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Jüdische Rundschau · 1935-08-16 · Heft 66 (16.8.1935) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 66 (16.8.1935)
Date
1935-08-16
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 66, 16. VIII 1935 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 3 Die Kunst, als Jude zu leben Von Joachim Prinz Von vielen Seiten wird den Juden in dieser Zeit gesagt, sie mögen sich in besonderer Weise verhalten, nicht auffallen, zurückhaltend im Auftreten sein. Damit entsteht die Frage: Wie soll der Jude leben? Wo? Wo darf er leben und wo nicht? — Als wir noch im Ghetto waren, im wirklichen Ghetto, da haben wir cs gewußt. Die Tore bczcichneten die Grenzen, lind die wirklichen Mauern schlossen uns ein. Drauften aber, außerhalb der Tore, wußten wir: das ist nicht unsere Welt! Hier bist du nur ein fremder Gast. Der Jude wußte, daß es schwer ist, als Jude zu leben, und er wußte, daß er im Golus ist. Im Golus sein ... In unserer politischen Terminologie nennt man den abnormen Zustand der Juden Galuth. Aber ״Galuth“ ist nicht ״Golus“. Die aschkcnasische Form sagt mehr. Sie ist bis zum Rande angefüllt mit dem Schicksal und der Tragödie, mit dem Elend und dem Leid der Juden im Osten. Golus — das ist eine Wirklichkeit. Golus — das ist ein Bewußtsein. Golus — das ist das große jüdische Wissen, welches man haben muß, wenn man die große Kunst beherrschen will, als Jude zu leben. Wir lieben die Klarheit, und deshalb muß man an die Stelle allgemein gehaltener Verhaltungsmaßregeln, mit denen man doch weniganfangen kann, die ganze Wahrheit sagen. Es ist eine große Kunst, als Jude zu leben, wenn man nicht mehr weiß oder es vergessen hat, daß man ein Jude ist. Wir leben nicht im Osten. Unsere Menschen hier sind hundert Jahre von der Welt und auch von den Juden in dem Bewußtsein erzogen worden, daß sic nur in ganz winzigen Bezirken ihres Lebens Juden seien, in der Synagoge zum Beispiel, an den drei hohen Festtagen — aber draußen, auf der Straße seien sie Menschen wie alle anderen. Alle großen jüdischen Organisationen, auch die Gemeinden, haben diesen Grundsatz gebilligt und propagiert. Die Zionisten haben gewarnt. Juden, haben sie gesagt, sind wir überall, denn Jude sein, das ist mehr als eine Konfession, das beißt zu einem Volke gehören, anders aussehen, anders sein, anders reagieren als aridere Völker. Weil es so ist, könne — so sagten die Zionisten schon vor mehr als vierzig Jahren — jeder Tag lieber־ raschungen bringen und weder Kultur, noch Technik noch Fortschritt, ja nicht einmal die gesellschaftliche Gleichstellung schütze die Juden vor der Erschütterung ihrer Positionen. Denn ihre Positionen sind labil und unsicher. Sic sind Juden. Wie aber lernt man die Kunst, als Jude unter den Völkern zu leben? Es ist wahrlich eine schwere Kunst. Es gibt noch genügend viele unter uns, die es nicht können. Denn es will gelernt und gelehrt sein. Unser Leben, das Leben des Juden, hat viele Kompasse nötig. Manchmal ist es schwer zu wissen, welcher der riehtige ist. Lieber unserem Leben stellt der Januskopf. Er blickt nach beiden Seiten, aber überall ist es falsch und fehl am Platze. Wir sind nun einmal anders als die anderen, und wir können es nicht ändern! Wir wollen es auch nicht ändern. Diese Zeit ist für uns vorbei. Sie ist noch nicht für alle vorbei. Noch sind nicht alle Juden stolz. Noch sind nicht alle glücklieh, daß sie Juden sind. Sie wünschten, sie wären wie die Umwelt. Wir aber wünschen, ganz wir selbst zu sein. Weil es noch immer viele gibt, die nicht in den Spiegel sehen, die sehr erstaunt sind, daß man ,,auch sie“ als Juden erkennt, gibt es manchmal die Mißachtung des eigenen Stolzes• Manchmal hört man von Juden, die dorthin gehen, wo man sie nicht will. Es gibt eben immer wieder die große Aufgabe der Er- Ziehung. Aber diese Erziehung ist nicht nur eine Er- Ziehung zum ,,Takt“. Alle jüdischen Institutionen können sich die Finger wundschreiben und den Juden Takt anempfehlen: jeder wird auf den anderen zeigen und sagen: ״Takt, mein Lieber.“ Und das wird dann womöglich der Falsche sein■ Jeder nimmt sich aus der Regel au s. J ed c r fühlt, daß nur der andere auf fällt. Nein, Takt allein hilft nicht. Es hilft nur das Mittel der klaren Erkenntnis unserer Lage. Erst wenn man weiß, daß inan ein Jude ist, kann man Wahlen von Council-Mitgliedern Zu Vertretern der Juelen Altruniiiiiiens im Council derjewish A g c 11 c y wurden gewählt: Dr. W. Fiklerman, Präsident der Union rumänischer luden, Siogmimd Birman, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Bukarest, Josef Cohen, Präsident der Bukarester sephardischen Gemeinde, und (überrabbiner Dr. J. Nicmirower. Zu Ersatzmännern wurden gewählt: Lazar Eckstein, I. L. Sternbach, Präsident der Bukafester Societea Sacra, Moria Carp, Generalsekretär des Vcr- Landes der jüdischen Gemeinden Altrumäniens und ehern. Senator, Dr. H. Solomovici, Dr. Tauber, Adv. F. Froimescu, Adv. Napoleon Arie, Vizepräsident der Bukarester sephardischen Gemeinde, Bankier Josef Cornea, I. 1.. Almtilv, Großindustrieller M. S. Zentier, ’ Vorsitzender des Vorstandes der Bukarester Großen Synagoge, und der bekannte Sozialrefonner und Arzt Dr. 1. (ihclcrter. Prag, 14. August. (|TA.) ln diesen Tagen wurde in der Tschechoslowakei die Wahl der Vertreter der tschechoslowakischcn Judcnheit im nichtzionistischen Teil des Council der Jewislt Agency vorgenommen. Gewählt wurden als Delegierte: Dr. Joseph Popper (Prag), Präsident des Obersten Rates der jüdischen Kultusgemeinden in den historischen Ländern, und Dr.-Ing. Armin Weiner (Brünn): als Ersatzdclegierte: Dr, Rudolph Becker, Dr. Rudolph Bloch, Kommerzialrat Lmlck Dux (Prag), Fritz (ellinek (Brünn), Dr. Camille Kleiner, Dr. Leo Langstein (Reichenberg). beginnen zu lernen, wie man als Jude leben soll. Erst wenn man weiß, daß man im Golus ist, kann inan leben, wie ein Jude im Golus leben muß. Weil viele Juden das nicht wissen, weil ihnen noch immer Illusionisten und Zauberkünstler in unseren Reihen in Leitartikeln und Reden Dinge sagen, bei denen man rot vor Scham wird, weil manche noch immer unbelehrbar sind, weil sic offenbar noch immer nicht sehen und blind bleiben wollen, weil sic noch immer an versunkene Welten glauben, weil sie die Jugend im Wahne einer falsehen Zukunft halten, weil bei uns die Zukunft der Juden Deutschlands aus Schwäche, aus Blindheit oder aus Parteieigensinn umgefälscht wird — deshalb verstehen sie nicht die Kunst, als Juden zu leben. Aber auch alle anderen, welche an einer wirklichen Lösung der Judenfrage interessiert sind, sollen begreifen, daß wir hier eine große politische und moralische Erziehungsaufgabe zu leisten haben. Wir sind der lieberzeugung, daß die Judenfrage in Deutschland nur durch eine systematische Auswanderung der jtmgen und arbeitskräftigen Juden nach Palästina zu lösen ist. Wir haben das oft klar ausgesprochen. Diese Ueberzeugung ist nicht von gestern und sie ist nicht zufällig, sondern in einer großen politischen und jüdischen Weltanschauung gegründet. Aber solange es Juden in der Welt unter den Völkern gibt, muß es einen modus vivendi geben. Es ist schwer, als Jude zu leben. Aber es muß auf beiden Seiten der Wille sein, Grenzen und Möglichkeiten dieses Lebens zu bezeichnen. Man muß in Achtung dieser Grenzen, aber auch in Achtung vor einander leben können. Denn es kann doch niemandem, nicht uns und nicht den Völkern damit gedient sein, Juden zu erziehen, Judenkinder groß werden zu lassen, ohne Achtung vor sich selbst und ihrer Sache. Diese Fragen haben eine moralische Seite, welche wir nicht außer acht lassen dürfen. Der große Erzieher unseres Volkes, Theodor Herz], hat dieses Gefühl des Stolzes in besonderem Maße besessen, mul nichts war ihm widerwärtiger, als das Bewußtsein, ein zweitklassiger Mensch zu sein. Aus diesem Stolz wuchs sein ״Judenstaat“. Er wußte, daß wir im Golus leben, wir und alle Juden der Welt, ob sie es schon heute fühlen oder nicht. Aber er wollte auch aus dem Golus heraus, und er fand den Zustand des Golus unerträglich, und zwar moralisch unerträglich. Die Juden seiner Zeit verstanden ihn nicht. Ihnen war der Verdienst, das be<|1!eme Leben, das Geld mehr. Vielen galt Geld mehr als Ehre. Der Zynismus ist vielen auch heute geblieben. Der Haß, mit dem wir in der Welt betrachtet werden, hat uns nicht besser gernacht. Die Welt aber wird nur die Judenfrage lösen, wenn sie selber die Juden nicht demoralisiert, wenn sie ihnen nicht nur erlaubt, sondern sogar von ihnen fordert, stolz zu sein. Denn mir so werden sie fähig sein, die Lösung der Frage selber in die Hand zu nehmen. Aus dem Stolz auf das eigene Volkstum wächst dem Juden nämlich jene vornehme Form der Zurückhaltung, die nie kriecherisch sein kann, weil er sich selbst die Grenzen zieht und nicht aus Leisetretcrei, sondern aus Stolz vieles nicht tut, wovon er weiß, daß es jenseits seiner Grenzen liegt. Ein Jude, der nicht weiß, daß er im Golus ist, wird die Kunst nicht lernen, als Jude zu leben. Ein Jude, der sich aus dem Golus nicht heraussehnt, weil er ״Freiheit und Größe“ auch für sein Volk will, wird nie die Haltung haben, die nötig ist, um im Golus gerade zu bleiben. Wer aber weiß, warum alles so sein muß, wie cs ist, wer die Erkenntnis der Judenfrage in den Ländern der Welt zu einem Bestandteil seiner Lcbensanschauung gemacht hat, wer weiß, daß die Juden sich selber helfen müssen und sich selber helfen könnten, wenn sie nur begreifen würden, worum es geht, 111111 welches ihre Aufgabe ist, den wird nichts in seiner Geschichte überraschen. Vielleicht wird er einmal den Atem anhalteil, das Llerz wird ihm stärker klopfen, er wird die Olmmacht des Golus spüren, aber er wird seinen Weg weiter gehen, ruhig und stolz, den Blick auf das Leben unseres Volkes gerichtet. Er hat gelernt, als Jude zu leben. Zionistische Einheitsorganisation in Rumänien Dem Vizepräsidenten des Zionistischen Aktions-Comitcs und Mitglied des Keren Hajcssod, Josef Sprinzak, ist es während seines Aufenthaltes in Rumänien gelungen, die seit Jahren getrennten und einander befehdenden zionistischen Gruppen des Altreiches wieder zti einer einheitlichen Organisation zusammcnzufassc״. Unter dem Vorsitz Sprinzaks fand eine Konferenz der Vertreter sämtlicher zionistischer Parteien statt. Es wurde ein Abkommen uuterzdchnet, wonach sämtliche zionistischen Kräfte des Landes unter der provisorischen Leitung der bisherigen Exekutive zusammengefallt werden. Ein Wahlkomitee, in dein alle Parteien paritätisch vertreten sein werden, soll eine zionistische Landeskonteren? für Dezember 1035 vorbereiten, die eine neue Exekutive wählen wird. Die Einigung manifestierte sich augenfällig an dem zu Ehren Sprinzaks gegebenen Abschicdsempfang, bei dem Vertreter alier Parteien dem Delegierten herzlich dankten. Der bei dem Flugzeugunglück in der Nähe von Kairo zusammen mit dem italienischen Arbeitsminister Raz/a umgekommene Baron Raimondo Franchetti, ein berühmter italienischer Forscher und besonderer Fachmann in abessinischeu Fragen, war Jude. Vorbestimmung und Freiheit (Zum Woclienabsdinitt .,Lkw“) Rabbi Chonina bar Papps trug vor: Jener göttliche Bofe, der Ober die Empfängnis geselzl ist, helfet ״Nadü". Er holt den Keim, bringt ihn vor den Heiligen, gesegnet sei er, und fragl ihn: Meister der Welt, dieser Keim, — was soll aus ihm werden: Ein Slarker oder ein Schwacher? Ein Weiser oder ein Tor? Ein Reicher oder ein Armer? Aber: Ein Frevler oder ein Gerediter, - das fragt er nicht. Wie Rabbi Chanina lehrt: denn es sagte Rabbi Chanfna: Alles ist in der Hand des Himmels, au6er Gottesfurcht; wie ge• sagt ist: ״Jetzt aber, Jissrael / was heischt ER dein Gotl von dir / als IHN deinen Gotl zu fürchten" (5.B. M. 10,12) b. Nidda 16 b (Uebers. v. N. N. Glaizer) Vertreter der Universität Jerusalem aut wissenschaftlichen Kongressen Dr. Hugo Bergmann, Dozent tur neuere Philosophie, wird sich an dein vom 13. '23 September!11 Paris stattfind enden internationalen Kongreß für die Philosophie der exakt t• n V' i s s e 11 s c h a f 1 beteiligen und hat einen Vortrag über das Thema ״/.um Problem der isomorphen Abbildnng“ altgemeldet. Prof. 1 >r. F. S. B o d e 11 11 e i m e r, der Ordinarius für Zoologie, wird am zoologi-ehen Kongreß in Lissabon und am entomologisehen Kongreß in Madrid teilnehmen. Der Dozent für physikalische tlhemie, Dr. Farkas, fährt zur Sitzung der Ltirailav Soeietv naeh (lambridge. Der Direktor des Universitäts-Institutfür Mathematik, Prot. Dr. Fekete, nimmt an der .Sitzung des Kuratoriums in Luzern teil. Dr. Walter Eis eitel, A--i-tent aut Orientalischen Instifut, wird auf dem Internationalen ( )rieiltalisteii-Kongrell, der im September in Rom sluttliudet, über ein Thema aus der Islam-Wissenschaft rcicncren. An demselben Kongreß wird auch der Dozent für Geschichte de- Ulam, Dr. F, (i o i t e i n, tcilnehmell. Der Direktor des Krcb-ior-chung-institut-, Prof. H a I b e r s t ä d t e r, wird sich zwei Monate lang in Frankreich und Fugland Forschungsarbeiten widmen. Der Ordinarius für Kunst und .Archäologie des Nahen O-ten-, Prof, I >r. L. A. M a v e r, ist der offizielle Repräsentant der 1 lchrüischcn Universität auf dem Internationalen OrientalPlcn-Kongreli in Rom. Dr. A. R e i f f e n b e r g, Dozent für biologische Uliemie und angewandte Kolloidelumic, nimmt an dem SH. internationalen Kongreß für Bodenkunde in Oxford und London teil. Die Assistentin im Botanischen Institin und Spezialistin für Pflanzcnphysiologie und Kryptogamen, Dr. T. Reis s, wird im Ausland die wissenschaftliche Bestimmung des von ihr in Palästina gesammelten Materials durchführen. Der Dozent für klassische Philologie, Dr. M. Schwabe, unternimmt eine längere Forschungsreise. Der Vertreter der hebräischen Sprach- Wissenschaft an der Universität und Inhaber des Bialik-Lehrstuhls, Prof. Dr. Harry T orczyner, befindet sich zur Zeit in London, um die bei den letzten Ausgrabungen in Lachisch autgefundenen Inschriften zu bearbeiten. Ueber die Ergebnisse seiner Forschungsarbeit hält er eine Reihe von Vorträgen. Der Lehrer der italienischen Sprache und Kultur in den Vorbereitungsklassen der Universität, Dr. M. V a r d i, nimmt am Pbilosophenkongreß in Paris teil. Der Dozent für Helminthologie, Dr. N. Wittenberg, reist im Auftrag der Stadt Tel-Awiw zwecks Durchführung einer wissenschaftlichen Forschungsarbeit nach Aegypten. Der Dozent für hebräische Poesie der spanischen Epoche, Dr. D. J e 1 1 i n, widmet sich Forschungsarbeiten in Aegypten. Der Inhalier des Katheders f 11 r Palästina-Forschung, Dr. s. Klei 11, wird an den Taguitgen des Kuratoriums der Universität und des Kuratoriums des judaistischen Instituts teilnehmeu. Der Ordinarius für neuere Geschichte, Prof, i)r. K o e b 11 e r, hat den Auftrag erhalten, ein wirtschat’ts geschichtliches Kapitel für die Cambridge Mediaeval Mistor v zu bearbeiten. Fr ist /.ur Zeit 1 in Ausland mit der Prüfung der (,>11 eilen und der Auswahl des Stoffes beschäftigt. Die Juden in der Sowjetunion Unterdrückung der nationalen und religiösen Tendenzen Die Zeitsehritt ״Nation und Staat׳‘ (hcrausgegeben von Baron Ferdinand von Uexküll-( iiiklenband) vom Juli-August 1933 veröffentlicht eine .Abhandlung ״Das Voikerschick-al in der Sowjetunion“ von Dr. Ewald Ä m m e ח d e, dem bekamtten deutschen Mimlerluatcunolitiker. Darin gebt der Verfasser auch aut die Lage der Juden ein, deren Mehrzahl sieb heute in der Sowjetunion in der gleichen Situation wie die Ukrainer, Weißrussen usw. befände. In diesem Zusammenhang heißt es in der Abhandlung u. a.t ״Gegen das 11 a 1 i o 11 a I e u!1 d g I ä u b i g e J u d e n - tum führt die Sowjetmacht bereits seit Jahren einen unerbittlichen Kampf, der auch hier darauf hinausläuft, alle Be- Strebungen zur Pflege der Religion und des Volkstums auszurotten. Zu diesem Zwecke bedient man sich der allerverschieden,sien Mittel. . . . Uns scheint es wichtig, diese Tatsache hier besonders hervorzultcben, da bezüglich der Lage des nationalen Judentums in der Sowjetunion mir zu oft in den nichtkommunistisehen Ländern falsche Vorstellungen bestehen. Aus der Tatsaclie, daß zu den führenden Kommunisten in Moskau verhältttismäßig viele Elemente jüdischer Abstammung gehören: Lifwinow, Sokolnikoff, Kaganowitsch und andere mehr, wird die Schlußfolgerung׳ gezogen, daß auch das religiöse und nationale Judentum sich in diesem Lande in einer besonders günstige!1 Lage befinde. Hier liegt ein V e r k c 11!1 e n der wahren Lage vor. Die jüdischen Kommunisten stehen grmuls;itzlieh auf dem Standpunkt, daß alle Aetißerungen des jüdisehen Volkstums und des jüdischen Glaubens, somit alles, was der großen Anzahl der nationalen Juden in der Ukraine, in Weißrußland usw. heilig ist, bekämpft und aus gemerzt werden muß, Ihre Lage gegenüber der großen Mehrzahl der national und religiös eingestellten Juden ist somit mit der Stalins gegenüber den volk-treu eingestellten Kreisen der Georgier zu vergleichen. Zwischen den assimilierten und den international eingestellten jüdischen Kommunisten und der Masse der in den schwersten materiellen Verhältnissen lebenden nationalen und religiösen jüdischen Elemente in den einzelnen Gebieten besteht eine unüberbrückbare Kluft.“ Das Agrar-Institut an der Universität in Florenz, hat eine Arbeit von Dr. Salomon Oksman über das Agrar- System bei den Juden nach den Bestimmungen der Bibel lind des Talmud preisgekrönt. Dr. Oksmat! ist Absolvent des hebräischen Lehrerseminars in Wilna.

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