Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 68 (23.8.1935)
- Date
- 1935-08-23
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 8 jüdische Rundschau Nr. 68. 23. VIII. 1935 KKL-Arbeit unter den Einwanderern aus Deutschland Nach zwei Jahren einer starken Einwanderung aus Deutschland wird es für alle Mitarbeiter der KKL in Deutschland interessant sein, zu erfahren, wie in Palästina die KKL- Arbeit fortgesetzt wird. Es hat fast ein Jahr gedauert, bis sich überhaupt so etwas wie eine organisierte Arbeit ausgebildet fiat, und heute nach mehr als zwei Jahren ist auch erst ein Teil der Arbeit geleistet, die unter den schon im Lande befindlichen Olim getan werden könnte. Für einige unserer Freunde, die in Deutschland Mitglieder der Landeskommission waren oder in der Provinz führend mitgearbeitet haben, war es selbstverständlich, daB sie sobald wie möglich auch hier bei der Organisierung der KKL-Arbeit halfen. Es yvar ihnen klar, daß diese Arbeit auch hier in den ersten Jahren in deutscher Sprache geführt werden!nullte, aber während andere Organisationen, wie z. B. die Arbeitergruppen und auch der Keren Hajcssod sich dieser Notwendigkeit fügten, dauerte es beim KKL längere Zeit, bis sich dieser Gedanke durchgesetzt hatte. Man kann eben die Menschen für eine Idee nur dann gewinnen, wenn man in ihrer Sprache zu ihnen spricht, und die dringende Notwendigkeit, so schnell wie möglich hebräisch zu lernen, muH ja auch in deutscher Sprache pro- [)agiert werden. Das Hauptbüro hat sich erst spät entschlossen, Kellner in deutscher Sprache auftreten zu lassen, in Tcl-Awiw und Jerusalem referierte Dr. G r a n o w s k i, in Haifa ist bis jetzt leider eine solche Veranstaltung noch nicht zustande gekommen, worunter die Arbeit leidet. ׳Es ist klar, dal! die Arbeit unter den Olim aus Deutschland in engster Zusammenarbeit mit dem Hauptbüro in Jerusalem, mit der palästinensischen Landcssammclstelle (Mi’aad Ar/i) in Tel-Awiw, und den örtlichen Kommissionen erfolgen muH. Sowohl in Jerusalem wie in Haifa sind unsere f reunde!11 den ()rtskommissionen vertreten, in denen sie zur .Mitarbeit gern herange/ogen wurden, der Eintritt in I'el-Awiw muH noch erfolgen. Neben diesen Ortsk o in iri i s s i 11 ״ e 11 gibt es in Jerusalem und Tel-Awiw noch besondere K'KI •Kommissionen zur Verstärkung der Arbeit unter den Olim;ms Deutschland. 111 Haifa wird eine solche Kommission cberitalls nach dem Besuch eines Vertreters des Haujdburos begründet werden. 111 allen drei Städten ist ein besonderer Sekretar in der Arbeit unter diesen Olim tätig. Im \Vaad Ar/1 sind bi-dier die Oie) Germania nicht vertreteil, er ist vor I1.׳ Jahren gewählt worden und bei der Neuwähl werden siche! auch Vertreter der Einwanderer aus Deutschland hinzucewahlt werden. Neu war bei der KKL-Arbeit f 11 r die Olim aus Deutschland die I atsache, drill eines der wesentlichsten Samnielmittel in Pa.asfina die S r I b s t b e s t e 11 e r u n g ist. Es gab ausgedehnte I )chatten, ob dies nicht den Grundsätzen des Keren Hajcs-od widerspreche. Ihiterdes ist man ziemlich allgemein zu einer l'ehe!an 1! dimmung dahin gelangt, dal! die Selbstbtwteuerung (Mas Azmi) gezahlt werden müsse, um so mehr als darüber eine ,Abmachung zwischen KKL und Kll vorliegt. Eine weitere Streitfrage war die B ti c h s e n v e r t e i 1 u n g. Die Haitacr Ortsgr11[1pe wollte z. B. mir den Zeichnern von Mas Azmi Buchsen geben und hat dadurch in der ersten Zeit eine umlasscnde Biichscnaufsteihmg verhindert. Unterdessen ist wohl dieser Standpunkt aufgegeben worden und die Büchsen werden auf Anforderung an jeden verteilt, der eine Buchse zu haben wünscht. Man!null allerdings zugeben, dal! Mas Azmi in Palästina ein bei weitem ergiebigeres Sammelniitiel ist als die Büchse. Während z. B. von Oktober bis Ajiril PhD die Buchsen nur CP 601 ergaben, hat Mas Azmi LP 0500 ergehen, woraus aber auch zu folgern ist, daß die Büchsenarbeit, Aufstellung und Leerung, sich durchaus noch verstärken läßt. Die gesamte KKL-Arbeit muß in Zukunft vom Waad Azmi und vom Hauptbüro noch mehr gefördert werden als bisher. Während das Hauptbüro z. B. die Südafrikaner, die Nordamerikaner, die Jugoslawen und Belgier, wenn sie als Touristen in Palästina sind, landsmannschafLich zusammenberuft und mit ihnen die Arbeit bespricht, ihnen auch die KKL- Arbeit im 1 amle vorfuhrt, ist es bisher zu einer solchen Konferenz der Olej Germania nicht gekommen. Erst in letzter Zeit hat sich das Hauptbüro entschlossen, zu Beginn der Winter- Saison für Jerusalem, Tel-Awiw und Haifa solche Konterenzeii ein/iiberufeii, die hoffentlich zu einer erheblichen Ver- Stärkung der KKL.-Arbeit unter den Olim aus Deutschland beitragen werden. Dr. Albert Baer, Haifa Ein großer Architekt: Harrison Berichtigung. Enter den in unserer vorigen Ausgabe ver- )ffentliihten HiIdern von der Bialik-Schulc in Tel-Awiw bchmlet steil auch eine.•-, das eine Ausstellung von Zeichnungen zeigt. Es liamlelt sich hier aber nicht um eine Ausstellung von Zeichnungen in der Schule, sondern um ein Bild von der Kult 11 r - A 11 s s < e I I!1 11 g auf dem Mcssegeländc in Tel- Awiw, die im Frühjahr stattgefunden hat und bei der u. a. das Klassenzimmer einer Schule mit Materialien zu sehen war, die zum 1 eil aus der Bialik-Sehuie stammten. Die Architektur als angewandte Kunst nimmt einen besonderen Platz, im Leben ein. Der Architekt wird von vielen äußeren Faktoren geleitet. Bauherr, Terrain, Geldmittel sind mitbestimmend bei der Gestaltung seiner Pläne. Außerdem — eine Korrektur, wie sie Maler und Komponisten an ihren Werken vornehmen können, eine ,,verbesserte Auflage", wie der Schriftsteller, fällt beim Architekten fort. Sein Werk in Stein oder Beton und Eisen steht da und legt für oder gegen seinen Urheber Zeugnis ab. ln Palästina spielt der Architekt zur Zeit eine große Rolle. Es wird so viel, so schnell — zu schnell gebaut, daß leider Bauherr und Architekt sich nicht immer der Verantwortung bewußt sind, die sic auf sich laden. Ein einziges Haus (z. B, das gelbe Hotel am Carmelhan״, nahe dem Persergarten) kann ein ganzes Stadtbild verschandeln, Anfang September erscheint der PALÄSTINA-KALENDER der Zionistischen Vereinigung für Deutschland Die Zionistische Vereinigung für Deutschland gibt zum ersten Male für das kommende )ahr einen künstlerisch ausgestatteten Kalender heraus. Die Gesamtredaktion des Kalenders hat Herr Dr. Joachim Prinz, Berlin übernommen. Die Bilder stammen von den Photographen Gidal, Sonnenfeld und Kluger. Einige Szcnenbilder aus dem Film ״Das Land der Verheißung" werden auch hier zu finden sein. Der hervorragend ausgestattete Kalender ist ein neuer Versuch, den Juden in Deutschland den Geist der zionistischen Bewegung und die Schönheit Palästinas und seiner Menschen zu zeigen. ein anderes durch seine Schönheit Vorbild und Wertmesser seiner Umgebung sein. Zum Glück besitzt Palästina in seinem Landes-Architekten (Chief-Architekt) 11 a r r i s o n einen großen Künstler. Wo er seine Hand hat, entstehen Meisterwerke. Doch wer kennt Harrison? Wer spricht von ihm? Wie einst Alex Baerwald übernimmt Harrison die Weisheit und Harmonie orientalischer Architektur und verbindet sie mit den Errungenschaften der Moderne. Da er ein Raum, Form und Masse feinst empfindender Architekt ist und durch seine Regierung geldlich nicht beschränkt, so entstehen technisch und künstlerisch musterhafte Bauten, die sich niemals vordrängen und doch den Blick jedes Kenners aut sich ziehen. Das Schloß des High-Commissioners, an exponiertester Stelle auf einem Berggipfel bei Jerusalem, schmiegt sich an den Boden wie eine alte große Karawanserei, und bei der inneren Gestaltung ging Harrison als echter und geborener Architekt von der Harmonie der Proportionen aus und nicht von gekünstelten, durch Farbe, Material und Formgebung auffallenden ״dynamischen“ Effekten. Betrachtet man aus der Ferne sein Rocke feiler- Museum — welchen Instinkt entwickelte er da bei dem schweren stumpfen achteckigen Turmkoloß! Wie klug war er, nicht mit Kuppeln und Minaretts zu konkurrieren, sondorn der Silhouette von Jerusalem einen neuen wuchtigen Akzent zu geben, der dennoch gefühlsmäßig in das mittelalterlichc Bild der Stadt paßt. Nicht nur in der Konzeption, auch in der Durchführung ist Harrison Meister. Wie er bei dem Museum die Umfassungsmauer aus dem Felsen wachsen läßt — erst tinregelmäßig, unbehauen, fast Natur — bis die Materie allmählich geordneter und endlich gebändigt in Reih und Glied gemauert steht, das ist ein einziger Beleg für die geniale und persönliche Durcharbeitung aller Details, und jeder, der das Museum oder einen anderen Harrison-Bau betrachtet, wird au eine Fülle schöner Einzelheiten stoßen. ln Haifa hat Harrison das Gerichtsgebäude gebaut. Er sicherte dem nur einstöckigen Bau seine Monumentalität durch die breite, schmucklos hingelagerte Masse, deren strenge Horizontale nur durch das schöngegliederte bogenförmige Portal unterbrochen wird. Vom Gerichtsgebäude in gerader Linie aufwärtsblickend zum Technikum, erkennt man deutlich, wie beide Architekten, vom Zweckmäßigen ausgehend, von dem gleichen Gefühl für das Bodenständige und Monumentale beseelt waren. Besonders schön ist Harrisons Postgebäude in Jaffa mit seinen farbig wechselnden Steinschichten. Wie wenige, die täglich daran vorbeihasten, haben einen Blick für diesen herrlichen Bau. Harrison hat aber auch anspruchslose Betonhäuser geschaffen, die durchaus auf der künstlerischen Höhe seiner Monumentalbauten stehen. Ich denke vor allem an die Polizeistationen, die überall kn Lande entstehen. Die erste und vielleicht hübscheste ist die in Afule, die mit ihrem angegliederten Stall eine reizende Gruppe bildet. Lotte Baerwald Die Bauinvestitionen in Palästina Der Jahresbericht des Department of Customs, Excise and Trade für 1034 schätzt die Bauinvestitionen in den 20 wichtigsten Orten des Landes für das Jahr 1934 auf rund £P 6 Millionen gegenüber £P 5,6 Millionen im Jahre 1933. Demnach hätten sich die Bauinvestitionen gegenüber eiern Jahre 1933 nur um rund 7 0/0 erhöht. Demgegenüber enthält der gleiche Jahresbericht eine Auf- Stellung der Entwicklung der Bauinaterialeinfuhr, aus der sich gegenüber dem Jahre 1933 eine mehr als verdoppelte Einfuhr von Baumaterial ergibt. Diese hat sich wertmäßig von £P 0,91 Millionen aut £P 1,90 Millionen gesteigert. Wenn sich daraus auch nicht mechanisch auf eine Verdoppelung der Bauinvestitionen schließen läßt, so ergibt sich aber doch, daß die Investitionen gegenüber 1933 sich in viel stärkerem Maße erhöht haben müssen als es der obigen Schätzung des Department of Custorns, Excise and Trade entspricht. (Palnews.) Kurze Nachrichten Die Arbeitsbüros von Tel Mond, Nathania und anderen Kolonien in der Scharon-Ebene haben sich an die landwirtschaftliche Abteilung der Histadruth und das Einwndcrungsdepartement der Jcwish Agency mit der Forderung gewandt, ihnen Arbeiter zur Verfügung zu stellen. Es herrsche ein fühlbarer Mangel an Arbeitskräften, so daß verschiedentlich dringende Arbeiten nicht ausgeführt werden können. Die Leitung der Hebräischen Universität Jerusalem ist an den Bau eines großen akademischen Klubhauses aut dem Skopus herangetreten. Die Errichtung dieses Gebätides erfordert £P 500C, welche die Universität von einem anonymen Spender in Tel-Awiw erhalten hat. Die Studenten haben sich scharf gegen den Beschluß der Verwaltung ausgesprochen und gefordert, daß für den genannten Betrag kein Klubhaus, sondern ein Heim für Studenten geschaffen werde. (Palcor.) Das Arbeiter-Theater ״O 11 e 1“ wandte sich an den Kongreß um Gewährung einer einmaligen Subvention für das ״Ohe[“-Theatergebäude, welches in Kürze kl Tel-Awiw errichtet werden soll. (Palcor.) Laut den amtlichen Ziffern betrug die Zahl der Passagiere auf den palästinensischen Eisenbahnli nie ת im Juni 217 450 Personen. Es wurden 80 555 t Waren befördert, davon auf der eigentlichen palästinensischen Eisenbahn 58 759 t, auf der Sinaibahn 5073 t und auf der Hedschas-Bahn 16 723 t. Während des letzten Vierteljahrs ist der Verkehr auf den palästinensischen Bahnen im Vergleich zum vergangenen Jahre stark gestiegen. (Palcor.) Nach einer offiziellen Mitteilung der Palästina-Regierung betrug Anfang August der Geldumlauf (Banknoten und Scheidemünzen) in Palästina insgesamt 5 561 228 Pfund. Zur gleichen Zeit beliefen sich die Reserven der Palästina- Regierung am Grund des stetig wachsenden Budgctüber- Schusses auf 5 739 489 Pfund. Damit sind die Reserven etwa 180 000 Piund höher als der gesamte Geldumlauf. An der Nordgrenze Palästinas wurden 50 Juden, in der Mehrzahl Frauen und Kinder, bei dem Versuch, illegal die Grenze nach Palästina zu überschreiten, verhaftet und in das Gefängnis von Haifa gebracht. Der Prozeß gegen sie wird in einem beschleunigten Verfahren demnächst stattfinden. Wie das revisionistische Zentralkomitee mitteilt, haben die Wahlen zu dem konstituierenden Kongreß der Neuen Zionistischen Organisation in Palästina folgendes Ergebnis gehabt: 5023 Stimmen wurden in Jerusalem abgegeben, 13 000 in Tel-Awiw, 1000 in Galiläa und 1000 in Petach Tikwah. (Schluß des Palästina-Teils) JEMENITISCHE TYPEN IN PALÄSTINA Foloe; Gid*l ־;**% " ■׳?äffe5/». ׳ fcV': ,׳S'!