Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 66 (16.8.1935)
- Date
- 1935-08-16
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 66, 16. VIII. 1935 JÜDISCHE RUNDSCHAU Sette f Ausschluß und Verbote In einer Anordnung des stellvertretenden Rekhsleitere der Deutschen Arbeitsfront, Schmeer, heißt cs: ״Unter Bezugnahme auf die Bestimmung des Herrn Reichsministers des Innern v. 27. April 1935: — ,Die Hissung der Rckhsfahnen, insbesondere der Hakenkreuzflagge durch Juden hat zu unterbleiben, in Zweifelsfällen trifft die örtliche Polizei die erforderlichen Anordnungen‘ — haben wir Veranlasstuig darauf hinzuvveisen, daß es der nationalsozialistisehen Zielsetzung der Deutschen Arbeitsfront widerspricht, wenn Betriebe mit jüdischen Betriebsinhabern bzw. Betriehsführcrn an nationalen Feiertagen oder sonstigen Anlässen bei einer allgemeinen Beflaggung die DAF. - Fahne hissen.“ In Burg S t a r g a r d ist ein Schild aufgestellt worden mit der Aufschrift: ״Jude, fahr’ weiter init dem nächsten Zug, wir haben in Burg Stargard an einem genug.“ In Dessau sind sämtliche jüdischen Geschäftsinhaber aus dem Rabattsparverein ausgeschlossen worden. Die Kreisleitung der NSDAP M i es b a c h hat am 10. August folgende Kundgebung erlassen: ,,Auf (!rund verschiedener Ausschreitungen und herausfordermlcn Benehmens der deutschen Bevölkerung gegenüber verlange ich, eiaß die als Kurgäste hier weilenden Juden binnen 24 Stunden Kot ach-Egern verlassen und au-־■ den b.tyeririehen Bergen verschwinden. Nach rlic-cm Termin kann für ihre Sicherheit keine Garantie mehr ulx-rnom iiien werden,1' Im Kurort Wenholthausen ist durch Schilder zum Ausdruck gebracht: ״Juden werden hier nicht geduldet.“ Ebenso sind Juden unerwünscht in Grünstadt (Pfalz), Obcrbrcrht.il (Schwarzwald) und Kempfeld (Anh.). Die ״Mecklenburgische Zeitung“, Schwerin, vom 10. Aug. teilt folgenden Vorfall aus Wismar mit: ״J u <1 e n b e s 11 c 11 unerwiin s c 11 U In den gestrigen Abendstunden wurde bekannt, daß an einer Hochzeitsfeior auch ein auswärtiger Jude teilnahiri. Vor dem Hause sammelte sich eine schnell amvnrhsendc Menschenmenge, die ihrer Empörung über die Anwesenheit eines Juden lebhaft Ausdruck verlieh, Die Polizei forderte den Juden zum Verla-sen des Hauses auf und dieser verschwand dann auch schleunigst, mit seinem Automobil aus Wismar. Wie in zahlreichen anderen Städten, Badeorten usw., haben die hiesigen Gastwirte auf Vorschlag der Kreisleitung auch hier in ihren Räumen Schilder mit dem Aufdruck: ,Juden nicht erwünscht‘ angebracht. Es dürfte daher damit zu rechnen sein, daß auch in Wismar keine Juden mehr Aufenthalt nehmen werden.“ Der ״Völkische Beobachter“ Nr. 222 (Münchener Ausgäbe) meldet, daß der Bürgermeister von Bad Wörisholen (Schwaben) eine Bekanntmachung■ erlassen habe, wonach mit sofortiger Wirkung an Juden Kurkarten nicht mehr ausgestellt werden. Nach Mitteilung der ״Münchener Neuesten Nachrichten“ ist eine entsprechende Anordnung auch in Bad H c i I b r tt n n (Oberbay.) ergangen. Nach Mitteilung der ״Westpreußischeil Zeitung“ in Elbing ist au! einer Tagung der Wirtschaftsgruppe des Gaststätten- und Beherberguiigsgewerbcs in Elbing jedem Gastwirt nahegelegt worden, Plakate in den Lokalen an sichtbarer Stelle anztihritigen, wonach Juden in den Elbinger Gast- Stätten unerwünscht sind. Wie die ״Nationalsozialistische Schlesische Tageszeitung“ in ׳Breslau meidet, ■haben die Gemeiiideräte von Frey Stadt in der letzten Sitzung zur Judenfrage Stellung genommen. Der Bürgermeister verlas folgenden Antrag: ״Kein Jude darf ein Haus oder ein Grundstück in Freystadt erwerben. Kein Handwerker, kein Geschäftsmann, überhaupt kein Volksgenösse erhält eine Genieindearbeit oder Gemeindelieferitng, der noch mit Juden Verkehr pflegt, beziehungsweise diese in ihrem Handel unterstützt oder seine Einkäufe bei Juden tätigt. Das Kauten beim Juden bedeutet Verrat an Volk und Vaterland.“ In gleicher Weise nahm die Gemeinde Landsberg am Lech zu derselben Frage Stellung. Nach Meldung des ״Pfälzischen Kurier“ in Bad Dürkheim ist in Höheinöd in der Gcmcindcratssitzung ein im gleichen Sinne gehaltener Beschluß gefaßt worden. Wie die ״Berliner Börsen-Zeitung“ meldet, haben die Gemeinderäte von Klein -Machnow einstimmig den Bürgermeister ersucht, dahin zu wirken, daß der Zuzug von Nichtariern künftig unterbleibe. Die umfangreichen Geländeauiteilungen in Klein-Machnow geben der öenieindevcnvaltung Anlaß, schon jetzt darauf hinzuweisen, daß Nichtariern die Genehmigung zur Ansiedlung oder Bebauung von Grundstücken nicht erteilt werden könne. Zu der Meldung über Badeverbote und Verbote in Kurorten wird uns mitgeteilt, daß in Bad R e i c h c 11 h a 11 zwar ein Eintrittsverbot für Juden an drei außerhalb des Ortes gelegenen Freibädern ergangen ist, wie dies auch in vielen Städten erfolgte, daß aller der Bade- und Kurbetrieb in dem Kurort selbst, der Gebrauch der Bäder und sonstiger Kurmittel in allen Kurmittelhäusern Ariern und Nichtariern in der gleichen Weise unbehindert gestattet ist. Die Exter!1 stein-Stiftung als Betreuerin der Fxtcrnsteine und des umliegenden Geländes hat eine Anorduung erlassen, die den Besuch der Externsteine und die Besichtigung der Grabungs- und Umgestaltiingsarbeiten regelt. In Punkt 5 der Bekanntmachung wird bestimmt, daß J u - den und Judengenossen keinen Zutritt haben. Die Polizeiverwaltung von Bad Hönningen hat den Juden das Betreten des Thermalschwimmbades verboten. Behandlung der Judenfrage Im Reichibund für Leibes- Übungen. Der Rcichsdietwart Kurt Münch Hat folgende Anordnung erlassen: ״Die Ucbergriffe, die sich das Judentum z. Zt. wieder in allen Gauen Deutschlands erlaubt, zwingen Staat und Rewe , mg zu einer scharfen und klaren Abwehr- Stellung. Die Vorfälle, die wir Tag für Tag in den Tages- Zeitungen lesen können, beweisen, daß die Judenfrage und die Gefahr, die das Judentum für das deutsche Volk bedeutet, noch nicht allgemein anerkannt worden ist. Aus all diesen Gründen ordne ich an, daß auf dem Dietabend im Herbstnimid (September) von allen Dictwarten des Deutschen Reichshundes für Leibesübungen die Judenfrage b e - handelt wird. Der Gleichklaug zwischen Bewegung und Reichsbund t. L. muß unter allen Umständen gewahrt bleiben. Wir haben die selbstverständliche Pflicht, die Bewegung in ihrem Abwelirkampf gegen das Judentum durch unsere Arbeit in unseren Vereinsgemeinschaften tatkräftig zu unterstützen.“ Aus der Reichspresseschule Judenfrage und Zionismus als Prüfungsfragen Das Verbandsorgan der Reichspressekammer ״Deutsche Presse“ veröffentlicht eine interessante Darstellung über den ersten Lehrgang der von Regierungsrat Meyer-Christian geleiteten Reichspresseschule, die die Aufgabe hat, den Schriftleiter-Nachwuchs für die deutsche Presse heranzuziehen. In diesen! Bericht wird auch mitgeteilt, welche Themen in der Schule behandelt wurden. Der ״Fragebogen“ des zweiten Semesters enthält hundert Fragen verschiedenster Art, die in acht Hauptgebiete gegliedert sind. Darin sind einige auch vom jüdischen Standpunkt von Interesse. So z. B. wird in der ersten Rubrik ״Weltpolitik“ an zweiter Steile die Frage gestellt: ״Welches Interesse hat England an Palästina?“ Die fünfte Abteilung (Fragen 05 73) ist ausschließlich der J 11 d e n f r a g e gewidmet. Hier wurden folgende Themen gestellt: 65. Wer 1111׳ 1 rtc die Jud rn •Knianzipat hm in 1 ,reuljrti ein? l'nd . wann? 66. Wdrhr jinii-( 11׳ rll l'ubiizkten aus den letzten hundci! Jahren sind ih! H׳n hrk; ושוו? 67. Welche (If'üOdi en und ausländischen Philosophen und Dicht er!iahen - ich mit <!e, ־ J'ideniragc befallt? 68. Wie ho< ״'h kt d er ' pMront^atz der Jude! s in IVut-ddnnd? 69. Welche jüdisch( .hi Zeitungen ersehe inen in 1 h.'tits* nland? 70. Weiche JikIiTs dur!׳ en den journalkf ist In 11׳ Beruf ausülx.*n? 71. Wer eil t uk!h gni׳. nder des Zionismus? 72• Wem v erdarike n 1 iie Juden Palästina? Welche Stellung hat es völke rrcr.ht 1k; ■h? 73. Wie kt die .dt. aat;!bürgerliche Stellung der Juden im Dritten Reich? Am Sch Ins sc des Lehrgangs wurden weitere 21 Fragen gestellt, wozu der Leiter der Schule, Mever-Christian, bemerkt: ״Sie fußen auf Vorlesungen und Erörterungen und wurden daher im allgemeinen gut beantwortet.“ Unter diesen 21 Fragen finden wir an dritter Steile die Frage: ״Was will der Zionismus?“ Kündigung wecen Rassenmischehe Einem Berichte der ״Frankfurter Zeitung“ ist zu entnehmen: Vor der dritten Kammer des Arbeitsgerichts Frankfurt wurde über die Klage verhandelt, die ein Musiker des Frankfurter Senders der Deutschen Reichsrundfunkgesellscliaft angestrengt hatte. Ihm war Mitte Mai mit Wirkung zu Ende September gekündigt worden, weil er mit einer Jüdin verheiratet ist. Fr verlangte den Widerruf •der Kündigung, weil diese weder durch die Verhältnisse des Betriebs noch durch sein eigenes Verschulden bedingt sei, ferner sei er Frontkämpfer. Die Beklagte beantragte die Abweisung der Klage, weil die Kündigung nicht unbillig hart und durch die Verhältnisse des Betriebes bedingt sei. Eine besondere Aufgabe des Rundfunks sei die Aufklärung in der Rassenfrage, und da könne der Rundfunkgesellscliaft unmöglich zugemutet werden, selbst Mitarbeiter zu beschäftigen, die mit nichtarisclien Frauen verheiratet seien und so bewiesen hätten, daß sie es an rassischem Bewußtsein fehlen ließen. Daher könne die Beklagte auch nicht auf die Eigenschaft des Klägers als Frontkämpfer Rücksicht nehmen. Die Beklagte beriet sich weiter aut einen Erlaß des Ministeriums für Volksaufkiärting und Propaganda, das die Aufsichtsbehörde der• Rundfunkgesellschaft sei, in welchem die allmähliche Entfernung aller bishörigen Mitarbeiter, die nichtarische Frauen haben, als wiinsehenswert bezeichnet 'werde. Den Bemühungen des Vorsitzenden gelang ein Vergleich, wonach der Kläger eine Abfindung von 2600 RM. erhält und das Dienstverhältnis mit Ende Juli als beendigt gilt. Ehrung eines jüdischen Gelehrten. Die Beilage ״Kultur- Politik und Unterhaltung“ des ״Völkischen Beobachters“ Nr. 222 (Münchener Ausgabe) meldet: ״Wie der Reichsminister für Fr/ichung, Unterricht und Volksbildung durch einen Frlaß mitteiit, wurde der entpflichtctc Ordinarius für Geographie an der Universität Bonn, Geheimer Rcgicruiigsrat Prof. Dr. h. c. Alfred Philippson, von der Gcographischcn Gesellschaft in Belgrad durch die Verleihung der lovan-Cvijic-Mcdnille für wissenschaftliche Verdienste, nanicntlieh im Hinblick auf die Geographie des Königreiches Jugoslawicn, ausgezeichnet. Gcheimrat Piiilippson steht im 72. Lebensjahr und ist seit zwei Jahren Inhaber der Goldenen Richthofen-Medaille der Deutschen Gesellschaft für Erdkunde.“ — Prof. Philippson ist durch verschiedene Werke zur Erdkünde des Rheins, Kleinasiens mul Griechenlands u. a. hekannt geworden. Philippsons Vater war der Magdeburger Rabbiner Ludwig Philippson, der 1837 die ״Allgemeine Zeitung des h den'nms“ begründe*c. Nichtarierim Schulunterricht. Die hessischen Sei ul rhä, den sind aut einen Erlaß des Reichser/iehungsministcrs hingewiesen worden, in dem es u. a. heißt: ״Ich habe Anlaß, nachdrücklich darauf hinzuweisen, daß die Hauptaufgabe auch des Schulunterrichtes, die Erziehung zu nationalsozialistischer Weltanschauung und Staatsgesinnung, durch Rücksicht auf Angehörige anderer Anschauungen niemals gehemmt werden darf. Wieweit etwa N ich tarier von Fall zu Fall von einzelnen Unterrichtsstunden und Schulfeiern befreit werden sollen, überlasse ich dem pflichtmäßigen Ermessen der Schulleiter.“ Die Juden In Glogau. Die ״Nordschlesische Tageszeitung“ in Glogau schreibt: ״Vor Wochen schon veröffentlichte die NS.-Hago, Kreisanitsleitung Glogau, im ״Stürmer“-Kasten die ersten Volksgenossen, die trotz aller Aufklärung immer noch beim Juden kaufen. Am Dienstag nun ist für alle die, die da immer sagen, wir wissen nicht, wer in Glogau Jude ist, eine Liste ausgehängt worden, auf der alle jüdischen Geschäftsleute, Aerztc und Rechtsanwälte verzeichnet sind. Wer also jetzt nach dieser Veröffentlichung immer noch seine Groschen zum Juden trägt, wer immer noch mit Angehörigen jener Rasse in Verbindung steht, schließt sich bewußt aus der deutschen Volksgemeinschaft aus, denn irgendwelche Entschuldigungen gelten dann nicht mehr. Wir haben des öfteren schon Stimmen gehört, die da meinten: Lohnt es sich denn, gegen diese kleine Gruppe von 478 Juden in Glogau vorzugehen, wäre es nicht besser, jene verschwindende Mindcriicit tot/uschweigeu? Mag ihre Zahl auch klein sein im Verhältnis zur deutschen Einwohnerschaft, letztes Ziel unseres Kampfes muß sein, Glogau vollkommen frei zu machen von diesen aufdringlichen und lästigen Libanontirolcrn... Kleine Nachrichten Wie das ״Berliner Tageblatt*‘ aus Hamburg berichtet, hat der dortige Gauleiter Kaufmann darauf hingewiesen, daß in ietzfer Zeit in Hamburg ohne Benachrichtigung der Parteistellen Plakate geklebt wurden, die sich in hetzerischer Weise mit dem Kampf gegen das Judentum befassen. Da solche ״wilde Plakatierungen“ verboten sind, können sie nur von Provokateuren vorgenommen worden sein. Gegen Plakatkleber dieser Art werde strengstens vorgegangen werden. Wie das ״Berliner Tageblatt“ nach einer Meldung, des NdZ. mitteiit, kam es vor den jüdischen Lichtspiel- 11 ä 11 5 c r 11 Hannovers zu Demonstrationen großer Volksmassen, die sich dagegen auflehnten, daß sich noch immer 0יו •5.M BRI diese in kulturpolitischer Hinsicht wichtigen Unternehmungen in jüdischen Händen befinden. Die Kundgebungen verliefen so diszipliniert, daß die Polizei nirgends cinzuschreiten brauchte. Vier Kinot' eater, die sich im Besitz von Juden befinden, sind geschlossen worden. Wie aus Chemnitz mitgeteilt wird, sind dort 61 Pepsonen, die nach dem Kriege eingebürgert wurden, wieder ausgebürgert worden. Unter ihnen befinden sich 57 Juden. Die ״Frankf. Ztg.“ meldet: Jn Dortmund wurde eine jüdische Pension polizeilich geschlossen. Unter der Beschuldigung rasscschändcrischcr llmtriebe wurden der Bcsifzer, seine Frau und Tochter und mehrere andere Personen verhaftet. Straßenumbeiiennung in Frankfurt a. M. Die bisherige Königs warterstraße in Frankfurt a. M. ist in Q j i n e k e s t r a ß e 11 rn b e n a n n t w o r d e n. Ihren Namen hatte die Straße bisher nach der bekannten jüdischen Familie Königswarter, die zahlreiche Stittungen für die Stadt Frankfurt gemacht hatte. Die Israelitische Gemeinde Frankfurt hat kürzlich das Gebäude, in dem sich die jüdische Wohlfahrtspflege, ein Beth Chain/, ein Erwerbslosenheim und zahlreiche andere jüdische Einrichtungen befinden, ״Königswartcr-Haus“ genannt. Die Zahl der Juden in München. In der Münchener Ausgabe des ״Völkis ' en Beobachters“ Nr. 221 werden en-dgültige Zahlen aus der Volkszählung vom 16. Juni 1633 über die Bevölkerung Münchens wicdrrgcgcbcn. Danach betrug zu diesem Zeitpunkt die Zahl der Juden in M ü n c!1 e 11 6005, was eine Abnahme gegenüber dem Jahre 1925 um!063 bedeutet. Das Klima Palästinas Im Biblischen R e a 11 e x i k o 11 (Lieferung 1 zum Handbuch zum Alten Testament) von Prof. Kurt Galling in Halle a. d. S., auf das ich bereits in Nr. 9 der ״Jüdischen Rundschau“ aufmerksam gemacht habe, ist das Klima Palästinas in dem Artikel ״Ackerwirtschal t“ Gegenstand einer eingehenden Untersuchung. Galling weist darauf hin, daß drei Möglichkeiten hier in Betracht kommen: entweder gleiches Klima wie in der Bronze- und Eisenzeit, oder jetzt schlechteres oder jetrt besseres Klima. Galling nennt in diesem Zusammenhänge die Schritt W. Möllers, ״Wie steht es um die einstige Beschaffenheit des Heiligen Landes?“ (1925), in der die Ansicht vertreten ist, daß das Klima in Palästina gegenüber der Zeit der Bibel ungünstiger geworden ist. Zur heutigen Wirtschaftslage scheinen, wie Galling weiter ausfülir:, Sciiriftstcllen wie Num. 13 (von den Kundschaftern wird hier berichtet, die mit der Riesentraube zurückkehren) oder l)tn. 8, 7 ff., 11, 10 f , Lev. 26, 3—5 (Hinweise aut viel Wasser und sehr gtnisiige Verhältnisse in der Acker- und Gartenwirtschaft) schlecht zu passen. Bei diesen Schriftstellen ist aber nach Gallings Ansicht die Tendenz der Ueberhöhung unverkennbar und aus dem (regensatz gegen das Dasein in der Wüste verständlich (Sp. 2). Der Wirtschaftscharakicr des vorchristliehen Palästinas scheint Galling hei Ber ü c k s i c ii t i g u n g aller in Fr a g e k o tu m enden Texte de in d e s P a I ä s t i n a s <! e r (i e g e n w a r t itahezustehen. ״Verändert hat sich der Waldhestaml, der bis zu neuerlichen Aufforstungsversuchen seit der Eisen- /feit beständig im Abnehmcu begriffen ist. Aber zur Erklärung!»raucht man nicht notwendig an eine Aust rockiiuug des Landes zu denken, es genügt für die Verminderung den fast systematischen Ranhl1.au, das Freiroden und das Abw.eiden des Buschwaldes durch Viehherden in Ansatz zu bringen. Häher hat man für eine Untersuchung des Klimas auch vom WaKlhcsfand ahge-cbcii, vielmehr den Spiegel des abflußlosen Toten ,Meeres und die I )uiieuhildung an der Mittelmeerküste ausgewähit“ (Sp, 2 f.). Galling hebt hervor, daß in historischer Zeit keine N'iederschlagsvenuinderung festzusteüen war. ״Ebensowenig ergibt die durch Range erfolgte Beobachtung, daß über besiedelten Dünen sich neue gebildet haben, einen eindeutigen Schluß, da dieser selbst jetzt gegenüber einer klimatischen Erklärung mit einer Hebung der Küste rechnet“ (Sp. 3). Galling gelangt daher zu dem Ergebnis, daß man nach alledem, bis das Gegenteil sich herausstellt, mit einem konstanten Klima wird rechnen dürfen. Rabb. Dr. Ernst Steckclmacher, Ludwigshafen a. Rh. Was leistete die Einwanderung aus Deutschland für den Palästina-Aufbau? Zweieinhalb Jahre dauert die verstärkte Wanderung von Juden aus Deutschland nach Palästina jetzt an. Zweieinhalb Jahre, nach denen man schon eine Bilanz ziehen kann, was dieser Zustrom für den Aufbau bedeutet. Diese Bilanz zieht jetzt Hugo 11 e r r m a 11 n in seinem neuen Buch ״Palästina heute - Licht mul Schatten“. Er vermeidet dabei, nur Urteile zu gehen. Er läßt vielmehr die Jungen und Alten beiderlei Geschlechts, um die es geht, selbst auftretcu. Er schildert sie in der ländlichen genossenscliaftlichen Siedlung und in der Stadt, als Bauarbeiter wie als 1000-Pfund-Kapitalisten. Und indem er die einen wie die anderen richtig sehen und verstehen lehrt, berät er gleichzeitig diejenigen, die noch vor der UcV-dcdhing nach Ercz Israel stellen, damit sie die Fehler der anderen vermeiden und ihre Leistungen verbessern lernen. Das kleine Buch ist das erste Werk des Autors, das in einer deutschsprachigen Ausgabe in Palästina selbst hergestellt und auch von dort (Bibiion, Tcl-Awiw, Palästina, P, O. B. 713) direkt geliefert wird. Du! djf 10 pjlaal MODtV KV VKASSti*־■ äß"* Af ft* jo #?K8cMclcj'e»@fr(-*־ow SAU DE CÖ'?GW«*J>*säL*