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Jüdische Rundschau · 1935-07-09 · Heft 55 (9.7.1935) · page 9

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 55 (9.7.1935)
Date
1935-07-09
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
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15 JÜDISCHE RUNDSCHAU Berliner Rundschau NR. 55, 9. JUL» 1935 ■hen fhag berg ■renu. a. Cion. , ala Ifona am Uhr, meru .'11a• nde- *eier :11 im : an gebt eme eine Max hing mir eint, hs— age,;lore jülung eilen berieht isch, gesehe das wert eilen Vergennder igen ald nuf egen 1 — bau . V. ngevertleler melle den .gentadt, edda Izen «um kam trere urch ihaft a. , ״es ichts vor ir so ährt. 1er“, war izten ״Das winolleheil.• B ZU . Sie vor > i». war; der dho£ eller halte ir da Zeitder egte. >nnt» mim noch folgt) Führungen der Gemeinde Um den Berliner Juden einen Einblick in die praktische A/beit ihrer Institutionen zu geben, veranstaltete das Werbeheferat der Jüdischen Gemeinde am Sonntag nunmehr die 'dritte Führung unter Leitung von Dr. Riegner durch ihre Anstalten und Betriebe. Wieder ist eine große Zahl V°P Teilnehmern der Einladung gefolgt, die diesmal die Kleiderkammer der Jüdischen Gemeinde in der Choriner Straße zum Ausgangspunkt hatte. Dir. Lipschitz ümriß die wichtige soziale Bedeutung dieser Einrichtung; allein in einer Abteilung (es gibt deren sechs im Hause), in der Abteilung der Fußbekleidung, sprechen täglich zirka 140 Bedürftige vor. Aber auch die Zahl der gebefreudigen Juden ist nicht klein; jeden Tag erklären sich 30—40 Parfeien für eine Sachspende bereit. Eine Führung durch die einzelnen Abteilungen des Hauses bestärkte den Eindruck, daß hier durch Heimarbeit und gute Organisation ein hygienisch einwandfreies Hilfsreservoir für Bedürftige geschaffen ist. Der nächste Besuch galt dem Altersheim II in der Schönhauser Allee. Inspektor Struck erzählte van dem Werden des Hauses, das vor mehr als 50 Jahren als eine großzügige Stiftung des Ehepaares Moritz Mannheimer entstand. Heute macht sich die Not der Zeit Hier in doppelter Hinsicht geltend: auf der einen Seite kann das Haus kaum alle Petenten aiifneiimen (es hat zur Zeit 108 Insassen und 33 Externe); aut der anderen Seite fehlen die Mittel, die zu eng gewordenen Räumlichkeiten und die unmodernen Einrichtungen diesem Bedarf ganz anzupassen. Aber auch hier bestätigt der Augenschein, daß man aus dem Vorhandenen das Bestmögliche zu gestalten sucht. Ein Besuch des benachbarten Friedhofs und eine Besichtigung der Synagoge Rykestraße, bei der Dir. Alexander im Namen des Oemeindevorstandes die Teilnehmer begrüßte, beendeten die Führung. -t. Abschluß der Schekel-Aktion Die Schekel-Aktion ist beendet. Da die Schekelzentrale sofort abrechnen muß, bitten wir alle Gesinnungsgenossen, die noch im Besitze von Schekelblocks sind, uns das Material schnellstens zugehen zu lassen. Da das Ergebnis bis Freitag, den 12. Juli, festgestellt werden muß, müssen sämtliche Blocks bis zu diesem Tage in unseren Händen sein. Jeder, der uns Schekelblocks, auch leer, nicht zustellt, er- Schwert den Abschluß der Aktion und belastet uns mit unnötigen Kosten. Berliner Zionistische Vereinigung Bcrthold Auerbach und das Problem der Assimilation. Das Thema dieses ersten der Kuiturbundvorträge des Monats Juli von Dr. E 1 o c s s e r war außerordentlich inter- . essant. Dr. Elocsser skizzierte die Stellung Berthold Auerbachs in der deutschen Literaturgeschichte; als, Vater eines großen Teils der Heimatdichter, eine Bedeutung, die weit uner die deutschen Grenzen hinaus anerkannt wurde. Als Dichter des ״Barfiißle“ ist er ja auch der heutigen Generation noch bekannt. Weniger bekannt sind dagegen Auerbachs Zeitromane: .,Auf der Höhe“ mit Schilderungen des konventionellen Hoflebens und der Roman ״Das Landhaus“. Hier setzt Auerbach die klassische Tradition der ״Hauslehrer-Romane“ fort. Der Hauslehrer des Millionärssohnes ist Träger der liberalen Anschauungen. Mit diesen Romanen ist Auerbach mitten in seinen Hauptlinien: den Ideen der Humanität im Sinne Moses Mendelssohns, den er — versteckt — zum Helden und Vorbild in einem nicht vollendeten Drama erwählte. Unter seinen frühen Plänen befand sich auch ein ״Ben-Zion“-Roman; dieser Beri Zinn ist ein Jerusalem-Pilger, der nach Palästina pilgert, um dort zu sterben. Als 24jähriger harte Berthold Auerbach eine Broschüre geschrieben: ״Das Judentum und die deutsche Literatur“. Das Judentum war für ihn im Gegensatz zu Heine und Börne ein konservatives Eiement. Aus der Zeitsituation sind auch seine politischen Ideen zu begreifen und Dr. Eloesser schilderte die gesamte Situation des Biedermeier anschaulich. Berthold Auerhach war Burschenschafter und saß auf der Festung Hohenasperg, weil er die Reichseinheit unter preußischer Führung voraussah. Nach seiner Uehersiedlung nach Berlin wurde er von der literaturfreundlichen Kaiserin Augusta zur Vorlesung aus seinen Dichtungen an den Hof geladen. Das Problem der Assimilation hat es für Berthold Auerbach bis in seine letzten Jahre für ihn selbst eigentlich nicht gegeben. Er war im Schwarzwald geboren und im Schwarzwald bzw. in Baden hat es immer ein bodenständiges Judentum gegeben, ja sogar jüdische Bauern. Der spätere Antisemitismus trat ihn als Verkünder der Ideale der Hurnaititat natürlich doppelt schwer. R.M. Vom Jüdischen Museum. Das Jüdische Museum hat durch eine Anzahl Leihgaben, Geschenke und Neuerwerbungen wieder eine Bereicherung erfahren. Aus dem Besitz von Direktor;Horwitz wurde ein silberner Chanukkahleuchter als Leihgäbe zur Verfügung gestellt, eine köstliche Goldschmiede- . arbeit, die nach Familientradition im Jahre 1672 nach Berlin gebracht wurde. Aus demselben Besitz stammt eine sehr;schöne Chanukkahmenorah aus Zinn aus dem 18. Jahrhundert, j — Eine sprechende Silhouette Max Liebermanns von der Hand des bekannten Siihoucttenkünstlers Otto Wiedemann wurde dem Museum von einem Kunstfreund geschenkt. — Ein Geschenk von Frau Dr. Wischnitz er erhielt auch die graphische Sammlung durch Illustrationen zu Nachmann aus Brazlaw von der in Paris lebenden Künstlerin Rahe! Szalit. 1— Aus der Sammlung Dr. Hermann Meyer wurden einige ergänzende Stücke für die Porträtsammlung erworben. Eine Neuerwerbung endlich ist das miniaturartige Damenbildriis von Leopold Horowitz, dem beliebten Tortratmaler der I Wianer Vorkriegsgesellschaft, das sich durch seine duftige ן Ausführung sicher manche Freunde erwerben wird. Israelitische Vereinigung Lichtenberg E. V. Die General- Versammlung wählte am 30. Juni den langjährigen verdienstvollen Vorsitzenden, Leo Meyer, einstimmig zum Ehren- Vorsitzenden auf Lebenszeit. Der neue Vorstand w׳urde auf breitester Basis gewählt. וו1ווו1וווו»וווווווווווווווויוווווווווווווווווווווווווווווווווווחוחוווווווו1וווווווווווו1ווווווו!ווווווו1ווו1וווווווווווו1ווווווווןןןןןויןןןןןווווווווווווו» PUkUden lUhdek-ltutodstUtM in — ein wichtiger Frauenberuf Aber auch ein anspruchsvoller - zwei Jahre Ausbildungszeit Ein Tag im Seminar für jüdische Kindergärtnerinnen Ein schwerer Schlag besonders gute Aussichten gewähren dürfte. Um so angenehmer ist man überrascht, wenn man hört, daß zur Zeit Nachfrage nach jüdischen Kindergärtnerinnen herrscht. Aus jüdischen Familien liegen zahlreiche Nachfragen vor, die nicht einmal voll befriedigt werden können. Gerade neuerdings macht sich ein erheblicher Mangel an Nachwuchs in diesem verantwortungsvollen Beruf bemerkbar. Das ist vielleicht aus der Tatsache zu erklären, daß die Frage der Ausbildung jüdischer Kindergärtnerinnen seit etwa zwei Jahren ziemlich schwierig erschien. Die Seminare, die bisher für die Ausbildung in Frage kamen, unterliegen den allgemeinen Bestimmungen des Schulgesetzes für Nichtarier mit der Besonderheit, daß die Erlaubnis zum Besuch eines solchen Seminars nicht nur, wie hei Höheren Schulen, von einer Erlaubnis der Schulbehörde abhängig ist, sondern in jedem Einzelfall einen Antrag an das Ministerium voraussetzt, das dann die Entscheidung fällt. Das neue Seminar All das bedeutete für jene jüdischen jungen Mädchen, die den Beruf einer Kindergärtnerin erwählen wollten, einen schweren Schlag. Nur noch die kleineren, konfessionellen Seminare nehmen nichtarische Schülerinnen auf, soweit der vorgeschriebene Prozentsatz dies gestattet. Dazu kommt, daß eine besondere Ausbildung für die jüdische Erziehungsarbeit den künftigen jüdischen Kindergärtnerinnen sehr erwünscht schien. Um allen diesen Schwierigkeiten abzuhelfen, hat sich daher die Reichs Vertretung der deutschen Juden, gemeinsam mit der Zentral wohlfahrts stelle der deutschen Juden und dem JüdischenFrauenbund entschlossen, eine Ausbildungsstätte für jüdische Kindergärtnerinnen und -Hortnerinnen einzurichten. Mit recht bescheidenen Mitteln mußte tnan anfangen. In der Meinekestraße wurde eine Wohnung gemietet und kaum war die Gründung eines Seminars bekannt, als sich schon zahlreiche Schü'erinnen meldeten. Im Mai 1034 begann der Lehrgang, der auf zwei Jahre berechnet ist. Ungefähr die Hälfte der jetzigen Schülerinnen, etwa 20, stammen aus dem Reich; sie wohnen in dem Internat, das dem Seminar angegliedert ist. Die Ausbildung Besucht man während der Unterrichtsstunden das Seminar, dann kann man sich davon überzeugen, mit welch brennendem Eifer die Schülerinnen bei der Sache sind. Ob nun gerade die wissenschaftlichen oder technisch-künstlerischen Fächer an der Reihe sind, ob theoretischer Unterricht erteilt wird oder Unterweisung im Zeichnen, man wird kaum irgendeine Schülerin unbeteiligt oder weniger interessiert sehen. Selbstverständlich werden im Unterricht gerade die jüdischen Dinge besonders betont. Beim Wissenschaftliehen Unterricht berücksichtigt man die heutige Situation des jüdischen Kindes. Besondere Kurse unterrichten die Schülerinnen über das Leben in Palästina und über die besonderen Erziehungsprobleme des Landes. Der Unterricht in der hebräischen Sprache ist Pflichtfach, und bei Besprechung der sozialen Fragen nimmt man besonders Bezug auf die Lage der Juden. Jüdische Geschichte und Judentumskünde spielen beim wissenschaftlichen Teil der Ausbildung eine wesentliche Rolle. Im Mittelpunkt des Unterrichts stehen selbstverständlich Fächer wie Geschichte der Pädagogik, Psychologie und Erziehungslehre, Gesundheitslehre, Kindergarten- und Hortlehre. Besonders interessant für den Besucher ist natürlich der Unterricht in technisch-künstlerischen Fächern• Begeisterung scheint der Musikunterricht hervorzurufen, bei dem auch hebräische Lieder gesungen werden. Gymnastik- und Bewegungsspiele bilden eine willkommene Abwechslung. Im Werkunterricht wird gebastelt, gesägt, geklebt und gehämmert, und unter den geschickten Händen der Mädchen erstehen kleine Kunstwerke, wie Puppenstuben, Kaufmannsladen und andere schöne Dinge. Außerdem bereitet man für die Kinder kleine Arbeiten vor, die sie dann ohne große Mühe vollenden können. Der Außenstehende, der sich nach seinem Besuch im Seminar ein zusainmenfassrndcs Bild zu machen versucht, kommt zu dem Resultat, daß hier eine wichtige jüdis che Bildungsstätte entstanden ist. Dir jungen Mädchen, die dort ausgebikict werden, können sicherlich, wenn sie nach vollendeter ischulung ins Leben treten, ihren Platz voll ausfüllcn. Eine Probezeit von etwa vier Wochen dient dazu, der Leitung der Anstalt darüber Aufschluß zu geben, ob auch alle Bewerberinnen für ihre schwere und verantwortungsvolle Aufgabe geeignet sind. Auch die praktische Hausarbeit spielt bei der Tätigkeit einer Kindergärt• nerin eine wesentliche Rolle. Berufsaussichten Es ist ein erfreuliches Zeichen, daß aus jüdischen Familien die Nachfrage nach jüdischen Kindergärtnerinnen besonders lebhaft ist. jüdische Eltern, die bekennen, daß sie vom Wesen des Judentums nur wenig wissen, wünschen, daß ihre Kinder anders erzogen werden sollen. Familien, di« gemeinsam Spielkrei.se für ihre Kinder errichten, fordern eben• falls jüdische Kräfte an. Dazu kommt noch, daß auch die Zahl der Gemcindeki n d erg arten eine Vermehrung erfahr«) hat. In manchen Kreisen wird gegenwärtig die Frage erörtert, ob man hebräische Kindergärten schaffen soll. Ein« solche Einrichtung würde wahrscheinlich in erster Linie für die Eltern in Frage kommen, die beabsichtigen, gemeinsam mit ihren Kindern nach Palästina auszuwandem. Das Beispiel des Seminars beweist, daß man selbst angesichts einer besonders schwierigen Lage durch Tatkraft und Entschlußfähigkeit die Lösung einer Krise finden kann. Durch die Gründung des Instituts ist die Ausbildung jüdischer Kindergärtnerinnen gewährleistet, die eine Zeitlaug in Frage gestellt schien. S. Ascncg «#4-' Ober» links: Bei der Herstellung von Webrahmen. — Rechtst Handfertigkeitsuntmicht. Rechts: Einführung in die Praxis: Erster Ausgang mit, Kindern. Unten links: Gymnastikstunde. — Kolos: H*rbert Sonn*nf«ld Ankündigungen Zionistische Veranstaltungen Lernt Hebräisch In den Kursen der BZV. Demnächst beginnt rn neuer An(ängctkur>us im Westen. 111 den bereits bestehenden Kursen für Anfänger und Fortgeschrittene können neue Teilnehmer aulgcnommen werden. Auskunft und Anmeldung in der Kulturäbte'ilung der BZV., Meinekestr. 10 (Tel. Bismarck 7165. App. 44). Im hebräischen Bibelkurs unier Leitung von Dr. Borodia'nski, der jeden Sonnabend um 18.15 Uhr im BZV.-Heim, Kamstr. 54, stattfinde!, können neue Teilnehmer au!genommen werden. Jüdischer Volksbund. I'1,׳m|>!et־u1 1111״ um 14. Juli nach Nedlitz bei Potsdam. Ablabrt um 9 Uhr, Schilfbauerdamm 23, Ecke LuisenstraCe.

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