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Jüdische Rundschau · 1935-07-12 · Heft 56 (12.7.1935) · page 12

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 56 (12.7.1935)
Date
1935-07-12
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Jüdische rundschaO NR. 56, 12. VII. 1935 erbracht, daß dadurch weder die außerjiklische Position gestärkt wurde noch der innere jüdische Kern Mehrung und Festigung erfahren hat. Wie in Wirklichkeit der jüdische Hoch- Schullehrer (getauft oder ungetault) angesehen wurde, erfuhren die Innensteiienden fast nie: ״Am stärksten war dort (in der akademischen Bildungsschicht) die Unaufrichtigkeit im Umgang mit Juden“. Diesen Satz hat in neuester Zeit der Professor der Soziologie an der Frankfurter Universität, Heinz Marr, in seinem großen Werk ״Die Massenwelt im Kampf um ihre Formen — Zur Soziologie der deutschen Gegenwart“ (Hamburg 1933; Seite 559) ausgesprochen; er bespricht den ״Abwehrcharakter“ der verschiedenen Antisemitismen, und wir können viel aus diesem Spiegel lernen. Der städtische Antiscinitisinus sei schwächer, unsicherer fundiert als der bäuerliehe, am schwächsten aber die Judengegnerschaft an den Hochschulen. ״Ich selbst", fährt Professor Marr fort, ״habe als akademischer I.elirer auch eine Art ,Arier'-Verfolgung erlebt. Menschlicher, christlicher Verpfliehtungen möchte ich mich aber darum keineswegs entledigen, und nicht mir deshalb, weil ich vielen feinen vornehmen Juden Dank schulde. Daß mm die Judenfragc, die man in all der Zeit so feige umgangen, endlich gestellt ist, kann für alle Beteiligten nicht ohneGewinn sein." Das ist ein wichtiges, bisher übersehenes Kapitel zu dem Thema über den jüdischen Anteil an den europäischen Hochschulen. Das neue Werk von Professor Guido Kisch gab Anlaß, auf viele ungelöste Fragen auf diesem Gebiet hinzuweisen. Jüdische ״Bildung״ in alter und neuer Zeit gebrauchen das gleiche Wort für ganz verschiedene Tatbestände und Haitungen. Ob außerhalb der Universitäten für uns künftig wieder ״ein höheres 1 ribunal" entsteh(, das ohne unwürdige Rücksichten und Verdunkelungen die höchste Legitimation, die früher nur höchste jüdische Bildung verlieh, überfragen kann, ob vielleicht einmal ein Zent rum in Jerusalem zu dieser Stätte werden kann, das bleibt die große Frage für uns. Sie als miteiitschvideud wieder ins jüdische Bewußtsein zu lieben, war die Aufgabe dieses Berichts. i )r. L u d w i g F c u c 111 w a n g e r Andre Maurois Andre M a u r o i s, dessen funf/igsteti Geburtstag man fetzt besonders m Frankreich und I.nglaud begeht, hat seine jüdische Herkunft nie verleugnet, sich allerdings auch niemals sonderlich, jüdisch betätigt, es sei denn, daß man die 1) i s r a c 1 i - B i o g r a ין h i c, die ihn bemhmt gemacht bat, als eine aiisdriickl,sehe conressin judaiva betrachtet. Sie ist wohl zunächst eine besonders feine und gew innende 1 )״kunmiticrimg der Liebe zu Lnglaml, die fast aus jedem Buch des franzosischen Juden -!>111111. .Uaurois stammt aus einer clsässischeu Familie, aber er ist — als Finde Herzog — in der Normandie geboren und au (gew achsen und lebte im Krieg, wie er schreibt, in einem britischen Milieu. Vielleicht könnte man Maurois’ ungemeines Verständnis für alles Englische, das seine Stärke in den Biographien Bvrons, Shelleys und I )Israelis ist, und seine heitere, distaii/hahende Gelassenheit, die den anglisierenden Charme seiner Kriegsgeschichten, seiner Kinderbüchcr und seiner zarten psychologischen Romane so ansprechend macht, die Fähigkeit zu solchem Sicheinlcbcn jüdisch nennen. h. Andr6 Citroen, der bekannte französische Automobil- Industrielle, dessen Tod hier kürzlich mitgeteilt wurde, entstammt nicht, wie vielfach berichtet wird, einer hoi laud i » c h - j ü d i s c!1 e n F a tu i 1 i e, sondern einer polnischjüdischen. Seine Eltern kamen aus Bialvstok und hießen ursprünglich Zitrin, er selbst wurde bereits in Paris geboren. Andre Citroen erhielt, obwohl seine Eltern sehr arm waren, eine ausgezeichnete Ausbildung, verließ 1898 als Ingenieur das Pariser Polytechnikum und begann seine Karriere unter dem Eindruck einer Amerika-Reise. Er erweitert(• seine Zahnräder- Produktion, die er mit zehn Arbeitern angefatigen hatte, und organisierte seine mit steigenden Erfolgen arbeitende Automobü-Fabrik nach amerikanischen Methoden. Juden und Jüdisches im Rundfunk Sonnabend, 13. Juli? lu: \ , I,um mUiig (Id L, Hu.iTi 'GH. ' - V.;rii (jüTU 2'blu. I . &, Miwh:•- an. Sonntag, 14. Juli; I.hm hl a! aßc W\«: , ,17.2 . ויו : l . ״. M■ MontHg, 15• Juli: 3 ' 3 -i'1 >.!•; XIX. Zionisten-Kongreß Mitteilungen des Kongreß-Büros 1. Pässe und Visa. Das eidgenössische Justiz- und Polizei- Departement als die zuständige Stelle der schweizerischen Bundesregierung in Bern hat dem Kongreßbüro in bezug auf die Einreise der Kongreßteilnehmer folgende Bestimmutigen bekaimtgegcben: a) Inhaber gültiger Pässe aller Staaten mit Ausnahme der unter bj genannten Länder benötigen kein Schweizer Visum, sondern nur gegebenenfalls ein Durchreisevisum durch zwischenliegende Länder, b) Inhaber von Pässen der Staaten Polen, Rumänien, I u g o s I a vv i e n, Bulgarien, Griechenland, Ruß- [and und der Türkei erhalten das Schweizer Visum von den zuständigen Schweizer Konsulaten unter Vorweisung der Kongreß-Legitimation gebührenfrei, c) auch ״S c h r i f - tonlose“, d. h. solche, die keine gültigen von der Schweiz anerkannten Ausweispapiere haben (staatenlose Inhaber von Naiiscnpässeu, von Laisser passers Usw.), ausgenommen Sowjetrussen, erhalten gleichfalls gegen Vorweisung der Kongreß- Legitimation das Schweizer Visum von der zuständigen Schweizer Behörde ohne weiteres und gebührenfrei, wenn ihre Rückreise in den Herkunftsstaat oder die Weiterreise in einen dritten der Schweiz angrenzenden Staat gesichert ist. Kongreßteilnehmer der Kategorie b) und c) haben also nichts weiter zu tun, als beim zionistischen Verband des Landes, in dem sie wohnen, eine Kongreß-Legitimation zu beheben und unter Vorlage dieser Legitimation das zuständige Schweizer Konsulat um die unentgeltliche Ausstellung eines Visums zu ersuchen, d) Kongreßteilnehmer, die Sowejtrtisscn sind, müssen zur rechtzeitigen Erlangung des Einreisevisums spätestens bis zum 31. Juli 1935 ein Einreisegesuch an den Zionistischen Verband ihres Landes, in welchem sie wohnen, richten. 2. Kongreß-Legitimationen. Kongreß-Legitimationen sind zum Preise von 50 Cts, oder deren Gegenwert bei den zionistischen Zentralstellen des Wohniandes der Kongreßteilnehmer, in außerordentlichen und dringenden Fällen direkt durch das Kongrcßbiiro zu beziehen. Die Kongrcß-Legitimatioii dient außer für die oben erwähnte Visabesorgung auch für die weiter angeführten Fälle und es liegt daher im Interesse aller Kongreßteilnehmer, sich in den Besitz, einer solchen Legitimation zu setzen. 3. Ermäßigung der Palästina-Schiffahrt. Die Kongreß- Teilnehmer aus Palästina genießen auf Grund der Legitimationen Ermäßigungen auf den S c h i f f a h r t s 1 i 11 i e n des Lloyd Triestino bzw. anderer Schiffalirtslinien, mit DR. MICHAEL TRAUB DURCH PLANUNG ZUR VERWIRKLICHUNG Aufgaben und Probleme des XIX. Zionisten - Kongresses?Mit HM 25 M■ Aus dem Inhalt: I. Kris« und Bewährung IL Erfolge *ionlRiischer Realpolitik Erst« K**!i1äf? Jude»! in Pgüstln• Zweit* Realiiat? Prosper iiy Dritte Realität! Untier V«rhiltni* xu England Vierte K«**Hiäc: l Jnser Verhältnis zu den Arabern III. Probleme und Aufgaben *׳ionisiischer Außen- Politik 1. Die ZeruÜkatnpolitik der MandttsregieruiiK 2 Legislative Council 3. Unser Will« zum Fri<e1l«f1 IV. ProbU-mo und Aufgaben der zionistischen Innenpolitik 1. Jüdische Arbeit in Palästina 2. Nationales Kapital % Regulierung der palästinensischen Privat• Wirtschaft 4• Zionistische Wirtscheltrplanung Verlag ״Jüdische Rundschau11 6. m. b. H. Berlin W1S, MeinekestraRe 10 / Fernruf J1 (Bismarck) 7165 denen die Verhandlungen noch im Gange sind. Hierüber «rt• halten die hebräischen Tageszeitungen genauere Nachrichten. Ueber Anfragen wird das Kongreßbüro gern Auskunft erteilen. 4. Hotel-Ermäßigungen. Gegen Vorweisung der Kongreß«! Legitimation genießen alle Teilnehmer des Kongresses sc* wisse Vergünstigungen in den Luzerner Hotels, in bezug auf Z i m in e r p r c i s e usw׳. 5. Kurtaxe-Ermäßigung. Inhalier der Kongrefi-Legitlma• fion genießen Vergünstigungen betr. die Kurtaxe (die sonst 50 Cts. pro Tag beträgt), Delegierten und Journalisten wird die Kurtaxe gänzlich erlassen; die übrigen zahlen 20 Cts, täglich. 6. Gastkarten. Bestellungen sind an das Büro des XIX. Zionistcnkongrcsses zu richten. Jeder Besteller wolle an« führen, ob und wo er zionistisch organisiert ist und zur Vwmeiduiig von Rückfragen an seine Organisation womöglicW eine Bestätigung seiner Organisation beifügen. Zionisten go* niefien bei der Zuteilung der Plätze einen gewissen Vorzug, falls eine Berücksichtigung aller Besteller von Kongreßkarten nicht möglich sein sollte. Das Kongreßbüro w׳ird nach erfolgter Zuteilung der Karten jedem Besteller, der zugelassen wurde, eine Gastkarten-Anweisung zur Verfügung stellen, gegen deren Vorweisung bei der Kartenkasse im Kongreßbüro, beginnend am 18. August, die Platzkarten ausgegeben werden. Es werden nur solche Karten aiisgefolgt, für die der Betrag rechtzeitig in die Hände des Kongreßbüros gelangt ist. 7. Wohnungsamt. Das Kongreßbüro vermittelt kostenlos Logisbestellungcn. Es stehen Zimmer in Privatlogis ab Frs. 2.50, in Hotels ab Frs. 4.50 bis Frs. 13 zur Verfügung. Näheres enthält das ״Informationsblatt“ des Kongreßbüros (siehe Punkt 13 dieser Nachricht). 8. Geldüberweisungen. Geldüberweisungen an das Kon« greßbiiro können, falls in der zionistischen Presse des betr. Landes nicht besondere Verlautbarungen erschienen sind, vorgenommen werden auf das Postscheck-Konto unseres Büros VIII 10 928 oder bei der Luzerner Kantonal bank, Luzern, zugunsten d׳zs Büros des XIX. Zionistenkongresses. Die Postscheck ä m ter (Postsparkassen) der folgenden Länder stehen mit dem Postscheckamt in der Schweiz in (iiro-(Clearing)Verkehr. Belgien, Dänemark, Danzig, Deutschland, Frankreich, Italien, Japan, Jugoslawien, Luxemburg, Marokko, Niederlande, Oesterreich, Polen, Schweden. Tschechoslowakei, Tunesien, Ungarn. 9. Fahrpreisermäßigungen auf der Eisenbahn. Die schweizerischen Transport-Unternehmungen, einschließlich der Post- Verwaltung für ihre Kraftwagenstrecken, gewähren den im Auslande wohnenden Teilnehmern des Kongresses besondere Ermiißigungen von 30.45 ״.,> durch Ausgabe von Fahrscheinen, die nur 1m ausländisch-schweizerischen V'erkehr bei Agenturen der Schweizerischen Bundesbahnen, bei den Reisebüros im Auslände oder bei den Grenzstationen vor dem Eintritt in die Schweiz ausgegeben werden. Diese besondere Fahrvergiinstigung wird unter der Bedingung zugestanden, daß sich die Kongreß-Teilnehmer mindestens sechs Tage in der Schweiz aulhalten. Sie wird auch für den Durchgangsverkehr durch die Schweiz, d. h. von Grenzstation zu Grenzstation gewährt, sofern sich der Reisende mindestens sechs Tage in der Schweiz aufhält. 10. Informationsblatt des Kongreßbüros. Genaue Informationen enthält das Informationsblatt des Kongrc-Dbüros, welche» kostenlos gegen Rückporto jeder Kongrefl-Teilnehmer aniordern kann. IL Kongreß-Abzeichen. Das Kdngrell-Abzeichen, welches auch als Signet Verwendung findet, wurde von Otte Wallisch, Tel-Awiw׳, entworfen. Bekanntmachung Nr. 2 der Haupt>Wahlkommission Die Wahlen werden hiermit für den 4. und 5. August 1935 angesetzt. Die Wahlordnung liegt ab Dienstag, dem 16. Juli, bei allen Schekelkommissaren und zionistischen Büro» zur Einsicht auf. Berlin, den 11. Juli 1935. Für die Haupt-Wahlkommission: Benno Cohn. Die jährliche Tagung des Verwalfungsrates des Instituts für jüdische Studien an der Hebräischen Universität zu Jerusalem wird am 5. September in Luzern stattfinden. Den Vorsitz wird der Oberraobiner von England, l>r. Hertz, führen. ZU 1 ledd.1 Inn. Im 1 1111 i 1 i r 1 ei -1 In ,1h, llnld.1 1111 li c (1.1- Gebiß - liucli;1111 ci'-clil.iMcii, alicr >11׳ saß hall und -lumm da. Immer wieder »,111 IVi lliclieii lielmlirli /11r Seil•■. ,,()11. rw iu<• < >011', WT- 1111(11 niilil la- Ilm llielirn. .,11,111c ab, na-׳ mich bcdrohl.“ lledda sali Lin Uhler imd -all!11 dem ״roßen Tempi'l weilt”!• Manuel, die -af'eii ei ׳׳ M licül I irr oder w i>׳ all« ׳'»eucl auf ihren l’l.tl/rn. Manche mit ri hielten -ich -1!״ar. Was wollle l)r. Di ־iislein!1111 -(■/nein Wort י um bremiend/ui Dornbusch'.* Nun 1ml» der I.elirer l.eti sein!• Slimme. Sie war uiclil groß, aber Me war weich und w nl1!k I in cnd. IG kam ein Elchen in den Klang, und es hallte «lurrli den liaum: Schmu ,li-rnel — Höre Israel! Mer hörte c-? ״llorc Israel", sang der Lehrer Leu, Er rief r«, die l.ufl nahm e«!1111'. r» liallle in die Ohren. Lud Weiler, Hagle |leddii. I'jiiiiue hallen si! 11 erhoben und geizten sich wieder. F,- halle sich nichts »eriindei |. Der Vorsteher, Herr Belleidieim. halle einen vorzfiulieli gebügelten Zylinder auf, und sein schmal gefalteter (ielirlummlel halle eine breite, silbergeslickle Borte. Es marlile Eindruck. Er nnh'rhieU »ich mit dem Synagogendieucr. Er verteilt(! die Karlen nn die Herren, die zur Verlesung; des V\ ochenaliscliniltes ans der Thora 1m('gerufen werden ,«olllen. Der Huf des Vm'belers unterbrach die Besprechung, Sie winde wenig später /.11 Ende geführt. Umhin konnlt! dem Sclumspiel 11 Ich 1 länger z.uo ncn. War da» Hingabe'.* Stund da rauf die Well'.* ilrddn erhöh sich und wollte die Müller bitten, mit ihr iibcIi Hause zu gelien. Sie glilt auf den Sitz zurück. Auf der anderen Seile der Giilrrii! sah -ie Ellen Grailinger, Sin sah hinunter Und suchte Weller. Sie halle ihn hier nicht erwartet, aber sie fühlte mir, dal,’» er kommen würde. Ellen halle ein Gebetbuch aufgr-rlilagen und war dann verlieft, llmldas Herz, schlug laut, es krumpfte sich. Es wird etwas zu mir konmicn, vielleicht ein Lnglöck, dieser Schahhai wird nuverge.-M'ii Idciluui. Ilmlda sprach zu »ich. als müßte sie ihrer Errepmig irgend etwa» Innwcrfeii, sic hlicktc ms Buch, sie sah hmutiIrr. sie sali nach Ellen. Ellen war .schmal, blaß und sehün, ja, sie yy;11׳ schön, sie mußte gefallen. Lud Veiler!' Wo war Weller'.' Da hörte man das lei-c Sehn,•irren der Elugangstür. Es klang wie ein Seufzen, Es schien Heddu, daß diese Tür die Seele de» Tempels offenbarte. Es war ein Seufzer. — lledda sah einen Augenblick Weller. Er!Teilte sich unter ihre Galerie, lledda» Blick ging zu Ellen (11■■ailingrr, die Weller sehen konnle. Ellen hob den K״nf. hiebe!Ie und niekle. Ileddas Hände griffen nach dein Gebetbuch. Sie preßlcn sich an das Gebetbuch. Man sang einen Scldnßge-ang: Keiner isl wie unser Goll. Berlhchcri stimmte in die ihr vertrant•! Melodie ein, sic hatte lledda nicht beobachte!. Der (iollesdienst war zu Ende. Brrlhehen jagte, sie müßte rasch ins Geseliäfl. Sie hülle sicherlich manch« versäumt. Sie 11)1( 10 lledda viel zu fragen. ״Morgen habe ir!1 Zeit.“ Berllieben gab lledda einen Kuß und rille fori. lledda balle sich kaum von ihr gelreinil, als sie wenige Schritte vor siel! Weiter und Ellen sab. Sie wandte sich rase!• um. Aber in diesem Augenblick drchle sich Weller zu ihr hin, und lledda hörte; ״Sie müssen mich einen Augenblick entschuldigen.'‘ t'nd schon war Weller׳ an ihrer Seile. Er schien keinen zu iieachlen. Er nahm ihn! Hand, ״lledda, lledda", sagte er. ״endlich. Wann sprechen wir uns, wann sprechen wir uns'.’'' lledda bemerkle: ״Dr, Weller, der erbotene Augenblick ist vorüber. Man er wartet Sie," Aber Weller hörte nicht auf die Worte. ״Ilmlda, wir Indien uns auf jener Bank, heule nacluniUag, auf jener Bank am Walde, lledda, ich hin so glücklich.“ lledda wollle nein, nein sagen. Aber Weller halle ihre Hand gedrückt und war schon wieder hei Ellen Grailinger. lledda sagte sich tausendmal, ich fjelie nicht hin, ich gehe nicht hin. Sie wußte, sie trieb ein törichte» Spiel, Sie mußte hingelicn. Sie mußte Weller sehen und sprechen. Ja, sprechen mußte »ie ihn, vielleicht zum letztenmal. Als sie den Waldsntim enllangkam, sah sie Weller schon auf der Bank sitzen. Er sprang auf. er rille ihr entgegen, jelzl stolperte er, er sprang auf, er lief, er schrie: ״Hechln!" Jetzt sland er \״r ihr. Kr schrie laut: ״I ledila!" Er breileh* seine Arme ans. lledda empfand, dein Herz wird zerspringen, es muß zerspringen! Sie rief: ״Weller!" und sank in seine Vrine, Sie gingen zur Bank, lledda halle ein stilles Lächeln In ihren Zügen, das aus den Augen wiederkehrle. Weller jagte: ..lledda, ich werde wieder an fangen zu leben." Jeder crzlhlle. Welfer sprach \on Ellen, er wäre ihr S'aclivenvalicr, 1ie stände plötzlich vor vielen wirtschaftlichen Fragen, er wäre täglich bei ihr. Sic hätte sich sehr verändert, er schätze sie sehr. ״Lud ich?" f• igle lledda. ,,Du? Du hist das l.ehcn, du bist mein Lehen] Weller hohe lledda.» letztes Schreiben hervor. Er hatte soviel zu fragen, lledda rief: ״Nein, ich bitte dich, laß den Brief. Ich will ihn nicht hören. Ich kann ihn nicht hören. Ich hin 11 ieilI mehr diese lledda. Ich - weiß niclil, was ich bin." Die W'orlo wurden so erregt liingew orfen, daß Weiter erschrak. W ar das lledda, die willige, aufrechte, die «len Weg zeigende lledda? Wie war es rnöglieh? Weller wagte nicht zu fragen. Er war bedrückt. Auch lledda wurde schweigsam. Sie gingen still den Weg der Stadt zu. Die Ellern nmßlen nach dem Abendessen nochmals ins Geschäft. Es würde lange dauern, man brauche nicht auf sie zu warten, lledda halte Fräulein Müller in ihr Zimmer gebeten, lledda war erfüllt von einer Spannung, die ihr unerträglirh schien. Fräulein Müller fühlte es. ״Du mußt \ersländnis für andere haben können, mein Kind.” Es lag GüIb und Wohlwollen in den Worten. 111 lledda war alles so wund, und hier diese Itt 1110. diese Zufriedenheit. ״Sind Sie glücklieh. Fräulein Trude?" ״Das Glück, das ich suche, finde ich, lledda.“ lledda verstand, was in den Worten iag. Kräulem Trude fand Itulie, Ausgleich, Glück in der Religion, in ihrer Hellio». Ihr!,eben ruhte nuf dieser Grundlage, sie trug alles, nd lledda? Erinnerungen, das Eelzlerleblo, was sie früher erfahren, durchlebt und erlitten hatte, kam wieder auf, die Pensionszcil versank. Was si«* an Unwahrem, an Unechtem, an Gleichgültigem vor sich gesellen, rollte vor ihrem Auge nb, Verzweiflung brach in ihr auf. Wo ist der Gott der Juden? Wo sind die Juden? Ist hier noch Gemeinsamkeit? lledda fand auf der Diele das Nene Teslament, das Fräulein Müller halle liegen lassen. Sie nahm es mit sich. Sie begnnn zu lesen. Sie las die Korinllierbriefe. Sie las die Nacht lundureh, liier erschloß sieh neues Lehen, hier war Führung, Frieden. Fräulein Trude isl gesegnel. Auch ich will den gleieben Segen. Es war Sonn!,*!״morgen. Berlhchen und lledda saßen allein im Wohnzimmer. Berlhchen hatte eine Näharbeit zur Hand, lledda ein Buch. Aber lledda blätlerlo. Sie konnle nicht lesen. Die Gedanken jagten in ihr. Berlhchen begann leise zu lledda zu sprechen. (Foiuettung folgt)

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