Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 67 (20.8.1935)
- Date
- 1935-08-20
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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7 Seife 2 zionistischen Bewegung den Dank dafür aussprechen wird, daß sie einer so großen Zahl Ausgewanderter die Nieder• lassung i!1 Palästina ermöglicht hat. Sitzung des Aktions-Comites Das zionistische Aktions-Comite ist am Montag vor■ mittag zu einer Sitzung zusamniengetreten. Im Mittelpunkt der Beratungen stand die Frage, wer zum Präsidenten des bevorstelienden XIX. Zionistcnkongresses gewählt werden soll. Da in der Plenarsitzung des Aktions-Comites ein« Einigung über die Präsidinmsfrage nicht erzielt werden konnte, wurde die Entscheidung hierüber dem Präsidium des Aktions-Comites überlassen. Tagung der Palästina-Aemi er Aut der in Eti/ern tagenden Weltkonferenz der Palästina- Aernter hielt das Mitglied der Agency-Exckutive, Jizchak Grün bäum, eine Ansprache, in der er mitteilte, daß die Exekutive der Jewish Agency mit Gesuchen um Einwanderungs/ertifikafr sowohl aus den Ländern Europas als auch aus den Vereinigten Staaten überschwemmt wird. In Palästina allein wurden 17 ODO Gesuche um Zuteilung von JÜDISCHE RUNDSCHAU Zertifikaten an Angehörige im Ausland eingereicht. Vielfach sind die Gesuchsteller Männer, die ihre Frauen in Polen, Rumänien und anderen Ländern zurücklasseu mußten. Es sei jedoch nicht möglich, mehr als 20 »0 aller Zertifikate für die Verwandteneinwanderung zu benutzen. 50 °,b sind für Chaluzitn, 20 ״> für Handwerker und 10 ״;! für sephardische luden bestimmt. Auf Veranlassung der Palästina-Regierung hat die Exekutive eine Anzahl von Zertifikaten der Agudah überlassen. Auch den Revisionisten wurde eine bestimmte Zahl von Zertifikaten zugeteilt. Grünbaum gab bekaimt, daß in das kommende Budget der Jewish Agency ein Posten von 10 000 Pfund für laiKfwirtschaftliche Ausbiklung der aus Europa cinwandernden Jugendlichen eingestellt werden wird, damit eine größere Zahl von Chaluzim aut das Land geleitet werden kann. Nach Schluß des Kongresses werde an die Palästina-Aemtcr die Weisung ergehen, Bewerbern, die die hebräische Sprache nicht beherrschen, keine Zertifikate mehr auszufolgen. Die Konferenz wurde am 16. August nach dreitägigen Beratungen mit der Annahme einer Reihe von Resolutionen geschlossen, die sieh auf eine strengere Kontrolle der Hachscharah und die Art der Zertifikateverteilung beziehen. Die Fonds-Konferenzen Keren Hajessod Anwesenheit zahlreicher Vertreter aus wie wir bereits kurz berichteten, am die Konferenz des Keren Hajessod eröffnet. Der I.eib Jaffc hielt hierbei eine Ansprache, in wurde, Luzern Direktor des Fon in der er u. a. ausiuhrte•; Ibisere Konferenz fallt in die Gründling des Keren Hajessod 1 vi im ge ätilk-r er! den Kb allen Landern 15. August in Ruik-eliau über die- Ersebutterunoeii in der Wogung. Die Arbeit für Barometer für die innere und unserer Bewegung. Erkenntnis: jn allem, vv;e ist Lire Muhe und Arbeit Der Redner gedacht( geladenen Epoche aus der Arbeit des schieden sind. Zeit, in der 15 Jahre seit der vergangen sind. Wir halten Periode, die erfüllt war von Welt und in unserer Bereu Hajessod war stes das und atibcre Situation unseres Volkes Jeder Einzelne von Ihnen hat die in Palästina geschaffen worden ist, hierauf der Toten, die זזו der ab- Keren Hajessod ge- Referat Dr. Arthur Hantke■ fnnngssit/ung stand ein Referat des «>d, Dr. Arthur 1 f a n t k c, in dem Im .Mittelpunkt der Erb! Direktors des Keren Hajes׳ die Entwicklung der Sanitiielarbeit des Fonds, die Schwierigkeit der Geldautbringun;,; infolge Valutasturz, Transferbcschränkungen und die fortsdueitcmle Verarmung der jüdischen Massen geschildert und nach einer Untersuchung der ״egebenen Möglichkeiten die Erzielung einer Jahresein nah me von 500000 Pfund, zu der 250 000 Zeichner beitragen sollen, als nächstes Ziel der Sammelarbeit bezcichnet wurde. Besonderes Augenmerk müsse der Organisierung der Kt!.-Arbeit in Amerika zugewandt werden. Dr. Hantke betonte einleitend, daß es sich bei dieser Konferenz tun eine praktische Arbeit und nicht der Demonstration gewidmete Tagung handle. Auf die ersten fünf Jahre schneller und intensiver Entwicklung sei die Weltkrise gefolgt. Erst 1035 sei eine bis heute andauernde Besserung der wirtschaftlichen Verhältnisse eingetreten und nur die Transferschvvierigkeiten hätten die Erreichung jener Höhe der Einnahmen verhindert, wie sie vor der Krise bestand. Die Zahl der Zeichner sei gewachsen, die Höhe der Zeichnungen jedoch im Durchschnitt um 20<>, gefallen. Nunmehr stelle die verstärkte Einwanderung immer größere Anforderungen an den Fonds. Tausende erfahrene Landarbeiter warten in Palästina auf Ansiedlung, zehnt,־msrnde Chaluzim in der Gallith auf Einwanderung. Die 500 000 - P f u n d - A n 1 e i h e, die nicht nur einen finanziellen, sondern auch einen holten moralischen Erfolg bedeutet, habe die Finanzlage der Exekutive gefestigt' und ermögliche die Ersparung von tausenden Pfunden für Zinsendienst. Die Ausgaben für den einzelnen Siedler und die Beiträge für das Sdmlwerk wurden verringert, die für neue Kolonisation erforderlichen großen Summen aber müssen wie in der Vergangenheit durch Sammlungen aufgebracht lie k’nekzahlungen, die der Fonds bis 1938 ztl ergroßer sind aD der Betrag, der für Zinsendicnst ening der Anleihe in den ersten fünf Jahren notrönnen die Einnahmen der nächsten Zeit re sto n s ז r 11 k t i v e n A r h eit! 11 g e führt werden, hier cioiterUsodann die objektiven Möglichkeit und erklärte, man müsse vorhandenen Widerständen antizion istinischer Gruppen rechnen. Es gehe nicht liehe Werbekraft Erez Israels und auf neen im jüdischen Leiten der Gaiutll eit der Aufbaüfonds sei in denjenigen gewesen, in denen die zionistische Stutze der Keren Hajessod-Arbcit, pi um die jüdische Seele führt. Da Keren Kajemeth unter einen Minwerden. Da warten hat, und Amorhs wendig ist, 1 o s d e r k . 1 )irr R k f i t c n der S;1 11׳ m c mit den noch initiier scher und antipalnstineinisrl an, sieh auf die natürliche die Eimvickimig-U ndetizeri 711 verlasse!!. Die Arbeit d ländern am erfolgreicheren Bewegung, die mächtigste einen kompromißlosen Kam man mit Ruek-icht auf den destbeitrag von 1 Pfund nicht heruntergelien könne und weite Kreise des pauperisierten Mittelstandes im Osten diesen Betrag nicht aufbringen können, sei in den nächsten Jahren mit nicht mehr als 250 000 Zeichnern zu rechnen. Da 35 0,0 der für die Arbeit in Betracht kommenden Juden in den Vereinigteil Staaten wohnen, müsse diesem Land besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden. Es gelte, die Zahl der Zeichner in Europa und Amerika zu verdoppeln. Da infolge der Wirtschaftsnot jährlich alte Zeichner wegfallen, müssen in jedem Jahre 20 0״ Zeichner neu hinzugeworben werden. Rechne man mit einer üurchschnittszeichnung von 3 Pfund, so könne man unter Berücksichtigung von Verlusten und Spesen ein Jahreseinkommen von 500 000 Pfund von diesen 250 000 Zeichnern erwarten. Diese Summe sei bedeutend, wenn sie konstruktiver Arbeit, vor allem der Förderung landwirtschaftlicher Siedlung, zugefiihrt werden kann. I)r. Fiantke behandelte sodann das Abkommen mit dem Keren Kajemeth, die Notwendigkeit einer Koordinierting auch der übrigen Palästinasammiungcn und die Frage der amtlichen und freiwilligen Mitarbeiter. Das Direktorium vertrete den Standpunkt, daß die Verfassung der J e w i s 11 Agency wenigstens zum Teil auf der Organisation der Keren Hajessod-Zeichner aufgebaut sein sollte. Es sei zu hoffen, daß der Zionistenkongreß Maßnahmen treffen werde, um dem aktiven KH.-Mitarbeiter Einfluß auf die Entscheidungen und Arbeiten des Fonds zu verschaffen. Das Grundprinzip der freiwilligen Sclbstbe- Steuerung, fuhr Dr. Hantke fort, müsse weiterhin für die Keren Hajessod-Arbeit maßgebend bleiben. Werde diese Steuer 30 Jahre lang entrichtet werden, so werde der Gedanke der Arbeit für Palästina im jüdischen Leben so fest verankert sein, daß er nie mehr erschüttert werden kann. Was die Ver wendüng der Keren Hajessod-Geld er betreffe, so müsse die landwirtschaftliche Kolonisation an erster Stelle stehen. Im Hinblick auf den Zug zur Stadt müsse das nationale Kapital durch Entwicklung der ländlichen Siedlungen das Gleichgewicht zwischen Stadt vmd Land wicdcrhcrstellen. Ebenso werde in der zionistischen Bewegung dem Prinzip der Planwirtschaft, das sich überall in der Welt durchsetze, Rechnung getragen werden. Mindestens 25 "0׳ der Einwanderer müssen der Landwirtschaft zugeführt werden. Diese Kolonisation kann von den nationalen Fonds nicht allein geleistet werden, sie müssen jedoch Schrittmacher der Entwicklung sei. Bel einem Einkommen von 500 000 Pfund jährlich könnten 700 bis 800 Familien im Jahr angesiedelt und die Ansiedlung weiterer 1400 bis 1500 Familien könnte indirekt erleichtert werden. Keren Kajemeth Ueber die Konferenz des Keren Kajemeth, deren Er- Öffnung wir schon kurz berichtet haben, ist noch mitzuteilen: Ussischkin■ Rede In wirkungsvollen zweistündigen Ausführungen behaudelte Ussischkin das Thema ״Israel ohne Land“. Er bezeichnete es als die Tragödie der zionistischen Bewegung; daß sie nach 53 Jahren organisierter Arbeit noch immer unter dem Mangel an Boden zu leiden habe. Wohl steige das Einkommen des Jüdischen Nationalfonds. Wohl erwerbe er fortgesetzt Boden und siedle Juden an, trotzdem aber wäre es falsch, einen optimistischen Bericht über die Lage zu erstatten. Die Aussichten in bezug auf Bodenerwerb in Palästina seien trübe. Der Redner wäes aut die Möglichkeit hin, daß es für Juden überhaupt schwer werden könnte, Boden in Erez Israel m erwerben, einerseits, weil die Zahl der Verkaufs will! gen klein sei, und andererseits, weil die Regierung dem Bodenerwerb Nr. 67, 20. VIII. 1935 Hindernisse in den Weg lege. Heute seien nur 6!/2 0/0 des gesamten palästinensischen Bodens in jüdischem Besitz. Hierbei seien sowohl die dem Nationalfoiids gehörenden Ländereien als aucli diejenigen berücksichtigt, die sich in Privatbesitz befinden. Dabei aber steige der Prozentsatz der jüdischen Bevölkerung dauernd und habe bereits über 26»/« erreicht. Ussischkin berührte sodann das Problem Transjordaniens und erklärte, man bemühe sich, die Einwandcrungserlaubnis der luden nach Transjordanien zu erlangen. Aber auch der Erfolg dieser Bemühungen könne das Problem des Bodens in Erez Israel nicht lösen. Mit Zurückhaltung sprach Ussischkin sodann über Unterhandlungen, die zur Zeit vom Nationalfonds betreffend die Aufnahme einer Anleihe geführt werden, ohne irgendwelche Details über diese Anieiheverhandluiigen bekanntzugeben. Bezüglich der Hule-Konzession erklärte Ussisch* kln, daß sich der Nationalfonds an diesem Unternehmen nur dann beteiligen werde, wenn ihm ein 50prozentiger Anteil eingeräumt wird, und es sich bei den Partnern der restlichen 50 Prozent nicht um Privatpersonen, sondern um öffentliche Institutionen handelt, die an der Erschließung des Gebietes Im Sinne der Grundsätze des Jüdischen Nationalfonds Interessiert sind. Ussischkin gab bekannt, daß jetzt großzügige Pläne für die Erschließung der vom Keren Kajemeth in letzter Zeit erworbenen Terrains im Beisan-Gebiet ausgearbeitet wurden. Ein Referat Granovskys Dr. A. Granovsky hielt auf der Konferenz ein Referat ״Unser Bodenproblem im Lichte palästinensischerWirklichkeit“, in dem er untersuchte, inwieweit die ״Thesen der Londoner Jahreskonferenz“ vom Juli 1920, in denen der Keren Kajemeth zum Träger der jüdischen Bodenpolitik in Palästina bestimmt wurde, verwirklicht werden konnten. Schluß der Fonds-Konferenzen Die Differenzen über die Arbeitsabgrenzung Die Tagungen des Keren Kajemeth und des Keren Hajessod wurden am 16. August geschlossen, ohne daß das von den Direktorien getroffene Abkommen über die Abgrenz, ung der Arbeitsgebiete und Arbeitsmethoden der beiden Fonds endgültig ratifiziert worden wäre. In der Keren Hajessod-Konferenz wurden von mehreren Rednern schwerwiegende Bedenken gegen das Abkommen vorgebracht. Der Histadruthlührer Mereminsky, der Hauplgegner der Ratifizierung des Abkommens, hat eine Reihe von Abänderungsvorschlägen gemacht. Es kam schließlieh zur Einsetzung einer gemeinsamen Kommission von Vertretern des Keren Hajessod und des Keren Kajemeth, der die endgültige Ratifizierung des Abkommens und die Ausarbeitung eines Kompromißentwurfes, der dem Kongreß vorgelegt werden soll, überlassen wmrde. Neue Leitung des Misrachi Rabbi Berlin, Rabbi Fishman and Farbslein zurückgetreten ln der Schlußsitzung der Krakauer Weltkonferenz des Misrachi, Uber deren Verlauf wir noch berichten werden, wurde folgende Leitung gewählt: Rabbi Gold, Dr. Feldmann, Prof. Pick, Rabbi Neufeld, Mosche Schapiro und A. Jrt. Genachowski. Ein Sitz in der Exekutive wurde für den Merkas Arzi in Erez Israel reserviert. Ferner wurde der Waad Haröschl (Zentralrat) gewählt, an dessen Spitze Rabbi Fishman steht. Die Konferenz beschloß die Bildung eines Merkas Olami für Kultur- und Erziehungsfragen in Palästina und in den Galuthländern sowie die Schaltung einer Zentrale für den Keren Erez Israel unter Leitung von Rabbi Fishman. Den ausscheidenden Mitgliedern der Exekutive, Rabbi Berlin, Rabbi Fishman und H. Farbstein, wurde der Dank für ihre hingebungsvolle Arbeit ausgesprochen. Zum 60. Geburtstag Rabbi Fishmans wird eine Ausgabe seiner Schriften veranstaltet. Die Konferenz bewilligte zu diesem Zweck einen Beitrag von 150 Pfund. In der Frage des zionistischen Schekels wurde kein Beschluß .. . entfernt, in dem jedes Misrachi-Mitglied zum Kauf des Schekels verpflichtet wird. Hierzu gab Rabbi Ostrowski namens des ״Misrachi H a w׳ a t i k“ die Erklärung ab, daß dieser keine Mitglieder aufnehmen werde, die nicht Schekelzahler sind. Das Schlußwort hielt Rabbi Brod. Er betonte, daß trotz aller Differenzen der Misrachi als geschlossene Einheit aus dieser Konferenz hervorgehe. llauptschriftleilcr: Dr. Robert VV c 1 t s c 11, Berlin-Chailoltcnburg 9. Stellvertreter: Kurt Loewcnstcin, Berlin W 15. Anzcigcnleiter und verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: IIermann Kinn, Herlin-Tempdlioi. Gültig: Anzeigen-l’reidhle 2 vom X. Januar 1935. Verlag und Anzeigenvenvallung: Jüdische Rundschau, Berlin W 15, Meinekestraße 10. D.-A. Juli 33 867. — Druck: Siegfried Scholem, Berlin-Schörieberg. VOR DER KONGRESS-ERÖFFNUNG IN LUZERN .VW ׳■'־$־ ך ׳"I. I »‘?A* 1!,r Wrfc t. */■wt ״ a'f* its׳״*■ Jugendliche erteilen am Bahnhof den ankommenden Gästen die erforderlichen Auskünfte Beim Wohnungsamt herrscht stets großer Betrieb Das Büro des Kongresses im ״Luzerner Hof" Foto■ 5 Herbort Soutenl•!*