Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 57 (16.7.1935)
- Date
- 1935-07-16
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 JODISCHE RUNDSCHAU Nr. 57, 16, VII. 1935 E \ orliuiuiluiifj fand vum 19. bis 22. Dezember 1894 unter Ausschluß der Oeffentlichkeit vor dem Kriegsgerieht in Paris statt. Dreyfus’ Verteidiger war der selbst ■ olitiseh rechts eingestellte Advokat De man ge. Die!lichter amen zur Verurteilung, und zwar auf Grund eines Dokumentes, das ihnen erst im Beratungszimmer vorgelegt wurde und das einen Brief von Schwärtzkoppen an den italienischen Militärattache dnrstelltc, in welchem von ״der Kanaille D.“ die Rede war. Das Urteil lautete auf leben»• längliche!) e p ״ r t a t i o n sowie Dcgradatio n, die am 3. Januar 1895 vollzogen wurde. Unter den Presse- Vertretern, die diesem Akt beiwohnten, befand sich auch Theodor llcrzl, der damals in Paris die Wiener ״NeueFreie Presse“ vertrat. Einige Tage später erfolgte Dreyfus’ Deporlation nach der Teufelsinscl in Cayenne. Sogleich nach diesem Urteil setzten Bemühungen von Dreyfus’ Bruder M a t h i e u und einer Reihe anderer Personlichkeiten ein, um eine Revision des Prozesse» herbei zuführen. Unter ihnen sind besonders Bcrnard La za re, Joseph Re in ach, Senats-Vizepräsident Sehe urcr-Kest ncr und das Senalsmitglied Trnrieux zu nennen. Die Angelegenbeit kam jedoch erst in I'luB, als der Chef der Nachrichtcnableilung im französischen Kriegsministerium, Oberst I’iequnrt, einen Brief von Schwartzkoppcn an den Iranzösischen Ollizier Esterhazy fand, der diesen schwer belastete. Ein Vergleich der Handschrift E.slerhazys mit der des ״bordereaus“ ergab ihre Aehnlichkeit. Mathieu Dreyfus, der von dieser Entdeckung Nmhriclil erhielt, erstattete gegen Esterhazy Anzeige, und es kam gegen ihn im Januar 1898 zum Prozeß, der jedoch mit dem Freispruch Esterhazys endete. Die Campagne seitens der Drcyfus-Gcgncr verstärkte sieh nun noch mehr, und es kam zu antisemitischen Aussdire it ungen in s ielen Orten Frankreichs und in Algier. Oberst Piequart, der eine öffentliche Erklärung darüber abgab, er sei \<m DreOus’ Unschuld überzeugt, wurde verurteil! und aus dem Dienst entlassen. Da griff am bi. Januar tiitlit Emile Zola in die Augelegeiihcit ein und veröl lenllichte in Clemenceaus Organ ,,L’Aurori■“ ■seinen berühmt gewordenen offenen Brief an den Präsidenten der französischen Republik ״J’accusc“. Er besvlnihhgie dann die an der Drey fus-A ffuire Beteiligten der Itcilu ׳.heiigung und provozierte durch diesen Angriff einen Prozeß ״egen sich selbst. Dieser endete am 23. Febrtmr mit. seiner Schuldigsprechung. Er wurde von dem berühmten Advokaten Lahori und den Brüdern Albert und Georges Clcmcnceau verteidigt und floh einige Zeit nach dem Urteil nach England. Die allgemeine Auftiierksamkeii de׳' Oel fern I Ichkeit war jedoch hierdurch so stark erreg: worden, daß die Regierung selbst in eine neue Prülung der Angelegenheit eint re ten mußte. Inzwischen war auch die < I nippe der Radikalen zur I lerr.schalt gekommen, und diese ließ eine neue Untersuchung durchführen. Der Oberst llenry mußte in ihrem Verlauf gestehen, wichtige l äiscliungen begangen za haben und verübte Selbstmord. Jetzt floh Esterhazy nach England, und am 26. September 1898 reichte Drevlus’ Frau ein Gesuch um Revision des Prozesses ein, dein am Juni 1809 statt gegeben wurde. Die d eulsehc Regierung hatte in der Zwischenzeit wiederholt versichert, daß Dreyfus keinerlei Beziehungen zur deutsehen Botschaft in Paris gehabt habe, liegen die in der Presse erhobene Behauptung, Kaiser Wilhelm 11. selbst habe in einem Brief an den deutschen Botschafter Dreyfus’ Schuld anerkannt, protestierte die deutsche Regierung sofort energisch bei der französischen. Eine Erklärung des Fürsten Bülow int Reichstag und Aeußerungen des Botschafters wurden aut Veranlassung des Kaisers im ,,Reichsanzciger“ veröffcntlicht. Dreyfus selbst kam am 1. Juli 1899 von der Tcufelsinsel, wo er in strenger Haft gehalten wurde, nach!rankrt'ieh zurück. Sein Prozeß wurde vom 7. August bis 9. September vor dem Kriegsgericht in Renne» neu aufgerollt, jedoch war die Atmosphäre wiederum sehr ungün- »tig für ihn. Auf seinen Verteidiger Labor! wurde ein Rcvolverattentot verübt. Dreyfus wurde erneut für schuldig erklärt und erhielt unter Zubilligung mildernder Umstünde zehn Jahre Festungshaft, Er wurde jedoch auf Veranlussung der damaligen Regierung Waldeck - Rousseau trotz eigenen Widerstrebens am 19. September begnadigt. Auch jetzt betrieben er und sein Freundeskreis die Aufdeekung der Atiuire, um die endgültige• Rehabilitierung und den Nachweis der Unschuld zu erhalten, Jan res hielt im Jahre Hühl eine große Rede in der Kammer, in der er die Argumente der Di ev fus-< iegner als unhaltbar nachvvies. Durch diese liedc wurde erreicht, daß eine Parlamentskommission zur Prül ung eines erneuten Rev isi״nsprozes.seseingesetzt wurde. Nunmehr wurde eine neue Untersuchung durch den Kriegsmnnster selbst beschlimwit, Drey Fus reichte am 20. November 1908 die Kassat ionsklaue ein, der endlich am 12. ■1 u 1 i 1906 entsprochen wurde. Damit wurde das Urteil von Rennes auluL'ltoben. Drevlus wurde für unschuldig erklärt, dem Generals!.!!> wieder zuuelcilt und zum Chef einer Kskadron bctönleri. Zugleich erhielt er das Kreuz der Ehrenlegion. Auch ()Iw ist l’i ripin rl wurde n habil it iert und trat im Jahre 110Hi als Kriegs!!! inist er in das Kabinett ein. Drevlus selbst blieb nicht mehr lange in der Armee, sondern nahm seinen Abschied, Im Jahre 1908 wurde gegen ihn, als er au der UeberHlhrung der Asche Zolas in das Pnudi C'1111 teilnahm, ein Attentat verübt. Am Weltkrieg nahm er als Ol,erst teil, Iin Jahre 19.!0 wurde in dem Nachlaß des cluutuiligen dciit-chen M ilililr.iltuchi-s von Schwartükoppen fe*slgeste־l!1, daß Drevlu-, wie •Schwartzkoppcn durch ein im Jahre 1 iiDli im ,.Matin“ veröffentlichtes Faksimile des ״borderenus“ erkannt halte, unschuldig verurteilt worden war. Schwurt zkoppen mußte jedoch damals aus militärischen Gründen schweigen. In den letzten ,1 a 11 rcn lebte Dreyfus ganz zurück• gezogen und trat beiten in de־!• Oeffentlichkeit hervor. Er schilderte in seinem Tagebuch seine Haftzeit: auf der Tenfclsinscl. Wie wir vor kurzem berichten konnten, nahm er an dem Empfang des französischen Kriegsministers für die Vertreter der Weitkonfeienz jüdischer Frontkämpfer teil. Dreyfus erreichte ein Alter von 76 Jahren. Sein Tod erfolgte genau 29 Jahre mich dem Tage, an dem seine endgültige Freisprechung erfolgte. Um die Zukunft Transjordaniens Die Beisetzung In der ״Times“ vom 13. Juli veröffentlicht ein Korregpon• dent, der kürzlich an Ort una Stelle war, einen längeren Auf• satz über das Ostjordanland. Die rasche Entwicklung des Jüdischen Nationalheims habe die Frage aufgeworfen, ob nicht auch Transjordanien der jüdischen Ein- Wanderung geöffnet werden solle. Palästina und Tratisjordanien seien einander so nahe, daß sie als Teile desselben Landes erschienen, aber in ihrer wirtschaftlichen Entwicklungsstufe und dem Charakter der Bevölkerung seien sie sehr verschieden. Bis vor kurzem sei das Ostjordanland wegen der Gesetzlosigkeit seiner Nomaden fiir Reisende praktisch unzugänglich gewesen, und selbst heute sei die Bevölkerung nur in dem nördlichsten Distrikt von Ajlun vollkommen seßhaft. Noch trage jedermann in Transjordanien Gewehr oder Revolver mit sich. Seihst die türkische Herrschaft habe sich lange Zeit, bis 1865, nur bis Belqa erstreckt, und 1909 habe ein türkischer Versuch, einen Zensus zu veranstalten, Waffen einzusammeln und eine feste Besiedlung durchzuführcn, zu einem heftigen Aufruhr geführt, bei dem mehrere Beamte den Tod fanden. Auf Grund dieser türkischen Erfahrungen seien die Eng-!ander vorsichtig vorgegangen. Sie konnten die öffentliche Sicherheit nicht, wie in Palästina, durch Entwaffnung der bevölkerung herstellen, denn ein Beduine lasse eher sein Leben als sein Gewehr, und überdies hätte England, bei Entwaffnung der Bevölkerung, unter erheblichen Kosten den Schutz Traiisjordanictis gegen die Wüstcnstämme selbst übernehmen müssen. So habe man den Weg gewählt, im Ein- Verständnis mit den Regierungen Syriens, des Irak und des Reiches Ihn Sauds St a m m c sg erie h t e cinzusetzen, die sich mit allen Beutezügen über die Grenze zu befassen hätten; und ein Stamincs-Aufsichtsamt (Tribal Con• trol Board) regele die Bewegungen der Beduinen, tue Beute zügen Einhalt und schlichte Stammcszwistc innerhalb Trans jordaniens. Dieses Aufsichtsamt habe außergewöhnliche Voll machten erhalten, 11m bei Stammcs-Beuteziigen und Raube reien solange, bis der Räuber selbst ausgeliefert und das ge stohlcne Eigentum zurückgegeben sei, die Verwandten des Räubers bis zum fünften Grade festnehmen und in Haft halten zu lassen. Dieses System habe so vorzüglich funktioniert, dal! heute in Transjordanien mehr Sicherheit als in Irgendeinem Nachbarlande herrsche. Nachdem so die Sicherheit der Person hergestellt worden sei, habe man sich um die Sicherung der Boden-Besitztitei bemüht. Unter den Türken sei das System der Boden■ Registrierung unregelmäßig und die Register selbst lückenhaft gewesen. Diesen Uebclsländcn habe man nach und nach abgeholfen, besonders durch das Gesetz von 1930 betreffend die Abgrenzung und Vermessung des Bodens, und das Besiedelungs-Gesetz. von 1933. Der Korrespondent berichtet dann von dem zweckmäßigen Verfahren dieser Land- und Vermessungsabteilungeu, die er selbst Anfang dieses lahres an der Arbeit gesehen hat, wobei er besonders die vollkommene Beherrschung־ nicht nur der arabischen Sprache, sondern auch der äußerst verwickelten Rechtsanschauungen und örtlichen Sitten durch die beiden amtierenden Engländer bewundert. So würden Streitigkeiten geschlichtet und unter Aufsicht des Vertnessungsdirekiors einwandfreie Besitztitel geschaffen. Aber das Hauptproblem, das die Regierung jetzt zu meistern habe, sei wirtschaftlicher Art. Der Haupterwerhszweig der Beduinen sei immer die Kamelzucht gewesen; jetzt aber verdränge der Kraftwagen als Transportmitte! das Kamel und vermindere seinen Wert. In Transjordanien sei in zwei Jahren (1930—-32) die Zahl der Kamele von 30 000 aut 13 000 gefallen. Eine Reihe von Jahren der Dürre und fallender Agrarpreise habe die Situation verschlimmert. In vielen Teilen des Landes reiche der Ertrag des Bodens kaum für die Steuern hin. Der Lebensstandard der Bevölkerung sei niedrig und man wisse nicht, wie der jetzige Staats 11 aus 11 alt aufrecht erhalten werden könne, wenn man weiter bei den primitiven Behauungsmethoden bleibe. Daher sei man in großer Versuehimg, fremdes Kapital zur Entwicklung des Landes zuzulassen, tind dieses Kapital, hauptsächlich jüdisches, sei reichlich vorhanden und warte nur auf Einlaß. Aber noch zögere die Regierung, die Erlaubnis zum Bodenverkauf au Ausländer zu geben, aus Furcht, den jetzt im Gange befindliehen allmählichen Entwicklungsprozeß zu stören. Transjordanien und der Zionismus In der Juli-Nummer der Zeitschrift 191״ h Century and a f t e r (und in einigen anderen Blättern. Red.), behandelt Lord Melchett: ״Die Zukunft Palästinas“. Davon ausgehend, daß Palästina heute nicht mehr ein Laad der Pio nier-Romantik, sondern ein in voller wirtschaftlicher, zum großen Teil städtisch-industrieller Entwicklung begriffenes Geniet sei, spricht Melchett von «len vermeintlichen und den wirklichen Gefahren dieser Entwicklung. Die vielberedeten Gefahren der Masseneinwanderung für Moral und Disziplin der Bevölkerung hält er fiir weit übertrieben; und ebenso werde auch von der Spekulation zu viel Aufhebens gemacht. Im wesentlichen handelte es sieh um eine gesunde Steigerung der Werte, der gegenüber die wirklich verwerfliche Spekulation unbeträchtlich sei. Wenn eilt Teil der jetzigen Wert- Steigerungen später wieder in Fortfall kommen sollte, so werde das nicht viel schaden, vorausgesetzt, daß die Banken keine leichtfertige Kreditpolitik trieben; aber das palästinensische Publikum werde selbst zu gescheit sein, tun unsoliden Bauken sein Geld anzuvertrauen. Empfehlenswert sei jedoch ein Gesetz g c g en «I i e N c u g r ii n d u 11 g schwach fun- 11 i e r t e r Banken. Die wirkliche Gefahr liege vor allem in detn Mangel an Arbeitskräften, der die Löhne stark erhöhe — eine Entwicklung, die an sich zu begrüßen sei, sofern sic zur Bildüng einer hochqualifizierten liidustriearbeiterschaft führe, die aber die Gefahr mit sich bringe, daß die hohen palästinensischen Löhne in den Nachbarländern, wo Löhne und Preise viel niedriger seien, Konkurrenzindustrien hervorriefen. Gegen diese Entwicklung sieht nun Lord Melchett, ganz im Gegensatz zu der üblichen Auffassung, in verstärkter Einwanderung kein Heilmittel, weil die Unterbringung der Einwanderermasseri zunächst wiederum eine Verstärkung der Bautätigkeit und der sonstigen Etitwicklungsarbeiten voraussetze, und so das Lohn- und Preisniveau weiter in die Höhe treiben müsse. Dieser verhängnisvolle Kreislauf sei gewiß keine Eigentümlichkeit Palästinas, trete aber liier besonders intensiv auf wegen der Kleinheit «1 c s Landes. Da aber die zionistische Bewegung bei der schlechten Lage der Judenheit in vielen Galuth-Ländern zweifellos noch stark wachsen werde, werde das Schicksal des Zionismus entscheidend davon abhängen, daß die zur Verfügung stehende Fläche vergrößert werde. Eine jüdische Kolonisation im fran/.Ösisehen Mandatsgebiet Syrien sei unzweckmäßig, ja geradezu verhängnisvoll, da die Juden dadurch in einen gefährlichen politischen Zwiespalt kommen würden. Die wirkliche Lösung des Problems sei in einer E i 1! b e z i ehung Trans jordaniens in die zionistische Ko- Ionisation zu suchen. Dort seien für die Juden wie für die Araber und für die weltwirtschaftliche Entwicklung überhaupt noch reiche Möglichkeiten gegeben; und das politische Problem werde sich vielleicht einfacher lösen lassen, als man heute glaube. Die Juden wie die Araber Palästinas und Transjordaniens schuldeten England großen Dank, und andererseits habe dieses das größte Interesse an der dauernden Herr- Schaft über diese Länder. Die Juden hätten in ihrer langen Geschichte niemals ein Reich gesehen, welches so wie *das britische gleichzeitig Freiheit und Schutz gewähren und ,bei gegenseitiger Achtung Treue verlangen könne, ohne Unterdrückung auszuüben. Nur das Britische Reich könne ׳die Situation in Palästina und Transjordanien meistern. Beide Länder müßten einst zusammen ein Gebiet mit Seifgovernment innerhalb des Britischen Reiches bilden, — eine Entwicklung, gegen die auch der Völkerbund schwerlich irgendetwas einwenden könne. England, das in diesen Gebieten gewaltige wirtschaftliche und strategische Interessen habe, werde auf diese Weise im Mittleren Osten eine gesunde und intelligente Bevölkerung gewinnen. Zum Schluß gibt Melchett selbst zu, daß sich gegen seine Konzeption gewiß viel cinwenden lasse, meint aber, daß sie auf die Dauer den einzigen Ausweg aus der gegenwärtigen Sackgasse aufzeige. A. P. Paris, 14. Juli. (J.'F. A.) Am Sonntag, dem 14. Juli, wurde Alfred Dreyfus zu Grabe getragen. An den Trauerfderikhkeiten nahm nur der engste Familienkreis des Ver- «torbenen teil. Angesichts der gespannten innerpolilischen Lag«■ zum l'rnnzösisdien N'atinnnlfeiertag halte rna-n davon abgesehen, einen größeren Personenkreis der Beerdigung beiwohnen zu lassen. Pressestimmen In der deutschen Tag esp resse hat der Tod von Alfred Dreyfus ein lebhaftes Echo erweckt. Die ״Frankf u r! er Zeitung“ beschäftigt sich in einem längeren Aufsatz mit seiner Person. Sie weist darnuf hin, «laß der erste Verdacht gegen Drevfu» nur deshalb gefaßt wurde, weil er Jutle war. ״Die ״()eilt »che Allgemeine Zeitung" gibt ebenfalls eine ausführliche Schilderung «ler Affaire und weis( darauf hin, daß der Antisemitismus durch die Panama- Affaire in »lurkem Umfange angeregt gewesen, und daß durch «lie Affaire Dreyfus dieser Kampf auf die Spitze getrieben wurde. Der ״Berliner I, o k a 1 - A n r, e i g e r“ nennt Dreyfus einen ״bei allen seinen Kameraden unbeliebten jüdischen Offizier“. Da» ״Berliner Tageblatt“ übergeht die Tatsache, daß Dreyfus Jude war und beschäftigt sich in seiner Meldung zwar mit der Affaire, jedoch nicht, mit der ihr zugrunde liegenden antisemitischen Note, Auel« «Ins ״Hamburger Fremden bl att11 erwähnt dieses Motiv nicht. Die gesamte französische und englische Presse widmet Alfred Dreyfus Nachrufe. In ihnen wird ein Ueberblick über den Verlauf der Dreyfus-Affaire gegeben. Die antisemitische Tageszeitung ״Action Franyaise“ will feststellen, daß Dreyfus die Beschuldigung des Landesverrats zugegeben habe. In der Presse werden weiterhin vielfach Vermutungen über die von Dreyfus!unterlassenen Memoiren angeslellt. Diese Aufzeichnungen sollen, wie er bestimmt hat, erst nach seinem 'Fode veröffentlicht werden. _ Makkabi-Weltkongreß In Brünn London, 12. Juli. (ITA.; Die Exekutive des Makkabi- Verbandes hat den Makkahi-Weltkotigreß für den 11. bis 14. September 1935 nach Brünn (Brno) in der Tscheche- Slowakei ein berufen. Der kommende Kongreß hat eine besondere Bedeutung. Der Weltverband ist besonders in den letzten zwei Jahren außerordentlich gewachsen. Er umfaßt heute auch Verbände ln zahlreichen überseeischen!.ändern. Im gleichen Maße haben sich auch die Aufgabengebiete der Bewegung erweitert. Während in den Gründungsjahren der Bewegung Sport und Turnen im Vordergrund standen, hat sich der Makkabi- Verband seither zu einem Erziehungsfnktor ersten Ranges entwickelt. Die fortschreitende Verschlechterung der jüdischen Situation in vielen Ländern und die Organisierung der MakkabijugciKl Im Makkabi Ilazair brachten «lie Notwendigkeit der Stellungnahme zu zahlreichen neuen Problemen mit sich, wie z. B. des Trainings der Makkabijtigend in manuellen und landwirtschaftlichen Berufen zur Vorbereitung ihrer Uebersiedlting nach Palästina, die Seßhaftinadumg der Makkabimitgliedcr in Palästina und die Schaffung eigener Kolonien (Kfar H.־!makkabi). Neben diesen nationalen und sozialen Aufgaben ist die Verantwortung des Makkahl-Vcrbamlcs als des Veranstalters der Makkabiaden und als des einzigen Repräsentanten des Ifldiseh-nationalen Sports In der Welt sehr stark gewacltsen. Die Frage der Schaffung einer Hochschule fiir Leibes- Übungen wird immer dringender. Mit all diesen Problemen wird sich der Makkahi-KongreB, der von den meisten der europäischen und einigen der Ucberseeverbände beschickt werden wird zu beschäftigen haben. Der Kongreß wird durch Lord Melchett tröffnet werden. Die Aktion fiür den König- Georg - Jubiläums wald London, 11. Juli. (JTA.) Unter Teilnahme von 600 Personen fand in der Guiklhall in London unter dem Vorsitz von Lord Melchett ein Bankett anläßlich «ler Eröffnttrig der Aktion für <le!1 König-Georg-Jubiläumswald in Palästina statt. Lord Melchett gab iu seiner Begrüßungsansprache der Hoffnung Ausdruck, daß sich in Palästina Millionen Juden im Laufe der Zeit ansiedcln könnten. Sir Herbert Samuel gab ־dem allgemeinen Wunsche der britischen Judenheit Ausdruck, an den Feierlichkeiten des silbernen ftegieningsjubüäums des englischen Könlgspaares teilzunehmen. Die britische luilcnlieit, so erklärte er, hat ein besonderes Interesse an Palästina. Er verrate kein Oe• heimnis, wenn er sage, daß er als erster, unmittelbar nach dein Eintritt der Türkei in den Weltkrieg, innerhalb des britischen Kabinetts die Frage der Zukunft Palästinas zur Sprache brachte und das Problem einer Wiederziilassung der Juden in Palästina unter der Aegide des britischen Empires an schnitt. Zum Schluß seiner Ansprache betonte Sir Herbert Samuel, wie wesentlich es sei, das silberne Regicrtingsjubiläum des Königspaarcs durch die Anlage eines Waldes in Palästina aut «Jen Namen des Königs zu feiern. Er heschrieb eine Reise von Dan bis Berseba, Nichts habe ihn auf ihr mehr beeindruckt, als das Fehlen von Wäldern, Dr. Chaitn W e i z m a n n unterstrich in seiner Rede die Tatsache, daß unter der Regierung von König Georg das Jüdisclie Nationalheim gegründet worden sei, Dr. Nahum Sokoiow, «ler Präsident «ler Jewish Agency und der Zionistischen Organisation, betonte die Wichtigkeit einer Aufforstung Palästinas und gab seiner Genugtuung darüber Ausdruck, daß anläßlich des Regierungsjubilnums ein Wald aui den Namen des englischen Königs in Palästina gepflanzt werde. Professor Selig Brodetsky, der politische Dezernent der Exekutive der Jewish Agency, ging in seiner Ansprache aut die Anfänge des Jüdischen Nation,׳ilfonds ein. Hauptachriftlelter! Dr. Rotiert W e 11 » c h, Rcrlln-Charlottenburg 8. Stellvertreter: Kurt Loewemtein, Berlin W15. Anzcigenleiterin und verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Rut Posener, Berlin W $0. Gültig 1 Anzeigen-Preisliitc 2 vom 1. Januar 1935. Verlag und Ante igen Verwaltung( Jüdische Rundschau, Berlin W 15, Mcinckcitr. 10, IX-A. Juni 34 000. — Druck: Siegfried Schalem, Berlin-Schöneberg.!