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Jüdische Rundschau · 1935-08-20 · Heft 67 (20.8.1935) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 67 (20.8.1935)
Date
1935-08-20
Page
– (sequence 1)
Language
German
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s n n v 1 q q q l, i*,. ö. י w O 3 Nr. 67 / Jahrgang 4< Preis 25 RpL III SdvUtliltaBg.Vcrlag R. 4&uigtnv«rwaltnng s Bnrllui W15, M6tn6k9Btr.lt F«tmul: Sammei'Nr. Jl Bismarck 3181/82,7165/70,7240/42.- Bezugspreis einschl. BeMeBgeld je Monat RM 2,-, je Vierteljahr RM 5,75. kei Abholung RM 1,88 bzw. RM 539. — Postscheck. Konten der Vertriebs - Abteilung: Berlin 71573 (lür GroÄ ־ Berlin), Berlin 17392 (lür das übrige Reich), ln Fällen höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf Nachlieferung oder Erstattung etwa schon gezahlter Berugsgebühren. — Erscheint Jeden Dlamtag and Freitag. RUNDSCHAU BERLIN כ״א אב תרצ״ה DIENSTAG, 20. AUGUST 1935 AaixetgenprelsUflte Nr. 2 gflltig, Di« 12 gespaltene mm - Zeile 20 Rpl, fär femiiiennachrichten 15 Rpf. Aufnahme von Anzeigen an bestimmten Tagen oder Stellen und in bestimmte Ausgaben kann nicht gewährleistet werden. Finzelarazeigen mir bei Vorauszahlung auf Postscheck . Konto Berlin 71618 oder bat Montag bis Donnerstag 9 — 18 Uhr, Freitag 9 — 16 Uhr. AnnahmeschluS für di# Dienstag - Ausgabe Montag IO Uhr, lür di« Freitag - Aua» gebe Mittwoch 13 Uhr (Für Familienanzeigen am Tag vor Erscheinen 12 Uhr) Der Zionismus erstrebt fOr das indische Volk die Schaffung einer ,Öffentlich ־ rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina.!Baseler Programm) Der Legislative Council Kongreß-Präludien In Luzern haben ln den letzten Tagen eine ganze Reihe von Vorkonferenzen stattgefunden, die der Vorbereitung des Kongresses dienten bzw. Spezialprobleme der zionistischen Arbeit erörterten. So tagten die Freunde und Mitarbeiter des Keren Hajessod und des Keren Kajemeth in zwei großen Konferenzen, Exekutive und A.-C. traten zu Vollsitzungen zusammen und die Mitarbeiter der Pal iistina-Aemter versammelten sich zu einer Beratung. Bei diesen Konferenzen wurden wichtige Teilgebiete der Palästina-Arbeit erörtert und für die praktische Arbeit bedeutsame Beschlüsse gefaßt. Auch die verschiedenen Kong r e ß f r a k t io n e n traten zu Sonderberatungen in Luzern zusammen. Nur der Misrachi hatte seine Weltkonferenz wieder, wie schon vor zwei Jahren, nach Krakau einberufen. Ein bedeutsamer ״Times“.Artikel LHe Londoner ״Times“ vom 15. August veröffentlicht einen ausführlichen Artikel ihres Jerusalemer Korrespondenten über das Projekt des Gesetzgebenden Rates in Palästina. Es ist wohl kein Zufall, daß die Veröffentlichung dieses Artikels mit der Ankunft Sir Arthur Wauchopcs in London zusamrnenfällt, wodurch dieses Problem in ein entscheidendes Stadium getreten ist. Der Verfasser sagt, Palästina solle jetzt in der Form des Gesetzgebenden Rates die ״erste Abschlagszahlung“ auf eine verantwortliche parlamentarische Regierung erhalten. Er gibt dann eine Darstellung der bisherigen Geschichte der Verfassungsrefornivcrsuchc Palästinas seit dem Jahre 1922, wo die Wahlen von den Arabern boykottiert und dadurch das ganze Projekt zu Fall gebracht wurde. Seit dem Weißbuch von 1922 habe auch das Weißbuch von 1930 wieder einen Gesetzgebenden Rat versprochen, Vor einem Jahre habe der High Commissioiier die Zeit für reif gehalten, aber nach seiner Rückkehr vom Urlaub im vorigen Herbst hätten sowohl Araber als auch Juden seine Vorschläge abgelehnt, und so wurde die Sache wieder vertagt. In diesem Jahre aber ist klargemacht worden, daß der Legislative Council ohne Verzug eingesetzt werden wird, ohne Rücksicht auf etwaige Opposition oder Boykott; und obwohl die jüdische Ablehnung stärker ist als je, seien die Araber jetzt versöhnt. Diese arabische Sinnesänderung kann auf drei Ursachen /;!rückgeführt werden. Erstens habe sich die bisherige Politik der arabischen Exekutive als unfruchtbar erwiesen, so daß im vergangenen Jahr alte und neue arabische Parteien wieder auf den Plan getreten sind, und zwar die ״Palästinensisch-arabische Partei“ (liusseini-Gruppe), die ״Palästinensische Verteidigungs-Partei“ (gegründet vom früheren Bürgermeister Ragheb Naschaschibi), die ״Reform-Partei“ unter der Führung des neuen Bürgermeistere Khaldi, eine ״Jugendpartei“ und eine ״Bauernpartei“. In diesem Parteienspiel sei es auch der Husseini-Ciruppe unrichtig erschienen, außerhalb des Legislative Council zu bleiben, von dem sie erhoffe, daß er eine ideale Plattform sein wird, ihren Führungsanspruch, ihren arabischen Patriotismus und ihren Haß gegen das Nationalhcim zu proklamieren, Zweitens besteht die Anschauung, daß alles, was die Juden für schlecht halten, für die Araber gut sein müsse. Aber der dritte und wichtigste Grund für die arabische Sinnesänderung ist die Zusicherung, daß der Legislative Council, wie er jetzt von der Mandatarmacht geplant ist, durch keinerlei Garantien oder ״vorbehaltene Gegenstände“ eingeschränkt sein wird. Die Araber werden sogar über die jüdischen Einwanderungsquoten und über die Bodenverkäufe an Juden ihr Votum abgeben können. Es bleibt nur eine vage Bestimmung, daß keine Gesetzgebung bestätigt werden würde, die im Widerspruch zum Mandat steht. Der Korrespondent fährt dann fort: Uebcr die allgemeine Frage des Wertes und der Zeitgeinäßhcit eines Legislative Council kann man verschiedener Meinung sein. Man hofft, daß er Araber und Juden näher zueinander bringen und zu einer gegenseitigen Verständigung und Mäßigung führen wird. Die Erfahrungen mit beratenden Ausschössen für Handel und Landwirtschaft haben gezeigt, daß Araber, Juden und britische Beamte freundschaftlich zusammenarbeiteten; ähnliche Versuche mit Ausschüssen für Straßenwesen und Erziehung haben sich nicht bewährt. Niemand sollte die Warnung unterschätzen, daß trotz der besten Absichten in gewissen britischen Kolonien, z. B, Cypern, die Einrichtung von Selbstregierung nur die U n ־ ruhe vermehrt hat: auch die Erfahrungen in Aegypten und Syrien hahen bewiesen, wie gering die Aussicht ist, daß demokratische Institutionen in Ländern des Nahen Ostens zufriedcnstclknd arbeiten. Eine Kenntnis der besonderen Eigenart der palästinensischen Araberführer erregt den Verdacht, daß für sie der Gesetz.- ebenda Rat weniger der Heranbildung für verantwortliche dbstregienmg dienen wird als vielmehr der Kunst, die für die Verwaltung des Landes Verantwortlichen zu stören. Die durch den Council gegebene größere Publizität und der Konkurrenzkampf zwischen den arabischen Führern, die sich in populären Schlagworten überbieten wollen, wird dazu führen, daß der Legislative Council weniger zur Herbeifülming von Kompromissen, als vielmehr zur Prokla mat i o n e i ft e s aggressiven arabischen Nation;;- tismus dienen wird, der sich in gleicher Weise gegen die britischen Bemühungen wie gegen den jüdischen Fortschritt wenden wird. Die Opposition der Araber gegen das Mandat und das Jüdische Nationalheim,, die in den letzten zwei Jahren relativ stumm gewesen ist, wird wieder der hervorstechendste Zug im palästinensischen Leben sein. Dies alles hat wollt die Mandatarmacht erwogen, aber die häufig gegebenen Versprechungen, ein größeres Maß von Selbstrcgicrtmg einzuräumen und das Bedürfnis, bestehende Unzufriedenheiten womöglich wegzuräumen, dazu noch der Triumph der Hoffnung über die Erfahrung, sind Ursachen genug, um das Experiment zu rechtfertigen. Der Verfasser gellt dann auf die Haltung der Jttden ein. Die Juden beabsichtigen, den Council zu boykottieren; kein Jude wird sich zur Wahl stellen, und es ist höchst unwahrscheinlich, daß sogar der friedliebendste unter den jüdischen Führern — und solche gibt es viele — eine Ernennung für den Council annchmen würde. Die jiidisehe Gemeinschaft Palästinas ist weit entfernt davon, einheitlich zu sein, aber in dieser Frage ist sie einig. So besteht die Sicherheit, daß der Legislative Council, dessen Existenzberechtigung darin liegt, daß er der brituschen Verwaltung bei der Durchführung der Vorschriften des Mandates — einschließlich der ״Ermutigung jüdischer Einwanderung'‘ und dichter Siedlung und der ״Schaffung Vor der Eröffnung Von unserem Kongreß- Sonderberichterstatter Luzern, 19. 8., 6 Uhr nachm, (teleph.) Nur noch 24 Stunden trennen uns von der Eröffnung des Kongresses, ln Luzern wird bereits fieberhaft gearbeitet. Der Bericht der Exekutive ist schon in den Händen der Delegierten. Aus ihm geht hervor, welche gewaltigen Fortschritte in den letzten zwei Jahren in Palästina gemacht wurden. Es verlautet, daß im Laufe des Kongresses große neue Kolonisationspläne und Pläne zu deren Finanzierung vorgelegt werden sollen. Von der Weltvereinigung Allgemeiner Zionisten wird die Frage der Errichtung eines Wirtschaftsrates für Palästina lebhaft diskotiert Das Hauptinteresse des Kongresses richtet sich auf die Erweiterung der Möglichkeiten für die Einwanderung von Juden aus allen Länden, insbesondere aus den Ländern, wo ein starkes jüdisches Auswanderungsbedürfnis besteht. Das Aktions-Comite und die Fraktionen tagen seit zwei Tagen bereits in Permanenz. Die Welt- Vereinigung der Allgemeinen Zionisten hat sich als eigene Fraktion konstituiert, unter dem Vorsitz von Rev- Goldbloom (London). Zum ersten Male ist dadurch von dem Prinzip der Landsmannschaften abgcvichen worden. Die Zionisten aus Deutschland werden als eigene Gruppe auftreten, die besonders die Interessen der Ansiedlung von Juden aus Deutschland in Palästina in den Vordergrund stellen wird. Von einigen Seiten sind Bestrebungen zur Fusionierung der beiden Gruppen der Allgemeinen Zionisten im Gange, die aber vorläufig wenig Aussicht auf Erfolg haben. Die grollte Fraktion ist die der Arbeiterpartei, die eine 15-gliedrige Leitung eingesetzt und sich in Sektionen ein geteilt hat, die die verschiedenen sachlichen Arbcitsgebiete bearbeiten sollen. Die Fraktion und ihre Sekder für das Jüdische Nationalhcim notwendigen politischen, administrativen und ökonomischen Bedingungen“ — zu helfen hat, keinen Juden in sich schließen wird. Der Korrespondent gibt dann die (unseren Lesern bekannten) Gründe der jüdischen Ablehnung wieder und erklärt, die Juden seien besonders verstimmt über den Zeit- Punkt dieses Experimentes, gerade in einem Moment, wo Palästina allein eine Einwanderungsstättc für tausende Juden bieten kann, die anderswo auswandern müssen; man befürchte auch einen Zusammenbruch des mühsau; auf ge bauten Vertrauens und die allmähliche Zurückziehung der Anleihen und Investments, die dank diesem Vertrauen nach Palästina geflossen sind. Es ist leicht, so sagt der Korrespondent, dem jüdischen Argument zu 1 ust i m m en, daß die Schaffung eines derartigen Legislative Council eine direkte Verletzung des Mandates bedeutet. Aber der jüdische Einwand geht noch tiefer. Die Juden haben nichts gegen eine parlamentarische Regierung als solche, aber sie glauben, daß der jetzt beabsichtigte Council sie desjenigen Status in Palästina berauben würde, der sich von dem in allen anderen [.ändern unterscheidet. Die Konzeption eines jüdischen Nationalheims, der Glaube, daß es wenigstens einen Ort in der Welt geben müsse, wo Juden nicht durch einen Mindcrhcitenstatus und die Bürde des Ausgeschlossenseins und des Minderwertigkeitsgefühls gede-uuitigt werden können — diese Hoffnung schwindet sofort, wenn jedes Gesetz und jede Verwaltungsmaßnahme durch den Willen einer feindlichen Majorität dirigiert würde. Dennoch, so schließt der Aufsatz, könne der Council nicht lange mehr vertagt werden; und es werde argumentiert, daß die jüdischen Einwände leicht befriedigt werden könnten. Vorausgesetzt, daß der Council so gestaltet werden könnte, daß er die besondere Qualität des jüdischen Status in Palästina anerkennt und beschützt — z. B. durch Aus- Schließung gewisser Themen oder noch besser durch Auff in düng einer Form von arabisch-jüdischer Parität, welche den jüdischen Einsatz und die jüdische Anstrengung in Palästina widerspiegelt —, dann könnte wenigstens etwas von der jüdischen Opposition aufgegeben werden. tionen haben bereits mehrere, sehr lange Sitzungen ahgehalten, in denen auch die Frage der Koalition für die künftige Exekutive diskutiert wurde. Großes Bcfremden haben in Luzern die Berichte über die Krakauer Beschlüsse der M i s r a c I! i - K o n f e r e n z hervorgmifen, insbesondere der Beschluß über die Freigabe des Schekelzahicns. Die Form dieser Beschlüsse ist allerdings noch nicht klar, und der Misrachi bestreitet die Interpretation, die diesen Beschlüssen von einigen Seiten gegeben wird, wonach durch die Zugehörigkeit zum Misrachi nicht notwendigerweise auch die Zugehörigkeit zur Zionistischen Organisation bedingt würde. Die Vorbereitungen für die äußere Gestaltung des Kongresses sind im vollen Gange. Die Frage des Kongreß-Präsidiums ist noch nicht entschieden. Es gibt verschiedene Vorschläge, die in den Couloirs diskutiert werden. Manche wollten S o k o 1 o w als Präsidenten Vorschlägen. Doch wird dagegen geltend gemacht, daß der Präsident der Organisation nicht gleichzeitig Kongreß-Präsident sein sollte. Man hört auch den Namen Ussischkins als Kandidaten für das Präsidium des Kongresses, einige wollen auch Weizmann Vorschlägen. Bei der endgültigen Auswahl werden Erwägungen verschiedener Art ausschlaggebend sein, nicht nur persönliche Momente, sondern auch solche der praktischen Arbeit, Bei der Beratung der Tagesordnung sind auch Mcinungsverschicdenhciten aufgetaucht über die Behandlung der Gal u 111 f r a ge n, da eine Anzahl von Delegierten aus verschiedenen Ländern, insbesondere aus Amerika, es für unerläßlich hält, die Lage der Juden in der Galuth ausführlich darzustellen, um die Analvse des Zionismus vor der ganzen jüdischen und nichtjüdischen Welt so eindrucksvoll wie möglich in Erscheinung treten zu lassen. Demgegenüber bestehen andere Meinungen, daß eine solche Erörterung überflüssig ist und die positive Aufbauarbeit stärker in den Vordergrund genickt weiden soll. Wie zu erwarten war, bestellt insbesondere eine Tendenz bei den Delegierten aus den Landern der westliehen Demokratien, entsprechend der grundsätzlichen Auffassung dieser Länder, auch die Image der Gleichberechtigung der Juden zur Erörterung zu stellen, wallrend andere der Meinung sind, daß, so wichtig diese Frage auch ist, dieser (iegvnst ind nicht Sache des Zionistenkongresses ist, der vielmehr durch P a 1 ä s t i!1 a die positive Antwort auf die Jiidcmiot, die wir in ihren verschiedenen Formen als gewaltige Tatsache des jüdisehen Lebens kennen, zu gehen hat. Das S t a d t b i 1 d v 0 n L11 z e r!1 ist vom Kongreß vollständig beherrscht. Viele Gäste und Delegierte sind in Luzern anwesend; insbesondere die Delegierten aus Palästina, unter denen sich auch viele Jugendliche befinden, ziehen die Aufmerksamkeit auf sich. Ein schönerer Ort für die Tagung des Kongresses ist kaum zu denken• Aber die Delegierten des Kongresses können sich nicht der Schönheit der Natur hingeben. Schwere Sorgen um ein Volk, das um seine Existenz, um seine Regeneration, eine historische Neugestaltung ringt, lasten als große Verantwortung auf den Delegierten des Kongrosses und verleihen auch dem vom Kongreß gewandelten Stadtbild ein ernstes Gepräge. Sitzungen der Fraktionen Die Arbeiterfraktion ist am Sonntag zu einer Beratung zusammengetreten. Die neue ״W e 11 v e r c i n i - gung Allgemeiner Zionisten“ (Gruppe A) hat ihre konstituierende Konferenz eröffnet. Ein Entwurf für die Statuten der Vereinigung wurde der Tagung von Dr. Martin Rosenblüth vorgelegt. Auch der ״Welt ver band Allgemeiner Zionisten (Gruppe B) hat seine Fraktionsberatungen begonnen. Am IS. August ist in Luzern der Völkerbundsoberkommissar für Auswandererfürsorge, James G. M a c D o n a I d, eingetroffen. Er hat eine Begrüßungsansprache für die Er- Öffnungssitzung des Kongresses angekündigt, i!1 der er der

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