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Jüdische Rundschau · 1935-07-16 · Heft 57 (16.7.1935) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 57 (16.7.1935)
Date
1935-07-16
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seife 6 Jüdische Rundschau Nr. 57, 16. VII. 1935 Von der Universität!Vor allem im industriellen Sektor des Landes aufgebaut worden ist, geschah iiielit auf Grund einer aktiven staatlichen ■Begünstigung, sondern trotz des Fehlens dieser Begunstigung. Das soll man nicht vergossen, tmd wenn Feh!- Investitionen fest״este|lt werden, dann mulS man sieh auch fragen, warum sie vurgekommcii sind und ob sich die Gründe hierfür nicht beseitigen lassen. Ich bin der Meinung, dal! das allmählich der Fall sein wird und daß auch dieser chronische Sehwächefaktor in seiner Wirksamkeit verringert werden kann. Die Bodenspekulation Was den dritten Punkt anlangt, die Bollen spekula■ tion, so handelt es sich hier — wie fast stets — um eine Vermengung ethischer, wirtschaftlicher und politischer Gesiehtspimkfe, durch die die Urteilskraft getrübt zu werden pllcgt. Das (irimdproblem ist in dieser Hinsicht zweifellos politischer Natur. Es basiert darauf, daß wir zu wenig Boden haben. Solange in diesem Zustande außerhalb des KKl.-Besitzes das Gesetz von Angebot und Nachfrage spielen kann, werden wir zu hohe Bodenpreise haben. Wir haben also auf der einen Seite ein sozusagen ״atilleripoliUsclies“ Problem, nämlich die Frage, wie wir als Gesamtheit zu einer größeren Bodenreserve kommen, und wir haben auf der anderen Seite ein ״innerpolitisehes“ Problem, das in der Frage besteht, ob der Jischuw eine gebundene Wirtschaft auf sich nehmen will oder nicht. Ls hat meiner Ansicht nach keinen Sinn, an diesen Fragenkomplex mit ethischen Argumenten heranzngrhen. Ein einziges Wcrt/11 Wachssteuergesetz mit ausreichenden Steuersätzen, welches bestimmen wurde, daß bei kurzfristiein Bcsit/Wechsel ein variabler Zuschlag auf die Steuer in raft träte, konnte der Spekulation erhebliche Möglichkeiten nehmen. Auch hier handelt es sich also im wesentlichen um Fragen der Fiiis:!!hing der Exekutivgewalt des Landes auf die Bedürfnisse seines Aiifbaus. Mir sebeint jedenfalls, daß die gegenwärtige Situation mit allen ihren schwachen Punkte!! keinen Anlaß dazu bietet, eine Verschärfung der chronischen Prozesse vorauszusagen, unter denen der palästinensische Wirtsehaitskörpcr schon seit Jahren ioi.lt t, 11!1״ gen kann man durchaus der Meinung sein, daß eine gewisse Neutral! ■ierung der Folgen dieser Pro- Zesse st! h anbaiint. Dr. Alfred .31 ,־> r e u s, Haifa Von der Woche Der Zustand von Oberrabbiner IC u k hat sich gebessert. •\ut dem I v!-A\\ iw er f liedliof fand am 30. Tage nach dem 1! .•de Hunas va [.mm tune ( na lenk feie!־ statt, an der :he I muhe, die I rctinde und die Vertreter der nationalen Institutionen teibulmieu. Das Mi; bed der Ikil.isiina-Exekutive der Jewish Agency, Mosche S e h e r t o k, weilte in Amman und nahm als Gast des Emirs Abdulla .111 einem Frühstück *in Schloß teil. 47 i I 1 e g a I e E i n w a 11!1 e r e r, darunter einige Christen und Mohammedaner, die!Hier die N'ualgrenze ins Land kamen, wurden in Safed zu Gefängnis mit nachfolgender Landesverweisung verurteilt. Nach einem Bericht der arabische» Tageszeitung ״Falastin״ wurden im Juni 317 illegale jüdische Ein- Wanderer an der syrischen Grenze festgehalten. Die Jewish Agency wies weitere 10 000 Pfund für Hä us er bau für |00 neu cingewanderte Arbeiter in neun Orangenkolonien an. Die Jewish Agency hat damit in diesem Jahre für Häuser!!,ui zwecks Unterbringung der Lohnarbeiter in der Landwirtschaft L TO000 ausgcgebeii. Der Keren K a j e in e 111 erwarb von der P. L. D. C. 2000 Dunani bei MPehmar I laemek zwecks Ansiedlung des Kibbuz Ha/orea, der aus Juden ans fleufschland besteht, die in den letzten 1U, Jahren in Glieder.! arbeiteten. In der ״Palenine Gazette“ ist eine Ergänzung zum Anwaltsgesetz veröffentlicht wordeu. Sie enthält Bestimmungen über die Befugiii-se und Arbeitsbedingungen der Rechtsk o n 5 11 1 1 n 1 e n. 1 ),׳Ul ach dürfen Rer! 1Nko1 i'ulentcn keinerlei Funkti onen au-.u her 1, <1 ie ihrer Nah. ir na■ ch zum Anwaltsberut geh oi en. In <1! ■r ״Pnlc-t ine (i. a/efte" wird «in 1! e r i c 111 der f e ז ' 11 s a 1 1 in er S ־! a d 1 V e r w a 11!1 n!. U'P :׳fferillicht. Er benan! ,Icll di <• Hude!! 'H )•־ Mal 1 un g 1m ־.;(11; .lauf eilen Rcchnungsjahr 1• bis 1!1110 M .11/ 13. Dan ach ' i M'! i L f sich der Etat :1« r J,׳״־.. 11! 1; 11T u! uh1 uu;f ז!!, v ui u a! 11 1 I I ״du 1‘liiml. Zur I1! e hlll.g .!(1 י•.;111! 1 ■Mt > I Mt d. c IL'di vriuig iu.-gcsamt den B v t! r>« ״:3 13 1: ihn ]U\ «Irr Si 1 ‘ 1! /! ir V! ■rfihiung «;!־-.teilt. Uh■ V. \,der l ״, ■ ML 1 uo. g neu all :•teil Del 1 a 11 s z u 1 a g e 11 f u! ihr t!’■ e n 11! 1 r M im 1 buhl!ck auf die erhöhten Lebensko.- Un he tr,1 ׳en C l<» nnn jährlich Der ן u o 1!1 1 s c h e K <> 11 s u 1 in i Palas־ tina richtete ein Sch reiben IUI d.e• ' ( )ln TIM libinn!, w11״a cli d ie polnische Regier 'ttiu: d ic Zeiu-.t״! un; es Wlln; ner Fried hofs nicht beablichtigt. Ein neues jüdisches Stadtviertel bei «Jaffa Die Hypothekenbank bestätigte eine Anleihe von 85 000 Pfund für den Bau von 300 Häusern in dem neuen Arbeiter- Hertel im Süden von Tel-Avviw. Weitere 35 000 Pfund werden von den Arbeitern selbst in die Bauten investiert. Der Straßenbau in dem neuen Viertel ist beendet, der Bau der Häuser Ist bereits in Angriff genommen. Die Textilfabrik Lodzia wird in das neue Viertel übergeführt werden. Fer- »er wollen noch andere Fabriken dorthin übersiedeln. Dies bedeutet den Beginn einer neuen jüdischen Siedlung an der anderen Seite von Jaffa. Das Post- und Telegraphenwesen Jerusalem, 11. Juli. (JTA.) Der Ilauntpostdirektor Hudson hat eine Delegation der Jüdiscnen Handelskammer von Haifa empfangen, die ihm eine Reihe von Be« ich werden über das Post-, Telegraphen- und Telephonwesen in Palästina vorgetragen hat. insbesondere hat die Delegation darauf hingewiesen, daß oftmals Postsachen veripätet ankommen, daß nachts keine Telegramme angenommen werden, und daß die Herstellung einer Telephonverbindung Bit dem ln- und Ausland sehr lange Zeit in Anspruch nehme. Der Hauptpostdirektor erklärte, daß Bein Übungen im Gange «eien, um die gerügten Mängel atuustellen. Die größte Schwierigkeit sei aber, daß qualifizierte Kräfte der Post fehlten, weil die Regierung nicht die gleichen Gehälter wie die Privatwirtschaft zahlen könnte. Gegenwärtig würde tur eine kleine Zahl von Teleplionapparaten neu installiert, weil demnächst das Telephonnctz in Palästina auf Selbstmschluß umgestellt werde. Die Delegation hat ihre Verwunderung darüber ausgedrückt, daß che Regierung, der ein » großer Verwaltungsüberschuß zur Verfügung stände, nicht 11 c erforderlichen Aufwendungen auf d׳«sem Gebiete mache. Philosophische Arbeit auf dem Skopus Von Siegfried Ucko ALs vor acht Jahren an der Hebräischen Universität die ersten Hebungen über die Kant'schen ״Prolegomena“ stattfanden, benutzten die Teilnehmer Texte in nicht weniger als sieben verschiedenen Sprachen, und über diesen verschiedenen l k'bersctzungcn baute sich die Interpretation im lebendigen Hebräisch auf. An ein solches Faktum muß man sich erimiern, wenn über die philosophische Arbeit im Rahmen der Universität Jerusalem gesnrochen werden soll: die hebräische Sprache, wieder lebendig geworden, mußte zugleich sich wieder an die abstrakten Begriffe moderner philosophischer Auseinandersetzung anpassen. Das war ein hartes Ringen und eine mühevolle Ziselierarbeit. Dozenten und Mitarbeiter mußten sieh Kartotheken nulcgen, um Für die diffizilen Begriffe und Begriffsübergänge das passende Gewand in hebräischer Sprache zu finden. Das Gedeihen und der wissenschaftliche Ernst aller hebräischen Philosophie hing von der I ösiinp der terminologischen Frage ab, Interpretation eines Textes hieß zugleich Uebcrsctzung ins Hebräische, in den zehn Jahren des Bestehens hat die philosophischc Sektion der Universität die Hauntschwicrigkciten in dieser Hinsicht überwunden, und mit Recht darf sie den Anspruch erheben, nunmehr schon nach ihrer aktiven Leistung für die Entwicklung modernen jüdischen Geistes befragt zu werden. 111 welcher Situation der Philosophie überhaupt begann die Arbeit hebräischer Philosophie? Die Philosophie im Lande Kants, wenn nicht in Mitteleuropa überhaupt, befand sich int Zustande eines fruchtbaren U e b e r g a 11 g e s. Die Bedeutung der ncukantischcn Schulen war im Seilwinden. Die Philosophen, die den Krieg mitgemacht haben, konnten sich nicht mehr damit begnügen, Philosophie als Methodenanalyse der Wissenschaften anzusehen. Philosophie wollte wieder Orientierung im konkreten Lehen werden. Der Mensch in allen Entfalhingsformcn seines Daseins durfte als Objekt der Betrachtung nicht mehr nur der Psychologie überlassen bleiben. Die Phänomen«■ logie und Existenzphilosopiiie zielte wieder auf eine Siiimlentung des Lebens. Man begann wieder auf den Menschen in ,,Sein“ und ,,Zeit" 711 blicken. Die Abwendung vom neukaiitischeii Kritizismus enthüllte sich bald als eine Abwendung vorn philosophischen Idealismus überhaupt. Man wollte sich nicht mehr damit begnügen, die Ideen möj■ liehen Lehens heratis/uheben, sondern wollte das Leben in seiner jeweiligen Einmaligkeit verständlich machen. Philosophie der 'menschlichen Ideengeschichte und Pliilosopliie der Existenz der jeweiligen Gegenwart standen sich gegenüber und die Zeitstimmung neigte zur zweiter! Richtung. In dieser Situation begann die philosophische Arbeit auf dem Skopusberge, und in dieser eigentlich noch fortdauernden Lage arbeiten die philosophischen Lehrer des hebräischen Palästina. Die Philosophie hat im Rahmen des Palästinaaufbaus eine besondere Aufgabe: dort, wo das jüdische Leben wieder selbstverständlich geworden ist, muß es durch Plulosophie sich wieder selbst verständlich werden, Es mag die Meinung naheliegen, daß gerade die Reitg 1 o n s p 11 i 1 o s o p h i e hier eine bedeutende Rolle zu spielen habe, um so mehr als gerade jetzt das Gebiet der mittelaiterhdien jüdischen Religionsphilosophie in Jerusalem in der Person Julius ü 11 ttmatins seinen hervorragendsten Vertreter gefunden hat. Mittelalterliche Religionsphilosophie wird in Jerusalem nicht für Theologen gelehrt, sie wird in einer säkularisierten Situation gelehrt. Die Säkularisation des Judentunis ist in Palästina Tatsache. Unsere mittelalterliche Philo- Sophie ist Reflexion über das Heilige des Judentums. Das Fortleben dieses Begriffes des ,,Heiligen“ in einer ganz verweltlicliten Atmosphäre ist das Problem der hebräischen Rehgionsphilosophie geworden. Fs ist ein Zeichen von besonderer Vorbedeutung, daß gerade Julius Guttmann schon vor seiner Berufung nach Jerusalem sich mit dem Problem der Säkularisation beschäftigt hat. Vielleicht hebt sich in der ruhigen Atmosphäre des Skopus eine Klärung des Problems ab, das in der Hitze des Aufbaus, in der um den Schabbat mit Versammlungen und Straßenschlägereien gerungen wird, sonst eine Klärung kaum wird finden können. Die Hebräische Universität ist das Dokument jüdischen Glaubens an den Geist und seine wirkende Kraft. Dem Andenken des Mannes, der immer und immer wieder um die Substanzen des jüdischen Geistes gerungen hat, den! Die Tagung des Waad Leuml Jerusalem, 11. Juli. (JTA.) Auf der letzten Tagung des Waad Lcumi erstattete der Vorsitzende B e n - Z w i einen Bericht über die Tätigkeit dieser Körperschaft innerhalb der letzten Zeit. Unter anderem teilte er mit, daß im Verlaufe der letzten 11 Monate 11 000 Juden die palästinensische Staatsbürgerschaft erhalten hätten, gegenüber 2000 im Jahre vorher. Weiterhin verlas Ben-Zwi einen Brief des High Commissioners, in dem auf verschiedene jüdische Forderungen auf dem Gebiete des Gesundhcits- und Bikiungswescns eingegangen wird. Die Regierung sei nicht in der Lage, die jüdischen religiösen Gerichte zu subventionieren. Es wird der Vorschlag gemacht, daß auch die zivilen Gerichte in Zukunft Prozesse nach dem jüdischen Recht behandeln sollen. Ben-Zwi erklärte weiter, daß die Verhandlungen mit der A g!1 d a s Jisroei über die Schaffung einer cintieitliehen Geincindeo-ganisation, die seinerzeit auf Initiative der Regierung eingeleitet worden waren, nicht fortgesetzt worden seien. Auf der Tagung kam es zu einer lebhaften Auseinander- Setzung über die Frage der Uebernahme des Schulwerkes der Histadruth durch den Waad LeumL DR. MICHAEL TRAUB Durch Planung zur Verwirklichung Aufgaben u.Problume d.XIX.Zlon]stenkongru«M• Preis der BroschQr• nur 88 Rpf. Verlag ״Jüdische Rundschau" G. m.b. H. Berlin W18, Msinsksstr. 10 / J1 (Blam.) 7165, 7240 Sammsln. Postscheckkonto: Berlin 16708 Andenken Achad Flaams, ist der Lehrstuhl gewidmet, den Leon Roth inneliat. Roth hat es als seine hcsondere Auf• gäbe aufgefaßt, wirklich die Quellen sprechen zu lassen, Meist unter seiner Redaktion erschienen im Verlage de! Universität die Quellenschriften der neuzeitlichen Philosophie in hebräischer Uebcrsctzung. Plato, Aristoteles, Deseartes Hume, Leibniz, Kant, Rousseau und Locke sind durch dies« Ueberset/imgen in die hebräische Sprache und Diskussion ein• geführt worden. Zudem bemüht sich Roth mit Stetigkeit, eine Idee Achad Flaams, die von ihm nicht mehr verwirklich! werden konnte, auf ihre methodischen Grundlagen zu prüfen Zuletzt iii dieser diesjährigen Achad-Haam-Ciedächtnisredc ״Muskaiun em/aiim bemnssar hajnhduth“ (Middle Axiom« in Jewish Ethics) wirft Roth die Mcthodciifrage. zur Erfor׳ schung einer jüdischen E111 i k auf. Er fragt, auf wcl■ ehern Wege überhaupt die Werte der jüdischen Ethik heraus• gehoben werden können. Es ist interessant, daß Roth nicht die Ideen der jüdischen Ethik bestimmen will, daß er viel• mehr von einer Phänomenologie der Bewertungen in der jüdischen Geistesgeschichte ausgehen will. Wenngleich Roth auch in seiner theoretischen Fundierung von englischen Traditionen ausgeht, die dem an der deutschen Philosophie Geschulten ferner liegen, scheinen liier Probleme richtig ge■ stellt zu sein, die der Weitcrforschmig ernstlich bedürfen und nicht geringen Lohn verheißen. Eine ״unllicologischc“ Ethik des Judentums 1m wissenschaftlichen Sinne ist tatsächlich von der Darstellung jüdischer Bewertungsformen und Bewertumgs« typen abhängig. Es sind in den vorhergehenden Zeilen einige Richtungen angedcutct worden, in denen die hebräische Philosophie zur Selbsterkenntnis der jüdischen Existenz führen sollte oder könnte. Nur darf ja nicht der Anschein erweckt werden, als arbeite die Philosophie auf dem Skopus bewußt in dieser Richtung. Es ist nicht der Sinn dieser Arbeit, ״nationale“ Philosophie zu schaffen. Nur der Idee der Wahrheit darf philosophisches Bemühen unterstellt sein und nur dann wird auch der nationale Geist eines Volkes von ihr beschenkt wer• den. Auseinandersetzung mit allem Ringen um Wahrheit in der Welt heißt Philosophieren. In den Arbeiten Hugo Berg• manns wird das philosophische Denken der Gegenwart dem hebraisierten Menschen konfrontiert. Bergmann begann mH einer Darstellung der Kant’schen Philosophie, ihr schloß sich mit Folgerichtigkeit ein hebräisches Buch über Salomou Maimon an. Mehr als von Cohen selbst zugegeben, ist Mainion ein Vorläufer des philosophischen Kritizismus der Marburgei Schule. So führte dieses Mainionbuch mitten in die Gegenwartsphilosopliie hinein, zumal ja im Maiinonschen Werk selbst auch die Kritik des Kritizismus enthalten ist. Nun ist soeben ein Werk Bergmanns über die G e ge 11 vv a r t s - Philosophie (״HogJ hador“) erschienen, das in beson• derer Klarheit den Weg der modernen Philosophie vom Kriiizismus und seinem Leerlauf in der Philosophie des Ais-Ob bis zur Existenzialphilosophie und dem Altcrswerk Cohens atitzeigt. (Das Buch bedarf noch einer besonderen Würdigung, die demnächst erfolgen soll, — A.d. R.) Das Schicksal und der Wert der philosophischen Arbeit in Jerusalem hängt von der Frage ab, ob ein Kreis philosophierender Menschen sich um die Universität scharen wird und vielleicht auch davon, ob diesem Kreis die Möglichkeit eines eigenen wissenschaftlichen Organs gegeben werden wird. Philosophie in Palästina ist eine Notwendigkeit, Philosophie ist das Kampfmittel gegen das Sich-selbst-verlieren des Geistes. Der Jude in der Golah lebt — auch wenn sein Blick ständig nach Palästina gerichtet ist — in einer gänzlich anderen Existenzform als der palästinensische Jude. Im Lande der ״Wissenschaft des Judentums“ — in Deutschland — lebt der jüdische Mensch nur noch für die Sicherung seines Tages und kann kaum mehr über Generationen hinaus planen. Hier bestellt die Gefahr geistiger Verkleinerung, geistiger Schrutripfuiig. Der Jude in Palästina hat eine andere Blickrichtung: in Palästina leben heißt mit dem Gedanken auf ein Werk in langer Sicht eingestellt sein. Hier ist alles! Hoffen, Planen, hier ist alles Zukunft. Der Jude in Erez Israel nimmt seine Kraft aus dem Planen und dem Ringen um ein Werk der Jahrhunderte. Man legt Grundsteine und harrt der kommenden Menschen, die vollenden werden. Die Krisis dieser Seinsform liegt in der ständigen Gefährdung einer ruhigen Reflexion. In dein Transport des Seins aut die Zukunft kann der jetzt seiende Mensch die Klarheit seiner Existenz verliereti. Eines der Kampfmittel gegen das Siclisdbstverlieren im Heroismus des Aufbaus hat das Land sich in der Universität besorgt. Daß die philosophische Arbeit an der Universität fast zugleich mit deren Eröffnung begann, soll zu einem bedeutungsvollen Geschehen im Rahmen jüdischer Geiv.f'.gcschichte werden. Gegen die ״Reisesucht“ der Palästinenser ״Dawar“ veröffentlicht einen Leitartikel gegen die Unsitte, die sieh in Palästina immer mehr eingebürgert hat, das Land im Sommer zu verlassen und die Ferien im Ausland zu verbringen. Weder Gesundheitsgründe, noch Studienabsichten, noch auch der Zionistenkongreß in Luzern können cs rechtfertigen, daß Tausende ins Ausland reisen und ihr in Palästina infolge der Prosperity leicht erworbenes Geld ins Ausland tragen, um es dort in snobistischer Weise auszugeben. Man benützt jede Gelegenheit, und wäre es auch nur für kurze Zeit, die Last des Lebens In der Heimat von sich abzuwerfen. Das ist ein schlechtes Beispiel für die Jugend, wenn sie sicht, wie Eltern und Lehrer ins Ausland gehen, um dort zu lernen oder auszuruhen. Warum sollen dann die jungen nicht aucli ihrem Beispiel folgen? Für das Land bedeutet das einen großen ökonomischen Verlust, palästinensisches Geld fließt in die Kassen fremder Schifffahrtsgesellschaften und Eisenbahnverwaltungen. Ja in neuester Zeit gibt es sogar Institute, die Geld für Reisen vorschießen und Zeitungen suchen sich Abonnenten dadurch zu gewinnen, daß sie als Prämie Reisen ins Ausland versprechen. Nicht nur geben wir jährlich Millionen für fremde Waren aus, die importiert werden, wir reisen auch selbst ins Ausland, um die passive Handelsbilanz des Landes noch zu vergrößern. Dazu kommt eine wichtige öffentliche Frage: wenn fetzt die Leiter der nationalen Institutionen und ein großer Teil ihrer leitenden Beamten ins Ausland gehen, was wird aus der Arbeit werden? Können wir uns eine solche mchrmonatliche Pause erlauben und bedeutet die Tatsache, daß gleichzeitig auch die höheren Regierungsbeamten ins Ausland gehen und in den Regierungsstellen ein Provisorium herrscht, nicht eine Gefährdung des politischen Zustandes, wie wir sic 1929 erlebt haben? Können wir uns in solchen Zeiten ertauben, unsere sämtlichen Führer für längere Zeit außerhalb des Landes zu haben? Mitglieder der Schomre-Schabbos-Organisatbn von Bne Brak haben in der Nähe von Petach Tikwah einen jüdischen Polizeibeamten tätlich angegriffen und sein Auto beschädigt, weil er den Schabbat entweiht hatte. Im Zusammenhang mit diesem Vorfall sind verschiedene Verhaftungen erfolgt

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