Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 68 (23.8.1935)
- Date
- 1935-08-23
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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JÜDISCHE RUNDSCHAU NR. 68, 23 AUGUST 1935 Sport - Rundschau Großer Tag im Die leichtathletischen Meisterschaften in Leipzig Der B.ar Kochba Leipzig■ hatte die leichtath- Ietischen Meisterschaften, die im Auftrag des Deutschen Makkabi-Kreises am letzten Sonntag auf seinem Platz ausgetragen wurden, mustergültig vorbereitet. Seine Mühe wurde durch einen gleich großen sportlichen wie Publikums-Ertolg "belohnt. Fast 3000 Zuschauer waren gekommen, von denen gewiß keiner unbefriedigt den Platz verließ; wohl jeder wurde von dem Aufmarsch sämtlicher aktiver Teilnehmer, der seinen Höhepunkt in der Anspräche von Rabbiner Dr. Prinz fand, ergriffen, und jeder wurde von den spannenden Wettkämpfen gefesselt, die wie im Vorjahre unter Beweis stellten, daß der Sport im Makkabi sein Niveau gehalten hat. Leider war es dem Veranstalter nicht möglich gewesen, alle Fehler der Sportanlage zu beseitigen. Die Rundbahn des Leipziger Platzes mißt, im Gegensatz zu den übliehen 400-m-Bahnen, nur etwa 350 m. Die Kurven sind infolgedessen jedenfalls auf der bei längeren Strecken ausschließlich benutzten Innenbahn zu spitz und fast eckig und zwingen so zu kraftzehrendem Tempowechsel, und die Sprunganiagcn im Kurveninnenraum weisen einen im Vergleich zu sonstigen Bahnen sehr verkürzten Anlauf auf. Der Hochsprung mußte sogar auf den Rasen gelegt werden, was einen sicheren Anlauf und Absprung unmöglich machte, so daß zum Beispiel der vorzügliche Hochsprungsiegicr Blanck mit 1,67 in weit unter seiner üblichen Leistungsgrenze blieb. Die Laufe Es gab jedoch auch vorzügliche Resultate, und in verschiedenen Wettbewerben tauchten hoffnungsvolle junge Kräfte auf. In den Sprintstrecken waren zwar im Endkampf die bewährten Sprinter wieder vorn. Schattmann der in hervorragender Verfassung antrat, und tapfer alle seine Rennen durchkämpfte, gewann diesmal die 100 m in 10,9 Sek. mit Brustbreite vor Dr. Lewin und kämpfte auch über 200 m Sternlieb, der endlich wieder seine große Begabung bewies, in einem 100 m langen Brustan - Brust - Kampf nieder. Mansfeld (Chemnitz), der im Endlauf über 100 m zwar noch Aufrichtig und Rothschild den Vortritt lassen mußte, und vor Bukofzer (Köln) Fünfter wurde, zeigte schon in den Vorkämpfen eine deutliche Veranlagung, die bei einiger Pflege durchaus zu Hoffnungen berechtigt, und über,200 m gelang es Seligmann (Düsseidorf), der gleichfalls zuin ersten Male in die großen Kämpfe des Makkabi eingriff, eine Bresche in die Phalanx der Sprinter zu schlagen und vor Aufrichtig den dritten Platz zu belegen, fast auf gleicher Höhe mit Sternlicb, der in den letzten Metern nachließ, ais der Kampt um den ersten Platz entschieden war. In den Vorkämpfen hinterließ ferner Giinzburg (München) einen guten Eindruck, wenn er sich auch noch nicht zu den Endläufen durchkämpfen konnte. Hervorragend war auch der 100-m-Laut der Damen, den Lore Meyer (Frankfurt) gleichfalls erst nach erbittertem Kampf gegen Elli Kendziorra (Hamburg), die weit über die Hälfte der Strecke geführt hatte, in der neuen Bestzeit des Deutschen MakkaDi-Kreises von 12,8 Sek. gewann. Den dritten Platz belegte Mirjam Le es er, die auch noch 13,1 Sek. (in den Vorkämpfen sogar 13 Sek.) lief vor den drei jungen, erst in diesem Jahre Makkabisport aufgetauchten Berliner Sprinterinnen Hilde Meyer, Tanja Spiwak und Aenne Cohn, die dicht beieinander endeten. Aut den längeren Strecken setzten sich bei den Männern in Orgier und Rosengarten, die beide Doppelmeister wurden, die Athleten durch, die nach den Ergebnissen dieses lahres vorn zu erwarten waren. Betrüblich ist hier jedoch im Gegensatz zu den Sprintstrecken festzustellen, daß die Sieger allein auf weiter Flur waren. Orgier gewann zunächst die 800 m vor dem noch völlig ungekannten aufs angenehmste überraschenden Rotschild (Nürnberg), Rudawer (Frankfurt) und dem Jugendüchen Walter Cohn, den dje verständliche Aufregung an der Entfaltung seines vollen Könnens zu hindern schien. Orgier nahm vom Start weg die Spitze und vergrößerte bis ins Ziel hinein ständig seinen Vorsprung. Colm hatte sich zunächst hinter ihn gelegt, ließ jedoch dann nach etwa 200 m unverständlicherweise nicht mir ihn, sondern auch Rotschild und Rudawer bis aut 20 —30 in davonziehen, ohne am Ende seiner Kräfte zu sein, wie sein zu spät cinsetzender Endspurt bewies, der ihn auf der Zielgeraden noch bis auf 2 m an Rudawer heran brachte, der seinerseits hier erst von Rotschild klar geschlagen wurde. Danach gewann Orgier mit womöglich noch großerer Ueberlegcnheit die 400 m. Schon nach 100 m hatte er die gesamte Kurvenvorgabe gegen seinen vorjährigen Bezwinger Falkenberg (Berlin) gutgemacht, um dann in der zweiten Kurve auf- und -davonzugehen. Falkenberg hielt den zweiten Platz gegen Blum (Frankfurt), der sich gerade noch eines Schlußangriffs von Sorkin (Berlin) erwehren konnte. Blum läuft merkwürdigerweise im Eirzelrennen nicht annähernd so gut wie in ■der Staffel, was er auch hier wieder bewies, indem er in der 4 X 100 - m - S t a f f c I für Frankfurt in einem vorzüglichen Rennen gegen Sommerfeld (Berin) in Führung ging. Erst Lesser kämpfte sich als zweiter Mann für Berlin verbissen an die Spitze, die Dobriner und Falkenberg dann hielten und so die zweite Staffel für den Bar Kochba-Hakoah Berlin gewannen, der zuvor schon mit den vier ersten der Einz.elmeisterschaft auch die 4 X 100 - m - S t a f f e I errungen hatte. Die beiden langen Strecken, 1500 und 5000 m, belegte Rosengarten (Kassel) mit Beschlag, der sich nun von seiner Erkrankung erholt zu haben scheint und überlegene Rennen liet. Sein schwerster Gegner, Werthen, mußte wegen einer Indisposition im 1500-m-Latif aufgeben und konnte zu den 5000 m nicht mehr antreten, und Hirsch und Loschinsky (Berlin), die achtbare zweite Plätze belegten, konnten ihm bei aller Tapferkeit den Sieg nicht streitig machen. Technische Uebungen Bei den technischen Uebungen zeigte es sich wieder, daß diese Wettbewerbe im jüdischen Sport noch immer im argen liegen. Auch unter Berücksichtigung der erwähnten Unzulänglichkeit der Sprunganlagen sind die 6,15 m, die zum Siege im Weitsprung für Bukofz e r (Köln) ausreichten, keine Glanzleistung, und selbst die 12,20 m, mit denen Hermann (Hamburg) das Kugelstoßen gewann, reichen noch nicht an das Niveau auderer Sportfeste heran, wenn sie auch erfreulicherweise eine neue Bestleistung darstellen. Das Diskuswerfen, das Hermann gleichfalls zu verteidigen hatte, verlor er an Jacob (Berlin), hinter dem als Zweiter und auch noch vor Hermann Goldenberg (Dresden) endete, der bisher noch nicht hervorgetreten war. Das Speerwerfen endlieh sah in Nebenzahl (Leipzig) und Seligmann Was bringt der Sonntag? FuBballklubkampf in Berlin Die Fußballabteilung des JTSC. Bar Kocbba-Ha■ koah führt mit dem JSC. Hagibor einen Fußbaükarnpf mit acht Mannschaften durch. Das Hauptspiel findet um 5 Uhr nachmittags statt. Die Spiele werden auf dem Sportplatz am Schäfersee, Reinickendorf-Ost (Straßenbahnlinie 41, 141, 61 und 35) durchgeführt. Makkabi-Stfidtekampf Frankfurt-Köln In Frank(, a. M Auf dem Sportplatz des Bar Kochba-Frankfurt am Marbachweg (Straßenbahnlinien 17, 23, 24 und 25) findet der mit Spannung erwartete Makkabi-Städtekluhkampf zwischen Bar Kochba Frankfurt und 11 a k o a h Köln in Leichtathletik, Hockey und Handball statt. Die leichtathletischen Wettbewerbe der beiden besten jüdischen Vereinsmannschaften Südwestdeutschlands und Westdeutschlands versprechen sehr interessant zu werden. Der Ausgang dieser Kämpfe läßt sich bei der Gleichwertigkeit der beiden Gegner nicht voraus• sagen. Das Datnenhaiidballspiel dürften die Frankfurterinnen nach hartem Kampfe für sich entscheiden, während im Hockeyspiel die routinierteren Rheinländer die Oberhand behalten können. Die Kämpfe beginnen um IG LJhr. (Düsseldorf), beide wiederum \or Hermann, gleichfalls neue Leute in Front, was freilich nach den gezeigten Leistungen nicht darüber hiiiwegtäuschen kann, daß es ein weiter Weg ist, bis sich die erweckten I ioffnungeit erfüllen. Den Stabh o c h s p r u n g gewann l.eo Meyer (Berlin) als verdienten Lohn für jahrelange Trainingsarbeit, ohne jedoch in dieser bei uns noch sehr vernachlässigten Uebung eine besondere Leistung erzielen zu können. Besonderer I Icryorheluiiig ist dagegen der F ü n f k a m p fsieg des bisher nur als Sprinter liervorgetretenen Aufrichtig wert, der die imposante Leistung vollbrachte, an einem einzigen Tage sich über KM) m und 200 m gegen starke Gegner in die Biidiäufe durchzukümpfen und dort achtbar abzusehneklen, Staffel-, Vor- und Eudlauf siegreich zu beenden und dann noch nach Speerwerfen, Diskusvvtirf und Weitspnmg im abschließenden 1500-m-Lauf des Fünfkampfs die Energie zu einem Spurt auf/ubringen, der ihm endgültig den Sieg sicherte. Größte Beachtung verdient mich der Dreikampfsieg von Aenne Cohn (Berlin), die חגיה als eines der stärksten Talente bezeichnen kann, das diese Veranstaltung offenbarte. Naclf einem Sieg im Weitsprung, den sie mit 4,72 m vor Lore Meyer gewann, nach einem zweiten Platz im Kugelstoßen hinter Selma Schulmann, nachdem sie. im Endlaut der 100 m gestanden hatte, und nach dem Sieg in der 4Xl00-nt-S t a f f e I, die Berlin mit Mika Schmidt, Aenne Cohn, Hilde Meyer und Magda Smedresmann trotz Lore Meyer und Mirjam Leeser gegen Frankfurt gewann, schaffte sie als Siegerin im Hochsp r U n g noch die in Anbetracht vier Sprunganlage hervorragende Leistung von 1,38 m! Ihr Sieg im Hochsprung vor Mirjam Leeser, die im Stechen die Vorjahrsmeisterin Fried (Leipzig) aut den dritten Platz, verwies, entschied zugleich den Dreikampf. Mirjam Leeser endete nur um einen Punkt geschlagen, gleichfalls eine allen Lobes werte Leistung. Lob verdient auch die Tapferkeit, mit der die kleine Münchncrin Kestler im 800 - m - L a u f auf der Zielgeraden die Frankfurterin!Königsberg niederkämpft. Merkwürdig schwach waren diesmal die Ergebnisse in den Würfen der Frauen. Die Abwesenheit Märtel Jacobs mag eine Rolle dabei gespielt haben, daß Selma Schulmann und Liesel Czempin, die so das Diskus- bzw. das Speerwerfen ohne ernste Gegnerschaft gewannen, nicht an ihre sonstigen Leistungen lierankamen. Atn Abend trafen sich die Teilnehmer und die Zuschauer zu einer Abschlußfeier in der Leipziger Synagoge, bei der Dr. Prinz, die Festansprache hielt, die von Chorgesängen umrahmt war. -t-n. Das Internationale Fußball-Turnier in Berlin Das von dem J ü d i s e 11 c n S p o!-1 - K I 11 b Berlin durchgeführte Turnier war für den Veranstalter und die beteiligten Vereine ein großer Erfolg. Die Kample wurden von allen Beteiligten vorbildlich und fair duichgeiührt. Schon am frühen Morgen begannen die Spiele vor einer ansehnlichen Zuschauermenge, die zum Schluß auf zirka 2009 Besucher anwitchs. ln den V o r r 11 n d 0 n spiele n erzielte Hakoah Berlin gegen Hagibor Prag ein 1:0-( 1:0)- Ergebnis. Ein Spiel gleichwertiger Gegner, in dem die Prager durch hervorragende Technik glanzten, jedoch vor dem Tor erfolglos blieben. Die 1 iakoah-Verteidigmtg Schaul-Sperber- I..ewit1 zeigte ein ausgezeichnetes Spiel, leider war die Hakoah- Mannschaft im Sturm nicht durchschlagkräftig genug. Das zweite V o r r 1111 d e n s p i e I ft a koah K o p c 11 - 11 a g e n gegen J. S. K. B e r 1 i 11 endete' 1:1) (1 : 0). Die junge aufstrebende J. S. K.-Mannschaft gab einen gleichwertigen Gegner ab. Die ausländischen Gäste waren jedoch bedeutend schneller am Ball und zeigten bessere Technik. Obwohl die Berliner aufopfernd spielten, vermochten ihre Stürmer nicht den Ausgleich zu erzielen, nachdem die Kopenhagener in der ersten Halbzeit durch ihren hervorragenden Rechtsaußen das siegende Tor erzielt, hatten. Das erste Spiel H a g i b o r Prag gegen J. S. K. Berlin endete, nachdem J.S. K. lange Zeit mit 1:0 geführt hatte, unentschieden 1:1. Obwohl man die Anstrengungen des Vormittags merkte, wurde in der ersten Halbzeit ein flottes Spiel gezeigt, in dem die Prager ihre Technik zur Geltung brachtcn. J. S. K. versuchte dagegen mit aller Macht, durch Durchbriiehe das Spiel für sich zu entscheiden. Es gelang ihm auch lange Zeit, mit 1 :0 in Führung zu liegen, jedoch konnte dann Hagibor den Ausgleich erzielen. J. S, K. verzichtete infolge der vorgeschrittenen Zeit auf Verlängerung, so daß Hagibor Prag den dritten Platz belegte. Im E n t s c h e i d y n g s - S p i e I standen sich die Vormittags-Sicger Hakoah Kopenhagen und Hakoah Berlin gegenüber. Berlin zeigte das system vollere Spiel; genaues Abspiel der Stürmer- und Läuferreihe sowie hervorragende Arbeit der Hintermannschaft zermürbten die Kopen- Hagener langsam, so daß in der ersten Halbzeit in gleichmäßigen Abständen vier Tore durch Ringel und Ncumann als Folge der hervorragenden Zusammenarbeit der einzelnen Mannschaftsteile fielen. Die Kopenhagener konnten ihr schnelles Spiel nicht mehr zeigen, da die Ueberlegcnheit der Berliner immer klarer zutage trat. Nochmals wurden zwei Tore durch Ende und Ncumann erzielt. Die Berliner hielten sich sichtlich zurück, da ihr Sieg nunmehr feststand. Die Hakoah Berlin zeigte eines ihrer besten Spiele der ganzen Saison. Abschlie- Bend kann man sagen, daß Hakoah Berlin die beste und Von den Makkabi-Meisterschaften in Leipzig Links oben: Heinz Aufrichtig, Berlin, Sieger im Fünfkampf. — Rechts oben: Schattmann, Berlin, gewinnt die 200 m mit Brustbreite vor Sternlieb, Breslau. — Links unten: Rabbiner Dr. Joachim Prinz bei seiner Ansprache - ihrend des Aufmarsches. — Rechts unten: Rosengarten, Kassel, wieder in Form. rot»,: J. Abr»h>1!> •f־t» ■ SpiI iiSäs».;..