburg 9. Stellvertreter: Kurt Loewen stein, Berlin W15. Anzeigenleiter und verantwortlich für den Inhalt der Anieigen: Hermann Finn, Berlin-Tempelhof. Gültig: Anieigen-Prcisliate 2 vom 1. Januar 1935, Verlag und Anreigenverwaltung: Jüdische Rundschau, Berlin W15, Meinckestraße 10. D.-A. Juli 33 867. — Druck: Siegfried Scholetn. Berlin-Schöneberg. Die Generaldebatte 1

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