Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 56 (12.7.1935)
- Date
- 1935-07-12
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 JöDISCHE RUNDSCHAU Nr. 56, 12. VII. 1935 Die Basis des Zionismus IN ALLER KURZE Im Jahre 1032 waren 4000 Nichtaricr an den deut- Sehen Hochschulen eingeschrieben, im Sommersemester 1033 noch etwa 1900. im Wintersemester J933 34 gab es unter 87 000 männlichen Studierenden nur noch 590 Juden und unter 15 000 Studentinnen 223!1 i c!11 a r i s c h e. Die ״Kolbcrger Zeitung“ vom 6. Juli veröffentlicht eine Mitteilung vier SA.-Standarte 2, wonach drei Personen wegen Einkaufs in jüdischen Geschäften aus der SA. ausgeschlossen worden sind. In der Kolonie Fichtengrund bei Oranienburg sind Tafeln aufgestcllt ״Juden sind hier nicht erwünscht“ Die Westfalische Landes/eit 11ng ״Rote Frde‘־ vom 8. Juli meldet aus Bad Sülze, daß dort ein mecklenburgischer Staudesbeamter ein a r i s c h - j ü d i s e 11 c s Auf g e b o t a u s S i 111 i c 11 k e i t s g r ü n d e n v c r w e i g e r t habe. Es haudelte sich dabei um einen jüdischen Mann, der ein arisches Mädchen heiraten wollte. Im englischen Unterhaus fragte 11er Abgeordnete Captaiu Frskiue-Bolst den (ieneralpostrneister, ob ein Antrag gestellt worden sei, eine jüdische R ti n d f u 11 k g e s e 11 - Schaft in England /u genehmigen, und ob er /u dieser Angelegenheit nähere Angaben machen könne. Der (icneral• postmeisfer Major Tryon antwortete schriftlich, daß ihm hi>her ein entsprechender Antrag noch nicht Vorgelegen habe. ln einer Konteren/ der J u <1 1 s c ii e 11 U t111 ׳ finden Ungarns ist einstimmig eine Resolution angenommen vvorden, i:1 der au-gedruekt ui!al, 3.ti» die Pro-Palastina-Bewegliiig in Ungarn nicht nur aut zionistische Kreise beschränkt bleiben sollte. In K o w 11 ״ starb 11.1s altc-te Mitglied des Kabbinats, Rabbiner Schmul Rudne, der als großer tielehrter bekannt war. Die bolivianische Regierung hat ihren Konsul in Warschau angewiesen, bis aut weiteres keine Visa für Aus- Wanderer aus Polen nach Bolivien zu erteilen. 1 )je Exekutive der VC' e I t v e r e i n i g 11 n g All g e ־ m c i 11 er Z i o n j s t c n teilt mit, daß die erste Konferen/. der \\ eltvi'reimgiing am 18. August voimittags, im Kongreß-(iehiuide in l.u/ern, beginnen wird. Der ״I lasehomer 1 la/air“ wird vom 10. bis lö. August in Poprad sein viertes Welttreffen; 11 >11 a11e 11. Der Rat des Synagogen Verbundes m Amerika beschloß die Herausgabe von Werken in hebräischer Blinden- Schrift, die von Rabbiner Harry Brcvis erfunden wurde, zur Benutzung dun 11 jüdische lllmdeiium-talien!;י der ganzen Welt. I)r. C.urt Pros kau er, Breslau, dessen Verdienste um die Erforschung der Ku1111! geschieht!; der Zaltnhcilktmde kürzlich hier gewürdigt worden sind, ist für den im August 193(1 in Wien stattfimlenden internationalen zahnärztlichen Kongreif zum Referenten für Geschichte der Zahnheilkunde durch das Kongreß-Komitee besteht worden. Wie uns zu dem in Nr. 51 veröffentlichten Berieiit über die badischen Synodalwableit mitgeteilt wird, ist die neue Synode auf Grund einer freien Vereinbarung aller Gruppen durch eine Einheitsliste gewählt worden. Soeben ist die Sommeraus gäbe 1933 des Bord-Merkb 1 a 11 e s für die Auskunft in Palästina erschienen (Verlag l)r. jur. W. Victor K Landau, Tel-Awiw), das ,unter der Redaktion der Slitadidutli Olej Germania steht. Brief aus Jugoslawien Von unserem Korrespondenten h. Beograd, 8. Juli Die in Krakau auf der Weltkonferenz der Allgemeinen Zionisten geschallene Situation hat aut das jugoslawische zionistische Leben keine bemerkenswerte Rückwirkungen ausgeubt. Die jugoslawischen Allgemeinen Zionisten, die siel! immer durch ihre progressive Tendenzen auszeich- 11 et eil, nahmen die Aeiilferinig des tschechoslowakischen V'ertrete!s aut der Krakauer Koufcnm/, der auch die jugoslawisehen Allgemeinen Zionisten vertrat, zur Kenntnis und 11 estutigten dadurch ihren Beitritt!11 die W e 1 t v e r e i!1 i - g 11 ״ g. Auf der uiilaiig-t abgclmlteiien Tagung der jugoslawisehen Zionisten ist einhellig der Wunsch zum Ausdruck gi kommen,!laß die jugoslacc!sehen Zionisten dieses Mal emlicith,h zum Zioiiistenkorigii'IJ gehen. Nach längeren Verhandlangen ist es schließlich gelungen, eine solche einlieitliehe laste auf/ustellen. Von den fünf Delegierten, auf die In.״״ I.iv. hm cm Anrecht hat, entfallen auf die Allgemeinen drei und auf das arbeitende Palästina zwei Vertrete!׳, lauer den fünf!)elegierten befindet sich auch der Führer di r jiigo'-iawtohut Allgemeinen Zionisten, Lav Stern, 11 gc 11t aber der außerhalb der Parteien stehende Präsident des Zbmistenvcr Bandes, l)r, Alexander Licht. Die jugoslawischen Revisionisten haben in der letzten Zeit einen heftigen Propag.-mdafcldzug eingcleitet und, wie verlautet, kommt Ende dieses Monats auch Jabotinskv nach Jugoslawien. ___ Juden im neuen Beirat der Lodzer Stadtverwaltung Lodz, 8. Juli. (J TA.) Der Lodzer Stathr.1t ist vor kurzem aufgelöst wurden. 111 ihm bestand bekanntlich eine antisemitische Mehrheit. Seine Arbeiten wurden wiederholt durch Zwischenfälle, hei denen es zu Tätlichkeiten zwischen antisemitischen und jüdischen Stadtverordneten kaut, gestört. Es ist nunmehr ein S t ad t p r ä s i d e n t von der Regierung bestimmt worden. In einem Beirat, der die Funktionen des aufgelösten Stadtrates übernehmen soll, werden 24 Mitglieder sitzen, unter ihnen wahrscheinlich 1 bis 5 Juden. Um die Schechita in Polen Warschau, 9. Juli. (JTA.) Gegen das rituelle Schachten ist in Polen ein netter Vorstoß unternommen worden. Der Direktor des polnischen Stiultevcrbandcs, dem samtliehe Städte Polens angeschlosscn sind, bat dem Rat des Städteverbandes einen Plan zur Abschaffung der Schechita unterbreitet. Die Stadtverwaltungen sollen Petitionen an die Regierung senden, in denen diese aufgefordert wird, das Schächten zu verbieten. Aus diesem Anlaß wird der Vorschlag gemacht, eine Tagung aller jüdischen Mitglieder der Magistrate und Stadträte ganz Polens ein/uberufen, um die mit der Aktion des Städteverbandes Zusammenbau ge nd en Fragen zu erörtern. In der polnischen Tagespreise wird mitgeteilt, daß geplant werde, für die rituelle SchächturiR eigene Schlachthäuser in den Städten Polens zu errichten. Das Schächten in allgemeinen Schlachthäusern soll verboten werden. Zum Abschluß der neuen Herzl-Ausgabe Wir haben an dieser Stelle bereits früher auf die im Jüdischen Verlag, Berlin, erschienene neue fünfbändige Ausgabe der Gesammelten Zionistischen Werke Theodor Herzls hingewiesen. Inzwischen ist auch der 5. Band erschienen, der dieses Werk zum Abschluß bringt. In ihm finden wir den Roman ,,A 11 n e u I a 11 d", die dramatischen Arbeiten ״Das neue Ghetto“ und ״Im Speisewagen“, sowie eine Auswahl von Veröffentlichungen aus dem Nachlaß iler/ls. Der Jüdische Verlag hat sich mit der Neuherausgabe der zionistischen Arbeiten Herzls ein außerordentliches Verdienst erworben. In einer Zeit, in der die praktische Arbeit des Zionismus für die Lösung der Judenfrage und die Pro- Meine des Palästina-Aufbaus im Vordergrund des Interesses der jüdischen Oeffentlichkeit stellen, ist das Verständnis für die geistigen Grundlagen dieses Werkes bei weitem nicht im gleichen Tempo gewachsen wie die tätige Anteilnähme an seiner praktischen Verwirklichung. Es gilt daher, diese Kenntnis in einer Generation neu zu verbreiten, die den geistigen Auseinandersetzungen etwas ferner stellt, die früher über diese Probleme geführt wurden. Die Kenntnis der von ller/l gelegten Grundlagen der zionistischen Arbeit, seiner Analyse der Judenfrage und der von ihm in Angriff genommenen Aktionen ist mehr als je erforderlich. Dazu kommt, daß in allen Schriften Herzls die menschliche Größe seiner Person, die wahrhaft fürstliche Haltung, die ihn auszeichnetC, zum Ausdruck gelangt. Wenn auch vielleicht manches, was Her/1 in seinen mehr literarischen Arbeiten geschaffen hat, in einer Zeit, in der das Formgefühl sich bereits merkbar gewandelt hat, uns nicht mehr ganz entspricht — wir stehen doch bewundernd vor seiner formalen künstlerischen (iestaltungskraft und noch mehr vor der visionären Kraft, mit der er die Entwicklung Palästinas, das Werk, zu dem er selbst den Grund legte, in ״Altneulaiul“ schaut. Positives und Negatives, wie es heute in L'.rez. Israel uns gegenübertritt, ist schon vor über drei Jahrzehnten von Ilerzi geahnt und beschrieben worden. Besonder•׳• wertvoll ist dieser Schlnßband durch die Herausgabe!••.,er Reihe von Arbeiten aus dem Nachlaß. Wir finden hier zum Teil Dinge, die gar nicht oder nur einem kleinen Kreis bekannt waren, da sie ursprünglich an Stellen erschienen, die heute nur wenigen zugänglich sind. Besonders die Briefe, die jetzt veröffentlicht worden sind und sich mit einer großen Zahl zionistischer Probleme beschäftigen, bilden eine wertvolle Ergänzung sowohl der Tagebücher wie auch der Aufsätze und Reden Herzls. Audi einige Gedichte sind in diesem Teil aufgenonimen, darunter der bekannte Vierzeiler, der Herzls innerstes M ollen ausdrückt und daher wie ein!Motto seines ganzen Werkes wirken kann: ״Wann erscheint mir als gelangen, Mein llvmüh'n auf dieser Erden? Wenn aus armen Juden jungen Stolze junge Juden werden!“ Die Ar1erbestimmung:e11 für die Studentenschaft Der Reichscr/iciiiingsminister hat folgende A u f 11 a 11 mebestimmungen für die Reich sschaft der S t u - d i e r e 11 d e 11 an den deutschen Hoch- und Fachschule 11 erlassen: Stuck 1: Auf Grund des Reichsgesetzes über die Bildüng von Studentenschaften an den wissenschaftlichen Hochschulen vom '22. April 1933 sind ausnahmslos nur diejenigen Studenten und Studentinnen a!1 deutschen Hoch- und Fachschulen in die deutsche Studentenschaft bz.w. deutsche Fachschulschaft aufzunehmen, die ihre Zugehörigkeit zum deutschen Volkstum und arische Abstammung nach den A ti f 11 a 11111 c b e s t i n! 1111111 g e 11 <1 er N SD A P. nachweisen. Bis zum 1. Oktober 193(1 genügt cs, daß die Angaben aus dem Ahnennachweis bis zu den Großeltern einschließlich durch die Vorlage von deren Geburts- (Tauf- und Trau-Urktinden) oder einen Ahnenpaß belegt werden. In Zweifelsfallen kann der urkundliche Nachweis bis zum Jahre 1800 gefordert werden. Stück 2: Legt jemand, der die deutsche Reichsangehörigkeit nicht besitzt, aber teilweise von Volksdeutschen Ahnen abstanunt, Wert auf die Zugehörigkeit zur Reichsschaft, so kann er aufgenonimen werden, wenn der Nachweis bei den nichtdcutschcn Ahnen hinsichtlich ihrer arischen Abstammung nach den Aufnalimebestinimungcn der NSDAP, geführt wird. Hinsichtlich des Nachweises für die deutschen Ahnen gilt Stück 1 der Aufnahmebestimnumgen. Wer als (iast in die Reichsschaft der Studierenden aufgeuommen wird, wird durch weitere Bestimmungen in dem Erlaß geregelt. Wie das ״Deutsche Nachrichtenbüro“ zu diesem Erlaß des Reictiserziehungsministers erfährt, werden damit zum erstenmal die Aufnahmebestimmungen der NSDAP, auf Organisationen angewendet, die unter staatlicher Führung stehen, ״Der Erlaß bedeutet einen weiteren Schritt vorwärts bei der L) u r c 11 t ü 11 r u 11 g des Arierprinzips. Die Studenten ■ schaff, die schon von jeher bestrebt war, die Grundsätze des nationalsozialistischen Parteiprogramms in ihrer Organi• sation zu verwirklichen, hat sich somit auch hier wieder in die erste Reihe gestellt.“ Rasse und Erziehung Die Nationalsozialistische Parteikorrespondenz schreibt im Rahmen eines Artikels, der sich mit einem Urteil beschäftigt, durch das einem kommunistisch gesinnten Vater die Sorge für die Person seines Kindes entzogen worden ist, fol• gendes: ..Kirn• «Irr vorm-hm-ioii und \\ irji( Auiö.iUui tlv.s vukiluhen Krdciirtx i.-u c>, du: Kiadur von inihci ju:u11׳d an mit 11 ea (jnmdsui^pn ilr- <k׳us sehen U'tsrih und der duuf'.cheii ( lc^cluVfife vuiuaut zu 111a< iitui, in il11H׳r1 ein Lmvurniukharui \ aW׳riandsj*(־lüH zu \At<kcn und ■ iti au duui^uhe Siilm und Ailm 11düun1:11״ zu go w11!׳י je 11. D.uaü-■ v 1”iI>l .־duii ohne va־iuTu;s, dal» z. B. ein nichta r 1 y r h 1' r Stiefvater niumaN uim׳!! I*•-!im1m׳nd<׳n Kiniluü auf dte KrAiiuni^ >uiner Stieikuuler li.dx■!! dar[. Soweit 1נ0י5ו;ז-!10!|!'!סו' ritn-r^hi du x'a i-u'hrn Ih/.iuhuin und Kindern ein511, hat die Kccht"|)1eci1un^ au! dem tU-hiete des Yonnuhd'dialUi'erhls Ixuiu die crlutdei liehen Folgerun^ut gezogen . . .*‘ Bestrafte Fenster-Zerstörung ln der Nacht zum 2. Juli wurden in K i r c h h a i n bei vier jüdischen Einwohnern die Fensterscheiben, darunter eine große Schaufensterscheibe, cingeworfen und an einer anderen Stelle citiznverfen versucht. Die Tater benutzten ein Auto, mit dein sie nach der Tat entkamen. Man ermittelte als Besitzer des Autos einen jungen Mann namens Gerhard Sch. und nahm ihn sofort in Haft. Am Dienstag stand er, wie ■die ״Frankf. Zeitung“ vom 11. Juli berichtet, vor dem Schnellgericht. Nachdem er in der Vorvernehmmig zunächst geleugnet hatte, legte er ein Geständnis ab und bekundete, daß er zusammen mit dem 19jährigen Fritz O. abends am Biertisch den Plan zum Einwerfen der Scheiben faßte, angeblich aus üexcliäftsucid gegenüber den Juden. Beide sammelten dann vor dem Stadtausgang Steine und fuhren die StraBe 11 ab, wo sic ihr Zerstöriuigswerk vollbrachten. Gegen den als Zeugen anwesenden O. wurde sofortige Verhaftung verfügt und Anklage erhoben. Der Oberstaatsanwalt führte u. a. aus, daß die Angeklagten durch ihre unverantwortlichen liebergriffe das Volksvermögen und vor allem das Ansehen der Partei, des Staates und Deutschlands im Auslände aufs schwerste geschädigt hätten. Trotz guten Leumunds, der den Angeklagten von einigen Zeugen ausgestellt wurde, sei eine harte Strafe am Platze, die klarmache, daß derartige U e b e r g r i f f c im neuen Deutschland nicht geduldet würden. Der Strafantrag lautete auf sechs Monate Gefängnis. Das Gericht erkannte gegen jeden der heilten Angeklagten wegen fortgesetzter Sachbeschädigung auf je drei Monate Gefängnis. Beide blieben in Haft. Aus Arendsee Der ״Niederdeutsche Beobachter*‘, Schwerin, vom 5. Juli berichtet über eine Ortsgruppenversammlung der NSDAP, in Arendsee, bei der Kreisleiter Sievert (Rostock) sprach. Er sagte nach dem Bericht des Blattes u. a. folgendes: ,,Schwer genug hubeii wir in Mecklenburg unter der jmli.Nclten K.i't gelitten. Olt genug wurden jtidi»ehe Kr<־ci1h<ui«:11 in den Zci« tungc.1 gultrandniaik!. l.'ml doch gibt <**י noch Volksgenossen, die bei Juden kaufen und ihnen t'n!ur-!u!7ung angedeilmi la-«.cn. Wollen vir uns nun nicht endlich bednnen und handeln, wie e.s einem Diunscht-n gi ziem!? Wer bei Juden kauis, ist ein Verräter am demsehen Volk und muß cs sich gi lallen la-־s־.׳n, wenn er als solcher in aller Ueileniliehkeil gebrmuimaikL wird. Schmach und Schande über M>khe Yo!k-,vcnater. die sieh duich ihr sehijüigcs \ erhalten für immer aus der < M'meinsehaft des den!•when V-olLts atis;>chln>seu. Die Aremlseer haben gut ge!an, wenn sic sieh weigerten, Strandkörbe an Juden zu vermieten. Lange genug duldeten wir ihre t'rechhciten, das Maß i-t voll!*־ ״Bad Dürkheim judenirei“ Der ״Laudespressedienst“ des ״Deutschen Nachrichten• büros“ meldet unter der Uebcrschrift ״Bad Dürkheim j u d e 11 f r e i“: ״Bali Dürkheim,! 1 amit der Erstellung seiner Brunne nlialle und midi dem bei den EimvcilHing.ilclerlidikeileii vu!getragenen üaeh- •voisiiimligoiigulachlen des l’rmes-ms l)r. Diilim «len ersten Schritt zum Weltbild getan hat, wird jadenfrei. Am Ein״.mg zum Kurgartcn und damit zum Kunnittelhuus und zur Kurverw.ilumg, prangt seit Sonntag ein rotes Schild mit der Aulsehritt: ״Juden ist der Zutritt verboten!“ Die beiden vorhandenen Hotels nehmen keine Juden mehr auf.“ Widerrufene Einbürgerungen Im ״Reichsanzeiger“ finden sich eine größere Zahl von widerrufenen E i 11 b ü r g c r 1111 g e 11. 35 Widerrufe wurden vom Regierungspräsidenten von Magdeburg ausgesprechen, je zwei vom Bezirksamt in Frei bürg i. B. und von der Kreisregierung in O herb a ycr n, je einen Widerruf haben das badische Ministerium des Innern, der Regierurigspräsident von Kassel,!1er Regierungspräsident von Frankfurt a. d. O. und der Regierungspräsident von L i e g n i 11. verfügt. Nach einer Meldung der Hamburger Polizeibehörde ist in sieben namentlich aufgeführten Fälle11_die Einbürgerung Hamburger Personen widerrufen worden, tos handelt sich in fast allen Fällen um Nichtarier, darunter uin Personen, die aus dem Osten stammen. Die Genossenschaften und die Judenfrage Auf der Generalversammlung der Vieh v c r w e r t u n g 9־ Genossenschaft Limburg und Umgebung führte Bezirksbauernführer Bausch nach einem Bericht des ״Frankfurter Volksblattes“ folgendes aus: ,.Es bestehe zwar auch heute noch ein scharfer Konkurrenzkampf, jedoch sei eine klare Linie und ein festes Ziel vorhanden. Es sei Auf gäbe aller Genossen, taikiättig miuuhciteii am Ausschluß alles Artfremden. Bei völliger Ed-ting des (uTio-'eiorha ll-prsiblcms sei an der Judentrage nicht voiUiziikoiniiun. Die Viohvc rwrrlung-genossenschäften täten alles, um «Ins!■etzle für den Bauern herau-zufiolen. Die \ iehprei<c von heute wiirdtn ohne (.lenoswiisrliaft und Reichsnähi-tanilsgCM'izgebung nie ei reicht worden sein. Die l’iotitgier sei dem (leno-senseluiltsged,iiiken völlig fremd. Aut den Märkten seien die Juden nur prozentual zügellosen. Es sei trau!io, daß auch im Nassauer Land norh viele Bauern von dem von Natur aus anmaßenden und frechen jaden nicht abhs'ßen, 01111׳ab! die Genossenschaft in der Lage sei, allen Ansprüchen ge rech» zu werden. Es inü-.se grundsätzlich immer wieder betont worden, daß der Nationalsoziali-Hms den Arie!panigruphen nicht iiiifgcncmuncn habe, um ihn nur auf dem Papier stehen zu Indien. Das Juden( um sei ein Parasit am Volk-körper, solange es Juden glilie. Der Kampf müsse daher restlos durchgetührt werden.“ Die nationalsozialistische ״Leipziger Tageszeitung“ hat eine Sondernummer mit dem Titel ״Juda — der Nationalsozialist ist Antisemit“ herausgegeben. Diese Sondcrbcilagc entspricht in ihrem Inhalt im wesentlichen der Jitdennummer, die vor kurzem von der nationalsoziallstisehen Tageszeitung ״Der Freiheitskamp(“ In Dresden herausgebracht worden ist. IlaupKchrilt!« itcri Dr. Robert W e 11 s c 11, Bcrlin-Charlottenburg 6• Stellvertreter: Kurt Loewenstein, Berlin W 15. Anzeigcnlciterin und verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Rut Posen er, Berlin W 30. Gültig: Anzeigcn-Preisliste 2 vom 1. Januar 1935. Verlag und Anieigcnverwallung: Jüdische Rundschau, Berlin W 16! Meinckcstr. 10. D.-A. Juni 34 000. — Druck: Siegfried Seholcm, Berlin-Schöncbcrg. I » I