Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 57 (16.7.1935)
- Date
- 1935-07-16
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 57, 16. VII. 1935 Verlängerung des Ausbürgerungsgesetzes Widerruf von Einbürgerungen noch bis 31. 12. 1935 Die Keichsrcgierimg hat durch Gesetz vom 10. Juli 1015, — veröffentlicht im Kcichsgcsctzblatt com 13. Juli 1035, S. 1015 — die Möglichkeit des Widerrufs von Cinbürgerungen, die vom 14. Juli 1033 ab auf zwei Jahre befristet war, Bis zum 31. I) e / e m be r 1035 verlängert. Durch diese (lesetzesänderitng ist es möglich, daß Einbürgerungen, die in der Zeit zwischen dein 9. November 1018 und dem 30. Januar 1033 vorgenommen worden sind, noch bis zum 31. I) e z e m b e r 1035 widerrufen werden, falls die Einbürgerung nicht als erwünscht anzusehen ist. Die Verlängerung der widerruf smöglichkcit Ws zum 31. Dezember 1035 hat zur Folge, dal) bis Ende dieses Jahres auch noch alle diejenigen Fidle geprüft werden können, die infolge der oft zeit raubenden Ermittlungen und der Belastung der Behörden mit dieser Aufgabe bisher nicht zu Ende geführt oder überhaupt nicht in Angriff genommen werden konnten. In der Oeffentlichkeit ist mehrfach die Fra״e erörtert worden, w i c v i e I Einbürgerungen bisher widerrufen wurden und besonders, wie «ft dies aus rassepolitischen Gründen erfolgt ist. Bei einigem Ueberblick laßt sich erkennen, daß die Mehrzahl der Widerrufe dann erfolgt ist, wenn die seinerzeitige Einbürgerung nicht den völkisch-nationalen Einbürgerungsgrundsät/en de;, neuen Staates entsprach. Ist doch in den Durchführungsbestimmungen u. a. gerade darauf hingewiesen worden, dal! für den Widerruf Ostjuden in Betracht kommen, unter denen, nach der maßgebenden Kommentierung von ״Pfumltner-Neubert“ zu verstehen sind: ״aus den östlichen und sudo-tlicheii I andern Europas stammende jüdische Eiemente und deren Nachkommen." Wem! man sich von der Zahl der bisherigen Widerrufe ein Bild machen will, darf man nicht von den im .,keichs.tii/eiger״ veröffentlichten unter eintausend liegenden Widerrufen ausgehen, denn diese Veröffentlichungen erfolgen nur, wann die im Gesetz vorgesehene Zustellung aus irgendwelchen Gründen nicht möglich ist, z. B. weil der Betroffene inzwischen ausgewandert ist. Die jetzt staatenlos Gewordenen unterstellen — darüber herrscht in ihren eigenen Reihen noch vielfach Zweifel, dein!eichen Fremdenrecht w׳ie jeder andere Staatenlos«, ie müssen also einen Fremdenpaß und Aufenthaltserlaubnis beantragen; beides wird in der Regel gewährt. Anders ist es, wenn Bestrafungen vorliege!!. Bei schweren Straftaten ist mit einer Aufenthaltserlaubnis nicht zu rechnen. Da sich jeder strafbar macht, der ohne Aufenthaltserlaubnis im Inland verweilt, ist der Erlaß einer Ausweisungsverfügutig die zwingende Folge. —er. * Mehrere Verwaltungsbehörden veröffentlichen im ״Reichsanzeiger“ Listen von widerrufenen Einbürgerungen. 111 allen Fällen handle es sich um Einbürgerungen, die nach dein 9. November 1918 vollzogen worden seien. Die grüßte Zahl von Widerrufen hat der Regierungspräsident von Ar!1sberg ausgesprochen, nämlich 2.36. Die von dieser Maßnähme Betroffenen, zum größten Teil Arbeiter und Bergleute, befinden sich fast alle im Auslande oder an unbekanntem Wohnort. Der Regierungspräsident von Wiesbaden hat 61 Widerrufe verfügt, der Polizeipräsident von Berlin 27, die Regierung von Oberfranke!! und Mitlclfraiiken i!1 Ansbach 6 und der Regierungspräsident von Düsseldorf, der Regierungspräsident von Marien werder und der Kreishauptmann von Dies d en-Bautz e!1 je 1 Widerruf. Dabei handelt es sich fast ausschließlich um Nichtarier, die zum Teil mit Ehefrauen und Kindern das Bürgerrecht ver- Jorcn haben. Auch in der Nummer des ,,Reichsanzeigers“ vom 12. 7, finden sich zahlreiche Widerrufe von Einbürgerungen. 50 hat der Regierungspräsident von Wiesbaden 20 Einbürgerungen widerrufen; das badische Ministerium des Innern 17, die Polizeidirektkm Frei bürg i. B. und der württembergische Innenminister je vier, der Regierungspräsident von Tri er drei, der Regierungspräsident von Allenstein und das badische Bezirksamt Offen bürg je zwei. Einen Widerruf bat der Kreishauptmann von Chen ■ nitz verfügt. Die Juden in der Wirtschaft Aus einem im nächsten lieft <ier Zeitschrift ״Oie deutsche Volkswirtschaft־‘ erscheinenden Artikel, der die Ueberschrift trägt: ,.!)ie j 11 d e 11 f r a e £ e löst?“, gibt der ״Freußisehe Pressedienst der NSDAP.*‘ folgende Ausführungen wieder: ,,W 1r ■■■chm, daü ö;׳n Juden an d<־h damit gedient wäre, wenn sie im Ami ■n.i! 1!, ,-1.’!!!י.!!1.ן/י . einen ihrer < KKn -riehtung konträren Sy.Orin, siD't 1!an■ um K'mmcn, um ihren eigenen Inu־rcSM?n nachzum׳•;;׳:!. U״h die /( iu-n dnd vorbei. Au> ot irnt liehen Aomtcm .sind sie hesei'i^! weiden. AK ,,Unternehmer“ sind ihnen zu viel per-■i 1!;I:t׳he und ׳!,־■׳ hn!t!׳׳ Bmöuii^!;1;1uVrle;.׳t, die .sie in ihre Unter• iirhmrikonUrukh!:;eh einl ׳e/ieheti imihlrn. So verbleibt eigentlich nur noch der I!;1 n d e I, tוייr den der Jude ZAvcitello-: hehihipU ist. Wir .dnd kt■inesvvt .;3 .0 kleinÜeh, und s«1 plump ant ise!nitist:h, um das nieht as!/ue1 k< nm-n. 1 K r Pin/elhamlrl 1ז1:ו nun allerdings die für Juden heule ׳mah;w nehme Brgleiier -r!u1!־mn|p daß hier Verkäufer und Kutin־!־ in ן!er-■115!< ׳- he Ih-Miln'ine; h- ׳ninien. Um! den durchweg rm* 1זיי;a!'׳.<־i.1 K-! e<di einy*. - nd!!!■n lviR;t'r1i1;1"t“11 kann ruan es nicht, verübeln, Mrnn --ie iho־n ui!; .-cha f i| ich schwer ringenden Volksgeie;-Mi1!!!;:וו Fi־.k m! <\-n Vnj1/־nsr gehen. Ihn jeder jüdischen Tarnung hier von \ ■ruh! ru:! zu bemühten, I1;Hf<־ man In'ihzeitig die K e n ü / e i e h n u n u .,I > e u ז - r h!׳ s i e :■> c h ä t?“ eingetührt. Wenn trotzdem \h ie Vיו;!״;■ .-,■׳ ■■m וו ic!1 f die erhuderliche K׳msefj1!enz, aidlumpen, •■>;-־ d.« I >- ■ ’ :m! ü■!lie״t aber .sehr oft daran, daß ׳!׳ת!! ’«■!eie j!di• he K׳ - h׳"c 114 0 1 v!11 ל arKchein Verkaufspu ׳ u: ai;.;־0';■'׳־ v.!!<!־!/ . :1 .;:׳io* %!!!ן »■!in r unorb.orten flroßziigigk־a und T< h m,!j;!her ih in aut eine vei-Neu 11e Offenlcgungslh ־ ׳׳ ׳. \ h׳h׳ in d, r Au - . I!a!1 ung de- Judmfutru aus <h י . d!-׳ n k vu 11׳ u::11 1T 11■«! 11־ du־ J ,e h ' - ' . ׳,;!.!׳< n, hu- Whr' -;1,1 tt d *p׳ pea i -! י in h ־ ■. ,' ■ ' ׳ •i ö! I: e I i 1 ־ I e! ein׳ ie ז!!' ton KieflU i.n /1 i; e; k / : ׳ hm öu: 1״Ü1,1 V. ,!■■•!,;! 1S.I1 ui'.ge1 äi. : .Uh.“ ( h cHM'h mJclkH יל \ö m A: mm; chmchm u< t.!111, Im K׳ .!! 3 C '' :!>! t 1 , c t 1 -!!׳!׳an j ־1 ׳! 4 1 < i! e A :1 M r 1 , ... ■ ‘ י ־ V.! : ü n. ( 1 >K; -1 uK N ,u sun.iKw/iaüa bis ו! tu 'k! '׳ ■* I: -K ,4c ׳!:. An •>: iv müa! } m t-inuni riüischcii ( «K ׳ N u ü!11;>* ,1:1 tunr Ware j! mals *־in i-: a ־. :־<! öl a ״ ,,<! 1 1 •״׳ Lniö׳- jjt׳\t a -> h«־n hat“. Ni־ '. ■ . . 1 C m v. ,1. ,1 öö. -׳!i 111^־ die DD'lit A a c , ■ , j , I . ein H!1 .׳!׳:pr\>l)l׳'n1 nicht mehr, 1. -;. <1 <ß öl־! ' lim I ■1׳ leui r,׳׳M4 rinr vorbildliche 1.. . V! N ü i w ,1 :! a K ■׳;n!!; 1 u Kn \u itur ö. t - : ö : . 0. i!!,, i! ( iKi I!!!1, lut! n 11 -Ich Ab , : I r A 4) 11:1 ״, Will,v,4h, Dank. -x ־!. i ׳ a K: 1 öd: ׳.?1,. י l'.Ull'llli:"!11.!)!! H •N 1!.ICH ,||! :nt ׳• ia.’u S ׳,,!! ö.. ,0 in.־ I. V!׳ll;Hm .a m־ hi!:rvv.iilu). Wo man ,4■ A . 1 ,, 1, ׳! V t ־ ז!׳t'G! Nr! 1! - Nu׳r Finiii-n 13 nt er 4׳( I ׳r acht hat. a! ü<■:’ 1 ׳ t! 0' m'! ׳'!ס Im: .,ml unö 111Lt11/uk־ii d«.n Bovkatt. נ a 1 ־ ( r..a •ס. ' ■1! i! . ü tt , n lu .KÖi wie v׳»r ihre lit-ue, weil 4-U' mf lv. Ka; ■. n;!Hm ÖJÜ ן.י(1;1 0 Fmarllim^ Judentum au: thiC;.־m. ),.:cm 1 ז: 1 ׳ i U . f ‘! .י! 1 1 4'. t -nn 1iiu Juden wirkücli »־inmal best “ .!!K n uml ^uc י! ' m D i i .-!öl vcöialttai. סל ist d >j)j)elte Tut H N <D Kdtii, t״Si;• 1u , z •. i t ueihi; <!er harten Noiwaiölgkeil. um aö ■üamt \v d K! in . /' l J weiden. IN ist zwar klar imd fach S vui.m m!i .1 uas ■iNö (1 w DM r; 11 , Fxjicfu'iit des kapitali'ti'clien Sy-t• ■m.- an Ua <1. f:ii I1GIGI V(I!,a! h:K.< n mA.hi blühen 1m׳l ^edtahen kann , aU-r er 1■ N fS Wi i'!•r. Wir IiNh n <i.1!,mf zu aclitcn. daß er nicht IH־UV Win/ Nu 0 ‘י' : UüÜ thllr h mucrc IlarmliKi^keit neuen BotK-n «g-v!! mit. |)a):a!!> 1!!וייס 1< ־ il nichts anderes al» eine klare Sun.' 141mg. \\\r -ic -N ü a! 11 ,010 <41 eil Gebieten bewährt hat.“ Diese Ausführungen haben für uns Juden naturgemäß besonders großes Interesse. Da die große Mehrzahl der in Deutschland lebenden Juden in der Wirtschaft tätig ist, insbesondere nachdem ihr eine Reihe anderer Existenzmöglichkeiten genommen worden oder nur sehr beschränkt zugänglich ist, muß die Erhaltung dieses Arbeitsgebietes von ihnen als das G r u 11 d p r o b 1 e m ihrer Existenz bctrachtet werden. Die in der Wirtschaft tätigen Juden können sich bei ihrer Arbeit auf die wiederholten Erklärungen der maßgebenden Instanzen stützen, die betonten, daß auf diesem Gebiete das Rassenprinzip keine Anwendung finden Soll. NSV. und Rassenpolitik Die ״Preußische Zeitung“, Königsberg, vom 1t. Juli schreibt in einem Artikel ^NSV. und Rassenpolitik im tätlichen Leben“ 11. a. folgendes: ״Seit kurzem hc-1eh! für jede *hutsche Firma die Möglichkeit, Firmemmighcd der NSV. ni werden. Nach erworben«? Mitgliedschaft erhält die Firma neben einer künstlerischen Beitrittsuikunde das Firmenschild der NSW aus Mviall, durch das mich außen hin ge• kennzeichnet werden kann, dali das heOdkaide Unu-niehinen un■ mittelbar an der Erfüllung der Aufgaben der NSW beteiligt ist. Es wird aber nicht jede Firma als Firmmuiiiglicd der NSW autgenommen. Vielmehr kommen hierin! nur deutsche b ]Mt1/■ nehmen und Bet riebe in Frage. AK deutsch gib ein lauer• nehmen, dessen Kapifal in deutschen, nichtjüdKelu n Händen liegt• Kapital von Deutschen, die nicht, mehr als deutsch angesprodicii werden können, gilt ebeuialK als mrhnicu!■>ch. Hi• her fehlte es nun für viele Volksgenossen an einer Möglichkeit, hei ihren FinkjuUui di.־ deutschen von dtn jiidi-rhrii (ie>el!äitvn zu uiiter-.ehv'idcft. l.)ir NSW bietet von jetzt, ab di«>e Möglichkeit, jüdische Firmen uns! Unternehmungen weiden also niemals an ihrem Hingang ein NSV.. Schild zeigen. Ein solches wird man nur an deutschen Laden 6-ehcri.“ Keine Geschäfte mit Juden! Wie der ״Mitteldeutsche“ berichtet, hat der Reichs- Statthalter von Anhalt, Gauleiter Loeper, die folgende Bekanntmachung erlassen: ״Es ist in letzter Zeit verschiedentlich vorgekommen, daß Parteigeno-bcn, imd zwar meist solche jüngeren Datums, bewußt mit Ju<ien Ge-chaHe getaugt haben. Ein derartiges Verhalten wider- >prieht der na! h >uaK: h!׳n \\ ehan-rii.iuuDg. Wer die F! ne hiilwn will, dem Olden!1־!׳.־ \SD.\f‘. au/ug‘׳h<avn, muß auf allen (ielaeten <Ses Lebens auch die nationa!>>zial1-t Keine Weit.m■<!iiumr .-־en^t Vorleben. J'arteige1;׳e--<־n, «lie danicht begtrifeu können, nnd ni«'h' in der Partei zu fluiden. Die zu-tämiigen lloherUtnigcr Iiaberi *lie-e Juilt'figciHן!־,--׳ M)n>r! in SchneUverialueu au;, der Paite: ohne An.-thcn der Person atwubrldießen.“ * Das ״Nationalblatt״ In Trier vom 12. Jul! veröffentlicht mehrere Inseratsciten unter der Ueberschrift ״Deutsches Geld dem deutschen Kaufmann'h In dem da/u gehörigen Artikel wird zu einer Karikatur, die einen jungen Mann in einem jüdischen Geschäft zeigt., folgendes gesagt; ״Nehmen wir aho an, du[j der junge Mann auf nebensk-Jicrtdem Hüde lediglich den junli-eben ivi.bm! Luk n iHdreten hat. um einmal ordentlich über alle gewühnhehen («!. iiu-inin iten aubzupaeken. F>1 er aber mx־h immer ל;.) verblendet, daß er dem voikwliadigeudou Juden >eine Pieunige luutr.igt, dann 5011 ihn die Schande der Brand rn a r k u n g mit ganzer Schärte t!e'U־n. Demi, es!st eben bedauerlich, «Iah c. noeli iimijer Mem-elien gibt, die von arger Blindheit gc-chlagen sind. Sir־ zu heilen, wird unser aller Autgibe sein. Weg vom Juden! Dein Geld dem deutschen K-iuimanu und Handwerker!“ Rechtsprechung’ und Judenfrage In der Wochenschau der ״Deutschen Justiz.“ vom 12. Juli weist Oberstaatsanwalt Dr. K r u :• darauf hin, daß vorschiedcne Urteile der letzten Zeit!;e/eigt hätten, wie sehr die Rechtsprechung der Gerichte dazu beitragen köntu׳, nationalsozialistisches (iedankeiurut zu verwirklichen. Einige der als Beispiele hierfür erwähnten Entscheidungen befassen sich mit der Judenfrage, und zwar sind es die bereits vor! uns behandelte Entscheidung, wonach die Behauptung des Einkaufs bei einem Juden als Beleidigunganerkannt wurde, ferner die Ablehnung eines jüdischen Anwalts vor dem Arbeitsgericht, die Entziehung des Sorgerechts für ein Kind gegenüber einem arischen Vater, der sich von seiner nichtarischen Frau hatte scheiden lassen, sowie die Auflösung eines Bürgervereins in Hamburg. Im Anschluß an die von ihm angeführten Entscliei- «hingen hebt Dr. Krug hervor, daß die Rechtspflege sich in immer stärkerem Malle von den Buchstaben des Gesetzes loslösc •und im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen dem gesunden Rechtsempfinden und den völkischen Not- Wendigkeiten gebührende Berücksichtigung zuteil «׳erden werden lasse. Von Henri Bergs«ns ״Moral und Religion“ wird 1936 die englische Ausgabe erscheinen. Bekanntlich gestattet Bcrgson keine Veröffentlichung einer Ucbersctaitig seiner Werke in eine Sprache, die er nicht beherrscht. Wegen seines hohen Alters wird die Kontrahierung der englischen Ausgabe, wie Bergson erklärt hat, noch ein Jahr dauern. Da Bergson die polnische Sprache nicht beherrscht, hat er eine Uebersetzung seines Werkes ins Polnische abgeiehnt. Eine der neuesten Bergson-Uebe!־Setzungen ist die jiddische Ausgäbe von ״Le rire“. Der Weg zum Zionismus D ir veröffentlichen nachstehend die Zuschrift eines Angehörigen der jüngeren Generation, der in den letzten Jahren den D 1g zum Zionismus gefunden hat. Der Brief sehreiher ivar zwar schon vor dem Umbruch des Jahres 1931 mit dem Palüstinagvdankcn verbunden, fühlte sich aber bis dtihin stets als ״nichtzionistischer“ Palästinafreund und arbeitete in die• sein Sinne in einer südwestdeutschen Großstadt in den Reihen der jüdischen Jugend. Er lebt heute in Bmlapesl und erklärt in seinem Schreiben, das er an uns richtete, seine Bereitschaft zur zionistischen Mitarbeit. Da wir ej<11 dien, daß sein Bekenntnis über den Einzeltall hinaus Bedeutung hat, veröffentlichen wir nachstehend die wesentlichen Abschnitte aus diesem Brief, (Red.) ...Sie mögen sagen; Alle Wege führen nach Kom. Mein Weg zum Zionismus aber scheint mir für den Großteil der Menschen meiner Art und meiner Generation typisch zu sein. Tätige Freunde des Palästina-Werkes, mochten wir uns früher doch nicht als Zionisten fühlen oder gar deklarieren, weil wir im Zionismus nur eine Partei sahen, noch dazu eine, die eine andere Assimilation, die an den modernen Naliotiaiisnius predigte. Ferner hielten wir uns für verpflichtet, der Umweit gegenüber, die uns, freilich oft nur theoretische Rechte gab, auch Gleicher und Gleichen zu sein. Ich habe aus den historischen Ereignissen In unseren Tagen gelernt. Und ich habe meine Studien über das Verhältnis von Minoritäten zu Majoritäten und von Juden zu Völkern seit 1933 in zehn Ländern und besonders hier in! Donauraum, wo mein jetziges Domizil ist, fortführen können, somit in demjenigen europäischen Gebiet, das ja mit diesen Problemen geradezu geladen ist. Meine zahlreichen längeren und kürzeren Reisen nach Deutschland in den letzten Jahren haben mich zudem das Vcrbutideiihcitsgefühl und das Verständnis für die Juden in Deutschland bewahren lassen. So empfinde ich meinen nun erfolgten Zutritt in die zionistisehen Reihen als besonders verpflichtend. Einmal, weil ich nur zögernd und mit mir selbst kämpfend mich entschied, peinlich gehemmt durch die Notwendigkeit, nun anerkennen zu müssen, was ich früher verbrannte. Zum anderen, weil durch meine, ja heute seltene, Kenntnis der jüdischen Dinge nitra et extra inuros das Gewicht meiner Entscheidung mir besonders schwer zu seit! scheint. Es mag für Sie wissenswert sein, daß mein Bekenntnis zum Zionismus nicht allein durch die Ereignisse in Deutschland veranlaßt wurde, als vielmehr durch die Reaktion, die ich diese Ereignisse bei jüdischen Menschen außerhalb Deutschlands finden sali: Zuerst Mit-Leideu im Ursimi des Wortes, und dann Begreifen des Exemplarischen in! Schicksal der Juden Deutschlands. — Andererseits wurde das liatiirliehe, untheoretische Zugehörigkeitsgefühl zum jiidbclicn Volk und nur zu ihm mir erst völlig evident, als ich aullcfhalb des gewohnten Milieus zu leben hatte. Hier draußen wurde mir in der Klarheit der Distanz der Zionismus verständlich — nicht als Partei unter Parteien, sondern als d i e Erscheinungsform des Jüdischen in dieser Zeit schlechthin. Wäre der Zionismus nur Partei unter Parteien, wäre er nur eine politische Angclcgcnheit, so wäre er unwesentlich. Da der Zionismus aber die einzige, wirklich heutige Bewegung des jüdischen Volkes zu allen seinen eigenen Werten hin ist, ist er auch die einzig zentripetale, d i e zentrale jüdische Bewegung. Vom zentralen Punkt zionistischer Welt.schau aus erklären sich erst die Riehtungen und die Probleme des jüdischen Volkes liberal! in dem Gemeinsamen, das Erez Israel und üalulh darstellen. Das andere aber, das mich zum Zionismus hinzwang, i^t srin moralischer Iinpuls und seine moralische (inindluiltumtf. Den erstereu lernte ich nicht nur bei chahizisclien, auch 'f|t-i bürgerlichen Menschen, und nicht nur in Deutschland, sondern auch bei noch viel hemmungsloser assimilierten Judenschaften kennen als den neuen absolut altruistischen Auftrieb, einen echten, idealistischen Impuls, der für den Einzelnen und für die Gesamtheit eine natürliche moralische Kraft bedeiilel. Als die moralische Grundhaltung des Zionismus aber ergab sich mir die Offenheit und gleicherweise Zurückhaltung, die der Zionismus in den Beziehungen der Juden zu den Völkern an die Steile würdeloser Mimikry und tragischer Verwirrung 5et7t Für das Zusammenleben der Juden mit den Völkern mag dit-e ״Entgeheiinnissuiig“ des Juden nützlich genug sein: wichtiger noch ist die Zurückfüliruiug des Juden zur Beialning seiner eigenen Wesenheit und ExMe׳!׳ als von allen Theorien unabliäfigig, als nur sefbstveistündlich. Ich möchte meinen, daß es unter!feit jüdischen Menschen in Deutschland sehr viele gibt, die ähnlich empfinden wie ich, und bei denen es nur einer genügend eindringlichen Aufforderung bedarf, um sie mit ihrer Person — nicht nur mit ihren Sympathien — in die zionistische Bewegung ein/nifügen. Ich habe Ihnen von den mancherlei Mcimmmgcu geschrieben, die das Umlernen mit sich bringt. Aber kam! nnn denn auf die Dauer nur immer die Früchte ciiiioinmeu wollen von Feldern, die andere bestellen? Wir haben doch alle Freunde oder gar Verwandte in Erez Israel, manche mag das Jtulensrhi<■!:-I selbst noch hinfiihren: können wir die aufopfernde Arbeit für das Land anderen allein tiberlassen? Wir alle heute ziehen Nutzen von dem, was zionistische Generationen an /eitentrotzenden jüdischen Werten erhallen und erneuert haben; ich habe es schließlich nicht mehr fertig gebracht, abseits stehend zuzuseheil, wie andere schaffen. Lassen Sie mich zum Schluß von zwei besonderen Aufgaben kurz sprechen, di!• ich gerade für uns Neuliinzugekommene' in den zionistischen Reihen sehe. Zionismus, richtig verstanden, scheint mir das Jüdische schlechthin zu sein. Wir, die wir mit der Entwicklung der häufig Ins Allzutheoretische entarteten Parteidiffereiizieruugeii innerhalb des Zionismus nicht verwachsen sind, vermögen vielleicht die Zentripetalkraft des absoluten zionistischen (ieilrmkeiis zu starker! und damit das Aufbauwerk in Erez Israel und die Erneuerung in der Galuth selbst. Zum anderen scheint es mir unsere eigentliche Aufgabe zu sein, als Menschenbrüeke zwischen Zionisten und ״Nochnicht-Zionislrii“ zu fungieren, um die jüdischen Menschen ins zionistische Lager zu führen, die, wie ich glaube, sich innerlieh gar nicht so wesentlich mehr zu wandeln brauchen. ... __ Ernst 11 o 1 z e r Die Idee des Volkstums in Israel Prot. H. W. Hertz berg in Marburg a. <1 L. hat in seiner Schrift ״Warum noch Altes Testament“ (Heft 2 von ״Deine Kirche Volksmissionarische Schriftenreihe“, heransgegeben vom Volksinissionarisclien Amt des Kirchenkreises Marburg a. d. L.)!934 die Bedeutung, welche die Idee!!es V o I k s t u m s in Israel besaß, mit folgenden Worten ins Licht gestellt: ״Das Alte Testament zeigt uns, daß nicht nur der Mensch, sondern dal! e i n Volk unter Gott zu stehen hat. In! Neuen Tesfiment ist von ״Volk“ so gut wie gar nicht die Rede. Das lag an der Zeit, in der die Christenheit entstand. Es gab ein großes Reich, das römische, das viele ״Völker“ umfaßte. Und die Christen gehörten nicht allein dem Reich der Römer, sondern recht verschiedenen Rassen und Völkern an. Anders im Alten Testament. Da ist ein wirkliches, nationalhewußte? Volk vorhanden. Und alle, Könige wie Propheten, Psalmsänger wie Priester, sind überzeugte Glieder ihres Volkes. Sie sind es auch dann, wenn sie dem eigenen Volk das Verderben verkündigen müssen ... Rabb. Dr. Ernst Stcckelmacher, Ludwigshafena.Rh.