Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 66 (16.8.1935)
- Date
- 1935-08-16
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr 66 16. VIII. 1935 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seife 7 Kleine Nachrichten Wirtschaft ln Tel-Awiw wurde ein Komitee gebildet, das die Gründüng eines Trusts zur Förderung von I n v e s t i - tionen polnischer Juden in Palästina in die Wege leiten soll. Die neue Gesellschaft verfügt über ein Grundkapital von 20 000 Pfund. Ihre Hauptaufgabe erblickt sie in der Verstärkung der polnisch-palästinensischen Wirt- Schaftsbeziehungen. Von der neuen Chaussee Jaffa - Gaza wurde die erste 5 km lange Teilstrecke fertiggestellt. Die Bauarbeiten werden fortgesetzt. Die Arbeiten an der Chaussee Afule— Beisan sollen demnächst aufgenommen werden. Die Arbeiten an der Hauptchaussee durch die Scharonebene schreiten fort. Der Abschnitt Pctach Tikwah- Kfar Saba wurde soeben vollendet. Dieser Tage hat die Palästina-Regierung mit dem Bau einer neuen Chaussee zwischen Tel-Moud und Raanana begonnen. Die Ausführung wurde der Histadruth übertragen. Ferner wird der Bau einer Chaussee zwischen Afule und Beisan geplant. Der seit drei Jahren ansteigende Export Ungarns nach Palästina hat in den ersten sechs Monaten dieses Jahres weitere Fortschritte gemacht. Die Exportsumme betrug im gleichen Zeitraum 1933: 443UOD und 1934: 1 086 0(10 Pengö, 1935: 1 812000 Pengö. Ungarns Einfuhr aus Palästina bcziffertc sich in der ersten Hälfte 1935 mit rund 127 00t) Pengö. Mitteilungen der arabischen Presse zufolge wurden in der letzten Zeit auf 8000 Dunam Zitr 11 spflanz ungen neu angelegt. 5000 Dunam hiervon befinden sich in jüdischem Besitz. Ein Dekret des Präsidenten der syrischen Republik setzt die Eröffnung der ersten F r ii 11 j a h r s 111 esse in 1) a m a s ־ kus aut die Monate April -Mai 1936 fest. Folgende Länder werden zur Teilnahme eingdaden werden: Palästina, Transjordanicn, Hedschas, Irak, Aegypten, Türkei, Tripolitanien, Tunis, Algerien, Marokko, Iran, Afghanistan und Indien. (Palnews.) Die Mcshi-Fabrik (Kunstseide) in Tel-Awiw wurde geschlossen, alle Arbeiter entlassen. Wegen des Beitrittes der Palestine Potasli Ltd. haben vor kurzem, wie ״Palnews“ berichtet, Verhandlungen mit dem internationalen Kali-Syndikat stattgefunden. Wie verlautet, soll demnächst eine Gesellschaft gegründet werden, die in Tel-Awiw eine Leuchtgast a b r i k errichten will. Das Gas soll aus Mineralöl erzeugt werden. An Kapital werden insgesamt 80 000 Pfund benötigt. Zu einer in Nr. 56 der ״Jüdischen Rundschau“ veröftentlichtcn Notiz über den Vertrieb europäischer Literatur durch eine Tcl-Awiwer Buchhandlung wird uns mitgeteilt, daß außer dieser noch andere Buchhandlungen als Generalvertretungen und Auslieferungsstellen europäischer Vcrlagsanstalten im Lande bestehen. Gesellschaft und Kultur Anläßlich des Abschlusses des Studienjahres 5695 veranstaltete die Universität Jerusalem im Saale des Amphitheaters einen Tee-Empfang zu Ehren der neu eingetretenen wissenschaftlichen Mitarbeiter. i)r. Magnes stellte all diejenigen, die im letzten Jahre ihre Arbeit au der Universität aufgenommen haben, dem Lehrkörper vor. In Zusammenarbeit mit den Mitgliedern der zoologischen und botanischen Abteilungen der Hebräischen Universität Jerusalem wird eine wissenschaftliche Expedition der Universitäteu Birmingham und Oxford eine gründliche Bestandsaufnahme der Tier - und Pflanzenwelt des Fl 111 e - Tals vornehmen. Dr. Josef Meisl, der früher lange Jahre in der Verwaltung der Jüdischen Gemeinde in Berlin tätig war und jetzt in Jerusalem lebt, hat der Autographen- und Porträt-Abteilung (Sammlung Abraham Schwadron) der Jerusalemer Bibliothek eine große Anzahl von Briefen aus dem Nachlaß seines Schwiegervaters, Sch. D. R a b i n o w i t z, übergeben. Aus Mitteln eines besonderen Fonds wurde für die der Jerusalemer Nationalhibliothek angegliederte Handschriften- und Autographensammlung Abraham Schwadron ein Blatt aus der P s a 1 rn e!!Übersetzung Moses M e n d e 1 s s o h n s in seiner eigenen Handschrift erworben. Die vor einigen Monaten gegründete ״Vereinigung der jüdischen Studenten Palästinas“, der die Studenten der Hebräischen Universität Jerusalems sowie die des Technikums in Haifa angeboren, gibt ein eigenes Organ unter dem Titel ״N'iw Hastudent“ heraus. Das letzte Heft enthält außer Aufsätzen über die Universitätsangelegenheiteii auch Lyrik, Novellistik und Wissenschaftliehe Beiträge. Außerdem bringt es die Begrüßungsrede Shmarya Levins auf der ersten Versammlung der ״Vereinigung“. Wie die Zeitungen melden, ist Arnold Zweig mit der Abfassung eines Stückes ,,Bonaparte in Jaffa“ heschäftigt, das den palästinensischen Feldzug Napoleons zum Thema hat. In K i r j a t h Anawim bei Jerusalem wurde der Grundstein für ein neues landwirtschaftliches Institut gelegt, das sich der Schädlingsbekämpfung widmen soll. Die Anstalt steht im Zusammenhang mit der landwirtschaftlichen Versuchsstation der lewish Agency in Rcehowoth und wird von Prof. Dr. Bodenheini er, dem Zoologen der Hebräischcn Universität Jerusalem, geleitet werden. Laut Londoner Berichten beabsichtigt das jiddische Theater (Leitung Maurice Selivartz) aus New York, das gegenwärtig eine Tournee durch europäische Länder macht und 11. a. in Holland und England Erfolge hatte, nach Absolvierung der Londoner Engagements Palästina zu hesuchen. Wasser ln Ben-Shemen. Die geologische Abteilung der Universität Jerusalem ist seit Jahren an den Versuchen beteiligt, neue Wasserquellci! im Lande zu finden. Es ist ihr schon häufig gelungen, durch geologische Prüfung des Bodens die Bohrarbeiten an/ulciten und 711 crniögliehen. In letzter Zeit konnte der Leiter der Abteilung, Dr. Picard, mit Hilfe seines Assistenten, des Herrn Awnimelech, in der Nähe des Jugenddorfes Ben-Shemen Wasser finden, was die künftige Entwicklung des Dorfes außerordentlich günstig beeinflussen wird. Basler Hoi. Basel I Da• gut geführte Haus Zimmer ab Fra. 4.50 ■ Jugend im Kibbuz Rodges Arbeit und Zielsetzung Der Plan, eine religiöse Gruppe der Jugendalijah zu bilden, wurde bereits im Frühjahr 1932 gefallt. Die erste Jugendgruppe konnte freilich erst Anfang Juni 1931 nach Kibbuz Rodges (bei Pctach Tikwah) geschickt werden. Die Einordnung dieser Gruppe ging vcraT lisnäßig rasch vor sich. Dabei muß betont werden, daß wir unsere Aulgabe nicht nur darin sahen, den Jüngeren ein? zw eijährige Ausbildung in der Arbeit und im Lernen zu geh?1 sondern Menschen zu bilden, die che Erfüllung des Ges?:/?? mit der Arbeit verbinden und den religiösen Kibbuz als ihre Lehensform wählen. Die Erziehung wird durch die Atmosphäre des religiösen Kibbuz begünstigt. Die Menschen der Chewrath Hanoar kamen zum größten Teil gut vorbereitet hinüber. Sie standeil meist längere Zeit in der religiös-chaluzischen Jugendbewegung des Brith-Hanoar. Die ursprünglich fehlende reale Beziehung der Jugend zur Arbeit wurde bald hergestellt. Allgemein wurde die landwirtschaftliche Arbeit vor dem Handwerkerbenit bei o;־r!g . 34 Jungen arbeiteten in landwirtschaftlichen Berufen, 7 im I landwerk. Außerdem arbeiten einige Jüngere bei B:n1־r!1 des Irguti Salvcndi, eines benachbarten religiösen Moschaw. In Hadar bestellt eine üarteiibauschule, hei der einige Jungen und Mädel unter fachmännischer Leitung ausgebilckt wu׳׳n. Die Lernarbeit nimmt in unserer Gesamtarbeit einen hesonderen Raum ein, da wir in der Verbindung der geistigen und körperlichen Arbeit das Eigene unseres F.r/ielmugs/icl ׳s sclicn. Die Chawerim sind entsprechend ihren Kenntnissen in mehrere Gruppen eingeteilt. An erster Stelle steht das II?- bräische, besonders in den ersten Monaten bildete es d<m Hauptgegenstand des Lernens, danach wurde es auf vier?tunden in der Woche, in der obersten Gruppe auf drei Stunden beschränkt. Die Arbeit umfaßt Grammatik, Lektüre, Aufsätze und Beschäftigung mit hebräischer Literatur. Nach Hebräisch ist das wichtigste Fach Bibel. Das Ziel ist, daß die Chawerim der fortgeschrittenen Gruppen die wichtigsten Teile des Tnachs in den zwei Jahren gründlich lernen und die wichtigsten Bibelerklärer verstehen. Die anderen Gruppen sollen einen Ueberblick des Ganzen, das Chuniasch, die historischen Schriften und einige Propheten sich aneignen. Die fortgeschrittenen Gruppen lernen drei Stunden in der Woche Gmara. die anderen Miscbna. Wir beschäftigen uns außerdem mit jüdischer Geschichte, Landeskunde und Lektüre hebräischer Zeitungen. bin Halbtag in der Woche wird freigelassen fiir kleinere Tijulim, Sport, Freizeit, Besuche und Ausstellungen. Die Sprache der Kurse, auch der aiißerhebräischen, ist von Anfang an in den oberen Gruppen Hebräisch, in den unteren Gruppen werden die anderen Fächer allmählich immer mehr in Hebräisch behandelt. A!n Schabhat kommen oft führende Menschen des Landes und besprechen wichtige Fragen. IJ. a. waren bei uns Agnon (der aus seinem Leben viel erzählte und aus seinen Werken vertrug), Professor Fraenkel, Goit'hein, R. Binjamin, R. Assaf, Ernst Simon, Jes. Leihowitz. Den entscheidenden Gesichtspunkt bildet das Verlangen der Chawerim, über die bloße Lernzeit der zwei Jahre hinaus nach einer tieferen Gemeinschaft zu streben. Sic haben im verflossenen ersten Jahr eine außerordentliche Entwicklung durchßcmaclit. Sie sind alle stark in die Arbeit hineingekommen, sprechen unter sich zum großen Teil hebräisch und sind fast alle in der Lage, hebräischen Vorträgen zu folgen mul hebräische Bücher zu lesen. Bei allen positiven Ergehnissen darf man aber nicht vergessen, daß unserer Erziehungsarbeit hier schwierige Voraus- Setzungen zugrunde liegen. Erstens fehlt die Spannung auf das unbekannte Land, nach dem man sich sehnte, und die in der Gola jeder Erziehungsarbeit von Anfang an einen gewissen Schwung gab; der durch die Arbeit, das Land und das Milieu des Kibbuz bedingte starke Unabhängigkeitsdrang erschweren die Arbeit. Hinzu kommt die besondere Stellung unserer Bewegung. In Deutschland waren alle Richtungen der zionistisehen Bewegung von einem starken jüdischen, oft religiösen Willen erfaßt, während hier die Kreise der Arbeiterschaft noch vielfach in einer radikalen Aufklärungsbewegtmg sich befinden, obwohl gerade auch nach dieser Seite hin in der letzten Zeit eine gewisse Aendcrtnig sich bemerkbar macht. So sind für diese Jugend in dieser Hinsicht vielfach Wege notwendig, die von dem Weg der Majorität abz.weigen. Das Jugenddorf, das in den nächsten Monaten eiltstehen wird, soll ztitu Zentrum der religiösen Jugend im Lande werden. Weil in Palästina die Kluft /wischen Tradition und Jugend noch unvermindert schroff besteht, braucht das Land Siedlungen der Jugend wie den Kibbuz Rodges und das Kfar Noar Dali, die nicht nur religiöse Jugend aus der Gola retten und in produktive Berufe überführen,_ sondern als Gemcinschaftsgruppen Ansat/ou ikte für die geistige Rieh- '״' ״ des werdenden Jischuws sind. Erich R o s e n b I ii 111, Kibbuz Rodges Die Jahresfeier Der Kibbuz Rodges lud anläßlich des Jahrestages seiner Jugemlalijali-Oruppe zu einer Feier ein, der einige hundert Gäste aus dem nahen Tel-Awiw und Pctach iikwah, aber auch aus Jerusalem und Haifa und aus mehreren Kibbuzim beiwohnten. Fine Ausstellung veranschaulichte mit Diagrammen und Plastiken die Entwicklung des Kibbuz. Von den •19 Dunam — teils \ierjühriger Panles wurden über 5(1 1111 <׳ letzten Jahre;!!:gepflanzt. In Kiuze soll der Kibbuz über insgesamt sechs mehrstöckige Hauser vertilgen, von denen die I lallte bereits fertiggesteiif i-1, wahrend der Re-t zum Teil schon in seinen Anhängen siehthar wird. Von dein Können der Jugemlalijah aus Deutschland legten die FT/eugni-ae der Tischlerei Zeugnis ah. Der Kibbuz um!.!ßt heute 175 Seelen. Davon stellen die* ״(.'hawerim“ 22״״, der Teil der Jugemlgnippe, der sieh für das Verbleiben in der Gemeinschaft entschieden hat, 28 1 ״׳, Litern und Kinder 9,5 ״■>, Kandidaten und (iäste ״־•10,3׳. Gcsamtstatistikeii, die wieder in Jahres- und Monatsberichte untergeteilt sind, geben genauen Aufschluß über F.utwickhing der Wirtschaft mul Mciiwlicii/uwachs, über Ernahrungskosten (5,i Piaster pro Tag und Kopf), 1111er Herkunft jedes Einzelnen, über Arbeit, über Krankheit und Abwesenheit. Nach Führung durch die Ausstellung versammelten sieh die (iäste unter freiem Himmel, wo man vor der Rückwand des Ausstellungsraumes eine Buhne aulgeschlagen und einen Zuschaucrraiuu geschaf[r11 li.utle. I )er Chor des Kibbuz leitete die Veranstaltung mit einem Abschnitt aus 1 lavilns ״Scliöpfttn״/■ ein. I )!um erg! iff I >r. Erich R o s e 11 b I ii t 11 das Wort und begrüßte im Namen der Jugemlalijah die Anwesenden, insbesondere Mil) Henriette S z o 1 d, sowie die Vertreter der anderen Kwu/otli und Kibbuzim. Nach dem Rechenschaftsbericht einer Baehnrah sprach der Leiter des Kibbuz, Mo<vheh U n 11 a, und macht die mit großem Beifall aiifgenommcne Mitteilung, daß der Keren Kajemcth weitere '19:1 Dunam für die Ausbreitung des Kibbuz Rodges zur Verfügung gestellt habe. l)r. Emst Si 111 o 11 knüpfte an die Brief!־ von Franz. Rosenzweig an und legte der Jugendgruppe ans Herz, aus den dentsehen Ereignissen zu lernen und insbesondere stets für die Anfrechterhaltung menschlicher Beziehungen zwischen den Nachbarn im Lande zu wirken. Man hörte weitere Begrüßungsansprachen von dem Vertreter des Hapoel Hamisrachi, Bernstein, von Goldreich als Vertreter der Salvendi-Oruppe (l)r. Salvendi-Frankfurt bemühte sich als erster, den Boden fiir einen thoratreuen dentsehen Kibbuz bercit/ustelien) und Begrüßungen von Chawerim aus Rechoboth, Pctach Tikwah usw. Es wurden dann einige kleine Szenen gestellt, zum Teil biblischen, zum Teil modernen Inhalts, auf deren Linstudierung und Ausstattung man ebensoviel Muhe wie Geschick verwandt hatte, unterbrochen von Rezitationen hebräischer Dichtungen und Vorträgen des ausgezeichnet einstudiertcn Chores. Der Abend schloß mit dem Cie-ang des ,.Tcehe-eikna'1 und der 1״!atikwah", lebhaft applaudiert von den anwesenden Gästen, die in die wunderbare palästinensische Nacht wieder ihren Herkunftsorten entgegeufubreii. Manfred Geis Zur Frage der jüdischen Arbeit Forderungen der nationalen Landwirte Anfang August fand in Raanana, einer jüdischen Siedlung in der Nähe von Pctach Tikwah, eine von dem ״Verband der nationalen Landwirte“ einberufene Konferenz statt, die den Zweck hatte, die palästinensischen Kongreßdelegierten zu einer entscheidenden Stellungnahme in der Frage der jüdischen Arbeit zu bewegen. Der Verband nationaler Landwirte steht — im Gegensatz zu dem Landwirte-Verband (Hitachdtith Haikarim) — auf dem Standpunkt einer )Hindertprozentigen jüdischen Arbeit. Wie der Vorsitzende, Herr Schuchowit/ky (Kongreßdelegierter der Weitvereinigung Allgemeiner Zionisten), mitteilte, hat der Verband jetzt 7(K) Mitglieder und dürfte bald die Ziffer 1099 erreicht haben. Die Erfahrungen in Magdjel, llerziia und Raanana hätten bewicsen, daß die Beschäftigung jüdischer Arbeiter durchaus m ö g - lieh ist und keine materiellen Nachteile mit sich bringe. Eine Anzahl von Rednern machte verschiedene Vorschläge, dal! vom Kongreß die Unterstützung derjenigen Pflanzer, die jüdische Zürich I! fl *ין V*T nr*f f nnmn nUIEili DulaliEiIllYu Mod. Haus, direkt am See / Zimmer von 6,SO Frs. an Arbeiter beschäftigen, gefordert werden müsse, Schließlich wurde beschlossen, folgende Forderungen an den Kongrell zu richten: 1. Gründung einer Agrarbank zur Förderung derjenigen jüdischen Landwirte, die jüdische Arbeiter beschäftigen. 2. Schaffung eines Beirats für Landwirtschaftsfragen bei der Jewish Agency. 3. Zuteilung von Zertifikaten an den nationalen Bauernverband in mindestens derselben Zahl, wie sie die ״Hitachcluth Haikarim“ erhält. Die Kolonisten verlangen ferner von der Jewish Agency, daß sie die Lage der jüdischen Landarbeiter durch Errichtung von Wohnbauten und Schaffung von Hilfswirtschaften in den Kolonien, Sicherung medizinischer Hilfe usw. verbessere. Die Kolonisten erklären sich ihrerseits bereit, Bodenparzellen für die Arbeiter ׳ur Verfügung zu stellen. Gleichzeitig sollen die Hnchscharnh- Methoden in den Gahrth-I.ändern verbessert werden. bn Emek Cb cf er (Wadi Chawarith) hat sich jru Verliältnis zum Vorjahre die M a I a r i a g e f a 11 r bisher niederhalten lassen. Schwierig ist die Lage bisher nur in drei Punkten, Maabaroth, Ejn Haehoresch und El Jischuw. Der letzte ist eine Jemenitensiedhing. Aussichten der Zuckerproduktion In Palästina wurde eine Gesellschaft jüdischer Kapitalisten für die Entwicklung einer 7. 11 c k 0 r i 11 d u s t r i e im Lande gegründet. Vor einiger Zeit wurden 11 ie ernten Verwiche mit dem Anhau von Zuckerrüben gemacht: de hatten ein gutes Ergebnis. Wenn das geplante Unternehmen durebgetuhrt wird, wird es ca. 5099 Arbeitern Beschäftigung geben, weil in Betracht ge/o;gen werden muß, daß Palidin! jährlich 25 000 Tonnen Zucker verbraucht mul für die Produktion von 20 000 Tonnen Zucker eine Fläche von 30 999 Dunam mit Rüben bepflanzt werden muß. Lin derartiges Unternehmen erfordert die Investition eines Kapitals von 2 690 900, (Palcor.) Josef Löwy, einer der ersten Palästina-Pioniere aus Deutschland, wurde kürzlich 50 Jahre alt. Dies gibt Gelegenheit, der Verdienste dieses Mannes zu gedenken, der schon im Jahre 1913 nach Palästina übersiedelt ist, nachdem er während seiner Studienzeit in der Technischen Hochschule (.'harlotteuburg im V. J. St. aktiv war. Zu Kriegsbeginn ist Löwy aus Palästina nach Deutschland zuriiekgekehrt und meldete sich zum Heeresdienst, den er leistete, bis er verwundet wurde und nicht mehr felddieustfiihig war. Die abenteuerliche Rückwanderung der damals in Palästina weilenden deutschen Juden nach Deutschland, die die schwersten Strapazen einer wochenlangeu Reise durch unwirtliche Gebiete auf sich nahmen, um ihrer Wehrpflicht zu genügen, ist den Beteiligten noch in lebendiger Erinnerung. Nach dem Kriege kehrte l.öwy wieder nach Palästina zurück und wandte seine Aufmerksamkeit der Erweiterung des jüdischen Bodenbesitzes und der Erschließung neuen Kolonisationsgcbietes zu. Auf diesem Gebiet hat er Wesentliches geleistet, insbesondere bei der Erwerbung der Böden der Haifa-Bay, 1111a er ist auch jetzt unausgesetzt bemüht, neue Projekte durch/uführen, so 7. B, ist seine Gesellschaft nach dem Norden des Landes vorgcdmngeii um! hat dort die erste jüdische Siedlung in Nahnria begründet. I öwy ist kein Parfeimann, er ist eine originelle und darum auch umstrittene Persönlichkeit, seine Freunde bezeichnen ihn manchmal als ״Monomanen“, weil sein Blick, wenn er auf ein Ziel gerichtet ist, sich nicht ablenken läßt. Löwvs Interesse gilt auch Sicdlungs- Projekten außerhalb Palästinas, und er 111t sogar gclegentlieh eine Theorie entwickelt, wonach das Gebiet des Vorderen Orients überhaupt ein Aufnahmegebiet für!las übervölkerte Europa darstcllen könnte, wobei den Juden in Palästina eine Pionierrolle zuficle. Josef Löwy steht heute mitten in regster Arbeit una es ist aiizunehmen, daß seine Energie noch so manches Jahr m Palästina vollbringen wird.