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Jüdische Rundschau · 1935-08-23 · Heft 68 (23.8.1935) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 68 (23.8.1935)
Date
1935-08-23
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr, 68, 23. VIII. 1935 Ein HShepunkt des Kongresses Dr. Golumann: Wir kommen nun zur Wahl der sechs Vizepräsidenten. Wir hatten vorgehabt, Ihnen sieben vor/uschlagen, aber nach der Erklärung des Misrachl, zu der ich im Na!m11־ des A.-C. keine Stellung zu nehmen habe, begreifen Sie, daII aus den sieben sechs geworden sind. Obwohl der Misraehi aber in der augenblicklichen Situation nicht bereit ist, einen Vertreter in das Präsidium zu eiltsenden, ist es selbstverständlich, und ich glaube, hier im Namen des ganzen A.-C. zu sprechen, daß der Platz, der für den Misraehi im Präsidium bestimmt war, ihm auch weiterhin reserviert bleibt. Es hängt nur vom Mbractii ab, wann immer er den Wunsch ausdrücken wird, seinen Vertreter in das Präsidium zu delegieren, und der Kongreß wird jederzeit bereit sein, diesen Vertreter nach- /uv, en. Präsident Dr- Weizmann: Geehrter Kongreß, es ist ein bedauerlicher Zwischenfall, daß die Fraktion des Misraehi es nicht für. nötig befunden hat, aus Gründen, die wir respektieren, sich am Präsidium und den Arbeiten des Kongrosses zu beteiligen. Soweit cs uns hier bekannt ist, hande., es sich nicht um einen prinzipiellen Fall, sondern um die praktische Durchführung eines Beschlusses, der vom Kongreß und A.-C. sanktioniert worden ist. Ich hoffe und glaube, ich könnte dafür bürgen, daß die Vertreter des M.israchi, des Präsidiums und der betreffenden Parteien sich über die praktischen Möglichkeiten unterhalten werden, und ich hoffe, daß sie zu einem erfolgreichen Beschluß kommen werden. Jedenfalls wird unsererseits alles getan werden, damit in den allernächsten Tagen ein Beschluß lierbeigcführt wird. Dann hoffe ich, wird der Mtsrachi sich an den Arbeiten des Kongresses beteiligen. Als Präsident des Kongresses werde ich cs für meine Pflicht halfen, diesen Beschluß, wie immer er auch ausfaUen möge, so schnell wie 1110:; lieh herbei/ufiilirell. Rabbi Brmlt: Mit voller Zufriedenheit nehmen wir die F rklarmi.: des Kongreßpräsidentcn Dr. Weizmann zur Kennti'i-o Vir moerer-vit■- ei klaren hiermit, daß wir, nachdem unscrei! Forde! unsen In1/׳!:/liel1 der Regelung der religiösen Verl, l.ii.ssc in Erez Israel Genüge getan sein wird, uns an der Arbeit des Kongresses mit voller Verantwortung betei'lgeii werden. Dr. Goldmann: Abgesehen von dem Sondcrfall des Misrachi sind sämtliche Parteien im Präsidium vertreten; das A.-C. schlägt ihnen folgende sechs Vizepräsidenten vor: Dr. (io US mann, Ingenieur K a p 1 a n s k y, Dr. Macho wer, Dr, Mossinsd 1111, Ingenieur Reiß und Josef S p rin - z a k. Der Vorschlag des A.-C. wird angenommen. I:s folgt das Referat des Mitgliedes der Palästina-Exekutive, 111 es er K ה plan, sodann wird die Sitzung um 7 Uhr abends geschlossen, Gedenken der Toten Die Mittwochabend-Sitzung war dem Gedenken der Verstorbenen gewidmet. Unter dem Vorsitz von Dr. Weizmann hielt Sokolow in hebräischer Sprache die Trauerrede, in der er insbesondere die sechs großen zionistischen Toten, nämlich Mot/kiii, Bialik. Victor Jacobson, Shmarya Levin, Kremcnet/ky und Baron Rothschild, eingehend würdigte. Die Sitzung verlief sehr würdig und eindrucksvoll. Donnerstag früh werden die Referate der Exekutive fortgesetzt. Dr. Ru pp in.hält seinen Vortrag 25״ Jahre Kolonisation“, dann spricht leih Jaffc über Keren Hajessod lind Ussischkin über Keren Rajenmh. Die lokale Presse bringt ausführliche Berichte über den Kongreß. Die Kongreß Verhandlungen werden unter der Leitung von Benzion F c 11 tonfilmisch aufgenommen. Huldigung für Miss Szold Luzern, Donnerstag, d. 22. 8., nachm, (teleph.) Donnerstag vormittag war ein HShepunkt des Kongresses. Zunächst erstattete Dr. R uppln sein Referat. In sehr klarer und eindringlicher Welse gab er einen Rlickblick auf die bisherigen 25 Jahre der Kolonisation und schloß daran ein Programm für die nächste Zukunft. Im Gegensatz zu Ben Gurlon, der ein allgemeines Zukunftsbild entworfen hatte, das von manchem HSrer als nicht ganz real empfunden wurde, gab Ruppln ganz nüchtern und detailliert eine Darstellung der gegenwärtigen praktischen Aufgaben in Palästina. Die Inhaltsangabe des Referates werden wir nachtragen. Nach eine|■ kleinen Pause erhob sich Präsident Dr. Weizmann, um in einer kurzen Ansprache die Verdienste der nächsten Rednerin, Miß Szold, zu würdigen. Weizmann rühmte die Eigenschaften und Leistungen dieser unerschütterliehen Zionistin, der Frau von edelsten Tugenden des Herzens und des Geistes und beglückwünschte sie zu der Arbeit, die sie im 75. Lebensjahr jetzt im Dienste der Jugendaltiah leistet. Nicht nur der Kongreß, 80 sagte Dr. Weizmann, sondern das ganze jüdische Volk, viele hunderttausende außerhalb dieses Saales in allen Ländern blicken mit Stolz und Dank aut diese Frau, nicht zuletzt die jüdische Jugend und die Kinder. Als er Miß Szold das Wort erteilte, bringt der Kongreß ihr eine herzliche Ovation dar. Die Rednertribüne ist anläßlieh des bevorstehenden 75. Geburtstages von Miß Szold mit Rosen umkränzt worden. Miß Szold, rüstig und klar wie immer, hält ihren einstündigen Vortrag über die Jugendaiijah in deutscher Sprache, die sie mühelos beherrscht. Zunächst dankt sie In bewegten Worten fiir die Ansprache Weizmanns und sagt, sie schätze sich glücklich, daß es ihr vergönnt ist, In diesem hohen Alter diese Arbeit zu machen, die nicht nur der Rettung unserer Jugend, sondern auch unserer Ehre dient. ״Ich möchte auch — so sagte sie weiter ־— der Haltung der Judenheit Deutschlands in schweren Zeiten gedenken, die ich das Glück hatte, aus der Nähe mitanzusehen. Die Judenheit Deutschlands hat nicht gekiagt, sondern sie hat diese große Aktion für die Rettung ihrer Jugend eingeleitet. Der Dank für die Initiative gehört Frau Recha Freier, die sich für diese Idee gegen alle Widerstände eingesetzt hat.“ (Beifall des Kongresses.) Miß Szold berichtet dann von der Entstehung des Gedankens, beschreibt d;n organisatorischen Apparat in Deutschland und in Palästina und gibt dann eine Darstellung über die Art der Unterbringung der Jugend im Lande. Dabei klagt sie über den Mangel an Plätzen für religiöse Jugend Und appelliert an die religiösen Kreise, hier ihre Pflicht zu tun, Die einzige Aufnahmestelie für religiöse Jugend sei der Kibbuz Rodges, der in dieser Hinsicht eine große Leistung vollbracht hat. Sie gibt dann eine Uebersicht über die bisherige Arbeit und teilt mit, daß außer den Kwuzoth und den geschlossenen Instituten jetzt auch die Moschewe Owdim in den Kreis der Arbeit einbezogen worden sind. Nach Schluß des Referates kommt es wieder zu begei- Sterten Kundgebungen für Miß Szold, die sich noch steigern, als Dr. Weizmann einen Brief verliest, in welchem Miß Szold um ihre Zustimmung gebeten wird, eine Siedlung von Chaluzim aus Deutschland und von Jugendlichen der Jugendaiijah im Süden Palästinas nach ihrem Namen zu benennen. Diese Siedlung soll ein Ausdruck des Dankes des Judentums Deutschlands für ihre Arbeit sein. Dieser Brief ist unterschrieben von der Reichsvertretung der deutschen Juden, der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, Keren Kajemcth Lejisrael, Abteilung Deutschland, Arbeitsgemeinschaft für Jugendaüjah, Jüdische Jugendhilfe, Frauenarbeitsgemeinschaft für Palästina (Wlzo). Dr. Weizmann dankt nochmals Miß Szold für Ihren Vortrag und fügt lächelnd und bewegt hinzu: ״Wir haben Ihnen einige Blumen gegeben, um zu zeigen, daß auch Zionisten manchmal auf ihrem Wege Rosen finden.“ Danach wird die Sitzung geschlossen. Die Nachmittags• Sitzung beginnt mit dem Referat Ussischkins über die Aufgaben des Keren Kajemeth, das während dieses Berichtes noch andauert. Die Generaldebatte dürfte frühestens In der Donnerstagabendsitzung beginnen. Letzte Meldung Im der Donnerstag-Nachmittagssitzung hielt weiterhin Leib Jaffe sein Referat Uber 15״ Jahre Keren Hajessod“. Sodann wurde die Wahl des Permanezausschusses vorgenommen. Die Generaldebattewurde abends eröffnet. Die Delegation ans Deutschland Die in Deutschland gewählten 34 Delegierten haben sich Dienstag als Delegation der Zionisten aus Deutschland konstituiert. Die Delegation wählte ein Präsidium, bestehend aus Flerrn Dr. Siegfried Moses als Vorsitzenden und den Herren Alexander Adler, J. Adler-Rudel, Franz Meyer und Michael Traub als Beisitzern. Die Delegation aus Deutschland hat beschlossen, außer internen Delegationssitzungen regelmäßige Zusammenkünfte mit den aus Deutschland zum Kongreß erschienenen Zionisten zu veranstalten, um sie laufend über die Fragen des K011gresscs zu informieren. Die Delegation aus Deutschland hat Dienstag eine erste Beratung mit den Vertretern der ״Hitachdutli Oie Germania ־ aus Palästina abgehalten. Der Königsgredanke des Zionismus Von G e r 11 a r d H o 1 <1 heim, Tel-Awiw Es gab eine Zeit, svo das!Bekenntnis zum Zionismus und die Mitarbeit innerhalb der Zionistischen Organisation als revolutionäre Tat empfunden wurde. Meist waren es jüngere Menschen, die, in den Vorstellungen eines falsch verstandenen Liberalismus aufgewachsen und in Allerweltshat en sieh gehör׳.!״!! glaubend, plötzlich durch eine Einwirkung von außen mit der Judenfrage sieh konfrontiert sahen. Und daun kam es dahin, daß verschüttete Kräfte den Weg ins Bewußtsein sieh bahnten und das eigene Sein in überraschend neue Ziisammenliringe liineingesfcllt schien. Der ״verlorene Sohn“ hatte zu seinem Volke /urückgefun-den. Eben jene Kraft, die vorher unter gewaltsamem Druck gehalten und gar mit Peinlichkeit.•,Vorstellungen umgehen war, erhob Erkenntnis uiia heiliges üehe-gel'ühl in beherrschenden Rang. Bedeutete Zionist-Werden einen vollkommenen Bruch mit bis dahin als unantastbar geltenden Vorstellungen, so verlangte Zionist-Sein eine beträchtliche Dosis Charakterstärke. Denn die ״öffentliche Meinung“ reagierte mit Ablehnung oder Spott, Man komm׳ dm Rad der Geschichte nicht künstlich riiekwarU dniimi. Nur die Religion trenne die Juden von ihieni V irtsvoike. VeltlmrgerUim sei das Ziel. Väter, die sonst in taKeiier 1 r/ietnin:; alles gewahren ließen — gegen Zionismus stnimifen sie sich. Was die vorige Generation glücklich errang eine fanatische Jugend sollte es gefährden dürfen i Und in ständigen] Kinnkrieg mit der Enge des Elternhauses ertrotzten sich viele von uns das unvergeßliche Glück des Blau-Weiß und zionistischer Bundesbrüderschaft. * Verlor mit der internationalen Anerkennung des Zionismus durch «las Palästinamamlat und damit, daß bekannte Namen in immer größerer Zahl den Palästina-Aufbau förderteil, das Bekenntnis zum Zionismus mehr und mehr an Gewicht, so ist seit zwei Jahren eine neue Aendcrung eingetreten: Wer nie daran glaubte, schaut gebannt auf das Juden!and. Unaufhörlich gehen Verwandte, Freunde dorthin. Ökonomischer Neu beginn, Möglichkeiten gewandelten Lebens. Die Jugend bereitet sich vor, träumt von neuem Glück. Das Zertifikat ein bange ersehntes Ziel. Palästina wird Rettungsanker. Und Zionismus? Allzuviele begreifen nicht, daß das mehr ist als ein Transport in schwierige zwar, aber bessere Lebensbedingungen. Einwanderer, Touristen, selbst junge Menschen, die koimnen, sehen den Schein, die sogenannte Realität und nicht den Hintergrund. Sind begeistert von dem, was belanglos ist, und gehen ahnungslos am Wesentlichen vorüber. Verständlich, daß es so ist. Aber welche Vcrkennung! Torheit zu glauben, daß mit Verlegung des Doiwteils und wirtschaftlicher Existenzfindung das Problem gelöst sei. Dann erst beginnt es. Dann kommt für den Denk- und Empfimlungsfähigen die große Auseinandersetzung. Das geistige Rüstzeug fehlt, die Probleme werden nicht einmal jesehen, die Wandlung 7.um Zionismus war nie vollzogen. Das Gros der neuen ״Zionisten“ sind keine, sind noch keine. Und müssen es werden, möglichst nicht erst in Erez Israel, sondern vor ihrer AJiiah. Zwischen der Diaspora und dem, was unter gewaltigen, noch lange hinaus fortwährenden Geburtswehen in Erez Israel vor sich geht, gibt es den großen Verbinder: die Zionistische Organisation. Stoßkraft und Geltung dieser die jüdische Einheit repräsenlierenden Körperschaft hängt völlig ab von der Würde, die die Juden selbst ihr zuerkennen. Politische, wirtschaftliche, religiöse Gruppendifferenzen diirfen nur im Rahmen strengster Gesetzlichkeit, unter Anerkennung des Zionistenkongresses zum Austrag kommen. Schon in ihrer frühesten Geschichte hat die Zionistische Organisation schärfste Gegensätze überstanden. Immer hat auch Der offizielle Poststempel vom Postamt des XIX. Zionisten- Kongresses in Luzern der Unterliegende in ihr das Symbol des auf ein Ziel geeinten Volkes verehrt und geliebt. Kein Jude, der nationale Erneuerung will, dart außerhalb stehen. Jede Bewegung ist ahztilehnen, die mit Theodor Herzls Schöpfung zu konkurrieren wagt. Primitiver politischer Instinkt muß jedem sagen, daß nur c i n Kongreß uns repräsentieren, nur eine Leitung uns führen darf. * Man hat der Gruppe, die für den deutschen Zionismus repräsentativ wurde, oft den Vorwurf gemacht, sie verhindere dadurch das Wachstum, daß sie z u große Forderungen stelle und über das objektive Kriterium der Programmanerkennung hinaus den Menschen in seiner Gesinnung und Haltung zu erfassen suche. Aber nur diesem immer noch viel zu unzulänglich betriebener! Erziehungssystem ist es zu danken, daß die Zahl der geschulten, treuen und disziplinierten Zionisten aus Deutschland besonders groß ist. Und wenn damals, als wir noch eine kleine Minderheit im deutschen Judentum waren, der Ruf nach Vereinfachung der Parolen und Forderungen immerhin noch begründbar war, so sollte heute, wo durch die Zcitumständc die Zionistische Vereinigung Massen umfaßt, jedes Bedenken entfallen, das der Lehre eines ״schweren Zionismus'1 im Wege stünde. Mitglied der Zionistischen Organisation mag jeder werden, der will. Aber Funktionen — selbst auf dem kleinsten Posten — soll nur ausüben dürfen, wer die Gewähr dafür bietet, daß er den Sinn des Zionismus verstellt. Denn nicht um zerbrochene jüdische Existenzen in einen neuen Golus, der Palästina heißt, hineinzuführen, hat Herzl diese Bewegung geschaffen, haben Chaluzim dem Fieber getrotzt und zehntausende Menschen, die für ihre Person Palästina niaht brauchten, Kräfte und tiefste Sehnsüchte in diesen Aufbau gelegt. Kein Hillswerk, mit Geld und mechanischen Mitteln durchgefiihrt, sollte es sein, sondern Erlösung des ganzen Volkes (auch derer, die außerhalb bleiben) vom Fluch nationaler Heimatlosigkeit. Dort, wo es einst zum Volke wurde, soll sich das Judentum aus seiner Dualität befreien, die Volkspersönlichkeit wieder Gestalt annehmen, ein neues jüdisches Bewußtsein geboren werden. * Doch damit, daß dieser Sinn erkannt wird und immer mehr Juden, die mit Verstand und Herz begreifen, innerhalb der Zionistischen Organisation ihren Platz finden, ist es allein nicht getan. Zum wirklichen, hundertprozentigen Zionisten gehört als unentbehrliches Element der ״lange. Atem“. Als in der Türkenzeit es fast vernunftwidrig erscheinen konnte, kämpfte ein Häuflein für eine ״öffentlich rechtlich gesicherte Heimstätte in Palästina“. Und als 192(), nach dem Beschluß von San Reino, wo die ganze zionistische Welt sich politisch am Ziele wähnte, die Rückschläge kamen — als gar noch im Jahre 1930 ein Passfieldsches Weißbuch kommen konnte, das jede Entwicklung zu vernichten schien, blieb der Mut ungebrochen. Denn es gab keine Wahl, weil Erez Israel unser Schicksal ist. Es gibt Gesinnungsgenossen von einst, die ihren traurigen Kampf gegen den Einhcitsgcdankcn mit Lehren verbinden, welche im krassen Widerspruch stellen zu den Quellen des Zionismus. Und cs gibt jene leider so große Schar von Juden, die meilenfern jedem Ideal sind und durch ihre Existenz beweisen, in welch erschreckendem Maße jahrhundertelange Knechtschaft, Verfolgung, Abgetriebcnheit von produktiven Berufen eine Gemeinschaft denaturieren kann. Auch Völker, die nicht vom jüdischen Wanderschicksal betroffen sind, haben ihr Reservoir an asozialen, von Gottes Hauch unberührt scheinenden Elementen. Und bei aller Trauer, die wir beim Anblick der jüdischen Schädlinge empfinden, könnten wir mit gutem Grund ausrufen: Welch ein Volk, das trotz der Perversion seiner üaluthexistenz im Gros seiner Menschen sich so glänzend bewahrt und die jdealist.isehen Kräfte produziert hat und immer neu produziert, die Zion erbauen. ♦ Zum Anklagen hat niemand das Recht. Die historische Aufgabe ruht auf uns, all jene zu erziehen, die wandelbar sind. Ein langer, schmerzreicher Prozeß. Das jüdische Volk ist am Anbeginn seiner neuen Wüstenwaiiderung. Und nur wenige unseres Geschlechts fühlen nicht mehr die Spuren einer Vergangenheit, an der der einzelne schuldlos ist oder die — wie Fromme sagen — Gott unserem Volke als Prüfung auferlegt hat. Daß nach uns ein neues, freies un-d erdgebundenes Judentum entsteht, ist der immanente Sinn der Zionsbewegung. Wir wären nicht Zionisten geworden, glaubten wir nicht an neue schöpferische Möglichkeiten des jüdischen Volkes. Aber Bedingung des Zionismus ist: durch die Tat Wegbereiter der Zukunft zu sein. Resignation, die weiß, daß die Fülle der Segnung uns, das Geschlecht eines Uebergangs, nicht erreichen kann. Geistige Tapferkeit, die das Problem in seiner ganzen Schwere erkennt, aber nicht verzweifelt, ,sondern das Judenschicksal liebt und zu meistern versteht. HOTEL SüaU^ :t«* * ZÜRICH Lage, Einrichtung und Führung begründen seinen Weltruf Zimmer ab Fr. 9.— Pension ab Fr. 18-

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