Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 55 (9.7.1935)
- Date
- 1935-07-09
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seit«סז Jüdische Rundschau Vereine Vereinigung jüdischer Frauen Groß-Berlins (Gruppe des jüdischen Frauenbundes). Am 10. Juli Dampferau»th!g nach Wolfersdorf, Restaurant Wedel. Abfahrt 0.30 Uhr vormittags, .Schiffbauerdamm 23 (Marschallbrüchc). Karten nur im Vorverkauf bei Frau Bertha Kochmann, G 7 Schonclacrg 2351 (Meraner Str. 7), oder bei Frau Schwersenz, K 9 Fricdrich-hain 5367 (liolzmarktstr, 8). Hin- und Rückfahrt 80 Pfg., Kinder die Hälfte. Kleine Nachrichten Klavter gesucht. Für eine»! l>c<lu1tugon jiidi.-rhen Kunst lor wird dringend ein Klavier gesucht, um ihm die Au-übung «»eines Beruf«» zu ermöglichen. Meldungen werden erbeten an die Kinv-tlerhiUe der Jüdischen Gemeinde, C'harlottcnlmrg 2. Kantstr. 158, Gartenhaus T, Telephon: Bi -man 1 6025. — Mu«ik$tud(<> der Kiinstlcrhilfe. Die Kunstlerhilto hat ein Studio t-ingerieliiet, in dem die Werke unb<‘- kannter junger Ton-,!!.’er autgeluhrt werden, wenn sich die Rom- Positionen zur Wiedcrgaint eignen. Da.־» erste Konzert fand wahrend des vergangenen Monats statt. NädHe Veranstaltungen sind für August und ScptemlnT vorge»ehrn; weitere AuUuhrungcn während der Wintemabon sind monatlich geplant. J)ie Kirnstlerhilt'e. Berlin- ( hftrlotn rshurg 2, Kantstr. 158, bitte! um weitere Einsendung von Komposit innen zur Begutachtung und zur evtl. Auliuhmng im Studio, zu dessen Veranstaltungen jedeomd aiirh die Presse geladen wird. —- Der Ausbiidungslchrgaog für jüd, Kindergärtnerinnen und Hortneriniten, Berlin VV 15, Muinekust r. 22, ist staatlich genehmigt war• den. Als Bedingung wurde go'ellt, rinfS jeder Lehrgang zwei fahre dauert, erdspreelrnnd der Atisbildung.-dauir an den allgemeinen Sein!- paren, und hocletens 30 Schülerinnen rnnlatit. Infolgcflcssen werden die Schülerinnen de»!amendm Lehrg.mgs erst im April 1936 ihr Examen ah leger! können und *1er tune Lehrgang Ostern 1936 beginnen. Iniolge der!־'*'■!■jOurg der Srhülcrinncnzahl aut 30 können NwjanineWungen hir den narh-4en i .ehrgang nicht mehr entgegengenommen werden. Regelung des Auswandererproblems Stockholm, 4. Juli, (JTA.) ln einer schwedischen Tageszeitung wird eine Erklärung des norwegischen Außenministers Koht veröffentlicht, in der er mitteilt, die norwegische Regierung habe vorgcschlagcn. daß das Problem der Auswanderer aus Deutschland und anderen Ländern aut die Tagesordnung der nächsten Völkerbund- Versammlung gesetzt werde, (iieich/eitig habe die Regierung angeregt, daß ein internationales Abkommen über diese Frage getroffen werde, durch das eine allgemeine Regelung der Behandlung von Auswandererfragen berbeigeluhrt werden soll. Damit wurden die Auswanderer dem Schutz des Völker- Hundes unterstellt werden. Im Alter von 78 Jahren starb in Breslau Geheimrat Dr. Moritz Rosen stein. Der Verstorbene war 2(1 Jahre als leitender Arzt der gynäkologischen Abteilung des Jüdischen Krankenhauses tätig. Soeben erschien eine 54 Seiten starke Broschüre über die von der Histadruth veranstaltete Tagung für ihre Mitglieder aus den westeuropäischen Ländern. Die Broschüre umfaßt Beiträge von Dr. W. Preuß, D. Remez, Dr. J. Landauer, M. Brachmann, Dr. Hans Rubin, Josef Sprinzak, Dr, F. Löwenstein, sowie das ausführliche Protokoll der Tagung. Sie ist zu beziehen vom Waad Hapoel der Histadruth Tel-Awiw, P.O.B. 303. Probleme Das Erziehungswesen in der Bibel Bei. Kösel & Pustet in München ist vor einiger Zeit ein weiterer Band des Handbuches der Erziehungswissenschaff erschienen: Die Pädagogik der nichtchristlichen Kultur- Völker, herausgegeben von Josef Schröteler unter Mitarbeit von Johann Baptist Aufhauser, Hans Brunnengräber, Lorenz Dürr, Herbert Franz, Martin Keilhacker, Otto Pretzl, Leopold Walk. (Band I des 5. Teils: Geschichte der pädagogischen Ideen und Einrichtungen in den großen Kulturländern.) Auf den Beitrag ״Das Erziehungswesen im Alten Testament und im antiken Orient“ von Prof. Lorenz Dürr sei besonders hingewiesen. Dürr behandelt das Erziehungswesen des gesamten Alten Orients. ״Denn es ist nicht mehr möglich, das Alte Testament, losgelöst von seinem gemeinsamen Mutterboden, allein zu behandeln. Gerade in diesem Zusammenhänge aber wird dann das spezifisch israelitisch-alttestamentliche Out um so lichtvoller hervortreten.“ (Seite 146.) Dürr weist darauf hin, daß es zwar im Alten Testament keine systematischen Lehrbücher praktischer Lebensweisheit gibt, daß aber die ״gesamte ältere Literatur auf Erziehung des Volkes eingestellt“ ist, und liebt besonders die Schriften der großen vorcxilischen Propheten hervor, von denen er bemerkt, daß sie ״mit ihren einzigartigen religiösen, moralischen und sozialen Lehren“ ״alle an das Volk gerichtet“, große erzieherische Bedeutung hatten. (In diesem Zusammenhänge weist Dürr darauf hin, daß der mosaische Grundstock des Pentateuchs heute wieder mehr und mehr von der Kritik anerkannt wird.) Auf Grund des Zusammenhangs Israels mit dem übrigen Orient, den jetzt die neueren Forschungen für die Weishcitsliteratur aufgezeigt haben, und auf Grund der Analyse der aittestamcntlichen Weisheitstexte nimmt Dürr an, daß ״auch in Israel bereits in älterer, vorexilischer Zeit eigene Weisheitslehrer vorhanden gewesen sind.“ (Seite 176 f.) In dem Ka|־>i1e1 ״Inhalt und Geistder Erziehung in Israel“ bemerkt Dürr, daß entsprechend der staatlichen und religiösen Entwicklung in Israel auch die Auffassung der Erziehungsaufgabe und des Erziehungszieles verschieden ausgeprägt war. ״Gerade diese lebendige Entwicklung ist das Einzigartige gegenüber den anderen altorientalischen Rehgionen, mit denen ja auch wieder viele gemeinsame Linien auf Grund der gleichen seelischen Struktur des Orientalen verbinden.“ (Seite 181.) Um eine Wesenserkenntnis des Judentums ist Dürr bemüht, wenn er bemerkt, daß man bei der systematischen Er- Ziehung, vor allem auf echte, gesunde Frömmigkeit, israelitisch gesprochen: auf Treue und Gewissenhaftigkeit gegen Gott und die von ihm übernommene Bundesverpflichtung bedacht war, daß dies die Sorge der großen Führer, besonders der Propheten gewesen. (Seite 183.) Der jüdische Prophetismus wird anschaulich in dem Kapitel ״Die Motive des sittlichen Handelns“ ins Licht gestellt. ״Es stand wirklich etwas wie ein kategorischer Imperativ hinter diesem Vol k in den Worten; ״Denn ein Gott geheiligtes Volk bist du, oder ״Du sollst das und das tun, denn ich bin Gott, dein Elohim!“ Vor allem die Propheten sind es gewesen, welche dann immer an diese einzigartige Bindung erinnerten (vgl. Jes. 1, 2ff., Jer. 2, 1 ff., Am. 2, Off., Hos. 11, 1 ff). Besonders Amos 3, 1 zieht die Folgerung aus dieser Tatsache durch die Androhung des um so schärferen Gerichtes. Die Propheten haben zugleich die Entwicklung noch weitergetrieben, indem sie Gott und das Gute schlechthin identifizierten und als höchstes Ideal zeichneten: Das Gute erstrebet, nicht das Böse, indem ihr Gott suchet (Am. 5, 14, 15) (Seite 187). Nr. 55, 9. VIL 1935 der Bibel Den Diesseitscharakter biblischen Judentums hebt Dörr hervor, bemerkt aber, daß es auch im Alten Testament Ansätze zur Ueberwindung des rein diesseitigen Lebensideals gibt. Die rrommigkeitshaltung, die eine Reihe von Psalmen erkennen lassen, weist auf ״ein bewußtes Sich-Hinausheben über die Guter der Erde in dem Besitze und der Geborgenheit in Gott“ hin. ״Mag es sich dabei zunächst um Aeuße״ rungen einzelner Frommer handeln, so gewannen sie doch besonders durch die Aufnahme der Psalmen in die Liturgie größcres Wirkungsfeld und wurden so zu einem nicht zu unterschätzenden Faktor in der Erziehung des Volkes auf die übernatürlichen Güter hin.“ (Seite 188.) Diese Darlegungen bedürfen einer Richtigstellung. Die Frömmigkeitshaltung, auf die hier Dürr hinweist, war nicht nur zunächst die einzelner fr?25״er• '"lr ^0PTKnen ihr immer wieder im biblischen Schrifttum. Kahal und Geschichte Prof. Rudolf Bult man ת in Marburg/Lahn hat bei Mohr in Tübingen eine Sammlung von Aufsätzen aus den Jahren 1024 bis 1032 — fünf von ihnen sind bisher nicht veröffentlicht worden — unter dem Titel ״Glauben und Verstehen“ erscheinen lassen, die — teils exegetischen, teils systematischen Inhalts — das Verstehen des christlichen Glaubens zum Gegenstände haben. Obwohl Bultmann in dem Aufsatz ״Die Christologie des Neuen Testaments“ von Jesus schreibt: ״Seine Lehre ist nicht neu durch ihren Inhalt an Gedanken, denn in ihrem Gehait ist sie nichts anderes als reines Judentum, reiner Prophetismus״ (Seite 265), versucht er immer wieder, die Superioritäit der Lehre Jesu dem Judentum gegenüber nachzuweisen. Aber dessenungeachtet begegnen wir öfter Darlegungen, die erkennen lassen, daß Bultmann um eine Wesenserkenntnis des Judentums bemüht ist. In dem Aufsatz ״Kirche und Lehre im Neuen Testament“ umreißt er den Begriff Kahal und stellt die Beziehungen ins Licht, welche zwischen Kahal und Geschichte bestehen und weist auch auf die konstitutiven, gemeinschaftsbildenden Wirklingen hin, die von der Geschichte ausgehen und dort sichtbar werden, wo man sich für eine bestimmte Geschichte entscheidet. Zum Kahal kommt Israel zusammen als das von Gott berufene erwählte Volk, dessen Vätern Gott die Verheißungen gegeben hat. Deshalb ist der Kahal zugleich die Gemeinschaft der Gehorchenden, die sich unter das Gesetz stellen; das heißt, man gehört nicht bloß ״natürlich“ zu dieser Geschichte, sondern hat sich für sie zu entscheiden. Das Berufungs- und Erwählungsbewußtsein ist das entschlossene Bewußtsein, an eine ganz bestimmte Geschichte mit ihren Segnungen und ihren Verpflichtungen gebunden zu sein; der kultische Akt ist selbst ein Moment der Heilsgeschichte. Deshalb vermittelt der Kult zugleich die Tradition von dieser Geschichte; schon früh, indem erzählt wird, wie z. B. die Peßachfeier in einem bestimmten geschichtlichen Ereignis begründet ist. Ueberhaupt ist es ja für Israel charakteristisch, daß die agrarischen Feste eine . Nikanorfest). In der durch die Tradition vermittelten Festlegende zeigt sich darin ein charakteristischer Unterschied etwa gegenüber griechischen Kultlegcnden, daß in ihnen nicht vom Schicksal der Gottheit, sondern von der Oeschichte des Volkes erzählt wird.“ (S. 161 f.) Rabbiner Dr. Ernst Steckelmacher, Bad Dürkheim VERMIETUNGEN ANGEBOTE SKchftlftdie Sfmßc 68, nahe Oliv •er Pt. Vornehm« Pension, Garten, Einzel• u. Doppelzimmer leer ed. ■nSbllert. 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